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Anzeiger für (das früher kurhefsifche) Oberhessen

Di« „Doetbelitithe 3«iteng" eticbtinl aölentlte. — leywgMteU monatlich

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T'Oft'Owfionto: Nr. 5015 lat Rrantiutt «. Mat».

Das neue Kabinett Poincarö

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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises M/uLmg

innerhalb 5 Togen (1 Dollar * 4,20 Goldmark), Berechnung nach dea Berliner Mittel« tut« Le» Zahlen «-Elagansatage». Verzugszinsen pro Lag »ach dem «ankzinifntz

5k ö«K»rWlldiN»-MIliW.

Berlin, 29. März. Me der Pariser Bericht­erstatter deS „Tageblatt»" von zuverlässiger Leite er­fahren haben will, sind zwar die vom „Matin" be« richtigen Einzelheiten über die Ergebnissse der Sach- verstSndigeniAuSschÄsse zutreffend, dagegen fe rn die Angaben über die Organisation der Eisenbahn, insbesondere di» in dem Paris« Blatt erwähnten Be- rmchnungt« unrichtig.

Pari». 29. Mürz. Nach der Information" soll der Bericht der Sachverständig«» für die ersten drei Jahre eine deutsche Reparationsleistung von je 300 Millionen Goldmark bei der VerkehrSabgabe oorsehen. Sie würde genügen, den Zinse,rdtenst einer Sprozen- tigen Anleihe von 6 Milliarden Goldmark zu ver­sehen und jedenfalls mit denkbar größter Sicherheit von Anfang 0.3 die Aufnahme der Hülste diese» Am» lecheberra^s ermögliche«. Bei der Brrkchrsabgabe han­delt eS sich um eine reine Budgereinnatzme. Dar­über hinaus sollen bekanntlich lOprozentige Obli­gationen enfnrunb de» industriellen und landwirt- schaf'l'ch.m Besitzes in Deutschland au-gegeben toedben. 69 Prrz ul von ihnen würden an die Reparutio-rSkom- misf'o» und 40 Prozent an Deutschland gehen.

Pari», 29. MäMz. Das .^Ourvre" glaubt zu wissen, daß der Bericht der Sachverständigen nicht vor dem 8. oder 10. April fertiggestellt sein wich.

Genua folgen soll, ohne irgend eine von den kleinen Rücksichten, die Lloyd Georg« wenigsten» seinen Kon- fttenzgästen 1920/21 geboten habe. Um die Wahrheit zu sagen, lehne Mae Donald da» gange frane zöiische Programm, selbst wenn man e» aus seinen unerläßlichen Bestandteil zurückbringen wolle, ab. ES sei nicht weiter verwunderlich, daß der englische Premierminister diese Haltung einnehme, e» würde viel­mehr außerordentlich sein, wenn der Mann, der im Juli und August 1914 garnicht zu reden von den Monaten und Jahren die darauf folgten, die deutsche Ge- Zeit, wo sie nicht mehr mit Torpedos, Bomben und fahr leugnete, dieser Gefahr die Augen öffnete, in scr Maschinengewehre« zum Ausdruck komme Ueberraschenv sei e» dagegen, daß sich nicht in der Verurteilung einer solchen Politik die so willkürlich mit allen Berpflich- rungcn von 1919 umgehe, sämtliche Franzosen einig sein könnten. ES habe jetzt keinen Ztvcck, sich über Daten und Worte auszuregen, an denen jetzt nichts mehr geändert werden könne.

Pari», 99. März. „Iournre Industrielle" schreibt: Da» neue Kabinett Poiucarä bringe, waS die Innenpolltik anlange, eine Tendenz zur stonzentra- tion nach link», und im Hinblick auf dft AußenpoLllk das Bemühen zum AuÄrkuck, die Mitarbeit«: unter dem Gesichtspunkt der SachverstLudigkeit auszu« wählen. Die Niederlage de» nationalen. Blocks beiden kommenden Wahlen seisicher. Poincarä verlasse da» sinkende Sch»ff.

