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OberhcUche Zeitung

Zweites Blrrtt

Nr-. 51

Freitag, 29. Febrr-ac

1924

3it £tit ii ter Mr.

Pirmasens, 28. Febr. Im Anschluß an die blutigen Ereignisse vom 12. und 13. Fe­bruar sind von der französischen Besatzungsbehörde »och neue Verhaftungen vorgenommen rvorden. Die genaue Zahl ist nicht festzustellen, da »jemand Zutritt zu den Gefängnissen hat ' nicht ein­mal der Offizialverteidiger wird zugelassen. Man schätzt die Zahl der Verhafteten auf 50, während etwa 200 Bürger sich der drohenden Verhaftung durch die Flucht entzogen haben. Die Sonder­bündler halten sich immer noch im Rathaus auf, sie verhöhnen die Bevölkerung täglich auf den Stra­ßen, drohen mit Rache und verrichten Spitzeldienste für die Franzosen. Unter dem Schutze des Belage­rungszustandes treiben sich zahlreiche Sonder­bündler in der Stadt herum. Dre städti­schen Schutzleute müssen ihren Dienst in Begleitung von Marokkanern verrichten, Säbel und Schuß­waffen sind ihnen abgenommen. Tie Derkehrs- .sperre bis 7 Uhr abends und das Verbot des Fahr­radverkehrs werden mit aller Strenge auch bei Tage durchgsführt. Verbrecher, die früher dauernd die Gefängnisse bevölkerten, terrorisieren nach wie vor die Bevölkerung, während angesehene Bürger, die sich der vollen Autorität der Stadt und des Ge­richtes erfreuen, im Gefängnis schmachten. Da die Stadtverwaltung infolge der Verhaftung unent- 'behrlicher Beamter nur mangelhaft durchgeführt werden kann, desgleichen auch zahlreiche Privat­betriebe, deren Leiter verhaftet oder geflüchtet sind, »schwer gefährdet sind, leidet die Bevölkerung außer, ordentlich. Die Rückkehr des durch die Sonder­bündler ausgewiesenen Bürgermeisters sowie zweier Ctadträte ist immer noch nicht möglich. Von den Sonderbündlern verfoglte Flüchtling-, die nach dem -Zusammenbruch der Sonderbündlerherrschaft zu- 'rückgckehrt sind, sind von den Franzosen aufs neue 1 verhaftet worden. Sämtliche Sportvereine «find von den Franzosen aufgelöst und sämtliche Sportgeräte mitgenommen worden, ebenso die Protokollbücher. Solange notorische Verbrecher ■unter dem Schutze der Franzosen in den besetzten Gebieten frei herumlaufen dürfen, nutz es eine ■Forderung der gesitteten Welt sein, die Freilassung !der Gefangenen, die wegen ihrer Bekämpfung der londerbündlerischen Bewequng verhaftet sind, zu i erwirken. Das ist der Notruf der immer noch schwer gequälten Pirmasenser Bevölkerung.

K n sr l, 28. F'b- Wie ua'bt'-S'llich brfor-t* «-"ckeu ist. (te"i Majo: La Point' auf Grund des am 16 F bruar in getroffenen Abkommens durch den levara-

tifiiftfen Afterbürgermeister Kn-pp eine Stabllatssitzung einberuf n. an der der Major telbst teÜ;n' m. Er erklär!«', die separatisü^che Regierung sei die anerkannt', und e? sei streng untersagt, gegen sie etwa? zu unternehmen. Sollte trotbem etwa? geschehen, so werde er die drei ersten Bürger bc? Stadtrot? verhaften und er'ch'etzen

Bad Dürkheim, 28. Febr. Der französische Bezirksdelegierte hat verlangt, daß die von den Son- b>rö tnd'ern aus eM tit Jagdkarten und Automobil. zulassunqsbcnM'gungen von den deutschen Behörden vn ntoelt i-ch rt e ert werd ar müssen. Sämtliche J^gd- toa^f.'n sind auf Befehl der Delegation eingezogen worden. Ferner hat der Bezirksdelegirrte geforden, daß die Erwerbslosen, die sich an der sonderüündle- r'fcken V-weguirg be e'l gt hat en, bei der Gewährung der Erweröswjennnterstützung in keiner Wcise benach. feilifli weroen dürfen. Professor Stängel ist von den ßranzosen au- bis jetzt noch unbekannten Gründen ter- haftet worden.

