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WerheMche Zeitung

$it tammttibe SoünoteM.

Der erst« Ausschuß der Sachverstätckigen hat einen Beschluß gefaßt, der den Plan einer deutschen Goldnoten­dank bis zu einem gewissen Grade sicherstellt. Di« vruttbzüge deS Planes sind von dem Ausschuß ausge- Arbeitet worden und wir werden wohl im endgültigen. B-richt, der Ende dieses MonätS zu erwarten ist, über die Linzecheiten noch unterrichtet weiden. Selbstverständlich schnei der Ausschuß mit einer Verwirklichung seines Planes und ist selbst btt Ansicht, daß damit auf dem Wege zur endgültigen Befestigung der deutschen Währung und b«r deutschen Finanzen der wichtigste Schritt getan sein Wird. Der Wert dieser Kundgebung d«S Sachverständigen- Ausschusses beruht vor allen Dingen in seiner Propa­ßandawirkung. Das Ausland wird den fisten Eindruck gewinnen, daß die Grundlage der deutschen Währung und der deutschen Finanzen gesund ist und daß es bei der richtigen Behandlung unserer Mrtschast zu einer dauern­den Gesundung kommen kann. Denn ohne diese Vörau> setzung würde die Schaffung einer deutschen Goldwäh­rung von den Sachverständigen sicher nicht als möglich erkannt und als Ziel ins Auge gefaßt Horden sein. ES versteht sich von selbst, daß der Sachverständigrnaus- schuß mit dieser seiner Stellungnahme eine unmittelbare günstige Wirkung ausübt und auch der UeberoangSwäh- rung, von der wir augenblicklich zehren, erheblich nutzt.

Eine aicherc Frage ist es allerdings, ob der Plan des SachverständigenckuSschusses Aussicht aus rasche Vec- wttklickung hat, und ob er die Bemühungen und Vor- arlttten deS Reichspräsidenten Dr. Schacht überhaupt überflüssig macht. Es wär« sicher verkehrt, wenn man etwas DerartiaeS annehmen wollte. Der Plan der Sachverständigen unterscheidet sich in einem wesentl'chen Punkt von dem deS Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht Die Sachverständigen wollen eine Goldnotenbank schaf­fen, die sowohl die Papiernoten der Reicksbcmk wie auch die Scheine der Nentenbank aufsaugt Dr. Schacht bat die Absicht, auch nach der Gründung der von ihm geplan­ten Goldnotenbank das deutsche Papiergeld unb di" Rentenscheine im Umlauf zu lassen. Dieses Verfahren hat seine gut « Gründe. Ein völliger Umtausch des gegen­wärtig im Umlauf befindlichen Gelbe? (Papierno:en und Rentenscheine) gegen die Roten der Goldnotenbank. Er fordert eine ganz andere Kap'talaufwendnng, als frei einem Bestehenlalsen der gegeinnärt'-en deutsck«n Zah- !unasmitte< erfalderlich wäre Cf» wäre daa eine erb-'b- licke Erschwerung deS ganzen Planes, da die Kapitalbe- schasfung reckt erbebl-che Anstren - naen lostet. Je mehr Kapital nötig istr desto länger zkfrfr sjck die Gründung der Goldnotenbank hinaus. Es muß' uns jetzt aber vor allen Dingen daraus ankommen, die'e B nk sobald wie möglich inS Leben zu rufen. Ihre Haup'aukgabe ist d-'- Beschaffung von Kredit für die d^-t^cke Wirtschaft und die Erfüllung dieser Ausgabe dr-twt. Es liegt ken Gnind vor ,den AufzcllienfiriS ter Goldnotenbank zu­nächst weiterzuziebcn. Die Rrntenmark ist eine so gut fundierte Währung, daß sie rufrn beüelien b'e-ben kann. Und auch die Papierbanknoten brauchen nichi zu ver­schwinden. nachdem bas deutsche Pav-ergeld sich au' bir Gleick<pwicktslage eingestellt hat. Wenn w<r vom Fleck kommen woll-n, so müssen wir frei b - Durchführung Unserer Währungspolitik immer noch etwas von der Hand in den Mund leben. Die Rentenmark. für die Staats- bedürfnisse, die Goldnotenbank für für die Wcrtsckafts- bedürfnifse — daS ist ein Rotprogramm, aber feine Durchführung ist fchon eine Tat und bringt uns einen erheblichen Schritt weiter.

