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Samstag, den 10. September 1932.

Gießener Zeitung"

Nr. 36

mittelständischen Wirtschaft; es fordert Schutz gegen fort­schreitende, planmäßige Aufsaugung, Abkehr von allen So? zialisierungsbestrebungen, Gerechtigkeit für sich und seinen Berufsstand, für den es eine Behandlung nach zweierlei Matz ablehnt. Es wünscht den Schutz des Eigentums, der verant­wortlichen Einzelexistenz, Anerkennung des gesamten Handwerk­lichen und gewerblichen Berufsstandes, berufsständische Ver­tretung und Schaffung einer berufsständischen Kammer."

Eol-atengeist in Front.

Jeder, der an dem gewaltigen Aufmarsch des Stahlhelm am vergangenen Sonntag auf dem Tempelhofer Feld in Ber­lin teilnehmen durfte, wird ein starkes Erlebnis davon gehabt haben. In solcher Fülle, aber auch in solcher Geschlossenheit hat sich der Stahlhelm der großen deutschen Oeffentlichkeit noch niemals gezeigt. Die feldgrauen Kolonnen aus allen deutschen Gauen, die sich in festumrissener Ordnung zum Appell aufge­stellt hatten, und dann zum Vorbeimarsch formierten, boten ein überwältigendes Bild der Einheitlichkeit auf Grund einer ge­meinsamen Idee. Der Stahlhelm hat seine werbende Kraft ent­faltet und zieht in steigendem Maße die wehrwillrge deutsche Jugend in seinen Bann. Diese Zusammensetzung des Bundes aus allen Altersklassen, aus Frontsoldaten und Jungstahlhelm­leuten, die aus allen Derufsklassen- ugd Schichten des deutschen Volkes, ist die sicherste Gewähr dafür, daß hier über alle Par­teigrenzen hinaus eine wirkliche deutsche Volksgemeinschaft im Wachsen begriffen ist.

Der erste Bundesführer, Franz Seldte, hat in seiner kurzen Ansprache auf dem Tempelhofer Feld, in der er die fast 200 000 Kameraden zu einem ergreifenden Bekenntnis des gemeinsamen Stahlhelmwillens aufrief, den Sinn der Stahl- helmarbeit dahin gekennzeichnet, daß wieder soldatischer Geist und soldatische Haltung in unserem Volke verstanden werden muß. Der Stahlhelm hat es sich zur Pflicht gemacht, im deut­schen Volke diesen Geist der soldatisch-nationalen Idee zu er­halten. Sie bedeutet Distziplin, Dienst am Ganzen, Opfer für die Gemeinschaft. Der Stahlhelm kämpft als überparteiliche nationale Bewegung für ein neues deutsches Staatsbürgertum als Voraussetzung einer besseren Zukunft.

Dieser soldatische Geist aber ist nicht gleichbedeutend mit den Äußerlichkeiten, die seine Gegner so gern als sein eigent­liches Wesen hinzustellen belieben. Die straffen Formen sind der Ausfluß einer inneren Haltung, die mit den Worten Opfer­bereitschaft und Dienst am Ganzen am besten umschrieben ist. Von diesem Berliner Reichsfrontsoldatentag muß eine Welle der wirklichen nationalen nicht parteipolitischen Erneue­rung durch das ganze Volk gehen. Man soll von ihm einst sagen, daß von diesem Tage an der Durchbruch des wahrhaften vaterländischen Denkens durch den Ungeist der Parteipolitik sind des Parteiegoismus erfolgt ist.

Lokalrè. Sonntagsgedanken.

Der Schöpfer hat auf Erden nichts gleich gemacht und seine Weltgesetze sagen, daß ein Unterschied sein muß. Uüd so ist es von Stufe zu Stufe herauf bis zu den Menschen. Da gibt es Herren und Knechte und selbst ein neues Rußland hat diese Begriffe nicht auszuweichen gewußt. Wer bisher noch immer nach den Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit diese Welt reformieren und das Angesicht dieser Erde erneuern wollte, der sah später dann, daß in seinem Staat auch heute noch alles beim alten ist und daß auch dort die Menschheit sich in Herren und Knechte teilt.

