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Erscheint Samstags.

Bezugspreis 1,50 Mi vierteljährlich frei ins Haus, «edaktionsschluh früh 8 Uhr. - Für Aufbewahrung oder Rück- trndung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert

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45. Hahrg. Samstag, den 6. Februar 1932 Nummer 5

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Der Reichsinncnminister hat den Landesregierungen mit: geteilt, daß mit der Ausschreibung der Reichspräsidentenwahl in Nächster Zeit zu rechnen sei und sie gebeten, mit tunlichster Be- I hltunigung alle Vorbereitungen zu treffen.

Wie der Hindenburg-Ausschuß mitteilt, haben sich am Mitt­woch und Donnerstag 225 000 Personen im Reiche eingetragen. Tas Ergebnis ist noch unvollständig.

Reichskanzler Dr. Brüning hat sich entschlossen, am Sams­tagabend in Begleitung des Staatssekretärs v. Bülow nach Genf abzureiscn. Man rechnet damit, daß Dr. Brüning am Montag oder spätestens Dienstag in einer großen Rede zu den rlbrttstungsfragen das Wort ergreifen wird.

Wie das Reichsinnenministerium mitteilt, wird die Prü- iung der Staatsangehörigkeit Hitlers auf Grund der Unterlagen der thüringischen Regierung vorgenommen.

An Auftrage Hitlers sind General Ritter von Epp und CbcrU Haselmayer am Freitag nach Genf gefahren, um als Be- c-bachtcr die Verhandlungen der Abrüstungskonferenz zu ver­folgen.

Das Reichswchrministcrium hat durch eine Verfügung vom 28. Januar zwei alte Verordnungen aufgehoben, durch die die Einstellung von nationalsozialistischen Arbeitern in den Betrie­ben der Reichswehr und auch die Einstellung von Angehörigen der NSDAP in die Regimenter der Reichswehr selbst untersagt war.

Zu den Verhaftungen wegen Zersetzungsverspchen bei bet Reichswehr erfahren wir, daß die kommunistischen Zersetzungs- »ersuchc in keinem Falle einen Erfolg gehabt haben.

Durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers wird für Rentenempfänger die Einkommensgrenze ab 1. Januar her­abgesetzt, so daß die bisher aus öffentlichen Mitteln gezahlten Renten im allgemeinen unberührt bleiben.

Der Rechtsausschuß des Reichstages beschäftigte sich wei­ter mit den Anträgen auf Revision der Fürstenabfindungen.

General Hertzog teilte im südafrikanischen Parlament mit, daß der deutsch-südafrikanische Handelsvertrag entgegen Gerüch­ten nicht gekündigt worden sei.

Der sozialdemokratische Parteivorstand und Vertreter der Reichstagsfraktion berieten am Mittwoch mit Vertretern der freien Gewerkschaften und der ihnen nahestehenden Beamten- organisationcn über die Probleme der Arbeitsbeschaffung.

Der Reichslandbund veranstaltete in Berlin eine Kund- gebung, der mehrere hundert Vertreter der Landbünde aller dkutschen Länder und preußischen Provinzen teilnahmcn.

Der Ständige Internationale Gerichtshof in Haag hat am Donnerstagnachmittag im Danzig-polnischen Minderheitenstreit i t Uebereinstimmung mit dem von der Freien Stadt Danzig vertretenen Standpunkt entschieden, daß die Danziger Gesetze ■nb die Danziger Verfassung als Rechtsgrundlage für die Bc- «ntwortung der vorliegenden Frage in Betracht komme.

Angesichts der unnachgiebigen Haltung Japans im fernöst- I ichen Konflikt und der weiteren Verschärfung der Lage hat die wmcrikanische Regierung einen neuen energischen Protesischritt beschlossen.

Zn der Nacht zum Mittwoch ist in Pfungstadt der frühere hessische Minister sür Arbeit und Wirtschaft, Georg Raab, im 63. Lebensjahr seinem vieljährigen Asthmaleiden erlegen.