Im sozialistischen „Populaire" schreibt L6on Blum: Wozu wäre diese» Ministerium der Ko­ketterie nach link», wenn nicht deshalb, weil man am Quai d'Orsay und im Elysee da» Ergebnis der Wahlen bereit» im Vorau» kenne und weil man die Not- wcndigkeit einiger BorsichtSmaßregeln feststelle? Und was bedeute die Anwefenheü be Jouvenel» — des Mannes de» Völkerbundes — und Loucheur», des Mannes von ChequerS und Cannes, wen« man nicht die Notwendigkeit verspüre, die unmittelbar bevor stehen- den Beschlüsse der Sachverständigen gün­stig aufzunehmen. , ।

daß er seiner in unerschütterlicher Anhänglichkeit ib# unauslsschbarer Treue gedenkt.

Der Vorsitzende Dr. Kahl bracht« «ine Kund­gebung zu Gunsten der Ruhrgefangenen ein. In bte* fee wird die ganze Kullurwelt aufgefordcrt. sofort mit «n» für die Freiheit der Ruhrgefangenen eingatttte*

Zur hannoverschen Frage wurde auf verschloß Dr. v. Campe «ine Entschließung angenommen, in welcher betont wird. daß Preußen» deutscher Berus noch nicht erfüllt fei. Ein starker Bundesstaat Preus» fett bilde die Grundlage für die Größe bei deutsches Rrichez. Daher ist die Politik der Welfen auf» schärf» ste zu verurteile«. {

Nunmehr wurde in die Tagesordnung eingrtretech, Zunächst wurde über das Thema „Der Mittelstand im Ringen um feine Existenz gesprochen. RrichSrag-a aboeordneter Dusche sprach über die Landwirtschaft,

Hannover, 30. März. Der Parteitag der Deut« scheu Bolkspartei stimmte einem Wahlaufruf zu ix dem e» u. a. heißt, die nächste Zukunft werde übe» Leben und Sterben de» deutschen Volkes entscheiden« Niemals dürfe auch nur ein Teil de» besetzten Gebietst prcisgegebe« werden. Die Reichseinheit gehe übe» alles. Nicht durch Putsche und Attentate, sondern durch Pflichterfüllung und Opftrwilligkeit könne di» - völkische Zukunft Deutschlands gesichert werden. Grund« läge jede» Wirlschaftsvserkehr» s'i eine feste Währung Nur durch äußerst« Sparsamkeit und angestvengteHl Arbeit könne unser verarmtes Volk wieder em Vorkom­men. Nach einer Stellimgnahme gegen bi« Lehre«; bet Sozialdemokratie heißt es »Hier, die Partei sei «ach wie vor Gegnerin der ErfüllungspolitiL Sie st» aber bereit, innerhalb der wirtschaftlichen und sezft alen Möglichkeiten auch schtve« Opfer zu bringen« Die Dttrtsche Bolkspartei glaube an die Zukunft dest deutsche« Boltes. Sie kämpfe unter den alte« Fam ben schtvarz-weist-wt und hoffe auf ein Medeverstehmt deutscher Macht unb Größe unter einem deutsches Bolkskaisertum,

Der 5. SxItitM btt Dmton Mgwtltl in Säumet.

Hannover, 29. März. I« der Ausstellungs­halle der Stadthalle zu Hannover trat heute Vor­mittag der 5. Reichsparteilltg der Deutschen BolkS- p-rui unter zahlreicher Beteiligung aus ganz Deutsch­land zusantmen Zu Borsitzensen des Parteitages wur­den gewählt: Geheimrat Pwf. Dr. Kahl. RegierungS- präsidenr Dr. v. Campe. RcichSminifter a. T. Dr. Svlh und Frau Bassermann.

