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Samstag, den 10. September 1932.

«Eichener Zeitung

Nr. 36

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Vorurteile wirken wie Bazillen. Das richtige Gegengift gegen sie Ist der Mut zu einfachem und klarem Denken. Die Maßnahmen der Regierungsstellen zur Befestigung der nationalen Wirtschaftskräfte sind umsonst, wenn weiterhin törichte Vorurteile einen großen Teil des Volkes bestimmen und zur Deckung gerade des Alltagsbedarfs zu Einkäufen ausländischer Waren und Lebensrnittel beeinflussen. Hier äußern sich berufene Männer und Frauen zu diesen Fragen, die als Grundfragen eines deutschen Wiederaufstieges gelten I

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w 11. September, w ' 14.00 Uhr übernim n Koblenz ein Militi , das die dazwischen!.

S. Zn der Zeiti­gen Studentenheia m temveckes, das sich w chen SeWilfe- n» unter dem Präfidin dge, Prof. Euilleban), deutscher und englischer Sinn und geistige Hab

nft SReHjut tw Süb' Vvr^M^ ^M« 9 üi der Gegend von frei dieser Gelegenheit »lasten fchthalten ton- nnerstag, den 15. Sep i)auei abrollen.

Die erste Brètzadeüt^ aber unter Leitung d Kuff, im Raume! lotheim statt.

August des oergangi" .

Siegen erstmalig " 1 Veranstaltung im oev Turner als auch der j diese Wettkämpfe aud 10 und 11. Septemi«

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Frauen an die Front!

Mit unserer Macht ist nichts getan das ist das schlimmste Vorurteil, welches Millionen von Frauen in ihrer volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hemmt, und sie hindert, ihre Aufgaben im Alltag zu erkennen, die eben­so wichtig sind, wie die eines Finanzministers.

»Kein Zweifel", so sagte unserem Mitarbeiter Herr Prof. Eulenburg von der Handelshoch­schule Berlin,bie deutsche HauSfrau, durch deren Hände der größte Teil des deutschen Volksemkommens geht, besitzt eine volkswirtschaftliche Allmacht.

Wenn am Tage bloß 10 oder 20 Pfennige anders als bisher, namentlich zugunsten deutscher Erzeugnisse verwandt werden, so gibt das der gesamten deutschen Wirtschaft einen sehr fühlbaren Aufschwung.

Hierbei muß man bedenken, daß die Einfuhr so­genannter Luxuswaren nur 5 Prozent der gesamten Ein­fuhr betragen. Entscheidend fallen ins Gewicht bei der heutigen Einstellung der großen Masse der deutschen Frauen, die für ihre Familie Anschaffungen machen, die Dinge, die für den täglichen Bedarf benötigt werden." »Ungefähr die Hälfte des durch die Hände der Hausfrau rollenden Vermögens" so sagt uns eine bekannte Führerin der Hausfrauenbewegung »wird für die Er­nähr u n g verbraucht. Es ist nicht übertrieben, wenn auch die gesamten Bekleidungsausgaben unter die Ausgaben der Hausfrau gerechnet werden. Ungefähr ein Viertel der Hausfrauenausgaben sind für den Einkauf von Stoffen und sonstigen Kleidungsstücken für Frau und Familie zu rechnen."

ES ist klar, daß eine Bevorzugung der ausländischen Ware durch die große Armee der einkaufenden Hausfrauen einfach alle Außenhandelsbilanz und somit den Etat über­haupt so beeinflußt, daß allen Maßnahmen der Regie­rungsstellen zur Balancierung des Etats durch eine der­artige plan- und sinnlose Richtung des Einkaufswillens einfach entgegengearbeitet wird. Irgendwelche be­wußten Gründe gesundheitlicher oder finanzieller Art für die Bevorzugung ausländischer Lebensmittel treffen nicht z u. Man kann lediglich das alte berüchtigte Vorurteil für die Bevorzugung ausländischer Waren verantwortlich machen. - Es ist so bei uns Deutschen, als ob wir den nüchternen Einkauf von Kartoffeln, Zucker oder ein Stück Stoff mit einem besonderen Nimbus versehen müßten. Die Kartoffeln dürfen beileibe nicht daher kommen, woher auch die der Frau Nachbarin kommen. Und es muß englisches

Tuch sein, weil der Aberglaube

_^ einer besonderen englischen Luft

^â^ für die Stoffherstellung deinen

Willen bestimmt. Aber erst der Zucker das muß indischer Rohrzucker sein nur kein Jn-

/X £7 landSzucker. Die Geheimnisse

des Orients teilen sich wahr­scheinlich dem Rohrzucker mit.

