. Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Aiarbmg.
Anzeiger für (das früher kurheUchej Oberhessen
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Marburg
Donnerstag. Den 2L Mm $ortume
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59. Mn, 1924
gütet dm Stuf d« gmleu-Stitin.
Die ftantösifche Kammer hat auf dringender Verlangen f Poiiicarös den ausschlaggebenden Paragraphen dec Lleurrvorlage, der die allgemeine 20ptoz"ntize Steuer« Erhöhung durchführt, in einer stürmischen Nachtsihung ^angenommen. Trotzdem ist der französische Franken 'veiftrgefallrn. In »Pari» steht man dieser Erscheinung ansterordentlich sorgenvoll gegenüber. All die beuir- knhigcnden Momente, die wir ja au$ unserer eigenen Lei- benZ.tfit ganz genau kennen, tauchen zum ersten Mal vor der französischen Bevölkerung auf und während hier dir Nervosität und die Unruhe von Tag tu Tag wächst, macht die Regierung, die auch in Deutschland hinlänglich bekannte Erfahrung, daß durch die Zwangs- und Not- maßregeln dem Wäbrnngssturz nicht bcizukommen ist. Das französische GeL verliert feinen Wert, weil tm französischen Reicbshaushalt eine Lücke vorhanden ist, die Milliarden verschlingt und die mit dem besten Willen von Frankreich auS eigener Steuerkrast nicht geschlossen Verven kann. Das ®efc sinkt ferner, weil das rnter- ■ ipaionale $-rttauen zur sran ösischen Wirt'chaft mehr und Mehr schwindet. Und brfce Erscheiwiugen gehen namrlch M: Grunde daraus zurück, daß die französische Regierung chnrch das verbrecherische Ruhrabenteuer der Wirtschait !,nL dem Kredit des eigenen Lande» die schwerste Wund» 'geschlagen hat.
P Zn derselben Zeit, iw der man in Frankreich .tm bi# Vestündigkeit der Währung bangt, macht Deut'chland eine ‘ unterf-unbare Periode der Gesundung durch. Der Reichs- l 6an?er$iibent Dr. Schacht war, ehe er nach Paris Vor hie SachverständigenksmMiss-on trat, in London ai»- , wesend . Er wird auf der Rückreise von Paris Belgien und Holland besuchen und er wird nach Berlin voran», ßchtlich nicht nur mit der endgültigen Zustimmung bei Sachverständigen zur brutschen Kredil-Goldbank, sondern auch mit der Zusicherung de, erforderlichen «rsländischen Kapitals zurückkehren. Man empfindet es in Frankreich «atürlick besonders bitter, daß dir Absegende französische iLmre mit einer deutschen Entwicklungslinir lufafiimeii' trifft, die eine unverkennbare, wenn auch vorläufig noch : unsichere Richtung nach auswärts zeigt. Uber gerade dieses Zusammentressen ist für die Gesamtlage außer« «bentlich bezeichnend. Frankreich har sich durch fein* totale, wirtschastszcrstörende Politik das Vertrauen der Seit Verscherzt, während die deutsche Regierung durch ihre immer wiederholten Lösung.-Vorschläge and durch ihre »uftbaffen urtb e'-wichen Zusich<rA»gen Deutschland da» Pertra-ien der Welt zurtckgewonnen hat. Die Autsassung, die man heute in den kapitalkräftigen Weltwirtschaft»« flaaten von der einzig möglichen und richtigen Lösung der Entschädign'igssrage hat, deckt sich vollkommen m'i den d.-r lscheu Vorschlägen, -während vie sranzö'ische Zer« , fiörnngswut, die sich im Ruhrgebiet zunächst ausaccolll «rü> dann tafgelaufen hat, von allen Staaten ohne Ausnahme als eine auf die Taner unerträgliche Last em« hsnnlen wird. Aus birftm Tc>n>ae hat sich M Blätttein allmählich gewendet.
