Samstag, den 30. April 1932.
„Gießener Zeitung"
Nr. 17.
morden, als sie nach der Reichsbesoldungsverordnung beanspruchen durften' dies sei dadurch möglich gewesen, daß bei der Besetzung der Posten eine ausgedehnte Familienpolitik florierte (Hansmann) ist Schwiegersohn des sozialdemokratischen Rogie- rungsprästdenten König in Arnsberg). Und so fort.
Die Sozialdemokratie ist die Hauptträgerin der Kirchenaustrittsbewegung. Ihre Kreise fördern die Gottlosenbewegung. „Die letzte metaphysische Verantwortung", wie sich ein christlicher Gewerkschaftler ausdrüctte, ist durch die sozialistische Welt- arrschauuivg in zahlreichen Anhängern der Sozialdemokratie zu einer Lächerlichkeit geworden. Es ist bezeichnend daß alle die Bonzen, die strauchelten, nicht aus Not gehandelt haben, sorr- dern um einem Wohlleben zu fröhnen, das in schroffem Gegensatz sowohl zu ihrer eigenen Vergangenheit wie auch zu der Not der von ihnen angeblich politisch betreuten Volksschichten stand. Es scheint also, als wenn es nicht gleichgültig für die sittliche Widerstandskraft des Menschen sei, ob er von einer materialisti- schen oder einer idealistischen Weltanschauung erfüllt ist.
Eine Schlappe der Reichsregierung.
Berlin. Die Neichsregierung erlitt in der gestrigen Sitzung des Haushaltsausschusses des Reichstages eine beachtliche Schlappe. Zu verdanken hatte sie diese den Sozialdemokraten, die erstmalig seit langer Zeit die Regierung nicht mehr hundertprozentig gestützt haben, sorrdern durch Stimmenthaltung ihre neue Reserve zum Ausdruck brachten. Es ging um eine außer- planmähige Ausgabe aus dem Haushaltsjahr 1930, in dem die Reichstagswahlen stattfanden.
Drei-Mächte-Schritt in Litauen.
Die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens und Italiens setzten Donnerstag den Minister des Aeukeren von der Auffassung ihrer Regierungen hinsichtlich der Wahlen zum Memeler Landtag in Kenntnis, die folgende Punkte betrifft:
1. Die Ernennung und -Tätigkeit der Wahlausschüsse muß unter gerechten Bedingungen gewährleistet werden.
2. Das Recht der Abstimmung darf nur Personen gewährt werden, die einen festen Wohnsitz im Gebiet von Memel haben.
3. Während der Wahlen muß Gewähr für Presie- und Versammlungsfreiheit bestehen.
Letales.
Sonntagsgeüanken.
Nun rührt es sich wieder draußen auf dem Acker. Pjerde stampfen und ziehen den Pflug durch die Erde, um das Saat- beet für die Früchte des Feldes zu richten. Die Schollen werden aufgewühlt, scharf und ohne Erbarmen reißt der Pflug sie auf. Ohne Klagelaut läßt sich die Erde wieder bereit machen zum Empfangen. Dann kommt der Sämann und streut seinen Samen aus. Und unter dem goldenen Lichte der Sonne bricht aus Brocken und Schollen geheimer Segen, ein Strom von Kraft und Leben, urmächtiges Bewegen.
So ist es Fahr für Jahr. Die Erde ist die Urmutter von Vergehen und Auserstehen. Ewig göttliches Gesetz. Und ewiger Segen vom Himmel, denn das ist der Erde ewiges Ziel: bereit zu sein zum Empfangen, neues Leben zu geben, fruchttragend zu sein und brotgebend. Wenige Wochen werden vergehen und die Scholle strömt dann wieder Segen und Dank aus.
Mutter Erde! Lehre mich, dein Kind, gleich dir zu dulden und zu tragen, wenn das Leben Opfer fordert. Gib uns wieder das tiefe Genügen und den gläubigen Sinn, daß wir säen und ernten, pflanzen und pflügen. Erdwärts gerichtet und dennoch himmelan. In dieser braunen Ackererde ruhen die Mühen und Beschwerden unserer Väter. Hüte auch du den Kindern das alte. heilige Land! — Der Acker ist heilig für alle Zeiten. Weye denen, die an die Erde rühren.
