Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.
AnzeigÄ für (das früher kurhessische) Oberhessen
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2 Mark aurfchlleßliitz ZufteltimgsgebLde. Für ensieasitb« Slummetn iaioig« Streik, 09. eument.Gteigniiie teia Lrmtz. — Der.az »en St. €. Hitzerett. — Lru« »er Uni».*Sud)Btu«erti von Job. Sug. R«&, Warft 21,Ä, — Nrrniprrchrr 55, SFoR!i6e<ttonte: Jti. 5015 L»t StantTutt e. Mart.
Marburg
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59. m- 1924
Matwort 8«! die Role der BMOertsOkW iter die MMMMe»
Ferlta, 1.April. Der deutsche Botschafter deuttche Abrüstnug geschaffenen Zustandes gehört dagegen
i» Paris hat dem Präsidenten der Botschasterkonferenz
1. April. Die Blätter sehen in bet
Berlin,
der ehrlichen dienen.
deutsche Abrüstung geschaffenen Zustande» aehSrt dagegen' bereits in den Rahmen der allgemeinen Abrüstung hinei^s und kann daher nicht getrennt von ihr betrachtet wer«:
heranSzukommen, durchaus akzeptiert. Eine etwaige unvollständig« Durchführung unwesentlicher Teile de? Ab- rtiftungSakteS kann aber — daS glaubt oie deutsche Regierung für sich in Anspruch nehmen zu dürfen — nicht da»n führen daß die Kontrolle beliebig verlängert wird Die deutsche Regierung gestattet sich den Gegenvorschlag, dir T-urchsührung der beschränkten Ausgaben der Miltärkontrolle von vornherein in di« Hände eines anderen OrganS zu legen, eines Organs, daS eine Gewähr dafür bietet, daß sich dir Militärkonttolle in ihrer letzten Phase in einer Atmosphäre ruhiger Verhandlungen ab- fpielt. Dieses neue Kontrollorgan wäre auch zeitlich ausdrücklich an die Vereinigung der 5 Punite zu binden, wenn man nicht vorzieht, seine Existenz trrminmäßig zu befristen. Daß Deutschland, abgesehen von den 5 Punkten, im September 1922 auch nach Ansicht der alliierten und assoziierten Regierungen mit wesenrlichen Teilen des Ab« ristungsaktes nicht mehr im Rückstand« war, ergibt nach Auffassung Deutschlands bereits die Kollektivnote vom 29 D:ptember 1922. Tatsächlich ist ja auch beispielsweise von der englischen Regierung wiederholt positiv anerkannt worden, daß Deutschland, abgesehen von den fünf Punkten, de» Abrüstungsverpstichtungen genügt, insbesondere seine Wehrmacht unter das zugelassene Soll v»n 100 000 Mann reduziert und di« Abgabe von Was- fen und Munition in völlig zusriedenstelienser Weite durchgeführt hat. Es ist verständlich, daß die alliierte» und assozierten Mächte den Wunkch haben, die Frage, ob der deutsch« Rüstungsstand heute noch derselbe ist, wie er sich im Sommer 1922 und mindestens auch noch im Frühjahr 1923 darstellt«, einer Nachprüfung zuznfüh- ren: aber man würde in dir Rechte des Völkerbundes ein« greifen, wenn man eint derartige Nachprüfung in die Hände des zur Kontrolle des Abrüstungsaktes berufenen Organs der alliierten und assoziierten Mächte legen würde, anstatt sie dem Völkerbund zu überlassen. Tie dent'che Abrüstung soll nach dem Vertrag von Versailles die Vorbedingung für «ine allgemeine Abrüstung darstel- Jeit Die Frag« der Aufrechterhaltung des durch die
mit Bezug auf dessen Note vom 6. März über die Frag« der Wickera»fnahme der Tätigkeit der interalliierten NilitLrkontr^lkommission heut« eine Note überreicht.
