Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oherhessen
Rr.45
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59. m 1924
Die IMage in RMsiHgk.
(• Berlin, 21. Febr. Zu einer machtvollen Kund- Debuug für die treue Pfalz und gegen die von den Franzosen ang-stistete und unterstützte sonderbündlerisch: Be Wtgiiug gestaltete sich die DonnerStrgs-Sitzung des Reichs- auj deren Tagesordnung die Beantwortung und Ve-- st»rechung der Interpellationen über die sonderbündlcrisch- Bergung in der Pfalz und der deutschnationale Antrag ßand. in der bte Verurteilung der Hochverräter im besetzten Gebiet auch in Abwesenheit forbert. Neben dem Neichskanzler Marx hatten auf der Regierungsbank namentlich auch dir Minister aus der Pfalz Platz geuom-- MN und diejenigen, die selbst Söhne des besetzten Cebiet.ö sind. Der Vizekanzler und ReichS-nnenminister Dr. I a »
dischen Bedrücker erwehren mutz, spielt für uns die Frage Monarchie oder Revublik kein« Rolle. Wir verteidigen unser Vaterland, wie es ist. (Lebh. Bestall.) Die Separatisten setzen sich aus dem ärgsten Verdrecher- gestndel der ganzen Welt zusammen. Die Vorgänge in der Pfalz müsse« der ganze« Welt »eigen, »«» das Versailler Diktat in den Händen Frankreich» bedeutet. Das System der Okkupation «ub und wird verschwinden, wenn jeder Deutsche seine Pflicht so tut, wW die Plalzer. (Lebh. Beifall.)
Abg. Eerstenverser lBa«r. Bv.) warnt vor den Bestredunge» auch int Rahme« be» Reicher die Pslaz von Bayer« loszulSse«.
Abg. Frau Pfulf (Sog) protestiert tm Kamen der Frauen gegen die Rede Heltierichs, soweit ste sich nicht gegen die französische Regierung, sondern gegen das französische Volk richte. (’!) Es sei zu hoffe«, daß
res, der Minister der besetzten Gebiete, HSfle, ferner der Reichsaußenmimfter Dr. Stre semann und der tzustizmimster Emminger.
Zur Beantwortung der am Mittwoch bereits begrüu- tzeten Interpellationen erhob sich zunämst Minister Dr. HSfle. Er stellte unter dem Beifall des Hauses mi- Kenl!gtuung fest, daß die vaterländische Hiesinnung b:r Bevölkerung aller besetzten Gebiete über jfben Zwisel erhaben ist und dqß der Separatismus im Rheinland end- -Lltig erledigt sein dürfte. Der Minister wies jedoch Aus die neuen Gefahre« hin, di- der Bevölkerung au? kr veränderten französischen Politik erwachsen können. Die BesahungSbehörden eröffneten jetzt kinen Feldzug gegen all: diejenigen, die in »er Abwehr gegen die Sonderbündler ge- ßanden haben. Großen Eindruck machte die ö?«?,- leihtng, bo6 140 000 AuSgewiese ne noch Immer nicht zurückkehren dürfen und 1500 Wefa ngene noch immer nicht befreit si nd. Der Minister wies im einzelnen nach, daß die Rhein- lenbjommiffion schützend ihre Hand über die Sonderbündler halte und danlte den Füh- «rn der politischen Parteien, den Gewerkschaften, der t Weist sich leit aller Kvnsessionen und ganz besonders idem Bischof von Speyer, die an der Spi^e der Abirehr gestanden bahnt. Im Rheinland sind 140000 Mann Befatzungstruppen, darunter 120 000 Fach-ge Set«- Rieftet werden fast jeden Tag gefordert. ES hat den Mnkchein, als ob die Franzosen, Nachdem sie ihr Ziel durch Mn Separatismus nicht erreicht haben, «ach anderen Mt'ttein suchen, um doch zum Ziele zu gelangen. Die Mrderung der sonderbünvlerischen Bewegung durch die Fra: zofen läßt sich auch durch di- Erklärung des G.ne »ls de Metz nicht auS der Welt schaffe«. (A!S der Mini- Ker diese Erklärung verliest, ertönen lebhafte Ruse- Vnverschämte Füge!) Tie deutsche Polizei wurde entwaffnet. Diese hätte genügt, in einer Nacht den ganzen Mndcrbündlerischen Spuck ein Ende zu bereiten. Trotz Eec Unterstützung durch die Franzosen wurde mit den »oich.rbündlern anfgerSumt, durch das einmütige Zu- MMmeustehen der Rutschen in der Pfalz. Die von Manchen D utsch.