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Samstag, den 31. Dezember 1932.

Gießener Zeitung"

Nr. 52.

wieder jedes Haus, jede Familie, jede Gemeinde und jeder Kreis für seine notleidenden Glieder zu sorgen hat. Wo in einem Volk und Staat diese natüih&en Lebens- .ind Gemein» schastsbe,Ziehungen stark und gesund sind, wo alle lebendigen Kräfte zum Mittragen und Stützen willig gemacht werden, da läßt sich gut leben, da wird auch die größte Not gemeinsam ertragen und überwunden.

Der Vater von Bethel hat diese nachbarliche Hilfe bereits vor 50 Jahren gefordert und zur Tat werden lassen. Als Ge­genwehr gegen die damals immer wieder einsetzenden Wirt­schaftskrisen, die ein ständig wachsendes Heer von Arbeits­losen schufen, fordert er von den Kreisen und Gemeinden prak­tische Nochilfemaßnahmen, Notstandskolonien, Wanderherber­gen und Wanderarbeitsstätten sollen geschaffen werden Sie sollen zur Zeit der Krise vor Not und Elend bewahren iyib eine Brücke bilden, die über den Abgrund eines schweren Winters oder einer besonderen Krisenzeit hinweghilft.

Heute gewinnt diese Nothilfe im Sinne Vater Bodel- schwinghs erhöhte Bedeutung. Die kommenden Wintermonate werden an die Betheler Arbeiterkolonien, an das Wanderheim in Bethel und an die verschiedenen Pensionärabteilungen für alte, wandermüde Leute Anforderungen in bisher noch kaum dagewesenem Umfange stellen. Man rechnet damit, baß jeden Tag rund 2000 arbeits- und heimatlose Menschen an Bethels Tischen sitzen werden. Es sind die Wanderer der Landstraße, die längst vom Heimatboden losgerissen und verschlagen sind. Keine Gemeinde sorgt für sie, keine Versicherung und keine Fürsorge zahlt für ihren Unterhalt. Hungrig und abgerissen kommen sie und wollen mit Nahrung und Kleidung versorgt werden. Das ist in unserer schwerer Zeit keine leichte Auf­gabe, die nur ^u lösen ist, wenn alle milhelfen, die noch dazu in der Lage sind.

Das Haus Pangilo (b. h. gerechte Verteilung) in Bethel ist die große Sammel- und Verteilungsstelle all der Sachen, die die Freunde der Kranken und Heimatlosen schicken, um ihren armen Brüdern zu helfen. Schuhwerk, Kleidungsstücke, Strümpfe, warmes Unterzeug, Hemden, alt und neu, Lebens­mittel aller Art, alles ist hier sehr willkommen. In diesem Jahr ist Pangilo in besonderer Not. Die Anforderungen sind groß, aber die Zusendungen sind sehr zurückgegangen. Die nach­barliche Hilfe für die Arbeitslosen der eignen Gemeinde hat alle Kräfte in Anspruch genommen. Dennoch gilt es auch an die Wanderer der Landstraße zu denken, an jene Heimat- und Obdachlosen, die in unseren Arbeiterkolonien Unterkunft suchen. Sollte von der Winterhilfe nicht das eine oder andere Stück noch zurückgeblieben sein, das fremde Not lindern und Freude bereiten könnte? Man sende es zu Weihnachten nach Bethel (Anschrift für Postpakete und Frachtsendungen' An­stalt Bethel, Bethel bei Bielefeld. Bahnstation Brackwede) und man wird es erleben, daß aus der Saat der Liebe eine reiche Ernte des Dankes und des Segens erwächst. H. Et.

Nicht nervös werden!

Ein Nervenarzt hat die Gewohnheit, einen Patienten, der zum erstenmal zu ihm kommt, sofort zu fragen, ob er beim Hereinkommen die Flurtür geschlossen habe. Der ganz normale Mensch wird darauf ohne Zögern 2a oder Nein antworten,

Silvester.

La lassen Sie mich ja nicht fallen, H -rr Wa Wachtmeister ich hab vorhin 'ne Knall­erbse verschluckt--!

«Aus dem Silvesterheft derMünchner jHuftrtcden*.)

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wenn aber etwas mit Nerven nicht in Ordnung ist, so wird der Betreffende im Zweifel sein. Diesen Zustand kennen wir alle, wenigstens, soweit wir überhaupt wissen, wasNerven" sind. Wer von uns muß nicht, wenn er eben in einem Zimmer das Licht ausgedreht hat, gleich noch einmal nachsehen, ob es auch wirklich dunkel ist, oder wer prüft nicht die Haustür zweimal nach und dergleichen mehr. Das sind Gedankenlosig­keiten. Aber wenn wir uns sogleich ertappen, sollen wir uns sogleich energisch in die Schule nehmen. Sie verkünden uns nichts Gutes, und wenn wir nicht einschreiten, ist die Not­wendigkeit, einen Nervenarzt aufzusuchen, sehr bald gegeben. Im Anfang ist die Bekämpfung dieses Uebels nicht so schwer, man muß nur bewußt auf sein eigenes Tun achten, also bei der Sache sein. 2ede Zerstreutheit ist mehr oder minder Ner­vosität. Eine Untersuchung, die kürzlich von zwei Aerzten an- gestellt wurde, erwies übrigens, daß Leute in untergeordneten Stellungen viel mehr an Nervosität leiden, als Menschen, die leitende Stellungen innehaben. Daraus erhellt, daß Nervo­sität meist ein Hindernis für den Erfolg im Leben ist. Der Nervöse kommt weniger gut vorwärts als einer, der mit guten Nerven ausgestattet ist.

