Samstag, den 23. Januar 1932.
„Gießener Zeitung"
Nr. 3.
Zur Lage in Seifen.
In einer Unterredung, die der hessische Staatspräsident gestern dem Vertreter des WTB gewährte erklärte Staatspräsident Dr. Adelung zu einigen aktuellen hessischen Fragen u. a.:
Die gegenwärtige Regierung hat auf Grund der Verfassung solange die Geschäfte des Staates zu führen, dis der Landtag imstande ist, eine andere Regierung zu bilden. Im Landtag ist eine Hochflut von Anträgen zusammengelaufen, die zumeist dem Staat große Ausgaben zumuten, ohne einen möglichen Weg anzugeben, woher die Mittel genommen werden sollen. Das Plenum nahm bereits einen Antrag der Nationalsozialisten, als den weitgehendsten an auf Gewährung einer Winterhilfe, der für Hessen eine Ausgabe von rund 19 Millionen RM. bedeutet (auf das ganze Reich übertragen würde, rund 1 Milliarde notwendig sein). Zn derselben Sitzung wurden noch zwei Anträge angenommen, die eine weitere Ausgabe von je 6 Millionen erforderte, so daß die bewilligungsfreüdige Mehrheit insgesamt rund 31 Millionen zu verausgaben beschloß, ohne ernstlich anzugeben, wie die Deckung erfolgen soll. Weiterhin sind jetzt von den Nationalsozialisten noch Anträge gestellt worden, die für den Staatshaushalt einen Ausfall von zirka 10,5 Millionen bedeuten. Die nationalsozialistischen Anträge und Bewilligungen bedeuten also für den Staatshaushalt an Mehrausgaben oder Mindereinnahmen eine Belastung von rund 40 Mill. Die kommunistischen Wünsche übersteigen die Summe von 110 Millionen. Beklagenswert ist die parlamentarische Verwilde-- rung, die sich in der Stellung derartiger vollkommen unerfüllbarer Anträge dokumentiert, weil dadurch in manchen notleidenden Kreisen in unverantwortlicher Weise Hoffnungen erweckt werden, die ganz unmöglich vom Staate als dem Volksganzen erfüllt werden können. Die Regierung ist gegenwärtig mit der Aufstellung des Voranschlags beschäftigt, sie hofft ihn durch allerstrengste Einschränkungen und Einengungen trotz der Not der Zeit ausgleichen zu können.
Handwerk und Nhein-Ruhr-Hilfe.
Zn den letzten Tagen ist in einzelnen Zeitungen die Nachricht verbreitet worden, die vom Reich Mr das Handwerk im ehemals besetzten hesiischen Gebiet überwiesenen Mittel der sog. Rhein-Ruhr-Hilfe seien u. a. zum Ankauf eines Hauses, zu Baudarlehen an höhere Beamte, zur Kreditgewährung an einen früheren Landtagsabgeordneten und zum Sammeln von Zinsen verwendet worden. Alle diese Behauptungen sind aus der Luft gegriffen. Das gesamte Geld aus dem Rhein-Ruhr-Fonds einschließlich desjenigen, das der Handwerker-Zentralgenossenschaft von der Handwerkskammer überwiesen worden ist, wurde vielmehr in Einzeldarlehen zu verbilligten Zinssätzen an die Handwerker des besetzten Gebietes gegeben. Die Mittel zu dem erwähnten Ankauf des Hauses, zu Vaudarlehen - und zwar nicht nur an die in der Preße genannten, sondern auch an zahlreiche andere Personen —, und Mr den erwähnten Kredit stammen nicht aus dem Rhein--Ruhrfonds. Auch diese Gelder sind alle zur Belebung des schwer daniederliegenden Handwerks gewährt worden.
Lokalts.
Sonntagsgedanlen.
Glück haben sich die Menschen gewünscht, als der Morgen des neuen Jahres anbrach. Glück? — Za in eines jeden Menschenbrust ist dieser Drang lebendig^lücklich zu sein, glücklich zu lern ohne Ende. Wo finden wir Menschen das Glück? Die Freuden auf dieser Welt, die wirklich glücklich machen können, sind wie ein winziges Tröpfchen auf einem Eismeer voll Bitterkeit. Gar allzuviele werden durch falsche Vorspiegelungen über diese Tatsache hinweggetäuscht. Nur zu bald erkennt man vor Gauklerbuden die Wirklichkeit. Man hascht nach Blumen und greift nicht selten in spitzige Dornen. Dieses Erdenglück, von dem man so oft spricht, besteht nur in der Einbildung derer, die es nicht haben. Da steht mancher vor einem Palast und denkt sich hier wohnt das Glück. Und die drinnen woynen, wissen nichts davon, so sehr sie auch durch Flitterstaat sich den Schein von Glück zu erlügen trachten.
