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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher_kurheMche) OSexhesfen

tt 20 S,MU*

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1924

$oRube«t»ete: Kt. 6616 «art RteaKu« «. «et*.

Di»ObetbeWA« Zeit»»-" ed<6elxt *ö*eatll*. Scjagsatet« 16.31. t

1,40 S att eiulchttetzllch Zustellungsgebühr. anttoUeabe Rammet« inwlge

______j oo. eiemeat. ittigntiie leie Eriay. Vor az von Dr. C. 61 retb. Dreck »et Uatv. - ««»dreckeret v»a Job. »U »mH. $t«t?t - ÄetewTttbec 55.

Marburg Donnerslog. teil 24. Zmv «ertewe

Der »a^igenpre«, beträgt kSr bea »gesp. Zetteamtllimewt 0M «olbrnark. «»tttcke u.

ausw8rt «metgta OJO (SoUmatl «et ichwier.-atz.=>Oef,«nfi*Iag. Semmelametg. 100 Sy IftRH

«ufiAla«. f etlamex 0/J0 6>elbm«rt Jeder «abalt gilt al, «artebatt. «»lege werden berecbeet »beul« »e,Fünft but» et» ffiel<t>äfteftetle and Zeiendnirg der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagt« (1 Dollar 4^0 Eoldmarkl, «eittbnuno na» dem Berliner "Dattel« tat* de, Zablang« eiwgeaestage». «erzagrztift»« pra Tag nach dem vaakzlnrkutz

t; 3ii lole £eal«5.

[ Schon seit mehr als einem Jahr bat die russische [ «rvtet-Regierung lernen müssen, sich auch ohne Lenin tu i j^etfrn Deshalb wirb der wirkliche Tod diele.? Mannes, [ Itt feinem geistigen Ende in mehr als Jahresfrist nach« V feiet, zunächst sicher keine großen Verwicklungen in dem > Krttiebe der Moskauer Gewaltherrschaft Hervorrufen. * nan wird sich über die unmittelbare Nachfolge Lenins sicher flretten. Bisher ist Lenin durch en, TreiMSnner«

1 tzllegium vertreten worden, nämlich durch Stallin, Ti« Itaoietv und Kamenew, von denen aber keiner berufen« scheint, die Erbschaft LeninS in der Macht «nzutreten. Ker Nachfolger aber wird sich finden und die rnsfische geroiffregier,,ng wird ihr Dasein wohl auch noch eine Kstkang weiter fristen. In ihren, Sera ist sie aber schon ftwer getroffen, und zwar n»cht erst durch den Tod Senin«.

Die Laufbahn Lenin» weist eine ganz ftirze Manz« : zeriode auf. Im Jahre 1917 erzwang dieser Mann sich tcnh die Revolution dir oberste Regierungsgewalt nach« fern er jahrzehntelang das Dasein eine? russischen Revc« Lhfoner« als gehetztes Wild geführt hatte. Dann rich- ! trtt er mit Hilfe von Feuer uitb Schwert, mit einer Grausamkeit und einem Terror so,dergleichen die foin> Mmstische Gewaltherrschaft ein und glaubte wohl damit ? rtMs Meidendes zu schassen. Aber schon ehe er geistig I piammenbrach, mußte er einsehen, daß sein Kcmmunis« 1 «nis ein vollkommener Fehlschlag war. Schon Lenin ! j« wieder auf die Bahn des kapitalistischen WirtschastS« Wms zirrückgekehrt. Er hat den Dauern die Eigen« viitschaft und den Eigenveckauf ihrer Erzeugnisse zurück« I gegeben. Qteti sonst der Bmiernausstond gegen seine Herr« schäft unvermsdltch gewesen wäre. Er hat ferner die Handelsfreiheit bis zu einem gewissen Grade wirser ein- zefShrt und er hat dem ausländischen Kapitalismus ein Lßerordentiich großes Betätigungsfeld in Rußlaick et« Met. Alles das waren Konzessionen an einen Der» faxten Gegner. Cs wären Sünden rotort den Geist te» Kommunismus, wenn man in der tyrannischen Herr« schäft LeninS überhaupt Spuren eines Geistes entdecken dun Lenin mußte diese Zugeständnisse machen, wenn nicht die eiserne Fessel, in die er das russ she Wnt'Lafts- i kten geschlagen hatte, auch ihn und leine ganze Herr« j-afts-Organisation zerrvrücken und zermalmen sollte.

