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Zweites Blatt

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Am

Mol' Und d' Trikolore

tourb bum Minschteczipfrl

Er ließ den Alten achsel-

Brant zweifelte nicht. Duckend stehen.

Dienstvertrag mit ihm nicht eingegangen worden sei, daß er den Diensteid nicht geleistet und auch kein Gehalt be»>grn habe. Aus Anrezimg des Bor- siheiiden erklärt Staatsanwalt Stenglein sich bereit, bis rur weiteren Vernehmung des Zeugen weiter« Unterlagen für bic Frage bribringen »u wollen, ob Schiebt eine amt­liche Stellung beim Generalstaatskommissariat bekleidet habe. Sckicdt bestätigt, daß er während seiner Tätigkeit beim Generalstaatskommissariat auch leinen Posten als Hauptschristlciter derMünchener Zeitung" beibehaltrn habe, und daß in dem Gejvräch mit dem Direktor der Münchener Zeitung" die Bemerkungbei Todesstrafe" gefallen sei, aber halb im Scherz. Zur Frage d:r Be- amteneigenschast des Zeugen Schiebt stellt Staatsanwalt Ehart fest, daß die Staatsanwaltschaft eine Enbin- duna vom Amtsgeheimnis angeregt habe und nunmehr eine Entscheidung nötigenfalls des Gesamt- muiisteriums herdeisühren werde. Rechtsanwalt Roder verliest hierauf ben Wortlaut des Schreibens Schiedts, an den Verleger Buchner, worin der Passus enthalten ist:

Die Herausgabe der Zeitung ist bei Todesstrafe verböte«».

Der Zeuge wirb darauf unter dem Vorbehalt, sich bei der Weiterverhandlüng rur Verfügung zu stellen, zunächst entlassen

Als nächster Zeuge wird bann Seine Exzellenz Gene- raloberst der Infanterie a.D Felix Graf Bothmer aufgerufen, der vereidigt wird. Ter Zeuge bekundet, daß er mit der Denkschrift Lossows in keinerlei Zu­sammenhang stehe. Zu den Vouän^en im Bürger- bröu erklärt der Zeuge, er habe den Eindruck eines vor­bereiteten, brüt al « n Ueberfalls. Die Erklärun­gen der Herren seien unter direktem Zwang er­folgt. Der Z'mgr hat auch den Erndruck. daß die drei Herren ihre Erklärungen nicht ernst gemeint hatten. Aus bi« Frage eines Verteidigers, ob der General es für möglich gehalten habe, daß ein deutscher Offizier ein auch unter Zwang abgegebenes Wort nachträgl ch breche, erwiderte der Znige, er habe nicht den Eindruck, daß das Wort gebrochen sei. Er habe sich mit den Vor­gängen nicht direkt befaßt, und sei wohl davon unterrichtet gewesen, ohne aber die Motive zu kennen. Zeuge Geh. Rat Gruber hat den Eindruck,

daß Ludendorfs im Bürgerbrau überrascht worden sei.

Die Aussagen des nächsten Zeugen, Universitäts- Professor Müller, gehen dal in, daß man nach seinem Gefühl in einer Mausefalle gewesen sei Auch dieser Zeuge hat nicht den Eindruck einer Komödie geyalst

Zeuge Oberregierungsrat Sommer gibt die (S'cVä« rung ab, er könne unter Eid aussagcn. daß er nicht wisse, loer die w-ißbiaue Broschüre geschrieben habe, in welcher Form sie in der Lanüespolizei vertrieben worden sei und wer $r lan-i rt habe. Tie Vern.hmung Sommers ist da­mit vorläufig abgeschlossen. Die Sitzung wurde daraus aus Nachmittag unterbrochen.

In der heutigen Nachmittagssitzung wurde zur Vernehmung des Fabrikbesitzers Max Kühne aus München geschritten, der Vorstandsmitglied der Vaterländischen Verbände ist Derselbe gibt seinen Gesamteindruck dahin wieder, daß die Herren Kahr, Lossow und S e i s s e r vor einer schwe­ren und fast unerfüllbaren Aufgabe st a n d e n,

daß st« sich aber des Ernstes der Lage bewußt waren. Man sei sich klar gewesen, daß eine Ausein­andersetzung mit Berlin kommen mußte, eine andere Frage sei es aber, ob es sich in Wirklichkeit um einen Marsch gehandelt hätte. Leute mit Maschinenpistolen habe er »licht wahrgenommen.

