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MerhcMche Atun

Zwettes Bsarr

Nr-. 28

Sonnabend, 2. Februar

1924

Sie Srüite Des WSml«.

Zum Tode Lenin».

Von Dr. Heinrich M a t a j a, Wien.

In der russischen revolutionären Bewegung sind fast von Anfang an immer zwei grundsätzlich ver­schiedene Richtungen einander gegenüber gestanden. Die eine Richtung war antidemokratisch: Alles für das Volk, aber nicht durch das Volk, sondern durch uns, seine revolutionäre Elite. Dieser Streit wurde nicht nur praktisch durchgeführt, sondern auch theore­tisch, wisienschastlich, in Briefen, Zeitschriften, Bü­chern, in den Beratungen und Kongressen, in den j Versammlungen und Organisationssitzungen der re­volutionären Parteien auf russischem Boden und im Ausland, in den nächtelangen Diskussionen von Venen Tugeniew behauptete, daß sie nur im russi- j scheu Volk möglich sind. Diese unendlichen Ausein- ‘ andersetzungen führten zu einem Doktrinarismus, : der uns unerträglich scheint, aber sie haben nicht nur d-e Dialektik der Revolutionäre ungeheuer aus- tzebitdet, so daß sie feder Debatte gewachsen waren, sie haben sie auch dahin geführt, die Anwendung ihrer Grundsätze auf alle möglichen Verhältnisse des praktischen Lebens zu diskutieren, so daß sich doch wenigstens eine Vorstellung von einem Leben unter der Herrschaft jener Prinzipien machen konnten, die tatsächlich nur in ihren Köpfen und Büchern existierten. Wenn dann später das Leben den Le- 6en den Bolschewiken ganz andere Probleme aufzu- lösen gegeben hat, als sie an den Tischen der Emi­granten in Genf und Brüsiel aufgeworfen wurden, Probleme, die sie nicht zu lösen imstande waren, so waren doch die Grundzüge einer sozialistischen Ver­waltung für sie keine ganz verschwommenen Gebilde und sie konnten in dem Chaos des Umsturzes doch eine Art von Verwaltung einrichien. Dabei wa­ren genug Leute unter ihnen, die „ins Volk" ge­gangen waren. Das war auch eine bestimmte revo­lutionäre Doktrin, die den revolutionären Jntelli-- genzlcrn vorschrieb als „fliegende" Agitatoren über Land zu gehen oder sich unter Bauern oder Ar­beitern anzusirdeln, mit ihnen zusammenzuleben, sie zu beeinflussen und zu gewinnen. Zn dieser jahrzehntelangen Uebung lernten sie, daß der riis- - fische Bauer jede politische Propaganda ablehnt, und daß ihn ein einziger Wunsch beseelt: Mehr £aiib und vor allem das Land des Gutsherrn' Aus dieser Erkenntnis entwickelte Lenin seins Tak­tik gegenüber der russischen Bauernschaft. Die po- Mische Interesselosigkeit und der Landhunger der hundert Millionen russischer Bauern sind einer der Grundpfeiler der bolschewikischen Herrschaft.

Auch für das zaristische System war dieser in­dolente russische Bauer ein ungeheuer bequemes Element gewesen. Der rührte sich nicht und •* haftete, verprügelte, erschlug wohl gar den „Weitz händigen" sJntelligenzlers, der als revolutionärer Agil ator zu ihm hinauskam. Der ganze Haß der zaristischen Apparates richtete sich gegen diese zum überwiegenden Teil eben der Intelligenz entnom­menen Agitatoren. Untereinander lebten diese häufig in der bittersten Feindschaft und diese Feind­schaft hat sich ungeschwächt auf die Emigranten- ftceise übertragen. Zwischen diesen meist bettel­armen, existenzlosen, von einem gemeinsamen Feind in die Fremd« verjagten Menschen, die vielfach die zaristischen Gefängnisse, das zaristische Sibirien und die zaristische Knute kennen gelernt hatten, deren nächste Verwandte diesem System zum Opfer ge­fallen waren, die haßten einander mit einem vol­len, satten Haß. Sie haßten einander, während sie sich im Ausland herumtrieben, sie haßten einander.

Nachdruck verboten.

(Sermahte RSscher.

