Diese Betrachtung hat mich auf den Gedanken geführt, eine philamropi- fche Gesellschaft von gutgesinnten patriotischen Bürgern zu errichten , die ihre Wohlthätigkeit einzig und allein darauf richtete:
daß, durch möglichste Verbreitung zweckmäßiger Volksbücher, das Elend aus den Wohnungen der Christen, wie der Juden, verdrängt werden möge; — daß, durch Errichtung besonderer Sanitätsschulen des Verstandes und Herzens, dem in unsrer Stadt am meisten herrschenden Elend schon in den jugendlichen Herzen entgegen gearbeitet würde.
Der Plan, nach welchem beides auf das l e i ck t e st e, auf eine u n fe h l b a re Art zu bewerkstelligen wäre, liegt entfaltet in meiner Seele. Sehe ich daher nur hier und da, daß dieser Vorschlag beifällig ausgenommen wird : so bringe ich ihn zu Papiere.
Wenn sich soo Mitbürger (aus einem Menschenhaufen von so,ooo!) finden, deren jeder durch Subscription sich anheischig machte, jährlich 3 Gulden, entweder auf einmahl oder in Terminen zu erlegen: so getraue ich mir (im Vertrauen auf die seegnende Hand der Vorsehung) sicher behaupten zu können, daß nach 20 Jahren die Gutgesinnten unserer Stadt fragen werden: „ Wo wohnt ein Hülfsbedürftiger?" Da jezt bei einem Blik auf die Straße unsre Hilfe, vom bettelnden und nicht bettelnden Elend in tausendfältigen Gestalten, in Anspruch genommen wird.
Mitbürger! die ihr so willig und gern den Schweiß eures Tagewerks dem ungewissen Gewinne der Lotterien anvertrauet: werdet ihr wohl hier weniger thätig beitragen, wo es darauf ankommt euch gewisse Schatze zu erwerben, die weder Rost noch Motten fressen ?? — Ueberrechnet nur die Zinsen, die eure Kinder davon tragen werden, wenn sie durch einen gebildeteren Verstand und durch Verâdlung ihres Karakters besser undglüklicher geworden sind, und durch eben so gute Nachbaren ihre Glükseeligkeit sich mehren wird!!
Väter der Stadt! Volkslehrer! ich mache in dieser gemeinen Wohlfahrtssache gerechte Ansprüche auf Eure Aufmerksamkeit, auf Eure Protection, auf Eure Hilse! Sollte ich wohl irren, wenn ich glaube, daß unsre Väter, die mit soviel Kraftaufwand für ihre Bürger ein neues Gottesverehrungshauß erbauen, nicht noch weit thätiger seyn werden, wenn uneigennützige Menschenfreunde auftreten, die sich zum Bau des W e fe n t l i ch e n der Bürger- Glükseeligkeit verstehen wollen??
Meinen Namen nenne ich noch nicht. Ich nenne ihn aber wenn ich dazu ^ufgefordert werde. Wäre es möglich ganz anonym zu bleiben: so hätte ich den Vollgenuß des Guten um so ungestörter; allein öffentliche Anstalten erfordern öffentlichen Kredit.
Ein patriotischer Bürger des Freistaates Frankfurt.