Dr. Kahl führt au»: Aks meine Pflicht und mein Recht eracht» ich e». den Geist zu beschwören, der über unseren Verhandlungen walte» soll. Dieser Geist kann kein anderer, sein als der. den unsere Bäter gelegt haben und der in bak» 60 jähriger Arbeit bewahrt ist, der Grund und Boden de» Vaterlandes und der Freiheit. e

Wir stehen vor einem schweren Waffengange. Ge­fährdet ist unsere Deutsche Bolkspartei nicht, kann eS nicht fein etwa durch den Bocwurf von Mißer­folgen. von Mangel an Leistungen Man nenne mir die Partei, die Größere» aufzuweisen hat an posi­tiven Leistungen und an, Erfolgen! Gefährdet kann untre Pariei auch nicht entscheidend sein etwa durch Angriffe unsrer Gegner. Wenn jeder an seiner Stelle seine Pflicht und Schuldigkeit tut. dann wird rin guter Teil der Angriffe zurückgeschl^gen werden Wür­den wir g.sährdet fei«, so könnte cs nur geschehen durch Unllorhefttn und Unstimmigkeiten in unseren eignen Reihen. Unsere Gegner spekuli ren auf unsre Uneinigkeit. Wenn e» gelingt, di.se Spekulation zu zerstören, dann hat der Parteitag seine Ausgabe ge­löst und daher in diesem Willens? ntschluß an diese Arbeit! Nichts Persönliches. Kleinlich s, sondern über alles nur die Sache im Auge, das große Ganze, die höchsten Ziele!

Stürmische« Beifall löst ein Begrüßungsielegcamm an Hiudeubupg an-, in bem der Parteitag versichert.

All! ite Metten Seilet

Berlin, 30. März. Laut „Vorwärts" ersuchten die vier Bergarbeiterverbände die Micum, an ben kommenden Beratungen über die Neugestaltung der Micumverträge trilwehmen zu dürft«. Die Micum teilte ben Verbänden mit, baß ihr ein« Unterredung mit ben Gewerkschaften erwünscht sei. $te. Besprechungen »wi­schen den Vertretern der Bergarbeitcrorganisationen und der Micum werden am Montag i« Düsseldorf beginnen.

Paris, 29. März. Dar „Echo de Pari»" kommt noch einmal auf die vorgestrige Rede Mac Donalds im Unterbaute zu sprechen. Ter englische Premier­minister. schreibt ba» Blatt, schlage de« Franzose« eine kon Spa vor, auf die rin« KonM«r von

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Der Bnzelgravreis j trägt für den 9 g«sp. 3eiUnmiaimet«r 0,03 Solbaatl SmtHAe «.

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1924

Parks, 29. März. Uebet den heute vormittag hchgetzattenen Kabinettsrat des neuen Mini- ßeriums gibt Havas folgende Mitteilung aus: Die Mitglieder des neuen Kabinetts sind heute vormit- tag 9>ya Uhr im Ministerium für auswärtige An» Gelegenheiten unter dem Vorsitz Poincaräs zu einer Beratung zusammengetreten, die bis 11% Uhr dauerte. Es ist kein offizielle» Kommuni uq4 herausgcgeben worden, doch haben die Minister am Schluß der Sitzung erklärt, daß das Kabinett nach Kner Nachprüfung der auswärtigen Lage einmütig beschlossen habe, die Politik der voraufgegangenen Regierung weiter zu be­treiben. Der Kabinettsrat hat sich auch mit den auf den Tagesordnungen beider Parlamente stehen­de» verschiedenen Fragen beschäftigt. Unmittelbar darauf begaben sich die Minister zum Elysee, wo Ministerpräsident PoincarS dem Präsidenten der Republik seine neuen Mitarbeiter vorgestellt hat. Heute nachmittag findet ein zweiter Kabinettsrat statt.

