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3weites Blatt

Ebenso danken bk Westfalen.

Mittwoch, 9. April

1924

Gefährdung der Gesundheitspflege in den deutschen Städten.

Die Finanzlage ha! b'c Städte gezwung n,-aus asip» Geb'.« en weitgehrnde Einschränkungen vorzunehmm, Be'onb.tts fchme-zlich ist es. daß hiervon die Einrich­tungen zur Pflege der Volksgesundheit nicht ver­schont gchleben sud

Von j?her tuten die deutsch?» Siebte den Aus­bau d r rl g r Einrichtungen a's «ine ihrer voniehm* sie» Aufgaben betrachtet. All 3. was aus btrien Gc* 6ie:e ge'chas'en wurde, wie Krankenhäuser. Säugllltgs- frim. K ndrrh^e. AlerS- und Äechesh ime. Atzte* anßalen und Halftnsthiormmbäter. Beratungsstelle^ zur Bf' g* d?r Gesundheit usw. läuft v'e'ererts Gesrchr .in Opfer des Versailler Diktates und feiner Folgen zu werde».

Wie sich aus einer int Herbst vorigen Jahre? vom Deutschen Sttidtetag veranstalteten Erhebung eraah.

Schwierigktiten Hinwegzubringen. Alles. war daS deutsche Voll bisher getragen hat, ist klein geg-n das, waS «.ine neue Inflation bringen würde t Zustim­mung). In der ReparationSftage muß «ine Lsfung gelingen, die unsre- Wirtschaft leben läßt. Bis dahin bewegen wir unS auf einem schmalen Grate, unser teuricheS Volk muß sich bemühen, über den Grat weg- zukommen, sonst nützt auch die teste Seilsicherung des Liaates nichts. Ich hofft, daß wir durch einew Bund von Staat und Wirtschaft beide retten Vnnen. sonst wklrdrn Staat und Wirtschaft zugrunde gehen. Wir wollen aber nicht zugrunde, sondern zur Höhe gehen Tas wir zur Höhe gehen setzt Pflichtbewußt- seiu voraus Die Synthese von Freiheit und Vater- inad muß im ganzen Volke gefunden werden.

Die Rede wmde »ft lebhaft«« Beifall aufzenom-' «MX.

5r. Sones eenen lei Serloilet Mm

Hildesheim, 8. Ap-il. Am Montag abend sprach ReickSinnenminifter Dr. San*? vor einer zahlreichen Zuhörerschaft in der Stadthall? j« Hildesheim über dft poLtische Lage. Er zeichnete d e politischen k>auptzü-e seit der Kan^lerberrschast Strrsemanns und wies nach, daß die Ermächtigungsgesttze «otwendiq waren, nm ter Not des Vaterlandes einen se>n Stand enteaenzr»- setzen. Er führte etwa aus: Die Grundlagen für die Beamtenabbauverordnung waren schon unter Mitarbeit der Sozialdemokraten aus dem Kabinett ge'chafsen worden. Dtrch den Beamtrnabbau werten ziemlich große Er- svarnissr erzielt. Trotzdem bleibt im Rrichsetat 192 1 ein nicht gedeckter Defizit von 4.3 7 Milli­onen Mark, das hauptsächlich verursacht ist durch di« Besatzungskosten. Wäre der Beamtenabbau nicht gekommen, so würde auch die Renten- mark nicht zu halten gewesen sein.