Kriminaloberwachtmeister Hermann konnte nur wenige Eindrücke aus dem Saal schildern, da er außerhalb des Versammlungsraumes mit seinen Polizeimannschaften die Ordnung aufrechterhielt.

Pralbent Lo-be «rgffw* di- Sitznno nm 2.20 Uhk Erste Lesung des Notetats. (7. Tag.)

In der Fortsetzung btr Bera un -en er'mit zunächst das Wort: Reichsernährungsminister Graf Kauitz. Er be­tont. das; das de'stfche Volk sizukgcn mit einem blauen Auge über den furchtbaren Winter hi»- weg gekommen sei, da das Fehlen toertbeünbigetf Zahlungsmittel uns automatisch die einheimische Ernte verschlossen hab«. Wen« Heu!« noch chund-rttausende hun­gern, so sei das die Folge der mangelhasten Kaufkraft weiter Volkskreise. Die augenbl ckliche Agrarkrise müsse besiegt werden. Für die Landwirtschaft sei ber Steuerdruck, besonders wo es sich um reichte und mittlere BÄum handele, ««erträglich. Vorübergehend müßten diese Lasten aber getragen werben, um nicht die Währung zu erschüttern. Der Entschuldung der Land­wirtschaft steht eine katastrophale Entwertung gegenüber Tos beweist auch die geradezu krankhafte Belebung des GütermarktcS. Nachdem di« landwirtschaftlichen Ge- lwssercschaften, dir trübten Krrdit-Jnftitute bet Land­wirtschaft infolge Verlustes bet Depositengelder für die Finanzierung augenblicklich nicht in Frage kommen, richte sich der ganze Ansturm gegen die Reichsbank und Rentenbanf. Es sei grotesk, daß der Laiche wirt den Kredit, welchen die Reichsbank zu 10 Prozent vetmfttrlt, zu ganz unsinnigen Zinssätzen, z. T» 3 0 Prozent erhält. Sir. Schuld trifft nicht die Regierung, vielmehr müsse die Landwirtschaft i h ne Genossenschaften fest in die Zügel nehmen. Sie dürfe nicht das vcrlorengegangenc Depositenkapitat durch zu ho!« Debetzinsen wieder einzubringen versuche»». Die Krtöfttcage ist durch die Wechielprolongierung auf dem Weg' drr Erleichterung. Dafür ist ein sichtbare» Zeichen di- ^- steigerte Abnahme von künstlichen Dünger«.

Die von dem General ber Infanterie a.D. ßit*^ benbotff in seiner Verteidigungsrede vor ben(, Volksgericht in München gegen Seine Heilgkeit be< Papst gerichteten Angriffe geben mit Veranlassung^ Eurer Exzellenz zum Ausdruck zu bringen, wie tw haft die preußische Regierung die Ausfälle des Gens» ral» gegen Seine Heiligkeit bedauert. Sir be«. bauert sie umsomehr, als sie sich bewußt ist, wie un* begründet die Angriffe sind unb welch »atmen Dank Preußen dem Heiligen Stuhl für se'ne Bemühungen unl^ Friede« und Wohlfahrt des deutschen Volkes währendi- unb nach dem Kriege schuldet. Wenn es sich nun auch bei Lützendorfs um eine reine Privatperson handelt, die als Angcklagter geneigt ist, alles vorzubringen^ was seiner Ansicht nach für ihn von Nutzen Sei« könnten so hält sich die preußische Regierung bei den ausge- zeichneten Beziehungen, deren sie sich mit dem Heili­gen Stuhle zu erfreuen hat, gleichwohl für verpflich» trt, ihr tiefster Bedauern über das Vorgehen Luden- dorffS auSjnsprechen. Eurer Exzellenz wäre ich gan» !b«,anders dankbar, wenn Sie ©einet Heiligkeit bi» Auffassung der preußischen Regierung über den Vor­fall zu übermitteln die Güte hätten. Genehmige»» Euer Exzellenz die Versicherung der ausgezeichnete» Hochachtung, mit der zu verbleiben ich die Ehve habe« Ihr s.hr ergebener gez. Braun.

Karlsruhe, 7. März. Dis Zentrums« f r a k t i o n des badischen Landtages veröffentlicht eine Erklärung, in der sie die Ausführungei» Ludendorffs im Hitler-Prozeß, die sich gegen das Zentrum, den Reichskanzler und den Klerus richteten, als wahrheitswidrig zurückweift und der Meinung Ausdruck gibt, daß es sich dabei um eine wohlüberlegte, planmäßige Kulturkampfbewegung handelt.