den. Deshalb kann dieses Werk schlechterdings nur vois derjenigen Institution überwacht und nötigenfalls ge*f prüft werden, deren Obhut durch Vrrttag und Völker», bundakt die gemeinsamen Interessen aller Völker, inlbe* sondere die Interessen Gesamteuropas anvertrant ftn&‘ Die deutsche Regierung macht den in der Botschafter« konftrenz vertretenen alliierten und assoziierten Mächten daher den Gegenvorschlag, daß sie sich ztoeckll Herbeiführung derjenigen UntersuchungShanhlungen, dl«, sie int Interesse ihrer Beruhigung über den WM,e«' Rüstnngsstond für nötig halten, andenRatdeSVSl« kerbundeS wird es dann sein, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Anordnung einer Svezialnnlrv», suchung gemäß Artikel 213 gegeben sind. Der Vilkr» bund wird in der Lage sein, durch gleichzeitige Einleitung einer tatsächlichen und allgemeinen Ab- rüstuvgSaktion die breite Oefsentlichkeit davon z< überzeugen, daß die etwa für nötig gehaltenen Untersuch« ungshandlungen nicht der dauernden Aufrechterhaltung des jetzigen Mißverhältnisses zwischen dem deutschen
Sie Münchener Znfanterieschuk verlegt.
M ü n ch e n, 1. Avril. Dem Vernehmen nach wird blt Infanterieschule, deren Schüler bekanntlich 5t bet Hitlervrozeß verwickelt waren und in deren Räume lich der Hitlervrozeß abspielte chauernd Von Müncher tot5* gelegt werden. Die Schule soll im Herbst nach D - ;%* den kommen.
deutschen Note über die Militärkonttolle ein Emlenken" gegenüber den Fächerungen der Botschasterkonftren^ Al Note finbet daher in der Rechtspresse scharfe Krittk mN Ausnahme d-S „Derl. Lokalanz.", der eS begrüßt, daß sich die Note mit Nachdruck auf daS lebendige GeflhI der nationalen Würde im deutschen Volke beruft, welch» eine jubilierte Dauerkontrolle nicht ertragen kann. DaS „B. T." hebt hervor, daß sich die deutsch« Regierung i*j der Note ehrlich bemüht, auch von deutscher Seite bw notwendigen Schritte zu einem Ausgleich in der Fragt' der Militärkonttolle zu tun, der aus die international«« Beziehungen, aber auch auf die innerpolitisch« La« nur günstig einwirken könne. Der deutsche Vorschlags der dem Völkerbundsrat entsprechend dem Art. 211 deS Versailler VerttageS als Ausiichtsorgau über btai Militärkontrol^e vorsieht, nehme der ff entrolle daS Peinliche, daS B: «eilende und Verletzend«. Dieser Vorschlag! bedeut« ein Vertrauensvotum, das Deutschland sicherlich! nicht leicht geworden sei mit Rücksicht auf die EntscheidunA deS Rates in der oberschlesischen Frage, das aber von be« deutschen guten Willen wahrlich Zeugnis ablege. - ]
vember im Dürgerbsöuieftei von den Mitangeklagten zweimal als Polizeipräsident angeredet worden. Seine erfolgte Berständiaung von den Vorgängen im Bürgerbräuleüer Ginnt nicht von einem Polirei- orga», sondern nur von dem Kampsibuud selbst auSge- gangen sein. Die Verständigung erfolgte also i« Vollzug der eben schon erwähnten Anordnungen Krie- belS. Auch der Bersuch Fricks, seine Anwesenheit in den AmtSräumen mit einem Zu fall z» erklämn, ist wenig vlanstbel. Auch bfc Notiz: „Glücklich entbunden!" ist äußerst verdächtig. Das alles «ich« aber uich! zu der Festfklluna a«S chaß Frick schon vor 8»/, Uhr aberch« von den kommende» Ereignissen Unterrichtet ge> wesen sei *nb de Beh«.ptung, daß er die ihm van tz.Shner gugedachte Stelle des Polieipräsidenten aiu grnrmmen habe, treffe»»chweiSbarnichtz».S' ist aber festzustellen, daß sich die Jusirnktionen der Vressevertveter «der die statt^habten Emigursko «gen die beGehmche verfaksRug richteten.
3M Frick zur Last petgt werden must, find gleich- falls wie bei Brückner »nb Röhm mehr Untergeordnet, die Tätigtrit der ne«» Machthaber »nte^tützende «aß-- nahmr». Ton Pernet muß we^u seiner ZneehSrigLit zur Raft»»alsozialrstischen Partei «ngniommen werden, daß ihm die Siustellnu, nno btt Ziele bei Lsmpftuubrs bekannt ploesen sind. Skrxtt hat auch bei der ^»tta'le des iw Bürgerbräußell»r Mitrtfewben TkrssnalS r.i=g:- Wirl ineb btt beschlag mchmte» Selber alt Löhnung unter «neu Teil bet Mamrschaste» deS Kämpft» »es verteiÄ. Bei Aiagner ist nicht «knuznehme», hch er vor -feinet Knjentbuiy mit Roßbach wxb VSHrinz- am Mittag M 8. Rsbember über die ienfeekn Z'ele des Kamr-fbnudes nuterrichtet tuet. Weiterhin -at -r als Adj»i«t Rotzbachs ben versuch der Besetzung des Generalst«lsr«»i!tiss»rwtS anb den nächtliche» War-'ch der Infanterreschülrr sowie den Pnvlungünt-anmrsch am S. November mitgemacht. Z»r rechtliche» Wöchig, n.- ist hervorMheben, baß back Unternahmen nicht eint soge- na««^ Usurpation, fander» riet yersasjun^tänberung bsrfkli, brnn die am Ptrsona» hnlltoa «mm bietatari'che S-wakt besitzen.