q®er Minister wandte sich dann der äußeren Vckl'ti' zu üiitb führte dann «eiter aus: Miere gesamte Imreu-, Politik hängt von der Außenpolitik des Reiche? ab. Die Grundlage unseres Elends ist der Ver­sailler Vertrag und die Lüge über die Schuld Deutschlands am Kriege. Gelingt cs Tcutlchlaud, seine Unschuld zu beweisen, dann muß dieser Vertrag fallen. Mit dein Elend .das nn? ter Versailler Vertrag ge- bracht hat, ist eng verknüpft die furchtbare Not an Rhein und Ruhr, öi -r gibt es keine Ordnung mehr in der Verwaltung. 189 000 Deutsche wurden von Haus und Hof vertrieben. 14 455 Jahre Gefängnis haben ftan- zösische Kriegsgerichte verhängt, 11 Todesurteile avnrsen ausgesprochen, 132 Tote sind im Ruhrkampf geblieben. Wir müssen vor aller Welt fordern, daß dieses Unrecht endlich auf hört. Trotzt em die Regierung Strcscmann den Feinden auf dem Wg ter Verständigung bis an die äußerste Grenze entgegen gekommen ist, sie ht die Zuku nft sehr bedroh­lich auS. Man ist sich in Deutschland völlig ein«g darüber, daß eine Verlängerung derMieumverträge unmöglich ist. Was die GuMchten «nt alten, mu" uns nach den bisherigen Pressemeloungen mit ernster Sorge erfüllen. Das eine steht fest, daß die gan-c deutsche Regierung nichts unterschreiben wird, was erfüllbar ist. Di? deutsche Note zur Mil tärkontrolft ist bisher noch nicht beantwortet worden. We die Ent- W&ung in Maris ausfallen wird, steht dahin. Der deutsche Standpunkt wird durch innerdeutsche Vorgänge außerordentlich erschwert. Der Hftft Prozeß war unserem Ansehen im Ausland sehr abträglich, aber BeröffenV l'chungen wie die des Prof. Quid de'sen geradem ÄS Landesverrat bezeichnet werden. Wir haben die Berpftichtung, den Gedanken ter Wahrhaftige«!! aufrecht zu erhalten, es könnte die Zeit kommen, w o d a S zenelbrochewe Schwert mied« zusaMmen^r- schweißt «erden muß. Dieser Augenblick ist mit Klugheit abzmvarten. Da bild« tie dEch-vösWhe Bewegung ein# schwere Gefahr, weil sie jede verantwor­tungsfreudige Mftarbeit avlebnt.

Der Minister sprach dann über die hannoversche Abstimmung und meinte, die hannoversche Ab­stimmung sei Wasser auf die Mühlen des Feindes. MS

Handwerkskammer zu Cassel, j

An der kürzlich abgehaltenen Vollversammlung btt: Handwerkskammer zu Cassel gab der Vorsitzende, Zimmev* j meister Zimmermann, bei Eröffnung her Hoffnung Ante! druck, baß jetzt nach ter Festigung ter Geldverhältnisss.1 die Forderungen des Haichwerks wie Kreditbeschaffung u. a von den maßgebenden Stellen soweit als eben möglich erfüllt werten. Au» dem Bericht des Syndikus^ Th an «heiser ist folgrtttes - von Interesse: Da»! Handwerk bat im letzten Jahre schwer gelitten. Biela * hunderte, ja sogar tausende selbständig« Handwerker Habben ihre Betriebe schließen müssen. Fast alle Hand- : werker haben ihr gesamtes Betriebskapital verloren und hnüifen versuchen, ihre Betriebe wieder aufzurichten. Das Ergebnis ter Arbeit im letzten Fabre und Jahv-1 zehnte ist vernichtet Wochen. In die Fam'lien der alte« arteitSuniähigen Handwerksmeister ist bittere Not und grenzenloses Elend ernt,«kehrt. Die Aussichten auf 6tri» . bitte durchgreifende Besserung der Wirtschaftslage sind find leider immer noch gering. Lehrgänge zur Borbs* . reltuna von Handwerkern auf die Meisterprüfung haben ' in (Tafel. Hanau, Marburg urid Neukirchen mit 125 Teilnehmern stattgcfundcn. Die Meisterprüfung haben ' -tS1 Handwerker abgelegt. Die Versammlungen ter Bor« staudsmitglieder ter Innungen, Handiverker- und Gte' werbevereine in Cassel, Eschwege. Fulda. Gclnhauken and Marburg waren durchweg gut betucht und habe« ihren Zweck durchaus erfüllt. Sehr eingehend besaßt« sich die Versammlung mit ter Abänderung der Richl* linien kür die den Lehrlingen und Lehrmädchen zu gte währenden Vergütungen, die wie folgt festgesetzt wurden:' Lehrlinge und Lehrmädchen, die weder Kost noch Wohnung beim Seomeiiler haben, erhalten eine Vergütung, die -n größeren Städten im.1. Jahr 2 Goldmark, 2. Jahr 3 GoLmark, 8 'Goldmark, 8. Fahr 5 Goldmark, 4. Fahr 6 Goldmark: in mittleren Städten im 1. Jahr 1.50 Goldmark. 2 Jahr 2 Goldmark, 3. Fahr 3 Goldmark, 4. Fahr 4 Goldmark, und in kleinen Flecken im 1. Jahr 1 Goldmark, 2 Jahr 2 Goldmark, 3. Fair 2.50 Gotte mark und im 4. Jahr 3 Goldmark pro Woche beträgt. Nach Erledigung kleinerer Punkte wurde in Anwesenheit des Regierungspräsidenten ein Referat des Syndikus Dr. Hartmann über die Preistreil>ere!gese<'g'b!tng und bk Wuch:raerichte entg gengenommen. Anschließend rekrierte er über die verschiedenen Steuernotöerorte mengen und betonte ausdrücklich, daß das Handwerk durchaus gewillt sei, Steuern zu bezahlen, ater es müsse auch mit den wirtschaftlich richtigen Mitteln vorge­gangen werden, bie es auch dem kleinen Meister er- mögSd*, seinen Verpflichnngen nachzukommen. Rach Erledigung etniger w'rffchastlicher Fragen wurde oft Vollversammlung geschlossen

