1924
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Marburg
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^Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das srüherkurhessischej Oberhessen
Die Vernehmung v. Lossows
gemeiner Spannung das
Gericht in die Vernehmung
worden. Was ben angeblichen Befehl anbe langt. bei, di« schwarz-wein-rote Lolarde beim bayerischen Teil der Reichswehr wieder ein,uführen ist, so erklärt der Zeuge, das war ein Wunsch. Trotzdem mußte ich davon absehen/ das Tragen der schwarz-weiß-wren Kokarde zu genepmt flen. Ich muß gerade jetzt, wo der bayerischen Reichswehr die vielen Vorwürfe gemacht werden, alles vermei» den, was als eine Trennung von der übrigen Reichswehr angesehen würde. Ich et- kläre ausdrücklich, daß unsere politische Einstellung durch den Konflikt zwischen Berlin und dem Reich nicht berührt war.
Dann kommt Lossow ans Ne Beziehungen zu Hitler zu sprechen. Er habe Hitler nie gebeten, ihn anszusuchen. Die Initiative sei immer von Hitler ausgegangen. Hitler hatte in seinem Programm viel Richtiges. Doch schwächte sich der erste Eindruck mit der Zeit ab. da Hitler der Wirllichteitssinv und der Maßstab für das Erreichbare fehlte Im Oktober habe Hitler die Zeit zur Durchführung seiner Pläne für gekommen gehalten. Se n Programm, das er mit zum Teil auch in Gegenwart von Seisser und Berchem entwickelte, war im allgemeinen der Plan, 1
in Banen eine «etchsbikt.tue Httler-Ludendorkf auf« zustellen und m hier ans den Norden zu erobern.
Wir haben immer wieder den Versuch gemacht, Hittier auf den Boden der Tatsachen zurückznführen. Wir wollten die Hitlerbewegung nicht gewaltsam unterdrücken. Lossow bemerkt bann, daß Hiller »um Teil unrichtige Darstellungen über die Besprechungen zwischen ihm und Hitler gegeben habe. Es war nicht einmal, sondern öfter davon die Rede, daß dir Reichswehr mit Ludendorff oder »nm mindesten nicht gegen Silben- dorff gehen würde. Hitler fagte, die Generäle, die Neben an ihren Freßkrippen und bk sind vnHeicht für Seeckt. D« vom Major abwärts siüd für Ludendorff. Ich habe diese Anschauung bekämpft, ober erfolglos. Hitler war der Ansicht, daß eg keinen Zweck habe, in Berlin iceüec nach Männern für das Direktorium zu suchen. Der gesuchte Mann sei da, das wäre Hitler selbst. In Luden- dorsf sei der große Mann gesunden, den man brau che. Die Not sei so groß, man könne nicht mehr warten. , Hitler habe geäußert, daß er (Voiforo) Reichswehtminister und Oberst Ceifler Polizeiminister werden könne. Am 3. Oktober bitt ich nach sehr langer Pause infolge Truppenbesichtigungen usw. selbst zu Laden« dorfs zu einem kurzen Besuch gegangen. General Luden- - orff bat damals den Gedanken des Direktoriums als d:e „Patentlösung" bezeichmt. Diese Aeußerung wat mir eine große Beruhigung. Denn ich war ebenio wie meine Mitarbeiter terch den seit dem Deutschen Tag in Nürnberg ziinehnrenden aktivistischen Geist des Kamps- bnndcs beunruhigt. Am 22. Oktober war die Jnpflicht« nähme der Truplteu der bayerischen Division angrsetzt. Zch Lnde»d«jj dar, baß die Jnpckichtnab« keine
1 Separation bedeute. Ich wollte ihn bitten, daß er bei Öen ihm nahestehenden Kreisen im Norden und Süden auf- klärend wirken solle. Ludendorff sagte mir damals, daß er unter Vorgehen tatsächlich nicht als weiß-blaue Sonderaktion, sondern als eine unter schwarz-weiß-roter Flagge erfolgende Tat betrachte und daß et in diesem Sinne wirken werde. Er legte mir nahe, daß man nunmehr vor allem Hitler in seiner Propaganda wieder freie Hand geben müsse. Ich muß es zu meinem Bedauern als irrig bezcichnen, wenn auf Grund von Besprechungen mit mir Ludendorff hier ausgeführt hat, Knhr und Losson- wollten nunmehr die innerdeutschen Verhältnisse entscheidend beeinflussen oder der bayerische Staat sollte mit seinen Machtmitteln die Lösung der innerdeutschen Verhältnisse in deutschvölkischem