Die Sackvtt "'rindigen fassen die ganze Frage von einem anderen Gesichtspunkt an. Sie trolen eine endgültig' Lösung herbeisührrn und stellen ihren ganzen Plan auf dieses Ziel ein. Sie werden aber zur V'cwirkl'ckung de; Projektes zweifellos auch längere Zeit brauchen Deshalb wäre es falsch, wenn man auf deutscher Seite jetzt die Hände in den Schoß legen und alnvarten wollte, dos der Sachverständigeuausschust zustande bringt. Das Tagesbedürfnis brennt uns auf den Nägeln, daß rasch gehandelt tvrrden muß. Deshalb ist Dr. Schacht auch keineswegs gewillt, seinen Plan fallen tu lassen Er wird ihn vielmehr mit aller Entschiedenhet weiter för­dern und hoffentlich bald verwirklichen können. Er kann aber bei der Schaffung der deutschen Goldnoten- bank in dem engeren Rahmen, wie er ihn gezogen hat.

aus den Plan der Sachverständigen Rücksicht nehmen und das eigene Projekt von vornherein so einrichten, daß es ohne Schwierigkeiten zu der Goldnotenbank des Sach- verständigenausschusses und damit zu btt endgültigen Stabilisierung der b-eutschen Währung überleitet.

Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß wir unS nur aus unS selbst verlassen können. Hätte das frühere Kabinett Dr. Strrsemann und hätte nicht im Zusammenhang damit Dr. Sckacht positive Leistungen auf dem Gebiet« der Finanz- und Währungspolitik hervor­gebracht, so wär« das Gutachten des SachverstLnoigen- auSschusseS sicher ganz anders ausgefallen. Schreiten wir also auf dem Wege der Selbsthilfe weiter vorwärts! Verlassen wir uns nicht au? die Initiative des Auslandes! Der Beschluß des SachverständigenausschusseS kann sei­nem moralischen Werte nach nicht hock genug eingeschätzt werden, er wird hosfrntlich auch dazu dienen, ausländisches KapitÄ für uns flüssig zu machen. Aber seien wir Dr. Schacht dankbar dafür, daß er trotzdem enischlossen ist, selbst die Hände weiter zu rühren und die von ihm geplante Goldnotenbank ins Leben zu ruttn. Nur wenn wir unS aus diese Weise selber Helsen, Hilst uns auch der Sochvcrständigenausschuß.

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litiiWn litt die kiWt WM.

Moskau, 11. Febr. Tschitscherin erklärte Prelse- vertretern, die de jure-Anerkeunung durch England vor anderen Ententemächten werde Weitgehende Folgen zeitigen. Er erinnerte an den Rapallovertrag, welcher den Gesamtkomplex oer ooiiischen B.'ziebuugen zwi­schen Deutschland und den Sowjetrepubliken beein- e Der Stritt i'ae Donalds habe bereits tute Nachwirkung auf das internationale Kräfteverhältnis geäußert. Die Haltlosigkeit der tendenziösen Jnter- nretierung der englifchen Anerkennungsnote durch die Gegner der Sowjetrepubliken sei klar. Die Sowjet­regierung habe stets eine gemeinsame Beratung der strittigen Fragen rillt der englischen Negierung ange- strebt und begrüße die Bildung der Kommission, die sich damit befallen werde. Die Orientvolitik der Sowjetregittung beruhe auf den Grundsätzen ihrer 6e- samtvolitik und sei keineswegs aggressiv Wenn die englische Regierung in demselben Maße der Aggressiv- poliiik fernbliebe, so feien die strittigen Fragen leicyt lösbar. Die Regierung Mac Donalds erkenne die Be­deutung Der Kredite für den beiderseitigen Runen.