Marburg und Umgegend.

' Marburg. 9. April (Ostermond).

* AuS dem Amtsblatt. Ernannt: Forstass. Dietrich in Hann. Münten zum Obf. unter Ueöertrag. ter ObfSt Altenlotheim. Forstass. Hoffmann inJRiit- den ssfteg.s zum Obs. unter Uebertrag. ter ObjSt. in Fritzlar. Uetertragrn: dem Förster Becker in Ro­tenburg. Obf Ro.enburg-West, biee FörstSt. Kotton- bach. Obs. Rotenburq--Writ, den üterz. Först. Mül­ler in Rosenthal, gl.Ob5> tße FörstSt. Wölkersdorf, gl- Obs.. Rietzft m Cölbe, Obs. Marburg, die FSekrSt. Brächt, gl Obs., Sauer in Rotebach, Obf. Meißner, tie FörstSt. Blanckenbach, Obf. RenterShiwskH. -- Be­auftragt: Generalsup. D. Fuchs in Cassel mit ter Verfth- ter Superint.-Geschäfte ter Diöz. Hanau. Vft. Di tm-a in Berge. Kl. W'tzenhausen, mft ter Mit* verseh, der PfrSt. in Eichenberg.

* Die Postgebühren. Ruf mehrfachen Wunsch veröffentlichen wir hier nochmals die we­sentlichsten Postgeführen, die seit 1. Dezember auf wertbeständige Grundlage gestellt sind: Postkarten im Ortsverkehr 3 Rentenpfennige, im Fernverkehr 5 R.-Pfg.; Briefe im Ortsverkehr bis *20 g 5, über 20 bis 500 g 10 R.-Pfg., im Fernverkehr bis 20 g 10 R.-Pfg., über 20 bis 500 g 20 R.-Pfg.: Druck­sachen bis 50 g 3, über 50 bis 100 k 5 R.-Pfg. ufw. Warenproben bis 250 g 10 R.-Pfg., über 250 bis 500 k 20 R.-Pfg.; Päckchen bis 1 Klg. 30 R.-Pfg ; Pakete: 1. -Jone bis 75 Kim., 2. Zone über 75 bis 375, 3. Zone über 375 Ktm. bis 8 Mg. 30, 60, 60, über 3 bis 5 Klg. 40, 80, 80, über 5 bis 6 Klg. 45. 90, 135 R.-Pfg.; Wertsendungen (Wertbriefe und Wertpakete): die Gebühr für bie gleichartige ge­wöhnliche Sendung wie die Verstcherungsgebühr be­trägt bei Wertbriefen und versiegelten Wertpaketen für 100 Mark der Wertangabe In Rentenmark 50 R.-Pfg., bei unversiegelten Wertpaketen für je 20 Mark der Wertangabe in Dienten merf 5 R.-Pfg.. für Postanweisungen in Rentenmark bis 25 Mark 20 R.-Pfg., über 25 lis 50 Mark 40 R.-Pfg. usw. Die Einschieibegel-ühr und Vorzsigegebühr für Nachnahmen und Postaufträge ist auf 20 R.-Pfg. festgesetzt. Für in ter eingezahlte Zahlkarten (in Papiermark) bis 25 Billionen Mark sind zu ent­richten 10 R.-Pfg., über 25 bis 50 Billionen 20 R.-Pfg. ufw. Die Auslanosgebühren betragen für Postkarten 20 R.-Pfg. lnach Ungarn und der Tschechoslowakei 15), für Briefe bis 20 g 30 (Un- flam und Tschechoslowakei 25), für Drucksachen für je 50 g 5 R.-Psg.