Das wahre Glück jte'fyt nicht auf dem Wege durch dieses Leben. Es liegt jenseits über dem Berge, den wir alle zu besteigen haben, um in das Land der ewigen Sonne zu kommen. Und wenn uns auf diesem schweren Wege ein gutes Gewissen begleitet, dann haben wir mehr Glück als jedes Erdenglück uns geben kann. Es ist das Glück des Wanderers auf beschwerlichem Wege, daß er den rechten Weg hat Das sind die glücklichsten Menschen. .
Nie gab's auf Erden bleibend Glück und nie wird's eines geben;
was man erreicht hat, tritt zurück vor ewig neuem Streben.
Erfüllter Wunsch dem grösseren weicht;
' nie zieht ins Herz Genüge ein;
und wenn du je dein Glück erreicht, so hört es auf dein Glück zu sein.
* Der Sonntagsschreiber.
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* Nothilfe-Speisung bedürftiger Kinder durch die Reichswehr. èin vorbildliches Beispiel von Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gibt die Gießener Reichswehrgarnison, das 1. Btal. Jnf.-Regt. 15. Sämtliche Angehörigen des Bataillons haben auf drei Monate, und ^war bis Mitte April, auf'einen Teil ihrer monatlichen Besoldung verzichtet und dieses Geld einer Kasse überwiesen, beten Aufgabe es ist, bis zum 15. April für rund 100 bedürftige Volksschulkinder an jedem Werktag ein warmes Mittagesien mit täglicher Fleischportion zu liefern. Die Speisung der Kinder geht in den Räumen der Schulküchen vor sich, wohin das Mittagessen, das in der Militärküche der Kaserne, unabhängig von der allgemeinen Soldatcnküche zubereitet wird, mit einer Feldküche gebracht wird. Zurzeit werden auf diese Weise an jedem Werktag 104 Kinder aus den Mitteln dieser freiwilligen Geldspende der Soldaten gespeist.
* Konfirmation und Notzeit. Das Landeskirchenamt hat in seinem letzten Verordnungsblatt vom 31. Dezember v. Z. darauf hingewiesen, daß in bezug auf die Kleidung der Konfirmanden bei den kommenden Konfirmationsfeiern größte Einfachheit und Schlichtheit in diesem Zähr ganz besonders am Platze sei. Den Pfarrämtern ist aufgegeben, darauf hinzuwirken, daß endlich einmal von dem Prunk, der sich im Laufe der Zahre eingebürgert hat, Abstand genommen wird. Auch die Begüterten, die es sich an sich auch heute noch leisten können, sollten mit Rück-
sich auf die weniger gut Gestellten es sich versagen, sich heroor- zutun. Die Konfirmation ist hierzu am allerwenigsten geeig. net.
* Festgenommen. Zn der Nacht zum vergangenen Dienstag« wurde der vielfach vorbestrafte Hermann Rohr bei einem Ein-V bruchsoersuch in das Rathaus von Ober-Roßbach festgenommen. Rohr war im Besitze eines Personenkraftwagens, den er am Abend zuvor in Usingen entwendet hatte. Es ist nicht ausge- schloßen, daß auch der in der Nacht zum letzten Montag in Butzbach ausgeführte Autodiebstahl auf das Konto des Rohr kommt, denn nach den Feststellungen hielt er sich am Sonntag in Butzbach auf. Die weiteren Ermittlungen werden von der LKP- Stelle Gießen durchgeführte.
* Auszahlung von Renten. Die Renten, die seither im Gasthaus „Zum Lamm" gezahlt worden sind, werden fortan wieder bei dem Hauptpostamt, Eingang Paketannahme un> -Ausgabe, und zwar in der Zeit von 8,30 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr gezahlt. Nächster Zahltag für Heeresrenten am 29. Za- nuar, für Sozialrenten am 1. Februar.
* Schadenfeuer. Heute vormittag brach im 1. Stock des Grundstückes Kreuzplatz 7 (Meyerhoff und Goslar) in der Küche ein Schadenfeuer aus, dem die Kücheneinrichtung zum Opfer fiel. Der Brand wurde mühelos durch die alarmierte Feuerwehr gelöscht. Entstanden war das Feuer durch in Brand geratenes Fußbodenöl, das von der Hausangestellten zum Flüßig- werden auf den Herd gestellt worden war. Die Hausangestellte selbst trug leichte Brandwunden an den Händen davon, fit sprang in ihrer Angst zum Fenster hinaus auf einen Well. blechschuppen. Mit leichteren Verletzungen wurde sie in die Klinik geschafft.
