OberhcMe Mung
Meiiereno «nb Sriegslfinlhlioe.
Vvn Vizeadmiral a.D. Engel, Marburg
®tt Lüg« von 'Deutschlands Schuld am Welttrtege ist Mcht aufrecht zu erhalten. Nachdem sie als solch« von deutscher Seite schon längst nachgewiesen ist, mehren sich hie Stimmen des Auslandes, selbst in Frankreich, die dem deutschen Standpunkt beitreten oder ihm wenigstens nahe Icmtnen. Allen voran der Engländer E. D. Morel, Parlamentsmitglied und Herausgeber der „Foreign AffairS", Uuldecker der Kvngogreuel, rin Mann, der in der angel- sächsisch«" Welt als rücksichtsloser WahrheitSfanatiker bekannt und von einem namhaften amerikanischen Schrift- ficller kürzlich als bedeutendster lebender Engländer bezeichnet ist. Im Vorwort seiner berühmten Schrift i^DaS Gift das zerstört" (Frankfurt a. M., Societätts- Truckerei) hält er dem deutschen Volke den Spiegel seiner verderblichen Uneinigkeit vor und weist immer wieder darauf hin, daß die angelsächsische Welt nicht an unsere moralisch« Unschuld am Kriege glauben wird, solange di« 'Lüge unserer alleinigen Schuld an ihm, die unsere- Vertreter in Versailles bescheinigt haben, von unS un- WÜ>ersprochen gelassen wird.
' Ein anderer sehr namhafter Engländer aber, Llovd Aeorge, aber hat am 3. Mär, 1921 in London gesagt: '„Für di« Alliierten ist d« Verantwortlichkeit für den Krieg grundlegend: sie ist die Basis, auf oer das Gebäude des Vertrages errichtet worden ist und wenn diese NnerkenntniS verweigert oder aufgegeben wird, ist der Vertrag hinfällig." Mit anderen Worten: Ist daS in | 231 der Versailler Vertrages erpreßte Schuldbekenntnis als wahrbeitSwidrig Widerrufen, so ist der ganze Vertrag hinfällig. Gibt es eine zwingendere Begründung, mit der KriegSschuldlüg« aufzuräumen?
Biele ehrliebende Deutsch« haben im In- und AaS- fand ihr Möglichster im Kampf gegen dir Schuldlügr Hetan. Ihr Rusen verhallt, weil ihm-die nötig« Rcft- nanz fehlt. Sie kann nur die deutsche Regierung schalfen. Mannhafter und rücksichtsloser Auftreten ihrerseits muß und wird Erfolg haben. Bon vielen Seiten ist schon in diesem Sinn« an die Regierung hetan-'et'-'^cn, von Einzelnen, von Körperschaften, von der hämischen Re- tzierung, von der deutschnationalen Reichstagsfrallion.
Warum haben bisher alle unsere Regierungen et» schwiegen? Solange Sozialdemokraten in 'hnen saßen, kann man das Schweigen verstehen. Ist Deuilchlaichs Nichtschuld am Anstiften des Weltkrieges jetzt alten- wäßig erwiesen, so waren die Revolution und ihre Vorbereitung, die unS nach Versailles führten, das schwerste Verbrechen, das je an einem Volke verübt wurde: Leute, deren Parteigenossen an ihm beteiligt waren, haben naturgemäß kein« Neigung, dies« Ding« in der Orffeutlich-- feit zu behandeln.
:■ Seit dem zweiten Kabinett Stresemann ist diese- von Sozialdemokraten Frei. Wo bleibt, frei von dielem Hemmschuh, die Aktion der Regierung zur Aufhellung der entsetzlichsten, weittragendsten Lüg« der Weltgeichchte? Denken Herr Stresemann und seine Mitverantwortlichen, nicht daran, daß, abgesehen von der Gefährdung seiner Existenz, dem deutschen Volke das sie zu bertreien berufen sind, die Ehre abgeschnitten ist? Und mehr noch, denken fte nicht daran, daß durch di« berühmte Mantel- note zum Bersailler Vertrag unsere gefallenen Helden km Lohn und Ruhm ihres OpserlodeS, ihrer Strapazen And Schmeivn gebracht sind? Durch jene Note, in der «3 heißt „Deutschlatck erkennt an, daß seine Soldaten Verbrechen begangen haben, deren sich auf weit tiefeoer Kulturstufe stehende Völker schämen würden?" Gibt es einen schmachvolleren Gegensah, von unseren Unterzeichnern sanktioniert, z« dem dulce et derorum pro patria »ori?
