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Nr. 76

Sonnabend, 29. März

1924

de« Stadtsälen sich vollziehen, veranstaltet von den vereinigten Sriegervercinen der Stadt, ausgeführt von derKriegerkameradschast". Kein wahrhaft deutscher Mann, keine wahrhaft deutsche Fra« fehlh auch die reifer« Jugend nicht! * y. I.

AMM anö 3,dl».

Die englische Regierung steht in Aegypten und i« Indien recht erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Wir haben in Deutschland eine Zeitlang, namentlich während de- Kriege-, diese Schwierigkeiten überschätzt und gfr glaubt, daß da- englisch« Weltreich an seiner empkind- lichsten Stelle, der ägyptischen Vcrbindung-brückc zwischen Afrika und Asien und an seiner östlichsten Stelle in Jrckien einen Stoß von innen erleiden könne. Diese Ansicht hat durch die Ereignis^ selbst keine Bestätigung gefuichcn. England hat sogar während des Kriege- ans Indien zuverlässige Truppen herausziehen und auf dem europäischen Kriegsschauplatz einsetzen können. Und in Aegypten blieb alles ruhig. Aber beim Men ist es doch weder in Aegypten noch in Indien geblieben, Spurlos sind die Wirkungen de- Weltkrieges weder hier wir dort vorübergegangen. Und Aegypten sowohl wie Indien sind teilte Schmerzenskinder der englischen Außenpolitik, de sich sehr stark bemerkbar macht.

In Aegvpten hat Englarch notgedrungen eine Art Selbstverwaltung zugestehen müssen. Der englische Kom­missar ist geblieben und die englische Besatzung auch. Aber es besteht heute ein ägyptische- Parlament und eine von diesem Parlament abhängige ägyptische Regie­rung. Mag der König Fuad von Aegypten auch nur eine Figur in der englischen Weltpolitik sein der Drang nach Freiheit und Selbständigkeit regt sich doch mächtig in Aegypten und wenn England auch klua genug war, ihn in verfassungsmäßige Bahnen zu lenken, so hat er dadurch doch auch gleichzeitig an Nachdruck außerordentlich gewonnen. Die früheren ägyptischen Ver­schwörungen konnte man blutig nicherschlagen. Mit einem Parlament unb mit einer Regierung, die die Stimme de- Landes wiedergeben, muß man schließlich rechnen.

Ein solches Parlament, das erste, besitzt Ae.'ypten. Es ist jetzt mit einer Thronrede eröffnet worden, die der ägyptische Ministerpräsident Zaghul Pascha verlas Zag- bul Pascha ist der Vertreter der ägyptischen National­partei, die bei den Wahlen einen überwältigenden Sieg kavongetragen hat. In diese parlamentarische Lage hat sich auch der ägyptische König Fuad finden müst'en. Er hat in seiner Thronrede die natürlich nicht- weiter ist al- das Programm der nationalen Regierungspartei die vollständige Unabhängigkeit Aegyptens gesickert unb hervorgehoben, die Regierung sei bereit, mit Eng­land über die Frage der englischen Besatzungstr'.ipven unb über den Sudan zu verhandeln. Man hat damit den Anspruch auf die völlige Befreiung Aegypten- und auf den Besitz des Sudans angemelöet, den England noch al- seine unbestrittene Domäne betrachtet. Es wäre falsch zu glauben, England werde sich durch die ägyp­tische Thronrede irgendwie einschüchtern lassen. Aber eS wäre ebenso verkehrt zu glauben, daß e- sich einfach darüber hinwegsetzen kann.