Der S o n n t a g sschr e i b e r .
Bedeutsame Wahlen in der deutschen Geschichte.
— Ein historischer Rückblick. —
Wie oft hat in den vergangenen Jahrhunderten heißer Wahlkampf um das Reichsoberhaupt in unserm Daterlande getobt. War doch das alte heilige römische Reich deutscher Nation" eine Wahlmonarchie! Schon in grauer Vorzeit haben unsere germanischen Vorfahren ihre Könige und Fürsten gewählt. Es würde zu weit führen, hier in die Geschichte der germanischen Monarchie einzudringen Eine gemeinsame Monarchie über alle deutschen Völker hat bekanntlich nur zur Zeit der Ottonen, Salier und Staufen bestanden. Diese Monarchie stammte ab von der stärksten, die es. unter den Germanen gab, von der fränkischen Die Königswahl war keine freie Wahl, sondern eine sogenannte Erbwahl, eine eigenartige Verbindung von Erblichkeit und Wahl. Die Königswürde war erblich in einem königlichen Geschlecht, nur bestand keine feste Thronfolgeordnung wie in der neuzeitlichen Monarchie, wo ein bestimmter Angehöriger des Fürstenhauses nach dem Hausgesetz oder der Verfassung zur Thronfolge berufen ist, sondern das Volk wählte jeweils unter den Mitgliedern des Königsgeschlechts den Tüchtigsten aus Eine Konigswahl fand unter den kraftvollen Merowingern bereits nicht mehr statt Aber das Geschlecht der Merowinger verdarb und an ihre Stelle traten die Hausmeier der Franrenkönige In drei aufeinander folgenden Generationen vollzog sich ihre Erhebung. Die Hausmeier Pippin und Karl der Hammer, sowie König Pippin der Kurze waren Vorgänger Karls des Großen. Dem letzten Merowinger wuroen seine Königslocken geschoren und statt des Köniasmantels hängte man ihm eine Mönchskutte um, Pippin der Kurze wurde zum König gesalbt, zugleich mit ihm seine jüngeren Söhne Karl und Karlmann Karl der Große hat selbst seinem Sohne Ludwig und später dieser seinem Söhne Lothar zu Aachen die Krone aufgesetzt. Mit Ludwig dem Kind, der, kaum 18 Jahre alt, im Jahre 911 zu Regensburg starb, erlosch das Geschlecht der deutschen Karolinger. Bei dem lockeren Zusammenhang in welchem die fünf Völkerstämme der Franken, Sachsen, Lothringer, Schwaben und Bayern zu einander standen, lag die Gefahr nahe, daß tas Reich in seine einzelnen Herzogtümer zerfallen würde Zum Glück lebte der Gedanke der Reichseinheit noch in den kräftigsten deutschen Stämmen, in den Franken und Sachsen, fort, und man beschloß, wieder einen König zu wählen. Zu Forckcheim an der Regnitz traten die Fürsten des Reiches zusammen und trugen auf den Rat des Erzbischofs Hatto von Mainz dem mächtigen Herzog von Sachsen und Thüringen, Otto dem Erlauchten, die Königswürde an. Otto lehnte jedoch seines hohen Alters wegen ab und schlug den fränkischen Grafen Konrad vor Dieser aus dem Geschlecht bei Konradiner in weiblicher Linie den Karolingern nahe verwandt, wurde erkoren und folgte als Konrad 1. (911 bis 918). Bekannt ist, daß der sterbende König Konrad 1 die Reichsinsignien an seinen Gegner, den Sachsenherzog Heinrich, den Sohn Ottos des Erlauchten, übersandte, den er dadurch zu seinem Rachfolg-r bestimmte. Der sterbende König erteilte im „Testament von Weilburg" seinem Bruder Eberhard den Befehl „Sage dem Herzog Heinrich, daß ich ihn zu meinem Nachfolger empfohlen habe, ihn, der am tüchtigsten und würdigsten ist, über alle deutsche Völker Zit herrschen" Bei Fritzlar an der Eder in Hessen hat Herzog Eberhard, in edler Selbstverleugnung den eigenen Ansprüchen entsagend, den Sachsenherzog Heinrich vor allem Volke zum Kö
* Dienststunden des Polizeiamts. Dienftstunden des Polizeiamts für den Publikumsverkehr sind vom 1. Mai lfd. Js. ab von 7,30 bis 12 Uhr und von 14 bis 10,30 Uhr Samstags von 7,30 bis 12 Uhr. — Für Samstagnachmittags ist in der Zeit von 16,30 bis 17,30 Uhr ein Eildienst eingerichtet, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar sind, erledigt werden können.
