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Jlr. 92

Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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Dir .DberbeiFiiAe Zeitung" erscheint letbsmai wöchentlich. Lezugsoreis monatlich 2 Mark ausschlietzlich Zuftellungsgedühr. Für ausraürnde Nummern inwlge Streik oo. eiement.EreigniNe kein Ermg. Ler-aci oon Dr. T. HiUerord. Druck der Univ.»Buchdruckerei von 3ob. Lug. Koch. Markt 21,25. Herniprecher SS. Bokticheckkonto: Nr. 5015 Lmt Frankrurt a. Main.

Marburg

Donnerstag, öen 17. April

Ostermoud

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59. Ml. 1924

Mb Md 3mm.

Abgesehen von dem Wettbewerb, den sich Japan mtb die Vereinigten Staate* von Amerika im klitten Ozean seit der Zeit machen, da beide in die Wett­politik eingetreten sind, gilt die Frage der japa­nischen Einwanderung in Amerika als eine Art von Barometer, an dem man den Stand der .c- p^iligen Beziehungen ablesen kann. In früheren Iah- MN, d. h. vor dem spanisch-amerikanischen Krieg 1898, ter den Bereinigten Staaten den Besitz der Philippinen krachte und dadurch sie dem chinesischen Markt lehr viel näher rückte, spielte bereits diegelbe" Ernwan- herung aus Asien eine erhebliche Rolle auch in der Inneren Politik Amerikas. Schon die Verfassung der Bereinigten Staaten bestimmt, daß nur Angehörige her weißen Rasse das Bürgerrecht erwerben können. Später ist das dahin erweitert worden, und zwar Aach der Sklavenbefreiung im Bürgerkrieg, daß auch ffkege. und Negermischlinge Bürger werden können: An­gehörige der mongolischen Rasse jedoch,sind nach wie vor von dem Recht, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden, ausgeschlossen. Hiermit hängt ein anderes Recht zusammen: In den meisten Sttiateitz der Union können Grundbesitz nur Bürger der Vereinigten Staaten erwerben, d. b. auch Ausländer können durch kauf oder Erbschaft in den Besitz von Grundeigentum gelangen, aber nicht in das Grundbuch eingetragen wer­den, sodaß sie in gewissem Sinne wenigstens mit ihrem Besitz recht in der Luft schweben und allerlei Wili- Wrlichkeiten ausgesetzt sind.

Ursprünglich war die Frage der japanisch-chinesischen Mnwanderung lediglich eine Arbeiterfrage. Kali- fonven dann auch Oregon, Washington und einige andere Westliche Staaten wurden mit billigen Arbeitsirästen kn der Gestalt von japanischen und chinesischen Kulis Überschwemmt, was von den Arbeiterorganisationen unter Ausnutzrulg des Rassenvorurteils lebhaft bekämpst wurde/ Hk erblickten'in den billigen Arbeitskräften auf Asien Lohndrücker, welche Eigenschaft natürlich den Arbeit­gebern die Einwanderung keineswegs unangenehm machte. Die große Genügsamkeit, Nüchterul)eit, Bescheidenheit und Arbeitsamkeit der chinefisch-japanischen Kulis wurde, fo- Wohl von den Arbeitgebern wie von den Arbeitsvermitt- krrn, den sogenannten Padrones, weidlich ausgenutzt. Trotzdem gelang es den eingewanderten Scharen bei ihrer unglaublichen Anspruchslosigkeit in den meisten fallen zu einem gewissen Wohlstand zu gelangen. Außer­dem verbreiteten sich japanische und chinesische Handwerker, namentlich in der Gestalt männlicher Vaschmädchen über das ganze Land und es dauerte nicht lange, bis so ziemlich jeder Junggeselle in den ganzen Bereinigten Staaten seine Wäsche bei Japanern oder Chinesen waschen ließ. Damit wurde natürlich die Eifer- jucht der anderen wachgerusen, und so nahm die ftind- felige Stimmung gegen Chinesen und Japaner immer Wehr zu. Den Herd dieser Bewegung bildete natürlich Kalifornien und dieses ging sogar gelegentlich so weit, . sich über klare Bestimmungen bestehender Verträge hin- wegzusetzen und auf eigene Faust die gelbe Einwande­rung zu beschränken , - , ,

