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45. Fahrs.

Gamstav, den 2. April 1932

Nummer 13

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Pollllsche Rundschau.

Es steht nunmehr endgültig fest, daß die Londoner Vier- mächte-Konferenz am 6. April beginnt und vom Mittwoch bis voraussichtlich zum Samstag der kommenden Woche dauern wird.

Die deutschen Vertreter für die Londoner Zusammenkunft werden voraussichtlich am Donnerstag, 7. April, abreisen. Die Delegation wird nur wenige Personen umfassen, und zwar wird neben dem Staatssekretär von Bülow voraussichtlich noch Mini­sterialdirektor Posie vom Reichswirtschaftsministerium nach London fahren.

Der Aeltestenrat des Reichstages ist für Montag, den 11. April, 17 Uhr, also unmittelbar nach der Wahl des Reichspräsi­denten einberufen worden, um über den Wiederzusammentritt des Reichstages Beschluß zu fassen.

Wie der „Daily Herold- mitteilt, plant Schatzkanzler Neville Ehamberlain auf der im Juni in Lausanne zusammentretenden Konferenz keinerlei Regelung des Reparations-Problems er­folgen zu lassen, sondern lediglich eine Verlängerung des Mo­ratoriums für Deutschland um weitere sechs Monate zu bean­tragen.

Der Finanzausschuß des Hess. Landtages will am Donners­tag, den 7. April, mit der Etatberatung beginnen. Der Etat liegt zurzeit auch den Ausschußmitgliedern noch nicht vor.

Die „Hessische Landeszeitung- sowie der „Rhein- und Hesse- Bauer- wurden vom hesiischen Innenminister wegen schwerer Beschimpfung der preußischen Polizei und des preußischen In­nenministers „aufs nachdrücklichste und zum letztenmal" verwarnt.

Durch Verordnung des hesiischen Eesamtministeriums vom 14. 3. 1932 sind die Vorschriften der Reichsnotverordnung vom 8. 12. 1931 lReichsges.Bl. I S. 699) über die Lockerung der Woh- nungszwangswirlschaft auch für Hessen in Kraft gesetzt. Die Vorschriften sind zum Teil bereits seit 1. Januar 1932 gültig.

Durch Notverordnung vom 30. März 1932 hat das hessische Mamhninifterium bestimmt, daß die Grundgehalte der weib- * Uchen Lehrpersonen ab 1. April 1932 um 10. v. H. gesenkt werden.

Am Freitag gaben Kommunisten mehrere Schüsie auf ein nationalsoz. Verkehrslokal in Berlin-Moabit ab, durch die glück­licherweise niemand getroffen wurde. Der herbeigerusenen Po­lizei gelang es, sehr rasch zwei der geflüchteten Schützen zu ver­haften.

Bei der Beerdigung eines Kommunisten kam es in Hohen­limburg zu Zusammenstößen zwischen etwa 2000 kommunistischen Demonstranten und der Polizei, die das Mitführen entrollter Zahnen untersagte.

Der Prozeß gegen den Studenten Stern, der das Revoloer- ittentat gegen den deutschen Botschaftsrat Twardowski verübt tat, findet am 4. April vor dem Moskauer Obergericht statt.

Zu den Massenkündigungen der Lohn- und Manteltarife erklärt der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, daß rach seiner Auffassung am 30. April nur gekündigte bzw. durch Notverordnung verlängerte Tarife ablausen.

Die handelspolitische Kommisiion des Rcichsvcrbandes der deutschen Industrie tagte Donnerstagnachmittag unter dem Vor- HD von Staatssekretär Dr. von Simson, der über die allgemeine handelspolitische Lage berichtete.

Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Otonat März 1932 durch den „Reichsanzeiger- 975 (Februar 1011) neue Konkurse ohne die wegen Massenmangels abgelehn- :w Anträge auf Konkurseröffnung und 759 (Februar 789) er- iifnctc Vergleichsverfahren bekanntgegeben.

Nach Meldungen aus Brasilien hat der brasilianische Fi- uuijminiftcr einen Vertrag unterzeichnet, nach dem 300 000 Sack Kaffee gegen deutsche Kohle eingetauscht werden.

Zn Potsdam hält, wie uns unsere Berliner Schriftleitung drahtet, in der Zeit vom 1. bis 3. April der Reichselternbund ■Her außerordentlich starker Beteiligung aus der Provinz Brandenburg und dem Reich seine zehnte Eesamttagung ab.

Durch Beschluß der Sowjetregierung und der kommunisti- chcn Parteileitung wurden mehr als 30 Direktoren staatlicher freier wegen Mißwirtschaft zur gerichtlichen Verantwortung trogen. Weitere 100 Direktoren wurden ihrer Aemter cnt- toten, da im letzten Jahre die Lieferpläne der Viehgüter nur ii 69 Prozent erfüllt wurden.

Der französische Senat und die französische Kammer haben n der Donnerstag-Nachtsitzung das Gesetz einer von dem fran- tsischen Senat garantierten Anleihe an die Tschechoslowakei in -55l)c von 600 Millionen Franken angenommen.