* Radfahrverkehr. In letzter Zeit wu-rde mehrmals die Beobachtung gemacht, daß Radfahrer beim Bergabfahren und auch dort wo lebhafter Verkehr herrscht oder der Ueberblick über die Fahrbahn behindert ist, oder die Sicherheit des Fahrens durch die Beschaffenheit des Weges beeinträchtigt wird, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange wegnehmen. Das Polizeiami macht darauf aufmerksam, daß nach § 22 der Allgemeinen Straßenverkehrsordnung vom 21. Oktober 1927 das Freihändigfahren in den oben angeführten Fällen strafbar ist. Die Radfahrer müssen sich darüber klar sein, daß sie durch diesen Leichtsinn nicht nur sich, sondern auch andere Wegebenutzer in Gefahr bringen. Die Polizei beamten sind angewiesen, streng aus die Befolgung dieser Bestimmung der Allgemeinen Straßen- verkohrsordnnng zu achten und im Nichtbesolgungsfalle einzuschreiten.
* Maienblasen. Am heutigen Samstag wird das in unserer Stadt schon eingebürgerte Maienblasen wieder seinen Anfang nehmen, und zwar zur gewohnten Stunde, um 19 Uhr. Das Maienblasen wird wiederum von dem Verein für christliche Musik ausgeführt.
* Bon der Universität. Die Medizinische Fakultät der Universität veranstaltet vom 9. bis einschl. 15. Oktober 1932 für praktische Aerzte einen allgemeinen Fortbildungskursus mit klinischen Besprechungen und praktischen Demonstrationen. Vortragende sind die klinischen Fachvettreter, sowie die Fachvertre- ter für Physiologie.
* Aus dem Stadttheater. Als 28. Freitag-Abonnements- Vorstellung findet heute. Samstag, den 30. April, bei gewöhnlichen Preisen die Aufführung des 1. Teils der Goetheschen Tragödie „Fauft" statt. Anfang 7,30 Uhr.
* Oesterreichischer Heimatabend. Am kommenden Donnerstag, um 21.20 Uhr, veranstaltet der Südwestfunk im Anschluß an den vor kurzem gegebenen Länderquerschnitt Oesterreich einen „Oesterreichischen Heimatabend", der in einer literarisch-musikalischen Hörfolge österreichisches Wesen und österreichische Kunst zu fassen sucht.
* Der Mittelwestdeutsche Stenographen b u n d Stolze- Schrey, der Hesien, Hessen-Nassau und Waldeck umfaßt, hält anläßlich der 50-jährigen Jubelfeier des Frankfurt a. M- Bockenheimer Stenographenvereins Stolze-Schrey seinen 46. Bundestag vom 30. April bis 2. Mai in Frankfurt a. M.-Bocken- Heim ab.
* Schäfflers Wettervorhersage f. Mai 1932. Bis etwas über die erste Dekade, mit Unterbrechung um den 7. Mai, schönes, warmes, nicht ganz trockenes Frühlingswetter. Am 4., 5. Mai Gewitter zu erwarten. Zur Eismännerzeit merkliche Abkühlung. Ab 19 Mai Südströmung, wieder wärmer, 26. Mai Gewitterneigung, Monatsende günstig.
Die ADAC.-Reichsfahrt führt durch Gießen.
Die Reichsfahrt des Allgemeinen Deutschen Automobil- Clubs ist zur größten innerdeutschen Automobil-Zuverlässigkeitsfahrt geworden. Trotz allen Wirtschaftshemmimgen wird der ADAC auch in diesem Jahre vom 9. bis 14. Mai seine große im Jahre 1921 begründete R^ichsfährt für Kraftwagen, Motorräder und Beiwagenmaschinen durchführen. Gießen wird am 13. Mai von den Rcichsfahrern erreicht. Die Stunde des Durchfahrens der Reichsfahrt-Kolonne werden wir noch mitteilen.
Der blaue Wimpel im ostdeutschen Erenzland.
Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland.
