Samstag, den 5. März 1932.
„Gießener Zeitung"
Nr. 9
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Tagesfragen aus Stadt und Land
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Zurück zur Brotkarte?
Von Klaus Jürgens.
In seinem Aufsatz »Laßt die Hand nicht vom Pflugführte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Schiele den ungeheuren Ernst der deutschen Ernährungslage seinen Berufsgenossen vor Augen. Nicht mit Unrecht erinnerte er an die Parallele aus der Zeit des großen Krieges und betonte die volkswirtschaftliche Aufgabe der Landwirtschaft, die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen. Weiteste Kreise der Bevölkerung werden Herrn Schiele hier zustimmen müssen. Sind doch alle Kreise des deutschen Volkes als Steuerzahler mittelbar an dem kostspieligen agrarpolitischen Programm der Regierung mit eigener Tasche beteiligt. Wenn diese sinanzielle Mitarbeit jedes einzelnen deutschen Steuerzahlers an der Gesundung der deutschen Landwirtschaft bisher von der breiten Masse der Bevölkerung mehr oder weniger ruhig getragen wurde, so doch nur aus der Erwartung heraus, daß die Landwirtschaft die ihr sozusagen von der Nation zur Verfügung gestellten Mittel im nationalen Gemeinsinn verwalten, d. h. mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln an die Sicherung der nächsten Ernte herangehen werde. In die Sprache der landwirtschaftlichen Betriebsweise übersetzt, bedeutet das, daß man es allgemein als selbstverständlich ansieht, daß die Landwirtschaft überall dort, wo die intensive Wirtschaftsweise möglich ist, sich dieser Betriebsform bedient.
Daher muß es die Öffentlichkeit außerordentlich überraschen, wenn sie hört, daß gerade für die entgegengesetzte Behandlungsform der heimatlichen Scholle, nämlich für die extensive Wirtschaft, in landwirtschaftlichen Kreisen Stimmung gemacht wird. Und zwar zu einer Zeit, wo die besten stopfe aus Theorie und Praxis in wissenschaftlicher Erkenntnis das landwirtschaftliche Rentabilitäts- Problem zu lösen versuchen. Es ist daher vom allgemein- wirtschaftlichen Standpunkt aus unvertretbar, wenn die Landwirtschaft, anstatt das letzte Mittel einzusctzen, um ihre Erträgnisse zu steigern, also intensive Kultur zu treiben, zur extensiven Wirtschaft überzugehen droht, so daß wir in kürzester Frist vor einer Katastrophe unserer Volköernährung stehen müssen. Welche Folgen eine weitere Einschränkung der Ausgaben des einzelnen landwirtschaftlichen Betriebes für die Lebensmittelversorgung des Landes nach sich zieht, ergibt sich z. B., wenn man nur an einen der kleinsten Unkostenfaktoren denkt, freilich an einen mit einer besonders intensiven Rentabilitätsquole, nämlich den Stickstoff. Ein Rückgang der Stickstoffanwendung um 100 000 Tonnen Reinstickstoff würde nach den Ergebnissen zahlreicher wissenschaftlicher Versuche verschiedener Stellen einen Ernteausfall von zwei Millionen Tonnen Getreide zur Folge haben. Vom Ausland eingeführt, würde eine solche Menge unsere Handelsbilanz mit 200—300 Millionen Mark belasten. Nimmt man alle anderen Aufwandseinschränkungen hinzu, die uns bei einer extensiven Wirtschaft drohen, so stehen wir mitten in längst für überwunden gehaltenen Kriegsverhältnissen: Damals führte der Rückgang des Stickstoff- verbrauchs um 100 000 Tonnen, die stark verminderte Anwendung der übrigen Nährstoffe und die auf Arbeitermangel zu^ückzuführende verschlechterte Bodenbearbeitung zu einem Sinken unserer Getreideernten um 15 Millionen Tonnen, das heißt um 50 Prozent der Vortxicgsexnten.