Seit Oktober hätte d« Regierung Stresemann Zen gehabt, die KriegSschukdlüge anfzurollen. Anscheinend hat sie eS nicht getan,,weil sie fürchtete, baß ihre B«r° ftrch«, ans rein wirtschaftlichem Wege bte Revarajions- ftage zu lösen, gestört werden könnten. Nachdem aber lange feststeht, daß Frankreichs böser Wille nie Aue solche Lösnns znlassen wird,--liegt da noch irgend
rin Grund zur Zurückhaltung vor, die doch auch für die
Nachdruck verboten.
Germaine Ruscher.
Ein Elsaff-Roman. Bon Christian Bo« <h ho l h
30. Fortsetzung
„WaS ist benn?" fragte Germaine.
„Du bist nicht beider Sache. Ich auch nicht. Wozu ' musizieren?"
„Tu hast etwas ans dem Herzen, Luctan, heraus mit >et Sprache!" sagte Germaine. „Ten ganzen Nach- Rittaü machtest du ein so sonderbares Glicht."
,^fch? Alice hat mir einen Hagel von literarischem Nissen aus den Kops prasseln lassen, indes — —"
„Ach, vorher schon. Aber sprich weiter, indes —" — „indes — tm, indes du eben mit dem andern varst." , 1.
Da lachte Germaine laut auf. „Neidisch^ fragte sie, kokett, und Brnnt wußte nicht: freut sie sich . tb'r meinen Neid, ist sie vielleicht stolz auf meinen Neid, oder mofien sie sich über mich?
„Ja."
Sie legt« ihren Arm ttm seine Schulter: „Mußt du nicht sein DaS ist die greulichste Eigenschaft, die es gibt. Hattest du denn Grund dazu? Du hast ja Aires Verhalten gesehen. Konnte ich den hübschen, vnschuldigen Robert, der uns wirklich nichts zu Leid tzrtan hat, ganz im Stich lassen?"
„Gewiß nicht, aber — — er gefiel dir?"
„Woher weißt du das? Nun ja, er gefiel mir’ tzir nicht?"
„Anfangs."
„Er träte ein Mann, dessen sich Alice nicht zu schämen brauchte. Und jetzt kein Wort mehr. Ich tmrde ihn vielleicht nie Wiedersehn. Dnvernois' haben sich nichts merken lassen. Aber e# ist ziemlich klar, daß die Bläue der beiden Väter in di« Bruche gchn. Musizieren wir weiter."
Widerwillig begleitete Brant weiter. Germaine saug ebenso ausdruckslos wie vorher. Aus dem Erdg schoß ließen sich laute Stimmen vernehme», bis «an Al«e sich in, ihr Zimmer flüchten hört«.
Regierung, so nehmen wir an, den schwersten Gewillens- konfliki bedeutet? Wenn Herr Stresemann erst kürzlich in Hamburg und Stettin auf diese wichtigste «Iler Fragen angesp-elt hat, warum schreitet er nicht zur Tat?
Wann endlich werden wir dem Auslande, das nur aj eine Handhabe gegen die französisch« Gewaltpolitik wartet, diese Handhabe durch Aufrollung der Kriegsschulbftage geben? Wann werden wir die Schmach, bk auf uns lastet, die uns zum Pariavoll macht, von uns iverien? In Bochum, fast int Herzen Deutschlands, wird eine französisch« Kaserne gebaut, in der Pfalz wird ein Hofgnt als Larckwirtschaftsschul« für französische Unterofiiikre enteignet, Tausende schmachten an Rhcin und Ruhr noch immer im Gefängnis, nur weil sie als deutsche Beamte und Angestellte auf Geheiß der deutschen Regierung ihr« Pflicht taten--geht die Schänd« noch tiefer?
Erst kürzlich hat ein hochstehender Jurist dieser Stadt in einem Frankfurter Blatt „den Zorn der freien Rede" von unserrr Regierung gefordert, der, Ernst Moritz Arndt in fernem herrlichen Vaterlandslick als Gabe des deutschen ManneS bezeichnet. Darum heraus mit dem Stoff der Archive, rückhaltlos das im Versailler Vertrag erpreßt« Schuldbekenntnis, da wahrheftstoidrig als grunoloS erklärt, Forderung an alle beteiligten Regierungen aas sofortige Ungültigkeitserklärung des Versailler Vertrages!