Mit voller Schärfe ist diese Wendung durch zwei Er» eignjfie zutage gefördert werben: Durch den Franlen- stürz und durch die Arbeit der Sachverständigen. Die Tätigkeit der betten Ausschüsse ist von Poincare nur un- teiilic zage standen und von bet sranzösisclien Oeflenttich- fcu uut widerwillig gedu^et worden. Aber die Ersah* Ti«c.en, die man senher gemacht hat, find doch nicht Üturlos am französischen Volke und an der französischen Negierung vorüber gegangen Frankreich steht schon lange
nicht mehr auf der Höhe des politischen Triumphs, den Poinrarä durch die QäPtnnung des Ruhrkampse» ein« heimste, beute ist dir Entichädgoug'frage für das ft an» höfische Voll ein einfaches Rechenezempcl geworden. Wann die franzöfische Regierung nicht m den Besitz von Mi.telu gelangt dir den ftanzösifchen Staatshaushalt wieder in» Eleichgrwicht bringen, wenn es nicht durch Zuschuß von «tstrn seinen Kredit wieder Herstellen kann, so gebt bet Franken den Weg der Entwertung werter und so steht da- fianzöfische Volk am Beginn einer Prüsungszeit, deren Särif k und Röte wir au» eigener Erfahrung kennen Aber Frankreich steht damit keineswegs vor unüberwindlichen Schwierigkeiten. Wenn sich die französische Regierung fcagu bequemt, auf ihre politischen BernichtungSpläne zu berzichten und die Entschädigungäsrage al» reines Rechen» riEpel zu betrachten, so ist dieses Exempel Verhältnis- ■agiß einfach tu lösen. Wie die Dinge heute liegen, kann iie Lösung sogar ziemlich nahe fein. Tie deutsche Regie« - kung hat durch Aufstellung von Plänen borbereitende Arbeii geleistet und der Bericht der Sachverstänoigen» AuSlchüsfe wird voraussichtlich du» Schlubglied in diese kerechnnngsreihe einfügen. Ter „Malin" gibt selbst «lS Anfiche der Sachverständigen wider, daß man schon tot. auf Gruich des deutschen Eifenbahnpsandes in allen Kapilalstaaten Obligationen ausgeben könne, bu sofort Anlösbar find und Frankreich Geld bringen. Denn so ist der Plan: Eine internationale Anleihe zugunsten. Deutschlands, die sofort für Entschädigungszahlungea an Lnrnkreich flüssig gemacht werden könnte und Deutichlanb s ftr zwei bis drei Jahre Ruhe läßt.
Freilich auf den Ruhrtraum nut8 Frankreich verzichten bvd Deutschland das gesamte Eisenbahnnetz wieder zutuck« I tzeben. Und hier ist der Brennpunkt der Krisis, in die | Poincare» Politik verstrickt ist. Die Krüis scheint ihrer t Entscheidung nahe zu sein. Poincare und Frankensiurz 1 *ei eine vernünftige wirtschaftliche Losung der Ertt« I schK-.sgungssrage. Die Umgebung Poincare» fängt an k iich zu lichte«. iJ_*.ku.LV
Dem „lag“ wird aus Paris geschrieben: Unter dem i Druck der firontenbaiüe und der englisch-amerikanischen I ^achversrändigenatbeit vollzieht sich hier eine Klärung f ett politischen Atmosphäre in dem Sinne, das man mit
einem gewissen Nachgeben Frankreich, in der Revarations- und Rubtvolitik bestimmt rechnet. Poincare werde, so spricht man in gut unterrichteten Kreisen, gegen binreichende Garantien für die französische Sicherheit stch ru Zugeständnissen für die Herbeiführung einer Verständigung »erstehen.
Von englischer und amerikanischer Seite wird auf Poincare ein starker Druck ausgeübt, bah er ehret wirtschaftlichen Räumung des Nnbrgebietes durch Frankreich und Belgien iuftimme und sich auf die militätische Besetzung zutückziebe. Die Biet erscheinenden Ausgaben amerikanischer Blätter wollen wissen, dah bet Schluh- bericht bet Sachvetstänbigen bereits abgeschloffen oor- liege unb die Wiederherstellung bet wirtschaftlichen ffierfügungsfreibeit Deutschlands über das Ruhrgebiet sowie eine rein geschäftsmäßige Lösung des Repara- tionsntoblems vorschlage.
T a r b i e u, Poinen-es unversöhnlichster Gegner, spricht beute früh im „Echo Rational“ bereits »on der bevorstehenden Kapitulation Poincare, in der Rubrfrage.
Nur um das Gesicht zu wahren, würbe auf Antrag der französischen Sachverständigen der Bericht des Dawes-Komitees die Aufrechterhaltung der ftan.-ösisch- bolgischen Militärkontrolle im Ruhrgebiet empfehlen. Das ändere aber nichts an dem Bankerott bet Ruhrvolitik Poincare,.