Sinne tu die Hauo nehmen. Am 24. Oktober war die Besprechung im Wehrkreiskommando mit den Führern bet vaterländischen Verbände. Am 25. Oktober hatten wir bei Kahr eine Unterredung mit Minoux, die ausschließlich sich in der Errichtung des Direktoriums bewete. Anigchüeßeud an biete Besprechung fuhren Minoux, Seisser und ich zu Ludendorff. Auch damals unterbreitete Minoux ben Plan eines Direktoriums xnb wollte ihn Luden- dorfs in allen Einzelheiten darlegen. Es war in bieten Tagen die Einstellung Ludendorsss eine schroffe ablehnende. Nach der Besprechung, die Ludendorff am 8. No veuiber, am Putschtage nachmittags mit Kahr und mir hatte, bemerkte ich, daß Ludendorff noch im Prinzip aus die Patentlösung eingestellt tei. Es ging uns, Kahr, Seisser und mir genau so tote Ludendorff. Wir waren hernach so Nutz wie zuvor. Am 31. Oktober war ich drei- öeirtel Stunden lang bei Ludendorff. Ludendorff wollte einen Beauftragten nach Berlin schicken, um dort zu drängen und Feuer in die Bude zu bringen. Er gab mir eine ähnliche Erklärung, wie sie skühcr gegenüber Seisser abgegekten worden war. Diese Erklärung lautete wörtlich: Wir wollen loyal gegeneinander sein und im gegenseitigen Einvernehmen arbeiten. Sollte ich das mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren können, mit ihnen den gleichen Weg zu gehen, dann werde er das LoyalitätsverhättniS künoigen. Erst bann soll jeder die volle Freiheit des Handelns Haven Hitler hatte schon früher gesagt, er könne gegen die Reichswehr und Laichespolizei nichts machen. Er werde keinen Putsch machen. Er werde nichts tun, ohne uns vorher Kenntnis zu geben. Tro? der gegebenen Zusicherung wurde die Lage von Tag zu Tag kritischer. Aus diesen Befürchtungen heraus ließ Herr v. Kahr die Führer der vaterländischen Verbände zu her bekannten Besprechung für den 6. November zusammenrusen. Der Zweck war, daß Kahr, Lossow und Seisser ganz klar und unzwei- heutig sich gegen jeden Putsch aussprechen wollten. Kahr hatte das mit allem Nachdruck getan.
21er Präsident Neithart hält er für zweckmäßig, über die Vorgänge am 6. November, über die Herr v. Lossow berichten will, später zusammenhäntzend in einer geschlossenen Sitzung Ausschluß zu geben.
Der Zeuge fährt daraus fort: Damals am 6. November abends wurde der Beschluß gefaßt, den Putsch nicht zu machen, weil die Mitwirkung von Kahr, Lossow und Seisser bei einer derartigen Sache nicht stattfinden würde. Am 7. November war ich von 9.30 Uhr Rr 10 Uhr nochmals bei Ludendorff, weil ich das Bedürfnis hatte, ihn aufjutlären über daS. was in der berühmten Besprechung bei Kahr gesagt worden ist. Ich habe Schaubner-Richter nur gekannt auf Grund meiner Tätigkeit als Militärbevollmächtigter in Konstantenopel. Nicht was angeblicherweise durch Scheubner Richter von mir gekommen fein sollte, ist in Wirklichkeit von mir gekommen. sAUaemeine Beunruhigung.) Es ist gelugt worden. Kahr, Lossow uno Seisser hätten am 12. bis 15. November ein Unternehmen beabsichtigt, nutz e» sollte eine Diktatur Kahr-Lossow, so eine Art Konkurrenz gegen die Diktatur Hitler-Lubendorff geschaffen werden
- Nach einer kurzen Verhandlung-^ause schildert dann der Zeuge die Vorgänge im Mrgerbräukeller. Hitler ging mit vcrg.haltrner Pistole auf Kahr zu, während Seißer und ich durch andere Leute mit Pistolen in Schach g halten wurden. Dann folgten die bekannten Ansprachen Hitler». Schließlich ersuchte unS Hitler in barschem Tone, ihm zu folgen mit dem Bemerken: Ich garantiere für ihre Sicherheit. Nach einigem Zögern folgten Kahr Seißer und ich widerstrebend Herrn Hitler. In der seit dem ersten Auftreten Hitler» abgelaufenen Zeitspanne drängte sich in mir eine Fülle von Gedanken und ßte. ühl.n zusammen. Mich ersülite die schwere Sorge ür die Folgen, die nunmehr eintref.en
! les -in-ti Hauvlzengen, des Generalleutnants a D. - Ltio 0. Lossow ein.