H hinter Mac Donald etwas zurückgeblie­ben, doch fei die beschleunigte de jure-Anerkennung seitens Italiens ein höchst vernünftiger Schritt, der bald positive Folgen zeitigen werde. Der Botschalter- austaufch sei nur noch eine Agrementfrage. Gerade im gegenwärtigen Augenblick erführe die S ellung Frank­reichs eine ungünstige Wendung. Die kleine Entente zerfalle. Spanien nähere sich Italien. In der Schul­den- und Rationalilierungsfrage habe Frankreich die tlnbeugfamkeit der Eoroietregieruna erkennen können. Einschüchterungen nützten nichts. Mit der Sowiet- nflierung müße man die Sprache des realen Nüvens reden.

Em Hypothekenschutzverband.

Wie uns ans Hamb"rg g'nröyt w'tck bat fick bo't e n Hnpoll'ekenschubverhand gegründet, der folgend« Grund­sätze verfolgt:

1. Hypothek«»: Ein« gesetzliche Begrenzung btt Auswertung auf einen bestimmten Prozentsatz nr.e solche in der ang-fftnb gtctt brtten Steuernotverordnung vorge­sehen ist, erscheint unbill'g und widerspricht der Rcchts- nnb Wirtschaftslage. Zu empfehlen ist vie'mehr die Schaffung von Schied'ämt-rn, dir zwar nach allgemeinen Mcktlinien zu entscheden, arer die E'gcnari de? e'nzelnen l-alles zn berücksicktigen hab.'n. In diese Richtlinien darf irdoch eine Höchstgrenze der Auswertung n'ch ausgenom­men werden. DaS Schiedsverfahren ist nicht auf die bereits gelöschten Hypotheken zu erstrecken.

2 Obligationen: Hier ist unter Ausschluß jeg- licker gesetzlicher Regelung die Außveriung der Recht "ent- Wicklung zu überlass n Die Herb« Führung einer badigen grundsätzliche» EntscheLung durch die oberste Instanz ist zu erstreben.

3. Festverzinsliche Sta atspapiere: Di« Inhaber sind sick klar, daß Reich, Länder und Kommunen ». Z. nicht in der Lage sind, die von ihnen eingegangenen Verbindlichkeiten zu erfüllen: andercrsells würde eine

«Rückzahlung der Nennbeträge in wertloser Papiermack einer nickt gerechtfertigten Enteignung gleichkommen. Da« her emvsiehlt es sich, die Rückzahlung dieser Schulden durch Gesetz auf eine Re-he von Jahren, unter dem Vorbehalt« der eventl. späteren nochmaligen Verlängerung, zu sperren.

Der Verein trägt den Namen: Sckutzverband der In­haber von Hypotheken, Obligationen, Anleihen und Ver- sichenmgspolicen. Hamburg. Die Geschäftsstelle befindet sich Hamburg, Mönckebergstraße 17, III. j

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Ai; in dntlEe» Soltseortti.