Pari,, 21. Febr. Bel Börsenschlntz stand' bas Pfunb auf 103,70, der Dollar auf 24.08 Franken.
Dari», 21. F^br. Die französische Kammer hat halte Nachm'ttaz die Wei erberatung der Str-ierreich" fortgesetzt. Tie Beratung begann bei Artikel 35, her 'ich mit den Komlnunalsteuern beschäftigt, lJtt Ge setzenkwurf bestimmt, daß Mr die Etatsjahre nach 1923 die den Kommunen yi überweifenden Summen nicht den Betrag Werste* stm dürfen, den der Siat für 1921 vorgesehen hat. Der Finanzminister glaubt, dast duvch Annahme b'e'tS Artikels dem Staat etwa 100 Mi lion n Franken zustießen würden. Der Artikel stößt auf SSfrerftanb bei den verschiedenen Parteien. Der Berichterstafte, Bokanowsly -rklitt. einige Einwendungen seien gerechtfertigt and schlägt endlich vor,. Artikel 35 an den tzauptausschuß zurückzu- txtmeiftn. Arftlel 36 beschäftigt sich mit bet Aus, Hebung les Zündholzmonopols, de'sen Streichung aus bm Hause verlangt wird, waS zu einer eingehenden Diskussion führt.
Poincare droht h» Senat mit seine« Rücktritt.
Pari-, 21 Febr. Poineo.re hat yfiern i» Senat anläWch der Debatte ibet die Wählte form das Vor zu einer längeren Rede ergriffen, in der er sich grgetn die Wiel^r-insührung des Bezirkswahlrrch^s mnnote. Txx Ministerpräsident meinte, daß das «enenwärtige Wabl- fitem bis zu einem gewissen Grade die Rechte der Minorität wahrirehme. Poincare gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Senat auf den versöhnlichen Geist oer Kammer und der Anhänger des Tierhä!tn:swohl«chts z» antworten verstehen werde. Sollte der Senat aber den Anregungen seiner Kommission Folge leisten und die Wiedereinführung de» BezirkSwahlrechts beschlic»kn, so würbe Poincare seine Demission geben.
Brüssel, 20. Febr. 3m Verlauf der Kammer- bebatte über da, französisch-belgische Mirtsch K» abkommen hielt der Ministervrafident eine Rede, it bei er betonte, bad Belgien nicht ru einer Jnfla ion seine Zuflucht nehmen werbe, um bis tatsächliche wirtschaftliche Lage zu verschleiern.
Die votschafterkouferen»
Paris, 21. Febr. Die Botschaftetkonferen, Ist gestern nachmittag ru einer Sitzung »usarnmengetreten. Es würben bem „Temvs" infolge nur laufenbe Geschäfte «rlebigt
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Sie Sr's'rnm in 6a^BRüini’otB.
Paris, 20. Febr. „Petit Journal" glaubt zu wissen, daß die Schlußfolgerungen der Sachverständigen im wesentlichen folgendes Vorschlägen:
1. Zwei» bi» dreijähriges Moratorium für die Barzahlungen.
2. internationale Anleihe, garantiert durch das deutsche Gesamteisenbahnnetz mit Einschluß der Reichsbahnen im Rheinland und im Ruhrgebiet,
3. Aufhebung der Zollschranke am Rhein,
4. Goldnoten- und Kreditbank mit 300 Millionen Eoldmark Kapital, von denen 150 Millionen von alliierten oder neutralen Geldgebern und der Rest au» deutschen Mitteln aufgebracht werden soll.
5. innere deutsche Coldanleihe, die den Zeichnern Prämien in Aussicht stellen würde.
Nach einer Meldung des „New York Herold" soll von französischer und belgischer Seite gegen die Vorschläge der Sachverständigen wenig Widerstand zu erwarten fein, vorausgesetzt, daß eine deskretc militärische lleberwachung im besetzten Gebiet aufrechterhalten und daß die Sachlieferungen, besonders bie Kohlenlieferungen, fortgesetzt würden.