Mir Deutsche aber, denen ein bloßes Vegetieren nicht genügt, sondern Deutschland? Leben und Ehre Herzenssache ist, wollen der Regierung das Rückgrat stärken und sie anspornen zu endlichem tatkräftigen Vorgehen. Durch unablässige Eingaben der Einzelnen, Vereine. Organisationen, Korporationen, durch Herantreten m die Abgeordneten und Parteien, durch Aufforderung in der Presse, durch Werben von Mund zu Mund, Die Gleichgültigkeit und Lauheit muß ein Ende haben — „Nichtswürdig btt Nation, di, nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Eh«!"
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In der $Ä
Di« Pfalz vor schicksalsschwere» Entscheidungen.
Speyer, 15. Febr. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Belgiens find gestern abend in Speyer ««gekommen. Die Vertreter der Nhein- landkommifsio« habe« im Auftrage ihrer Regierungen den Vorsitzende« des Pfälzischen Kreistages, Geheimrat Beyersdörffer, sowie Vertreter von pfälzischen Städte« und Vertreter der pfälzische» Presse zu sich gebeten, «m sich über die politische Lage auszusprechen. Es wurde den Vertreter« zur Aufgabe gemacht, a« der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung mitzuhelfen. Darauf wurde den Herre« folgende Bekanntmachung eer« lese«:
„Die Hohe Rheinlandkommission überträgt in Uebereinstimmung mit den Anweisungen der drei Regierungen, die sie vertritt, einer Spezial-Kommission, die sich aus je einem Vertreter der Besatzungsmächte zusammensetzt, di« Aufgabe, sich in die Pfalz zu begeben, »m dort alle Maßnahmen zu prüfen und vorzuschretben im Hinblick auf die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und die Ingangsetzung des öffentlichen Dienstes. Die Bevölkerung, welcher Partei sie auch angehört, wird sofort aufgeforbert, die Maßnahmen, die getroffen werden, abzuwarten. Jeder Zwischenfall, zede Unruhe, jede Kundgebung wird umso stärker bestraft, weil sic nicht allein gegen die allgemeinen Instruktionen der Kommission verstoßen, sondern auch dem besonderen Zweck zuwiderlaufen, den die augenblicklich in der Pfalz in Uebereinstimmung mit allen Regierungen gehaltenen Anweisungen verfolgen. Die Speztal-Kommission hat am 14. Februar ihre Arbeiten in Speyer begonnen und hqt die Bürgermeister der Hauptstädte, den Präsidenten des Kreis-
teges und die Vertreter der pfälzischen Presse empfangen. Die Spezial-Kommission fordert die Bevölkerung bestimmt dazu auf. in aller "Ruhe die Maßnahmen zu erwarten, die getroffen werden und welche allen angepaßt werden, gleichviel welcher Partei sie angehören."
Diese Bekanntmachung muß auf Befehl der Rheinlc ndkommissions - Vertretung in sämtlichen Zeitungen der Pfalz ausgenommen werden. Die besonderen Maßnahmen, von denen in dieser Bekanntmachung gesprochen wird, werden von weitgehendster Bedeutung für das Schicksal der Pfalz, sein und vielleicht auch ihre Auswirkung haben aus das ganze besetzte Gebiet. Es wurde den Vertretern (in Plan über staatsrechtliche Fragen vorgelegt, über eine Acndsrung der Regierung und über eine vollkommene Neubesetzung bet bisherigen alten Regierung. Es würbe seitens bes Komitees zu- gefagt, baß bie in bet Pfalz befindlichen Beamten bei bet neu zu bilbenben Regierung verwenbet werben könnten, auch baß versucht werbe, vor allem unter dem Einfluß bes französischen Vertreters bie Kommission, ben Kreistag und den Kreisausschuß zu dieser Neuregelung der, Pfalzfrage herbeizu- ziehen.