Mn Eljaß-Roman. Von Christian BouchHoltz

S. Fortsetzung

' Endlich das Griechische. Nir hatte Andrer eine Homervokabcl gelernt. Er hatte stets — der Herr Di­rektor gab selbst den griechischen Unterricht — au5 tinm „SchmSkcr", der hinter bem Rücken des Vorder­manns versteckt war, vorgelesen. DaS hatten bei dec Kurzsichtigkeit des guten Ordinarius natürlich d'e wei- -n getan Beim Examen stellte es sich erst herruS, welch ein seelenguter und durchaus nicht weltfrem­der Mensch der so viel geschmähte Dirrektor war Er hatte schon eirqe Woche vorher die Schüler aus die Stell: n aufmerksam gemacht, die $itr Uebersetzung beim Examen in Betracht kämen. Die Vokabeln wurden mst Bleistift in den eignen Büchern darüber gekritzelt. Am Morgen des Examens hatte der Direstor den Befehl gegebne, sämtliche Homerbücher in einem Korb z» sammeln. Dieser Korb wurde v,r dem Lehrerzim­mer aufgeflÄlt, kurz bevor der Oberschulrat kam, mitten unter die übrigen Körbe mit klassischen Werken, die fir die Uebersetzung bestimmt waren. Und zwei Stun­den nach dem Einsammeln konnte jeder sein eigenes Buch mit dem Geheimgeschreibsel und den Aufklä­rungszeichen selber wieder heraussuchen, bevor er ins Konferengzimmer trat. So schnitt der Direktor mit Seiner Klasse natürlich am besten ab.

Nach der Prüfung im. Griechischen war Gramen?» sschluß Die bestanden hatten, wurden nach einstim­miger Beratung hereing-rufen. Madame atmete in ihrer Portierloge tief auf. als sie den Namen ihres i Ressen durch den Flur rufen hörte. Beinahe wä-e i fte der Pförtnerin um den Hals gefallen. Eine deutsche Ma-orsfrau in strengstem Schwarz mit einem etwas ' peisen Reithut ging schon seit drei Stunden vor bet 1 Loge aus und ab und wartete. Ms sie den Namen tjü? Sohnes vifen hörte, verließ sie beruhigt und so-

als sie nach der Februarrevolution von 1917 nach Rußland zurückkehrten und der Hatz blieb unver­mindert, als die Bolschewiken alsdann zur Herr- sihaft gelangten. Diese furchtbaren Verfolgungen, denen gerade sozialistische Gruppen und Per­sonen in Sowjetrutzland ausgesetzt sind, haben wohl in vielen Fällen an einem Kaffeehaustrsch in Lausanne oder in London ihren Ausgangspunkt genommen.

Diese Zwistigkeiten der Revolutionäre unter­einander änderten nicht» an ihrer gemeinsamen Verfolgung durch die zaristische Macht. Es war ja auch zu ärgerlich, im ganzen Reich wäre alles in Ruhe und Ordnung gegangen, wenn nicht eine Handvoll Intelligenzler immer wieder versucht hätte, das brave Volk zur Revolution aufzuwie- oeln. So malte sich das Bild in den Köpfen der dritten Abteilung, der Generale und der Gouver­neure. Mit dieser Handvoll Intelligenzler würde man doch noch fertig werden. An den Galgen mit ihnen, in die Bergwerke, auf den 8800 Kilometer langen Leidensweg, nach Sibirien! Die Gegenwir­kung konnte nicht ausbleiben. Das Volk, das man befreien, sollte, hielt zum Väterchen Zar und schlug seine Befreier tot, es verlor seinen Nimbus in den Augen der Revolutionäre, und gegen die herr­schende Schichte entspann sich die Blutrache. Diese herrschende Schichte übertrug ihren Haß gegen die revolutionäre Intelligenz auf die Intelligenz über­haupt. Studenten, Professoren, Schriftsteller, alles das waren in den echten russischen Kreisen an­rüchige Berufe. So wurde die Intelligenz mehr cder minder zu den Revolutionären hinüber ge­trieben. Begabung an und für sich war verdächtig, Selbstständigkeit ein Verbrechen, und je mehr die russischen Revolutionäre sich zur Propaganda der Tat entwickelten, desto sckärser wurde der Kampf der Negierung gegen die Intelligenz und desto mehr fand die Intelligenz die Gewalttaten entschuldbar oder doch verständlich. Die ungeheure Unterstützung, die in diesem Verständnis^ in dieser Entschuldigung liegt, haben die Bolschewiken der Intelligenz nicht gelohnt Im Vergleich zu einem Professor hn heu­tigen Rußland war ein Profeffor im zaristischen Rußland ein freier Mann und ein glücklicher Mann. Lenin war von allem Anfang an ent­schlossen, diese bürgerlichen Schichten zu benutzen, sie arbeiten zu lassen, aber im entscheidenden Augen­blick sie nicht um ein Haar besser zu behandeln als irgend einen zaristischen Polizeichef. Diese anto- gonistischen Schichten hatten keine Ahnung davon, daß sie einmal von den nämlichen lettischen und chinesischen Henkern ins Jenseits befördert werden würden. Es war ihnen nicht klar, daß sie unter­einander dasselbe tragikomische Spiel aufführten, wie die einander befehdenden Revolutionäre.

