GberheMche 3dtmm
Zweites Blatt
Nr. 61
Mittwoch, 12. März
1924
Die Bermehmung v. Kahr's
_ München, 11. Mörz. Die heutige Verhandlung ! bände am 27. November zu mir eingeladcn. Es war fnt Lttlcrproz-ß begann sofort mit der Vernehmung b"'"ste Besprechung die ich in meinem neuen Amte v v 8 i batte. Ich bade in Kürze das nationale Ziel meiner
816 Arbeit für Bauern und für das Reich dargelegt und
Regierungspräsidenten v. Kabr. daraus bingewiesen, dah nur die linterstützung der va-
D-'k Vorsitzende machte Tr. v. Kahr darauf aufmerk. terländischen Verbände und Kreisi kür diese Arbeit
v. Kahr führte b«'
ffltti. das! er unvereidigt vernommen werde.' da die Lußeren Umstände eine gewisse Beteiligung en bcn Borgängen erkennen ließen, und da inzwischen gegen ihn ein E r rn i ttl n n g s v er-
fahren eingeleitet sei Dr.
feiner Vernehmung aus:
£6 unvereidigt oder vereidigt,
•uisagen, was ich für wahr
auherordentlich wichtig und wertvoll sei. Ich habe auch keinen Zweitel darüber gelassen, dah die Etaatsautori-
ich totrtw nur bo? halte Der An-
rolitischen Lage dringend erforderlich sei, mit entsprechenden Machtbefugnissen unabhängig vom Parlament im Reiche eine Diktatur zu schaffen. Mr sprachen dann allgemein über die in Betracht kommenden Persönlichkeiten. Ludendorff bemerkte, nach seiner festen Ueberzeugung werde sich in Rorddeutsch- l^and niemand für diese Sache finden. Ich batte den Eindruck, als ob von irgend einer Seite der die Lage als besonders gespannt bezeichnet worden sei. Darauf erwiderte Lokkow: Ja, was wollen denn die Leute? Eie können doch nicht gegen die Reichswehr aukämpfen. — Die Unterredung wurde obne weiteres Ergebnis abgeschlossen. Anlänlich einer Zusammenkunft (etwa am 5. Nov) mit Lossow wurde von dem Plane einer Sitlerdiktatur in Bayern gesprochen. Ich habe mit aller Bestimmtheit mich dabin ausgesprochen, dah ich das für undeutsch halte und für eine Katastrophe für Bayern. Einige Tage rar dem 8. November wurde mir meiner Erinnerung nach von Schiebt, ntttgeteilt, ich sollte bet einer am 8. November imf Künstlerbause in Aussicht genommenen Versammlung und Zusammenkunft der Spitzen der grohen Wirischastsverbände meine Ansichten über den Marrismus darlegen. Ich sträubte mich. Am 7. Roo abends erfuhr ick zu meiner Ueberraschung. dah die Vaterländischen Verbände im Bürgerbräukeller am 8. November im Künstlerhause in Aussicht genommenen eine Rede .erwarteten Ich war davon sehr unange- uebm berührt, mich aber wobl oder übel darin binein- gelügt. Bei meinem Eintritt in den Saal um 8 Ubr abends ist mit eine gewisse Erregung unter einer groben Zahl von jüngeren Leuten anfgefallen, die vor dem Eingang Aufstellung genommen hatten. Ich hatte ein unbehagliches Erfühl. Ick begab mich sofort auf dar Podium, wo mit mimeteitt wurde, Hitler habe saoen laüen, dah er komme ob man nicht warten wo"? Ick machte den Vorschlag, sofort zu beginnen. Ich Iia6e etwa eine hnihe Stunde gesprochen, als plötzlich am Eingang ein Lärm, ein Stimmengewirr, entstand. Ich glaubte zunächst an eine kommunistische Störung, snb dann aber an der S"itze der Eindringlinge einen 3,1 ann mit einer ständig auf mich gerichteten Pistole Beiderseits gingen. Leute, die mit P'stolen bewaffnet waren. Ein vaar Eckritte vor mir wackte der R:;fr>-er fialt, senkte seine Pistole und hielt hierauf eine kurze Rede. Erst letzt erkannte ich Hitler.