Und wie ist es bei uns? Ich sehe fast mehr Knechte und weniger Herren wie früher und die fortschreitende Kultur hat nur scheinbar mehr Freiheit, in Wahrheit aber immer mehr Bindungen und Pflichten geschafft. Kühn, aber wahr ist der Satz: Je mehr die Menschen von sogenannter Freiheit an sich raffen, desto unfreier werden sie; denn die wahre Freiheit wird

Sie LanMneMe

Sportroman von Emil Wöhner.

(Nachdruck verboten.) (18. Fortsetzung.)

Also das war abseits!" rief sie ein wenig atemlos.

Nein," meinte der junge Mittelstürmer etwas schuldbe­wußt, aber mit lachenden Augen,das war ein Treffer aus einer günstigen Position. 1:0! Damit ist natürlich nicht gesagt, daß Sie das Spiel schon verloren haben."

So . . . Na, ich gebe mich selbstverständlich geschlagen . . . Ist übrigens die Erklärung der Abseitsregel immer mit solchen Aeberraschungen verbcmden?"

Meistens wohl nicht. Das kommt natürlich ganz auf die Umstände an," erwiderte er offen und heiter lachend.

Dann wollen wir den fußballtechnischen Unterricht doch lieber abbrechen. Es wird auch Zeit zur Heimkehr."

Sie gingen den schmalen, moosigen Waldweg zurück.

Am Freitag fährt Bringhosf drei Tage auf Urlaub, weil wir nächsten Sonntag spielfrei haben."

Ach, wie schade! Ich hätte Sie so gerne noch einmal spic­ken sehen. Am Dienstag reise ich nämlich ab."

'Sie. . . Sie fahren fort?"

'Ja. Zuerst geht es nach Frankfurt. Dort erwartet mich mein Vater. Dann reisen wir für ein paar Wochen nach Pa­ris. Im Januar sind wir wahrscheinlich in Spanien uns Die letzten Wintermonate in Italien. Im Mai oder Juni kommen wir dann noch für ein paar Tage nach hier, ehe wir die Rück­reise nach Amerika antreten . . ."

Sie gingen schweigend ein Stück nebeneinander.

Ich habe eine Ditte," begann Theo zögernd.Darf ich Sie vor Ihrer Abreise noch einmal zu einer Motorradfahrt einladen? Vielleicht am Sonnabend? Noch schöner wäre es ja, wenn wir dann erst am Sonntagabend zurücSehren würden. Ich habe so selten mal einen spielfreien Sonntag. Da muß die Gelegenheit doch ausgenutzt werden."

Also eine Wochenendfahrt . . . Ich will es mir überlegen. Eigentlich bin ich Ihnen auch ja noch Dank schuldig für den

nur aus starkem, willigem Dienen geboren. Herr sein und Knecht sein. Aber beides im Sinne des Christentums. Richt blos die Arbeitskraft darf der Herr in seinem Knechte sehen. Dieser ist auch Mensch wie er und vor Gott, der in sein In­neres schauen kann, vielleicht noch mehr wie er. *

Wir brauchen keine neuen Gesetze über das Dienstverhält­nis zwischen Herrn und Knecht. Denn die uralten gelten noch heute, die da in der Heiligen Schrft stehen:Ein vernünftiger Knecht sei dir so lâeb wie deine eigene Seele; weigere dich nicht, ihn frei zu geben? Lasse ihn nicht in Armut von dir gehen!" Und auf einem anderen Blatt steht geschrieben: ,Hast du einen treuen Knecht, so sei er dir wert, wie du dir selbst!" Für den aber, der einen Vorgesetzten und einen Herrn über sich hat, gilt das christliche Gesetz:Ihr Knechte, gehorchet in allem den leiblichen Herren. Richt als Augendiener, um den Men­schen zu gefallen, sondern in Aufrichtigkeit des Herzens aus Furcht Gottes! Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als wie dem Herrn und nicht den Menschen!" Ein solcher Geist von Herren und Knechten überbrückt alle sozialen und gesell­schaftlichen Gegensätze. Gerade unsere heutige Zeit braucht einen solchen. Der Sonntagsschreiber.

Mischer Grenadiertag in Gießen am 1. und 2. Oktober 1932.