Co haben sich die eisernen Klammern, mit denen Lenin, hin HerrschaftSgebäude anwugS zusammenhielt, schon flt einiger Zeit erheblich gelockert. Der Kommunismus ter Sowjet-Regierung bestand ergentlick nur noch in der Lüiberrschatt der Kaste, die sich als organisierte komm«- [ Esche Part«' die -Vormachtstellung gesichert hatte. Aber »ich hier sich in der letzten Zeit schon bedenkliche ' Löse. Der Leyrstreit innerhalb der russischen Kommn- testen nahm in den letzten Monaten zeitweise die Form i teuer erbitterten Fehde an, die das Auskommen eines = Jenen Geiste» auch in diesem wichtigsten Organ der . Towjethrrrschaft bewies. An dieser Spaltung trug die ! Erkrankung LeninS die Hauptschuld. Bis zu feinem geisti- i Fn Zusammenbruch hatte er als anerkannter Papst der Tsvietrepublik die bindere Lehrmeinung verkündet. 8ab damit war da» letzte Wort gesprochen Äs er sich nicht »ehr hören lassen konnte, fing der Zerfall an. Erne Truppe von Unzufriedenen verlangte nach größerer Be- ttegungsfrsiheit. Sie wollten nicht mehr aus den alsoln.en Eigen Treueid der Parteileitung verpflichtet sein, son- tefii bekannte sich zu den Grundsätzen der Presse« und Teo-t>kft-:rfre»heit und ähnlichen Ketzereien. Am bedenk« lichften war es vielleicht, daß Trotz kV, der auf dre. Lchnale beurlaubte Volkskommissar zu dieser Truppe ge- Ntlr. Man hat ihr den Mund noch einmal gefthloifeu 1* der eben beendete Sowjetkongrcß in Moskau hat Ttßerlich tue Einheit wieder hergestellt. Aber die Eini- tm-g kann nur äußeeiech und vorübergehend sein Ce ganz natürlich und in der Geschichte wiederholt als »Auriwltvendig erwiesen, daß eine Tyrannei, sei sie «astiger oder militärischer Natur, nicht viel länger anhäl:, Ui der Tyrann selbst sich Geltung verschaffen kann

Ts? Tyrann Lenin ist dahin. Ser» Reich wird iha Schl lange überleben, e e

Wladimir Illi t sch Nltanokk (bet Rame Benin von thm angenommen) entstammt einer enge» «beuen Familie au» dem Gouvernement Simbirsk, «in Barer war Dymnafialdirektor. Schon sr. b nahm ti an der revolutionären Bewegung in Rußland teil, okehrfach erlitt er barte Eelängnisstrafen. Ein gleiche teäittitet Bruder von ihm wurde 1889 hingerichtet. Er leibst wurde im Jahre 1897 nach Sibirien verbannt. Ren dort entkam et 1899 ins Ausland, wo errusammen Vst Plechanoft. Arelrod und Ealfulttsch die Zeitung «Iskra" (bet Funke) gründete. Um dieIskra" sarn« terlte sich die sozialdemokratische Arbeiterbewegung «iüslanbs, die sich später 1903 in Menschewiki und «»'fchewikt spaltete Lenin wurde das Haupt bet i ^otschewiki. Al» solcher war er während der Revo- dtion von 1905 wieder in Ruhland. Er ging 1907 *«d) IJonbon und in die Schweiz. 1917 wurde nach