Wichtia für Reisende, lleber die Aus­händigung von Wertbriefen. Paketen. Post und 3«6fr luttcsanmeilungct an unbekannte Empfänger war bis­her bestimmt, daß sich ter Emriänger durch genügend« Aosweissaviere und durch das Zeugnis einer be- kwmten, vertrauenswürdigen und zahlungsfähigen Person auszuweisen batte. Bel Einschreibsendungen >'nv f-'l M'-r-l"ndunaen. Post, »nd Zahlungsanweisun­gen bis 200 Rentenmark genügte es. wenn der Emo­fänger dr Ausweisoavier vor,eigen oder einen Zeugen stellen konnte. Diese Vorschriften find dabin geändert worden, daß allgemein, also auch bei Wert­sendungen. Post- und Zahlungsanweisungen über höhere Betröge, nur noch einer von den beiden Aus­weisen gefordert wird, allo entweder ein vollgültige» AnsweisimMer oi>t t bas Zeugnis einer bekannten, vertrauenswürdigen und zahlungslähigen Person. Als vollgültige Austveispavftr« gelten außer ter Posta us- weiskarte nur solche von Behörden für bestimmte Per­sonen ausgestellte Paniere, die eine Personbeschreibung, ein beglaubigtes Lichtbild und die eigenhändige Un­terschrift des Inhabers tragen. Die Bestimmungen

MfMWznIM» 5t Saarn Iber die ffilrtHWit

W' Frankfurt a. M., 7. April. Auf Beranlaf- fmtfl ter Frankfurter Handelskammer fand heut« Nachmittag im S tzungssaale ter Hantelskammer eine Versammlung vor einem geladenen Kreise von Mit* Gliedern ter städtischen Verwaltung und von Ver­tretern von Hantel und Industrie und ter Presse statt. Für di« Handelskammer begrüßte deren Vorsitzender. Bankier Hauck, die Erschienenen, namentlich den wirtschaftsminister Dr. Hamm und den Vertreter ter ußisriM Regierung. S'aetssekrettir Dönhoff. Letz* teeer sprach im Namen ter vreußisch-n Reggrung ter Mess ftftung und ter Handelskammer ten Dank für Ht Einladung auS.