-n gewünschte Einstellung der Zahlung kr Besatzung'kosten würde nur neu, 5 Elend über bte Be- Wtfrntng der besetzten Gebietes herbeisühren. Aus d« v-'uer ist die Zahlung der Besatzungskosten im jetzigen ®:5nm6 nicht möglich, aber im gegenwärtigen Augenblick * keine Möglichkeit, sie ein-.ustcllen. Als Ziel der Regie- «ng stellte bet Redner eine schnelle und gerechte »osung der Reparationsfrage auf, die die «tederherstellung der Wirtschaft- und BerkehrSeinheit, wie der deutschen Ver- »altnng zur Voraussetzung habe. Er schlo"'
dem Gelöbnis der Regierung, da» der rheinischen Bevölkerung »ugefügte Unrecht wieder gutzumachen.
In der nun folgenden Aussprache Verteidigte der Sozialdemokrat Geck-Mannheim seinen Freund tzoff- kt u „ Kaiserslautern und dje pfAzische Sozialdemokratie »erhaupt gegen den Borwurf, sie habe die sonderbünd- »nsckie Bewegung geführt. Er drehte sogar den Spieß kn und behauptete, die Haltung der nationalistischen kreisrund der haperisch-n Regierung im November habe kn Soden für die Svnderbüitdler bereitet» Für die kutsch- Bolkrvartei sprach Dr. Z a p f. Er schilderte noch knnal bte furchtbaren Leiden der Pfalz untz appelliertz « das liberale und vernünftige Frankreich. E« solle nicht ” »ntwnalen Leidenschaften au^tschen lasten, sondern »r d-e Rückgabe der Menschenrechte sorgen. Frankreich kbe das Land «u einem großen Kolonialland gemacht, kjen Einwohner rechtlos feien. Die Bevölkerung müsse «itloser leidet als selbst die Zulu -Kaffer». Alle Bürger-
'*’■ Hauptstädte seien verschwunden, auch viele »ndourgermnster ausgcwiesen worden.
weist darauf bin, daß t 5m Horizont, von dem der Auhen- K ”7 ^^uen Pfalz zu leben sei, wo sich
^^olkerung tapfer von der Eottesgeisel de» Seva- ktlmnus befreit habe. Wir dürfen uns keiner Eelbst- M<bunfl bingeben Das schwerste siebt der Pfalz und m C noch bevor. Unser Volk mutz
»tzt die Mahnung beherztgen: „Lerne aus der Veraan- Anbeit dann wirst du der Zukunft gewachsen fein'
Befehl Ludwigs XIV., die Pfalz zu Sennen ■irft beute noch nach. Es ist das uralte Dogma des pmizosifchen Volkes, daß der Rhein französisch wer- kn und datz dieses Ziel selbst mit den Mitteln brutal- Wer Grausamkeit erreicht werden muffe. (Als der Red- seinen historischen Rückblick auf die Entwickelung kr französischen Rheinpolitik wirft, ruft Der Abg. Lede- knr: „valten Sie sich nicht so lange mit der Vergan- kr-bett aus!' Pfuirufe auf der Rechten und Rufe: ?*U5-) TH seige Ihnen die Gegenwart im Spiegel ** Vergangenheit. Frankreich hat einen Vertrags- Rechtsbruch nach dem anderen begangen und tön S? advokatorifchen Kniffen zu bemänteln versucht, «tr müssen altiv den Kampf um Recht und Freibeit ^ren. Solange Deutschland sich «och seiner «uslän-l
das französische Volk seine Regierung zur Ordnung ruft, Denn sonst würde der Augenblick komme«. In dem Herr Helfferich mit seiner Hatzred« (!)! mehr Verständnis nnde als in bei gegenwärtigen Stunde.