Stur, de» Zarentums der Weg für ihn frei. Es $ bekannt, daß die deutsche Regierung ibn aus bet Schweiz durchreisen lieh, was man in England eer« ®4gert hatte. Er soll in blombiertem Wagen gelabten «em. In Petersburg wurde er der Kerenski-Regierung *'id ihren englischen Freunden unbequem, sodaß et im Tebeimen fortwühlen muhte, bis er im November 1917 j grohe Revolution vollbrachte. Er selbst trat an die =»,8e bet Bolschewiki-Regierung als Vorsitzender des . «ates bet Volkskommissare".

L Moskau. 23. Jan. Der Ltchnam Lemus wird l *8 einem Eichensarge von Gorki nach Moskau ge« werden. Als Grabstätte ist die Stelle unter Gedenktafel für die Opfer der Revolution, d'e ans «t miji'.»ren Turm des Kre^zl angelMht ist^ vor

der Kvmlmaun auf bem Roten Platz in Aussicht genommen.

MoS. ru, 23. Ja». Der BundeSkong rrß, der den Nachfolger LeninS zu wählen hat, wird in bet näch­sten Woche statkfinden. Infolge der anSerthalb;SH« r>g?« Führung der R g erungsge^chäf e durch das gen- tral-Triumvirat Kaminew.Statin-Sinojew sck'eint Ge« währ geboten, daß daS Ableben LeninS keinerlei Aende- rungtn des politischen Kurses und tnne innerpolt« tische» Erschütterungen zur Folge haben wirs.

Berlin. 23. Ian. Anlählich des Ablebens Lenins bat der Staatssekretär des Auswärtigen, Freiherr v. Maltzan, bem diesigen Botschafter der Union der S. S. R. die Teilnahme der deutschen Regierung ausaedrückt. Auhetdern wurde der deutsche Botschafter in Moskau beauftragt, das Beileid des Reichsvtäli- benten und der Reichstegietung dem Botsttzenden des Zentralvollzugsausschusses des Bundes der 6. S. R.. Kalinin, und das Beileid des Reichsministers Dt. Sttefemann und des Staatssekretärs v. Maltzan bem Bolkskomnrifsar für Auswärtige», Tschitscherin, auszu- drücken.

Berlin, 23 Jan. Der deutsche Bolschafter in Moskau Graf Brockdorff-Rantau, wird mit der Neber, mrtfuni de? Beleids de dmts'en Re chSreg'erung an cie S »je# eg rung b' uftr g und wird an den Feie- Lftfiitm anläßlich der Be r-igur^ Lenins in Mos­kau teil« dmen.

Auf der Berliner rusfilcheu Botschaft wird, vor« aus sicht ich am Sonnabend, eine größere Traurcfcier veranstaltet werden.

Berlin, 23 Jan. LautVorwärts" hak dar Sekretariat der so><ristischen Arbeiterinternationase in London der Moskauer Internationale telegraphisch ]cin Veilftd anläßlich des Todes LeninS ausgelpr-chen

London. 23. Ian Die gesamte Preste verökfent- licht Bilder und LeberusbeschreiLunaen Leu ins und nimmt in Leitartikeln zu dessen Ableben Stellung. Dail» Herold" sagt der Tod Lenins sei ein Ereignis, das welterschütternde Folgen baben könne. DieTi­mes" erklärt Lenin sei der Bolschewismus gewesen und der Bolschewismus lei Lenin.Daily News" bemerkt, L-nin werde als Gründer des neuen Ruß­lands anerkannt werden, das in sich den Keim von Möglichkeiten trage, wie sie das alte Ruhland niemals gehabt höbe.Daily Cbroicle" schreibt, Lenin bade lange genug gelebt, um zu erkennen, bah seine Theorie uitbf durch eine Diktatur zur Ausführung gebracht wer­den könne.