Der Vorsitzende richtet zunächst an den Zeugen fob •etibe Bemerkungen: „Die Bedeutung, und der Umstand ter Zengnirpslicht ist Ihnen bekannt. Zunächst müssen Eie unvereidigt vernommen' werden, um des willen.
»eil Sie nach den äußeren Umständen im Bürgerbräu- teller eine gewisse Beteiligung zu erkennen gaben, und »eil, wie ich erfahren habe, nunmehr ein Ermittlung«- »erfahren eingeleitet worden ist Selbstverstänblich toben Sie das Recht auf alle Fragen, durch deren Be- eilttuftfung Sie sich der Gefahr einer Strafverfolgung Mssetzen, die Antwort zu verweigern."
: i. Zeuge v. Losio».
„Ich muß zunächst kurze Auflchlüsie über die poli- •Me Einstellung geben, die ich in den letzten Monaten •t*. bem 8. November batte. Ich war im Sommer von befreundeter Gelte darüber orientiert worden, teit die Rettung aus den immer unmöglicher werben» ten Verhältnissen erhofft wirb von einem Direktorium. W'J die Zügel der Reichsreglerung ergreifen sollte. Es tendelt sich um ein rechtseingestelltes nationales Direk- teriuni mit biktata-rfchen Vollmachten. Die Herbet» Rbruitg dieser Diktatur war nicht gedacht durch einen W sch. sondern auf Grund der Möglichkeiten, die Ar- ■tei 48 der Reichsverfassung gibt. Ich war mit bet 3b’c dieses Direktorium« unb mit bem Programm in lebet Beziehung etnneijtanben; als das Generalstaats- lemmifsarfat geschaffen wurde, wurde über diese Dinge »sorochen. Es stellte sich alsbald eine vollkommen« •ebeteinftimtnung Inder Auffassung des Herrn £ Kahr unb des Herrn v Seißer mit mit • etaus. Ich erinnere daran, daß Gtrefemonn selbst, •fe et das erste Kabinett schuf, erklärte, daß dies das »Vie parlamentarische Kabinett sei. Ein Druck »nßte ausgeübt werden, wenn die drei unbedingt notwendigen Forderungen für dieses Direktorium «rhiüt werden. Auf nies« drei Vorbedingungen habe «h, in ben Besprechungen, ble ich bamals batte, Immer Mieder bingewiefen. Diese drei Vorbedingungen waren:
1. Die geeigneten Männer für das Direktorium, die AmoritStcn in ihrem Fach, mußten gefunden werden tr‘>. ivillens sein, diese schweren Aernter zu übernehmen.
Das Ptogramm für dieser Direktorium mußte 1 <n nebelhaften Umrissen, sondern gründlich durch-
1 b^.eben, st bah in bem Augenblick, wo bas Direktorium die Zugel in die Hand nehme, er auch so- Wf etwas Positives geschaffen werden könnte.