Ze»ga berichtet nun über bi* schon bekannten Vorgäun* bei ber Ausrufung bet nationalen Revolution durch Hitler ttttb fährt fort: Ich hatte zunächst da' d s Ingtim-n s und des Eckels über den lieber« fall. Anderettells bestes mich auch t:efr Trauer und ^orne darüber, dasi dieser Akt innen- und außenvollsick für Va'reu und R'ick di- schwerste Ko Vt st rodle 5er» brführen könnte. Den Gedanken chie V-rsomwl'-ng zum Alberst and auf'.nfordern. gab ick onreiicktS ferner Unan-?- fübrbatt'ttt a-if. Ich beoab mich von "'otnrrn herab und tarn unmittelbar n ben sto'sow und Seufer zu stehen. Ich igow ui b n hwb»n on lrisi:
Da hat uns die Polizei h* »’ne schöne Sauerei Geraten lassen.
Da rnü'sen wir schon schau n ba§ wir wieder fierxntefom- wen. Da fiel aber schon ba3 Sport: Komö^ienfvill' Nir waren uns darüber einig, dah wir hier nur durch Miflvieten idüser Gedanke wurde m't immer klarer) ei-c gewisse Freiheit der Bewegung erreichen konnten, die wir haben muhten, um unsere Entschlüsse fasten zn 'Snnen. Ich fühlte, wie ich auch hier die Verantwortung für br>' Stoa* trug Hüter flieg darauf auf das Podium und hielt eine kurze Ansprache. .Hieraus sagte er in befehlendem Tone: „Ich ersttche die Herren Kalt. Lossow und Ernster mit mir sich in da* Neb nz-mmw zu begeb-n Ich earan- t:ere für Ihre Sicherheit." W'r gingen und mit uns Hiiler, Maior Hnngling-c und bri oder vier P-wafsnew, die ständig di- P stole in der Hand hielten. Kaum waren tvit im Zimmer, ba schrie Hitler mit lauter Stimme:
Niemand verläßt lebend dieses Zimmer ohne m-tnr ErlaühmS!" Kahr lerickt t nun, wie Hlller in befehle» baberischem Tone bi: schon durch Lossows Mund be- - annten Vvrte über AernteevetteÜnnz urm. vo-gebrachi bat, die mit dem AuSruf schlossen: Vier Kugeln habeich in meiner Pistole! Kahr erwiderte rich'.g; „Sie können m i ch fest nehmen. Sie können
töt wieder zu ihrem Recht kommen muh. — v. Losiow und v. Seihet erklärten, dah die Reichswehr und Landespolizei an der Seite des Eeneralstaatskommisfars steben. Die Vertreter der vaterländischen Verbände mit Ausnahme des Kam.vfdundes haben erklärt, dah sie sich ebenfalls der Arbeit des Generalstaatskommissars zur Verfügung stellten, und dah sie die Arbeit soweii es in ihren Kräften stände, unterstützen wollten^ — Ich verlangte, dah der Kampibund noch im Laufe des Tastos seine Erklärung abgab. In dem Schreiben de- Kampfbundes war abwartende Haltung angekündigt worden. Hitler nahm nun mit Losiow und Seiher ständig Fühlung und es erschien mir richtig, dah auf tiejtm Wege immer mehr dem Gedankeugang von der Diktatur Hitlet-Ludendorff und ihr Dor- tragen auf das Reich entgegengetreten würde. Hitler erklärte, er wird sich dem Generalstaatskommisiariat gegenüber neutral verhalten. Am 8. Oktober teilte mit Oteramtmann Frick mit, ich möchte Oberlandesgeiichts- rat Pöbner eine Unterredung gewähren. Diese fand am 9. Oktober vormittags in Gegenwart von Seiher, Frick und Kriebel statt. Wir kamen auf die Vorgänge in Thüringen und Sachsen zu sprechen und die damit eventuell für Bayern verbundenen Gefahren, und ob, falls ein militärilckes Aufgebot