Palis 23 Jan.ßuman'ft" erscheint h ute an­läßlich des Todes von Lenin schwarz umtinbL Tas kommunsstiscbe Blatt widmet bem Tik a or einen di- w zten Nachruf. Die bürgerlich? Pvefse äußert sich dngegert zurückhaltrnd nnd fällt im allgom inen ein untzünst ges Urteil über Lenin.

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Die WverMim-MtzM.

Dari», 24. Ian. Die beiden Sachvetständigen- ausschüste baben gestern nachmittag getrennt verbau heh. Ein abends veröffentlichtes Kommunique besagt, der Ausschuh kür die deutsche Kapitalflucht ist in ein aufmerksame» Vorstudium der ibrn jitt Prüfung unter­breiteten Fragen eingetreten Es wird auch Reichs- bankvrästdent Dt Schacht und den früberen Staats­sekretär Bergmann bieriiber befragen, unter wei­ften allgemeinen Voraussetzungen es möglich sein wird, i r Deutschland vraktiscke Nachforschungen anzustellen. T-er Ausschuß tritt am Donnerstag nächster Woche wie­der in Berlin zusammen. Das Sekretariat des Aus- sLiftses in Paris bat inzwischen eine grobe Anzahl stati­stischer Informationen zur Förderung der Arbeiten des Ausschusses gesammelt

Wie jetzt bestätigt wirb, bat Dr. S ch a ck t im Laufe der Sitzung vor allem die Notwendigkeit einer ir.tet« national»'- Anleihe geltend gemacht und den Stand­punkt vertreten, dad in erster Linie mit bem Ertrag "mer solchen Anleihe und hn übrigen mit Hilke deut­schen Kapitals zur Gründung der neuen Goldnotenbank < mit 1 Milliarde Eoldmark Einzahlung) geschritten wird.

Paris, 23. Jan. Da» Sachverständigen­komitee Mar Kenna (Deutsche Auslandsgut' baten) hat, wie Savas mittellt. beute vormittag von 1011 Uhr mit bem ehemaligen Staats­sekretär Bergmann Rücksprache genom­men.

Dr. Schacht» Erfolg lu Paris.

Paris, 23. Jan. Der gestrige Beschluß des ersten Sachverständigen-Nusschusles über die Notwendigkeit der Gründung einer deutschen Eoldnolonbank wird hier als grober persönlicher Erfolg des Reichsbankprästden- ten betrachtet. Das Interesse für diesen Plan ist auch in kranzöstschen finanziellen Kreisen grob. Im zweiten Ausschuh bat der Relchsbankvrästdent bargelegt, bah die Feststellung der deutschen Kaoitalien im Auslände mit groben Schwieri"keiten verbunden wäre. Die Dac- lcgungen Schachts liefen darauf hinaus, dak es nur ein Mittel zur Seimfübrung Her deutschen Kavi'alien gäbe, nämlich die Sanierung der deutschen Finanzen

Paris, 23. Jan. Die Schime.ugchit, mit welcher der erste Sa '-perftändigm-Aus'chuß f? n« oeü^ qen Be. flss «t.h I bpomiichr- rsngoßL Ai- f hm « r gt. Man it b.t Awjicht. daß die Acöeiien des Ausschusses b ro ts bis zum 20. Februar zum Abschluß g.langen werden, wenn to:e bisl'er am Vor­mittag rn. Na lm t a) Sixunge' abg h l eu lv rden. In B-'rlin w'rd sich der Ausschuß vom 30. Januar bi». nufhaltr» und »ach Regelung bac