Auch Ueberempfindsamkeit gegen Geräusche ist ein Zeichen von krankhafter Nervosität, zumal, wenn es sich um das Geräusch handelt, das durch die eigene Arbeit erzeugt wird. Wenn zum Beispiel eine Maschinenschreiberin darüber klagt, daß ihr das Geräusch ihrer eigenen Maschine auf die Nerven geht, so ist es mit ihren Nerven etwas faul. 2eder Nichtnervöse kann sich an Geräusche dieser Art gewöhnen und hört sie im Grunde über­haupt nicht mehr.

Man kann übrigens die Beobachtung machen, daß jeder Nervöse zu Aberglauben neigt, und zwar konstruiert er sich meist selber Unglücks- und Glückszeichen; wenn einer erst soweit ge­kommen ist, so wird sein Leben wesentlich schwieriger, denn natürlich bringt ihn jedesUnglückszeichen" aus der Fassung. Es gibt Menschen, die es nervös macht, wenn ein anderer ihr Besteck benutzt oder aus ihrer Tasse trinkt, die es in Angst ver­setzt, wenn sie etwa eine ungeschälte Frucht essen sollen, die schon durch so viel Hände gegangen ist. Angst ist überhaupt eins der auffallendsten Zeichen für schwache Nerven, denn Angst ist eine durchaus unfruchtbare Erscheinung. Man hat Angst und ver­bittert sich damit die Gegenwart, ohne doch das, wovor man sich ängstigt, im geringsten abwehren zu können. 2st es einem bestimmt, daß man etwa auf dem Nachhauseweg überfallen wer­den soll, so hilft einem die Angst davor auch nicht aus der Not, wohl aber macht sie die einsamen Wege zu einer Qual. Ebenso ist es mit der Angst vor der Zukunft. Die Zukunft wird weder leichter, noch schwerer durch die Angst, nur nehmen wir uns, wenn wir ängstlich sind, den Mut, den wir doch zum erfolg­reichen Kampf ums Dasein so nötig brauchen. Man braucht nicht tollkühn oder übereilt zu sein, aber man soll nicht durch Verzagtheit sich die beste Schlagkraft rauben,

Selbsterkenntnis ist hier schon ein Schritt zur Heilung. Wenn man einsieht, wie falsch man sich aus Nervosität einstellt, kann man die seelische Veranlassung schrittweise ändern. Man soll und darf sich nicht den Luxus unnützer Gefühle, wie die Angst es zum Beispiel ist, gestatten. Das Leben lächelt nur dem Menschen, der lebenswirkliche Gefühle in sich pflegt. Nie soll man das Gefühl haben, etwa einer Aufgabe, die einem ge­stellt wird, nicht gewachsen zu sein. 2n diesem Gefühl der Unterlegenheit liegt schon der halbe Mißerfolg. Wir können eine Aufgabe nicht durchführen, wenn wir nicht selber glauben, daß wir sie zu meistern imstande sind. Gerade dies Gefühl, den Aufgaben gewachsen zu sein, kann man schon dem Kinde einflößen, während ebenso leicht durch die Schuld der Erwachse­nen, die über ein Kind lachen oder es nicht ernst nehmen, der Keim zu dem späteren Minderwertigkeitsgefühl gelegt wird, der ein so großes Hemmnis für allen Fortschritt im Leben ist. Desgleichen ist Angstgefühl etwas, was von den Erwachsenen auf die Kinder übergreift. Man kann das in Fällen der Ee- witterfurcht beobachten; diese Furcht steckt tatsächlich an, und es ist für das Kind später im Leben schwer, sich von diesen in der Kindheit erworbenen Veranlagungen zu befreien. Sehr ängst­liche Personen sollten daher nie mit der Kindererziehung be­traut werden, sie können unendlich viel verderben, wie über­haupt Nervosität der Umgebung Gift für jedes Kind ist.