Abg. Thoma» (Komm.) hält alle Versuch«, die Proletarier aller Länder MMaeiaanbat anfzuhetz««, für ausgeschlossen.
Um 6 US, mird die Weiterberak«» a»f Srsttas 8 Uhr vertagt.
Lands««» Urteil,
Lendo«, 21. Febr. Der Sonderdericht- erstatte der Jtimes" in Ludwigshafen schreibt, neue Bericht« au» verschiedenen Teilen der P f a l i, bestätigten de« Argwohn, daß der Grundsatz: „Keine Repressalien" von den Franzosen durchaus «licht unparteiisch gehandhabt werd«« Den sonderbündlerischen Angreifern werde Unverletzlich« feit verbürgt, während die Deutschen, welche 6on» derbst ndler angreifen, verhaftet würden. Ein G e i s e l s y st e m sei eingeführt, und so sei jetzt jeder Bürger von Bedeutung im Falle irchioidgeller Racheakte der Verhaftung ausgesetzt.
P a r i s, 21. Febr. Wie aus Speyer mlißcteilt wird, haben di« um Speyer zusammengezogenen sonderbündlerischen Freifcharen auf Grund der letz« ten Bestimmungen des interalliierten Aurschuffes ihre Waffen abgegeben. Die Besatzungsbehörde will entsprechend» Vorfichtsmaßnahmen ergreifen, um die Autonomisten vor dem Ansturnt bei Nationalisten zu schützen.
Pirm«send, 21. Febr. Sämtlichen Gaffen- beftyttH der Stadt Pirmasens wurde« auf Anordnung ver Bckiatzungsbehvrben ihre Waffe« entzogen. Sie «tcrtxn im Stadthaus in Verwahrung genammen Die (Sttrbamwt* ist noch im Besitz ihrer Waffen, doch sind bei deutschen Polizei nunmehr auch bte Säbel abgrnommen matten. Unter ben aus Anlaß der Pirmaset.fer E»ignisse vom 13. Febniar Vechasteten befindet sich auch Bezirv«ntsvsrpand De. Sbttel.
Kirchheimbolanbe«, 21. Febr. Di« sran- zös sche Eendarmerie hat in den letztm Tagen yoei Personen verhaftet, weil sie angeblich gegen den sandet- bündlerische« Bsterbürgertneister Hoffmann «ton Ker- zenheim etwas unternehmen wollen. Die Berhtste- ten befinden sickt t AmtSgerichtsgebSud«.