Rcichswirtschastsminifier Dr. Hamm legte u. a. Hrt: Etwas Abschließendes über die Mrischaftslaze mochte ich nicht sagen, weil wir gerade an der Frank­furter Mess« «IwäS lernen und n-eil in ten nächsten Tagen im Ausschuß des ReichswirtschastSrates die Wirtschaftslage besprochen wird. In München habe ich neulich gehött. daß man von einer bayrischen Wirtschaft nicht sprechen soll da eS sich nur nm «Inen bayerischen Ausschnitt der deutschen Wir:slast handelt. Das ist rich'ig und das hat auch der Vetlmes der deutschen Geschichte unmidklbar vor . 1870 gereizt. Tas wird uns besonders in Frank­furt llar der Stadt des Schnittpunktes der großen euioväiiiten Linien, ter Stadt Goethes, ter Stadt, tn ter ter größt« preußische Staatsmann znm gvöße ten tei tschen Staatsmann aufwuchs. Die Eiitdrücke der Franklurltr Messe sind stark und nachhaltig, ein« Leistung, bi« aus bürgerlicher Kraft herauswuchs, da- Izu kommt der starke Eindruck, wie sich unsere Wirt- 'Ph«sr auf tfle Leit rinftellt. auf die Not «II ten stärksten Aniez Die deutsche W rischast le bet uni. r bet fi rebitnot. das ist vielmehr Ftege, als Grund ter Nöte. Die Käufer haben zu wenig Geld. um zu kaufen, die Verkäufer zu wenig, um kre­ditieren zu können. Das sind die Aus- dru cksformen einer und derselben @e- fa ml lagt unsrer Wirtschaftt. UnsertW'rl- fchast Ist verarmt, unser ganzes Geld »st hinausge- flössen Wir find arm geworden, herüber brauchen toir utts kemnt Vorwurf zu machen. W r sollten das aber nicht als treuiteudes. sondern al ciaiztnteS Mr mcnl tetrachttn. Wir haben alle bet Kreg »rriortn, gerade uirrr Wirtschaftslage müßte das einigend fr» r a t Eine Wirtschaft kann nur leben, wenn Hand- «rste»kepsarbei!er e nig sind »nd mit d n Unternehmern im»1 der Celbwirtschast Zusammenarbeiten. Ju bet gegenwärtigen Lage könnten wir uns zusamwrasin- ten Der stärkste Eindruck, unter dem wir sichen, lst. daß wir zunächst wieder eine ative Handelsbi­lanz Haven; sie hat aber int Januar und Februar rvie- ter einen passiven Handelsbilanz Platz gemacht die eine Unftcherieit in unser Wirtschaftsleben hinein- trägt. Das macht daS Problem ter fir bitt für uns tesonders schwer. Ich werde gerne ten Abbau ter Lwangsw'.«schäft herbei'ühren: er tarnt ater nur er­folgen, totttit an seine Stelle die Pftoßt ter Leistung tritt. Durch die Täiigke t des ReichSfinanziuimsterS erhalten wir Kredite, die in produktiven Anlagen an- !>elegi werden müssen, oder mit denen wir unser: AuS- an> surr,chu düng mindern müssen. Alle produktiven Kräfte sen sich als Teile des deutsthen Volkes lüh- len. das Gesetz von Angebot und Nachfrage darf ch«r «richt allein gelten; es muß eine Grsamtveratowor- tuug Grsitlng haben. Ein schlimme! Uebel wäre es. totnn wir um eine Steigerung der Kaufkraft oer Be­völkerung zu erzielen, zu einer neuen Inflation fern- inen würden. Die Belastungen de? deutschen Volkes lvarcu noumndig. um daS deutsche Volk fiter die

Rheinländer muß ich dar Vorarbeit bet Han-ssind besonder» für Personen, bte auf Reift» sind, ffebtz uoverschen alS Rücksichtslosigkeit bezeichnen swichtig. Die Unkenntnis bat schon manch«», well et " seine Postsendungen nicht bekommen konnte, große Lee»

leaentefte» bereitet Solch« werd«» am test«» ver« nieten, wem, man sich vor Antritt einer Reift et»e , Postauswriskarte bei^ftinem Postamt ausstellen lößt, '

Nachdruck verooteu.

Die Herrveghs.

Roman von fitestet Dill. -

" htterrecht bei M. Fntchtwanger. Halle s. S.

Und werdet die Wahrheit et&niuiu

. und die Wahrheit wild Euch fttt machen."