Seitdem nun Japan durch seine Beteiligung am Borerkrieg, dann durch seinen Krieg mit China und seinem Siege über Rußland, be­sonders aber durch seine Teilnahme am Welt­krieg sich eine Stellung als Großmacht errungen hat, ist der japanische Stolz aufs schwerste verletzt durch die obenangesührte Bestimmung der amerikanischen Ver­fassung, die als eine Herabsetzung der Japa­ner empfunden wird. Da die Frage der japani­schen Einwanderung, namentlich auch an" den Hawai-Jnseln, dem großen militärischen Stützpunkt Ame­rikas im Stillen Ozean, immer wieder von neuem den Zankapfel zwischen beiden Ländern bildete, schlossen Unmittelbar nach dem Weltkrieg Staatssekretär Lansing and Minister Jschii eine Vereinbarung, wonach sich die japanische Regierung verpflichtete, keine Aus- wandenrngserlaubnis mehr für Arbeiter zu ertelen wäh­rend Amerika Geschäftsleute und Studenten unbehelligt rinlasscn sollte. Praktisch hatte damit Japan daran verzichtet, seine Söhne denen anderer Länder in den Bereinigten Staaten gleichgestellt zu sehen. Tas war also ein großes Zugeständnis Japans. Unter de> Ein­wirkung dieser Vereinbarung ist auch bfe Zahl dec Ein­wanderer auf 143 Japaner im letzten Jahr znrück- eegangen. Nun aber berät der Kongreß ein neues Ein- wandernngsgesetz, das bereits das Unterhaus passiert hat, und dieses enthält die Bestimmung, daß überhaupt die mongolische Einwanderung verboten sein solle. Mit Recht sieht hierin Japan einmal den Bruch jener Vereinbarung, die freilich nur münd- lich als sogenanntes Gentlemensagrement gettofsen wor­den war und zweüens eine Herabwürdigung seiner Nationalehre. Infolgedessen hat der japanische Botschafter dem Staatssekretär Hug- leS eine Note übersandt, in der mit ernsten Kon- stquenzen gedroht wird. Und Hughes hat dem Se nat die Note zugehen lassen mit dem Ersuchen, darauf R ü ck- s i ch t zu nehmen. Allzu vielAussicht ist hierfür jedoch Nicht vorhanden und man wird daher für die nächste Zukunft mit einer ernsten Spannung zwischen Japan und Amerika rechnen müssen, wenn nicht Präsi­dent C o o l i d g e infolgedessen das ganze Gesetz vettert. Bas muß abgewartet werden. G-. Th.

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Washington, 16. April. Der Senat nahm «ine Vorlage über die Ausschließung der Fapan « r in beinahe derselben -Tn"«!«!» wie das Repräsentantenhaus an.

Poincare über das Gutachten.

Paris, 16. April. P o i n c a r 4 hat gestern abend auf einem Bankett der republikanisch-demo­kratischen Partei eine große Rede über die franzö­sische Politik gehalten. Er unterstrich erneut den Zusammenhang zwischen der inneren und äußeren Politik und nahm Frankreich gegen den Vorwurf des Imperialismus in Schuß. Besonders interessant ind die Säße in seiner Rede, die den Sachver- tändigenberichten galten. Der französische Ministerpräsident widersprach zunächst der in deut­schen Blättern und auch von einem Teil der franzö­sischen Presse verbreiteten Auffassung, daß die Be­richte auf eine Verurteilung der franzö­sischen Ruhrpolitik hinausliefen. Sie wären im Gegenteil eine glänzende Rechtfer­tigung dieser Politik. Er fuhr dann fort: Das Sachverständigengutachten seßt die Wiederherstel­lung der wirtschaftlichen und fiskalischen Einheit des Reiches voraus. Mit der Forderung auf einen Aus­tausch unserer Pfänder gegen allgemeine und ein­träglichere Pfänder kann man an uns nicht auf Grund einer prinzipiellen Erklärung einer rnitdenLippengeflii st ertenZu- stimmung herantreten, sonder» erst, nach der Ausführung des Gutachtens durch Deutschland, wie die Sachverständigen ausdrücklich vorschreiben. Es kann selbstverständlich nicht die Rede da­von sein,daßwirunsernDrucklockern, ohne die Mittel zu bewahren, die ihn im gegebenen Falle sicher und rasch wieder herstellen. Das Gut­achten sieht sogar voraus, daß politische Sank­tionen, die dazu bestimmt sind, die Verwirk­lichung des Planes zu gewährleisten, als wün­schenswert angesehen werden können. Die Sach­verständigen erklären sehr richtig, daß sie für diese Sanktionen-nicht zuständig sind, und es von den verbündeten Regierungen abhcinge, ihre Natur zu bestimmen und ihre Wirksamkeit zu sichern. Wir werden also über diese Frage mit unfern Verbün­deten verhandeln und, da die von uns geschaffenen Körperschaften noch in unfern Händen sind, wird eine Verständigung und die Wahrnehmung unserer Interesien uns leichter fallen als 1922. Da eine dieser Körperschaften, nämlich die Eisenbahn- regie, außerdem eine wichtige Sicherungsgarantie darstellt und in gewissem Maße Sicherungspakte er­setzt, die man uns 1919 versprochen hatte werden wir mit unfern Freunden gleichfalls diese Haupt­frage erörtern, die wir angesichts des Wieder- erwachens des deutschen Imperialis­mus nicht vernachlässigen dürfen. Die Verherr­lichung Ludendorffs, die dem Kronprinzen dar­gebrachten Ovationen, die offiziellen Lügen hinsicht­lich der Schuld am Weltkriege und die Behinderung der interalliierten Kontrollkommissionen an der Ausübung ihrer Obliegenheiten sowie schließlich die geheime Vermehrung der militärischen Organi­sationen und Rkvancheverbände, das sind alles Symptome, die Wachsamkeit zur ständigen Pflicht machen.