Marburg, 12. Febr. In einer von der Deut­schen SBo'f?parei veranstalteten öffentliche» Versamm- Ittna sprach am vergangenen Sonnabend bei Freid- hof Herr Staatsrat Tr. Rumpf (Frankfurt), Mit­glied des preußischen Staatsrates, über Kommunal­fragen. Ausgehend von der Notwendiakeit einer bal­digen Neuwahl, die letzten Endes begründet liegt in einer den derzeitige» Verhältnissen nicht genügend Rechnung tragenden Zusammensetzung besprach der Redner die vorliegende Gemeinde-, Städte- und Kv-is. ordnung. Bei der Besprechung im Staatsrat habe Herr Severing diese Reform gekennzeichnet als eine Mod rnjsttuizg. die einer Anpassung an die republi­kanische Staatsform der SAbstvcrwaltung Rechnung tragen soll«. Eine derartige Begründung ist falsch, denn der Gedanke der Selbstverwaltung liegt per- ank.rt in der Gemeindeverfassung, wie sie von dem Freiherrn v. Stein geschahen worden ist. Nicht An­passung, sondern Achtung vor unserer historisch be gründeten Selbstverwaltung gegenüber Angriffen, dic in verschiedenfen Tendenzen der Städte- und Land- g mreindeordnung vorhanden sind, fordern to". Aus der geschichtlich begründeten Selbständigkeit der Ge­meinden entstehen Folgerungen, die mit den neuen Entwürfen verschiedentlich nicht in Einklang zu brin­gen sind. Das Berantwertungsge uhl der Gemeinden dem Staate gegenüber muß gestärkt werden. Rn den Fragen der Bürgermeister- oder Magistratsverfassung, sowie den Orts- oder Landbürgermeiflewien soll ent- scheiden, ob eine Vereinfachung oder Ersparnis erzielt wird und ob alle die im Volke schlummernden Kräfte zu verantwortlicher Mitarbeit geweckt werden. Ach­tung vor dem geschichtlich Gewordenen soll auch hier letzten Endes den Ausschlag geben. Für Hessen-Nassau werden bk Ortsbürgemeister ien beich?halten. Für Dm bevorstehenden Wahlkampf forderte der Redner, daß eine Zersplitterung des Bürgertums infolge AuWllung von fi.inten Sonderlisten nach wirtschaftlichen Jner- esftn unter allen Umständen vermieden werden müsse. Es bedeute dies nur eine enorme Schwächung in der Vertretung berechtigter Interessen. Aufgabe der Par­tei muß es sein, dafür Sorge zu tragen, daß die Zusammensetzung ihrer Listen sämtlichen Ständen eine geeignete Vertretung gewährleistet. Nicht gegenein­ander, sondern miteinander müssen wir arbeiten, wenn wir »eilet anfbauen wollen auf dem Fundament, das Freiherr v. Stein uns gelegt hat. Mit re ichem Bei­fall dankten bk Zuhörer dem Redner für seine in jeder Beziehung interessanten und beachtlichen Aus- sühningen. — In btt Diskussion, an der sich Bercretec der verschiedenen Par eien beteTgten, wurde für und gegen di« Bürgermeister- und Magistratsverfassung sowie für und gegen di« Orts- und Landbürgermeiste- r. ’tn gesprochen Sämtliche Redner vertraten die Auf stellung politischer Listen. Nach einem kurzen Schluß- wort des Herrn Redners, in dem er zu diesem Fragen e?ngshend Stellung »ahm, wurde die Versammlung um 10.30 Uhr geschlossen.

* Zur Hersfelder Landratsfrage. Von volksparteilicher Seite wird uns geschrieben: Die hier kursierenden Gerüchte, daß der beruflich nicht vorgebildete Sozialdemokrat Hauschild mit Zustimmung der beiden volkspartrilichen preutzi-

Zweites Blatt

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Mittwoch, 13. Februar

.W 1924 “

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scheu Minister v. Richter und Bölitz zum kommis­sarischen Landrat in Hersfeld ernannt sei, sind frei erfunden. Die kommissarischen Ernennungen eu. folgen vom Innenministerium allein ohne An­hörung des Kabinetts. Diese Ernennung eines be­ruflich absolut nicht vorgebildeten Herrn zum Land­rat erregt angesichts des Abbaues bewährter Be­amten und der Tatsache, daß zahlreiche ausgewie­sene Lazadröte und Negierungsräte auf neue An­stellung warten, in allen Kreisen mit Recht Em­pörung. Wie von anderen Zarteien, so wird auch von der Deutschen Dolkspartei gegen sie energisch Einspruch erhoben werden.

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31 kr ömm'im löt dl? ZWiMerbttgr in Mnrg.

Bvn Professor E. Iaentsch.

Zu den segensreichsten Einrichtungen, die dem Ausba» unseres Vaterlandes diene» wolle», gehört der „Ver­band für deutsche Jugendherbergen", der im ganze» deutschen Land schon etwa 2000 Jugendherbergen er­richtet hat. Ueber die Bedeutung des Jugendwandern- bedarf es wohl keiner Wort«. Nichts ist so sehr geeignet* die sckweren gesundheitlichen Schäden-wieder gutzumachen, dem Verkümmerungspwzeß, der an der Nachkriegsjugenh zu bemerken ist, zu steuer», als die enge Berührung mit der Natur Nichts liegt so sehr im Interesse des sozia­len Ausgleichs und Der Herbeifiihrung echter brüderlichen Gesinnung als das gemeinsame Wandern. Zugleich geht der Jugend hierbei am besten der Gedanke menschlicher Gemeinschaft und Verbundenheit aus, der die Quell« aller Staatsgesinnung ist, wie> immer sie im einzelne» gefärbt sein mag.