In dem Prozeß, den Kapitän Ehrhardt seit mehreren Zäh­mn wegen seiner Pension gegen das Rcichswehrministerlum s ihrt, hat jetzt das Kammergcricht in Berlin erneut ein Urteil gagunften des ehemaligen Führers der Marinebrigade erlassen.

Zn der Wandelhalle der Berliner Universität kam es wieder IW Schlägereien zwischen Studenten. Die Polizei räumte die Wandelhalle und den Vorhof der Universität. Zehn Personen wurden zwangsgestellt.

Das englische Unterseeboot M 2, das am 26. Zanuar bei ^auchmannöocr gesunken ist, ist nach amtlicher Erklärung der bri- Wschen Admiralität nach neuntägiger fieberhafter Suche gesun­ken worden.

Brüning spricht nach den Rüstungsmächten.

Genf, 5. Februar. Die langwierigen unt schwierigen Ver­handlungen, die hier seit Tagen über die Sprechfolge der Groß­mächte zu Beginn der Generaldebatte am Montag geführt wer- Ben, haben nun zur Feststellung der Reihenfolge in folgender Weise geführt :

Am Montag werden als Erster der englische Außenminister Simon, an zweiter Stelle der französische Kriegsminister Tar- Lieu, an dritter Stelle der Amerikaner Gibson und erst am Dienstag wird Reichskanzler Brüning den „Rüstungsmächten" «ntworten.

Der Stahlhelm für Einbürgerung Hitlers.

Berlin. 5. Februar. Wie die Pressestelle des Stahlhelms mitteilt, herrscht in der Bundesführung des Stahlhelms die ein: vcitliche Auffassung, daß Adolf Hitler, nachdem er vier Zahre nm Felde als deutscher Soldat gefochten und für tapferes Ver­halten das E. K. I bekommen hat, damit ohne weiteres die Deutsche Staatsangehörigkeit besitzt sollte. Bürokratische Aus- «inandersetzungen seien vom Frontsoldaten-Standpunkt aus »icht würdig.

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen. Südanlage 21.

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Es gebt um JeutWaM Schicksal!

Ein Wort zur allgemeinen Abrüstungskonferenz IM.

Von Dr. Rudloff.

In seiner Silvester-Rumdsunkansprache an das deutsch« Volk hat der Reichspräsident von Hindenburg unseren Rechtsanspruch auf gleiche nationale Sicherheit vor aller Welt eindeutig Aus­druck verliehen. Diesen Rechtsanspruch macht Deutschland aus der allgemeinen Abrüstungskonferenz geltend. Vor wenigen Tagen erlebten wir die Eröffnung dreser Konferenz, die, wie kaum eine andere, die Augen aller Welt auf sich zieht. Hier geht es um die Zukunst Deutschlands und um die Sicherung eines wahren Friedens. Deutschland, das bis zur Wehrlosig­keit abgerüstet hat, verlangt vor dem Forum der Völker unter Berufung aus die klaren Bestimmungen des Versailler Vertrages und der Völkerbundssatzung: gleiche Sicherheit, gleiches Recht in Rüstungsdingcn für alle Staaten und insbesondere all­gemeine Abrüstung nach gleichen Grundsätzen.

Deutschlands Abrüstung ist im Versailler Vertrag in ein Schema eingepreßt, das eine vorbildliche Methode allgemeiner Abrüstung sein tönnte — wenn Ernst gemacht würde mit der Erfüllung des Artikels 8 der Völkerbundssatzung: Herab­setzung der Rüstungen auf das Mindestmaß, das mit der na­tionalen Sicherheit und mit der Erzwingung internationaler Verpslichtungen durch gemeinschaftliches Vorgehen vereinbar ist. Was aber hat der „Konventionseutwurf" der vorbereiten­den Abrüstungskommission des Völkerbundes aus dem Ab- rüstungsgcoanken gemacht? Dieser Entwurf eines Abrüstungs­abkommens, der als Marschplan der Weltkonferewz unterbreitet werden soll? Er will die Rüstungsüberlegenheit der franzö­sischen Machtgruppe gegenüber den wehrlosen Unterlegenen des Weltkrieges verewigen. Von der Erfüllung des bindend gege­benen Abrüstungsversprechens ist in diesem Konventionsentwurf nicht eine Spur zu entdecken. Um nur seine Erundzüge wieder­zugeben.