Die Reichswehrgarnison in Hessen (1. Bataillon 15. Jnf.- Regt.) und die Vereinigung ehemaliger Hessischer Grenadiere veranstalten mit Unterstützung des Verkehrs- und Verschöne­rungsvereins in Gießen, am 1. und 2. Oktober in Gießen den 1. Hessischen Grenadiertag. Die Veranstaltung dient dem Ge­danken, unsere Reichswehr mit allen Bevölkerungskreisen in engster Weise zufammenZuführen und den Gedanken der Wehr­haftigkeit unseres Volkes noch mehr als bisher in den breitesten Bevölkerungsschichten zu vertiefen. Gleichzeitig soll bei diesem militärischen Feste das Zusammengehörigkeitsgefühl aller alten Soldaten mit der Reichswehr immer stärker wachgerufen werden.

Der 1. Hessische Grenadiertag wird als Auftakt am 30. Sep­tember die Ueberführung der alten hessischen Regimentsfahnen von Darmstadt nach Gießen zur Verschönerung dieses Militär­feistes bringen. Die ehrwürdigen Feldzeichen unserer alten Hes­sischen Regimenter werden abends am Gießener Bahnhof mit militärischer Feierlichkeit von der Fahnenkompagnie des 1. Btls.

15. Jnf.-Rgt. abgeholt und nach der Kaserne überführt. Die Gie­ßener Stadtverwaltung und die Bürgerschaft der oberhessischen Provinzialhauptstadt werden die ruhmreichen Fahnen unserer hessischen Truppenteile durch Flaggenschmuck der Stadt in ge­bührender würdiger Weise empfangen.

Am Samstag, den 1. Oktober, wird der Erenadiertag vor­mittags mit einem Preisschießen des 1. Bataillons 15. Jnf.- Regt. und der Vereinigung ehemaliger Hessischer Grenadiere eröffnet werden. Weiter sind für diesen Tag vorgesehen eine Reitjagd des Bataillons und der ländlichen Reitervereine, ein Preisschießen von Interessenten aus der Zivilbevölkerung und am Abend ein großes Biwak des Bataillons mit anschlie­ßendem Großen Zapfenstreich. Das Biwak wird von allen Kompagnien des Gießener Bataillons ausgeMhrt, der Gliche Zapfenstreich wird von den Musikkorps des Gießener Bataillons und dem Ausbildungsbataillon Marburg gespielt werden. Mit dem Biwak wird ein Zeltbauwettbewerb der Kompagnien des Gießener Bataillons verbunden, bei dem die siegende Kom­pagnie durch einen Ehrenpreis des Gießener Verkehrs- und Verschönerungsvereins ausgezeichnet werden soll. Das Biwak UjNd der Große Zapfenstreich werden sicherlich Mr weiteste Be- völkerungskreise in Stadt und Land eine besondere Sehens­würdigkeit und ein einzigartiges Erlebnis darstellen.

Der Sonntag, 2. Oktober, wird na cf) militärischem Wecken am frühen Vormittag zunächst einen Feldgottesdienst unter Be­teiligung der Vereine alter gedienter Soldaten (Hassia- und Regimentsvereine) auf dem Kasernenhof bringen, zu dem auch die Zivilbevölkerung Zutritt hat. Um 11 Uhr wird sich eine große Parade des Gießener Bataillons, auch hier beteiligen sich

schönen Vers, den Sie mir damals gewidmet haben. . . . Also abgemacht. Eine Wochenendfahrt in den Herbst. . ."

In der Ferne läutete ein Schwarzspecht. Hell klang der Glockenton durch den Wald. Weiße Sterngrasblumen umsäum­ten den Weg und silbern glänzten die jungen Duchenstämme...

Mädel frisch, drum küsse mich, was willst du dich wehren? Erst probier's und sicherlich wirst du mehr begehren.

Wenn dein Rosenmund mich lohnt, soll mein Ehrgeiz schweigen. und ich, der den Sieg gewohnt, will mich vor dir neigen."

Die Tage bis zum Sonnabend wurden Theo recht lang. Er freute sich auf das Wiedersehen mit Marieliese, aber ein wehes Gefühl überkam ihn, wenn er daran dachte, daß es zugleich ein Abschied war.

Ich will nicht undankbar sein," sagte er sich in solchen Augenblicken, wenn er fühlte, wie Traurigkeit in sein Herz schlich. Die Erinnerung an ein paar schöne Stunden wird immer bleiben . . ."

