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Eamstag, den 1. Oktober 1932.

Gießener Zeitung

Nr. 39

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Was schallt da in unsere dunkle Zeit? Ein Zauberwort: Grenadiere! — Da öffnen sich rings die Herzen weit, Die Herzen der Grenadiere.

Und alle erleben's noch einmal mit, Und alle marschieren im gleichen Schritt, Zwischen Alten und Jungen ein Bindeglied, Hurra, wir Grenadiere!

So soll es der Jugend erhalten sein, Und wieder soll sie es schauen, Und wissen soll sie: Ein Deutschland allein, Mit Grenadieren nur läßt sich's erbauen. Gehässige Feinde um uns her, Rüsten und rüsten sie immer mehr, Dann fällt uns die alte Losung nicht schwer: Wir brauchen Euch: Grenadiere!

Grena-iertas

Jungens — schaut euch die Alten an, Grenadiere sind's einst gewesen, Und Treue war ihnen nicht leerer Wahn, Die da kehrten mit eisernem Besen. Sie hielten die Heimat vom Feinde frei, Sie waren sich selbst und dem Vaterland treu, Jungen, ihr wollt, daß es wieder so sei: Topp! Schaffen wir Grenadiere!

Und wenn ihr unsere Reichs wehr seht, Ihr Jungen und auch ihr Alten, Dann wißt: Es ist noch niemals zu spät Für Deutschland: ein mächtig' Heer zu halten. Ein Heer, wo das 115er Regiment, Der Jüngste wieder 116er kennt, Und 118 mit Ehrfurcht nennt, Die Alten, die Grenadiere.

So bleib' es das ewige Zauberwort Und formiere aufs neue die Glieder, Bald werfen wir alle 21 trappen fort Und holen das VSirkliche wieder. Wissen wollt ihr, wie dieses heißt, Daraus die künft'ge Gestaltung fleußt? Jungens, es ist der deutsche Geist!

Drei Hurra's den

Grenadiere! Ein oft angewendetes Wort in der alten ruhmreichen Armee. Wie hat es die Herzen höher schlagen lassen, wenn sie in langen fast unübersehbaren Reihen mit selten Schritten anmarlschiert kamen. Grenadiere! Welch' .raßes Vertrauen wurde diesem Wort beigelegt zu kriegerischen

Grenadieren!

Wilhelm Reuter.

Zeiten. Sie wichen und wankten nicht, die Grenadiere, schützten Heimat und Hof.

Sie

Und heute ertönt wieder freudig für Gießen und weit, weit über seine Grenzen hinaus das Wort Grenadiere aus aller Munde. Zn diesem Ruf liegt zugleich ein

herzlich Willkommen ihr Grenadiere!

Za, ihr alten und jungen Grenadiere und auch ihr von den p 2Iberen Waffengattungen, die ihr zu vielen Tausenden nach Gießen gekommen seid, um das Leben und Treiben unserer Ölungen Grenadiere, unsere Reichswehr, zu schauen, ihr ■ tinnt und sollt nach verlebten Stunden der Begeisterung und

nach eurer Rückkehr in eure Heimat den für Deutschland not­wendigen Wehrgedanken bis in die entfernteste Hütte hinein­tragen und ihm Kraft verleihen. Das sei unser aller Wunsch und unser Gruß! Handelt als Deutsche und kämpft für ein neues freies Deutschland!

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Jriedensbiwak! Welcher Soldat der alten Armee wird da nach an seine Dienstzeit, an seine Manövererlebnisse in seligen Friedenstzeiten erinnert? Damals war das Biwak der Abschluß der großen Herbstmanöver und gleichzeitig für viele tos Ende der aktiven Dienstzeit. Zevem ausscheidenden Solda­ten sollte es eine bleibende Erinnerung sein. Der Weltkrieg m seiner rauhen Wirklichkeit machte aller Romantik ein Ende. Heute ist ein solches Biwak mit seinen Lagerfeuern schon wegen i üblicher Fliegergefahr zur Unmöglichkeit geworden. Dennoch pird die Ueberlieferung des alten Heeres auch hierin beim Keichsheer weiter gepflegt. Biwak und Großer Zapfenstreich werden wie früher, so auch heute noch als besonderer Festtag im Soldatenleben betrachtet. Der Zugend, der es heute durch • las Versailler Dittat nicht vergönnt ist, Soldat zu sein, soll i er Hessische Grenadiertag eine Vorstellung geben vom heutigen -oldatenleben und den alten Soldaten ein Gedenken sein an ü längst vergangene Zeiten.