für Sachsen und Thüringen in Frage körnt, den militärischen Führern ein Zivilkommisiar zur Seite gestellt werden mühte, wie dies auch bei früheren Anliisien gewesen war. Pöbner erwiderte, er wäre eventuell bereit, eine derartige Stellung anzunehmen. wenn ihm die entsprechenden Voll- niiichten übertragen wurden. Seiher teilte mir nach einigen Tagen mit, er habe an Hand der bestehenden Normen die in Frage kommenden Vollmachten Pöbner mitgeteilt Pöbner aber habe erklärt, dah er sich für eine solche Aufgabe nicht zur Verfügung stelle Ich wat darüber nicht betrübt, denn ich hegte im Stillen die Befürchtung, Pöbner könnte die Stellung als Kom- misiar zu einer einseitigen Bevorzugung des Kamvf- bundes aiisnutzen. Um die Verbände so weit als möglich in die Hand zu bekommen, berief ich am 6 November die Führer iümtlicher Vaterländischen Verbände zu e*ner Besprechung Ich wies darauf bin, ein grohes nationales Ziel könne nur erreicht werden, wenn sich die Vaterländischen Verbände einem unterordneten, und das könnte zur Zeit in Bavern nur das Ceneral- siaalskommisioriat fein. Jedes gewaltsame Vorgehen, wie es gerüchtweise gegen Thüringen geplant sei. sei zum Schaden des Vaterlandes. Im Anschluh an meine Ausführungen erklärte Losiow mit militärischer Bestimmtheit, gegen einen Putsch werde d i e Reichswehr militärisch vorgehen. Er sei jedock mit der Ausführung eines politischen Druckes einverstanden. Der Zweck dieser llnter-evuna war, ein etwaiges Unternehmen vaterländischer Verbände gegen Thüringen, wie dies gerüchtweise verlautete, zu verhindern. Eine militärische Aktion a e.g e n Ber - lin kam für mich, Lossow und Seisser niemals in Frage. Ich hatte eine solche auch nicht geplant Ich Hatte an den Einsatz von Machtmitteln im Norden für den Falle gedacht, dah dies ähnliche Verhältnisie wie im Frübiabr 1919 in München notwendig machen würden. Im übrigen gebt aus dem vertraulichen Schreiben Kriebels vom 7. November <923 mit bezug auf die erwähnte Besprechung am 6. November an die Führer der Vaterländischen Verbände unzweideutig hervor, dah Kahr. Loflom und S.isier gegen jeden Putsch aus den Vaterländischen Verbänden Heraus mili'ärisch.einschreiten werden Am 8. November nackm. 4 Uhr fand eine von Ludendorff nackgesuchte B"fnrechüng mit mit in Geaenwan von Losiow und Seisier statt. Es tnurne darüber gebrochen. dah es bei der kritischen 'wirtschaftlichen und
tritt seines Amtes als Generalstaatskommifsar am 27. E ptember sei in der schwierigsten politischen Lage im Reiche und Bayern, int Zustand des Verfalls der Witt, schäft und angesichts ernster sozialerUnruhen «rf nfQl. In Bo Hern glaubten dir Kreise um Hitler die Keife unter Hinwegsetzung über ste Stratsorbnung «lS r ine Macktfrag: in der Hauptsache mit den Waffen lösen zu können. Die wirtschaftlichen Zu. pänoe waren so ernst wie die politischen, und die Errichtung der Rentenbank routbe durch die SÄwiccigkteten der pol 'Ischen Verhältnisse verzögert. S?i‘ (e Kreise drängten im Oktober und Anfang No. dotnler aus ein selbständiges Vvrgchen in Bayern und iu bet Währungsfrage Ick bin diesem Bestreben