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Paris, 20. Febr. Nach eine, Meldung der ,.Ebicagv Tribuns sollen die amerikanischen Sachtzet« ständigen, Ta wes und Young, gestern namittag vor den Beratungen zwischen den Aabincttsmitg'ielern unb den französischen Sachverständigen eine linierte» bunfl mit PoincarL gehabt j
Paris, 20. Febr. Gestern vormittag fand tm Außenministerium unter dem Vorsitz Poincar^s eine Konferenz statt, in der die französischen Vertreter in den Sachvcrständigen-Ausschüsien den Ressortministern unb französischen Delegierten der Reparotionskommission über die Berliner Eindrücke berichteten.
Pari», 21. F b«. In einer offiziösen Erklär.in, verbreitet Havas über die gestrigen iLerhandlungen zwischen dem Ministerprä'id<mten Poincarö und een fwnzöf scheu De eg erten Mit e lung n, die den Optimismus b.kämpsen sollen, den einige Morgenblätter glauben seststcllen zu können. In der halbamtlichen Erklärung heißt es, die französische Regierung hofft, daß die Sachverstälchiger zu einmütiger und dem tonzösisch.'N Standpunkt gflnfit-^n Schlußfolgerungen gelangen werden. Aber an den offiziellen Stellen leim man es ab, ein Urteil auf Indiskretionen zu siützen, da die Sachverständigen noch nicht mit der Ausarbeitung ihrer endgültigen Vorschläge begonnen hätten. $'<e Schlußfolgerungen hät en übrigens rein konsultativen Charakter, da es der Reparation»ko«. Mission Vorbehalten sei, allein Entscheidungen zu tres» fcn, wir brispielSwcise über da» Moratorium.
Was Dr. Schacht in Paris erreicht hat.
Pari», 20. Febr. Dr. Schacht hat die Rückreise nach Berlin angetreten, kommt aber bereits in der nächsten Woche wieder nach Paris, um die Be» sprechungen über die Goldnotenbank allenfalls auch gleich mit der Reparationskommifflon zu Ende zu führen. Heber den Inhalt der Statuten der Schachtfchcn Goldnotenbank schreibt der „Petit Pa- rifien", daß sie mit einem Kapital von 100 Millionen^ Gold mark gegründet werden solle. Da» Erüirdungskaiplal ist Dr. Schacht in London von bef englischen Finanz zum größten Teil zur Der» fügung gestellt. Die Statuten der Schachtschen Bank, die unter Schachts eigener Verantwortlichkeit geführt wird, sind bereits so abgefaßt, daß sie die spätere Fusion ohne weiteres zulasten. Die Sachverständigen waren daher mit den Statuten einverstanden.
Paris, 20. Febr. Der erste Sachverständigenausschuß unter dem Vorsitz von 'steueral Dawes hat heute vormittag eine Sitzung abgehalten, em Kenntnis von dem Stande der Arbeiten der beiden Unterkommistionen zu nehmen. Der Bankausschutz berichtete namentlich über die Erklärungen, die Reichsbankprüsident Dr. Schacht gestern »abgegeben hat und über die Vorbereitung der Statuten der neuen Emissionsbank, deren Gründung die Sachverständigen anempfehlen werden. Mit der Ausarbeitung der Statuten wird heute nachmittag fortgefahren. Der Unterausschuß wird zu einer offiziellen Sitzung nicht vor morgen abend zusammen- treten. Der Unterausschuß, der mit dem deutschen Budget beschäftigt ist, ist heute nachmittag zu einer Sitzung zusammengetreten. Auch der zweite Sachoerständigenausschuß unter Mac Kenna hat heute vormittag eine Sitzung abgehalte» und die Prüfung der Berichte der Büchersachverftändigen, die i» Berlin tätig waren, fortgesetzt.
Paris, 2. Febr. Zn der Unterkommission für Bankfragen hat der Präsident der Reichsbank gestern nachmittag feine Darlegungen beendet. Er wird vielleicht im Laufe der nächsten Woche wieder nach Paris kommen. Der Unterausschuß für Budgetfragen hofft, bald feine Schlußfolgerungen formulieren zu können über die Mittel, bae Gleichgewicht des deutschen Budgets hrrzustellen. Die Eisenbahnsachverständigen werden am Donnerstag abend ihre Berichte übet die Garantien, die die Einkünfte der Reichsbahn bieten könnten, fertig haben. Die technischen Sachverständigen werden zum letzten Mal am Sonnabend vormittag gehört werden. Die zweite Sachverständigen- Kommission hat gestern nachmittag die Prüfung de» Berichtes der Buchführungsfachverstänbigen über die deutsche Kapitalflucht fortgesetzt.