Der TaM NMe bi, MwtbctMtjte *«etW «tttung bewamfew
Wenn dir AageAa^tu behaupt«», an ein, Ueichemn-: der Ärieewc Terfasf»»g habe niemand gedacht, se verwechsel» sie bat Begriff der Verfass»nMndenrug mit SSl« lig« TerfaskungSbeseiiitzun». Objektiv ist der Tatl.esta-ch deS «rtikte 81, Ziffer 3 des ReichSstra-gefetzbwH« erfüllt durch jeden gewattfamen Angriff auf den Träger der StaatsOkwaU. GS ist noch d««»f hinzuw.be», »aß die Ange klaren keinesfalls berechtigt find p, sagen, su seien mit Sähe gegangen, fonber» bestenfakv Kihr fei ib«t* gefolgt, denn N »«* nicht zweifelhaft fein, daß sie und ulcht Aahr, Sossow »nb Geisser die -utGattve ergriffe« Hütten.
Berlin, 1.April. Wie die Blätter auS
4 e 11 mrt n, kam es auch Beendigung de» ProzeckeS auf bem Korridor d?r Kriegsschuld zu einem Zwischeufall. Regierungsrat Bcklß von der Münchener Polizei fordert« Ludendorff aus SicherheiiSgründen auf, sein Aut, nicht auf der Straß», sondern im Hof des Gebäudes zu besteigen und nicht auf dem gewohnten Wege durch di« Stad!, wo berrfts Tausende den General erwarteten, nach Lu^WigSHSbe zurückzufahren, sondern einen Umweg z« macken. Ludenbarf» widersprach erregt, darauf drängt, sich Balß an ihm Vorbei, schloß unmittelbar vor de« ®emat die Tür üb und setzte sich daraus mit seineul Vorgesetzten in Berbindang. Einige Minuten spät« wurde Ludendorff der Weg zur Sttaße freigegeben. Dort wurde er von der wartenden Menge stürmisch begrüßt.
jedoch teine versasiungsänderndeu Sandlnugen atttet» »»tarnen. Hochverrat liegt all» auch fetten» Luden»
dsrff» nicht vor, auch nicht Beihilfe, weshalb Ludendorff freiznsprechen war.
Auch das Gericht ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Angeklagten bei ihrem Tun von reinem vaterländischen Geist und dem edelsten Willen geleitet waren. Tas Gericht kann baßer auch nicht annebmen. daß der lleberfall im Bürgerbräukeller einen bewußten Wortbruch seitens eines der Angeklagten bedeutete. ■ Beklagenswert find die sichtbaren Folgen der Tat, der Tod und die Verwundung einer Reibe vaterländsbegeffterter Männer. Das Gericht will sich nicht darüber äußern, obwohl das Unheil verhütet worden wäre, 'wenn Kadr dem Wunsche Hitlers um Gewährung einer Unterredung entsvrochen hätte, oder wenn dem Verlangen Hitlers um Mitwirkung ein bestimmtes Rein der drei Hcrren entgegengesetzt worden wäre. Den aufgefübr- ten strafmildernden Gründen sieben ober auch gewichtige stra^erschwerend« Gründe gegenüber. Die wettere Durchführung des Unternehmens hätte die Gefahr eines Bürgerkrieges heraufbesch waren und vermutlich auch auben- volitisch Verwicklungen berbeigeführt.