_ Seit längerer Zeit bestand die Absicht, auch in unserer Stadt, die ein bevorzugtes Ziel d«s Inaenöwandern? ist, eine solche Herberge zu errichten. Der' Bauplatz — innerhalb des neuen Stadion — war vorhanden, undj ebenso, dank des rechtzeitigen Ankaufs eines Hanse- auf Abbruch, der größte Teil der Baumaterialien. Trotz der Sckwere der Zeit hat die Regierung •» einsichtsvollem Entgegenkommen die sofortige Inangriffnahme des Baues ermöglicht; in dankenswerter Weife hat die Stadt weitere- Baumaterial zur Verfügung gestellt, unb der hiesige Jugendring lieh dem Werk sein« Arbeitskraft.

Jugendherbergen in Universitätsstädten rote Mar­burg sie wohl dazu bernstn, unter diesen Heimstätte» der Jugend einen besonde-en Platz einzunehmen. Die Marburger Jugendherbttge, die etwa 70 Betten um­fassen wird, könnte dazu bestimmt sein, einmal eine Zentralstätte der deutschen Jugenovcroegung zu roercen, vor allem wenn es uns gelingt, sie zeitweilig ganze» Jugendverbänden als Ferienbeim zur Verfügung zu stellen, wie es in unserer Absicht liegt. Die deutsch« Jugendb wegung ist in ihrem Kern vortrefslkch und gesund, gerät aber mangels gereister Berater nicht selten auf Abwege. An unserem Ort, dessen Universität von je mit diesen Fragen Fühlung nahm, könnte die Jagen», den erwünschten Rückhalt an Aclicren in Studenten- und Hochschnlkreisen finden, tnö damit gleichgestimmte, freurt* schafiliche Führung und Beratung, die sich nicht aufi drängt, sondern sich suchen läßt. Auch Marburg wird Der Einrichtung zugute kommen. Jungen, die als fahrend» Schüler die „Perle des Hessenländes" kennen lernte», werden als.Studenten gern wiederkehren. Die Herberg« soll auch dazu benutzt werden, int Beginn des Semester- den Studenten, die infolge der Wohnungsnot noch nicht unterkommen konnkn, vor läufig Wohnung zu gewähre». E? würde auch den Fremdenbe,uch fördern, wenn eine Herberge für auswärtige Studierend« vorbaicken wäre, die Marburg und ferne Einrichtungen immer zunehmend zum Ziel von Studienreifen macke»; auch hierfür könnte die Herberge gelegentlich zur Bev- frügung gestellt weide». Bor allem aber fehlt e» den verschiedenen Jugendgrupp«» Mar­burgs noch an einer Heimstätte für gemein- same Veranstaltungen.

Um den begonnen und schon weit geförderte» Bau $tt vollenden, ist noch eine Rest summe auftubringrn. Wir

Nachdruck verboten.

Germaine Ruscher.

[ Ein Eljatz-Roman. Von Christian Bouch Holtz.

i ) 17. Fortsetzung

„Ist fit etwa gut zu mir, wo fit mir einen Boche inS Nest setzen will, um mich nicht nur vor der Stadt und b.’t Verwandtschaft, sondern vor dec ganz?» Kunll- schafi zu blamieren? Außerdem diese prachtvolle Par­tie! — Sieh mal, Germaine, du bist eine vernünftige T cht r, du bist ein Mädchen, mit dem man re. en kann. Du hast Grips im Kopf. Ich bin stolz darauf. Tu hast die nicht das Köpfchen durch blödsinnige Romane derdrehen lassen wie deine Schwester. Dit Schrift- sieller, das Gelumpe, müßte man allesamt im Lack er säuft», und zwar dann, wenn Salzsäure im Abwasser ist.. Ich werde dir von meint» Lebenstrfahrungrn erzählen. Zu dir kann man darüber rede». Alice bekommt hysterische Krämpfe, wenn man sie darüber belehren will. Sie ist schlimmer alS deine herrschfüch- tige Mutter. Doch das sag« Madame nicht wieder. Also: das schlimmst« bei einer Ehe ist die Liebe."