Am allgemeinen kümmerte sich 'Emst v. Herwegh nicht darum, was in der Mainzer St«He vorging. "Ct hatte rs immer so eilig, 4»?nn er des Morg-ns, bte Mapp? un eriu Arm. die Handschuhe zuknöpfrutz. «ns Has Bür> d.'s Justizrats Esch lief, nnb des AbendS wußte er stch erst recht eilen, um noch rin paar ArteftS- ßuuden für sich z» erübrigen, denn er berritete flch Auf den Assfffor vor. Heute war er brionter? spät geworden Sem Freund Siolzmberg in ter BadlauS- gasse hatte ntut Not.m bekommen und et hatte noch tato im Kursaal den Schluß ter Don-Juan-St». I»ttie anatbört. Als er in bie neblige Straße einbog. brannten bie Laternen, dicker Rhnnneb l kroch zwi­schen den entlaubten Kastanien und in dem letzten Kckhaitse strahlte» die Fenstcr hell in die Nacht hin- Aus. dorr' wurde Klavier gespielt wie jeden Abend, And a>»f tem Bahnhof schickte sich eben die Lokomotive Mit eine,» langen Pfeifen an, ihre Fahrt nach dem KiaunuS antutr.ttn.

Unw l küllch verlangsamte er feine Schri'te tei tem SKaug des KlaviereS und blieb unter den erleuch­tete» Fenstern stehen, um zu lauschen.

Sieh, nun schweigen die Wellen des M erct, uu» schweigen dir Winde.

I Aber er schweiget mir nie im inneren Busen der i Kummer.

Sondern um jenen vergeh ich in Glut..

,'l Es war das Eretikon von Jensen, er erkannte ES sofort. Unter hunderten hätte er ,Jhrrn" An-

h ranSgthSrt. diese perlende Eleläiifigft'tt, die imb Aas Temperament izMeS. Kvp»r»24 W& itz«

maßvolle Klarheit, mit ter die Begleitung oie Melo­die trug.

Seitdem ich dich sah. werd ich ter Liebe nimmer los... Kassandra..." Er achtete nicht darauf, daß ihm ter Nebel ten Mantel durchfe-tchwte, 'ne Noten an sich gepreßt, wartete ec, bis der letzte Ton wc- klang '

Dann schritt et rasch quer über die Straß« auf das letzte Haus zu. dessen Hau stör weit offen stand.

Die Herweghsche Hauslüre stand immer offen. S'e hatte das so an sich. Und es nutzte auch »ich's. daß die Generalin, die im ersten Stock aus Tzte vng hielt, sie hinter dst HinauSgehenden wieder zufthleß. und die Hausbesitzerin. 'Fräulein Schmftft im zweite» Dock, sAhs Hausfthlüsftl hatte machen lassen. Sie waren ja doch immer perftgt oder ver­loren. Da die WohnungStüve gleichfalls okf-n stand, vcrietzte ter mit Mappe und Noten bepackte Refe­rendar bin« gastlichen Pforte einfach einen Fuß­tritt. E, leg!« die Sachen in der engen Tieft ab und ba der Kleiderständer mit Mänteln, Schirmen und Hüten bereits überfüllt war. stülpte er einer lächeln­den Flora aus Gips feinen Filzüut über und be­trat dar Wohnzimmer.

Es war leer.

Die Lampe strahlte fiter einem halb abzrräumten Eßtisch und niemand kam. ihn zu begrüßet,, als ter Terrier, ter von dem Sofa auf ihn zusprang.

Er schellte Sturm, denn er hatte Hunger. Dar­aufhin ersch'en Trim mit einem Tcelabfttt. auf tem einige verdeckte Schüsseln staute n.Ti: Frau Ma­jor iS in ter Freischütz", erklärte sie, währeuü sie tem warme» Kartoffelsalat noch einige in heißem Waser fchwimmende Wiener Würstchen hinzufügte und ter dicken uta.iHm Teekanne die violette Bischsfsmü t auf- stülpte Es war zwar beute nichtihr lag", aber die Frau 6,enetal hatte heruntergesLickt. sie hab« daS Rähmädche» und könnte nicht ins Theater gehes. und man will die Kart' doch «ft verderbe lasse."

Bc> tfiMan _ i^T ___

LTi. ist bei ihrer Jräfin. die hat heut ihren Jour" ES war einer vom Theater dort,Maker- Dewfky oder Io", als Rheinländerin war es Trina unmöglich, einen Nam«» zu behalten.Er deklamierte >.te a t

,.1'u'ü Herr Lutz?"