Am Freitagabend war Adolf Müller bei Theo zu Besuch. Die beiden Spieler unterhielten sich eine Zeit lang angeregt über die aktuelle Frage: Profi oder Amateur?

Der Futzballsport als Beruf würde mein Leben nicht aus- Mllen können," meinte Theo am Schluffe seiner Ausführungen. "Damit ist für mich persönlich die Frage: Amateur oder Profi? zugunsten des ersteren entschieden."

Es klopfte. Frau Bauer stand in der Tür, ihren Strick- strumpf in der Hand.

Ach, Verzeihung!" rief sie und sank auf einen Stuhl. In meiner Stube spukt es . . .!"

Theo biß sich auf die Lippen und unterdrückte ein Lachen. "Es ist jeden Freitag dasselbe," jammerte sie.Punkt 9 llhr fangen diese Klopftöne an. Mal hier, mal da, wie von unsichtbaren Händen. Und um 10 Uhr hätt es dann wieder auf. O Gott, wie gruselig!"

Ach, Frau Dauer, es gibt doch keine Gespenster," versuchte Theo sie zu beruhigen.Soll ich mal eben nachsehen, was da los ist?"

die Hassia- und Regimentsvereine, auf dem Trieb, dicht bei der Kaserne, anschleßen, die ebenso wie das Biwak für viele Volks­genossen ein seltenes Ereignis sein wird. Nachmittags sollen militärsportliche Vorführungen stattfinden, in deren Rahmen u. a. auch ein moderner Infanterie-Kampf auf dem Trieb ge­zeigt werden wird. Den Ausklang des Festes wird am Sonn­tagabend ein großer Festball in der Gießener Volkshalle bilden.

Am 1. und 2. Oktober wird ferner in der Neuen Kaserne eine militärische Ausstellung veranstaltet, in der die Ausbil­dungsmittel und das Unterrichtsmaterial der Reichswehr in vielfältiger Weise den Besuchern zugänglich gemacht werden. Für die alten Soldaten, aber auch für die übrigen Besucher wird das Gießener Bataillon außerdem Gelegenheit bieten, an der Feldküche einenZug" zu fassen, um dadurch alte Erinne­rungen an dieGulaschkanone" der Kriegsjahre aufzufrischen und gleichzeitig die vortreffliche Qualität der Speisung aus der .Hungerabwehrkanone" selbst festzustellen.

Sämtliche Veranstaltungen werden den Besuchern gegen ein einmaliges Eintrittsgeld von 50 Pfg. als Gesamtpreis für beide Tage zugänglich sein. Das Gießener Bataillon und die übrigen Mitträger der Veranstaltung hoffen auf starken Besuch, insbesondere auf die Beteiligung der Militärvereine und aller alten Soldaten an diesem einzigartigen militärischen und mi» 'litärsportlichen Ereignis in der einzigen hessischen Garnison­stadt Gießen.

* Unreifes Obst auf dem Wochenmarkt. Ein Sonderfall gibt Veranlasiung, darauf hinzuweisen, daß unreifes Obst, wel­ches auf dem Wochenmarkt feilgeboten wird, mit einem deut­lich lesbaren Schild mit der AufschriftUnreif" gekennzeichnet sein mutz. Zuwiderhandlungen werden für die Folge unnach­sichtlich zur Anzeige gebracht.

* Aushängen von Preisschildern. Es besteht Veranlasiung, darauf hinzuweisen, datz die s. Zt. von dem Reichskommisiar für Preisüberwachung vorgeschriebenen Preisschilder in der bokanntgegebenen Art in den einschlägigen Geschäften aus- gehängt sein müssen. Etwaige Säumige werden auf die un« angenehmen Folgen hingewiesen, die ihnen entstehen, falls bei Revision das Fehlen des Preisschildes feftgestellt wird.

* Militärkonzert. Am Svnntag, den 11. September, von 12.00 bis 12.30 Uhr und von 13.40 bis 14.00 Uhr übernimmt der Südwestfunk vomDeutschen Eck" in Koblenz ein Militär- konzert der Gietzener Reichswehrkapelle, das die dazwischenlie­gende Saarkundgebung umrahmt.