Die Ingenieurschule Weimar, die unter namhafter Erweiterung ihrer Einrichtungen 1931 von Altenburg nach Weimar übersiedelte, führt zurzeit ihr 75. Semester. - Die Anstalt verfügt über mustergültig ein­gerichtete Sonderabteilungen für Elektrotechnik, Maschinenbau, Automobilbau, Flugzeugbau und Papiertechnik. Ihr ist eine staatlich konzessionierte Fliegerschule angegliedert. Die leistungs­fähigen Lehrwerkstätten, die in die Liste der anerkannten Ausbildungsbetriebe für Sungprattitanten eingetragen ist, be­

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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faßen sich u. a. mit dem praktischen Flugzeugbau. Das heutige Zeitalter der Technik verlangt für die Heranziehung eines tüchtigen 2ngenieurnachwuchses erstklasiige Ausbildungs­stätten. Daß in Weimar, also im Herzen Deutschlands, ein solches 2nstitut geschaffen wurde, ist nur zu begrüßen. Der reich illustrierte Prospekt über das 37. Schuljahr wird jedem Interessenten auf schriftliche Anforderung von der Anstalts­leitung zugestellt. Er bringt neben den Lehrplänen eine Fülle von Bildern über die umfangreichen Einrichtungen, über die heute notwendigerweise ein derartiges 2nstitut verfügen muß.

Spvktnkulgkklten

Anläßlich des Fußball-Länderspieles Deutschland' Italien am 1. Januar in Bologna werden die Italiener Gelegenheit nehmen, sich mit den DFB-Vertretern über eine etwaige deutsche Beteiligung am Mitropacup-Wettbewerb zu unterhalten.

Der früher in Köln bei Sülz 07 spielende Wiener Inter­nationale Swatosch ist nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Wien jetzt in der Schweiz gelandet. Swatosch nimmt einen Posten als Trainer und Spieler bei dem 2C Oerlikon ein.

Die Deutschen Hallen-Tennismeisterschaften, die auch in die­sem Jahre wieder international ausgeschrieben wurden, kommen in der Zeit vom 23. bis 30. Januar in der Bremer Tennishalle zum Austrag.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der angekündigte Boxkampf Mischen Exweltmeister Max Schmeling und dem Deutsch-Amerikaner Max Baer nunmehr endgültig zustande ge­kommen. Joe Jacobs, Schmelings Manager, hat den Vertrag mit dem jetzt als Veranstalter auftretenden Jack Dempsey unter­zeichnet. Der Kampf wird im Juni mit größter Wahrschein­lichkeit in Chicago ausgetragen.

Um die Veranstaltung der Olympischen Spiele 1940 be­werben sich bisher nicht weniger als zehn Städte. Europa ist durch Barcelona, Budapest, Dublin, Helsingfors und Rom ver­treten.

Reue Bücher.

Was kann ich bei meiner Einkommenfteuererklärung als Werbungskosten und Sonderleistungen abziehen? Darüber müssen Sie sich genau informieren. Einen vollständigen Ueberblick darüber gibt Ihnen das Anfang Januar 1933 er­scheinende Sonderheft der Wirtschaftlichen Kurzbriefe. Probe­nummern stehen Ihnen unter Bezugnahme auf diese Zeitung kostenlos zur Verfügung beim Rudolf Lorentz Verlag, Char­lottenburg 9.

Welchen Vorteil bringt Oberlandsgerichtsrat Schaeffers und Rechtsanwalt MotulskysSteuergutschein". Eine kurze Darstel­lung für alle Wirtschaftsberater, Syndizi, Rechtsanwälte, Steuer­beamte, Fabrikanten, Kaufleute, Handwerker, Landwirte und 'Grundbesitzer. Einzelpreis 60 Pfg. (Verlag C. L. Hirschfeld, Leipzig, 1932.)

Das Plakat im Schaufenster, von Helmut Biegel. Ein Handbuch für Kaufleute, Gewerbetreibende, Angestellte, Dekora­teure, Handelslehranstalten und Berufsschulen. Mit 575 prak­tischen Plakattexten für alle Branchen und 6 Plakattafeln. Ver­lag Reimann u. Co., Hamm (Wests.). Preis RM. 5,40. - Die Bedeutung des Plakates im Schaufenster wird von keinem Ge­schäftsmann bestritten. Woran es oft haperte: Woher nimmt man schnell einen passenden Plakat-Text?? Das vorliegende Werk eines in Fachkreisen sehr geschätzten Werbeberaters bringt nicht weniger als 575 Plakattexte, die dem Käufer des Buches zur Benutzung freigestellt werden.

Krebsbekämpfung. Einen wichtigen Schritt vorwärts im Kampfe gegen den Krebs bedeutet die Monatsschrift für Krebs­bekämpfung (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 S.W., Preis vierteljährlich Mk. 3.60) deren erstes Heft soeben erschienen ist. Hier soll dem behandelnden Arzt gesammelt und zugeleitet wer­den, was er von Krebsverhütung, Krebserkennung und Krebs­bekämpfung wissen und seinen Kranken zugute kommen lassen muß.

Unser Hausarzt. Monatsschrift. Halbjährlich 2,20 RM. post- frei. Hausarzt-Verlag H. Stoß, Berlin-Steglitz. Aus dem De­zemberheft: Magen- und Darmerkrankungen.

Ein Kalendarium der guten Hoffnung. Hören wir auf mit dem fatalistischen Jammern? Blicken wir endlich einmal wieder zuversichtlich in die Zukunft! Wir haben allen Grund dazu.Die Woche" gibt in ihrem optimistischen Silvesterheft einen Rückblick auf alle Ansätze zur Besserung in den Monaten des vergangenen Jahres.