c-.n gegen getreten. Auch bei den wirtschaftlicher, Maß. nahmen hat sich gzeigt, daß Bayern auch im Bezüge aus die wnsfchastlichen Beziehungen auf das Innigste mit hfn Lebensinteressen des gesamten Reiches der. knüpft ist Am empfindlichsten waren zn jener Zeit di: sozialen Verhältnisse. Die Arbeitslosigkeit nahm immer mehr zu. D:e Unruhen nahmen gegen Ende Okob-r einen* ernsten und polnischen Chrrakirr ap. Angllickts dieser Zustände entflatib für Bayern die Ausgabe, die Staatsautorität unbedingt zu sichern und all: Kräfte zusammenzufassen, um sie. je nach den- Ka»:g d?r Ereignisse, zur Wiederherstellung der Ord- noia im Restcke einzusehen. — Es schien mir wir and ten Politikern im Reiche als brennende Notwen. chigkril,-daß zur Lösung des Wirrwarrs ein über- parieiliches Direktorium geschaffen würde Sie Bestrebungen sind auch nicht hinter dem Rücken be-. Landesregierungen gttät'gt worden. Ich habe Hitler erst nm 8. November wieder gesprochen. Meine Be? -iehu-agen zn General Ludendorff waren rein gesell, jchasil'chtr Ar! Ich war mir vollkommen klar, mir dieS auch von Losiow und Seißer stets betont wurde,
welch» nnbeilvollen Folgen ein bayerischer Marsch nach Berlin
für Bayern, für den Bestand des ReicheTind für dir xaoz- national: Beregung imN ich« haben müßte. Cs müßte überdies mit einer militärischen A k t ion Frankreichs, vielleicht mit einer Besetzung wich, tiger Handelsstädte, Einmarsch der Tschechen m n-t Polen, und damit grerchnet'werden, daß einem solchen Eingriff von de» übrigen Ententemächten nicht erugegi »getreten würde, Ter Vormarsch Hitlers mußte nach untere, Entscheidung zu einem zweiten Krieg ton 1866 werden und dazu führen, daß das einzige, durch jahrelange mühevolle Arbeit durch General v. ^(dr und feilt? Offiziere aufgebaute Instrument der Kn'd.cwbr zerschlagen worden wäre
Ich habe nach Uebernahme des Generolstaatskom- ' n ißariats die Vertreter^ sämtlicher vaterländischer Ver-
Germaine RSscher.
Eiv Eljaß-Roman. Von Christian Bouchholtz.
40. Fortsetzung.
Auf dem Kascrnrnhof standen sie schon mit ihren kolwkartonS in Reihen.
Buchstabe B 2.
Brant hatte, im vorigen Jahre gedient. Tr tvar Anteroffizier. Ein junger Bursche kam ans ihn zu und reicht? ihm die Hand. Es war der Sohn »er Pfört- n '.feilte von Madame Lenz. Er wagte ts nicht elläss.'r D-.ntsch zu sprechen, in derr Angst, es könnte ihm als »ndeutsch auSgelegt werden. Er sagte: „Wollen wir nicht zusammenblecken, Herr föraftt?"
Ein Bursch ohne Kragen schlendette hinzu, Hönde iu Hosentaschen: „Wat, Herr und Sie? Det j'bt's Her nicht mehr. Vastanden? Wia sind jetzt alle Brüoa. 'Pcistehfte? Ick kenn' dir," sagte er zu Brant, „ick war ernt Kellner im Kindl. Ick habe dir bedient, Mensch! Denn kam ick 'runter, vastehste, 's man jut, det Kriech ift! Da kriecht ma wieda wat in’n Wanst. Haste ne Snille da, Kam'rad? Un'n Brand hab' ick."
Der Gedanke an Germaines Liebe bracht« ihn über bi? erster. T g h nweg Ihr: Br efe üb r die nächstrn Wochen, da es noch immer nach jenem Kaiserwon hitß' „Eh die Blätter von den Bäumen gefallen sind, ist Friede." Es ist bald zu Ende dachte Brant.