Bet WnHtmIl.

8. BerhanblungStag.

S «Nnchcrt, 7. März. Zu der heutigen Sitzung, dir «niet sehr starkem Andrang stattfanb, fanden sich auch Hie CtaatSanwSlte Dr. Stenglein unb Ebert wieder ein. Gleich nach Beginn der Sitzung gab Justizrat Pohl ein- Erklärung ab, in bet et bis gestrigen Vorfälle bedauerte und den Staatsanwalt um Ent­schuldigung bat. Eirte Verletzung deS Staatsanwalt; habe nicht in feinet Absicht gelegen. Justiztat Dr. Shramm nimmt bann Bezug auf bie bereits abge­gebene Erklärung der Gesarntverteidigung. Ter Vor­st tzer.de ist der Ansicht, daß bie gestrigen Vorgänge da- mit erledigt sein dürften, betont aber, daß weitere betätig« Angriffe das Gericht unter Umständen zwin- jgen würden, das Verfahren über den einen ober andern Angeklagten von dem Haupt verfahren ab zu« trennen, um dadurch die ordnungsmäßige Prczeß- führung g'gen die Ang klagten zu ermöglichen. Hier- «at fährt daS Gericht in dec ZeugenverneK- mu ng fort.. Zunächst wird bet Hauptschriftlefter Adolf Schiebt als Zeuge ausgerufen. Dieser erklärt, in einer vochf abg-haltenen Konfermz vaterländisch ge­sinnter Männer sei erwogen worden, ob es nicht nütz­lich fe*, - bem Generalstaatskommissar Gelegenheit zu heben, seinen bisher nur theoretisch angekündigtew Mampf gegen den Marxismus zu begründen und diesem negativen Ziel auch ein positives an die Seite zu sitzen. Diese Absicht habe die

Billigung des Eeneralstaatskommissars gefunden.

Die Vorbereitungen zu der Versammlung feien von Kommerz enrat Zentz getroffen worden. Znige freiem Hieraust bie Vorgänge im Bürgerbräu. Als bie bei­den Regierungen für abgesetzt erklärt worden seien, sei ihm klar geworben, baß hier ein Putsch vor sich gehe. Es sei ihm ausgefallen, baß Herr v. Seist« r f.hte Erklärungen nur genötigt abgab. Ter Cha- fc?-:e der Erklärung Kahrs und die scheinbare Einig, feit freit ihm nicht klar geworden, weil er sich sagte, «in Diktator, btr sich mit der Pistole eine andere Auf- {asiunz ausdringen lasse, sei für ihn und auch wohl für iif Oeffentlichkrit erledigt. Zeuge hat nicht die Nebtrzengung, daß dies etwa eine Komöd'e geivepn fei; dazu fei der Vorgang viel zu ernst gewefen. Aber et habe bie schwersten Zweifel gehabt. Er sei bann auf die Pelizeibir ktion gegangen, wo er mit der Maxi- nrftiaastraßr in telephonisch« Verbindung .jetr'ttn sei. Ibn Generalflaatskommissariat habe er Seißrr ge- troffen, den er fragte, ob er ihm gratulieren soll. Stißer erwiderte: Um Gottes Willen, so ist das Gänze Nlchft! Be» einer Besprechung mit Baron Freiberg uni) <betitgitrung3rat Stauffer sei e? klar geworden, daß Kahr unmöglich eine solche Sache freiwillig mach e Hierauf habe er eine Pressekonferenz einbenisin und die erschienenen Herren über die neue Sachlage unter­richtet, worauf er sofort in die Kaserne zurückgegangen sei und besonders Kahr habe es immer unbegreiflich gefunden, wie man in dieser Weise gegen ibn vor­gehen konnte. Zeuge habe nicht bevbach'et, daß Mei- nuits.sverschiedenheiten zwischen den Drei Heere,, be­standen. Stn btr. Kasern- babe er bann im Auftrage KahrS bi telephonisch« Anweisung gegeben, die Aus- gäbe ber Münchener Morgenblätler zu verbieten, um unm heute Verirrung in der öffentlichen Meinung

zu ttrffinbem Das sei nur «in Borbeugangsmfttel gewesen. Ank eine Frage bemerkte der Zeuge, daß er vom ersten bis zum letzten Tage in der Presscstrile bei Äaßc tätig gewesen sei.

Im weiteren Verlause ber Vernehmung zur Frage fchiet Beamteneigenschaft stellt Schickt ftst, daß ein

...... Negierungstisch: Innenminister Dr. Jarre», Justizminister Dr. Emminger.