Es ist dies bet alte Wunsch bes Generals be Metz, ben Kreistag als Pfalzparlament einzu- fetzen. Die Kommission soll ferner zugestanden haben, baß bie Sonberbünbler sofort aus der Pfalz entfernt würden, wenn der Pfälzische Kreistag und prominente Persönlichkeiten bes Wirtschaftslebens unb bet politischen Parteien sich zustimmenb zn bieser pfälzischen Frage äußern unb gegebenenfalls an ber Regierungsbildung beteiligen würben Zweifellos gehen bie neuen Pläne bieser Kommission bahin, die Pfalz seldstänbig zu machen. Die Franzosen versuchen auf neuen Wegen ihr alte# Ziel zu erreichen, nämlich eine selbständige Pfalz Ob dieser Plan im Rahmen des Reiches als . vollständig selbständige Pfalz geführt werden so", darüber konnte aus den Verhandlungen nichts entnommen werden. Die Vertreter, di« bei dieser Unterredung anwesend waren, haben ber Kommission feine Zusicherung unb keine zustimmenden Erklärungen abgegeben, sondern sie hatten sich sofort mit ihren Organisationen unb mit den Regierungen in Heidelberg, München und Berlin in Verbindung gesetzt.
Ludwigshafen, 15. Febr. General be Metz hat auf Grund ber Vorkommnisse bei der Erhebung des pfälzischen Volk-? gegen bf? Sonderbündler gestern Vertreter d«S Kresitages, ber Städte und ber Preise s« sich gebeten unb ihnen erklärt, daß nunmehr Rahe und Ordnung herrüüen mübten und dalstr Sorg« zu tragen fei, daß bie inkrallver+f Kommission ungehindert arbeite könne. Aus ber Mitte ber beutfäen Vertreter mürbe General de Metz geantwortet, daß Voraussetzung für di« Aufrechterhaltung der Stube uub Ordnung die Wiederherstellung der versassunasmösnoen Zustände.in der Pftlz sei — Wie die Franzosen ihre HrparirtTitbfett M der Auf- «chterdalttm- bei Ruhe und Ordnung in ser Pfalz auf» fassen, geht daraus hervor, daß sie eine beabsichtigte Versammlung des Kreisau "schillfts Verboten baten.
Spetzer, 15. Frbr. Die Abordnung der interalliiert en Rheinlandkommission hat in Spetzer gestern keine eigentlichen Verhandlungen ne» führt, vielmehr wurde den Bürgermeistern der kreis- unmittelbaren St.ckte der Austtag gegeben, dafür Sora« zu tragen, daß sich Vorgänge wie in Pirmasens nicht wiederholten. Die Komwi'son toünfM ungestört arbeiten zu können. Die pfälzisch« Bcvölkeruttg könne versichert sein, daß sich die Kommission bemühen werde, Zustände zu schaffen, mit denen die Bevölkerung der Pfalz m* frieden sein könne.
„Genug für heute", sagte Germain«. Brant machte -in betrübtes Gesicht. Sie gab ihm einen Gutenachtkuß, und er war sehr flüchtig.
Als Brant Bett ging, war er traurig und niedergeschlagen.
Dir bunt bemalte Schwarzwälder Uhr in seinem Zimmer tickt« den horten Schlag des gewöhnlichen All'ags. Jede halbe Stund« schlug bie Uhr unter furchtbarem Federgerasfet. Stund« um Stunde stieg Brants Ernüchterung. Er wurde immer trauriger unb stöhnte in feinen Kissen, ohne Schlaf zu finden
Der Fremde hatte Germain« gefallen, Robert Tu» vremoir, dies« hübsche Nulb Ger.naine hatte es sofort essen einoestanden. Solange sie in Roberts Gesellschaft gewesen war, hatte sie Lucian vergessen. Ihr Gutenachtkuß war srostig gewesen^ schlimmer noch: gleichgültig. Ihre Stimme hatte die inne« Glut verlor«■„ als sie sang. Ihre Gedanken- hatten nicht mehr chm gehört, sondern dem Fremden.
Dann machte sich Brant Vorwürfe: Du bist ein Feigling! Du hast dich sofort aus dem Feld schlagen lasten. Du hast es sogar f«iwillig geräumt, Narr! Wärst du bei ihnen geblieben! Hättest du ihn lächerlich gemocht in Germaines Augen Weg mit der verfluch en Schüchternheit....
Er. hielt sich bereits für verlo«n und glaubte, besonders unter den ietz gen unerquicklichen Familienvcr- hältnissen, sofort ab reifen zu müssen. Im Halbschlas .wälzt« er sich bis zum Morgen herum.