Nachdruck verboten.

Germaine Näscher.

Ein Eljaß-Roman. Bon Christian B»uchholtz.

. i 30. Fortsetzung

Madame Lenz de Sabronne, die unruhige kleine Person, huschte an ihm vorüber.

„Sie sind allein?" kragte sie.

„Germaine zieht sich ja um,,, verriet er sich sofon.

„Ach so Sie muß sich jetzt auch ihrem Partner widmen. Kommen Sie mit. Helfen Sie mir etwa-. Ich muß m:e die Büffelte mit den Gabelbissen ansehen, ob brr alles in Ordnung ist. Und der Tisch, an dem die Jungen nach dem Menueit und den Schäferszenen ihren Sekt trinken sollen. Ja, Sie müssen tanzen, Lucian. Soll jch Sie mit einigen netten jungen Damen bekannt machen. Sie kennen nicht rin Zehntel der Leute, will ich schwören, lledrigen- wird Ger­maine nicht viel Zeit für Sie haben. Für diesen Herbst scheint, wenn nicht alles trügt, zwischen den beiden etwas bevorzusteben."

„Was?" fragte Brant entsetzt und ohne sich be­herrschen zu können.

„Was? so fragt man nicht, Lueia«. Das werden Sie sich wohl denken können. Gottlob, daß sich die Sache eingerenti hat. Jch hatte ja so unter Charles Ruscher zu leiden, der ganz so polternd geworden ist, wie di« Maschinen seiner Fabrik. Aber Sie sind «in Freunü bei Hauses. Und Germaines guter Freund, wenn nicht ihr Bester. Sie wissen schon, wie die Sacke l eit S e büren ci ru fen."

Madame bemerkte vor Esser nicht, welche Wirkung W-ne auf den empfindsamen Brant gehabt har­ten. Sic trippelte zu den Büfetten, ordnete bon , die Sträuße von Rosen .Reseden und Nelken, von ’ Petunien und Fuchs en, die, in möglich bäuerlicktr Buntheit von rotneißen „Mariaherzen" übkrschaukckt, »alu sch h.rumstanren.

»Isis gut so?" fragte sic Brant.

6t u'ckie 6$ konnte nicht einmal ja fegen. Eine

Aus den Ausschüssen.

Berlin, 28. Febr. Im HanvtauSschuß be5 ReichStagS teilte Geheimrat Karlow vom R«ckS- finanzministerium mit, daß die Ausgaben deS Reiches im ordentlichen Etat etwa 130 Millionen Goldmark und die Kosten der Ausführung deS Versailler Ver­trags 6 40 Millionen Goldmark betr rgrn.

Ministerialrat v. Schlieben (NeichSsinunzministr- rfum) erinnerte daran, daß das Reich offne nennenswerte Kreditruellen sei. Die Rentenmarkkredite seien fast völlig in Anspruch genommen und die R«'chsbank dScse mcht mehr Schatzwechsel für daS Reich diskontieren. DaS Reich sek daher auf die Inanspruchnahme von Krediten an­gewiesen. Zu dieser Kreditaufnahme, die nach der 8er- iassung der Ermächtigung durch ein Reichsgesetz bedarf, soll der §3 des Entwurfes die Reichsrcgiernng in hie Sage setzen. ES müßten Beträge von 300 und 500 Mil­lionen Goldmark deswegen a'.s Höchstgrenze gewählt werden, weil noch nicht zu übersehen ist, wann der Re-ckS- hmrSbalt für 1924 endgültig festgelegt fein werde. Von der Krcditermächtigung werde nur im Rahmen deS un­bedingt Erforderlichen Gebrauch gemacht werden. _ Tie Beamter gehälter sollen wohl Anfang April gemäß der Mietsstr igerung erhöht werden. Tie Vorschrift betreffend die Abbaukommiffion in gl habe die Reg'erunz gerade deswegen aufgenommen, um die vom SpnrauSfckuß be5 Reichstags betriebene Gparaktion möglichst zu sichern. Sollten Bedenken de? HauShallsanSschusses bestehen, so könnte auf eine Einschränkung verzichtet werden. Reichs­finanzminister Dr. Luther bezeichnete die politischen Bedeuten als verständlich, die auf eine Befristung bi? nm 30. April für unerträglich, weil vakmrch die Grsah' eines zeitwci'en St-'llstand-e» der Reichss nanzgeschäfte ge­geben sei. Die Vorarbeiten für eine Vereinfachung des SteuerwefenS seien im Gange. Ein Vertreter des Rei Hs- arbeiisministeriums machte Angaben über daS sinan» zielle Ausmaß der sozialen Unterstützungen.