1 Schließlich mußten die Persönlichkeiten, die für dieses «iteltorinm in Betracht kamen, gesunden werden, die aber teich die absolute Garantie gaben, baß bte Reichswehr vsch lassen hinter diesem Direktorium stand. Das war bi» telUisch« Einstellung chie ich hatte unb zwar in voller Eebereinstimmung mit Kahr und Seisser. Was von Eayern aus geschehen konnte, bas war, daß sowohl • öffentlichen wie die inofliziellen Kreise mit allem Eachdruck dahin strebten ,daß die von mit bezeichneten
Vorbedingungen für das Direktorium endlich ge- wurden und daß dann das Direktorium ans y*et kam Auf dieses Programm haben inzwischen Hmttf, d:r in poiit scheu und vaterlrndischen Verbi,1- i^Leu i-en Mund nicht weil genug mifrcißen können, U-8® Schlagwort von dem Marsch nach 53er» [ e gemacht. Dieses Schlagwort .hatte für mich
baß meine Genossen genau so dachten wie ich. Diese Einstellung konnte auch da» Erscheinen des General» 1 Lndend.>rf nicht b einflussen. Damals, am Ab.md bei
8. November und in der folgenden Nacht mußte bei bei mir, Kahr, (fwfw, der Eindruck entstehen, daß Ludendorff von dem Plane Hitler- gewußt habe. Ich mußte daher auch ihn als Gegner betrachten. MU allem Nachdruck stelle ich fest:
1. daß alle Behauptungen unwahr sind, wonach Kahr durch irgendwelche Beeinflussung von außen hetz nachträglich umgefasten sei und i
2 daß alle Behauptungen untvahr sind, daß ich ursprünglich mit von der Part^ war-und erst nach, träglich unter irgendeinem Druck mir unterstellter Dffi» ziere mich geändert habe. Erst das Vaterland, danA die Person. Die Vorgänge im Nebenzimmer spielten sich nun in vier Akten ab.
1. Akt. Anwesend: Kah ,Lossow und Seißer, Hitler und br?i oder vier Leute seiner Leibwache mit gezog«. nett Pistolen. Hitler schrie sofort: „Niemand verläßt das Zimmer ohne meine Erlaubnis." Hiller war mit' Schtveiß bedeckt unb fing mit einer exaltierten Stimme an, uns folgendes zuzucufen: „Reichsregierung ge« bildet! 83ahrische Regierung abgesetzt! In Bayen( wird ein Lande»Verweser sein!" Auf den Borwurf Kahr», daß er sein 5iterspvechm nicht gehalten habe, sagt Hitler: „Ja, da» habe ich getan, aber im Sntec. esf des Vaterlandes. Ver>eihen Sie mit." Ich btt, suchte, ben einzelnen Herren etwas zu sagen. Tie» wurde aber durch Zuruf Hitler- sofort vereitelt: „Tie Herten dürfen nicht miteinander sprechen." Ich trat' dann, von den Vorgänge-, 1 antzeeküt, an» Fenster und schob den Vorhang etwas beiseite. Dabei bemerkte ich Posten vor dem Fenster, die z. T. sofort ihre Gewehte gegen mich richteten. Dieser erste AU mag etwa 10—15 Minuten gedauert haben. Er staut unt^r dem Zeichen der Pistole unb des brutalen Zwange». Eine Zusage hat Hitler in bietet Zeit von Niemandem empfangen. Die Darstellung, die Hitler von diesem ersten M igachte, ist unwahr«
2. Akt. Die Tonart ist Moll. Hitler verließ da» Zimmer, Dt. Weber setzte in einer wüsten, unsympathischen SSeife den Versuch HitlerS fort, uns zur Zustimmung zu bewegen.
3. All. Hitler kommt nach seiner z,veilen Ansprache in b n Saal zurück. Hiller sprach von seiner zweiten Rede im Saal unb ben durch sie an-gelösten Jubel un^ darüb:t, daß große Zustimmung im Saale geherrscht habt. Er drängte weitet in uns, etwas weniger exaltiert wie. vor hin.