Während im vergangenen Jahre die große Volksdeutsche Pfingstkundgebung von Flachen gleichzeitig ein Bekenntnis der Dankbarkeit für die Treue des Rheinlandes war, pflanzt der V. D. A. in diesem Jahr seinen blauen Wimpel des Volksgedankens über den ostdeutschen GrenzlaNden auf. Die Tagung in Gis
nig ausgerufen (14. April 919). Einhundert Jahre nach dieser Wahl erfolgte eine weitere, die in der Erinnerung unseres Volkes lebendig blieb.
„Der fromme Kaiser Heinrich war gestorben, Des sächsischen Geschlechtes letzter Zweig,
Das glorreich ein Jahrhundert lang geherrscht".
Es handelt sich hier um Kaiser Heinrich 2. den Heiligen, der von 1002 bis 1024 geherrscht und als der letzte Kaiser aus dem sächsischen Hause im Juli 1024 auf Burg Grona bei Göttingen itaro Am 8. September 1024 fand zu Kampa in der Rheinebene zwischen Mainz und Worms die Wahl statt. Dort lagerten sich unter freiem Himmel, da weder Haus noch Stadt sie fassen konnte, Sachsen, Schwaben, Franken und Bayern auf der rechten, die Rheinischen Franken und die Lothringer auf der linken Seite des Stromes. Lange schwankte die Wahl; endlich wurden zwei erkoren: Herzog Konrad von Franken und Konrad, ein Graf aus Franken, der „Salier" genannt. Beide waren Vettern, demselben Geschlechte angehörig, beide Urenkel des tapferen Herzogs Konrad, der in der Schlacht auf dem Lechfeld den Tod gefunden hatte. Der Berichterstatter über diese Königswahl im Jahre 1024 ist Wipo, Kaplan Kaiser Konrads 2., ein gelehrter und zuverlässiger Beobachter, von dem uns außer lateinischen Gedichten eine Lebensbeschreibung Kaiser Konrads 2. erhalten ist Der Inhalt seines Berichtes lautet zusammengezogen etwa: „Lange konnte man sich nicht entscheiden, wem von beiden die Krone gebühre. Da trat der ältere Konrad zu dem jüngeren und stellte ihm vor, wie es ihm zieme, die ihrem Stamme wiederfahrne Ehre nicht zu ver- Idienen; zugleich versprach er, wenn man den jüngeren, Den Grafen, wähle, zuerst den Treuschwur zu leisten. Dasselbe versprach nun auch Graf Konrad. Als die beiden edlen Männer, allen sichtbar, ihre Uebereinkunft durch Umarmung und Bruderkuß besiegelt hatten, schritt man zur Wahl Der Erzbischof Aribo von Mainz gab laut und fröhlich seine Stimme dem älteren Konrad Die anderen geistlichen Großen stimmten ihm bei AIs nun die Reihe an bie weltlichen Fürsten kam, erhob ßdi Graf Konrad der Jüngere, gab vor allem Volke seinem älteren Detter die Stimme und führte so die Entscheidung herbei. Die übrigen Fürsten folgten, das ganze Volk stimmte freudig ein, in feierlichem Zuge ward der neue König nach Mainz geführt und dort gekrönt". Damals, im Jahre 1024, kehrte die Herrschaft, welche über hundert Jahre bei den Sachsen gewesen war, zu einem fränkischen Herrschergeschlecht zurück, und hundert Jahre behauptete das Haus der Salier unter harten Kämpfen mit der Kirche und den Gegenkönigen die Königskrone. Als nun im Jahre 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs 5. im Hause der Salier kein Königssohn mehr vorhanden war. galt der Neffe des Kaisers, Friedrich von Hohenstaufen, Herzog von Schwaben, im Volke als der nächste Anwärter auf die Krone Herzog Friedrich stand damals im 35. Lebensjahr, er war mit Jutta, der Tochter des mächtigen Herzogs Heinrich von Bayern, vermählt. Aus dieser Ehe entsproß jener Hohenstaufe. der einst als Kaiser Friedrich Barbarossa zu den größten Erscheinungen der deutschen Eeickichtc gehören sollte. Des Hohenstaufen Wahlgegner war der Herzog Lothar von Sachsen. Der Süden: Schwaven. Bayern, Franken, Oesterreich, Lothringen schien dem Hohenstaufen sicher, außerdem waren im Norden für ihn alle Feinde seines Wahlgegners. Herzog Friedrich war ein Feind der kirchlichen Herrschsucht und ein Gegner des höchsten kirchlichen Würdenträgers, des Erzbischofs Adalbert von Mainz. Lothar dagegen war als Feind der Salier und der Hohenstaufen der Kirche ein willkommener Anwärter auf die Kaiserkrone. Am Bartholomäus Tag (24.