Was es in unserer Lage bedeuten würde, einen derartigen Ausfall im Einfuhrwege zu decken, hat Minister Schiele eindeutig ausgesprochen, wenn er darauf hinwies, daß es ein frevelhaftes Spiel mit dem Schicksal und der Zukunft unseres Volkes sei, wenn wir unseren Gläubigern noch unser tägliches Brot in die Hand geben. Aber auch wo man glaubt, aus privatwirtschaftlichen Gründen des -einzelnen Betriebes die extensive Methode begründen zu wollen, bat die Rechnung ein Loch an der entscheidenden Stelle: Bet Verminderung der Ernteerträge bringt man Lwar die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zum Steigen. In diesem Fall wird aber keine deutsche Regierung untätig zusehen können, daß das Volk die hohen deutschen Preise nicht mehr zahlen kann, sondern sie müßte zwangsläufig durch Aufhebung des Agrarschutzes die billigeren Weltmarktprodukte der ttberschußländer Hereinlassen DaS würde zu einem völligen Erliegen der deutschen Landwirtschaft führen müssen. Zu verarmten, um mit Worten des Reichserährungsministers zu schließen, und verödeten Äckern, auf denen nur eine Frucht wächst: die Brotkarte, die bittere Not.
Offenlegung der Ginbeitswerte.
Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat gegen die beabsichtigte Offenlegung der Einheitswerte, die durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 verfügt ist und welche die Behörden von der Ausfertigung und Zustellung der Einheilswertbescheide entlasten soll, in einer Eingabe
Bonzod Craum
von einer schönen (Hurst und die raube (Hirklicbheit.
an den Reichsrat Stellung genommen. In ihr wird darauf hingewiesen, daß nach den Erfahrungen mit ähnlichen Maßnahmen damit gerechnet werden muß, daß ein Teil der Pflichtigen die öffentlichen Bekanntmachungen, wann und wo die Einheitswerte ausliegen, übersieht und so die Frist zur Einlegung der Rechtsmittel versäumt. Die Einsichtnahme wird sich unter Umständen mit Rücksicht auf berufliche Verhinderung oder wegen der räumlichen Entfernung auch gar nicht ermöglichen lassen. Der bei den Behörden in gewisser Hinsicht auftretenden Ersparnis an unmittelbaren VerwaltungSkosten steht auf der anderen Seite eine erheblich stärkere Belastung der Steuerpflichtigen gegenüber, so daß letzten Endes die Offenlegung der Einheitswerte keine wirkliche Ersparnis bedeutet. Selbst die vorgesehene Möglichkeit, die Einheitswerte nicht nur bei
Jetzt hab' ichs:
Die Ztitmlstsinneiqe
ist das beste Werbemittel.
den Finanzämtern, sondern auch bei den Gemeinden auszulegen, dürfte die vorgebrachten Bedenken nicht zerstreuen. Der Reichsverband des deutschen Handwerks schlägt vor, unter Aufgabe der Trennung von Wert- und Steuerbescheid beide wie vor dem Inkrafttreten des Reichsbewertungsgesetzes in einem Bescheide zu verbinden. Dadurch würden die Ausferttgungs- und Zustellungskosten für die Wertbescheide erheblich herabgemindert und zum Teil völlig in Wegfall kommen, da die eigentlichen Steuerbescheide ja nach wie vor ausgefertigt und zugestellt werden müssen.
Die Eingabe bittet noch einmal bei der Beratung des vorliegenden Entwurfs der Verordnung um Berücksichtigung der Vorschläge.
Bleues hausbaltogefcbirr.