Am Schlüße der Urteilsbegründung beißt es: Die au sich fch»n vom Gesetz reichlich bemessene unterste Strafgrenze von 5 Jahren Festungshaft für die Hauvt- täter bildet eine ausreichende Sühne für ißt Verschulden. Die Tat der Gehilfen war eine verhältnismäßig I» »ntergeordnete, daß auch hier die geringst zulässige Strafe von 1 Jahr 3 Monaten Festungshaft am Platze erscheint. Hitler ist Deutsch-Oesterreicher. Er betrachtet sich als Deutscher. Auf einen Mann, der so deutsch denkt und füblt wie Hitler, btr freiwillig 4V» Jahre ■a«8 im deutschen Heere Kriegsdienste geleistet bat. k»nn nach Ausfaffung des Gerichts die Vorschrift des § 9 Absatz S des Revublikfchutzgesetzes ihrem Sinne und ilrer Zweckbestimmung nach keine Anwendung finden. Ass den angeführten Gründen bat das Gericht die Bewilligung von Vewäbrungsfrtsten für »»gezeigt erachtet.
Rach der Verlesung der Urteilsbegründung erhob sich General Ludendorff, der erklärte, er em« »find« die Freisvrechung als eine Schanve. weil seine Kameraden verurteilt worden seien Das f«be dieser Eürenrock nicht verdient. Im Zubörerr^nm kiionten darauf stürmische Heilrufe, was vom Vorsitzenden gerügt wurde. Die Verbandluna wurde um 11U Ubr geschloffen. In der Zwischenzeit hatte sich an oer Absoerrungslinie eine größere Menschenmenge »n- -"faminelt, die immer wieder in Seilrufe ausbrach Viele hatten Blumen bereit. Als die Salttinn der Masten bedrohlicher wurde, sah sich berittene Poltrci zum (Eingreifen veranlaßt, wodurch »einige Personen »erletzt wurden, General Ludendorff war Gegenstand lebhafter Kundgebungen. Auch Hitler wurde mit Seilrufen begrüßt. Die Erregung in den Straßen flaute in den Mittagsstunden
allmählich ab. Einzelne Gruppen rosen durch bk Stab» vaterländische Lieder singend. I
Sämtlichen Verurteilten wird bk Anter« suchungshaft angerechnet unb zwar Sitler tritt Monate und zwei Wochen. Weber vier Monate und- drei Wochen, Kriebel unb von Polmer je zwei Monate und zwei Wochen, Bruckner vier Monate und etuej Woche, Frick und Röbm ie vier Monate unb drei Wo»! «ben, Pernet und Wagner fe zwei Monate unb brtl Wochen. Die Haftanordnung gegen Fttck, Röbm und Brückner wurde avigeboben. Die Verurteilung der An» geklagten Hitler, Webel Kriebel u.io ßobner erfolg»« wc-i.'7! Sc chverrat», bet den übrigen «.geklagte, wegen Beihilfe zum Hochverrat Da, Lrfett u’irbc vom Publikum ohne Kundgevung et-u aegengenommen. Die Verurteilung unb die Frei, fvrechung erfolgten, wie bet Vorsitzende mitteilte, mit ohr Stimmen.
Bor dem Gerichtsgebäude batte die Polizei umfang« reiche Sicherheitsmaßnahmen Betroffen. De, Ger'chtsfaal war bei der Urteilsverkündung überfüllt. Viele konnten ttotz der Karten keinen Zutritt mehr en halte. Ludendorff. Kriebel. Röbm, Wasner. Dr. W» ber und ^Pernet waren in Uniform erschienen. Die UA teilsverkündung wurde ohne Störung aufgenommen.
Vor den Absperrungslinien kam es nach der Urteilst verkündung zu größeren Ansammlungen- wt>bei die Polizei einschreiten mußte. Die Stimmung ist sehr erregt. Die Ansammlungen dauern an.