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Personal. Für Deutschland bleibt die allgemeine Wehrpflicht und jede Mobil­machungsvorbereitung verboten; sein Heer bleibt auf 100 000 Mann beschränkt. Uns ist also die Ausbildung von Reserve­mannschaften unmöglich gemacht. Für die Gegenseite bleibt jedoch die allgemeine Wehrpflicht und jegliche Mobilmachungs- vorbereitung nach wie vor erlaubt. Tüirch Taschenspielerkunst­stückchen — man kann es kaum anders bezeichnen — wird das Personal der Gegenseite „beschränkt"; es wird nicht etwa die Heeresstärke ziffernmäßig festgelegt, sondern lediglich „die durchschnittliche Tagesstärke" begrenzt. Also: die Gesamtsumme der während eines Jahres von allen Wehrmachtsangehörigen geleisteten Diensttage wird dividiert durch die Zahl der Tage des Jahres. Zu Frankreich beispielsweise üben von etwa 4 500 000 Reservisten jährlich 230 000, und zwar je 20 Tage.

Frankreich-Deutschland

Die Friedensstärke der Meere:

Frankreich Deutschland

612000 Mann M IQOOOOMann

Die durchschnittliche Tagesstärke beträgt also 12 603. Nach diesem Rechenexempel schrumpft somit die große Zahl der fran= Zöllschen Reservisten auf 12 603 zusammen. Bei der Mobil­machung machen aber die ausgebildeten Reservemannschaften den größten Teil der Heere aus. Die französische aktive Frie­densarmee zählt etwa 612 000, die Kriegsarmee etwa 4J4 Mil- lionen Mann. Durch das Hexeneinmaleins des Konventions- cntwurfs verschwindet diese gewaltige Kriegsarmee nahezu von der Bildfläche.

^Deutschland könnte nur 100 000 Reichswehrleutc einer Armee von etwa 10 Millionen Soldaten seiner Nachbarn: Frankreich, Belgien, Polen And der Tschechoslowakei gegenüber­stellen. Aus einen deutschen Reichswehrsoldaten' entfallen also etwa 100 fremde Soldaten. Nach dem Rechenkunststück des Konventionsentwurfs ständen aber einem deutschen „nur etwa 15 französische, belgische, polnische und tschechische Soldaten gegenüber.

Der zweite Abschnitt handelt voni Material. Für Deutsch­land bestehen auf Grund des Versailler Vertrages genaue Vor­schriften über die Bestände an Heeresmaterial, vom Geschütz bis zur Pistole. Lagernde Bestände und Materialreserven, die Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial, fast jede Kriegsindustrie und die inodernen Waffen, wie schwere Geschütze, Flugzeuge, Tanks etc. sind untersagt. Für die anderen Mächte aber steht der Konvcntioirsentwurf keine direkte Beschränkung des Ma­terials für die Landrüstung vor, lediglich die indirekte Me­thode, die Kürzung des Wehrhaushaltes soll Anwendung fin­den. Und was insbesondere die Luftrüstung betrifft: für Deutschland soll jedes Militärftugzeug und jede Art aktiven

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Luftschutzes (Flugabwehrgeschütze) verboten bleiben. Die Geg­ner aber sollen die Möglichkeii behalten, ganze Schwärme von Bombenflugzeugen etc. herzustelleu und für den Kriegsfall be­reitzuhalten. Tausende und Abertausende von schweren Soreng-, Brand- und Gasbomben könnten mit Hilfe dieser <5luggeschwader in wenigen Tagen über Städte abgeworfen werden. Fürwahr, eine seltsame Abrüstung!