Noch etwas ungemütlicher für England liegen die Dinge in Indien. Die englische Preste ist schon seit Wochen über die Entwicklung der indischen Unabhängig- feitabetoegung aufs A--rste beunruhigt. Bei den Neu­wahlen, die in Indien Ende vorigen JahreS stattge- sunden haben, hat die Partei der Swarajisten einen ger­sten Erfolg davongetragen. Tiefe Partei hat die Focke- rung der irischen Homerule zur indischen Parole erhoben, b. h. sie verlangen für Indien dieselben Rechte wie Irland durcb seinen hartnäckigen Kampf für nbio'ute Selbstverwaltung durchgesetzt hat. Im vorigen Monat haben sich die Swarajisten mit den indischen Nnab- hängigen in der neugewäblten Nationalversammlung f« einer Partei zufammengeschlossen. Sie b'föen jetzt als indische Nationalpartei das Rückgrat der indischen Un- abhängigkeitsbewegung. Unter ihrem Einfluß Hai tie

Wm SthWs SisiMtti.

iZum 1. April

Je mehr sich die Notlage unsere- Vaterlandes durch den Druck der Außenfeinde steigert, desto Verlaag'nder blicken breite, vaterlandstreue Schichten de« betitteben Wolfes auf beit großen Schöpfer deutscher Einheit, da- Mit deutscher Macht und deutschen Wohlstandes zurück. Bismarcks Geburtstag gestellt sich in diesem Sinne mehr und mehr zu einem vaterländischen Ge- drnktage in des Wortes voller Bedeutung tut».

f Kurz vor seinem Heimgänge sprach Bismarck, von schwermütigen Ahnungen erfüllt, die enMttetiiben Worte:Zwanzig Jahre nach meinem Tode will ich 'Mfstehen au- meinem Sarge, um zu sehen, ob Tmtsck- «tnb vor der Welt bestanden hat oder nicht." Am 3<\ Fuli 1898 ging Bismarck zur ewigen Ruhe ein fast Deucm auf den Tag, iw der zweiten Halste de- Jahres 1918, zwanzig Jahre später brachen Machtstellung und Vröße de- von Bismarcks Hand und Geist geschaffenen Reiche- zusammen. In unmittelbarem Zusammenhänge Hiermit sei der Worte Bismarcks gedacht, die, nicht minder prophetisch gesprochen, zur. Tai, zur furchtbaren Er- fülllmg geworden sind:Wir haben bei un- im Reiche Parteien, deren offen ausgestellte Ziele nur durch Kries jmb zwar nur durch einen unglücklichen Krieg Deutsch­lands erreicht werden können. Aber toas liegt diesen Leuten daran, wenn nur ihre Parteidoktri siegreich Werbt?" Welche Parteirichtungen Bismarck hiermit in erster Linie gemeint hat, ist nicht zweideutig. Vor dfetrt sind e- der internationale und der marxistische Pedanke gewesen, tvelche im jungen Deutschen Reich den Sinn für da- streng geschlossene Baterlana'gefüht leider nicht aufkommen ließen. Bismarck war es nickt Vergönnt, den Kampf gegen den inneren Feind zu Ende |U bringen. Darüber kam sein Sturz. Mit Unrecht Bild ihm, dem toten Recken und Siegfried Neudeutsch. lendS, vorgehalten, daß er keine Schute gemacht habe «nd toast das Reich nach seinem Rücktritt steuerlo- im Kampfe der feindlichen Welt dahintrieb. Rein, uu'et Unheil lag vielmehr darin, daß das auf Bismarck fol­gende Geschlecht auS sich selbst heraus keine überragenden, Willensstärken Führernaturen gebar, die fähig waren, da- angefangene Werk im Bi-marckstbeu Geiste fortrufübren. Stillstand ist Rückschritt Rück- schritt ist Niedergangs

Und trotzdem sollen und wollen wir nicht **ertagen. Die Gedenkfeier Bismarck- richtet un- empor. Zweier­lei lehrt un- in dieser Stunde BiSinarck: ersten- die Bem« Notwendigkeit, die Einheit Deutschlauo- zu wahren: zweitens die B e r a n t w o r t l i ch ke i t des Ein- leinen für ba5 Geschick des Vaterlandes.