bing, der sich Kundgebungen in Marienburg, Königsberg und Danzig anschließen, steht im Zeichen des Bekenntnisses zur osr- deutschen Aufgabe. Der Haupt-Festakt ist am Sonntag den 15. Mai, der auch durch den Deutschlandsender und den Ostmarken- rundfunk übertragen wird. Auch aus Hesien werden über 150 Teilnehmer, Erwachsene und Jugendliche, die Fahrt nach dem deutschen Osten antreten. Ein Sonderzug wird die Pfingstfahrer am 12. Mai über Berlin nach Stettin bringen, von wo nach beinahe 2t-stündiger Dampferfahrt das Ziel Elbing erreicht wird
Deutsches Geld - Deutsch« Ware!
Dr. P. Lteb. Landwirtschaft-lehrer und Wirtschaftsberater.
Der Mahnruf »Deutsche» Geld — Deutsche Ware" hatt» noch in keinem der vergangenen Jahre eine solche Berechtigung gehabt, erhoben zu werden wie in diesem. Die Welle der Arbeitslosigkeit ist bereits über die 6. Million empargeschlagen und droht weiterhin neue Bevölkerungskreise zu erfaßen. Hand in Hand mit der Arbeitslosigkeit steigt in weiten Schichten des Volke, die Verarmung, und entsprechend der zunehmenden Verelendung steigt auch die Verarmung der Staatsfinanzen. Eine notwendige Auswirkung dieses Vorganges ist und muß eine erneute und verschärfte Ueberprüfung der Produkte sein, die aus dem Au^ lande eingeführt werden, und die durch gleich gute deutsche Ware mühelos ersetzt werden können. Das gilt vor allen Dingen für Fertigfabrikate, bei denen also nicht nur das unveredelte Rohprodukt eingeführt wird, sondern bei denen der ausländische Arbeiter durch den Ankauf erneute Derdienstmöglichkeiten erhält. Wa, hier für die industrielle Einfuhr kurz angedeutet ist, gilt in verstärktem Maße für die agrarische Einfuhr, Unsere hochentwik- leite Landwirtschaft ist in der Lage, fast den gesamten Nah- rungsbedarf des Volkes zu decken und die Produkte in quali. tatioer Weise zu vervollkommnen, daß sie jedem auch dem verwöhntesten Geschmack Rechnung tragen können.
Den Bemühungen des Landwirtes und des deutschen Gatten- baues gegenüber hat der Staat die sittliche Verpflichtung, durch ausreichenden Zollschutz abwehrend auf die Ueberflutung deutschen Solarstes mit ausländischen Produkten hinzuwirken und damit die Bemühungen der Landwirte» — die Versorgung de» eigenen Markte» zu sichern — ausreichend zu unterstützen. Noch nie ist die Frage von so elnichneidender Bedeutung gewesen wie jetzt. Ungünstige Finanzlag« de» Staates und der Volkswirtschaft verbieten jede unnütze Einfuhr, und ein Versagen der deutschen Ernte muß zur schwersten Katastrophe führen. Die Landwirtschaft selbst sollte sich aber darüber klar sein, daß auch sie bei der Auswahl der ihr zur Verfügung stehenden Produktionsmittel nicht wahllos Dinge greifen sollte, die ihr in ausländischer Ware angeboten we^rn, wahrend die Produkte deutscher Arbeit in gleich guter Qualität zur Verfügung stehen. Es sei hier an ausländische Düngesorten gedacht, die vor dem Kriege vielfach verwendet wurden, die auch heute noch im Handel angeboten werden, die man aber ablehncn sollte, weil sie in gleicher Qualität durch deutsche Erzeugnisse zu ersetzen sind. Mehr denn je muß Stadt und Land bei der Auswahl der Ware das deutsche Erzeugnis bevorzugen. Deutsche» Geld — Deutsche Ware)