Abg. Doch (Soz.) hielt die sozialen Unterstützungssätze, die jetzt gezahlt werden, für viel zu gering und bat nm Auskunft, ob die Sicherheit bestände, daß die Länder zwecks entsprechender Laftenbeieiligung in Zukunft ge­nügende Mittel zur Verfügung Härten. Ter Vertreter des ReichsarbeitsmimsteriumS bejahte diese Frage uns sichcrie zu, daß die sojialen Unterstützungen sobald als 'rgend möglich erdicht werden würden. Darauf vertlgte sich der Ausschuß.

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er doch von der religiösen Seite her zur Musik, wie die vielen choralähnlichen Stellen in seinen Symphonien zeigen, die er durch die Blechbläser (Trompeten, Hörner. Posaunen, Baßposaunen usw.) wie von einer Orgel er­klingend wiedergeben läßt. Deshalb erscheint der von Herrn Dr. Stephanie gewählte Name „Natur"-Sym' phvnie viel glücklicher. Beim Hören der Werkes erinnert man sich unwillkürlich der programmatisch.'» Andeutun­gen, 6te Bruckner selbst, freilich erst hinterher, gegeben bat: zB vom I. Satz: »»Mittelalterliche Stadt — Morgendämmerung — von den Stadttürmeu ertönen Morgenweckruse — die Tore öffnen sich — auf stoben hoffen sprengen die Ritter hinaus ins Freie, der Zauber der Natur umfängt sie..." —

Parallelen zur „Pastorale" Beethovens drängen sich auf: Die schwermütigen Variationen bei 2. SapeS und bei Beethoven die „Szene am Bache"; daS Scherzo: bei Bruckner eine herrliche Jagbfzene, in der Pastorale »in ländlicher TanzbÜdg der Schlußsatz bei beiden „Ge­witter und Sturm", aber doch welch' großer Unterschied! Beide sind Titanen in der Tonkunst; wo Beethoven fernen ätzten und zugleich ersten Schritt in Neuland macht in ’te» Schlußsatz den Gipfelpunkt zu verlegen (vgl. 9 Su-nplanir), da fetzt Bruckner ein und bildet sein-S Vor­gängers würdig zu unerreichter Größe anS. Seine S--m ihouien sind ohne ihre Schlußsätze undenkbar; das Finale Wick bei ihm die gewaltigste Synthese sämtlicher raufikalischer Gedanken und Keime, die die ersten drei Sätze gebracht haben. Daher auch die packende Wirkung aus die Hörer trotz der Riesenausmaße seiner Werke — die Aufführung der Natursymphonie dauert 70 Minuten, .er Pastorale Beethovens 45 Minutm. — Die dramatische Wucht, die neben ihm nur noch Beethoven und Richard Wagner verliehen war, verbindet sich mit einem mdo- dischen Erfindungsreichtum, wie wir ihn nur noch bet feinem Landsmanne Schubert kennen.

Für Marburg war mit ber Erstaufführung dieses Bruckner zugleich auch rin musikalischer Höhepunkt er reichte Denn mir kannten hier bisher nur die Klassiker und Brahms als Lieder- und Kammermnsikkomvo.'.ist Die Vollendung Beethovens aus symphonischem Gebietc erleben zu lassen, war dieser Ausiührung de» Collegium Musicum Vorbehalten geblieben. Und als solche ist sie ein» noch größere Tat als ein bloßes Gedenken an bk lOOsähr'ge Wi bertehr be’ Geburtstages Anton Lruck-.ers. Möge seine herrliches Werk nicht bloß biefe- eine Ma! unter dem Stabe unseres so bewährten und beit’6.en Dirigenten erklungen sein! Dr. E. H.