Bor dem Kaffeetrinkrn hofft« er, Germaine sprechen zu können. Er wollte es ihren Augen schon ab- tefen, ob sie den ande«n noch immer in Gedanken vor sich sah Und dann wollte er es ihr mitteilen: „Ich gehr." Das war umso unauffälliger zu machen als ein Bries seiner Mutter vorlag, in dem sie ihn fragte, wann er wiebe rkamm«. Aber Germaine erschien erst, als alle, mit Ausnahme Aires, am Tisch saßen.
* „Was macht Alice?" fragte Frau Ruscher.
„Sprich mir nicht mehr von Alice!" sagte der Vaterkur; und hart.
Aber j.ai, dem Frühstück fragte Germaine 23ra.it, ob er sie in dir Stadt begleite. Sie wolle beim Gärtner
Blumen für den Abendball besorgen. Sie habe zwar durchaus keine Lust, ohne Ali« zum Ball zu gehen. Alice wolle heute zu Bett beiden. 9tbrr die Elter» beständen darauf. Die Töchter des großen Konkur- ce.tten Reichenberger, die sonst auf keinen Ball gingen, kämen heute. ReichenbergerS seien die Besitzer der Wbereiev. in Dambach und Trott, unb die seien zweimal so groß, jede einzelne, wie Vaters Fabrik Rei- cbenbergers seien schrecklich prüde Leut«. Jh« Töchter seien ins Konvikt ausgenommen. Und wenn sie tanzten, machten sie Gesichter, als begingen s'e die^ größten Sünden, unb hüteten sich, den Körper des Tänzers zu berühren. Sv seien sie aüt Schachteln. Trotzdem scharwenzeln alte jungen Männer von Waffeln um die b?«n. Des Gelder wegen. Germaine erzählte, daß ihr Vater schon lange vergebt ch nach einer Verbindung mit Reichenberger- suche. Die Leute seien sehr hochnäsig.
„Vater möchte, daß Alice Robert heiratet, um dadurch Duvemoi-' einzuholen. Und Andre« soll roo- wögsicsi die jüngste Reichenberger heiraten. Er hat fick so schöne Plön« in ben Kopf gesetzt, mein Vater Sie sind ab>.r, glaube ich, diplomatisch zu fein ruige» Bßgett, als daß sie gelängen. Derlei ist nicht zu enitinafn. Mit Andree wird er noch seine Not haben. Der ist ganz von seinem Holz."
„Und du — Germaine?"-
.-Mit mir hat er anscheinend noch kein« Pläne. Oder verrät sie nichts"
Mit keinem Wort wurde der gestrige Tag erwLhnjt Germaine war einfach und heiter, wie immer. So h'elt es Brant für unangebracht, wegfahren zu wollen, und begleitete Germaine in die Stadt, machte mit ihr «inen Besuch bei der Großmutter, die sich nach Alice erkundigte und nur bemerkte: „Man soll heiraten, wen man liebt," unb begleitete sie zum Schuster, um nach ben goldene» Ballschuhen zu sehen, die sie bestellt hatte: trotzdem lastete etwas auf Bca.iiS Seele. Di« jung« Liebe hatte durch das bloße Erscheinen des Fremden einen Riß bekommen, die Ftämmchen schiene» gelöjchz und «Korden, Lurch nüchterns» Alltag jchrit-
Zweites Blatt
Kr. 40
Sonnabend, 16. Februar
1924
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«Mannheim, 15. Febr. Das „Echo du Rhin", Organ der Besatzungsmächte, schreibt über die Pirma- ferJer Vorgänge, daS dortige Wutbad sei ein Beweis, dafür, daß gerade in dem Augenblick, wo Frankreich die Gemüter beruhigen und die Uneinigkeit aus dem Wege schaffen woflte, die „Mörder von Heidelbergs den Augenblick für geeignet hielten, die duchh di« Ermordung verschiedener Sonderbündlersührer begonnene Hetze auf bie Spitze zu treiben, die seit der Untersuchung des englischen Generalkonsul- sehr angewach- sen sei. DaS große Wntbad sei die Frucht dieser nationalistischen Verhetzung, di« von dem örtlichen KtteuS, der viel mehr politischen, al» evangelischen Erwägungen gehorche, leider mitgemacht werde.