Stzeyer, m. t$tur. ein« Rücksprache mit dem Geheimtat Dr. Betz«rÄ>örffer, der gestern mit General be Metz bie Verhandlungen weitergefKhrt Hot, teilt der Berichterstatter von W.T. B. mit, daß vie Wiederkehr bet völlig normalen Verhält-- ni ss« in der Pfalz, die Ruhe in der Bevölkerung dor- twsgefrtzt, nur noch eine Frage von kurzer Kit fein wird. General be Metz stellte sich üi seinen Erklürait- gen gegenüber Dr. Beyersdörfser auf bett Boden der z'vischen dem Sonderausschuß errieten Dereinbarunz. Damit sei auch eine baldige Lösung der schwebenden Fragen gewährleistet. E» sei daher die Rückkehr der von den Sonberbündlarn auSgewie- senen Beamten in Bälde zu erwarten und damit auch dir völlige Wiedecherstellung der rechimlßi- g<n Vervsoltung Die Entscheidung über oie Rückkehr ötr von den Besatzungsbehörden auSgeivirsenen Beamten steht allein der Rbeinlandkommission zu und er sei auch hier eine wohlwollende Prüfung (??) zu envartem Zur Brrnhigur»g der vsälzischc.t Bevölkerung Ö«n« noch mikgeteilt werden, daß alle vom Kreisonsjchuß unb der pfälzische» Regierung un> ternommeuen Schritte tm Einvernehmen mit oer bayrischen Regierung in München geshehe». Vorgestern besuchte der LberlandeS^e ichtspLisbent und der Ober- laatsarnvalt von Zweibrücken, gestern der Bischof von Speyer und der Präsideitt des LandeSkirchentatrs die Regierung der Pfa'z in ihren derzeitigen Dieusträumeu in der Oberpostdirrktion in Speyer, um ihr zur Wie- dereusnah ne ihrer Tätigkeit ihre Glückwünsche zu überbringen. Die Amtstätigkeit der Regierung und der meisten äußeren Behörden ist bereits wieder im Gange. Sämtliche in be» Pfalz gebliebenen Beamten haben ihre« Dteust seit einigen Tagen wieder anytretm.
M M!iA in WMlIl.
Tie jüngsten Ereignisse in bet internationalen Politik zeigen mit aller Deutlichkeit, wie bas Problem ber Wirtschaft sich immer mehr in ben Vordergrund drängt. Die politischen Tendenzen muffen demgegenüber mehr und mehr zu- rüchweichen. Die französische Politik konnte keinen befferen Anschauungsunterricht über die Wirkung ihres Vorgehens erhalten, als er durch den Sturz de» Franken vermittelt wurde. Unter diesen Unu ständen ist es verständlich, daß man auch in Frankreich Lösungsmöglichkeiten sucht, die den Erforder- niffen bet Wirtschaft mehr al» benjenigen bet Politik gerecht werden.
Die Dinge Mrften sich derart entwickeln, daß gemäß dem Vorschlag der Sachverständigen das Ruhrgebiet wieder in den wirtschaftlichen Organismus des Reiches eingefügt wird, daß die Verlehrs- und Zollsperren aufgehoben werden und daß bie Derkehrseinheit durch die Wiedereinfügung der jetzt abgetrennten Regiegebiete in das einheitliche Eisenbahnsystem des Reiches eifolflt Unter diesen Voraussetzungen wird ein etwa zwei- bis dreijähriges Moratorium füt bie Barzahlungen zugestanben. Die Sachlieferungen sollen in- deffen inzwischen fortgesetzt werben. Für bie internationale Anleihe wirb als Sicherheitsleistung bei deutsche Eisenbahnbesitz vorgeschlagen, bet unter internationale Verwaltung kommen soll. Als eine weitere Sicherheit wirb bie Coldnotenbank angesehen, bie gewissermaßen ben Thar alter einer Reparationskaffe erfüllen soll neben ihrer Aufgabe, das deutsche WähruAgswesen zu vereinheitlichen und es auf Eoldbafis zu stellen. Zn diesen Gedankenkreisen. bewegen 'sich bie Erörterungen, bte gegenwärtig in Paris geführt werben.
Immerhin muß man auch hier vor übereilten Hoffnungen matnen. Die Pariser Regierung hüllt sich allen Vorschlägen der Sachverständigen gegenüber in tiefes Schweigen und bezeichnet die Meldungen über Räumung des Ruhrgebietes als verfrüht. Anders freilich bte französische Presse. „Petit Parisien" tritt für bie Beibehaltung bet militärischen Besetzung ein, wäh- tenb „Echo be Pckkis" bie Wirtschaftsräumung eher für möglich hält, als bie Aufgabe bei Militär- okkupation. Der „Ternps" tritt für bte internationale Lösung be» Reparationsproblems ein. Sie mache es Deutschlanb unmöglich, seine Zuflucht zu ben Waffen zu nehmen.