4. Akt. Anwesend die Mshcrigen, dazu General Ludendorff. Dieser erklärte sofort: „Meine Herren, ich bin ebenso überrascht rote Sie, aber bet Schritt isl getan E» handelt sich um das Vaterland, um bk große nationale und völkische Sache. Ich kann Ihnen nut taten, gehen Sie mit un», tun Sie das Gleiche." Die Darstellung, die Eteneral Luven- borft von diesen Säfen gibt, ist ebenso wie die der anderen Angeklagten irreführend, ebenso ist es unrichtig, daß ich zu Ludendorff gesagt hätte, es fei auch meine Ansicht, Ärß da- Unternehmen jetzt weitergeführt wer. den müsse. Niemand kann mir verübeln, baß sich meine Verstimmung auch gegen General Lndendotsf richtet. Denn ich mußte au» seiner ganzen Haltung fdg tu, daß «t ein geweiht war Zu einer Aussprache mit Ludeuborss oder einer Besprechung zwischen u-il dreien ist es auch jetzt nicht gekommen. Ma« wollte nur da- Ja von »ns hören. Ich habe bann meine Zustimmung mit dem trockenen Wort gut gegeben Nach einigem Zögern äußerte sich auch Sets, ser zustimmend. Gegenüber Kahr bauerte das ein. dringliche Zureden noch länget. Schließlich erklärte sich Kahr bereit, als Statthalter Bayerns sich zu bt. teiligen. Ludendorff hatte sosort nach dem Betreten de» Zimmer» sein Einverständni- erklärt, bevor irgeytz ein Wort über imseee Stellungnahme gesallen wat. Alle» weitete ist nun bekannt. Ich betone, daß ich meine eigene Srflätung im Saal nicht au3 eigenen! Antrieb abgegeben habe. Mit der bekannten Handbewegung: Stillschweigen im Saal, dirigierte mass mich in ben Vordergrund und ich mußte nun, ob ich wollte oder nicht, irgend etwas sagen. Das tat ich mit mögl chst nichtssagenden Worten. Das ganz« wat für uu- äuß rst pe nlich, daS Handgeben konnte voq uns dreien nicht abgelehnt werden, da es im Sinn<k
mußten. In 53ayern allgemeines Durcheinander, im Reich die Retchsexekuttve gegen den Aufstand in Bayern, von außen her Einmcwcsch der Tsche. chen im Osten, im Westen der Franzosen und im Norden der Re ichs t nippe n. Was war zu tun, wie kennte daS Unheil abgewandt werten? Zu langet Ueberlcgung wat keine Zeitt Tas Vaterland mußte vor schweren Gefahren gerettet werden. Hierfür gab es nur einen Entschluß, Hitler unb feine Anhänger j-j arischem, ebnso wie er uns getäuscht hatte. Mein Entschluß war gefaßt, al- Hitler die erste An» 'prache hielt. Die völlige Einheitlichkeit unserer Eeitt teUung in den letzten Wochen gab mit die Gewißheit,
des von unserem beschlossenen Tän-' schungsmanövet gelegen war. Daß ichTrä. nen in den Augen hatte, ist unwahr. Währe,bet Unzeit Vorgänge war ich von tiefster Erbitter-ung unb Empörung über den begangenen Treubrnch erfüllt« Naclchem wir au- dem Saal in da» Nebenzimmer'zu- rückgekommeu waren, bat Hitler erneut um 5?er« zeihnng. Damit hatte das Ttntierspiel int Bützetbräikkellet jeinen Abschluß gefu«.
immer etwa» kindliche». Für mich, Kahr und Seif- sset aber wat die nächste brennende Lösung einer deutschen Ftape die Herbeiführung de» al» notwendig erachteten Direktorium». *
Ich muß nun zu meinem Bedauern einige Worte sprechen übet den Konflikt zwischen der bayerischen Regierung und der Reichsregierung, bei später unter bem Schlagwort „Der Fall Lossow" von srcq reden machte. In der Nacht de» 27. September, nur wenige Stunden nachdem in Bayern der Ausnahmezustand .verkündet worden war, wurde der Ausnahmezustand im Reich beschlossen. Diese» ras cd« Nachhinken hat mir damals ben Eindruck einet kleinlichen Eifersucht gemacht. Man wpllte im Reich auch schnell etwas haben, was diese böse» Bayern sich nun plötzlich angeschafft haben. Später habe er gehört, daß für den Reichsausnahmezustand schon längere Seit Vorbereitungen getroffen wurden. Allen Reichs- wehr-Kvmmandeuven außer ihm sei davon Mitteilung gemacht worden. ES toäee_ sehr leicht gewesen, mit Bayern Vereinbarungen für 'Kefen ReichsauSnahmezu- stand zu treffen, sodaß eS keinerlei Konflikte hätte geben können. Hier liegt die erste Schuld bei Berlin. E» war ein verhängnisvoller Schritt