P a r i», 29. März. Zu den Verhandlungen im Kabinettsrat von heute vormittag ist nachzutragen, daß beschlossen worden ist, von der Kammer un» mittLlbar nach Verlesung der ministeriellen Er« Härunfl die Annahme der Bndgetzwölftel für die Sefamtaurgaben der Monats April, Mai und Juni zu verlangen. Das Kabinett wird sich sodann für die Znterpellationsdebatte über die allgemeine Po- l- kitik zur Verfügung stellen, falls dies verlangt wird. Hiernach soll nach bem Wunsche der Regierung die i Kainmer die Verhandlungen über den Pensions­gesetzentwurf, der bekanntlich den Sturz des Ka­binetts herbeigeführt hat, fortsetzen.

Pari», 29. März. Die heule mittag eetb.eh tete Erklärung der Minister, daß ste die Politik be« vsrausgegangene« Kabinetts fortsetzen werden, ist vom Kriegsminist« Maginot dahin erläutert wor­be«, daß diese Kontinuität sich nicht nur auf dir Archeupolittk, sondern auch auf die Innenpolitik er- strecke« werde.

Paris, 29. März. Um 5 Uhr hat ein neuer Kabinettsrat des neuen Ministeriums PoincarS be, zonnen. Morgen nachmittag um die gleiche Zeit treten die Minister im Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammen. Heute nach­mittag wird der Wortlaut der ministeriellen Er- klarnng, die am Montag vormittag der Kammer «nd dem Senat unterbreitet werden wird, ver­handelt.

Paris, 29. Mähs. In dem neuen Kabinett Poincarv ist das Hygieneministerium dem Arbeits- minist»rium und das Unterstaatssekretariat für Post und Telegraph dem Handelsministerium angeglie- bert worden.

Paris. 29. März. Di« Minister haben beute die ftüher gefaßte Entschlleßnng int Prinzip bestätigt, alle Un ter staatSfeLn-echUt täte ohne Ausnahme aufzulösen. I« Äubetracht der Mchtigftit, die vom nationalen Standpunft aus daS Flugwesen beiitzt, ist dieftS ein« Reorganisaiio n iuS Auge gefaßt worden, bei der die aus dem Spiel stehenden Inkreisen berücksichtigt werden sollen. Laurent Eynac wird an der Spitze der Aemter, bie er bis ter ass Untrrstaat»- ftkretär für Lustschifftchtt inne hatte, bleiben. Srine Funktionen werde« jedoch nicht weiter übertrage«.

Die Neubildung bes französische« Kabinett» — ein Wahlmanöver?

London, 29. März. Die Presst skudet allmählich Leit zur Behandlung der auswärtigen politischen Fra- een. Wenn sie sich auch tn der Beurteilung über dir fta-izösische Kabinettsbildung Zurückhaltung auftrlegt, so gibt sie doch im Großen und Ganzen der Ansicht Aus- bruck, daß in der Neubildung de» AabtuettS ein durch die Rücksicht auf bie französische« Neuwahlen »ustandege- kommeneS Manöver zu erblicke« sei. Die „Timer" bc- »eichnen bie Angaben de» Premierministers in bet Siche­rung Sfrage als eine voreilige und schlecht erhobene Er­klärung. Im allgemeinen ist man der Auffassung, haß die Millerand-Politik ben Sieg davontragen wirb.

Pari-, 29. März. Das Zustandekommen beS icntn Kabinetts Poiucarö wird von der „Repu- ilique Francaist" als bas Ergebnis eines allgemeinen Kompromisse» betrachtet. „Wir mässen anueh- Hen", so schreibt bas Blatt, „und wir glauben ftst batan, daß Poincarö, wenn sein» Verpflichtungen ihn vrrau- kaßt haben, bie Mitwirkung von Männern nachzusuchen, bie in der letzten Zeit sogar in der Opposition eins wichtige Rolle gespielt haben, heute mit ihnen iifcr ein starkes Aktious- und Zukunstsprogramm in bestimmte Umrissen einig ist. DaS Kabinett ist gebildet worden unter Berücksichtgung der großen Sorgen der Vergangen­heit und der großen Bedürfnis« der Zukunft. Sein nationales Programm, w.nn es großzügig und voll um- Een ist, wird bie Zustimmung aller guten Staats­bürger unb auch dir Unterftüiyi» bet national Leuten- ‘len erhalt«."