Die modernen Kampfwaffen

Frankreich

1000

Flugzeuge

1^-500 Sihw Geschütze

736

Keine Flugzeuge

N^ 500 Kampfwagen

DLD

Keine Schweren Geschütze

350

Keine Kampf­

wagen

U.6.A. England Jtalien Polen Deutsch d

Der Vergleich der Materialstärke Deutschlands und der Frankreichs mit seinen Verbündeten Belgien, Polen und der Tschechoslowakei stellt sich folgendermaßen dar:

Frankreich, Belgien,

Deutschland: Polen, Tschechoslowakei:

Maschinengewehre 1926 100 000

Leichte Geschütze 288 9 800

Schwere Geschütze — 3 600

Tanks — ca. 4100

Flugzeuge

ca. 4 700

Den Gipfel der Heuchelei erreicht der Konventionsentwurf im Abschnitt 5, der von den chemischen Waffen handelt. Uns bleibt wiederum in Bausch und Bogen alles verboten. Die Gegenseite will auf die Verwendung von Giftgasen etc. im Kriege verzichten „unter Vorbehalt der Gegenseite". Die Vor­bereitung dieser furchtbaren Waffe ist dagegen in Friedenszeiten gestattet. Zu welchem Zwecke, so fragte man sich, erlaubt der Kon- ventiousentwurf den anderen Mächten die Vorbereitung des chemischen Krieges? Wozu eine Giftwaffe anfertigen, wenn man ernsthaft davon Abstand nehmen wollte, sie im Kriege zu verwenden?

Der Abschnitt 3 des Konventionsentwurfs handelt von dem Wehrhaushalt. Der Entwurf will die Gesamtsumme der lähr- lichen Weyrausgaben begrenzen. Aber eine Garantie gegen das Einschmuggeln von Rüstungsausgaben in andere Haushalts­kapitel ist nicht gegeben. Außerdem kann diese Scheinlösung die Rüstungsungleichheit nur verschärfen. Zm Zahre 1930 haben unsere Nachbarn 4,107 Milliarden, Deutschland 658 Millionen RM. für Rüstungen ausgegeben. Eine schematische Herabsetzung der Wehrausgaben um 10 Prozent oder 25 Prozent verschärft nur unsere Unterlegenheit. Denn die hohe Löhnung der deut­schen Berufssoldaten und die Unwirffchaftlichkeit unserer Ma­terialbestellungen — bei wenigen Monopolfabriken — ver­teuert unsere Rüstungsausgaben gegenüber denen der Gegen­seite um ein Vielfaches!

Rüstunqsausqaben und Staatshaushalt

Die Mehrausgaben i v H des Gesamlhaushalts 1930 in:

Von den übrigen Bestimmungen des Konventionsentwurfs wollen wir absehen. Entscheidend wichtig ist jedoch insbesondere noch die Schlußbestimmung. Hier mutet uns der Entwurf zu, unsere in Versailles auferlegte Abrüstung freiwillig als rechts­verbindlich anzuerkennen, obwohl die anderen Äiächte durch den Konventionsentwurf ihre volle Rüstungsfreiheit behalten.

Deutschland hnt diesen „Konventionsentwurf" als ein Attentat auf seine Sicherheit abgelehnt. Wir brauchen die gleiche Sicherheit für unsere friedliche Arbeit wie andere Völker. Zm Namen der Wahrheit, des Friedens und der Gerechtigkeit fordern wir, daß die Rachoarftaaten in eben dem gleichen Maße abrüsten, wie Deutschland im Versailler Vertrage; denn auf keinem anderen Wege können Ruhe, Sicherheit, Vertrauen und Wohlstand bei der von furchtbaren Krisen geschüttelten Mensch­heit einkehren.

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Am 2. Februar dieses Zahres begann die allgemeine Ab­rüstungskonferenz in Genf. Wie steht es mit dieser Weltkonfe­renz um den Rüstungsstand der Völker? An Hand überzeugen­der Bilder sehen wir, daß die Welt von einem wirklichen Frie-

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