Er stand mit seinem Regiment in Ostpreußen und Rußland. Die dortigen Erfolge machten ihn sehr zuversichtlich Anfangs hatte er unter dem rauhrn KrikaSleben gelitten. Dann aber hatte er sich dem eeitcit Stil der Zeit gefügt und dem Krieg die besten Feiten olzi'gcminnen gewußt Allmählich hotte cs lhm Spaß gemacht, sich in den Ton der einfachen Leute Nuzufügen, ihre Denkweise gnd Sprachweise nachzuahmen Und obwohl er vom Holzhacken, Feuermackeu, Lochen ferne Ahnung hatte und sich anfangs schwer blamierte, lernte er die kleinen Kniffe schnell. Ec war beliebt bei feinen Leuten. Er schrie nicht viel, aber er drang darauf daß seine kleinen Unterofsizi.'rbefehlr richtig ansg-führt wurden. Er war k-imeradschastlich. Lad man sagte von ihm: Er hat keinen Falsch,
Sein gutes Auftreten und seine Gewis'eihania- feit machtev ibn bei den Offizieren beliebt. Er wurde von if,n?n, sobald es die Gel^genh'it bot. aufgebrbert in ihrem K'vis zu mufiveren und mitzutrinken al? einziger von den Nichtvffizieren. Er wurde in kurzer Zeit Wachtmeister. »
Ad r eine gemisse Wandlung aing in diesem sensiblen Menschen vor s'ch Ti? ersten Briefe an G-w- maine waren voller Traurigkeit. Cie anttoae'ere a>u je"«n Dann aber kam die Zeit, „wo die Blätter be :?lts g.'follcn waren" und man sich auf den.Taner- krieq vyrbereitete. Jahre und Jahre des Krieges standen vor ihm. Er täufchte sich nickt darüber hinweg, ständig? Sehnsucht nach Germaine hatte sch mit der Zeit selber aufgezehrt. Ihr Bild trat von ihm zurück, verlchwamn» langfam. Immer ferner sah er sie, die Unerreichbare. Und immer kritischer.
Cie ist ein Mädchen wie se^es andere, dachte er. Er machte ifnzwischerr- Bekannt'chast mit hübschen Ost- pr.'nßinn?n, mit schwarzäugi-en Polinnen, Zwischen den Schlachten, Wein und Weib. — Morgen bist du Vielleich schon tot... die Denkweise int Feld. Er stumpfte ab, wuri>e gleichgültiger. Setzte er sich, h'n, Germaine zu schreiben, wurden eS abgebrauchte Redensarten. Und ihr Exzerpte aus dem Kriegstagebuch zu schicken, wie ander» es taten, dazu fehlte ihm rin Stück Geschmacklosigkeit.
„Die Briefe nerden teer", sagte er sich. „Wozu so r g lmößia schr iben?? ' Tie Brtefe wurden sel.ener.
Einmal schrieb er ihr sogar: „Ich weiß uium mehr, wie du bist. Germaine. Ich habe so viel an dich geoacht, daß ich dich mir kaum vorzustellen vermög. Jahre wird der Krieg noch dauern. Werden wir uns vergessen? Nein. Aber vor lauter gciftL*1 ger Untätigkeit bin ich sank geworden. Ich denke nur noch an die Pflege des Leibes, das ist sonderbar. Und wenn es nicht gar zu schlimm hergeht und ich es, ehr- lich gesogi, mit der unverblümten Angst zu tun be* komme, gefällt mir das Leben ganz gut Mau lernt Welt und Menschen kennen. Ich habe sehr uLttr Kam: raren. Lji ph loscph eren wir zusammen. Am drolligsten ist es, mit - den Proletariern zu philo. sophieven. Sie haben eine natürliche Logik. Der schärfste Deuter unter meinen Leuten ist ein Kano.
vier Ban)elow, älterer Mann, Familienvater. Er ist bereite ehrlicher Anarchist und Atheist. Dabei sehr zu gckrauchen. Obwohl A'h-ist, trägt er unter 'einem Heln- aber einen Himmelsbrief. Verstehe einer )ie Menschen. Ich habe-zur Zeit nur ein Bebau. ?rn: nicht Felbmarschafl zu fein. DaS wäre in dec Tat int.refsanter und spannender."
Und dann schlief brr Bciesverkchr für ein halbes Ie.hr ein In Brants Gedanken sp'elte der Argwohn eine große Rolle. Er dachte sich: Germaine wird neue Leute fennenlernen, genau wie ich. Sie wird sie lieber, lernen.' Offiziere werden in Waffeln, das so nahe an der Vvgesenfcont liegt, einquartiert sein, mit denen die lustige Germaine gern tanzen wird ' Küfse wird es geben, es ist zu natürlich, als baß icv mich Jllussionen hingäbe. Wamm sich binden? Lassen wir uns freien Lauf. Vielleicht bin ich morgen tot. Und wenn nicht: Jahre dauert der Krieg noch.