*«

5)er furchtbare Druck des zaristischen Systems hat in Nußlaird seit ieher das Entstehen geheimer Gesellschaften geradezu erzwungen. Das ist die sogenannte „Podpolja", die unterirdische Bewegung. Zu diesem System wurden schließlich alle Revolu­tionäre gezwungen und dieser Umstand war ein fast unwiderlegliches praktisches Argument für die, die sagten: „Für da» Volk, aber nicht durch da» Volk." Wenigstens für das Stadium der Revolution un­widerleglich. Man konnte gar keine Massenorgani­sationen schaffen, man konnte nicht trachten, die Majorität der hunderffünfzig Millionen Unter­tanen de» Zaren auf seine Seite zu bringen. Man mutzte Leute haben, die Gefängnis, Tod und Folter nicht scheuten, mit anderen Worten, eben die revo­lutionäre Elite. Dazu kam noch die Verbindung

fort das Schulhaus, nicht ohne einen etwas hoch- nöffgen Blick in die Loge des Pedells nach Madame Lenz geworfen zu haben, die sich auf eine Stufe mit Die»!?boten stellte.

Im ffonfewm^immet teilte man den jungen Leuten mit, dop man sie für reif befunden Hube. Nur zweien ihrer Mitfckül rr habe men das Zeugnis verweigern müssen und .zwar Ihtrt Karsten, obnchl er sonst ein so ausgezeichneter Schüler sei — in Mathematik habe er vZlltz versagt und habe nicht einmal das dritte Ge­bot gewußt, — und dem mach dedanernSw-rteran Ehe,rles Eequekiouot, der sich redliche Mühe gegeben habe, aber kränlich fei Der Oberschulrat bemerkte dazu' .Das ist de», der in kurzen Hofen gekommen ist? Was -"

Beim HerauSgehe» drückte der Direktor Sichrer kräftig die Hände

„I hab' gmeint," sagte er auf schwäbisch, cha rasselschz mit Glanz durch. N», i gratulier ;dem famose Abitur, ’• war vier e »agnehm/ Entmi­schung."

Mit stolz gerundeter Brust trat Andree vor seine Tante: „Der Tii*ktor und ich haben Freundschaft geschlossen! Er hat mir gratuliert zu dem guu« Exa­men *

Madame und Andere verließen cilendS da» Gym- nasialgebäude, um Lucian Brant aus seinem Bangen zu reiten. Sie sanden ihn im Kaffee in tiefstes Brü­ten versunken, den Kopf in die Hände gestützt. Als er die beiden guter Dinge hereinkommen sah, zwei­felte er noch immer. Denn Anoree wäre nicht we­niger lustig, vielleicA heiterer noch heeeingeksmmen, wenn et durchgefullen wäre. Madame aber aickre schon ton weitem.

„Bestanden?" fragte Brant.