von Berlin, daß man vielfach diese rein polikifchen Fragen durch den brutalen Zwang der Müitärbeüöroen gewaltsam lösen wallte. Ich war jederzeit bereit, zurückzntreten. Ich hatte mental» in meinem Leben den Wuw'ch gehabt, mich aktiv politisch »n betätigen. Ich bin ausichlnßlich durch die Berhäftnisßc ganz gegen meinen Wunsch unb Willen plötzlich in den 53ordergrund der Politik geschoben worden. Die bayerische Regierung hat mein Abgehen nicht juge- lassen. Für sie wurde der Fall zu einer Prestigefrage. Das Recht war auf Seiten Bayerns. Tie Berliner Haltung war unstaatsmänuisch, kurzsichtig unb unloyal. Die Eftanb-nen Folgen find bekannt Tie Jnpflichtnahnu der 7. Division wurde am 22. Oktober glatt outdjae- führt. Es ist absolut falsch, wenn man von einer Trennung oder Abtrennung der 7. Division spricht. Die 7. Division besteht nicht ans chinesischen ober sonstigen ausländischen Kuli», die vom Reich bezahll werden, sie bestebt aus bayerischen LandeSkindent, die ein Herz für ibr $teim<rtlianb haben. Ste sind gut deutsch uno gut bayerisch und für uns ist gut deutsch und gut vayertsck fein Gegensatz. Auch in der Jnsanterieschule hat nach Aussagen, die mit gemacht wurden, dieser Konflikt et\e große Rolle gespielt. Ich wurde über die Vorgänge in der Jnfauteriefchufe während der ganzen Zett nicht mehr orientiert Da- Verhältnis der Schule zum Reichs- wehrmimster ist in keinem Augenblick gestört
München. 10. Mürz. Die dritte Woche des Sit- öet-Pro»efses beginnt mir einer Verschärfung bet Kon» ftollmaßnabmen vor und im EerichtsgebSude. Jnsb«- ßrndere wird jede Person beim Eintreten in den ®e« lichtssaal strengstens auf Waffen durchsucht. Die Verhandlung wird wieder eröffnet mit Erklärungen der Verteidiger. So wendet sich Götz gegen den Vorwurt fct der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" das die Vertei- biflung die Zeugen zu beeinfluffen versucht. Es wird rin Schreiben des ßanbespolbctamtes verlesen, worin es als unwahr zurückgewiesen wird, daß einem Offizier »it Folge gedroht worden sei. wenn er etwas darüber W5jaae, daß Oberst Selber einem Hauptmann ble freu» Mae Mitteilung gemacht habe, baß er Retchsvolizei- »inister geworben sei. Auf Ersuchen bes Reichsjustizministerium» wird weiter eine amtliche Feststellung ver- kien, daß der in der Presse genannte Unteroffizier Ebert tatsächlich kein Nesie des Reichspräsidenten sei, her überbauvt keinen Neffen hab« der am Kriege teil» genommen habe ober Solbat gewesen sei.
Rechtsanwalt Eademann erklärt bann, man siebe wr Beginn bet wichtigsten Vernehmung bet Vethand- ; tunn bet Sernebntuna der Herren Kabr, Lossow und rj i krisset. Nach dem bisherige» Verbandlungsergebnis, fclenbets in den geheimen Sitzungen, batte er es für ganz unmöglich, daß diese drei Herren nach als Kron- tzeuae« ocrgeloben werden können und daß die Draht- ßeber des ganzen Unternehmens als Zeugen gegen die Angeklagten auftreten. Der Staats anwalt mäste noch- »fll» die aanw Situation würdigen und er werde dann » dem Ergebnis kommen, daß hier nicht versuchte Nöti- . - «tttig, Jonbern bei volle Tatbestand des § 82 erfüllt sei, Mb die Herren das ganz« Unternehmen angezettelt unb »feitet haben. Diese Leute könnten boch nicht als Leuten gegen die auftreten, die das Unternehmen auf ihren Befehl hin ausgeführt haben. Wenn das sein sollte, drnu gebe es einen Kamps, und dieser Kampf würde durchgesührt bi» auf die letzte Patrone.
Der erste Staatsanwalt erwidert, di« drei Herren, feien nicht als Zeugen gegen die Angeklagten geladen »o.den sondern lediglich deshalb, um die positive Wahrheit iestzustelleu.
Rechtsanwalt Roder erklärt, daß man dl« drei 6er» et« überhaupt nicht kommen lasten wolle, fei nicht fein« Meinung wähl aber, daß man ihr Zeugnis nicht als i «parteiisch unb unbefangen bewerten könne. Daran L teitt wohl kein Zweifel sein, daß sie unoereibigt v«r- । summen werden müssen, angesichts besten was die lebte | Nfr-tme Sitzung ergeben habe. Sodann tritt unter all-