Baniflag- mit der Prüfung des deutschen Staatshaus­halt j 6 g nren Die Haltung, die Tr. Schacht gestern in der Sitzung des Ausschusses angenommen Hai, trat Gegenstand günstiger Pres-kommentare. Wie jetzt be- stkt'igt wird, hat Dr. Schacht im Saufe der Sitzung vor uflrm die Nvuvenb'g'eit einer In ernationalen An­leihe geltend gemacht und den Slatchpunkt vertre­ten, daß in erster Linie mit bem Ertrage einer solchen Anleihe, im übrigen mit Hilfe deutschen Kapital-, zur Grünbung d r Goldnotenbank (mit einem Kaoikal von einer Milliarde Goldmark) geschritten werden müsse. Dazu schreibt daSPetit Journal":Dich Auffassung halten wir für die richtigste. Bei dem g'z.'Nwärt'ger Zustand DutschlandS wird c- schwer fallen das deutsche Kapital vor dem auzlänbisch-n ausznbliutz n Tie Ungewißheit, zu bem ausländischen Kapital zu kommen, wird v elmehr die deutschen In­dustriellen bewegen, wenigstens ihre Terisen beim« zuschafsen und sie der Staatsbank zur Verfügung zu stellen." Im übrigen hat der Sachverständfgcn-.AuS- s l> trotz der dringlichen Bcrstellungen Tr. Sch 'chiö sich nicht bereit g funden. die Leitung der in Aussicht genommenen Bank lediglich d utschen $ «Sloten an« zuvertr"nen. Sie wird stch vi lmcht einer in'ernatw- mlcn ft n r.lle untett» rfen müf en. Die Lei an j der Goldnotenbank soll so weit wie möglich einen inter­nationalen Charakter trag-n. ES fragt sich nut, ob Frankreich und Belgien auf den Plan eingeben wer­den. der gesamt n Finanzen Deutschlands unter d e Aufsicht eines Intetnefionaten Finanzdir ktors stellt, bi baS Direktorium gleichzeitig eine hervorragende Somv-tknz in der Frage der Reparationen erlangen würde.

Das Kapital der Geldnotenbank.

Berlin, 23. Ian. Die Errichtung einer deutschen Goldnotenbank stebt bereite in der nächsten Zeit be« eör. Da» Kavitak soll nicht t Milliarde Gold mark be­tragen, sondern nur 400 Millionen. Sitz der Bank soll Berfin sein. Die Reichsregierung wird einen Kom­missar bei der Bank ernennen Das Verhältnis des deutschen Kapital» $u bem ausländischen steht noch nicht fest. *

$« 9rtf enl AMd.

Pari», 23. Jan. Der Brüsseler ftorrespondent des ..TemvS" meldet, man glaube zu wissen, daß in der Angelegenheit deS Eisenbahnverkehrs in der Kölner Be- satzungszone bm Cberfommtffar in Koblenz Richtlinien gegeben worden seien, denen znfelge er aus einer aenr'fnt Reserve nicht berauSzutreten habe. Der Oberktmuiis- sar sei, wie verlautet, von seiner Regierung ferner er­sucht worden, sich nach Möglichkeit darum zu («emüben, daß innerhalb der Rbeinlandkommisfiou ein einheitlicher Beschluß über deren Haftung gegenüber den Verordnungen der separafiftlsiben Regierung zustande komme. Die Rhein« lanbkornmission kann, fügt der Korrespondent hinzu, ohne die Verordnungen der feparatistischeu Regierung zu vati-, sizrerrn, anf eigene Rechnung eine Reibe von Maßnahmen treffen, die die tatsächliche Lage in bet Pfalz erfordert. Der Berichterstatter nähert sich mit seiner letzten An- beutung einem vor einigen Tagen von HavaS mitgrteilten Kompromißvorscklag, der darauf brnanslSuft. daß d'.e Rbe-nlandkommifsion sich dir Arbeit-lo enVerordnung der Separatistrn-Regierung zu eigen macht und so, wenn auch nur stillschweigend die separatiftifche Regierung anzuerkennen. Hiervon ist in den fetzten Tagen nicht mehr die Rede gewesen.