„Dnrchgesallen", machte Andree ei» betrübt»? Ge- sicht

„Hast du eilte*, häßlichen Tharakker," sagte die Tante, ernstlich böse, „wo man sich so viel Mühe mit dir Tauge nichL gibt! Also, Herr Lucian, ich gradiere

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mit den Emigranten im Ausland, das unaufhör­liche Hin- und Zurücktragen von Nachrichten, Fra­gen, Befehlen und Signalen, das Eiufchmuggeln von Ballen um Ballen von Propagandaschriften, und dies alles bei der ungeheuer scharfen Aufsicht und Kontrolle der russischen Behörden. Alle Zere­monien der Patzrevision, die wir sonst erst feit 1914 kennen gelernt haben, waren in Eranica und Wir­tallen schon vor dem Krieg etwas Selbstverständ­liches. Einen russischen Patz auf reguläre Weife zu erlangen, war nur für den neunmal Durchgesiebten möglich. Aber du lieber Eott! Um wieviel war ter Mut und der Scharfsinn der russischen Revolu- iionäre den russischen Behörden überlegen! Zn dieser viele Jahrzehnte langen Schule haben die Bolschewiken die Verschlagenheit, die Verstellungs­kunst, die organisatorische Gewandtheit, die All­gegenwart und Unauffindbarkeit gelernt, die die kommunistische Propaganda heute in der ganzen Welt so gefürchtet macht. Sie rechnen weder in Rußland noch sonstwo auf die Massen, und wenn die Wcltrevolution nicht gelungen ist, so geben sie die Schuld daran nicht den Völkern, sondern den kommunistischen Parteien in Deutschland, Frank­reich, Italien usw. Sie haben ja in Rußland ge­zeigt, wie man mit einer Handvoll Menschen ein Hundertmillionenreich revolutioniert, und wenn- die anderen das nicht zustandebringen, so sind sie eben unfähig. In ihrem furchtbaren Kampf gegen die zaristischen Machthaber haben aber die Bolschewiken auch noch etwas anderes gelernt, die vollständige Gleichgültigkeit gegen das als notwendig erkannte Mittel. Diese Leute haben Jahre und Jahrzehnte so Unerhörtes mitgemacht, so Unermeßliches er­duldet, daß die, die nicht zusammengebrochen sind, verhärtet sind. Man kann wohl annehmen, daß die Exekutivorqane der Außerordentlichen Kommission zum großen Teile bestialische Geschöpfe waren, denen das Meer von Blut und Tränen, das sich über Rußland ergoß, ein teuflisches Vergnügen be- reitete. Dygegen ist es viel schwieriger, sich ein Bild der Psychologie ihrer Auftraggeber zu machen und aller derjenigen, die um die Hölle wußten, die die Kommission in Rußland aufgerichtet hatte. E» ist mir nicht erinnerlich, daß die sozialistischen Par­teien, solange der Terror gegen das Bürgertum in Rußland wütete, so flammende Worte des Protestes und der Verurteilung gefunden hätten, wie gegen den weißen Terror oder gegen den faschistischen ~erröt,, der, an jenem Terror gemessen, doch nur ein Stäubchen gegen einen Berg ist.

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>2llle diese Tatsachen der Entwicklung haben dem Bolschewismus die Fähigkeit gegeben, die Herrschaft an sich zu reißen und zu behaupten. Selbstverständ­lich konnte diese Fähigkeit nur auf der Grundlage bet historischen Ereignisse, auf dem Boden wirksam werden, den die lange Kette der russischen Revo­lutionen seit 1825, den insbesondere die Revolution von 1905, den der moralische Zusammenbruch der russischen Gesellschaft, wie er sich namentlich im russisch-japanisch m Krieg äußerte, vorbereitet hatte. Richt minder selbstverständlich ist es, daß die Tat­sache, die Dauer und der Verlauf des Weltkrieges die Voraussetzung der Oktoberrevolution von 1917 gewesen sind. Aber alle diese Voraussetzungen kön­nen uns die diktatorische Herrschaft der Bolscbe- wikeir über Rußland nur sehr schwer begreiflich machen. Um auch nur den Versuch zu machen, diese» Phänomen zu verstehen, muß man die revolutio­näre Entwicklung in Rußland pragmatisch und psy­chologisch in sich auftunehmen trachten. Auf dieser Folie tritt uns die überlebensgroße Gestalt Lenins entgegen, an dem vor allen andern eine Eigenschaft

Ihnen Denn Sie haben es fertig gebracht. die,en Nichtsnutz durckziihek-Minen Das ist ein ^oiteswun- btt! Denken Sie sich, — sogar der Direktor hat ihm die Hand gedrückt."

Da atmete der blasse Lucian auf und fiel erleichtert ans seineii Stuhl zurück.

gottlob!" seufzte er kejrrft. Nachdem er Ma- dames Hand geschüttelt hatte, schüttelte er Andrees H«nd und wußte seine Freude nicht anders auszu- drücken als mit den Warten: „Jetzt sind wir nicht wf>r L h-er und Schüler, s-d-rn K-liegea. Studenten. Alle beide Sagen wir uns du!"