Unsummen werden für die Einfuhr von fremdem Obst und Südfrüchten ausgegeben. Kein Mensch zweifelt daran, daß das deutsche Obst ebenso nahrhaft und be­kömmlich ist, rote das ausländische. Je mehr die deutsche Hausfrau dazu übergebt, für solche Zeiten in denen frisches deutsches Obst nicht am Markt ist, ein­zumachen, um so stärker wird sie der heimischen Landwirt­schaft, und zwar in zweifacher Hinsicht, helfen. Es tritt ein Mehrverbrauch deutscher Früchte, eine Eindämmung unnötigen Imports ein und überdies haben wir die gute Möglichkeit, den Verbrauch an Zucker zu steigern, der ja ein hervorragender, Gesundheit und Leistung steigernder Kraftspender ist.

Womit sollen wir uns kleiden?

Das ist eine Frage ganz nüchterner Art, die reizvoll ge­nug durch die modische Phantasie der Frau gemacht werden kann. Die volkswirtschaftliche Verantwortlichkeit führt auf einen Gedankengang, den uns Frau Dr. Margts, vom Reichsverband deutscher Hausfrauen- Vereine entwickelt. Sie sagt ungefähr folgendes:

»Die Wolletnfuhr belastet unsere Außenhandelsbilanz sehr stark, und um das avszugleichcn, sind wir auf die Ausfuhr unserer Fertigfabrikate, gewebter Tuche, an- gewiesen. Wie steht es aber damit? Umgekehrt hat sich die Et n f n h r von FerUgfabrikaten, besonders von eng­lischen Tuchen, gesteigert I

Der gedankenlose Einkauf englischer Tuche bewirkt, daß der deutsche Abnehmer von der deutschen Wirtschaft unmöglich niedrigste Preisgestaltung erwarten kann, wenn er selbst durch unnötigen Einkauf ausländischer Ware der deutschen Wirtschaft die notwendige Beschäfti-

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gungsmöglichkeit beschneidet. Da die Hausfrauen auch bei der Auswahl der Herrenstoffe maßgebenden Einfluß aus­üben, müssen sie auf die unbedingte nationale Pflicht hin­gewiesen werden, deutsches Tuch zu bevorzugen, da es dem ausländischen gleichwertig ist.

Gerade in den besser situierten Kreisen wird ohne einen Schimmer von Berechtigung und Kenntnis des wirklichen Zusammenhanges fremdem, besonders eng­lischem Tucherzeugnis bessere Qualität zugesprochen. Tat­sächlich aber stellt die deutsche Tuchindustrie qualitativ das­selbe her, wie die ausländische und auch die vielgerühmte englische! Gegen 1926 ist die deutsche Einfuhr in wollenen Tuchen um 310 Prozent g e st i e g e n! Diese Tuchmenge

anderes Nahrungsmittel, welches sich so f^u und rest­los in Ernährungsenergien im ..menschlichen Körper um- setzt. Es gibt aber a^ kein anderes Nahrungsmittel, dessen Mehrverbrauch so viele merkwürdige Vorurteile eut- gegenstehen. Da wird z. B. behauptet, daß durch die Ernährung, die zu viel Kohle­hydrate enthalte, die Zuckerkrankheit hervor­gerufen oder dem Kör­per Kalk entzogen würde. Gerade in der letzten Zeit hat es die

Ist diese Einfuhr notwendig?!

entspricht der jährlichen Normalproduktion von 30 deut­schen Tuchfabriken mittleren Umfanges. Da jede drei Meter Tuch, die aus dem Auslande bezogen werden, eine deutsche Arbeiterfamilie für mindestens einen Tag brotlos machen, so bedeutet diese Einfuhr fremder Ware für die deutsche Textilindustrie einen Ausfall von rund 1 650 000 Arbeitstagen! Es muß also heute von der deutschen Haus­frau als dem bedeutendsten Käufer verlangt werden, daß sie nicht ausländische Waren den deutschen vorzieht, wenn diese in gleicher Güte und Preiswürdigkeit zu haben sind."

Was werden wir essen?

Wir verwiesen schon darauf, daß Unsummen für den Einkauf ausländischer Lebensmittel der deutschen Landwirtschaft verloren gehen, für Lebensmittel, die ebenso gut im Inland zu beziehen wären, oder die bei einer Umstellung der ErnährungSsitten durch

andere Nahrungsmittel aus der deutschen Scholle zu er­setzen sindWir erzeugen", so führt Regierungsrat Dr. Tornedden vom Reichsgesundheiis- a m t aus,in Deutschland dreimal so viel Kartoffeln wie wir verbrauchen. Und wir wissen erkenntnismäßig, daß die Kartoffel eines der hervorragendsten Nahrungsmittel ist und daß aus ihr die mannigfaltigsten Speisen zu bereiten sind, die gerade dem deutschen Geschmack außerordentlich entsprechen. Ähnlich liegt es mit Hülsenfrüchten, mit billigen Erbsen- und Bohnensuppen, die es, was den Er­nährungsgehalt anbelangt, mit manchen viel teureren Nahrungsmitteln aufnehmen. Wie kommt es aber, und dieses ist nach den Ausführungen einer Reihe von hervor­ragenden Sachverständigen, die wir hierzu befragten, der Fall, daß dem weißen Gold unserer Landwirtschaft, dem Zucker, so merkwürdige Vorurteile entgegenstehen. Be­kanntlich wird in anderen Ländern viel mehr Zucker ver­braucht, als bet uns in Deutschland, obwohl wir Daran Überfluß besitzen. Es wäre für die Landwirt­schaft von außerordentlichem Nachteil, wenn etwa einfach weniger Zuckerrüben angebaut werden. Es ist ein wichtiges Kapitel mit dem Zucker, denn es gibt kein