Als nächster Zeuge folgt Generalmajor Han- Ritter von Hemmer, der von den Vorgängen im Bürgerbräu einen bedrückenden Eindruck gewon­nen hat; insbesondere bei Lossow und S e i s s e r war er der Anschauung, daß sie ihre Erklärungen nur gezwungen abgaben.

Zeuge Hauptmann a. D. El> el war in der Ver­sammlung im Kasino des Jnfanterielandregiments, wohin Generalmajor Hemmer gegen 11 Uhr ge­kommen war. Auf eine Frage erklärte der Zeuge, daß General Hemmer den Ereignissen mitt* destens zugestimmt, womöglich sogar seine Fvude zum Ausdruck gebracht habe. Zeuge vertritt die Ansicht, daß General Hemmer die Sache min­destens ernst nahm.

Die Vernehmung des nächsten Zeugen, Ober­leutnant Hohen le itner, ergibt keine wesent- neuen Momente.

Ministerialdirektor Dr. Gustav Müller vom Justizministerium bekundet, er habe das Eindringen der Bewaffneten als einen plötzlichen Ueberfall betrachtet. Das Auftreten Dörings habe auf ibn keinen angenehmen Eindruck gemacht. Auf Be- ftagen erklärt der Zeuge, daß ihm das Zustande­kommen der weiß-blauen Broschüre vollständig un­bekannt sei.

Generalleutnant v. Kleinhenz gibt gleich­falls den Eindruck wieder, daß den beteiligten Herren ihr Entschluß furchtbar schwer geworden sei. Er habe sich in den Freudentaumel nicht mit hincii'.- reißen lassen, weil er sich bewußt war, daß unter Umständen ein großes Unglück daraus entstehen werde. Justizrat Schramm fragt den Zeugen, ob es richtig sei, daß er ein Schreiben der vater­ländischen Verbände an Kahr mitunt^'-oichnel habe, in dem u. a. eine sofortige Generalamnestie und rücksichtsloser Kampf gegen bie Verfass >rng von Weimar und gegen den Marxismus verlangt wird. Zeuge bestätigt dieses

Hierauf wird Generalmajor Freiherr v. Kreß vernommen. Der Zeuge nimmt zunächst als Führer der 7. Division zu den schweren Verdächtigungen Stellung, die im Laufe des Prozesses gegen die Reichswehr vorgebracht wurden. Die Behauptung, daß auf dem Odeonsplatze aus einem Panzerkraft­wagen geschossen worden sei, bestreitet der Zeuge ganz entschieden. Auch die Annahme, daß man nach der Einschließung des Reichswehrkommandogebäudes die Reichswehr bei« Waffen still st anb gebrochen unb das Feuer eröffnet habe, fei falsch. Die Reichswehr habe am 9. November blutenden Her­zens ihre Pflicht getan, und ihr Gewissen fei durch feine Schuld belastet. Die neue Belastung, die dieser Prozeß für die Reichswehr bedeute, habe diese nur noch fester zufammengeschlosten. Hierzu macht Justizrat Schramm mehrere Feststellungen, insbesondere fei nicht von Hauptmann Rohm be- bauptet worden, daß der Oberleutnant Braun Leutnant Carsella erschossen habe. Es werde ein ewiges Geheimnis des Tote»! blei­be n, ob er gesehen habe, daß Braun ihn erschossen habe. Im weiteren Verlauf der Sitzung verlieft Justizrat Schramm einen an ihn gekommenen Brief

(Fortsetzung int 1. Blatt.)

Ecrl n'ernb über den Bummel in der Meiseng-ssi, traf er Anbree.

,Was machen unsre Bekannten?" fragte er ihn.

Ich gehe gerade zu Alice. Ihr Mann zieht ins Sfelb. Ich habe noch acht Tage Zeit, dann gehls zur Musterung. Hm. Man muß eben mitmachen. Trau- lri-. daß man auf s.tire eigenen Ve lern schienen muß." t Brant meinte:Tas ist doch wohl nur eine Phrase." ;Uebrigens," sagte Andree, ber seine Ge'afienh.it Nicht eiugcbüßt hat!«,du kennst doch Etienne W.uri- »ich. Der hat e- klug gemacht. Ec ist über sie Grenze fnach Frankreich. Er wollte ja sowieso in Paris wei- ^Iktgubieten, 9hm er einen Monat früher Hin-

Madame empfing ihn reizend. Sie war allein. In Par s hafte sie es gelernt, selbst in den er'chülftrndsrrn Situationen ein heiteres Gesicht aufzusetzen. Sie be­nahm sich heiterer als je.