Symphoniekonzert des Marburger Konzerwereins.

Das Symphoniekonzert des Konzertvereins am Frei­tag, den 22. Februar, war für Marburg die Erfüllen,, dessen, was der Leiter des Orchesters, Herr Nniver- fitätsmusiDirektor Dr. Stephani, bei seiner Berufung gelobt hatte. Unermüdlicher F'eiß, intensivstes Ardeurn :u den langausgedehnten Prolten in der Lyzeumsmla waren die schafsinben Faktoren zn der großen Tat, i* ein in den letzten zwei Jahren erst eingeschultes Di'et lantenorchester vollbrachte, und wodurch es sich jedem Berufsorchester au die Seite stellen kann. Die bierte Symphonie Anton Bruckners, feine Ratursymphonie, wurde aufgrführt.

Die Widmrgabe des genialen Wertes war glänzend Der Streichkörper entwickelte eine Leichtigkeit und Ele­ganz in der Tongebung, die verblüffte. Gleiches Lob gilt für die Bläsergruppen, an die in dem Werke sehr hohe Anforderungen gestellt werden. Wenn auch alle Mitglieder de« Orchester? ihr Beste- hergaben und im höchsten Maße gelobt werden müssen, eines Mannes muh noch besonder- gedacht werden, ich meine den Küttstler. der das herrliche und so gefährliche Hormolo wunderschön zum Erklingen brachte, Herrn Schmidt. Die Symptome wurde zweimal hintereinander ausgesührt, um dadurch den Hörern das Werk näher zu bringen Zu diese« Zwecke batte auch Herr UniversitätsmusiLireftor Tr. Stephani einen einführenden Vortrag über Bruckner gehalten mit einer kurzen thematischen Analyse d-:r k Symphonie. Auch den sonst Üblichen Namen „Roman­tische Symphonie" hatte er mit Recht zu rückgewiesen, da Bruckner gar nicht „romantisch" empfunden hat, komm'

MnnnnnKnnnM^MinnMBMnHBKSäH et ferne Faust hielt ihn an der Gurgel gepackt. Er itat fahl wie Leichentuch. Madame knipste eine weiß- Aster von einem Strauß und steckte s e ihm ins Smo- fing-Knopfloch. Da- erbitterte ihn noch mehr.

„Junge Leute müssen viel Blumen um sich haben. Aber waS ist denn mit Ihnen?" fragte sie plötzlich. „Fühlen Sie sich nicht w hl? WKlrn Sie etro:3 tij.n? Sie haben wohl noch nicht zur Nacht gegessen? Wol­len Sie einen Kognak? Sie wandte sich an die Büsetl- frau, eine Matrone, di« nun so lange dort Wache stand, bis di: jungen Damen der Gesellschaft sie ablösten. Preise sollten an den Büfetten nicht befahlt wer­den Aber neben den Büse:ten waren Sammelbüchsen, blau-weiß^rot gestrichene, ausgestellt. Uno sie tru­gen die französische Aufschrift: „Für die Anne.-'"

„Einen großen Kognak für den Herrn?" Brant war es recht, er nahm das Glas, mußte es a5er mit den beiden Händen zum Munde führen, so zit.rte er. „Mein Gott. Sie sind krank!" sagte sie. .Legen Sie sich in der Baraquette auf eine Chaiselongue. Ir­gendeine wird noch von Kleidern frei ft in." t

Er schüttelte den Kopf. ,Lch will in der Luft blei­ben", würgte er. Und er schlich sich hinter bie Bü­fette, schlug einen kleinen Seitenweg ein. wirrst i>ss blühenden Jasmirbüsche, die so unerhörte Gc'ülbc streuten, schlich sich weiter und to.4:tr, bii er eine Bank fand Dort ließ er sich erschöpft sinke» und MM die S.irn auf die moojige Bauksihn«.'