London. 23 Jan. Nach demDaily Telegraph" Irbe Lord Curzon Poincare vorgeschlagen. daß öit Meinungsverschred«.,beiten der britischen und her fran­zösischen Regierung über die Auslegung der Pflichten der Besetzungsmächte gegenüber bet örtlichen deutschen Ver­waltung und infolgedessen die Haltnng der beiden Regie­rungen gegenüber bem separatistischen Problem in »i Pfalz bem Haager SchiebSgericht unter­breitet wrrd«n wolle. Der Quai d'Orsay ti jedoch ansch'«n-nd nitlhk bereit, diesem Vorschlag znznst'mmen.

Staate her SeaaSlif.

Speher, 23. Jan. T»r ftrw'ösische Provinzdele- ncrk für die Pfalz. General de Metz, erklärt- unlängst denBertreternderpfälzischenStSdte. die bei -dm Verwahrung gegen die Vergewaltigung durch et S-parafisten rinlegten:Meine Herren! Wenn Sie mit der neuen Regierung nicht einverstanden sind, so ist das niftt^on Belang. Auch bei unS in Frankreich gibt es verschiedene Parteien; die einen sind Republikaner, die ander.n Monarchisten. So ist es auch hier. Ti« Män­ner der neuen Regierung sind Freunde der Republik und de» Friedens."

Unter solchen plumpen Manövern versucht General be Metz das Vorgehen der Separatisten als einen.nne politischen Vorgang darzustellen, dessen oberstes Ziel b-t Anerkennung des republikanischen und scdetaliülschm Ataalsgedankens in der Pfalz wäre.

Berlin. 23. Jan. Anläßllch eines Emp'angS an6tan bischer Journalisten durch General be Metz wurde »lcsem von einem Journalilten b e Frage vo p'lezt, wie es komme, daß die separatistischen Bauden mft Waf­fen im Lande herumziehen dürften, während die mit be; Ausrechtei Haltung öer öftrntiichcn Ordnung betrauten ver­fassungsmäßigen Beamten entwaffnet seien. General be Metz antwortet« herauf:Was Sie separatistische

Banden nennen, ist die erben tlich« Polizei b«g neuen Regierung, die wir de facto aner­kenne n."

Durch dieseAntwort" ist nun gewissermaßen ofR». ziell Unterstütznus öerFreunde der Republik und bei FvichenS" durch die Franzosen bestäfigt und be» Märchen von der NeutralitSt der ftanzösifchen Behörde» ab absurdum geführt.

Belgien beobachtet Zurückhaltung.

Pari», 23. Jan. DemDemos" wird aus Brüssel gemeldet: Der belgische Oberkommissar in den Rbein- landen Baron Rollin be Iacquemin würbe von feiner Regierung aufgefordert gegenüber der sonderbündlerl- scheu Bewegung in ber Pfalz eine gewiße Zurückhal­tung zu beobachten. Die ganze Bewegung hat noch der Brüsteler Ausfaffung nid), die Bedeutung, die ihr non den Franzosen zugeschriel »n wird. Der belgische Oberkommiflar wurde aufgefordert, innerhalb der Rbeinlandkommflston seinen Einklub aufzubieten, damit in der Kommission einheitliche Beschlüße gegenüber h»n Verordnungen bet Sonderbündler gelabt werden können.

Mannheim, 24. Jan. Die Stadt Spever sandte funk-'nt'legravh sch einen Hilferuf in die W?lt, in tum auf da» graufome Schicksal bet Gefangene» im Rt>g;crniigsg'bSnde in Sv'Yer hin^-<ote>en wird, boten einziges Vergehen sei, die Reqierung ber auto- iti-mtit Pfalz nicht als rechtmäßige Behöbe anerkannt^ zu heben Selbst Frauen tofitben brutal gw-ftntqi. Rur General be Metz, ber dem Regierungsqebäube gegenükorwohne, wolle ihr Klage» nicht hören, die Taz und Nacht durch die Mauern dringe».