Paris, 16. April. Zu der gestrigen Rede Poincaräs schreibt der nationalistischeEclair": Wir möchten gern den Optimismus des Minister­präsidenten teilen. Leider sind wir aber beim Lesen der englischen Presie gezwungen, zuzugeben, daß sie die Absichten der Sachverständigen nicht so wie der Ministerpräsident auslegt. Unsere Alliierten

sind heute ebensowenig wie gestern geneigt, auf Deutschland einen Druck auszuüben und »es zur Innehaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Es werden uns neue interalliierte Konferenzen ver­sprochen, die wahrscheinlich für uns nicht besser aus- laufen werden wie die früheren Konferenzen. Wäh­rend wir uns herumdisputieren, wird Deutschland Zeit zum Rüsten haben.

Die deutsche Antwort in Paris überreicht.

Paris, 16. April. Der Vorsitzende der Kriegs­lastenkommission. in Paris, Ministerialdirektor Dr. Ruppel, hat heute mittag die Antwort der deutschen Regierung wegen des Sachver­ständigengutachtens dem Vorsitzenden der Repara­tionskommission, Barthou, überreicht. Die deutsche Antwort aibt die formulierte bejahende Antwort auf die Frage der Reparationskommission, ob die deutsche Regierung bereit ist, auf der Grund­lage des Gutachtens der Sachverständigen an der Lösung der Reparationsfrage mitzuarbeiten.

Der Sachverständigenbericht im Unterhaus.

London, 16. April. Wie verlautet, findet heute um 1 Uhr nachmittags im Unterhaus eine Aussprache über die Berichte der Sach­verständigen statt.

London, 16. April. In Verbindung mit der von den Sachverständigen für Deutschland vorge­schlagenen Ausländsanleihe von 40 Mil­lionen Pfd. Sterling fragte Lord Henry Cavendish B e n t i n ck den Premierminister, ob sich die Regie­rung nicht dafür verbürgen wolle, daß eine Unter­stützung Großbritanniens nur unter der Bedingung der militärischen und wirtschaftlichen Räumung durch die Franzosen gegeben würde. Mac Donald erwiderte: Die Empfeh­lung der Sachverständigen beruht auf die Annahme, daß die steuerliche und wirtschaftliche Einheit Deutschlands wiederherge- st e l l t w i r d, und daß die wirtschaftliche Tätigkeit nicht durch eine andere ausländische Orga­nisation behindert oder berührt wird als die in dem Bericht vorgesehene Kontrolle. Mac Donald fügt hinzu, die Sachverständigen hätten ausdrücklich festgestellt, daß ihre Empfehlung als ein unteilbares Ganzes betrachtet werden sollte und sagte sodann: Ich habe bereits mitgeteilt, daß die Regierung bereit ist, den Plan in seiner Ge­samtheit zu unterstützen, vorausgesetzt, daß alle anderen Parteien willens sind, dasselbe Verfahren einzuschlagen. Mac Donald bemerkte weiter, er glaube nicht, daß er im gegenwärtigen Stadium seinen bisherigen Ausführungen etwas Nützliches hinzufügen oder in eine Einzelbesprechung eintreten könnte.

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Newyork, 15. April. Nach einer Meldung derAssociated Preß" aus Washington hofft Coo- l i d g e, daß der Bericht des Komitees Dawes die Regelung der Reparationsfrage durch die alliierten Mächte zur Folge haben werde. Nach seiner Auffassung wird die Zahlung der den Ver­einigten Staaten für den Unterhalt der Rheinland­armee geschuldeten Summe seitens der Zentral­mächte durch die Annahme des Berichtes nicht be­rührt werden.