Nicht nur die Zeit der Not, die Folgen des Krieges und die immer bedrohlicher werdende Weltwirtschaftskrise zwingen die deutsche Hausfrau zu Sparsamkeit und Vereinfachung. Vielmehr gibt sich in dem Streben nach Verwendung von Geräten einfachster Form mit klaren Linien auch ein neues Lebensgefühl. eine ganz neue Einstellung zu den Dingen des täglichen Lebens kund Die „Ästhetik der Zweckmäßigkeit". die uns von der Architektur feit Jahren in ihren neuen Bauten gepredigt wird, hält immer stärker ihren Einzug auch in den Haushalt, wo sie siegreich den Kampf besteht gegen Schnörkel, Staubfänger und Kitsch Auch hier gingen die größeren Stücke, also die Möbel, voran, Vorhänge, Lampen usw folgten Zuletzt kam das kleinere Gerät, das Haushaltsgeschirr, dran, wie es kürzlich eine vielbeachtete Ausstellung in Berlin zeigte Hier wurde keinesfalls einer öden Typisierung das Won geredet, sondern es wurden im Gegenteil die zahlreichen Möglichkeiten gezeigt, die einfachsten Grundformen wie Teller und Schale, Tasse und Becher im Nahmen der Ästhetik und der Zweckbestimmung abzuwandeln. Die Grenze dieser Änderungsmöglichkeil verläuft ungefähr dort - das war der Sinn der Ausstellung —, wo die sachlich bedingte Grundform durch persönliches, oft ungeschultes Wünschen in unsachliche Zierform verzerrt wird
Besonderes Interesse fanden allgemein die Geräte aus den neuen Kunstharzstoffen, die erst am Anfang ihrer Entwicklung zu stehen scheinen und jedenfalls noch eine schier unübersehbare Zukunft haben. Den Besucher bestachen ganz offensichtlich nicht nur die künstlerischen Formen und Farben des neuen Materials, sondern eben auch die Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten.
Als Beispiel für die Betrachtung derartiger Erzeugnisse sei eines der bekanntesten, das „Festellan", gewählt, das sich in raschem Siegeslauf aus den Hennigsdorfer Werkstätten der AEG. heraus weiteste Anhängerkreise erobert hat
Die pulverisierten Kunstharzrohstoffe des Festellans werden in erhitzte hochglanzpolierte Stahlformen elngebrachl und erhalten durch hydraulische Pressen mit hohem Druck in einem einzigen Arbettsgang ihre endgültige Form, da Druck und Hitze das Material verflüssigen und in die feinsten Hohlräume der Form hineintreiben. Nach kurzem Pressen ist eine harte,
unlösliche und unschmelzbare Masse entstanden, die außer der Gestatt der Form auch ihren Hochglanz angenommen hat, so daß keinerlei Nachbearbeitung — also auch kein Polieren oder Lackieren — mehr erforderlich ist.
Während die Brucbgefabr bei Glas und Porzellan groß ist, kann Festellan als bruchfester bezeichnet werden. Es fällt hierdurch nicht nur der Ärger über abgestoßenes und zer- brochenes Geschirr fort, sondern es ergibt sich daraus die Möglichkeit eines viel leichteren Abwaschens, besonders im Privathaushalt, in Hotels, Restaurants, Krankenhäusern und Heimen. Es können sich in Rissen oder abgcstoßcncn Stellen keine Speisereste oder besonders in Krankenhäusern Bazillen festsetzen. Festellan ist ferner ein schlechter Wärmeleiter Getränke in Festellan bleiben wesentlich länger warm und der Gegenstand selbst wird außen nicht heiß, so daß Tassen und Becher bequem angefaßt werden können. Für Reisen und Ausflüge besteht noch der Vorzug des geringen spezifischen Gewichts.
Besonders wirksam sind unter den bisherigen Ausfüh- rungen die Farben Rot, Braun, Grün und Mahagoni; eine Fülle von Abwandlungsmöglichketten ergibt sich daraus, daß auch verschiedene Farben miteinander vermischt, d. b marmoriert, geliefert werden.
Die günstigen Erfahrungen, die man mit dem Material aus den erwähnten anderen Geoteten gemacht hat, veranlassen nuerdings seine Benutzung für GasNvirtsbetriebc aller Art, wobei unseres Wissens große Warenhäuser mit ihren Erfrischungsräumen vorangegangen sind. Bedenkt man. wie große, heutzutage nahezu untragbare Ausgaben den Restaurants und Hotels durch Gesclnrrbruch entstehen, und wie günstig die neuen, formschönen Geräte gegenüber dem dickwandigen, häufig abstoßenden Steingut wirken, so ergeben sich auch hier günstige Perspektiven für die Einführung von Festellan.
Das moderne Kunstgewerbe ist um ein wertvolles, vielseitiges und schönes Material bereichert worden, das ganz offensichtlich eine große Zukunft vor sich hat, und für das schon heute Zehntausende von Hausfrauen der Technik dankbar sind.
Gesundheitswesen.
Ein Geheimnis Chinas.