Nach diesem halben Jahr, im Sommer 1916, kam ein Br>s bei Rüschers an ,der Germaine in Staunen versitzt. Brant schrieb nur kurz:
„Es ist grauenvoll, Eennaine. Ich liege auf dem Bauch und schreibe dir den Brief auf dem Rücken eines Taten. Wir liegen auf vorgeschobener Beobachtung und haben die Toten als Schuhwall vor uns.'rm Fernsprechkasten aufgeschichtet. Dabei, Ger. main«, hört man im Fernsprechapparat Musik! Durch irgendwelche Induktion hört man „Sous les pontS de Paris", den Walzer, gefaielt von Geig« und Kia. vier, fern in irgendeinem Gut, hört man. den Walzer zwischen den Toten! Es kracht um uns die ganze Nacht Ich schreibe dir, weil ich nicht weiß, ob ich die Nacht überleb«. Im Mondschein geschricben, Ruß. land, Juli 1916."
Nach einem Monat, als die schweren Zeiten längst, überstanden waren, kam Germaines Antu-ort. Germaine erwiderte herzlich und doch mit einem Ton der Reserviertheit, der Brant nicht begeistenr.
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Anderthalb Jahre verstrichen. Sie schrieen ein. ander nicht mehr. ,
Dann kam wieder ein Brief: ' >
„Es ist tiefe Nacht, meine nmigst geliebte Ger maine. Wie ist doch der Mensch einsam auf der Welt j
mid) erschießen lassen. Sie haben di« Macht, sterbend oder nicht sterbend, da« ist hier ganz bedeutungslos" Seissirs Vor» Wurf, daß er fein Wort gebrochen habe, beanttoorrttfl Sitter dahin, er habe so handeln müllen. Auf die Frag« Lossows, wie Suhenborff zur Sach? stehe, erwiderte Hit» ler: „Ludendorff ifl bereit geflellt, er wird gleich geholt werden." Hitler ging hinaus. Danach kam Webe« xx* versuchte, uns durch Zurede» zn gewinnen.
Die Bitte des Vorsitzende» nicht abzulesen uni eine Feststellung Rechtsanwalts Holl bezügl. der Heben ewstunmung von Auslagen und der dtesbezügl. Nieder- chrsit beantwortete Kahr dahin, dafl er lediglich um M Zusammenhangs willen sich an sein Man-aikript holte, Kahr fährt bann fort: Ludendorg betrat das Zimmer. Ee kam auf uns zu und sagte: „Ich bin ebenfo über» nascht wie Sie. Ich kann mit raten, geben Sie mit uns, tun Sie ba5 Gleichet" Es kam alsdann auch Pöhner herein und beteiligte sich am Zureden. Schließlich gab Kahr (Lossows und Seissers Zusagen sind begannt) die Erklärung ag: „Ich bin bereit, die Peilung der Geschicke Bayerns als Statthalter der Monarchie zu übernehmen!" Ich wählte diesen Ausdruck, so fährt der Zeugi sott, um zu vermeiden, daß irgend ein Vermächtnis mit sief:r Aktion abgelei'et werden könnte. AneineWie- beihetftellitng der Monarchie habe ich natürlich nicht gedacht. Ich batte nur den Gedanken, möglichst bald aus der mir widerlichen Situation htrauSiitTomnFit. Davon, dah ich geiaot hätte, man hätte warten sollen, ich hätte ein Gleiches etwa 14 Tage später unternommen, kann keine Red? sein. ES wurde bei der bisherigen Vernehmung der 12. November oder der 23. November als der Tag bezeichnet, an dem ich, Lossow und Seisser hätten losschla- gen wollen. Diese Be^aiiptung ifl völlig au § bei Lust gegriffen. Daß ich beide Hände Hitlers nach unterer ZiiflimmungZerklärung ergriffen hätte, ist unrichtig. Es ist auch unrichtig, daß ich mich Herrn .Hitler gegenüber darüber beschwert hätte, weil er mich meine 9M>e nicht fertig haften ließ. Herr Hüter verlangt«, wir sollten in den Saal gehen und dort unsere Erflärungen abgeben. Ich lehnte das ab, um einet Verbrüb'rungZjzene zu entgehen. Hüter bestand daraus und schließlich gingen wir in den Saal Wir gingen bet« nach wieder iwdaS Nebenzimmer zurück.