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Washington, 16. April. Der Senat besprach am Montag die Einwanderungsgesetzgebung und be­sonders die bereits gemeSste Mitteilung des japa­nischen Botschafters an Hughes, in der erklärt wird, die geplante Einschränkung der japanischen Einwan­derung erschüttere das Vertrauen Japans. Lodge bc^ichnete diese Mitteilung als ungehörig und sagte, die Regelung der Einwanderung sei ein grund- legendcs Recht der amerikanischen Nation. Borah und andere Senatoren beider Parteien schlossen sich diesen Ailsführungen an.

London ,16. April. Reuter meldet aus New- York: Die Blätter verurteilen das Vorgehen des Re­präsentantenhauses kund des Senats; das auf Ein­schränkung der japanischen Einwanderung abzielt und bezeichnen es als ebenso unnötig wie beleidigigend für das japanisch-' Volk.World'' sagt, das Land er­warte. daß der Präsident durch sein Veto vor den Folgen dieser Torheit bewahre.

London, 16. April Nach einer Reutecmeldunz ans Tokio hat der Vorschlag des Kongresses der Ver­einigten Staaten, der die japanische Einwanderung tatsächlich ausschließt, in Japan großes Befremden berrorgerusen. Ein besonderer Kabinettsrat habe die Lage erörtert. Man hofft noch, daß Amerika feinen Entschluß überprüfen wird. Die Presse verurteilt das Vorg'.hen Amerikas und bezeichnet es als einen Ver­stoß g-gen alle internationalen Gesetze,

einandersetzung zwischen Amerika und Japan anläßlich der amerikanischen Vorbehalte gegen die japanische Einwanderung eine recht bedrohliche Wendung.Central News" zufolge rechnet man mit dem Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen zwischen beiden Ländern. In amerikanischen Regierungskreisen sollen jedoch Unstim­migleiten hinsichtlich des gegenüber Japan eiuzuschlagen- ben Verfahrens herrschen. Der Senat hat mit 76 gegen 2 Stimmen das bisher gültige Abkommen, das die Frage der japanischen Einwanderung regelte, außer Kraft ge­setzt. Dieser Beschluß ist namentlich als ein Protest gegen den Brief anfznfassen, den der Washingtoner japanische Gesandte vorgestern dem Staatssekretär Hughes in der Frage der japanischen Einwanderung überreichte. Man bezweifelt, daß Präsident Cooliüge persönlich zu­gunsten eines Fortbestehens des sehr günstigen Abkom­mens in den Konflikt Eingreifen wird, und es wird ange­nommen, daß für die Zurückhaltung des Präsidenten vor allem Wahlrücksichten maßgebend sind. Dagegen rech­net man nachCentral News" mit der Möglichkeft einer Demission des Unterstaatssekretärs. Senator Lodge hat gestern im Weißen Hause einen Besuch abgestattet und dem Präsidenten Coolidge mitgeteilt, daß im Kongreß zugunsten eines Amendements auf Ausschließung japa­nischer Einwanderer eine gewaltige Mehrheit bestand». Der Senat wird heute zu diesem Amendement Stellung nehmen.

Paris, 16. April. Nach Meldungen aus Washing­ton zu schließen, pimmt die diplomatische Asts-

London, 16 April. DieTimes" berichtet aus Washington, daß die Aktion des amerikanischen Senats einen wichtigen und bedauerlichen Einfluß ans die Bez ehnngen zwischen den Ver:i n g te n St ac- ten und Japan haben müsse. Die Hauptursache für die ziemlich brutal: Vehairdlung dieser delikaten Frage sei

zweifellos das Schreiben, das vor fatjem von der« japanischen Botschafttr an Staatssekretär Hughes ge­richtet worden fei, in welchem er von den ernsten Folgen! sprach, die durch die Annahme der strengen ®u$» schließungsbestimmungen entstehen würden. In Wa­shington werde viel von der Möglichkeit der Abberufun- öes \ ft BvisHssters gesprochen. Tele­

gramme aus Tokio besagten, der Botschafter habe da» Schreiben auf eigene Initiative verfaßt und wenn ei , sich so verhalte, so sei es mehr als wahrscheinlich, daß die japanische Regierung ihn nicht mehr als geeignet für seinen Posten betrachten werde.