* Deutsch-britische Studententagung. In der Zeit vom 10. bis 16. September findet im hiesigen Studentenheim eine deutsch-britische Tagung des Weltstudentenwerkes, das sich aus den Unterrichtsvevwaltungen, Stmdentischen Selbsthilfe- und Wirtschaftsorganisationen zusammensetzt, unter dem Präsidium des Prorektors der Universität Cambridge, Prof. Guilleband, statt. Die Tagung soll die Verbindung deutscher und englischer Jugend fördern und sie über politischen Sinn und geistige Hal­tung aufklären.

* Herbstmanöoer. Paul Laven und Ernst Nobhut vom Süd­westfunk haben mit dem Mikrophon die diesjährigen Herbst- übungen der Reichswehr verfolgt, die in der Gegend von Kassel durchgeführt wurden. Was sie bei dieser Gelegenheit an bunten Manöverbildern auf Schallplatten festhalten konn­ten, wird in einem Hörbericht am Donnerstag, den 15. Sep­tember, ab 20.00 Uhr, in einstündiger Dauer abrollen.

* Brigadeübungen der 5. Division. Die erste Drigadeübung der 5. Division findet am 13. September unter Leitung des Infanterie-Führers V, Generalmajor Muff, im Raume ®ro» tzenehrichHolZthalebenHüpstedb Schlotheim statt.

* Volkstümliche Wettkämpfe. Im August des vergangenen

Jahres führte der Männerturnverein Gietzen erstmalig ein

freisoffenes Sportfest durch. Da die Veranstaltung im ver­gangenen Jahre sowohl im Lager der Turner als auch der Sportler großen Amklang fand, werden diese Wettkämpfe auch in diesem Jahre wieder, und zwar am 10. und 11. September

d. I., ausgetragen.

Nein, Herr Hansen," rief sie ängstlich,bleiben Sie bitte hier! Um 10 Uhr, ja; aber nicht vorher. Ich habe ja solche Angst!"

Gut," sagte Theo und gab es auf, Frau Bauers Aber­glauben und Gespensterfurcht zu bekämpfen.

Adolf Müller hatte innerlich belustigt diese Szene verfolgt.

Du glaubst nicht an Gespenster, Theo?" fragte er dann mit komischem Ernst.Ich kann Frau Brauer nur recht geben. Mein Onkel hat vor einigen Jahren eine ähnliche Spukgeschichte selbst erlebt. Soll ich sie mal erzählen?"

D ja," stimmte Frau Bauer, die sich jetzt sicher und gebor­gen füllte, zu. Auch Theo gab lachend seine Einwilligung.

Vor ein paar Jahren," begann der Mittelläufer,war mein Onkel auf Reisen. Durch eine ungünstige Zugverbindung war er gezwungen, in einem kleinen Landort zu übernachten. Zum Unglück war hier am andern Tage Viehmarkt und alle Betten der Gasthäuser von den vielen Händlern belegt. Tod­müde kommt mein Onkel in dem letzten Gasthofe an. Auch hier alles besetzt. Er redet mit dem Witt hin und her und verspricht ihm alles mögliche. Schließlich kommt der Wirt damit heraus, daß noch eine Kammer mit einem Bett frei sei; aber dieses Zimmer sei seit Jahren nicht mehr benutzt, da es hier spuke.

Na, mein Onkel, der feine Lust verspürte, die Nacht auf der Straße zu verbringen, erklärte sich sofort bereit, dieses Zim­mer zu nehmen. Der Wirt warnt ihn noch, aber Onkel Fri- läßt sich nicht bange machen. Er trinkt noch einige Grogs, ux sich Mut zu machen und geht so gegen 11 Uhr auf sein Zimmer

Jetzt wird ihm doch ein wenig anders zumute. Das Zil» mer macht einen unheimlichen Eindruck. Der Mond scheint durch die gardinsnlosen Fenster. Onkel Frist zieht sich langsam aus, legt feinen Revolver auf den Nachttisch, geht zu Bett und infolge der genossenen Grogs schläft er auch bald ein . . .

Plötzlich wacht er aus. Die Kirchturmuhr schlägt gerade zwölf. Das Zimmer ist von dem Mondschein hell erleuchtet. Da sieht Onkel Fritz zähneklappernd, wie hinten am Bett eine Hand hochkommt. . ."

O Gott, Herr Müller, wie gruselig!" schrie Frau Bauer aus.Wird's noch schlimmer?"

(Fortsetzung folgt.)