oberste Behörde für Volksgesundheit in Deutschland, daS Reichsgesundheitsamt, für notwendig gehalten, diesem Vorurteil klärend entgegenzutreten. Die Wissenschaft hat es längst widerlegt.

Die Wissenschaft weiß auch, daß die Behauptung, der Zucker schade dem kindlichen Organismus oder wirke zerstörend auf die Zähne, in das Reich der Fabel zu verweisen ist. Wenn man sich bemüht und dies ist das Wichtigste in unserem Zusammenhang solchen Vor­urteilen nachzugehen, so enthüllt man ein dunkles Kapitel vulgärer Ernährungsanschauungen, die an den Aber­glauben, den viele manchen wundertätigen Kurpfuschern entgegenbringen, erinnern. Man vergleicht das indische Zuckerrohr mit einem Sonnen-Akkumulator, welcher die geheimnisvollen Energien der Sonne in sich aufspeichert, ganz im Gegenteil zu der unterirdischen Zuckerrübe, die fast ohne Sonnenbestrahlung aufwachse.

Die Ernährungssachverständigen, wie vor kurzem Prof. Spengler und Dr. Ragnar Berg, weisen aber durch chemische Analysen nach, daß der sogenannte indische Zucker dasselbe Produkt ist wie der deutsche Rübenzucker. Wenn von denReformern" der modernen Ernährung trotzdem geantwortet wird, daß sie instinktiv den Auslandszucker vorziehen, so ist gegen ein solches Vor­urteil bis jetzt noch kein Kraut der Erkenntnis gewachsen. Das eine steht allerdings fest. Es stände um die Gesund­heit unseres Volkes besser, wenn wir in den Dingen der Ernährung keine Urteile fällen, die vor der kritischen Prüfung unserer Vernunft nicht standhalten können.

(Hos l?cich der ^ausfrau

Wissen Sie schon daß Sie keine Angst vor der Arznei zu haben brauchen? Die Gesetzgebung hat Gefahren, die mit den Heilmitteln verbunden sind, ernsthaft und nach­drücklich durch die Einrichtung der Apotheken als dem Spezialgeschäft für Heilmittel, durch die genauen Vor- schristen. die sie für den Betrieb der Apotheken, die Her­stellung und Prüfung der in ihnen verabfolgten Mittel vor- schreibt, vorgebeugl, insbesondere auch durch die staatlich vorgcschriebene jahrelange und sorgfältige Ausbildung des Apothekers zu seinem ernsten und für die Volksgesundheit verantwortlichen Beruf Der Kranke möge diese Fürsorge des Staares anerkennen und sich zunutze machen, indem er keine Arzneimittel vom Hausierer, sondern nur aus den Spezialgeschäften für die »Heilmittel, aus den guten deutschen Apotheken kauft.

W t s s e n S l e s ch o n--daß der Saft von frischen grünen Gurken ein sehr gutes Hautpflegemittel ist? Man legt abends einige Gurkenscheiben auf Stirn und Wangen und läßt den Saft ein paar Minuten etnwtrken. Die Haut wird davon weiß und glatt und die Runzeln verschwinden.

Wissen Sie schon daß man häßliche Fliegenflecke, die setzt im Sommer überall auftreten, mittels Spiritus oder Salmiak aus Seidenstoffen herausbekommt?

W t s s e n S t e s ch o n--daß ein sehr gutes Gesetz tn Vor­schlag gebracht wurde zur Erhebung eines sogenannten Müttergroschen" DieF r a u e n h t l f e", die seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Mütterfürsorge in eigenen Mütter-Erholungsheimen und der Mütterschulung hervor­ragend gearbeitet hat, hat diesen Vorschlag eingebracht. Am ersten April und am ersten Oktober des Jahres sollen 10 Pfennige vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber er­hoben werden, die ganz einer rechtzeitigen Mütter-Erholung und gründlichen mütterlichen Schulungsarbeit zugeführl werden.

Wissen Sie schon--daß ein Volk an den Kindern stirbt, die ihm nicht geboren werden daß Berlin in der ganzen Welt die Stadt mit der niedrigsten Geburtenziffer ist daß auch schon auf dem Lande das VorurteU des Zwei- oder Einkindersystems sich sehr schädlich für das Wachsmm des deutschen Volkes auswirkt.