Paris, 16. April. Nach einer Havasmelduno aut Tokio hat der japanische Außenminister Matsui gestern nachmittag mehreren Korrespondenten amerika­nischer Blätter eine Erklärung abgegeben über die Haltung der Vereinigten Staaten in Frage der japanische» Einwanderung in den Vereinigten Staaten. Er unterstrich, in welche schwere Sorgt Japan dadurch ver­setzt werde, auch gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die in dem amerikanischen Einwanderungsgesetz enthaltene« Bestimmungen, die sozusagen sämtliche Japaner aus de» Bereinigten Staaten ausschließen würden, abgelehnt werden. Amerika sei in der beneidenswerten Sage einer Macht, die entweder willkürlich Stellung nehmen oder weitherzige Großmütigkeit beweisen könne, d. h. den ande­ren Nationen ein Beispiel geben oder eine große Ver­stimmung Hervorrusen könne. Hoffentlich würden bie Vereinigten Staaten nichts tun, was die alte Freund­schaft und Achtung Japans ihnen gegenüber schwäche» müßte.

London, 16. April. Reuter berichtet auS Toki es toerbe in Japan bebanert, baß bie Wendungernste Folgen", die von dem japanischen Botschafter ge­braucht wurde, in Washington nicht verstanden würde, Der Botschafter habe darunter verstanoen, » mora­lische Rückwirkung bei dein japanischen Volke gegenüber Amerika entstehen würde, bie von ber Regierung würde kontrolliert werden müssen. Die Reutermeldung gibt bie Aeußerung des japanischen BlattesJiji Schünpo" wieder, tft ber es heißt, daß das amerikanische Reprä­sentantenhaus alle Forderungen internationaler Höf- lichkeft und Moral außer Acht gelassen habe.

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An; dm teWta SM.

Die französische Genugtuung Über di« Micnal» Verträge.

Par is, 16 April Die Be rlängerung der Micumverträg« um zwei Monate wird von bet Presse als bedeutender Erfolg gebudjt.I o nr- n al" bringt diese Tatsache mit der gestern gemeldeten grundsätzlichen Annahme der Sachverständigenbe richt« durch Deutschland in Zusammenhang, um festtzu- stellen. daß sich in der öffentlichen Meinung Deutschlands ein weitgehender gün­stiger Meinungsumschwung vollzogen habe,.. Das Blatt macht weitere Angaben Äer die bisheriges Einkünfte aus den Micumverträgen. Demnach V«N zeichnete die französisch-belgische Zollverwaltung fotzr genbe Tageseinnahmen: im November 1923 1190 006 Frs., im Dezember 2053 000 Frs., im Januar 192^ 2 957 000 Frs.. im Februar 4600000 Frs. Jnsz" samt wurden 42 695 848 Goldmark gleich 10 Millionen Dollar in runder Zahl eingenommen.

Journal" behauptet, daß die Einnahmen ttaj£ genauesten Berechnungen zu schließen, sich jährliH auf 300 Millionen Goldmark, d. h. ungefähr 57 3Rifrj> lionen Dollar belaufen werden.Petit Pari-'ch fio n" meint, man könne die deutschen Ruhv^ industriellen nur beglückwünschen, den? Beispiel der rheinischen Großindustriellen gefolgt yfc fein. 1

Di« Erwerbslosen-Unterstützung im besetzten 6e6ietc

Berlin ,16. April. Der Reichsrat hat heute Nachmittag eine öffentliche Vollversammlung abgehal­ten. Er stimmte der Erw eiterung des Krei­ses der Bezugsberechtigten von Erwechs-« losenunterstützung für das besetzte Gebiet zu. Hier _ sollen euch diejenigen bezugsberechtigt sein, bie in den | letzten zwei Jahren vor Eintritt der Unterstützungs- f b^ürftigkeit mindestens sechs Monate lang eine kran-. keuver'ich rungspfl chtige Befchä :ig mg au-geübt haben« Die nächste Sitzung ist am 1. Mai. «

Begnadigt. \

Köln, 16. April. Wie dieKöln. Volksztg.* ' erfährt, sollen die wegen der Vorgänge vom 30. %. 1993 in Düsseldorf vom franzönschen Kriegsgericht Ende Dezember zu Gefängnisstrafen verurteilten Schupoleute begnadigt und noch vor Ostern entlaßen werden, soweit es sich nm Mann- k schäften handelt. Die Begnadigung der Offiziers« sei in wohlwollende Erwägung gezogen worden.

Keine Entlassungen von Neichsbeamtea. y Köln, 16. April. Wie dieKöln. Ztg." auM Düsseldorf meldet, hat der kommandierende GeneraL der Besatzungsarmee verfügt, daß von heute (15. 4J' an keine Entlassungen von Beamtet! des Reiches, des preußischen Staates und bet; Gemeinden vorgenommen werden dürfen, ohne datz, vorher die Zustimmung des tommanbietenben Es»l nerals eingeholt worben sei. ./