f Bismarck schuf dir Einheit. Heute ist sie im Westen Osten gelöst, im Inneren durch der Parteien Haß vnd Haber gefährdet. Darum Her; und Hand ans Werk, teuf daß das föderalistisch aufgebaute Reich Bismarck- er halten bleibe, unb auf daß zurttckgewoimen wird, >va- |. ß. verloren scheint. Kein Fußbreit deutschen B,sen» fein deutscher Stamm darf dem großen, gemeinsamen vaterlande abhanden kommen! Und zweitens ruf: uns Bismarck mahnend zu:Deutsche, besinnt Euch an' Euere vaterländische Berautwortlichkeft, auf Caere Pstickt zur tätigen Mitarbeit an der Wirderaufrickkung des Vaterland-- und StaatSoedankenS." Bismarcks wun­derbare Lehre:Patriae inserviendo consumor, b. b »Ich opfere mich dem Dienste des Vaterlandes!", möge Wr gewaltige Ansporn des ganze« deutschen Volkes loerde«.

S o sollen wir mit heiligem Gelöbnis Bismarcks Gedenke« beief-en A-t.b U- «'» Am 1. April

130 Uhr abends wird von der Bismarck'äule hoch über dem Lahntal ein loderndes Feuer über Berge und Täler feuchten, zum Zeichen dafür, baß Bismarcks Geist wie eine Feuersäule unserem Volke vorangehen soll, ein Trost i« dunkeln Tagen, eine Hoffnung auf bessere, siegreich-' Leit, fall- sich da- deutsche Volk zu Bismarck rurück- ptcket Dann wird am weiteren Abend die Gedenkfeier in

j, Nachdruck verboten.

Germaine Nkikchev.

Eiu iklsaff-Roma». Von Christian Bauch Holtz.

55. Fortsetzung.

Germaine schüttelte den Kopf:Tante, btt hast wieder einmal Angst."

\Ach/' ««inte Madame,keine HauSfratt liebt «I, ihre Wohnung von Moralisten abstauben und aus­fegen tz» lassen Und nach der Heuligen Moral gilt da-, war man früher Blumen nannte, als Kehricht. Und womöglich steckt n.an den früheren Kehricht in die « Danke schön. Meine Moral steht über allen Eoirdrrstandynnkten. Ich will den Frieden im HauS. Vertragen sich Katze und Hund nicht, so setze ich den einen lieber an die Luft, als daß mir beide die Nipp, fachen umfloßen. Skandal ist mit schrecklich. Ich will ihn um keinen Preis."

t.Früher hattest du die Angst nichti" j£-*<Heute muß man sie haben."

: ' Lucian verstand Madame fürchtete, ihr könnten dadurch, daß sie ihn bei sich versteckt hieltz Unan- »thmlühkeiten erwachsen. Die Angst war nur zu be* irechtigt. Trotzdem schmerzte ihn diese Aengstlichkeit ttwaS. Sie war wie eine Verleugnung. Madame fudfte einen Ausweg:Sicher kommt heute der Dok- fenr zum Tre. Er hat das Sortiemngsbüro unter sich Er wich--"

bAch Tante, ich habe ihn doch schon gebeten. Er Hagle zu altemja" und tut doch nichts."

tDamals handelte eS sich um dauernden Anfenchalt ;hn Elsaß Hier soll es sich nur um eine Einreise­erlaubnis für zwei Tage handeln. Die wird Lucian Ficher erteilt.. Sie haben voriges Jahr auch zu Allet- ifeeten die Deutschen, die ihre Gräber im Elsaß be» ^fachen wollten, hereingelassen."

£Aber unter welchen Paßschikanenl"

DL!Kunum ich werde ihm sagen, er möge-----"

PSage ihm lieber nichts, dem Dvkteur. Er ist iber größte Heuchler im Lande. Und wenn du von Minreiseeilaul'nis sprichst, erwähne nicht, daß Lucian ktereitr hier ist. Er liebt Lucian nicht. Tu weißt, dessen Artikel kurz vor drU Krj^t. M tzeutn

er ihn bloßstellte. wie feiner ihn bloßzustellen wagte. Lucian weiß zuviel von ihm. Solange er der Ehrs des Bureau de Triagr ist, wird er ihn nie im Elsaß dulden."'