Wie in Deutschland gewisse Kräuter und Pflanzen infolge ihrer heilkräftigen Wirkung als Volksheilmittel geschätzt werden, so hat auch das Ausland derartige Kräuter und Pflanzen aufzuweisen, die in ihrer Volkstümlichkeit noch aus eine weit ältere Tradition zurückblicken können. China mit seiner alten Kultur besitzt z B. eine Teepflanze, die schon im Jahre 3217 v Ehr in einem Werk über Arzneipflanzenkunde beschrieben wurde Diese Pflanze, der Wissenschaft unter dem Namen „Ma-Huang"-Droge bekannt, galt in China sogar als Zahlungsmittel und wurde auch zur Entrichtung von Steuern benutzt. Heute leistet der wichtige Hauptbestandteil der Droge — Ephedrin — in aller Welt bei den verschiedensten Erkrankungen die besten Dienste Daß es sich nichi um einen gewöhnlichen Tee handelt, beweist allein die Tatsache, daß die isolierten Bestandteile der Droge an allen Universitätskliniken Deutschlands Verwendung finden. Die ,Ma-Huana"-Droge ist in Deutschland unter dem Namen Sanetta-Gesunoheitstee hinlänglich bekannt Infolge ihrer krampflösenden Wirkung aus die Bronchien findet sie bei allen Katarrhen der Luftwege, insbesondere bei Asthma und Keuchhusten, Anwendung. Gerade bei den wechselnden Temperaturen der jetzigen Jahreszeit ist der regelmäßige Genuß des Sanetta bei Asthmatlkertt und empfänglichen Personen von guter, vorbeugender Wirkung. Der Tee, der völlig ungiftig ist, wirkt ledoch noch in anderer Weise, indem er die Herzkrafi bei gesunkenem Blutdruck steigert Besonders bei fieberhaften Infektionskrankheiten, wie Grippe und Influenza, wo es gilt, die Herztätigkeit vor dem Erlahmen zu schützen, wirkt der Tee ausgezeichnet. Be- zeichnend ist die Tatsache, daß Die moderne Wissenschaft die Wirksamkeit der ,Ma-Huang"-Droge die als Sanetta in Drogerien und Apotheken erhältlich ist, erst Ende deS vorigen Jahrhunderts erkannte und sich zunutze machte Die kurze Zeit dieser Erkenntnisse bringt es mit sich, daß diese Droge für die breiteren Bevölkerungsschic' ten noch immer als ein Geheimnis Chinas bezeichnet werden darf
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Mundspülungen sollte man möglichst nach jeder Mahlzeit vornehmen, damit die Speisereste zwischen den Zähnen entfernt werden Dem Spülwasser setze man stets einige Tropien antiseptisches Mundwasser zu.
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Hilfe gegen Rheuma und Frauenleiden. Rheuma ist eine Stoffwechselkrankheit deren außerordentlich schmerzhafte und berussstörende Folgen allgemein bekannt sind Aber auch andere weniger auffällige Krankheits- erschetnungen sind auf mangelnden Stoffwechsel zurückzuführen. Insbesondere Die körperlichen Indispositionen, unter denen unsere Frauenwelt zu leiden hat, gelbe Gesichtsfarbe, matte Augen, schlaffe Haut, träger Stuhlgang, Kurzatmigkeit beim Treppensteigen, Schmerzen in den Nieren, Gallensteine, Anschivellung der Fußgelenke, Krampfadern, Fettansatz an unerwünschter Stelle. — das alles sind Merkmale von Stoff- wechselerkranlung. Das beste Mittel gegen Stoffwechselerkrankung ist, wie durch mehrjährige klinische Versuche fest- gestellt worden ist, das Borameisensäurepräparat Salaktba, D. R. P. 538 856, hergestellt durch die Chemische Fabrik Apotheker H. Weitz. Berlin-Marienfelde. Da das Mittel gänzlich ungiftig ist, und die Kosten einer ganzen $hir nur 8 Mark betragen, wird unsere Frcruenwelt dankbar fein, auf dieses Mittel aufmerksam gemacht zu werden. Alle diese oft recht peinlich empfundenen körperlichen Übel und Plagen beginnen bei Gebrauch der Kur schon nach wenigen Tagen zu schwinden.