* 40 Jahre Uhrmacher- u. Eoldschmiede-Innung. Die freie Znnung der Uhrmacher urtd Goldschmiede Gießens und Umgebung beging in schlichter würdiger Feier den Zahrestag ihres 40jährigen Bestehens. Seitens des Verbandes Hesien, zahlreicher Innungen und des Zentralverbandes der deutschen Uhrmacher wurde der hiesigen Znnung und besonders ihrem Ehrenvorsitzenden Otto Schmidt-Gießen, der nunmehr 40 Zahre die Geschäfte der Znnung führt, Ehrungen dargebracht.
* Ein Tag des Berufes. Am morgigen Sonntag veranstaltet der Zugendbund im GDA. im ganzen Reiche Berufswettkämpfe, Scheinfirmenwettkämpfe, Ausstellungen u. a.. Kein besserer Gedanke als der Wettkampf selbst vermag die Freude an der eigenen Leistung und den Eifer im Ringen mit anderen auszulösen. Zn Fortentwicklung der beruflichen Wettbewerbe bringt der GDA. hier zum ersten Male einen Mannschafts-Berufswettkampf. Nicht einzeln, sondern in Gruppen haben die Teilnehmer die Aufgaben zu lösen. Bis zum Alter von 20 Zahren können sich alle kaufmännischen Lehrlinge und Zungangestellten beteiligen. Die Teilnahme ist kostenlos und die gesamte Angestelltenjugend unserer Stadt ist zur Mitbeteiligung aufgerufen.
* Öffentlicher Vortrag. Oberarzt Privatdozent Dr. Stroh spricht im 3. öffentlichen Dortrag des deutschen Verbands für psychische Hygiene am Sonntag, den 24. Zanuax, vorm. 11,15 i Uhr, im Hörsaal der Nervenklinik über „Die Aufbauanalyse als | Weg zur Erkennung und Verhütung seelischer Krankheitszuständ«
Gegen Röse der Hände und des Gesichts
sowie unschöne Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig-weiße Creme Leodor, die gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder ist. — Die kühlende und heilende Wirkung tritt besonders im Winter in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte stark gerötet sind. Auch bei spröder und aufgesprungener Haut, insbesondere bei dem so lästigen Juckreiz der Haut, leistet die Creme vorzügliche Dienste. In allen diesen Fällen trägt man sie in dünner Schicht
auf und wiederholt dies mehrmals täglich, abends in stärkerer Schicht. Der nachhaltige Duft dieses Creme gleicht einem taufrisch gepflückten Frühlingsstrauß von Maiglöckchen, Veilchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut. -*- Leodor-Kühl- Creme, rote Packung; Leodor-Fett-Creme, blaue Packung. — Wirksam unterstützt durch Leodor- Edel-Seife. — Unter- Vorkriegspreise. — In allen Chloi;odont-VerkaufssteUen erhältlich
Rolli, der Stürmer.
Roman von Falk Heldburg.
(3. Fortsetzung.)
Roland Lichti suchte nach einer Antwort, aber die Gorenflo war bereits gegangen.
Nur die Effektenpost lag noch da
Er glaubte, die interessierten Blicke seiner Kollegen zu fühlen Trotzdem nahm er hastig einen Bogen Papier und schrieb folgende Zeilen:
Sehr geehrte gnädige Frau!
Gern bin ich Zhnen und Zhrem Bübchen gefällig. Punkt dreiviertel 5 Uhr — bis dahin hält mich das Büro fest — werde ich vor dem Sportschaufenster von Rosenbaum u. Epstein auf Sie warten.
Mit Dank Mr Zhr Vertrauen Roland Lichti.
Zn betonter Haltung übergab er diesen Brief dem alten Kassenboten, der eben von Hilde Gorenflo nach dem Postscheckamt geschickt werden sollte.
Der Mann sah erstaunt auf.
„Der Frau Legations^t hab' ich heute sowieso Geld zu bringen,“ sagte er bedächtig „Tut mir immer leid, die liebe, schöne Frau, noch so jung und schon Witwe Aber Moos. viel Moos, Herr Lichti"
Er schmunzelte.