Im Gegensatz zum Steinkohlengcbict von Mährisch-Ostrau, co der Streik Donnerstagabend beendet werden konnte, dauert itr Bergarbeiterstreik in Nordwestböhmen in unverminderter Heftigkeit an.

Durch Dekret des polnischen Staatspräsidenten wurde der kölnische Maximalzolltarif um das Doppelte erhöht. Seine Lätze lagen bisher um 100 Prozent über denen des normalen Tarifes. Sie sind nunmehr um 200 Prozent höher als die Nor- »alsätze.

Der englische Staatshaushalt schließt bei einem Ueberschuß Mit 364 337 Pfund in den Einnahmen und Ausgaben insgesamt •tt 851 482 281 Pfund ab, einschließlich 32 508 000 Pfund für ml Tilgung der inneren Schuld.

Bis ein Kind beten darf.

Zn Rußland? Nein, in Deutschland, in einem Berliner Krankenhaus! Die „Deutsche Zeitung" schreibt darüber: „Das vierjährige Kind einer christlichen Mutter mußte ins Kranken­haus gebracht werden. Bei der Einlieferung bat die Mutter die Stationsschwester darum, sie möchte jeden Abend mit dem Kind ein bekanntes Kindergebet sprechen, weil das Kind daran gewöhnt sei. Die Schwester erklärte, daß sie es gern tun würde, dabei aber fürchte, ihre Stelle zu verlieren. Die Mutter solle doch bei der Oberschwester die Genehmigung einholen. Die Mutter geht zur Oberschwester. Diese erwidert: „Es tut mir furchtbar leid, aber das ist doch bei der Einstellung des Stadt­rates eine zu schwerwiegende Angelegenheit. Ich muß Sie bit­ten, die Angelegenheit dem Oberarzt vorzutragen." Der Ober­arzt wußte auch nicht zu entscheiden und verweist an den Direk­tor des Krankenhauses. Der Direktor fühlt sich auch nicht zu­ständig und bittet die Mutter, bei der Gesundheitsbehörde vor­stellig zu werden. Die Mutter geht zur Gesundheitsbehörde. „Das Kind soll beten? Mit einer Schwester? — So etwas kann nur der Herr Stadtrat selbst entscheiden." Der Stadtrat macht der Mutter Vorhaltungen, versucht sie von ihrem Vor­haben abzubringen und erklärt schließlich: „Nun, wenn Sie durchaus nichts anders wollen, und wenn Sie eine Schwester finden, die mit dem Kinde betet, so habe ich nichts dagegen." Ein solcher Instanzenweg ist heute nötig, damit ein vierjähri­ges Kind sein Abendgebet sprechen kann. Das nennt man „freie Religionsübung in Deutschland!" — Nicht erschütternd?

Hausbesitzsteuer früher und heute.

Wie die Hausbesitzer durch übermäßig hohe Steuern er- drosselt werden, ergibt nachstehende Aufstellung, die ein Gelsen­kirchener Bürger und Hausbesitzer zur Verfügung stellt.

Kurz vor dem Kriege lautete der Steuerzettel-

Staatssteuer.........46,— M.

Gemeindegrundsteuer.......524,32

Gewerbesteuer.........29,40 ‘Jlt.

Entwässerungsgebühr.......152,76 M.

Müllabfuhrgebühr.......32,45 M.

Kirchensteuer.........32,40 M.

Zusammen: 817,33 ^*

Im Jahre 1931 lautet der Steuerzettel:

Staatssteuer.........434,40 M.

Zuschlag ..........352,56 M.

Gemeindezuschläge........1629,— M.

Für Entwässerung, Straßenreinigung und

Müllabfuhr ........463,99 M.

Hauszinssteuer .........3660,72 M.

Hauszinssteuer-Nachtrag ......37,56 M.

Vermögenssteuer........396,— M.

Einkommensteuer.........298,— M.

Kirchensteuer.........51,60 M.

Krisensteuer..........27,40 M^

Bürgersteuer......... 9,— M

Zusammen: 7360,23 M.

Die Grundlagen zur Steuerveranlagung sind dieselben ge­blieben.

Es hat sich also die steuerliche Belastung des Hausbesitzes gegenüber der Vorkriegszeit verachtfacht. Wann kommt eno- lich eine fühlbare, die Gesamtwirtschaft belebende steuerliche Ent­lastung des Hausbesitzes?

Das Rüstunqsfieber in der Melk

Rüstungsausgaben sämtlicher Machte:

120000 neue Wohnungen.

Die Bautätigkeit im Jahre 1931.

Die Wohnungsbautätigkeit des Jahres 1931 wurde durch die Verminderung der für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellten Hauszinssteuermittel und sonstigen öffentlichen Mittel, durch die zunehmenden Finanzierungsschwierigkeiten und die wachsende Zahl der leerstehenden Alt- und Neuwohnungen aufs stärkste beeinflußt. Nur während der ersten Jahreshälfte ge­währte der aus dem Vorjahr übernommene Baubestand dem Baumarkt noch einen gewißen Rückhalt.