Wie sieht nun s0 ein Biwak aus? Die Kompag- ■iien rücken auf den Biwakplatz. Ein reges Leben beginnt. Mcberall wachsen die Zelte aus dem Boden. Lagerstroh wird Wvangefahren, um es den Grenadieren einigermaßen bequem I u machen. Dann beginnt die Arbeit für das Lagerfeuer. Zede 1 ^mpagnie sieht ihren Stolz darin, den größten Biwaksbaum ^ errichten. Seine Krone wird mit Stroh umwickelt und mit Wroannung erwartet feder den Augenblick, da die Krone Feuer

ende an den Track- ! üvgt und den Biwaksplatz weithin erleuchtet.

n itcherer Platzhâl- Nun beginnt, auch wenn der Tag noch so anstrengend war, ' Ablauf der tn lustiges Soldatenleben. Mehrstimmiger Gesang des Kom- ^er moralische 6* Pgniechors wechselt mit alten Soldatenliedern und humoristt- * h:. Verbal I kett Vorträgen der Stimmungsmacher. Auch dafür, daß die )st

Kehlen nicht zu trocken werden, wird gesorgt. Ein Fäßchen Bier oder ein guter Schuß Rum in den Tee gehören einfach dazu. Die Herbstnächte sind ja auch schon kühl, so daß ein Ein­heizen gerne willkommen ist.

Auch die Feldküchen tragen ihr Teil für das körperliche Wohl bei. Eine nahrhafte Suppe wird ausgegeben. Durch den Krieg ist die Feldküche jedem Soldaten ein beliebter guter Kamerad geworden und wenn sie oft tagelang ausblieb, empfand man erst, wie wichtig auch die Gulaschkanone für die ^Kriegs- führung ist. Erst seit kurzer Zeit gibt es diese praktische Ein­richtung. Zm Russisch-Zapanischen Kriege fanden die Feldküchen zum erstenmal Verwendung. Vorher mußte sich der Soldat noch Kochlöcher graben und in seinem Kochgeschirr selbst müh­sam sein Essen bereiten.

Plötzlich flammen vor der Waldkulisse im Hintergründe Fäkeln auf. Zn ihrem Schein blitzen Stahlhelme, Trommeln und aufgepflangte Seitengewehre. Unter den Klängen des Zapfenstreichmarsches rückt der Große Zapfenstreich an. Schnei­dige Kommandos ertönen. Dann klingen die schönen alten Milttärmärsche auf.

Mit dem dumpfen Wirbel des Lockens wird der eigentliche Zapfenstreich eingeleitet.

,^elm ab zum Gebet!"

Die feldgraue Mauer steht bewegungslos, ringsum sind die Köpfe entblößt: „Zch bete an die Macht der Liebe."

Dann erklingt unter präsentiertem Gewehr das Deutschland­lied. Es soll jedem Soldaten sagen, daß er mit Leib und Seele dem Vaterland dient, soll in einer Zeit, da unser Vaterland durch Parterkämpse zerrissen ist, ein Bekenntnis sein zur inneren Einheit.

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Rachrichtenstafette

am Sonntag, den

I Die im Rahmen der Veranstaltungen des 2. Oktober vor- Mchene Nachrichtenstafette soll nicht eine kriegsmäßige Nach- Wbtenübermittlung darstellen, sondern es soll hierbei den Zu- Mauern gezeigt werden, über welche Meldeorgane und Nachrich- pnmittcl eine Armee verfügt. Bei einer kriegsmäßigen Nach- Mbtenübermittlung wird man stets bestrebt sein, möglichst we- ®g verschiedene Nachrichtenmittel bzw. Meldeorgane zu ver­huben. Hat man z. B. zur Uebermitlung einen Flieger zur •Anfügung, so ist anzustreben, daß unter Ausnutzung der Ge­lindigkeit des Fliegers die Nachricht von diesem bis zur

gilt“ . e fHiJA’üimmungsfte gebracht und dort abgeworfen

.«Alaun. »”? « ^> ^ Schaltung weiterer Nachrichtenmittel bedeutet naturgemäß

wird. Die

Kei der hier vorgesehenen Nachrichtenstaffette

kommt es

2. Oktober 1932.

wohl auf die Schnelligkeit der Uebermittlung durch die einzel­nen Meldeorgane und Nachrichtenmittel an, jedoch nicht auf die Schnelligkeit der Uebermittlung einer Nachricht von der An­fangsstelle zur Endstelle. Mit Ausnahme des Fliegers, der uns durch das Versailler Diktat verboten ist, verfügt das Reichsheer über alle beteiligten Meldeorgane und Nachrichten­mittel. Jedoch hat sich freundlicherweise ein Frankfurter Sport­flieger bereit erklärt, bei dem sportlichen Teil des Programms mitguwirken.

So sind an der Nachrichtenstaffette beteiligt:

1. bewegliche Funkstelle (SeribefteUe), 2. bewegliche Funk­empfangsstellen, 1 Flugzeug, 2 Motorradfahrer, 2 Meldereiter, 2 Radfahrer, 2 Meldeläufer, 4 Blinktrupps, 2 Fernsprechan­schlußtrupps, 2 Meldehunderotten.