Der war schon feit sechs Uhr mit de n Hansjchlüft el f kl e: h tt- Ko rm rs und alS Crskschangiecter oder wie dat h'.h. d'e die Arranzemanqs zu treffen. Und d-r Kle'ne, setzte sie rasch Hinz», da sie auf H rrn Ernsts Stirn Wolkm ousziehe» sah. ter war nur mal rasch zu einem Freund gegangen toegan dem lateinischen t^i'mbsrsle... Damit entfernte lich Trina.

"Ernst tafelte allein.

In diesem Zimmer, das mit sHvere» ge'chniLten 'Stein« und zierlichen Mahagonnnöbein vollgestellt war. waren zwei Einrichtungen zusammengekommen, men. dj« nicht zueinander paßten

Ter Salon nebenan war verschlossen und kalt, er wurde nur Sonntags gehe -t. und das Baffonzimmer hole sich Lime g-nommen. währ nd Mama mit dem Jüngsten hinier ter spanischen Wand in dem Hinftr. zimmer schlief. Lutz hatte ein schmale» Geiast neb.n dem Bavizimmer, daS (fit bie seltenen StunSen. bi# et zu Hanse zubrachte, genügte, und Ernst bewohnte droben in 1« ,,Eisregion,"teine Mansarbe.

Ueter die Hängelampe hatte jemand in genialer Weift ein Stück kirschroter Seite drapiert, da- einet- Lamv uschir:» ergeben sallte. aber vorläufig m't Steck­nadeln zuusammengesteckt war. Der Kanarienvogel schtief bereits in einem schwebenden Kälig ülec dem Nähtisch, er trillerte Goltselbauk nicht mehr, beim er batte die Eewähnheit. nur dann seine S.im.ne zu erheben, wenn andere sprachen. Auf tem ofteuen Klarier führe» Noten herum. Kuplets undTic Hoch, zeit von Trvltog". die einzige Frucht tum Lutz' elf jäh­rig:« Klavieruunterricht. unb zwi'chen den Geteckrn lagen verstreut die Blätter der Familie. McnnaS Wi-ner Mose, ein illustrirr.es Spvrtblat , nx Bind TcddtzS «omzchUteS Äteuteut", mit -rinem Littd

bild, auf dem ein Mann mit gespanutent Revolver über mondhenlänzte Dächer stieg, und Trina» .Fkai- g b r sär chri l che Ji.ugsrauen". ter a i Unlerfah ff;< bie Teekanne benutzt wurde. Auf tem Sofa lag ter Kurier". Ernst war etwas enttäuscht, daß er eu -einem Geburtstag niemand von seiner Familie vor- sand. die er ten ganzen Tag noch kaum gesehen hatte. An Samstage speiste man. Trina? wegen, in der Stadt iu d uDrei Hasen", tem Stammlvkil Fräu­lein Schmits.

Man hatte ihn einfach vergefftit.

Daß sich sein jüngster Bruder, ter Tertitttt^ »rch jetzt auf ter Straße herumtrieb. Irzert; ihn, «n das Extlmyarale glaubte er ebensowenig <»w Trina, »ter dieses Mechuft terfchver Erziehung" tzafte er ousgcgeten.

Es war ein 9, ttHummfinfl, an Vm irgendein SlabSc.rzt bei der Geburt einen Herzsehlrc entdeckt hatte, und er wurde von Mama verwöhnt. Es war überhaupt nichts zu mache«. Weder tei Lutz noch Liane, und am wenigsten tei Mama.

E» hatte einmal eine Zeit gegeben, kurz nach dem Tod ,'kines BaterS. der so jung, als Major, an ten Folge» einer Binddarrnoperation gestorben war, dA ,"ich Ernst als Senior der Familie gefühlt und sich bemühte, eine etwas straffere Ordnung in diese Fa« mffie zu bringe». Aber seine erzieherischen Ver,uch« hatte» nur Saftritte tunet ten Geschwt-ft.', verte* sacht unb f ine Mama liebte den häuslichen Frieden, Ihre Kinder sollten sich in Freiheit entwickeln. ,

Ta? Erziehe» war ein undankbares Geschäft. . -f

(Fortsetzung folgt.)