Insgesamt wurden in den Groh- und Mittelstädten 120 000 Wohnungen neu erstellt, d. h. rd. 26% weniger als im Vorjahr und etwa 16% weniger als 1929-

JNit der Bauleistung des Jahres 1931 sind dem V^oh- nungsmarkt der Städte mit über 50 000 Einwohnern seit 1919 rund i,i M'ill. Wohnungen zugeführt, denen ein Abgang von 35 000 Wohnungen gegenübersteht Der gesamte Woh- nungsbestand in den Groß- und Mittelstädten belief sich Anfang Januar 1932 auf 6,4 Mill. Wohnungen, von denen 17 Pro­zent Neuwohnungen waren, gegenüber 15,4 Prozent Anfang 1931 und 13,2 Prozent Anfang 1930.

Während die Zahl der in Neubauten erstellten Wohnun­gen stark zurückgegangen ist, hat sich die Ilmbautätigkeit be­trächtlich erhöht, da die Großwohnungen vielfach nur unter Schwierigkeiten zu vermieten sind.

Durch Umbau entstanden 1931 6200 Wohnungen oder 5% sämtlicher Neubauten.

Der Zugang war besonders stark im 4. Vierteljahr 1931, in dem der Anteil der Umbauwohnungen an den gesamten Bau­vollendungen auf 3 Prozent anstieg. 1930 wurden 4900 11m- bauwohnungen, 1929 4400 Umbauwohnungen erstellt, d. h. jeweils etwa 3 Prozent sämtlicher Neubauwohnungen.

Mit Unterstützung aus öffentlichen Mitteln wurden 89% sämtlicher in Wohngebäuden erstellten Wohnungen erbaut;

gegenüber dem Vorjahr ergab sich damit keine nennenswerte Aenderung. Unter den im Jahre 193 r errichteten Wohnun­gen überwogen weitaus die Kleinwohnungen mit i bis 3 Wohn­räumen (einschl. Küche). Ihr Anteil ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat 1931 mit 57 Prozent sämtlicher er­stellten Wohnungen seinen bisherigen Höchststand erreicht. Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist außerdem zu berücksichtigen, daß vielfach auch die Größe der Wohnräume herabgesetzt und die Ausstattung der Wohnungen eingeschränkt wurde.

Von 100 Neuwohnungen entfielen im Jahre

1927

1928

1929

1930

1931

aut Kleinwohnungen

(t—3 Wohnräume). . .

34,2

35,6

43,0

49,4

57,0

auf Mittel-Wohnungen (4—6 Wohnräume). . .

62,6

60,4

53,8

48,2

41,1

auf Großwohnungen . . .

3,2

4,0

3,2

2,4

1,9

Mit dem Rückgang der Wohnungsgröße war jedoch kein entsprechender Rückgang der Gebäudegröße verbunden. Wäh- . rend im Jahre 1921 auf ein Wohngebäude im Durchschnitt 2,9 Wohnungen entfielen, enthielten die neu errichteten Wohn­gebäude im Jahre 1930 4,9 im Jahre 1931 5,1 Wohnungen. Von den 23 400 Wohngebäuden waren 26 Prozent Einfami­lienhäuser, 74 Prozent Häuser mit zwei und mehr Wohnungen gegen 73 Prozent im Vorjahr und 61 Prozent im Jahre 1927.

Dem Zugang stand ein Abgang von 4400 Wohnungen gegenüber, so daß sich der Reinzugang auf 115 000 Wohnungen belief (1930: 157 000, 1929: 137 000). Durch Abbruch, Umbau und Brände ergab sich im einzelnen ein Abgang von:

Nicht-Wohn- Gebäuden

Wohn- Gebäuden

Wohnungen

1931......

984

863

4 398

1930 ......

1138

1179

5177

1929 ......

1083

1408

5 862

1928 ......

952

1058

4 403

Unter dem Druck der schwierigen Verhältniße, in denen sich die öffentlichen Körperschaften und die private Wirtschaft befanven, ist auch die Nichtwohnbautätigkeit im Jahre 1931 stark zurückgegangen. Insgesamt wurden in den Groß und Mittelstädten 5400 Nichtwohngebäude mit 11 Mill. Kubik­meter umbautem Naum fertiggestellt, fast um die Hälfte we­niger als im Vorjahr (21 Mill. Kubikmeter). Bei den öffent­lichen Bauten (3 Mill. Kubikmeter) belief sich der Rückgang gegenüber 1930 auf 54 Prozent, bei den gewerblichen Bauten (8 Mill. Kubikmeter) auf 43 Prozent.

Vierzehn Gebäude bei einem Feuer zerstört.

Kolberg, 1. April. In der Nacht zum Freitag brach im Dorf Schlesfin, Kreis Greifenberg in Pommern, Feuer aus, durch das insgesamt vierzehn Eebüude eingeäschert wurden. Mit- oerbrannt sind 21 Schweine, zwei Pferde und acht Kühe. Da dies bereits das sechste Feuer innerhalb weniger Wochen im Kreise ist, vermutet man Brandstiftung.