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Der Verlauf der Nachrichtenstafette ist folgender:

Die auf dem Trieb aufgcbnute Funkstelle erhält einen oer» schlüsselten Spruch, dessen Inhalt den Ercnadiertag betrifft. Die Funkstelle sendet diesen Spruch, der von den beiden Funk­empfangsstellen auf dem Flughafen ausgenommen wird. Die Funkempfangsstellen übergeben die aufgenommenen Sprüche einem Flieger, der an einer auf dem Trieb gekennzeichneten Meldeabwursstelle die beiden Meldungen abwirft. Bei Ab­schuß einer Signalbombe beginnt nun die eigentliche Zeitberech­nung der beiden Stafetten. 2 Motorradfahrer suchen die abge» worfenen Meldungen und bringen sie auf festgelegtcn Umwegen zu den Dlinkstellen. Die Stafette 1 hat weiße, die Stafette 2 rote Armbinden. Die Sprüche werden zur Gegenstelle ge­blinkt, dort den Radfahrern übergeben. Nach Ankunft der Rad­fahrer bei den Meldehundtrrcpps werden die Sprüche durch Meldehunde zu den Gegenstellen befördert. Hier erfolgt die Uebergabe an Meldeläufer und von diesen an die Fernsprech­anschlußtrupps, die eine Fernsprechleitung bauen und die Sprüche nach Fertigstellung der Leitung durchgeben. Als Ab­schluß werden die Sprüche von den Fernsprechcndstellen durch Meldereiter ans Ziel gebracht. Den Eingang der ersten Mel­dung zeigt wiederum eine Signalbombe an. Bis zur Ent­schlüsselung der Sprüche werden Schulübungen der Meldehunde sowie Bau von Fernsprechleitungen, Beförderung von Munition und Brieftauben durch Meldehunde gezeigt. Spruchinhalt und Beförderungsdauer werden durch Lautsprecher bekanntgegeben.

Vom Grenadiertag.

Nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen zum Hessischen Grenadiertag ist mit einer außerordentlich starken Beteiligung der Bevölkerung aus allen Gegenden der Provinz Oberhessen, den angrenzenden preußischen Kreisen und aus dem ganzen Hessenland zu rechnen. Um den Bahnverkehr zum Nutzen der Besucher zu gestalten, wird die Reichsbahn verstärkten Zugver­kehr fahren, ferner hat sie im Umkreis von 150 Kilometer um Gießen verbilligte Sonntagstückfahrtkarten zugelassen. Die Darbietungen des veranstaltenden 1. Bataillons 15. Znf.-Regts. werden außerordentlich vielseitig sein. Am Samstagabend wird das große Biwak des Bataillons mit Zapfenstreich auf dem Trieb Mittelpunkt des Interesses werden. Bei dieser Gelegen­heit soll ein Wettbewerb der einzelnen Kompagnien in der Er­richtung der Biwakzelte ausgetragen werden. Die Reichsbahn hat dafür gesorgt, daß die Besucher von auswärts nach Schluß des Biwaks gegen Mitternacht bestimmt mit der Bahn Heim- kehren können. Am Sonntag wird um 10 Uhr auf dem Trieb der Feldgottesldienst stattfinden. Unmittelbar anschließend folgt die große Parade des gesamten Bataillons vor dem Kommandeur und Landeskommandanten in Hessen, Oberstleutnant Klepke. Am Nachmittag werden die wehrsportlichen Darbietungen die Besucher in hohem Maße fesseln, u. a. wird hierbei ein moderner Znsanteriekampf vorgeführt werden. Ein Festball in der Volkshalle wird diesen Tag beschließen. Während beider Tage ist in der Neuen Kaserne eine militärische Ausstellung hergerich­tet, in der man viel Interessantes über die Ausrüstung der deut­schen Truppen sehen kann. Sämtliche Darbietungen sind für jedermann aus Stadt und Land gegen Zahlung eines Gesamt­eintrittspreises von 50 Pfg. (Dauerkarte für beide Tage) zu­gänglich. Regem Interesse dürfte auch die Essenabgabe an der Feldküche begegnen.

Er wird mit allen fertig!

mit den schwachen Wellen, denen er neues Leben gibt mit den starken, die er zügelt. So stellt man sich den idealen Empfänger vor - und wirklich, so ist der «Siemens 55 Empfänger, mit absoluter Einknopfbedie­nung und Lautsprecher in einem Gerät. - Er bietet aber noch mehr: Mit der »Klang- blende* können Sie Sprache oder Musik so einstellen, wie Sie es gerade wünschen, bald weich und zart, bald klingend und schmetternd. Und dann: beim Siemens 55 gibt es kein Absinken der Lautstärke, er _______ hat selbsttätigen Fading- und Lautstärke- ausgleich. In der Tat, vom Siemens 55 können Sie alles verlangen. Alles meistert er. ।

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