..AuS!" sagte er laut .

Lang- saß er so. Und kein Mensch kümmerte fick um ihn ES war ihm recht. Tie Kronen der Bäume wiegten sich im Nachtwind. Hoch in den Wipfeln schimmeren phosphore'zierend die w.isen Äla.ieub.ü lentrauben, monddurchleachret, und troffen ihre über- trtebvnen süßen Gerüche herab in die feuchten Gründ» deS Parks

In einem Rcberg.rte» fang eine Nachtigall Sehr ferne eine zweite.

Die lärmtube Tanzmusik hatte fchvn eine Weile aufgehört. Jetzt begann ein zartes Geklimper, wie von einem Spinett; dazu Viola d'amorr und ein Lest«.

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Marburg und Umgegend.

Marburg, 29. Februar (Hornung).

* Eisenbahnverkehr, vom 1. März an ver­kehrt der Güterzug mit Personenverkehr Nr. 8803 Mar» burg—Frankeaberq 15 Minuten früher: ab Marburg 159 N.. an Frankenberg 5.24.

* Dem Zulauf'lcben Madrigalchor aus T a S f e t, wclcber am nächsten Sonnta' vorm. 12 übt m der Universiläts-Aula ein Konzert g 2t. neH ein vor­züglicher Ruf voraus. Die „Göttinaer Zeitung" schreibt darüber: Der Zulauftsche Madrigalchor anS Cassel trug eine Reibe ernster und heiterer Licker au» aiter und neirrer Zeit vor. Der erste Teil des Konzertes war alt«, deutfch-n Liedern petoibmet und yiate uns die Kunst der alten Nürnberger Meister Lechner und Hasler (um 1600). Motell-nartig, zum Teil sehr schwierig in der Stimm- führuno, $e:otcn diese Cborsätze doch einen eigene» und reiztioll-n Charakter. Die Auswahl aller Stücke war reckst geschickt qetrossen: ernste und heitere Lieder wech­selten in tooMhienbem Gegensätze. — Die neuere Zeit war vertraten durch Schumann, Brahms und MendelS- lohn. Zunächst fo’oten vier Licker von Robert Schu­mann, von denen besonders stimmungsvoll uns ergreifend da- schwermütige „Sommerlrck" wirkte. Den stärksten Eindruck machte zweifellos „DartbalnS Grabgesang" schlechthin ein Meisterwerk Brahms scher Kunst von ge­waltiger Wirkung. DsiS Lied war wohl der Höhepunkt des Abends. — Die Lieder von Meudelsfob» bildeten einen gefälligen Schluß Die Erwartungen, die die Zu­hörer in- Konz-rt brachten, wurden durchaus erfüllt ES

DaS war das Menuett. Wie gefesselt saß Brant auf feinet Holzbank. Jede Entschlußfähigkeit war ihm g w-mmen DaS silberne Gzrn, das Spieldoseuhaf» des fernen Meuctts lockte ihn nicht hatte ihm leite die Wange gestrichelt Er hob den hatte ihm leise die Wange gereichelt Estr hob den Kopf -ES war Madame» alte, schwarze Katze, die auf der Baiiklehue hockte und Brants Kopf mit dem Schwanz umschmeichllre. Sie fing jetzt an zu schnur­ren. Ihre gelbgoldnen Augen funkelten in dec Nacht. Fast ui'heimlich sehe» diese Augen au8. Brant be­merkte, daß ihre himmelblaue Schleife aufgegangen war Wahrscheinlich hatte sie bei ihrem Reißaiis- nehlneu vor so peinlich viel Menschen ihre Zuflucht ins Gcbüsch genommen.