3im SHler-Stoiii.

München, 29. März. Amtllch wirb heute mittag felgetix» befcniitgegebfn: Nach urnlansenbe« Ge- rfi ch tex sind anläßlich der UrtrilSverklindung »n« Hilstrprozeß Temoustrationen größeren Um­fange» beabsichtigt, was durch die Haltung v«r- schstdcner Zei ungen eine ge» ff; Bestätigung findet DA Münchener Polizcidirektion macht mit ernstem Nachoruck darauf aufmerksam, daß sie allen die allgemeine Crbnon» uiti> Sicherheft gefährdenden Kundgebungen und Unter« nebrnunge« mit den ihr zu Gebote stehende« Macht« Mitteln entgegentteten wird Gleichzeitig weist bie Pobzet- bitettion auf bie zurzeit noch geltenden Ausnabmebrstim- mungen über Landfriedensbruch «iw Aufruhr, Widerftantz gegen Staatsgewalt usw. hin

München, 29. Mär,. Der Staat» komwifka» für München hat im Interesse bei öffentlichen Ctbnin» bie Bekanntgabe be» Urteil» im Sitler»»»« zeß durch Anschlag ober AuShängen an Straßen, Mätze« und Telcgrammtasl« verboten. Zuwiderhaxb' langen werden mit Strafe« belegt.

ML«che«, 29. März. Zur Abreise Kahrs, Lossow» unb Seiher« nach Italien wirb be» „Reneften Rachrichten" vo« zuständiger Seite eriU geteilt, daß die beide« erstere« «och am Donnerstag vo« der Staatsanwaltschaft wiederholt vernomme» würbe«. Die Staatsanwaltschaft hab« gegen bie Beueiaitbung umsoweniger Einwendungen erhoben, als nach dem Stande des Ermittelungvverfahren« ihre Anwesenheit in München nicht erforderlich er. scheint.

' Zeitungsveebot in München.

München, 29. März. Die „Großbentsche Zeitung" und die „Deutsche Presse" wurden gestern auf acht Tag» verboten wegen Aufreizung zu Qkwalttätigtdten int Fall» der Berurtrilung der tzitlerleute.

München, 29. März. Laut der „Münchener Post" wurde in einer Versammlung bes Völkischen Blocks br schlossen, an Stelle der verbotenen völkischen Zeitungen ein Ersatzbiatt unter dem Titel „Wahlzeitung" erschei­nen zu lassen.

Fortbestand be# Bolksgerichtes München I bi» PlM 15. Mai. !

München, 29. März. Gemäß der am 1. Apttl U; Kraft trrtrnben tiesgreiftnden «tnbtrung des Ausban», her Strafgerichte har das bayeriiche StaatSministcrin« eine Verordnung erlassen, wonach alle Gerichte mit An»« nähme bei Volksgerickts München l vom Avril ab auf« gehoben werden. Doch eine Ausnahme mußte gemacht werben, weil c5 nicht möglich war in bem Strafverfahren gegen Hiller und die Mitschuldigen wegen Hochverrats vo» dem 1. April daS Urteil zu verkündigen und schriftlich zu bcgrfindcn Außerdem schweben auch wegen der Bo« kommnisse am 8. und 9, November noch verschieden» weitere Versahrrn, die bis zur Erleoigung des Haupt« verfabrcnS zurückgestellt wurden, damit in ihnen bi» Ergebnisse des Haupiverfahrens verwertet werden ®n« nen. Das Vollsgcricht München! wird» solange fortbe« stehen, als es bis zur Erleviguug jener Strafverfahren äußersten Falles notwendig ist. nämlich bi» zu» UL M« 1924, -<