-^Fortsetzung im 1. Blatt.)
Hochschulnachrichten.
X Berufung. Der Ordinarius der Ctaatswisien» schäften Prof. Dr. Erwin v. Beckerath in Kiel hat den Ruf an die Universität Köln als Naih- fdger Prof. Beckmanns angenommen.
X Würzburg. Der bekannte Würzburger Hsitu- rtfer Unversitätsprofesior Dr. Anton C h r o u st vollendet am 10. März das 60. Lebensjahr.
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®le ginge Beliebtheit des legal beruht auf den vielen auszezei-vnetenErfetgen, die zahlreiche Lerzte u. Kliniten bamit erzielten. legal scheidet stark die Harnsäure au» geht also direkt zur Biurzel de, Hebel*. Die tlilrlung tritt unmittelbar ein, die Echmeizett werden beheben und auch Echlaflesizkeit wird erwlgreich mit legal bekämpft. I. all. Apethek. B.»< 64.3*/, Acid. »o«t, «lio.,<*><♦/, Chinin, I2,6*/O fjithium ad 100 Amyhun
Rmnschmnieil, SHtumo, Ntnltoh,
laölettei
heruerragend bewährt bet
Die Seele friert. Und trenn es sie so bis ins Tiefste ' friwt, bleckt mir immer nur noch ein Bild der Zuver. 1 ficht, an das ich mich flammte;, immer noch, ob. wohl ich dich vergessen wollte, um'bir nicht im Weg zu stehn. Du! Ich flüchte mich in Geöankeri zu Dir. Weiteren Zweck haben di« Zeilen nicht. Ich will mir einbilden, du säßest neben mir und ich streichelte Dir Deine schönen Hände.
Ich sitze hier in einem Unterstand ans verschneitem Kartoffelacker. Einsame vorgeschobene Beabach. t'-mg. Es wird nicht geschossen. Ringsum ist Grabesruhe. Schnee fällt unaufhaltsam. Man ist ein Leichnam, in der Erabkammer eines ungeheuren Fttedhofs gespenstisch zum Leben erwacht. Ich darf nickt sckla« fern Meine beiden Telephonisten sind übermüdet und schnarchen furchtbar. Ihr Schnarchen grenzt schon an das Röcheln von Leuten, die erwürgt werden. Herr Gott, dir Welt ist Hölle geworben. Wie lange soll das noch dauern?
Sonderbar ist es in meiner ©tabfammet. Die Baumstämme, aus denen di« Decke gezimmert ist, schlagen jetzt — indes draußen der Schneesturm weht — mitten im Winter aus, infolge der Wärme des Oefchons Lange, blaffe, kranke, wollige Triebe schiessen hervor, ocf-cnstisch, fL’tettartig, durchsichtig und entfalten faltige Blätter wie magere Hände l»tge« hören« Sinter.
Manchmal weiß man nicht, was ist schlimmer? Di egroße Gefahr im tollsten Trommelfeuer ober diese ungeheure Stille, dies« Einöde, diese Langeweile, da mar. darüber nachgrübelt, welch ein Nichts daS Ich ist, auf d.sse» Ausbildung und Berechtigung man in frü- Herrn Zeitläuften man so viel Mett legt. Tas Ich ist nichts. Nur die Masse gilt Und selb st sie wird verschleudert wie wertloses Spreu. Unsere srühec?» Ideale sind in sich zusammengebrochen. Woran soll man noch glauben? Nichts mehr bleibt als Siebe*.
Ach Germaine, Geliebte, ich kann dich nicht vergessen. In meiner tiefsten Seele liegt dein S3.f?n geheimnisvoll eingebettet. Im Blut liegst du mir. Germaine, schreib« mir ein Wort, daß bn mich nicht ganze vergessen hast. Ich werbe beinf Zeile» mit Inbrunst küssen, als seien sie du selber. Dein Brant."
. ... . :* 4 . ^Fortsetzung folgt) i