Ach?" lächelte Madame.Er ist so Überlegen. Persönliche Rache kennt et in bei Politik gar nicht."

Ich fahre jetzt sofort nach unsrer Wohnung", sagte Brant.

Ohrt," meinte Germain^weil meine Tante so­viel Angst vor den Franzosen hat wie die Fran­zosen vor den Deutschen. Unb ich besorge die Gänge. Sie können sich jetzt nnmöglick in der Stadt am hell­lichten Tage an öffentlichen Orten zeigen, ohne doch auf jemand zu stoßen, der Sie verrät."

Lucian sah es ein. Germaine ließ anfpanntzn. Und im geschloffenen Wagen fuhren Sie zur Stadt.

Germaine erzählte Lucian von den letzten Lebens- tvochen seiner Mutter. Wie sie Tag für Taz in seinen Briefen aus dem Feld und aus dem Nachkriegs- berlin gelesen habe. Die Briefe habe sie in ztrei Schubladen wie Kostbarfeiten aufbewahrt. die sie nur einem Menschen zeigte ihr, Germaine.

Ich habe deine Mutter sehr in mein Herz ge­schlossen. Aber ich »in zufrieden, sie ist einen schönen Tod gestorben. Sie hat dich noch gesehen, nachdem die Gedanken ihrer letzten Jahre nur noch du waren,. Unb sie war nicht einsam, die letzten Monate. Fast täglich war ich bei ihr."

Me ich dir danke, meine gute Freundin. Sag' mir, wie kamst du aus den Gedanken, dich ihrer anzu- nehmen ?"

Ich fühlte mich einsam. Wahrhaftig, ich sehnte mich in dem Tohumabohu fremder Menschen nach jemand, dem ich so nahe gkstanden häÄe .wie dir. Aber dieser Jemand existierte nicht."

Unb Robert?"

Ich spreche nicht aus der Ebe. Auch dir gegen­über nicht. Solch: Dinge müssen im Grab der The ver­sunken bleiben. Derlei zerrt man nicht ans Licht."

»Tu bist nicht glücklich, Germaine?"

Glücklich, nein. Sehr unglücklich auch nicht."

Ist er dir gleichgültig geworden?"

Durchaus. Ich kann mir denken, daß man sehr jnt nüi ihm »uskommen könnte, wenn $mr wollte,.

indische Nationalversammlung auch eine Konferenz ge­fordert, in der englische und indische Bevollmächtigte eine neue auf Selbstverwaltung zugeschnittene Verfassung für Indien beschließen sollen. Wird die Konferenz nickt bewilligt, so will die indische Nationalpartei »3 mit der parlamentarischen Obstruktion versuchen. Sie hat erklärt, daß sie gegegebenenfallS der indischen Regierung, d. h. dem englischen Gouverneur, den Etat verweigern werde.

Bei der Drohung ist es nicht geblieben. Bei der Be- rtaung deS indischen Budgets hat die Nationalpartei bewiesen, daß sie über eine Mehrheit verfügt- Da? indische Parlament hat unter ihrer Führung den ersten Eratsposten, über den eine Abstimmung vorgenommen wurde, abgelehnt, unb damit zunächst einmal den Beweis erbracht, daß ihre Forderungen und Drohungen keine leeren Worte stich. Auch hier wird man die Bedeutung dieses Vorganges nicht überschätzen dürfen. Dir indische Regierung toirb aus etwaigen Beschlüssen deS indischen Parlamentes keine Konsequenzen ziehen, sondern sich für bie Aufrechterhaltung der Zollverwaltung bu von der Nationalversammlung verweigerten Mittel auch ohne parlamentarische Sanktion verschaffen. Trotzdem aber wirb die Sage in Indien von der englischen Steuerung und von der englischen Presse durchaus ernst genommen. Denn man weiß sehr wohl, daß man die indische Nationalpartei heute nicht mehr al- Bagatelle behandeln kann. Es ist sicher, daß man mit der indischen National­partei verhandeln toirb, um nickt einer revolutionären Bewegung Nahrung zu geben, die in Indien schon oft genug Beweise ihrer Aktionsfähigkeit erbracht hat. Auch in Indien sind die Dinge in Fluß unb England toirb Mühe genug haben, ihn einzudämmen und in Schran­ken zu ballen.