Germaine lachte heiter.

„Im Ernst, eS ist so. Der Geesichtspunkt, unter dem eine Ehe geschlossen wird, dürfte nie Liebe fein. Die Ehe ist eine praktische Einrichtung für Lebens- dauer. (Selb, Geschäft, gesellschaftliche Stellung spie­ßen dabei eine Hauptrolle. Liebe und gar LeLenschast find wie dir Pflaumen im (Satten, sie knospen, blühe» auf, bringen Frucht und falle» faul vom Baum. Lei- d-nschafc frißt sich selbst auf. Währt Wochen, Mo­nate, hat sich bann aber selbst verzehrt. Lieb« vet- trägt sich nicht mit Ehe."

„Aber was nennst bu Liebe, Papachen? Geistige kympachie, körperliche Sinnlichkeit?"'

! „Red' nicht so akademisch, ftllette! Gibt es get- fige Sympathie allein? Sie ist immer gleichzeitz kör- tziüich, Aljq höpe weiter: Leidenjchast in der Ehe

vernichtet die Ehe. Je fremder sch in der Wesensart it Eheleute fin, umso besser. Man kommt sich nie zu nche Eheleute sollte» stets einander Sie sagen, tri: da? in Pari« Mode ist. Aber ich schweife ab. In früheren Zeiten war es einfach das Recht bet Väter, ihre Kinder so zu verheiraten, wie sie es wollte». DaS wa«» praktischere Zeiten, in denen man mehr wußte do» dem Wesen der Liebe als heute. D"r heutig?« Zeit fehlt es an Sachkcnutn'S. Und jetzt fell ich aller well erfahrener Mann eS mir mit anfthen, wie sich meine Tochter ins Unglüjck stürzt? Zuerst die Lei- densck ast, dann die Armut, wo sie doch fo venoöhnt ist, dann — meine Tochter in be» Armen eines Boche! Wenn ich wüßte, sie will sich auS dem Fenster wer­fe». würde ich sie hinter ein Gittttsehen und einschlief fr» Ich handle in diesem Fall nicht anders. Sonst würde sie mir in zehn Jahren die bitterste» Vorwürfe machen Stellt sie sich auf den Standpunkt, sie will den Boche heiraten, so stelle ich mich auf den Stand­punkt : sic muß Robert heiraten. Wir wollen schen, wer feinen Kopf durchsetzt, sie oder ich. Heiratet sie den Boche, fliegt sie auf die Straße unb bekommt keinen Pfennig aus meiner Tasche"

Germain« streichelte dem Bater den Kopf: „Bist bu fettig?" lachte sie. „Du hast also gesprochen und ich habe vernünftig zugehört. Willst du auch mir zu­hören?"

„Sprich, Sprich!"

„Laß sie ihrem Geliebten, ich' heirate Robert."

„Du? — — Tu? — —" Fabrikant Röscher sprang auf, packte seine Tochter bei den beiden Schul­tern und schüttelte sie. „Du kleiner Wurm wilst dich für die Schwester opfern? Tu?"

griff sich an de» Kopf, ließ sie loS, schritt erregt durch das Büro, griff nach einer Papierschere und schlenderte sie zu Boden. „Nichts da! Seine Röhrgeschichten! Tu bist »och zu jung. In drei Jahre» kannst du ben Ehegebanke» spinnen. Oder — kennst du Robert schon? Liebst du ihn? Aber daL iß ja Unsinn, Du willst die Beine Märtyrerin