Roland sah voller Genugtuung, wie Hilde jäh erblaßte. JSr ging an seinen Tisch zurück und vertiefte sich in die Arbeit. Heute mußte er auf jeden Fall pünktlich fertig werden.
Das Stelldichein
Aber nicht nur Roland Lichtis Denken wurde an diesem Vormittag von Frau Maria Hedemann bestimmt, sondern auch der Prokurist des Bankhauses Brosang u Co. mußte sich mit ihr, das heißt, ihren Eeldbedürfnijsen, länger beschäftigen als ihm lieb war Wieder lag vor ihm. wie an jedem 1. und 15., ein Brief dieser Kundin, von dem er nicht wußte, ob die Raivi- teit, die aus ihm sprach, ungewollt oder gewollt war. Fast war er geneigt, das letztere anzunehmen und das bestärkte ihn in seinem Beschluß, Frau Hedemanns Ersuchen abzulehnen. Eingedenk der gesellschaftlichen Stellung der Dame wollte er aber vorher mit Herrn Brosang den Fall durchsprechen.
„Fräulein Gorenflo, bringen Sie mir doch mal die Mappe Hedemann."
„Wollen Sie. sich unbedingt die Laune verderben, Herr Windecker'? Von der Buchhaltung habe ich schon einen Kontoauszug machen lassen Auch wenn wir die Effekten zu ihrem vollen Kurswert einsetzen, bat Frau Hedemann mindestens schon 10- bis 12 000 Mark zuviel bekommen "
.Was soll ich tun? Sie wissen ia. daß der Chef sehr schwer nein sagen kann, wenn ihm eine schöne Frau geqenübcr- sitzt ^7000 Mark wünscht sie heute?''
Der Prokurist ließ sich mit Frau Hedemann verbinden und "onnete ihr daß vor Bewilligung eines nmen Kredites eine Abrechnung des Kontos nötig sei
„Haben Sie mich verstanden gnädige Frau?"
Ihm war so, als ob er in eine unterbrochene Leitung spräche, auf jeden Fall bekam er te»ne Antwort
Eigentlich war ihm das in seinem langen Leben noch nicht passiert. Schon glaubte er, seiner Entrüstung irgendwie Ausdruck geben zu sollen — aber er dachte dann an die letzten Worte des Chefs, Die auf die Pläne Kornberg-Hedemann binzielten und die. wenn sie sich verwirklichten dem ganzen Fall ein anderes Aussehen gaben
Als die Sekretärin die Mappe Hedemann wieder an sich nahm und den Prokuristen dabei fragend anblickte, bekam sie keine weitere Erklärung, ein Verfahren, das sie eigentlich auch nicht gewöhnt war
Aber nach einigen Minuten kam sie doch wieder. „Der Kassenbote will wissen, ob er noch in die Hindenburgstraße zu Frau Hedemann muß."
„Nein, der Weg erübrigt sich."
Als der Kassenbote erfahren hatte, daß er nicht in die Hindenburgstraße brauchte, fragte er: „Was soll ich nun mit Lichtis Brief anfangen9"
„Geben Sie ihn vorläufig mir und verlieren Sie keine Zeit mehr."
Erst nachdem noch einige Stunden verflossen waren, ging Hilde Gorenflo mit dem Brief zu Roland Lichti.
„Hier ist Zhr Brief!"
Es war bald 4 Uhr geworden.
Lichti ging in die Zelle die für Dienstgespräche des Bankpersonals bestimmt war
„Zst dort Frau Hedemann?"
„Guten Tag, gnädige Frau und schönen Dank für die gütige Einladung. Ein Brief liegt schon lange bereit für Sie. aber unser Bote hai wieder mal keine Zen Zch habe oorqeschlagen. daß wir uns vielleicht um dreiviertel 5 Uhr vor dem Sportschau- fenster von Rosenbaum u Epstein sehen könnten"
Zn diesem Augenblick erschien Hilde Gorenflo mit ihrem Notizblock?
„Sie haben verstanden? Auf die Minute kommt es nicht an Grüß Gott, gnädige Frau!"