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Str Mk-Mzttz.

München, 28. März. Bon der Regierung sind umsanrreiche Sicherheitsmaßnahmen für Diestag. der Tag der Urteilsverkündung im Hitlerprozeß, getroffen, um etwaigen Störungen der Cthtung durch nationalsozialistische Verbände zu begegnen Tie Blutenburgstraße werde noch schärfer als b'-her von der Landespolizei abgeschlossen. Die gesamte Polizei wird in den echöhten Alarmzustand versitzt, die in München anwesende Reichswehr wecke in bin Kasernen bereitgehalten.

Nach einer Meldung derVosi scheu Zeitung" aus München verlautet dort, daß Kahr, Lossow und Seisser gemeinsam mit ihren Familien demnächst eine Erholungsreise nach Korfu antreten. Wen« auch das Ermittelun-versahren ggegen sie noch nicht endgültig niedergeschlagen ist. so bestehe doch nach Auffassung der Staatsanwaltschaft keine Veranlassung da- V rbleiben der Genannten im Lande zu fordern. " 'München, 28. März. Laut-privaten Infor­mationen sind Regierungspräsident v. Kahr, Gene­ral v. Lossow und Oberst v. Seisser zu einem 14« tägigen Erholungsurlaub nach Italien abg'keist.

München, 28. März. Die beiden Vvisischeu OrganeGroßdeutsche Zeitung" undDeutsch: Presse" find wegen Aufforderung zu Gewalttaten, zusammen­hängend mit den Strafanträgen im Hitlerprozeß, ans eine Woche verboten worden.

Berlin. 28. März. Stet preußische Staatsrat besckäftigte fick in feiner Freitagssisnng zunächst mit der förmlichen Anfrage der Sozialdemokraten über bi: Be­teiligung preußischer Beamten und Mit­glieder be8 Landtages unb StaatSrateS fo des Freiherrn v. Gayl, an dem geplanten Direktorium. Dr. Weinberg (So;.) legte Verwahrung ein, daß diese Anfrage zur Beratung gelange, ehe dir Regierung sich zur Beantwortung bereit erklärt ober die Beantwortung abgelehnt habe. Er verwies fob.imi auf die von Hitler gemachte Aussage über ein geplante-

Wenn man nicht Ue5ertrfebenes, sondern nur Nor­male- von der Ehe forderte. Aber Kurzum, in deiner Mutter suchte ich dich wieder zu erreichen. Und ich muß sagen: Haben wir un- nicht in einer Weis« gefunden, die jenseits aller häßlichen Leiden­schaften steht? Dieser Leidenschaften, die mich zurzeit anekeln, anroibent!"

Hier erschrak Lucian fast über die Heftigkeit des AuSbruch». Er starrte Germaine an. Tiefste Ent­täuschung unb ein trotziger Widerwille spiegelten sich in igr.it Gesicht.

Germain- fuhr fort:Mein Vater lachte Mich auS einmal als ick ihm von körperlicher und geistiger Li.br sprach. Aber ich habe recht. Mein Leib mag ihm gehören, meinem Gatten. Aber meine Seele kennt er nicht. Sie gehört dir."

Lucian schwieg dazu. Ihm schien da» nicht eben ein Kompliment zu fein, das eine Frau einem Manne milcht. Er sing an, den Gatten ju beneiden, zu hassen, weil diese Frau ihm ihren Leib schenkte.Ich möchte dich ganz Germaine. Nicht Halbpart! Welch elende Teilung'" 6ätte er sagen wollen. Aber et schwieg Und e- schien ihm nicht angebracht, sie über ihre Ehe- derhäktnisse auszufragen. Germaine brach daß Thema leibe*- abSchreibe mir die Adressen der Leute auf, die T legramme erhalten so'l n. Und dann den Worla.t des Trauerbrie'es. Welchen Pfarrer wünschest du? Und welchen BibilverS?"