Berlin, 29. März. Der „Berl. Börsencourier" schreibt: Rach der Patteizugehörigkeit der neuen Kabinettsmitglieder läßt sich dir neue französische Regierung ols Regierung der beiden Mittelparteien de» nationalen Block, bezeichnen. Der Clemen- cistische Flügel ist überhaupt nicht, die Radikalen nur mit 1% Mann im Kabinett vertreten. Nach den bisherigen Eindrücken scheint Millerand das neue Kabinett gemacht zu haben. Diese Ver­mutung wird bestärkt durch die Tatsache, daß Poin» ernte bisherige Freunde Int Kabinett, nämlich Tobrat, Reibel, Raiberti und de Lasteyris nicht mehr im Kabinett sind. An ihre Stelle sind durch­weg Freunde des Präsidenten der Republik ge­treten. Die Radikalen sind autzerordenllich schwach vertreten, «nd zwar durch Senator Henri d e I o u. eenel, den Chefredakteur des „Matin", der das Unterrichtsministerium übernimmt, und durch $ i ne ent, der Arbeitsminister geworden ist, beide dem rechten gemäßigten Flügel der Radikalen angefjötenb.

London, 29. Marz. „Times" schreibt in einem Leitartikel über „das europäische Dilemma", PoincarS« Stellung sei jetzt stärker als 1 e. Die Ruhrpolttik, der Grundsatz der Ruhroperotion, werde demonstrativ auf­recht erhallen. Das neue französische Kabi­nett sei im übrigen nicht mehr ein Einmann- kabinett. Der geschmeidige Unterhändler Loucheur sei hineingenommen worden und werde vielleicht in der Lage sein, Poincarö irgendein nützliche» Kom­promiß vorzuschlagen.

London, 29. Mär». In der Mors-npreise kommt beute im allgemeinen die Meinung »um Ausdruck, daß in der Neubildung des Kabinetts ein durck dir R ücksicht auf die französischen Neuwahlen zustandege- fommtiKfl Manöver zu erblicken sei. Ferner besprich! dir Morsenpresse lebhaft die Erklärungen Mil- lerandS, daß Frankreich da» Ruhrgebiet nicht eher verlassen werbe, bis Deutschland die Reparationen endgültig bezahlt hätte T'c ..Daily News" meinen, Deutschland werde »ir Antwort «ms triefe Worte in ben kommenden Wahlen erteilen, denn diese Worte könnten in Deutschland nur einen dauernden Lamps gegen Frank­reich hervorruft«. Alle freudigen doffnungen seien wie­der geschwunden, unü der Bröndeni bet französischen Republik habe bie Ruhrlage durch seine Worte nur noch verschärft. Wenn dieS so weiter ginge, bann werbe Frankreich «no nicht De«tschiaud V ie Rechnung bezahle«, und 6tr P test- werde der höchste fein, den bte Westg«> schichte je erlebt bat. Tie übrige Presse drückt sich nicht ganz so energisch aus, scheint aber »leichsall» über bkfe Worte Millerand» wenig entzückt.

Ha»«s über bie Sicherheitsfrage.

Pari», 29. März. Die Agentur Hava» veröiftnt- licht heute eine halbamtliche Erklärung, in der es heißt, daß PoinearL entgegen ftinem bisherigen Sträuben nunmehr auch bereit ist, eine Völkerbundslösung der SicherheitSsrage anzunetenen. Borausfttzung dafür ft' jedoch dann eine vorherige Ergänzung des Artikels 10 beS BSlkerbundsstatut«. Dieftr Artidl ftbe zunächst nur rinnt finanzftlftn Druck auf die oen Frieden bebrshenda Macht vor und damit sei Frankreichs S cherheit begreis- licher Wrift in dem Falle, daß Deutschland entgegen, bem Beitrag in der neutralen 50 Jilom.-Zoue rechts vom 'Rhrin Truppen zu »ersammeln beginne, nicht im mindesten geschützt. Die Verhandlungen über diesen Punkt werden zwischen Poincare unb Macdonaü» fort Stfttzt. . .

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