Gegenüber dieser schiefen Darstellung ist denn doch aus die wett geschichtliche Tatsache hinzuweisen, daß _ nicht einzelne nationalistisch« Elemente, sondern die ganz« Bevölkerung von Pirmasens sich gegen die Bec- gcroeltigitng der Freiheit unb des Friedens erhoben Hal unb wie in PirmasenS, so hat die elementare Volksbewegung in der ganzen Pfalz sich der Sonderbündler zu entledigen gesucht Wenn auch die Besatzungnsbehötde immer nur die Angehörigen der ungeheuren Mehrheit her P'äl-er Be» lk rung io: daS Knegsger'chts schlepp^ während die eigenen Ruhestörer bewaffnet herumlaufett unld friedliche Bürger drangsalieren (tote unlängst wirke- die Untat an dem Arbeiter Herbert bewiese» hat) und selbst vor Mord unb Totschlag nicht zurück- schvecken. so wird das Urteil bei Wett sich nicht täuschen lassen, wer der Ucheber bet so tief bedauerlichen Ereignisse der letzten Tage war.
Englische Urteile.
London, 15 Der diplomatische Beiiärter« Ratter des „Dail» Telegraph" schreibt zur pkälzifchen Frage, man werde sich veinl'ch n-'ch^ in bie
Souverän-tät d-S Reiche- oder Bovecns eiuzugreifen. I« sioickon fei man der Ansicht, daß bie Pirmasenser T tiagöbie und andere SragSiitn bie"? Ah sich! n:Ät beeinträchli^en, sondern eher veislärken sollten unb baft diese Tragödicu nicht vorgekonimru seien, wegen der Rückkehr b»t ocknung^mäß'o"n RehSr-«n. Von den b>* meisten rh nrnnicht tnrückgekchrt seien, sondern vielmehr wegen ihrer Ausweis»»-, unb Abtvcsenhest
London, 15. Febr. „Daily Ebrcnicle" führt in feinem Leitartikel au-, bte Ursachen ber letztcq Zwischenfälle in der Pfalz seien bereits gut bekannt: Generalkonsul Clive unb zahlreiche Ptessebe- rickt-rsiatter hätten sie dargelegt. Tie gesamten Srbwie- rigleiten seien aus der Art entstauben, wie Poincarä, nachdem es ihm nicht gelungen sei, ein« wirkliche separatistische Bewegung im besetzten Gebiet hervorzuruftn^ diese künstlich zu schassen versucht hab«. Bezahlt« Verschwörer, die sich stellten, als seien sie bayrisch« Patrioten, seien in das Land eingefallen, um ihre berüchtigte LoslösungSbewegung von Denllcblaud einzuliteto. Verabscheut von der Bevölkerung, hätten sie bewaffnete Unterstützung durch Bauden wilder Abenteurer nick Verbrecher, di« iu organisierten Transporten eintraten, gesunde». Sie hätten bie örtlichen bavenscheu Beamte»
ten sie beide, auf ebener Erde, die Flügel waren d«y- schwunden, die ihnen angezaubert waren.
Ifm Nachmittag großer Betrieb in ber flnnle» Stadt! Karussells, Schießbuden, anatomisch«- Museum, Ringkämpfer, alle-, was das Volk liebte. Selbst die Lnite au» ben „besten Familien" pflegten abend- für eine halbe Stuwde ben Rumme'platz zu besuchen; mit Au-nahme der Reichenberzers, die sich aus den Abmdball im „Roten Haus" beschränkten und auch dort stocksteif blieben.
Um zwei Uhr begannen di« Rennen, die Rennen ton Waffeln, die seit 1871 nur noch einmal im Jahr staitfanden^ am Ostermontag, unb zwar nur um die alte Uebtdieferung in Ehr.» zu halt n. Früher hatt« «in französische- Regiment in dem Städtchen gelegen urtb alle vierzehn Tage hatte ein RenueN stattgefunden. Jetzt lag kein Militär mehr in Wossrtn. Die Regierung unterstützte diesen Sport, weil sie damit den konservativen Sinn der Bauernbevölkerung bet eine Stüh« des Deutschtums toat, «fpetticren uni fördern wollt«. Es mag vielleicht in Erstaunen setze»» daß die Bauernbevölkerung sich an einem feudale» Sport interessiert. Aber die Rennen nannten sich „SBauernreitnen", nach der ersten und letzten Nummer de» Rennprogramm-, bie nur von einheimischen Bauern geritten wurden, und -war in ihrer Bauerntracht, (Fortsetzung folgt)