Er nahm das Tier auf den Schoß, band ihm die Sckl ite z»recht Und dann wärmte er sich die erkal­teten Hönde an ihrem schnurrenden Leib und r»ete taut zu ihr wie ein Einsiedler: „Du und ich habe» uns cefun en, du alles Ter. W'r sind Freunde. Du und ich lieben d:e,e Gesellschaft nicht. Dich und mich haben sie int Stich gelassen. Och, meine Katze, ick wollle auch, ich wäre rin Tier, wie du. Es wäre besser. DaS Leben wäre viel einfacher." i

Er ließ die Katze erst vom Schoß gleiten, all er die Wiederkehr der ersten Menuettphraie als Schluß- Phrase beginnen hörte. Er wollte Germaine sp«chen, — „nachh?r" hatte sie ihm gesagt „Vielleicht" So schlich er sich wieder zurück nach der großen Wiese unß kam gerade an, als das Menuett z» Ende nxi? und von der Crslllsckaft bck at'cht wurde. Aber eine wei­tere Niimmer folgte. Das zierliche Schäfecfpiel sollte zur Feltw ire.btn. Brant nagte bald an dec llneer- lippe, bald an den Knöcheln seiner Hand.

D-.r Dck eur Hüter trat jetzt mitten auf das Tanz^ Podium und verkänle e, daß Germaine Ruscher und Siebet' Duvernois einen Madrigal-Solo tanzen irür den. Langsam und gravitätisch, als handle es sich um eine Staatsaktion, schritt er bann wieher zurück

Germaines Name» U Hüters Mund war jür lUt-uu

War ein ungetrübter Genuß, den gloAnHaren Stirn ne» und dem wunderbaren Zusammenklang des Chors zu lauschen. Besonders anerkennenswert war di? durchwrg deutliche Aussprache der Säuger. Mögen dir Leistungen des Chors durch ein volles Haus auch in Marburg be­lohnt weiden

St Theaterabend. Zum Pesten notkioenber (Studenten hatte man die Vorstellung von „Air- Heidelberg" auf den Spielslan gesetzt, was bek einem den Zuschauern so „geläufigen" Stücke ein Wag­nis bedeutete: „DeS Lebens ungemischte Freude"....! Immerhin wurde manchem, wenn auch nicht allem, ent­sprochen. Zunächst haderte eS mehrfach an straffem und einheitlichem Zufammenfpcel, so in der Keillzenc deS 2. Aktes, wo Verlegenheitspausen der Hauptpersonen ver­mieden werden müssen wie auch verzögeries Auftreten on Studenten. Die Band Verleihung an Kathie darf nicht „gemacht" erscheinen, muß reiner Stimmungsbild ver­raten. Zu großer Aufwand von Bckienten — bei großen Bühnen ist er nicht — verbessert nicht die Situation, vor allem, wen» ihr Auftreten äußerlich schon nicht einheitlich ist, die Haltung weniger an schmiegsame Hof- lakaien als an — Komiß in Zivil erinnert. Die Kne p. szene im letzten Akt verlangt allgemeine Beterstgung ber Darsteller, nicht nur einzelner. Alles Dinge, welch« die Regie zur äußerlichen Abrundung der Handlung unschwer vorteilhafter gestalten könnte. Die hervortretenden Rol­len hatten recht wohl geeignete Vertretung gtfuubn, eu> genommen die des StaatsministerS von Hangk, d ssen Darsteller durchweg versagte, einmal seiner ganzen Auf­fassung nach wie auch in Spiel und Haltung. Das muß feibet gesagt werden. Graf v. Asterberg (Paul Eromer) hatte gute Momente, war schneidig und forsch, ir^des möchte er beachten, daß er Aristokrat ist uns sich al» solcher im ganzen Auftreten eine gewisse Reserve bewahre» muß (— „nicht so stürmisch mein Herr" —). Ter i» stimm G«bahren wahrheitsgetreue Rüder (Fritz Kanßer) dürfte in Maske weniger an einen Wiener CafehnnS- Ke'lner gemahnen, um heimischer im Heidelberger Mil-en zu wirten. Dem Karl Heinrich versieh Georg Schroeter alle wesentlichen Züge, die ihn dem Publikum sympathisch machen unb führte seine Rolle wohldurchdacht durch, wuchs von Szene zu Szene mehr in sie hinein, was fröh­licher Bursche, Korpsstudent vom Scheitel bis zur Sohlc; pnachtvoft unb gemessen als Herzog, sicher im Zuf rmmew spiel mit her Partnerin. Eine recht glüMche Wahl bitte den Darsteller der Dr. Jüttner getroffen: Erfrischens in der bewegten Hoftust, natürlich in seiner Wesensart, w absolut verständlich in feiner Entrüstung, so gewinnend in feinet Liebe zu feinem Zögling. Gleich ihm hott« Willy Sauer den Sammerbitnet Lutz guten Vorüsider» abgelauicht in allen Allüren, Sprachweife »ad Hof- lakaiendünkel. Eine der Figur mehr entsprechens« Maske würde seine guten Leistungen wesentlich unterstütz' haben. Dem alten Kellermann gab Ernst Karl Lengsse8> in ver Schloßszene die rechte Untermalung und ohne besondere Uebertreibung. Die Höflinge hatten in den Herren Otto Schweinsberger. Gerhard Görisch, Julius Euting, Günter Paul mehr ober minder geeignete Vertreter ge­funden. Hilde Hagrn-Caffel stellte eine Käthie von Fleisch und Blut auf die Bretter. In reizender Lustig­keit verkehrt sie mti den Studenten, naiv malt sie sich ci» Bild vom Prinzen Di« ganze Hingabe der fische» Käth« kam in frischem Spiel zum Ausdruck. Ohne ous- driuglich zu sein, entfaltet sie anmutige Grazie mit ver­haltener Koketterie. Die besten Momente traten in ber Schlußszene hervor, auch bei Karl Heinrich — ein so fesselndes verinnerlichte- Spiel, tote sie namhaft« Bühnenkünstler nicht überbieten könnten. Sehr gut machte sich Paula Gollwitz al- Tante Törsfel sowohl in dem Buden- wie späteren Garteuauftrüt. Auch Frau Rüder War von Ranny Erdenberger zufriedenstellend kopiert. — DaS Publikum sparte weder Beifall noch Blumenfpenben.