spieen Alft kein Wort mehr darüber. Ich habe mit D be n ii cb «macht: R b rl und Ali e unb nicht Ro­bert unb Germaine. Robert gehorcht, unb meine Tocktn soll nicht gehorchen? Komme mit also nicht mehr mit solch raff ni r em Handel. Du ble bst noch schön bei uns und wartest deine Zeit ab. Für dich muß sich noch etwas Rechtes finden. Ich habe gearbeitet, mein Lebtag, Germaine, habe aufgebaut, aufgebäut. und ich will, daß durch meint Kinder weitergebout wird, verstehst bu? Es soll mir nicht von meinem Kind baß Gebäube demclkrt werden, bas ich Stein ans Stein im Schweiße meines Angesichts errichtelr. Alice will demolieren, bas ist-, was mich schmerzt. Unb nun Schluß. Bring mir be» Kaffee unb den Kirsch, be» ich vor Aerget nicht getrunken habe. Du bist ein rührendes Kind "

Et gab ihr einen Kuß auf bie Stirn unb schob sie hinan-

Tann lauschte er durch die offene Tür auf ben ung heuten Lärm der Fabrik auf bas Stampfen, Klappern, Hämmern, Sause», Zische» bet Webstüh'e und sckirurtenben Spule», auf bas bonnttnbe Getöse bet Arbeit, unb ein bitterer Geschmack kam bei» trotzi­gen Mann auf bie Zunge.

Tausend Arbeiter parierten seinem Mnk. Und bie eigene Tochter

Ostersonntag.

Tags zuvor hatte es geregnet Aber heute wat trieb«t blendender Sonnenschein, nur einige windge­triebene Wolke» am Himmel. RüschrrS fuhren früh morgens um 8 Uhr im Krümperwagen ab, die bre> Stunden Landstraße durch bidjte, schattige Wälder hinauf zum Ottilienkloster. *.

Aber die Laune unterwegs war nicht bie beste.

Alice saß bekümmert unb teilnahmslos in der Wagenecke. Sie sah krank aus, blaß, wenig vorteil­haft. Sie gab sich auch keine Mühe, vorteilhaft aus- zufthen. Germaine hatte es fertig gebracht, die Schwe­ster die sich mit aller Energie dagegen gewehrt hatte,

zum Mitfahren zu bewegen. Aber jetzt, wenn sie sie an» sah — gealtert um Iahte in ben letzten Wochen — packten sie Gewissensbisse: Alice hätte zu Bett bleiben sollen. Sie war wirklich krank. Die Eltern, sonst nicht fenfibd, sch euen sich selber Vorwürfe zu macken« Sie behandelten Alice mit aller Schonung, wie eint Leidend« Nur einmal dachte dec Fabrikant Rüschecr „Sie nimmt wahrbaffia die Maske einer Sklavin an, die man verkaufen Weill!" und warf ihr einen böse» Blick zu, unter dem Alice zusammenschauerte Abel er sparte sich die Bemerkung unb würgte bie Galle her­unter. Bater Rüscher suchte sich selbst über bie Unge­mütlichkeit bet Fahrt durch Witze hinwegzntäuschott. Die äiteilen Kalauer kramte er aus und lachte selbst am lautesten darüber. Mutter RüschorZ Gesicht blieb zu ben Sckerzen steinern, als habe sie einen Haß auf ben Gemahl. •

Für bie Pferde war bie Fahrt mühselig. Die Straße stieg anbauernd. DaS Kloster, hoch thro­nend aus abstürzendem Waldbetg, lag über 1000 Meter hoch. Die Waldstraße führte nach zwei Stunden auf die große Autochaussee. Mes« bot ein 53t(b, wie man- es nur bei bet Anfahrt zu große» Rennen gewohnt ist, nur daß die Pferdedwschken unb Autos schnecken­artig langsam ben steilen Berg hinauskrochen. Bnn-, teste Toiletten tn allen Wagen. Die Damen öffnete» und schloffen ihre vielfarbigen Sonnenschirme, und bie Kutscher schlugen aus Le besktüf.en unter Geschrei und Geschimps auf ihre Pferbe ein. Traben über be» schwarzen Wäldern auf bet felsigen Bergspitze leuch­teten bie großen Klostergebäube weiß in der Sonne« Schon ziemlich weit vor bent Kloster mußte man ab» fttigen, ben bie Wagen reihe seitlich an ber Straße roal heule über einen Kilometer lang. , j

(Fortsetzung folgt)

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