Das ist ja nett, daß Sie mich arme verlassene Person aufsuchen", sagte sic.WaS wird jetzt aus meinen SalonS werden?"

Auch eine KriegSsorg« dachte Brant.

Heute bei Nach: hab eich schon gandnenboniter gch"rt, von den Vogesen her, und meine Katze war un­ruhig unb hat g miaut. UebrigenS weche ich Ihnen etwas mitgeben, damit Sie nicht verwundet werden."

Madame trippelte an einem ber Miniaturschcänke, bie auf btt Kommode standen, an einen Medaille«, unb zog ein Amulett an langem Skidenband hervor. Es war eine silberne Madonna mit bem Kind.

Tics Silber ist besonders präpariert. Es ist eine okkulte Mischung, bie Glück bringt"

Brant steckte daS Amulett lächelnd in bie Tasche: Herzlichen Tank. Und barf ich fragen, was Ger­maine machte '

Germaine?"

Ich hätte sie zu gern u-lq1 »..anal" Vrant würgte an seinen Worten herum.. Madame sah ihm die Gemütserregung an.

Germaine kommt jetzt mit noch selten her. Es ist nicht anzunehmen, daß sie bei dem jetzigen Trubel morgen, ober übermorgen zu reifen wagt. Tie Züge fahren jetzt ganz unregelmäßig. Sehn Sie, Trotz­kopf, der Sie sind, jetzt, wo es zu spät ist, ----

jetzc sind sogar die Telcphonleitungen g.freut, sonst hatte ich gesagt, wir melden ein Ferngespräch mit Waffeln an. Fahren Sie doch nach Wasjeln. Sie wir) sich freuen."

Nein. Das kann ich nicht..."

Mit einemguten Mut" undman sieht sich ja wieder", entließ ihn Madame lachend und ries Sann,, viel ernstlicher besorgt, nach ihrer Katze.

Brent ging den langen Weg Mieder zurück. Sol­daten. Soldaten überall. Negimentsmuftkeu und pa ri otische L eoer Und das Volk roint>.- zu einem heulenden Hausen Irrsinniger. Brant begann die übertriebene vaterländisch« Begeisterung der Nsäjsir anzucke.n. DaS

Nachdruck verboten.

Germaine Rüscher.

Ein Elfaß-Noman. Von Christian B o u ch ho l tz

37. Fortsetzung.

Brant sich sich kühl das Schauspiel mit an.

Welch ein Volk", dachte Brant.Heute so, mor­gen so Endlich einmal hat c3 b'e Eigenbrötriei van sich geworfen! Endlich ze gt es off:« s« ne Se ke Unb sie ist beutfch. Jetzt gilt es nicht mehr: Hit Elsaß, hit Bayern, hie Preußen. Deutschland gegen Ftimk- rrrich" <

Aber als er Ecke Meisengassi unb Bregl eplatz bk Truppen vorbeiziehen sah, mit Musik, Lieder sin- gtnb, umjubelt, selbst hingerissen von dem gewalt gm ersten Eiirdruck eines Marsches in den Tob, zupfte ihn ein aschgraues Männlein am Arm «r kannte es «chl unb nörgelte hämisch:Die Titsch« kceje b' Jack voll! Hähä!" Unb ber Alte spuckte sich in die Hand unb ahmt «Bewegungen deS Autzkiopfens nach. Er zog die Augenbrauen hoch, machte Funkekauzen und lachte:Ja bie Schwowe! Die sin z' frech rooce! Fetz kumme b' Franzose! Au, au! Dir git bleu

Verblüffend einfach

mit den Teltotrütimlen ei)hn Heitman»'» ar Jet» Ui'art« i»ch»k»ps Im Stent, in Otn ptadjioottitcn Farbtönen selbst jU fäteen.

Heitmann'» Farbe spart de« gerbee.

Nv. 58 onnabend, 8. März 1924

statt«? ,

Da» Wat einer, der ei wagte, ben Sieg bet Deut­schen zu beziveiseln.

war Phrasc, Lüge sich fe.bst Io£«n sie etwas vor Psychose! Diese verzerrten Gesichtet waten nicht mehr normal DaS War der Schmerz, ber zu Phrafe» griff. Mau wollte, baß bie eigenen Söhne mit hci'ee tzaitt und als Sieger heimkehrten, dcslstito roat man plötzlich patriotischer geworden, als die Patrioten.