• Die Auswanberung nach Amerika. Da» amerikanische Generalkonsulat in Hamburg teilt mit, baß bie deutsche Einwanderungsauote schon im De» eember erschöpft gewesen ist. Es besteht aber nach Meinung des Generalkonsulats bie Möglichkeit, - daß die Einwanderuna schon Im April b. I. wieder freige» geben werde» kann.

Da» junge Paar trat auf. Es war das hübscheste von alten’ Cs würbe rasend applaudiert. Setmxne nick Robert nickte» heiter ihren Dank. Und da- Spi­nett Hub wieder a» $u zirpen. Germaine wat af» Marquise gekleidet. Robert DuvrrnoiS als Marquis ein hinrei^nd fchöneS Menschenpaar. ,

Germaine hatte schief auf dem gepuderten Ki.c» ein schwarzer Schönheitspflästerchen. Sie trug t?» si sizen Reisrock. Und aus der schma'en Tnilie wachs ibre Büste, tief ausgeschnitten, empor, verjüngte sich' mit Linie», die zp schauen schon mehr als Grmch, fast ein Glück war, zn dem gepudenen Hals, blühte empor z über übertrieben große» Pudersrifur, au| der der breite Sonnenhut sch es lag. Ihre Erscheinung war wie die einer Mume; nur die gelassene Natur sckirn solche Linien und Formen mit ziÄsichrem Griffs zestalten zu könne». Hier waren Körper und Kleid eins geworden

Brant stand geblendet. DaS ist sie. Meine Geo- mairie, die ich mein glaubte — und sie hat sich einem anderen verkauft und zeigt sich triumphierend an s ine» Seite vor der gesamten elsässischen Geiellschaft, da« mi. es heißt: „Welch ein Paar! Welch rin« P-ittiesi* Von einem Tag zum andern bin ich vergessen. Sir sagt e» mir nicht einmal, daß sie mich verläßt, teil' t»tfauft sich — — — nein, schlimmer! Sie liebt ibn. Er brauchte nur zu erscheinen, und schon war ich nicht- mehr. Oh. ich Bettler am Tisch Lebens l beiden etwa» bevorzuftehen." '

(Fortsetzung folgt)

ötto LAlz, ©laiermltr.

llntergasss 5, gegenüber dem Gymnasium.

Witörwg QßerNüraWIrlidten. Serfanl 004 Smege!« mH Srrmrnigliv zo biOifijU» rageopresten» 219