Heber bie Pläne ber deutschen Schachtschen Goldnotenbank ist man in Frankreich gleichfalls sehr beunruhigt. Es wäre behauptet worden, daß diese Bank ein Kapital von 600 Millionen Eoldmark haben soll. Demgegenüber erinnert man in Paris daran, daß die Reichsbank nur 180 Millionen Mark und die Bank von Frankreich nur 182,5 Millionen Franken habe, die belgische Bank nur 50.
Die GrSndung der Eoldnoienbank.
Berlin, 21. Febr. Aus maßgebenden Kreisen verlautet, daß aller Voraussicht nach die Goldnotenbank am 15. April mit dem Sitz in Zürich ihre Tätigkeit aufnehmen wird. Die Rentenbank und die Rentenmark sollen vorerst weiter bestehen bleiben. Das Kapital für die Eolduoteubank wird bie Schweiz, England und Holland geben. Außerdem wird diesem Institut das Gold der Reichsbank zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll sich Eng- land verpflichtet haben, auch der deutschen Zn- dustrie weitere Kredite zu gewähren.
U«5et ben bevorstehende« Sachoerstandigettbc richt.
Paris, 21. Febr. „Echo de Paris" veröffentlicht zu den Besprechungen, die am Dienstag am Quai d'Orsay zwischen der französischen Regierung und den französischen Mitgliedern der b-rden Sach- versiändigen-Ausschüffe abgehalten wurden, nach- 'teheude scheinbar offiziöse Mitteilungen:
1. Zm Verlauf der am Dienstag erfolgten Zu- ammen'unft ist kein neuer Beschluß mehr erfolgt. Dem französischen Delegierten Parmentier war ediglich Gelegenheit gegeben, bie Mitglieder bet ranzöfischen Regierung von ben Arbeiten bes ersten Sachverständigen-Ausschuffes zu unterrichten.
2. Die Sachverstänbigen haben ihrrn Bericht noch nicht abgcfaßt und dürsten ihn e r st nach Ablauf von 2 Wochen einrejchen. Gegenwärtig stud'cren sie d-e Staturen der Goldnüten- banf, die ulttet der Beauflichtigung eine» neutralen 'Generaldirektors nach dem Auslands verlegt leerben soll. Man behauptet, sie auf diese Weise einet direkten Beeinflussung der Berliner Rezierung am besten entziehen zu können. Der bisherige Teil des Sach
verständigenplanes wird gleichzeitig mit dem anderen Teil in Gültigkeit treten.
3. Die Hauptfrage, die noch einer Lösung harrt, bezieht sich auf die Naturallieferungen, die Deutschland während der Dauer des M o r a t er i u m s zu liefern hat. Es fönnen einige Abänderungen der gegenwärtigen Form der Ruhrbesetzung zur Anpassung an ein allgemeines Reparationssystem erörtert werden. Darauf beziehen sich auch die verschiedenen Anleihepläne, die in den Blättern auf« getaucht waren.
4. Für die event. Wiederherstellung der öffentlichen und privaten Schuld D e u t s ch l a n d, - die durch bie Entwertung bet Mark fortgefallen war, müssen bestimmte Garantien ergriffen weiden, die eine Aussicht auf die Bezahlung der Reparationen nach Ablauf bes Moratoriums bieten. .
5. Zwischen ben Sachverständigen ist in dieser Frage die eigentliche Aussprache noch nicht erfolgt. Es haben höchstens offiziöse Unterhaltungen darüber statrgefunben.
Was Poincar4 anbelangt, ist er einer bestimmten Lösung noch nicht beigetreten.