Brant suchte Gesellschaft. Deshalb kehrte er über ben Bummel bet Mcifengasi« zurück. Noch imnue stand das graue Männlein an der Ecke unb lachte:

..Mir sinn immer bi dr Sieger, mir Elsässer. Ent­weder Han bie Schwob« b' victoirr, no bliewr mer Schwowe, ober b' Schwowr trije b' Jack voll, no si, mer bi be Franzose als Sieger. D' Elfäfsrr sin allo wyl b' Sieger."

Gasfenjugenb stand um ihn unb hüpfte vor Brv- gr.ügen.

Brant traf ehemalige Sck;ulkam«raden, bie lon dem Einkauf von Wäsche, Unterzeug, Zeißglä'eri, Taschen­lampen Proviant schirerbelaven zurückkamen. Sie waren alle sehr zuversichtlich. Manchen, lwsander» den geborenen Deutschen, sah man die ehrliche Freude an, endlich einmal gegen dieFranzosenköpve" los­schlagen zu können, deren Wesen sie im Elsaß hasien gelernt hattenCS war höchste Zeit", sagten sic.Nun feilen die K«rlS aber was erleben!" Tier meisten aber teerPftf'tn bie peinlidjen Gefühle des Abfchiednehm.en- müffens, des Jn-den^Kritg-ziehen-Müssens durch (är, rnrnbe Phrasen und durch wildes Ge'chimpfe auf bie Feinde. Ten «mpfinbfamen Vr:nt h i tricn biefe Re­dens r en an. Nackchem er einige B kannte gesprochen, was: er b;e Menschen wieder satt und floh in verlassens, winkelige Seiteugäßchem Dort stöhnte er auf und! lchlug die Hände vor da» Gesicht:Germaine, soll ich dich nie Wiedersehen?" > ,|

(Fortsetzung folgt) >

übet. Unb bet Abbee Bau ist mit dem Dokleur Hüter gleichfalls über bie Grenze. Was sagst du dezu? All samt ReißanS genommen!"

War nicht anders zu erwarten."

Gehst du mit zu Alice?"

Rein, nein. Das gibt rührselige Abschieds« fernen Ich bin momentan nicht dafür.' Ist Ger­maine dort?"

Die Züg« von Masseln Verkehren für Zivilper­sonen jetzt nur einmal am Tag. Sie käme doch zu spät, um ihn noch zu begrüßen."

Ja... Ich muß sagen, deine Schwester wäre die einzige, von der ich hätte Abschied nehmen wol­len. Schade---" »

Unb daS war es, was ihn auf bie Straße getrie­ben hatte. Was ihn nach Zerstreuung suchen ließ, Germaines B ld, das ihn droben in ben einsamen Zim­mern vcrf.lgte. Vor der Begegnung mit bem Toor Leben!

Hier saßen bie einen in den Spelunken, soffen sich bie Bäuche voll und grölten b:e Wacht am Rhe n, die selben, bk vor zwei Tagen noch im Stillen die Morieil- laise gesungen hatten. Betäubung? Leben, solang« mon noch lebt! Unb in ungeniertester Verliebtheit küßten sich überall bie Pärchen ab auf offener Straße, am frühen Morgen schon. Leben!

Auch ihn drängte es zum Leben vor dem Mirsch in ber. Tob.' Germaine einmal nur noch zu sprechen. 30c ben Mund küssen. Beide fein Wort über Ber. gar g'ne« verkl-ren Nut »roch e'nmal Hand in Hund t äum i sch durch den großen P rk gehen, nachdem s e sich stillschnoeigend gegensiitt'g.rerziehm. So dachte er lichs. Wie entsetzlich, ins Feld zu rücken und noch nicht einmal Absch eo voneinander genommen zu haben. Was war es beim, was sie trennte? Stolz auf beiden Seiten? Ter war verweht angesichts der Größe ber Zeit Die Liebe zu einem anderen? Tor andere war jetzt im Gegenlager, und wer wollte damit rech­nen, daß man sich je wiedersah?

Ein schmachtendes Verlangen nach der Gesiebten trieb ihn vorwärts--und er sah sich «rf dem Weg

zu Madame £e»^. ; ___u ».

Berlin, 7. März. Der preußische Mini­sterpräsident richtete unter tem 5. Milrz an den päpstlichen NuntiuS, Erzbischof Dr. Pa celli in Ber­lin rin Schreiben, das. bem amtlichen Pr-ußischcn Preire!' ienft zufolge, folgenden Wortlaut hat: