Einzelbild herunterladen
 

Samstag, den 19. November 1932

Gießener Zeitung"

Nr. 46

StadtratsMung in Gießen.

Die nach län-gerer Pause am Donnerstag, den 17. November 1932, erstmals wieder einLerufene Stadtratssitzung hatte als Auftakt einen Antrag des Kommunisten Kästner, -er eine Winterbeihilfe von 50 Mark für jeden Erwerbslosen, Renten­empfänger und 15 Mark für jeden Familienangehörigen der­selben und Naturalien wie Kleidung, Lebensmittel und Brenn­stoffe forderte. Die hierfür notwendigen Mittel sollen durch die noch besitzenden Bürger der Stadt, insbesondere Haus- und Grundbesitzer, aufgebracht werden. Oberbürgermeister Dr. Kel­ler bemerkte, daß er diese Anträge nach den Vorschriften der Geschäftsordnung zur heutigen Sitzung nicht mehr zulassen könne, da dieselben nicht rechtzeitig eingebracht worden wären.

Der Sitzungsverlauf:

Als 1. Punkt wurde als Antrag des Finanz-Ausschußes die Festsetzung der

Ausschlagsätze für die Umlagen und die Sondergebäudesteuer der Stadt für das Rechnungsjahr 1932

behandelt und wie folgt zur Annähme gebracht:

1. für Gebäude und Bauplätze auf 32,9 Rpfg.

2. für land- und forstwirtschaftlich genutzten Grund­besitz auf 32,9 Rpfg.

beides für je 100 RM. Steuerwert;

3. a) für je 100 RM. des Gewerbekapitals auf 57,2 Rpfg.

b) für je 100 RM. des Gewerbeertrags auf 264 Rpfg.

4. für je 1 RM. des staatlichen Sondergebäude- steuer-Solls von den Werten:

b) bis 7000 RM. auf 54,93 Rpfg.) einschließlich

b) über 7000 RM. auf 47,93 Rpfg.) des Kreisanteils abzüglich 20 Prozent Sonderstouersenkung.

Die Erhebung erfolgt in 6 Zielen jeweils zum 25. der Monate Mai, Juli, September, November 1932 und Januar und März 1933. Die für das Rj. 1932 bisher geleisteten Vor­auszahlungen sind aufzurechnen.

Ein weiterer Antrag des Finanz-Ausschusses, der die Rech­nung des städtischen Wohlfahrtsamts für das Rechnungsjahr 1929 betrifft, wird wie folgt angenommen:

1. Genehmigung der Kroditüberschreitungen in

Höhe von 106 189,35 RM.

zu Lasten der nachgewiesenen Deckungsmittel.

2. Genehmigung zur Liquidation der Ausstände laut Verzeichnis mit 6594,59 RM.

Die in Einnahme mit 1 450 371,77 RM. und in Ausgabe mit 1 443 777,18 RM. abschließende

Rechnung wird nicht beanstandet.

Zwei Rechnungsanträge der Betriöbs-Deputation, die die städtische Straßenbahn und das Elektrizitätswerk für deren Rechnungsjahr 1930 betreffen, werden gleichfalls angenommen:

1. Festsetzung der Ablieferung an den Erneuerungsstock rungsstock auf 17 584, RM.

2. Festsetzung der Abführung an den Rücklage­stock auf 1 081,25 RM.

3. Festsetzung des Detriebszuschußes auf 50 384,78 RM.

4. Genehmigung der Kreditübe rffcheitungen von 17 686,15 RM.

Die in Einnahme und in Ausgabe mit 391 742,01 RM, ab­schließende Rechnung wird nicht beanstandet.

1. Festsetzung der Ablieferung» an den Erneuerungsstock auf 150 000, RM.

2. Festsetzung des Betriebsüberschusses auf 378 000, RM. 3. Liquidation der Ausstände laut Verzeichnis in Höhe von 413,78 RM.

4. Genehmigung der Kreditüberschreitungen gegen­über dem Voranschlag von 566 890,95 RM

zu Lasten der nachgewiesenen Deckungsmittel.

Die in Einnahme mit 2 728 578,05 RM. und in Ausgabe mit 2 728 164,27 RM. abschließende Rechnung wird nicht bean­standet.

Es werden dann eine Reihe von Gesuchen um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb des Sozialpolitischen Ausschußes behandelt, wobei es öfters zu recht lebhaften Auseinander­setzungen kommt. Der Bedürfnisfrage wurde bei folgenden Ge­suchen zugestimmt: des Heinrich Altensen und Ehefrau Sophie, geb. Müller, zu Gießen, Bruchstraße 12, hier handelt es sich um Uebergang vom Vater auf den Sohn; des Hermann Christmann zu Gießen, Steinstr. 23 Uebergang auf einen neuen Eigentümer; des Leopold Herr zu Gießen, Kaiserallre 27,Zum Krokodil" Uebergang auf einen neuen Pächter; der Anni Pfitzner zu Gießen, um Erlaubnis zum Kaffeewirt­schaftsbetrieb mit Ausschank alkoholfreier Getränke auf dem Diehmarktplatz am Güterbahnhof, gelegentlich der stattfindenden Zucht- und Nutzviehmärkte Uebergang; der Marie Stritt- macher zu Gießen, um Erlaubnis eines vegetarischen Diätre­staurants mit alkoholfreiem Ausschank, Bahnhofstr. 56 Neu- errichtung.

Abgelehnt wurden die Gesuche: der Firma Kaufhaus B. Elsoffer, für die Firma EEP. zu Gießen, um Erlaubnis zum Kaffeewirtschaftsbetrieb und Verkauf von Spiritussen in ver­schlossenen Flaschen im Hause Schulstraße 6, und der Firma Erwege", Einhoitspreis-GmbH., zu Gießen, um Erlaubnis zum Handel mit Spirituosen in verschlossenen Flaschen und zum Kaf- feowirtschaftsbetrieb mit Ausschank alkoholfreier Getränke, im Hause Schulstraße 11.

Einer Anzahl von Baugesuchen wurde antragsgemäß des Bau-Ausschusses zugestimmt; es sind dies: Eisenbahn-Heim- stättenverein GmbH. Gießen, zur Errichtung von 2 Baugruppen mit 10 Wohnungen, am Wartweg; Sanitätsrat Dr. Fritz in Grünberg, zu einem Wohnhaus; Ludwig Klingler zu Gießen (Hotel Schütz), um Erteilung der Genehmigung zur Ausführung einer Verbindungstüre durch die gemeinsame Brandmauer der Häuser Bahnhofstraße 52'und 54; Gießener Eisverein e. D., zur Errichtung einer Unterkunftshalle auf der Eisbahn; Baugenos­senschaft 1894 zu Gießen, zmn Dau eines Einfamilienhauses auf dem Grundstück an der projektierten Straße zwischen Licherstraße

und Alten Steinbacher Weg; Dr. med. Dauernheim am Aulweg. Willy Peetz in Klein-Linden, zur Errichtung einer Autogarage auf seinem Grundstück Grünberge vstr. 70; Heinrich Walther aus Beuern, zur Errichtung eines Einfamilienhauses; Wilhelm Büttner, Errichtung eines Wohnhauses am Nahrungsberg; Heinrich Wagener, Errichtung eines Ladenanbaues an das Haus Frankfurterstraße 45.

Auch die Neufestsetzung des Bebauungsplanes über das Gebiet zwischen Gaffkystraße, Freiligrathstraße, Aulweg, Schu­bertstraße und Wartweg, Bergwerk, Freiligrathstraße, Aulweg fand antragsgemäße Zustimmung. Einer Anzahl von Arbeits- oergebungs- und Lieferungsanträgen, die insbesondere Re- paraturavbeiten im Gaswerk, Neubau einer Rinderkuttelei bzw. Einbau einer Düngerpresse, Erneuerung des äußeren Anstrichs der Häuser in der Enauthstraße, Vergebung der Arbeiten für die Errichtung von Kleinwohnungen an der Krofdorferstraße be­treffen, wurde weiter zugestimmt.

Kreditbewilligung:

Für die Erweiterung der Straßenbeleuchtung werden

für die Schottstraße, Buchnevstraße und An der Margareten- Hütte Kredite zu Lasten des Reservefonds bewilligt. Für den Einbau einer Entkeimungsanlage, Einrichtung einer Druckluft­spülung und für die Beschaffung eines Reinigungsapparates im städtischen Volksbad zu lasten des Erneuerungsstockes des Volksbades. Für die Ausführung von Reparatur- und Jn- standsetzungsarbeiten beim städtischen Wasserwerk; Pflasterung im Pumpwerk Queckborn und Reparatur der beiden Schutz­häuschen in der Stollenanlage Alten-Duseck. Für das Ar- boitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung, für die Durchführung des ersten Bauabschnitts des Lahndurchstiches werden zur Beschaffung von Geräten, Gerüsten und Werkzeugen sowie für das Leihen von Feldbahnmaterial und Bereitstellen von Baubuden, Knüppeldamm usw. Mittel bewilligt. Für die Kosten der Unterhaltung der Uniformen für die Mit- glieder der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Für die Gas- und Wasserrohrverlegung im neuen Teil Schiffen bcrger Weg.

Es werden dann noch für das Rechnungsjahr 1930 die Rech­nungen des städtischen Volksbades, des städtischen Wasserwerks und des städtischen Gaswerks gutgeheißen und genehmigt.

Der vom Hessischen Polizeiamt Gießen vorgeschlagenen Aen­derung der Polizoiverordnung für die Erhaltung der Sicher- heit und Ordnung in und vor dem Stadttheater zu Gießen vom 17. Januar 1922 wird gleichfalls zugestimmt und der vorge­schlagenen Aenderung des § 3 der Polizeiverordnung über die Verkehrsregelung in der Stadt Gießen vom 30. 11. 1928, die eine Entlastung der Straßenenge beimEinhorn" und in der Kirchstraße bezweckt.

Zum Schluß der öffentlichen Sitzung erklärt Bürgermeister Dr. Hamm die in der Stadt Gießen kursierenden Gerüchte über bestehende Unstimmigkeiten mit dem Kruppschen Brann- steinbergwerk und der Gießener Stadtverwaltung, die sogar schon zu einem Prozeß geführt hatten, den die Stadt Gießen bereits verloren hätte, als völlig unsinnig und aus der Luft gegriffen. Kein wahres Wort sei an derartigen Erzählungen

^Schöne weiße Zähne: Chlorodont VMMW

Sie LandStneckie

Sportroman von Emil Wöhner.

r druck verboten.)

Komm, Mädel, schenke wieder ein vom gold'nen Saft dem Sieger, und weihe herzhaft einen Kuß dem friedlich frohen Krieger.

So stärkst du ihm den kühnen Mut mit treuer Lippen Feuerglut zu schönen neuen Siegen."

Marieliese saß mit ihrem Vater im Frühstüclszimmer eines eleganten Boulevard-Hotels beim Morgenkaffee.

Morgen früh reisen wir nun endgültig ah, Marlies. Das große Gepäck ist schon gestern abgegangen. Hast du Mary den Auftrag gegeben, daß sie die Autokoffer packt?"

Marieliese nickte zerstreut und sah durch die hohen Spiegel­scheiben auf den sonntäglichen Verkehr der breiten Ringstraße. Ihre Gedanken waren bei dem jungen Fußballspieler Theo Hansen, der heute nachmittag in Köln zum erstenmal inter­national kämpfte. Sein erstes Länderspiel! Wie gern wäre sie dabei gewesen!

Ich habe den Eindruck, Marlies, als ob es dir in Paris nicht sonderlich gefallen hat. Wie oft bist du in meiner Ab­wesenheit im Louvre gewesen . . .?"

Einmal. Mich interessiert das alles nicht sonderlich."

Aber Marlies, wie ist das nur möglich? Diese Kunst­schätze! Ich könnte mich wochen-, nein, monatelang dort auf­halten."

Ja, du . . . Ich kann mich nicht dafür begeistern. Aber cs gehört zum guten Ton, Interesse zu heucheln. Na, ich pfeif darauf."

Nein, Marlies, dein Kunstverständnis . . ."

.....ist nur sehr minimal. Leider. Oder auch Gott sei Dank. Je nachdem. Ich bin eben mehr für die Wirklichkeit."

Ein Kellner kam an den Tisch und verbeugte sich:Ein Ferngespräch aus Orleans."

Einen Augenblick, Marlies."

Nach ein paar Minuten kam Henderson wieder zurück.

Also, Marlies, eben ruft mich ein Kunsthändler aus Orleans an, er hätte einen echten Rubens aufgetrieben . . .!"

Marieliese sah von ihrer Sportzeitung auf.

Nicht möglich, Vater."

Henderson überhörte den ironischen Ton.

Da müssen wir natürlich schon heute mittag fahren. Ich werde Henry Bescheid sagen, daß er das Auto gegen zwölf Uhr bereit hält . . . Einen echten Rubens! Aber ich glaube |

es nicht eher, als bis ich das Bild gesehen habe. Ich werde auch noch einen Sachverständigen hinzuziehen müßen. Wahr­scheinlich ist es eine Kopie. Was meinst du, Marlies?"

Wenn es so gute Kopien gibt, die du nicht einmal ein­wandfrei vom Original unterscheiden kannst, würde ich an deiner Stelle überhaupt nur Kopien laufen, weil sie bedeutend preis­werter sind."

Davon verstehst du absolut nichts," meinte Henderson verstimmt.

Das habe ich dir vorhin schon einmal im Vertrauen ge­sagt," meinte Marelese lächelnd.Aber du fragst mich ja immer wieder."

Du bist eben nur im Sport bewandett. Nun liest du schon wieder in einer Sportzeitung. Natürlich eine deutsche. Dabei schickt Fred dir jede Woche amerikanische Blätter. Aber du siehst kaum hinein. Das ist doch merkwürdig."

Marieliese hörte nicht mehr zu. Mit klopfendem Herzen las sie:

Von dem heute nachmittag im Kölner Stadion statt­findenden Länderspiel Deutschland Dänemark wird die zweite Halbzeit 14 Uhr 15 auf Rundfunk übertragen . . . Marieliese sah auf. Ihr Vater war fortgegangen.