Paris, 21. Febr. Der erste Sachverständigen« ausschuß, ber unter bem Vorsitz bes Generals Dawes steht, hat heute vormittag Kenntnis von ben Berichten bei beiben Unterausschüsse geneny. men. Der eine Bericht betrifft bew ©fafutenent« wurf ber zu gründenden Eoldemissionsbank, bet zweite bas deutsche Budget für 1924/25. Einer bet Unterausschüsse hat Sachverständige für die Monopolfrage gehört, und zwar 'bie französischen Fachleute Hulin und Meyer und bie italienischen Fachleute Mazzochelli unb Altiprandi. Diese Sachverständigen sollen bte Frage ber Schaffung von Monopolen für Tabak, Zündhölzer und Alkohol prüfen unb einen Bericht über bie Vorteile und Nachteile sowie ben» möglichen Ertrag bieser Monopole erstatten.
Der zweite Sachverstänbigenausschuß, ber sich mit bem beutschen Auslandguthaben beschäftigt, tagte heute vormittag unb nachmittags. Er setzte bie Diskussion über seinen Bericht fort.
Dir beiben Unterausschüsse des 1. Sachverständigenausschusses haben heute nachmittag ebenfalls getagt.
Berlin, 22. Febr. Ein Berichterstatter bes „Zntranfrgeant" will von einem Sachverständigen der in Paris tagenden Komitees erfahre» haben, baß gewisse Sachverstäubige vorschlügen, Deutschlanb seine Kolonien ganz ober teilweise zurü<hu- erstatten, um ben Ausgleich seines Budgets zu erleichtern, unb baß es möglich fei, baß biefe Frage zur Debatte gestellt werbe. (Es hanbelt sich bet dem Ausweisen dieser Frage nur um einen französischen Schachzug gegen England. D. Sieb.)
Paris, 21. Febr. Die Sachverständigenkommission setzt ihr« Grüritrungeii der Konklusionen deS Berichter über die finanzielle Lag« Deutschlands ttt tiefstem Gcheimnl» fort. ES wäre zwe>kloS, schon jetzt etwas darüber vorauszn sagen, wann der Bericht der Reparallonskommission vorliegen soll. Wenn mich einige Angaben, die bereits veröffentlicht worden seien, eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hätte», so glaubt der diplomatische Redakteur der Havaß- agentnr doch versichern zu können, daß andere bazegen di-rchanS willkürlich fiiib; dies gelte insbesondere von der Behauptung, wonach die Sachverständigen die Rückgabe ter Kolonien an Deutschland ins Auge gefaßt Hütten, tim seine Zahlungsfähigkeit zu erhöhen. ES scheine nicht, daß diese Lösung augenblicklich in Betracht g z-gru roi'-re, dagegen sche ue sich un'er ven Sachverständigen E.nstimmigkeit darüber e g den zu haben, daß das Rrich über ein- be:rächtliche Wirtschaftskraft t-ft» füge.
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An- dem Reichstag wird uns ycschri-.drn:
Di« ©oi’aibimolra Itn sind an den Reichstag mit einer ganzcn Fülle von Auträaen und Jntcrp-tlatio- nen he rau getreten (Kon uns bereits gestern vciösfentlrchl; T. Red.), die sich mit den durch die Verordnungen der Reichsregicrung ansigeworsenen Fragen beschisiigen. Ttt Interpolationen selber sind offenbar dazu bestimmt, be« Soziaft"mo?rat:u rin- geeignete Wahlparole z« schassen Die Antiäg- zu den Einzclbeiten ber Verordnungen gehen zwar mehr inS Sachlich«, halten sich ater ebenfalls nicht frei von Agitation. Gerade die So- ziaftcmokralc« müßten wissen, daß an dem Schutze Str Währung bie Massen der arbeitendes und erwerbenden Schichten des Bolles da» allergrösttL Interesse haben. Sie folgen zwar nicht dem Beir'pi-l der Kommunisten, die s ü m t l i ch e Ber» ordnungeu auf Grund des Ermächtigungsgesetzes aujgtk'