Stint Untre Stift.
Berlin, 20. Febr. Die drei Regiening^parleien. Vt Dmtsche Volkspartei, bas Zentrum u* bie Demokraten. machten sich, den Blättern ptfolgt, in den heutigen Fraktwnsberatungen den Standpunkt dec Regierung in bei Bebandlung ber StotOerorbnungen zu eigen und werden keine Abänderung»» ober A > sLebung S- antrage einbringen. Man g'aubt in defen Kreisen, auch nicht, daß e»;ntutllt Abänterungsanträge anderer Parteien eine Mehrheit des Re ckstages finden würden. Man erwarte daher, baß ein offener Konflikt mit der Reickisrcgierung vermieden w rd.
Die sozia.d mokratisch: RvchStagsfraktion nahm l«rt „Vorwärts" heule vormittag die Berichte ihrer Fach, ausschüsie entgegen und beriet die ton ten Felchausschässen vorgelegten Abanderungs- und Aufhe'llung»anträge zu den Notverordnungen. Die Anträge sollt« noch hvtte us Reichstage eingeh rocht werde«. ,
. Bit Mr'nzt ia RtiWW.
Nach fast zweimonatlicher Pause hat der Reichstag seine Vofisihungen wieder ausgenommen. Wahrscheinlich ist eS die letzte Tagung vor den Neuwahlen. Es steht auch noch keineswegs fest, tote diese Session enden wird. Ob der Reichstag aufgelöst wirb, oder ob er ein natürliche» Ende findet.
Präsident 26be eröffnet bie 'Tihong und stellt fest, daß der Reichstag, nachdem daS Ermächtigungsgesetz am 15. Februar abgtlaufeu ist, seine Arbeiten in vollem verlassunmsmäpigem Umfang wieder ausnimmt.
Drei Anträge auf Strafverfolgung des Abg. Wulle (Deutschvölk.) wegen Bele-.dignng des Reichstages uno ans Strafversoigung d.s Abg Okonsktz (Soz.) werden Oem Geschäftsordnung- Ausschuß überwiesen.
Bor Eintritt in bte Tagesordnung fordert Abg. Barth (ffomm.) sofort Rechenschaft von der Regierung, die sich mit ihren SSerotbningtn bie größten Gesetzesverletzungen habe zuschulden kommen lassen. Die Anträge" Barth können nicht auf dir Tagesordnung gesetzt werden,' da Widerspruch erhoben wird.
Dann nimmt der Außenminister Dr. ©trefemann' Herrn Vertrag mit Oesterreich über Rechtsschutz und Rechtshltsc Gelegenheit, dem stammverwandten deutschen' Volke aufrichtigen Dank auszusprechen für die warmherzige Teilnahme in unserer schweren Not, Der Reichstag behandelte «tazehend fudai:n die Pfn^srag«, anläßlich der von allen Parteien im Reichstag einge6rat6*en Interpellationen, die sich gegen die soilderbündleeische Be- toeguug richten. Naturgemäß waren cs in erster Linie Psa'ze- unb Nb-ins^n>er. tzie hier ru Worte tarnen.