irrbtäu erklärt« Ab- unb l>l«»einsetzung ber Regierung der Wnfang zur Ausführung des Unternehmen» ge- macht. Tatsächlich nmr es im Gegensatz zu der Bebau», ving, ber Staatsstreich sei geglückt, noch ein weiter Weg. Richtig ist aber, daß ber Staatsstreich aus dem Bereich der Vorbereitungsbandlungen bereit» berausgetreteu und »um Versuch gediehen war. Das Erricht gesteht aber den Angeklagte» zu. daß st« mit Ausnahme von Pernet und Wagner und von Ludendorff bi» kurz vor dem 8. November der Meinung waren. auch Äabr, Lossow und Seiher beab- sichtigen einen Marsch auf Berlin. Nach tteberreuenng bes Gerichts Unterliegt es auch einem Zweifel, daß die KnieReelen nach den Vorgängen im Nebenzimmer davon ibeneutt waren, daß die drei schon ans Gedeih und Verderb mit ihnen ginge». Eine Absicht der Angeklagten, gegen den ernstliche» Wille» der Drei tu handeln, bat sicher nie bestanden. Obiektio ist alles das bedeutungslos, auch die Frage, in welcher Stunde ihnen die Erkenntnis et« kommen ist. daß die Drei «egen sie seien. Daß mindestens Hitler nicht das Bewußtsein von der Legalität seines Handeln» batte, geht aus seiner Schilderung kervor Ob die übrigen Angeklagte» die Sachlage elienso klar erkannten, mag dahingestellt bleiben. Nach den obigen Aussührunren sind also Hitler, Weber. Kriebel und VShner als Mittäter. Brückner. Frick, Röhm und Pernet als Gehilfen zn bestrafe» Auch die Berufung auf Notwehr ist verfehlt. Auch der Angeklagte Wagner ist eines Verbrechens der Beihilfe znm Hochverrat schuldig. Aus Notwehr bat er sich ausdrücklich nicht berufen Ludendorff nimmt in seiner Ver- reidigung eine SenbenteCine ein. Nach Ueberzeugung des Gerichts ist es sicher wahr, wenn Ludendorff be- buuvtet. wie er am Abend des 8. November in das Bürgerbräu geholt worden ist, hab« er an nichts anderes gedacht, als daß nunmehr der Gedanke der Reichs- diltatur im Kabrschen Sinn« «teilbare Gestalt angenommen bade. In bet folgende» Nacht und am nächsten Morges hat sich Ludriztzorff in ber Hauptsache rein
Stan erhebt sich bk Frose, «6 das Unternehmen auf' eine gewaltsame Verfassungsänderung hinzielte. Zweifellos war vewaltanwendung beabsichtigt. Daß tatsächlich bereit» Gewalt «»gewendet worden ist, gehört Nicht inm gesetzlichen Tatbestand des Hochoerrats Jedenfalls war durch die im Bür-
Das Ende des Hittev-Prozekses
Die Urteilsbegründung.
Rüstungsstarck und demjenigen seiner Nachbarn, s ndern und endgültigen Beftiedigung Enroprs
München, 1.April. In der Urteilsbegrün- huag wirb zunächst auf die Bildung des im September lISLll inS Sehen gerufenen deutschen KamfbuuveS ßingcwtesen, dessen Zweck unb Ziel sich aus einer ffnnb» gebuug auf dem Deutschen Tag in Nürnberg am 2. Sev- tnnber 1923 ergibt. DaS Programm ist die Vernich-- tnü g der Weimarer Berfassnng unb deS durch -sie vrrförpertt» Weimarer Systems, di« Austreibung des ipazifstischen Seist«» und die Beseitigung aller Folgen ber Mvolutron von 1918. Insbesondere ist in der Nürnberger Kundgebung anSgeführt warben, daß die Freiheit erkümpst iverden müsse durch die nationale Selbsthilfr . des Volkes. Leiter des Kampfbundes waren die Auge- klagten Hitler unb Kriebel. Neben ihm snn- gierte unter anderem der Miiar^eflagte Brückner. Tie Wstangeklagten Ludentzsrsf, Pöhner und Frick standen dem Bnnde nahe. Als dar Generalstaatskommissariat im i September 1923 Herrn von Kahr übertragen wurtze, btrüidt sich brr Aampftzund zunächst abwartend. Es ist hertzorzuhchen. daß Kahr, Lossow unb Seisser entschieden btrfMten, zu irgend einer Zeit Aeußrrungen (Xtm zu haben, die dir Angeklagten zu der Meinung hätten vsr- anltsssen können, daß sie ihrerseits an oie Möglichkeit xnb Nützlichkeit einer in Bayern miszustellenden Dikta ter gfaubtrn. Vielmehr wolle» di« drei Herren stets mit Gutschiedeuheit betont, haben, daß das von ihnen ei5 . wtir’cnfcig gehaltene national« Direktorium in Berlin i selbst gegründet werden müßtt u>» zwar unter Hersu- (itefinitß tragfähiger Namen aus dem Noweu des Reiches. ' Als Mittel zur Durchsetzung des Direktoriums habe den ihre: Herren ncht eine militärisch« Aktion vorgeschwebt,' Hsnbfrn lediglich Ser in bett wirtschaftlichen Macht- I" foParen und de» staatlichen Machtmitteln verkörperten, WNaftosigkeft. Um die i» der Separatio», wir in der Wu'richtuiig eineS Direktoriums Minoux-Gayl-Sceckt lie» ■töb; geradezu
$ katajle»»hale Gefahr ru vrrbinbee«.
klvft't Hitler dafllr Serie tragen zu müssen geglaubt lraLe», ßdaß ber ursprüngliche Bla» deS militärischen Marsches «»ach Perlt» ser Uusssihrung gelangt. Als Zeitpmrft »um Handeln schien ihm der 8. November geeignet. 3m q Lm.se des 7. November besprach Hitler seine Id«« 7 «it Dr. SBebsc und Kriebel. Am «.November vormit. J itagS weihte er Pöhner ein. Hitler fand Zustimmung.