Ter Wage» rollte in die Stadt. Vor dem alten HauS am Münsterplatz ließ Germaine ihren Freund ancfleigen. fragte noch:Ihr habt keine Feinde im Hau»? Franzosen wohnen, glaube ich, nicht dort", und bann verabschiedete sie sich mit einem:Auf Wie­dersehn. Nachmittags bin ich bei dir."

Tie kein- Wohnung füllte sich im Laufe des Tages mit neugierigen und mitleidigen Nachbarn. Biele fragten Brant'So haben Sie doch EinreiserelaubuiL bekommen?" Er log:Ja", um die entsetzlichen Ge- spräche abzukürzen. E4 kamen die Verwandtem Tck.western unb Brüder der Mutter. Die Brüder der Toten hatten wenigstens den Takt, webet von der leien zu sprechen, noch ein Verhör mit Lucian a,<zu- stesirn De waren erzfranzösisch erzogen, trotzdem schimpft« {ie auf dirneuen Fremden". SU sagt«:

Direktorium, das aus Minoux, Gayl und Oppe» bestehen sollte. Frhr. v.Gayl (Arbeitsgemeinschafti et- klärte, bet Gedanke, daß nach dem Zusammenbruch bei Kabinetts Stresemann ein Direktorium mit dik­tatorischen Befugnissen regieren sollte, fei allgemein gewesen. Er selbst habe davon, daß er an. dem Direktorium teilnehmen solle, zum ersten State: Ende Oktober ober Anfang November durch! die Lektüre de-Vorwärts" und derBoff. Ztg." er- j fahren, die eine Münchener Meldung abgebrutft hatte, daß ein Direktorium gebildet werden solle aus Min 0 ux v. O p p e n und v. G a y l. An demselben Tage sei aber aus München eine weitere Meldung gekommen wonach eine Versammlung der Vaterländischen Verbände baf Direktorium einstimmig abgelehnt hatte, roeit e» mit bem Chef bet Heeresleitung zusammenarbeiten sollte. Er fei mit bem Generaldirektor Minour eite einzige? Mal in Ostpreußen zufammengekommen bei Stet- Handlungen mit bem StinneSkotMrn. Zwischen den Herren v. Oppen und Minoux bestünden nicht die ge­ringsten Beziehungen. Es fei doch wohl kaum anzuneh- men, daß, wenn die ausgestellte Behauptung zutrLte, sich die Genannten nicht vorher ein Programm gemacht h itte< und dazu hätten sie doch zusammenkommen müssen *

Ans dem deseM Wirt.

Die Micum-Berträge werden nicht erneuert.

Berlin. 28. März. Bei der gestrigen Bespre- ckmng der Sechserkommission der Bergbauvereine mit der Reichsregierung wurde von den Vertretern de» Bergbaues bargelegt, baß der Bergbau b:e jetzigen Mi- cumv ertrüge über bett 15. April hinaus nicht verlängern kann, ba die sinauzielle Sagt bet Merke die kostenlose Liesemng der Reparationsmengen nicht mehr zuläßt.

Das Weißbuch über di« Pfalz.

Berlin, 28. März. Das von dem deutschen Auswärtigen Amt herausgegebene Weißbuch über den Notenwechsel zwischen der deutschen und franzö« silchen Regierung über die sonderbllndlerischen Um­triebe im besetzten Gebiet enthält 14 deutsche und französische Noten.

Gegen deutsche Rot and Schmack.