„Du Mons cur Lucian."

„Lucian gong einfach."

. Ah. Lucian, gehörst du .auch der Asss.iation des etudiants-alsc-ci ns l rrains an?"

„Auch? Nein, ich gehöre keiner Verbindung an! W-'llst du wirklich etwa dieser chauvinistischen Ver­bindung bei treten?"

„Natürlich. Heute abend schon. Heut wird ge- ftftri Uno du machst mit. Meinst du,i ch will zu den Korpsstudenten, mir das Gesicht zerhacken lassen wie ein Neger?"

Brant schwieg.

Heute atzen sie yi viert bei „Dallentin", einem Straßburger Schlemmertokal. Vater Ruscher, ob­wohl er in Wirklichkeit nicht sssnes Sohne» wegen nach Straßburrg gefahren war, hielt es der Anteilnahme der Tante Leng und Brants für angem-sse, etn tceutg zu feiern. Und nach dem Psirfisch Melba, als mau im Vestibül den Kaffee mit Kirsch nahm, schenkte er einem Sohn und Brant je eine -Schachtel Ziga­retten In jede Schachtel harte er einen Hundert marssckein eingeschoben.

„Also umüfiert euch gut heute Abend!" lachte er. „Was habt ihr vor?"

Andree sagte dem Vater, er wolle bei der eüfässi- djen Studentenverbindung eintreten, die sich kurz Asso­ciation nannte.

„Gut, mein Sohn!" meinte der Beter, „Rar

ins Auge springt: die intolerante Hartnäckigkeit, mit der er an jedem Detail seines revolutionäre* Konzeptes (nicht seiner wirtschaftlichen Orientte» rung!) festhielt. Jene Eigenschaft, die, wenn fit nicht berufen wird, sich an leitender Stelle aus$u» wirken, als Borniertheit der Lächerlichkeit verfällt, und dis als das untrüglichste Zeichen des handeln­den Genies gerühmt wird, wenn es ihm gelingt, die Ereignisse des wirklichen Lebens nach ihre« phantastischen Einfällen zu modeln.

Sie MtMlIiik der bemitls.

Moskau, 31 Jan. Auf dem Allrussischen Rä-e- konareß hielt der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Bolkskdmmissare Kamenew eine große Rede über die Tätigkeit der Regierung in der Sowjet-Union zur aus­wärtigen Politik. Er führte u.a. folgendes ausr

Der charakteristische Zug der gegenwärtigen Sage ist der B ankerott des Versailler Friedens aitge- üchts der Unmöglichkeit, die europäische Mttschast in den Grundlagen wi-d-r herzustellen und bis sich verschärfenden Gegensätze zwischen den Siegern auszugleichen. Aus diesem Hintergrund wächst die Macht bei Sowjetstaate-, der weder mit den Siegern, noch mit den Besiegten gemeinsame Sache macht. Die efon der Sowietregierung verfolgte Politik des Friedens, des Ab- wartens und der Geduld, die auf dem Bewußtsein beruht, daß dec Wiederaufbau der Weltwirtschaft obne die Mit­arbeit der in der Sowjetunion vereinigten 130 Millionen Menschen unmöglich ist, führte zu dem Ergebnis, daß in allen Ländern da» Interesse an der wirtschaftlichen un­politischen Mitarbeit mit den Sowjetrermbliken wächst. Was England betrifft, so gibt sich die Sowietregierung anläßlich der Machtergreifung durch dir Arbeiterpartei kcinj-n falschen Hoffnungen hin. Da sich MacDonald nicht nur auf die Arbeiter stützt, so machen sich schon Be­strebungen bemerkbar, die von den englischen Arbeitern gewünschte vorbehaltlose Anerkennung Ruß­land; aufzubaltrn,- die Sowictrcgiccung will hoffen, daß Mac Donald die von den engl scheu Arbeitern über­nommene Verpflichtung erfüllen wird.

Der Kongreß begrüßte die Mitteilung Kamenews über den erfolgreichen Fortgang der russisch-italieni­schen Verhandlungen, über dir mögliche boldise Unterzeichnung eines Vertrages und über die bevorstehende vollständige Anrrkemmng Sowjetrußlcmds durch eine italienische Negierung beifällig.