Er hängte den Hörer wieder an und überließ die Zelle 'einer Kollegin, die es ebenfalls sehr eilig zu haben schien
Schon um halb fünf Uhr räumte Roland Lichti sein Pult aus. Als er am Zimmer des Prokuristen oorbeikain. schlug ihm doch das Gewißen Er klopfte an die Tür und teilte yercu Windecker mit. daß er um zum Training der Rot-Weißen w kommen, heute einige Minuten eher aufhören möchte"
.Schönes Training," meinte Hild? Gorenflo. als Lichti wieder draußen war „schönes Training'"
„Wie meinen Sie bas9 Von der Seite habe ich Lichti eigentlich nicht lennengelernt"
„Als wenn es die Spatzen nicht von den Dächern pfiffen baß Lichti es mit schönen Frauen aalt Als ich ihn eben in der Telephonzelle ablösen wollte habe ich ja gehört, daß er mit der lungen Witwe Hedemann zu dreiviertel 5 Uhr ein Rendez- ' Dous verabredet hat" ;
Der Prokurist tat, wie vom Schlage getroffen. Ganz ge- ; gen »eine Gewohnheit griff er nach einer Zigarette, vergaß dann aber doch biek in Brand zu eher Gorcnslöchen Sie waren doch niemals eine Schwätzerin? Also doch wahr9 'Run. es ist vielleicht gut, daß ich do klar sehe Zch gestehe jo-
gar, daß mich der Fall nicht nur menschlich, sondern auch ge schäftlich interessiert Zch wünsche, daß Sie sich eine Tore nehmen und feststellen ob es mit dem Stelldichein feine Richtigkeit hat"
Als Hilde Gorenflo tm Auto ar die Roienoaumsche Ecke kam, konnte sie nur noch beobachten wie Frau Maria Hedemann und Roland Lichti in das stadtbekannte amerikanisch« Auto der Dame stiegen, wie der Chauffeur hinter ihnen die Autotür zuschlug und sofort ein nicht straßenübliches Tempo vorletzte, um die Landstraße nach Lauterberg zu erreichen
„fahren Sie zurück nach der Erbprinzenstraßc. Bankhaus Brosang."
Hildes Bericht war kurz und sachlich
Ohne Obacht unterschrieb Windecker seine Briefe Was er durch seine Sekretärin erfahren hatte, war für sein einfaches Denken zu viel.
Abenteuer der Seele.
2,Sie sehen in Zivil viel schicker aus als im Fußballdreß Es ist wohl nur Znfall, daß Sie um diese Zeit nicht im Dreß sind, weil Sie eigentlich trainieren müßten?! Ach was, Zhr Training lassen Sie nur schießen . . . Aber das sage ich Zhneu, Herr Lichti, wenn Sie mir nochmals ein Rendezvous an der Warenhausecke vorschlagen, dann ist es aus zwischen uns. Das ist nicht mein Stil, und es war ein Glück, daß ich Sie so schnell entführen konnte. Eigentlich hätten Sie die Rolle des Entführers übernehmen müssen/
„Wo ich annahm, daß wir einen kleinen Fußball laufen wollten? — Zch bin auch so ganz zufrieden. Ein prächtiger Wagen . . ."
„Also wirklich keine Enttäuschung? Welche Ehre für mich . . . Aber was wird nur mein Hänschen morgen anfangen, wenn er seinen Fußball nicht bekommt? Run, er merkt es ja nicht, wenn sein Geburtstag einen Tag hinansgeschoben wird. Können Sie sich denn niemals vormittags freimachen, Herr Lichti?" I
„Das ginge nur in den Mittagsstunden von eins bis drei.' „Nichts zu wollen, bann gehe ich nicht in die Läden . . Sagen Sie, was haben Eie gedacht, als Sie meinen Brief bekamen? Passiert Zhnen öfter derartiges?"
„Kaum gnädige Frau! Wir Fußballer sind ein .änderbares Volk. Die Frauen wissen, daß wir wenig Zeit Mr |ic haben. Es gibt im Sport sogar ein ungeschriebenes Gebot, das uns während der Saison zwi ngt, auf Alkohol, grauen Hebt und ähnliche Gifte zu verzichten."
„Gifte? Gifte? Sagten Sic Gifte? Das ist ,a sehr schmeichelhaft ... Sie waren aber trotzdem sehr artig, als Sie in meinen Wagen stiegen."
Roland Lichti lachte. Er bot Frau Hedemann Zigarette und Feuer an und bekam die Erlaubnis, ebenfalls zu rauchen.
„Zch freue mich, daß Sie so guter Laune sind, gnädige grau ..." _ I
Kennen Sie mich übechaupt? Nicht wahr, Sie willen, baB | ich in unserer guten Stadt die interefsante Frau bin? Wtar es ist nur halb "so schlimm. Wirklich interessant komme ich mir erst heute vor Das dürfen Sie mir glauben . . . Zch mache mir Sorge, wie Sie meinen Brief und nun unsere Fahrt beurteilen
könnten . . ."
Rolartd Lichti wehrte ab.
Fortsetzung folgt.