Aus b-n Ausführungen des Abg .Hofmann (Zentr.) fei erwähnt, bie Pfalzfrage fei eine Rbeinlanbkrage, bfe Rheinlanbiraae aber bie Lebensfrage bes beurfchen Reiches. Der Redner weist darauf bin, bas bie Meuterei in München ben Pfälzern mehr gefchabet als gc« nufit habe. Bor bem Oktober 23 habe es in bei Pfalz feinen Separatisten gegeben. Träger ber separatistischen Bewegung seien lanbfrembe, minbeiroerttae Elemente mit burchfchnittlich je 20 Vorstrafen gewesen unb man nenne solches Gennbel in bet französischen Kammer die Freunde Frankreichs. Auch bie Zabl der Erwerbslosen, bte von einem in Marseille geborenen Ö-rrn geführt worben seien hätten bte Seoar Osten Zulauf bekommen Der Rebner wünscht Ueberweisung bes Antrages auf Tabesstrafe ber Hochverräter an ben Rechtsausschusi Besonders schwer habe die Prelle bet Pfalz tu leiden General be Metz habe erklärt, er werbe alle Teufel aus die Pfalz loslasien, bis bie bürgerlichen Parteien Vernunft annehmen. Fest stebe, baß bie französische Militär- unb Zivilgewalt unb bie Eisenbabnregie bie Senaratiften unterstützt unb geschützt habe. Erneral be Metz bade auch versucht, sich ber katholischen Geistlichkeit für seine Zwecke zu bedienen. Die letzten Voisütige in Pirmasens seien als Taten bet Rotwebt tu begreifen. Lieber bayerisch-beulsch sterben als lrantöfisch verderben! (L-bb. Deilall.) Abg. K o r e l l lDemü) bittet bie Selben auch bes besetzten Hesfenlanbes nicht zu vergessen. Hlntet bem ganzen r-»aratlstischen Angriff habe ein einheitlicher fran- ziisficher Befehl gestanben. Bewundernswert sei bie standhafte Abwehr be« ersten Ansturmes durch die kaibolifche und evangelische Eeistllchkeit «Beifall.) A"ch bie Tav'erkeit der anderen Berufsstände Jet an- nerkennen. Der Redner begrüfit ben »cutf-finafioitalen Antra« auf B'stralung ber Hochverräter, wünscht aber Beratung tm Recht« A"sschun. Dank gebühre ber Regierung für Ihre würdige Rote an Poincare, be'kn Antwort man nnr als wib-rliche Lüge u ab Seuche- l e l bezeichnen könne. Diese franiöllfche Aufsagung mülle 61» Regierung nach einmal aehfibrenb kennte ich« nen unb stch babei auf das Urteil von Clives und anderer Neutralen beziehen 'Auzenminitt-r Dr. Strefemann nickt! Ist bereits geschehe»), -s mülle gewarnt werden vor bem »! (Wichen Abbruch der Zahlung bet B'satzungskof'en ohne po-h-rgel>.ncr>» Verhandlungen. Dem deutschnationalen Aiiftan mülle man weniaftcns hinaufüaen: Unter srRahreng ber Lebcnsnot- wer winkelten bei h-letzten Gebiete.
Ah» Schult-Brombeta fbeuncbnctlonal) .b-.'Ctün» bet ben Anitas seiner Fraktion. Ge->en Lanbesver» tätet muffe auf Tobesstote eifannt werben. •
Darnns wird die SEeiierbtTatung aus TsnnMftrg mittag 2 Uhr beitest-
3« Bitt i» in Mr.
Spenet, 20 Febr. In einer halbamtlichen, von ber, franzöl'fchen Pressi veröffentlichten Meldung aus Koh- l-nz üh-t die zwilchen hem Ktei-ausschuh untz den Bet«, tret Tn brr berfafi«ne?mSfi:gen Regjernno ber Pfalz einer» fi-ts und b m inttrattierten Ton^erauSlchuü anbereneits art raffen? V-reintzatuna ist »on einem durch ben Kreistag e nm-fetzten Ne-iertcnas'omitee tue R-de Der Ausdruck fheaimingafomitet siebt im W'ber'prnch zu dem klaren Worllaul der g'trosftne V.eveinbarun«. Jedes der e-u» zeln-n Mitglieder des ititeraa rite* Sonderausfch ftes fiat ferner bei ben Verhandlungen zwilchen bm Buchos von Spey-T ui* dem vrotestant-lchen Kirchenprölidenten Dt. Fleifchmann bie brfiimwtr Zusicherung gegeben, daß an dem staatsrechtlichen Zug-n> »er Pfalz zwilchen Bauern und bm Reich nichts a ä»T-t werde. Da>au» ergibt sich, daß die rechtmäßige S-rbörbe ber Pfalz nur dir bayerische Reniern Utz fein kann. Ta brr Rrg'.e« ninospräsident der Pfalz von ber RbeinlandlommiisiiM, wäzrral> d s Nhun- und Rubrkamv'es ansgewiclen wurde, und uoÄ nickst die Erlaubnis zur Rückkehr erhalten bat/ weichen die Regierungsgeschäste zurzeit von dem dienst»! ältesten Beamten der banerischen Regierung in der Pfalz, Regienrngsbirektor Stähler als stell vertretender Regie»! rungsprälibent geführt. Der Kreisauklchuß hat bem. Sordctar.sschuß gegenüber lediglich bie V-rmitllenolie! iiuiicfcen der hatzrrifchen J^tflierungt der begtschrn Rcach»