Mit Bezug auf Frankreich erklärte Kamenew, daß die Befürchtung Frankreich; in der WiÄ>erausnahme der Beziehungen zu Rußland hinter den anderen TOiertew zurückzublriben, der wahre Grund für eine gewisse Schwenkung der französischen Regierung gegenüber der Sowjetregierung sei. Unter Bezugnahme auf die Blättermeümngeu über die Ver­mittlung, dir Benesch übernehmen haben soll, wies ' Kmnemtv darauf hin, daß nach Ansicht der Soivjetregf»- rung unmittelbare Besprechungen rationeller und furcht­barer sein würden und fagte weiter: „Tic Sowjetregierung ist bereit, die wirtschaftlichen Fragen, deren Ungelöstbeit für beide Teile schädlich ist, fachlich zu erörtern. Wir waren gezwungen, einen Teil unserer Handelsvertretung aus Frankreich nach England zu überführen. Frankreich muß aber begreifen, daß die Nationalisierung, eine vollendete Tat fache ist. Unsere Rotarmisten vergießeu nicht ihr Blut im Kamps mit d-n Jntervenrio- nisten. Wie kann sich ein Gericht an der Seine erlauben^ ihre Eroberungen als nicht bestehend anzusehen? Im Be- mißt fein aber der beiderseitigen I n u-essen an den geschäft­lichen Beziehungen sind wir k Augenblick zu Verhandlungen bereit.

Auf Deutschland übergehend, bestätigte Kame­new, daß die Festigung freundschaftlicher Beziehungen und wirtschaftlicher Ver­bindungen mit Deutschland eine der Grundlagen der Politik der Sowi.etre- gierung bleiben werde. Die Söwietregierung kannte nicht an der Krise, die Deutschland im Oktober und November erschütterte, vociibernehcn. Eine Be­wegung der französischen Truppen ins Innere Deutschlands würde die Grund­lagen des internationalen Eleichge-

nicht diese abscheulichen „Schmiß", diese Stehkragen bis unters Kin« und diese Gangart, als habe man einen Laoestock verschluckt. Das ist unnatürlich unb un- ein Bei der Association bist du zu Gast? Ihr ge­hören alle Söhne aus den guten elsässischen Frmi- l en an, besonders die studierende!! Söhne der Fabel', kanten. Tas gibt nützliche Verbinoungen. Und Sir gehen mit, Monsieur Lucian?"

Brant hatte nicht mitmachen wollen. Aber jetzt, wo der Sekt chn in gute Stimmung gebracht hatte, agte er zu. Er kau wie eigentlich die Sitten dieser Sorte von Studenten nicht. Warum sie nicht kennen­lernen? Der -Besuch war unverbindlich.

„Willst du nicht auch mit, Papa?"

„Ich esse mit EeschästSsveunden und fahre bann nach Masseln zurück. Du kommst mir auch in den nächsten Tagen nach Hause. Verstanden? Und Herr Brant kommt mit, wenn cs ihm Spaß macht."

Die jungen Leute vcrabrredeten sich für abends in ein Kaffee. Andree verspätete sich natürlich Er kam mit drei seiner jungen Freunde an, die bereits der • Association angehörten, denen man die Sarglosig- Bete aus den Augenlos. Sie trugen weder bunte Mützen, noch Bänder, noch Merzipfel. Brant bemerkt« an ihrem Häirdedruck eine Zurückhaltung. In ihren Augen flanS die Frage: „Meinst du es auch ehrlich mit uns? Bist du kein Spitzel^ Ein namenloses Mißtrauen hatten seinerzeit die el äss schen Studenten vor dem Spitzeltum. In jedem harmlosen Deutschen, der mit besten Absichm, ihnen entgegenkam, allein um der Idee des Ausgleichs willen, sahen sie einen Spion.

Brant fühlte die kalte Reserve. Er sah, baß zwei Freunde Andrrees bi sen beiseite nahmen und mit ihm flüsterten. Er bdrte sogar die Worte:

„Mr haben ihn mit Deutschen zusammen gesehen. Sogar mit einem deutschen. Hauptmann"

„Ach was! Er hat dem Sohn des Hauptmanns Privatunterricht erteilt,"

, (Fortsetzung folgt.)