,-Jch muß diese Ucbertragung unbedingt hören", dachte sie.Wenn bloß dieser blöde Kunsthändler aus Orleans nicht dazwischen gekommen wäre . . .! Aber einerlei, es muß sich auch so ermöglichen lassen."

Einen Augenblick überlegte sie.

Bringen Sie mir doch mal das Kursbuch, Herr Ober . . . oder wissen Sie zufällig, wann der nächste Schnellzug nach Orleans fährt?"

Einen Moment ... um 12 Uhr 46.

Marieliese nickte befriedigt, verließ das Zimmer und ging in die Garage. Dort war der junge amerikanische Chauffeur mit dem Putzen des Wagens beschäftigt.

Guten Morgen, Henry."

Guten Morgen, gnädiges Fräulein."

Henry, hat mein Vater schon gesagt, daß wird um zwölf Uhr fahren wollen?"

Jawohl, er war eben hier."

Wir werden aber nicht fahren."

Nein."

Das heißt, eigentlich doch, aber . . . Seien Sie mal ehr­lich, Henry, wir beide haben uns doch immer gut vertragen können. Stimmt das nicht?"

Gewiß . . . natürlich, gnädiges Fräulein," erwiderte der Chauffeur etwas verdutzt.

Also hören Sie mal zu. Sie müßen mir einen Gefallen tun."

Gerne, soweit ich es kann."

Ja, bei Ihnen liegt es ganz alleine . . . Erinnern Sie sich noch des Fußballspielers, den ich damals bei dem Regenwet- ter einlud, in meinem Wagen mit nach Hause zu fahren? Sie haben doch noch die Bestellung ausgerichtet."

Ja, gewiß."

Herr Hansen spielt heute nachmittag in Köln. Das Spiel wird auf Radio übertragen und ich muß es unbedingt hören, Das kann ich aber nicht, wenn wir um zwölf Uhr nach Orlean, fahren. Wann sind wir eigentlich da?"

Ich denke, so gegen vier Uhr,"

,/Sehen Sie, dann ist es natürlich zu spät. Ich könnt« ja nun einfach zu meinem Vater sagen: Ich bleibe hier un) komme nach. Aber das geht auch nicht. Vater hat etwas ge­merkt. Er machte vorhin so eine eigenartige Bemerkung von deutschen Sportzeitungen lesen und so. . . Sie haben ihm bod nichts verraten von den Motorradausflüigen damals?"

Nein, gewiß nicht, gnädiges Fräulein."

Das traue ich Ihnen auch gar nicht zu. Dann hat sicher meine ZofeTante" Mary geplaudert. Einerlei. Also Henrn ich habe mir das so gedacht: um halb zwölf, wenn wir beim Mittageßen sind, kommen Sie plötzlich ins Zimmer, machen ein bestürztes Gesicht und sagen:Gnädiger Herr, an dem Moto: ist etwas nicht in Ordnung, er will nicht anspringen."

Ihr Vater wird sprachlos sein"

Ja, das nehme ich auch an. Diesen Augenblick benutze«. Sie dann, um zu verschwinden. Vielleicht sagen Sie noch:3* werde mein möglichstes versuchen . . .!" Das ist dann meint Sache. Um 12 Uhr 46 fährt ein Schnellzug nach Orleans. Mir dem muß Vater dann fahren und Mary wird er auch mitneh­men. Wenn ich dann die Uebertragung gehört habe, fahren wir beide nach."

3a, gewiß . . . aber was soll an dem Motor fehlen?"

Das ist ganz egal. Mein Vater versteht von einem Motor so wenig, wie ich von seinen Kunstschätzen, nämlich genau nichts.

Schön, abgemacht."

Sie sind ein netter Junge, Henry. Also dann bis nachhei- Aber die Sache muß möglichst natürlich wirken, weil mein Va­ter schon etwas mißtrauisch ist. Am besten, Sie üben jetzt schor, ein bestürztes Gesicht zu machen. Stellen Sie sich mal vor. Tante Mary würde Ihnen einen Heiratsantrag machen . . . K so war es schon richtig."

Keine Bange, es wird schon schief gehen."

(Fortsetzung folgt.)

Ein Tag i -kre ben S *k ist Lem tu Tag Ler ^vr ein Tc vor uns 1 fy bas Sen Zn diesen der Toten unent v! Seinei Wingich * nab ohne ^tn Kampf

kuLe fii, Bede er beans Einsatz j aus bieten "Wn, im ^ ^chlietzljch 0 ^tn bleibt k

^sterblich b Bestât ^".«"ch-rb

* I0ll

11 es ein »l5 * Mitte, k

die,

«äs