Geplant war die Heranziehung eines größeren Auf^bvtS >or. Mitgliedern des Kampsbundes ht Ausrüstung ßsrdenbsrff wurde vorher in die Pläne [richt ringe weißt.
’ Am 8. November hatte Pernet ohne Kenntnis über dir !>vps»nwn Uirternehnurngen be» AngeSagten Oberst- Kni »aut Wag »er z» einer Besprechung in der Ge- schsistZstellc der Kampfduuder gebeten, w» Oberleut,laut Rrss-siach den Angellagten Pernet und Magner bekaanp. gab, daß abends im Bärg«brätikrller die nat io na l« Regierung auSgernfen werden würde. Tte Brrgünge am Abe,ü> im Bürgerbräukeller seien vollkom- wrn richttg in der Anklageschrift geschildert. Ueber die 8s,gii«z-e im Nebenzimmer stehen die Angaben der drei Hei-ren im scharfen Gegensatz zu den Angaben von HI t- »<r Ludendorff, Pöhner und Dr. Weber. Die Frage, ob die drei Herren mtt dem Herzen bei der Cache luare« rbet nur eine Komödie spielten, ist ohne Beding. Auf Befehl von Röhm unb Brückner zogen dann bk Versammlungsteilnehmer in einem geschlossenen 8*?e vom LSwenbräureller nach dem Bürgerbräakeller. Auch die Jnfanterieschüler marschierten unter dem Sw- Mantw Roßbachs mit. In tatsächlicher Hinficht hält daS Vericht von den Bargängen für erwiesen,
daß Sitter, Kriebel und Weber bk tttbebee de» Plaue» stad.
Deshalb sn'en diese al» Mittäter anznseben. Die Kess- »er Bewegung waren die Beseitigung der Aeichsregierung einschlieWch des Parlaments und die MAndung einer nationalen Regierung, und als In- Rnnncnt sollte die Nationalarmee dienen. Zur Bordr- reitung des gesteckten Zieler haben am 8. November Kri«- del, Hiller, Pöhner und Dr. Weber die übrigen Mit- «Ntzeklagten^herangezogen und ihnen ihre Ausgabe zu- M'^esen. Ferner waren militärisch« Maßnahmen ge- jkvssen worde» zur Bekämpfung etwaiger sich ergebender Widerstände. Des Weiteren trachteten diese vier «sgeklagten in den Besitz der Polizeidttektion zn kom- tzni!. sowie durch offtzielle Aufruf die Reichswehr, die Landespol,zei und die Bevölkerung auf ihre Seite zu irii jen. Die Beschlagnahme Von 1460 Billionen Pr?'-er- llrnrk ist zwar anscheinend allein von Hitler verfügt worden, allein sie steht in der Linie des von allen kiergewollten Planes unb ist demgemäß allen Lier anzurechnrn. Die Zerstörung der „Mün- chener Post" undd die Geiselverhasinng schreibt dagegen daS Gericht den Angeklagten nicht zu. Bon den übrigen Rn. Angeklagten hält das Gericht nicht für erwiesen, daß sie in gefaßten Beschlüsse eingelveiht waren, wohl aber kann' ' nindestens Brückner, Röhm und Frick «ie E'-ijsellung und die Ziele des Kampfbundes im all- tzemein . unb sie waren auch über die Ereignisse im Bür« serlwsinkeller genau unterrichtet. Di« Tätigkit Brückers und Röhms bestand lediglich darin, die BesrhL W^'belS ausrusühve«, Mick ist «« Abend Jx» 8,
in der eS ». a. heißt:
’ Die deutsche Regierung hat mich beauftragt, der Bot- schafterkonftrenz vor allem znm Ausdruck zu bringen, daß sie den Willen zur Berstäudigung, oer aus der Note spricht, erkennt und würdigt un» daß sie den Gedanken einer gemcinfamen Anstrengung, um aus der Sackgasse