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August 1125) versammelten sich die Völker und Fürsten Deutschlands wiederum an den Ufern des Rheins zwischen Mainz und Worms, um auf fränkischer Erde, wie es die Ueberlieferung gebot zur Königswahl zu schreiten Der geschickten Diplomatie der Kirche, besonders der beiden päpstlichen Kardinal-L^aten Gerhard u. Romanus sowie des Erzbischoks Adalbert von Maiicz gelang es, dem Hohenstaufen den schon fast sicheren Sieg zu entreissen. Lothar von Sachsen wurde zum König gewählt. Ein furcbtbartr Bürgerkrieg der zehn Jahre lang Suddcutschland zerfleischte, war die Folge dieses Wahlganges Erst im Jahre 1135 — zehn Jahre später kam die Aussöhnung zwischen dem Hohenstaufen und dem Kaiser Lothar zustande Lothar starb am 3. Dezember 1137 zu Breitenwang bei Reutte in Tirol, auf der Rückkehr von einem Römerzuge, auf dem der Hohen staufe, Herzog Konrad, sein Reichs-Bannerträger gewesen war Herzog Konrad war der Nachfolger Lothars in der Königskrone, Die von nun an schier hundert Jahre im Hause der Hohenstaufen blieb. Konrads Neffe, Friedrich, der spätere Kaifer Barbarossa, wurde am 5 März 1152 mit seltener Einhelligkeit auf einem Reichstag zu Fraukfurt o. M gewählt und vier Lage später zu Aachen gefrönt Mit Kaiser Friedrich 2 . der am 13. Dezember 1250 zu Fiorentino in Unteritalien starb, schließt die Reihe der Hohenstaufenkaiser Die .kaiserlose, die schreckliche Zeit" folgte Im Oktober 1273 wurde Rudolf von Habsburg in Frankfurt a. M gewählt und am 24. Oktober in Aachen durch den Erzbischof von Köln gekrönt Don da ab ist von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Kaiserkrone bis zur Auflösung des alten heiligen römischen Reiches teutscher Nation im Hause Habsburg geblieben. Auch heute noch ruhen die Reich-- kleinodien, trotz der Umgestaltung der Staatsform, in der Schatzkammer der Hofburg zu Wien Ein Bild von Kaiser Rudolfs Wahl hat uns Schiller in seinem bekannten Gedicht gezeichnet:
„Zu Aachen in seiner Kaiserpracht, Im altertümlichen Saale, Saß König Rudolfs heilige Macht.
Beim festlichen Krönungsmahlc.
Die Speisen trug der Pfalzgraf des Rheins, Es schenkte der Böhme des perlenden Weins.
Und alle die Wähler, die sieben,
Wie der Sterne Ehor um die Sonne sich stellt, Umstanden geschäftig den Herrscher der Welt.
Die Würde des Amtes zu üben."
Das „Kurfürsten-Kollegium" wird zuerst im Sachsenspiegel (um 1230) erwähnt: „An des Kaisers Wahl soll der erste fein bet Bischof von Mainz, der nächste der Bischof von Köln und der dritte der Bischof von Trier Unter den Laien-Fürsten ist der erste an der Wahl der Pfalzgraf beim Rhein, des Reiches Truchseß, der andere ist der Herzog von Sachsen als des Reiches Marschall. Der dritte ist der Markgraf von Brandenburg als des Reiches Kämmerer. Der vierte, der Schenk des Reiches, ist der König von Böhmen Der hat keine Stimme bei der Wahl, darum, daß er nicht teutsch ist" Durch das Reichsgeset; der iGoIbenen Bulle" vom 23. Dezember 1356 wurde die Zahl der Wähler endgültig auf sieben festgesetzt Als Wahlort wurde Frankfurt am Main: als Krönungsstadt Aachen bestimmt Seit Ferdinand 1. (1556 bis 1564) fand die Kaiserkrönung regelmäßig in Frankfurt am Main statt Am 14. Juli 1792 ward der letzte Kaiser, Franz 2., in Frankfurt am Main gefrönt; am 6. August 1806 sank das alte heilige römische Reich teutscher Nation, das Wahlkämpfe oft so heftig erschüttert hatten, nach mehr als tausendjährigem Bestehen ins Grab
Dr . Ludwig Roth.
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