Berlin. 28. März. Ter deutsche Rheinbund bat an den Reichskanzler ein Gdtreiben gerichtet, in dem es unter anderem beißt: Tie erschütternde Nachricht, daß der rbetnische Oberlörster Feldmann, ein Mann, der im Weltkriege vier Jahre biudurch als tavferer Soldat feine Treue zu Volk und Vaterland beftegelte, an den Folgen schwerster Mißhandlungen im Gefängnis ge< ftutben fei, bat das ganze deutsche Reick nickt nur te größte Erregung, sondern auch in hell ft e EmvS« tung versetzt Tiefe Kunde wird die Aufmerksam« leit der deutschen Retchsregieruna erneut auf tote himmelschreienden Verhältnisse in Den französischen Kerkern gelenkt haben, in denen eine sehr große Anzahl deutscher Untertanen zum größ­ten Teil unschuldig tiu leiden bat- Der deutsche Rhein­bund glaubt die Reichsregierung auf die enormen Ge­fahren Hinweisen $u sollen, die durch tote große (Erregung tm deutschen Vaterland« zu entstehen droben und aut bett Umstand, daß durch bett gesamten umfangreichen Zündstoff bei dem gemarterten und gequälten deutschen Volke eine Ervlofion sich ereignen kann, die zn be« schwersten Konwlikattonen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Eurova führen würde. Da» deut­sche Volk versiebt es nicht mehr, daß mki einer Ration wie Frankreich überbaust noch Berbantolungen angeknüoft wer­den können, die nicht als erste Bedin­gt, na die restlose Entkassung alle- deutschen Staatsbürger zur Voran»« I e 8 u a e haben, deren Gefangensetzun« gerade so zu unrecht erfolgt ist. wie bet Einbruch in unser friedliche» Land Un­rechtmäßig erfolgt ist-

Wir Elfäfser sind und bleiben Sklaven der Fremden., Me Pasten dnn Stamm nach zu den Schweizem. Ma« glied,re unS der Schweiz an. Oder gebe uns srri, wie Polen. Mit unteren Bodenschätzen fragen wir nicht- nach recht» unb link-. Mr sehnen u«3 nicht nach den Deutschen zurück, obwohl wir bamalS bessere Schu­len, bessere Verwaltung uttb mehr Freiheit hal­ten. Xen Franzosen sind wir nicht böfe. Sie sind lie­benswürdig. solange man nur Hoch lebe Frankreich brüllt. Aber, haben wir da- nötig? Und krau­chen wir sie?" Einer der Onkel Lucians crzähltt von Lausanne, wohin er sich zurückzuzieheu geben*- Sckon vor bem Krieg habe er da ein Hau- gekauft. Et habe c5 satt zu deutscher ZeitFranzose" und zu fran­zösischerBoche" genannt zu werden. Der Jniri- fjuen. Denunziationen, H-nlterhälter ieu, des Klatsche» der elsössischen Atmosphäre sei er satt. Die Charaktere seien hierznlange verärgtet unb ve bsrben. falsch unb wrkogen. mehr denn ie. Denn man dürfe ja nicht leben, wie man wolle, wie man geartet sei: Warum lassen bif Franzosen ba» Volk nicht abstimmen? War bem Voll die fre'w llige Abstimmung n'cht vecspcochen? Die Antwort würbe vielleicht verblüffen: Elsaß den EliSssern!" würde sie heißen. Aber die Fraiizosen hüten sich wohl, di« Antwort aussprechen zu lasten. Ein ausgesprochenes Wort bedeutet manchmal «ine gewonnene Schlacht, manchmal eine völlig« Nicker- iay."

Und der Sarg kam und Kränze. ES roch in bet Wohnung nach beizendem Lack, nach süßlichen Toteu- blum.'n, Immergrün unb trennenden Wachs? rzrn«

Aks Germaine gegen Abenb kam. überließ Lucian dir Wohnung feinen Tanten; sie drangen ohnehin, darauf, die Nacht bei der Toren zu verbringen. Und s» fuhren Lucian unb Germaine im geschlossenen Wa­gen wiebei r -, bet Baraquette zurück,

(Fortsetzung folgt.)

Farbenpracht erstehen aus, neue all« Oll g0)011 gier Kleider. Bluten, «iaroinen u. s. «. wenn sie mit den weltberühmten echten Heitmann'» ger6ee JJtart F«ch»rops im 6ter«, pefär t werden.

Hei.ma««'» Farbe spart be« Färbe».