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M d« Mftsllnlsalntir.

Pari-, 23. Jan. Die BotschafterLmferenz be­schäftigte sich tu ihrer heutige» Vormütogssitzung mit der Frage der interaUierteu Militärkontrolle itt Deutschland. {

Me SenAoanora ii 5iM

Ber lin. 23. Ja«. Die Beratungen de» Reich--, kabinett- über die dritte <5teuemotbetori>nung, bi gestern noch zu keinem Abschluß führten, sotten, wie Mi' Blatter ireP^n. am Fr itag fortgesetzt und wen« i g tu m'gl ch b endet ürt:tn. Es hgn^e't »ich in der Hauptfach» um die Frage der Besteuerung der In- f dticn-ßtarinte. Wie dasBefni Tageblatt" wissen n> i ist rem R ichSjustizm'nisterium bet Entwurf zur Abänderung be» ZivilprvzesseS auf Grunb deS Er- macht gvrg^g'ketzes ovsgeatb i el w rden and soll dem Blatte zufolge bereits bie Zustimmung des RrlftS- fabi irtt? gefunden h bon. Morgen soll noch e»n? Be« sprechunz mit den juristischen Mitgliedern bet uei*' ifti denen RoichStagSfraktionen stattfinden, um jest- zustetlen. ui: weit der Entwurf einen Widerstand in» uhtlb bet p lifischen Parteien findet. Wie derBer- linet Lokalanreiger" hört, hat der Zivilsenat des Kam« merz-ricktS, ber bie Sachen des gewerblichen Rechts­schutzes bearbeitet unb deshalb mit einer Reihe fr»» kni scher Patentprozesse befaßt ist, in allen Sachen, in welchen auf ®runb der erweiterten Abgelruugs- Deiorbnun» eine Aussetzung des Verfahrens bean­tragt tret bie Ungültigkeit dieser Berorvnung unb der Svarvetordnung vom 24. Oktober 1923 ousgr- ,prochcn. da der Fiskus bie Angelegenheit wehet ver­folgen will wird nunmehr das Reichsgericht über :it Gültigkeit ober Ungültigkeit der Verordnung zu emfche'Lei' bobe».

vor;in 23. Fon. Nach den Abänderungen des S rasproz ^ steht jetzt ein ähnliches Schicksal dem Zivil-t'zeß betet. Ein im Neichsjustizm m: stermm au?g:grbo»t.t7r Entwurs hat dem Reichs.'ab: netr be-' r its v rg'ck gm und soll d rt die Zustimmung gefun­den haben. Reichsjus.izmhristor Emminqer beabilch» tigt. auch diesen Entwurf auf Grund be» Ermächn- u g ges tzes iu K. f zu setz n. Morgen Ton erstag !otl noch eine Bef rechung mit juri -ischen Mrtglie- oem der wrfd iei> nen Ftaknonen statt in en. um fest« u 1 U n. ni w l der Entivurf Wi<ersten- inmthach u.r e z l ien Part ien f n.et Im übc ge.i wir) über btti Inhalt des Entwurfes strenge Vertraulichkeit ic« wrhrc.

Bor ernste« Dingeul

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Die Reichsregierung wird schon in den nächste« Tagen vor sehr schwere Entscheidungen hinsichtlich des besetzten Gebietes gestellt {ein. Die Micum-Detträge laufen bekanntlich am 15. April ab. Es wäre aber das Verhängnisvollste, was rnaq sich denken kann, wenn man die Tinge bis dahii^ liehen ließe, ohne sich über den weiteren Fortgang vorher Rechenschaft zu geben und unb nicht recht» zeitig neue Entfcheidungsn zr. treffen.

Um diese neuen Entscheidungen wird nun als» bald gerungen werden müssen. Wie ernst die Lag! ist, mag sich aus folgendem ergeben: Di« Bete