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Samstag, den 31. Oktober 1931.
Gießener Zeitung"
Nr. 87.
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Lokales.
Allerheiligen — Merseelen.
Alles laute Leben schweigt, es ist Allerheiligen — Allerseelen. Die letzten müden Blätter fallen von den Bäumen, Während es auf den Gräbern des Friedhofes ein letztes Mal tlüht. Des ganzen Herbstes Pracht haben die Menschen zusam- mengetragen in den stillen Garten der Toten. Und ernst und still schreiten wir durch die langen Reihen der Gräber. Nur ein Weinen hört man, hier und dort ein Klagen. Und aus den Toren der Vergangenheit kommen die Toten zu uns Da steht eine Mutter an einem kleinen Hügel, während ihre Gedanken durch das verlassene Kinderzimmer gehen, in dem die kleine, helle, fröhliche Stimme für immer verklungen ist. Und da liegt ein Vater, der in dieser schweren Zeit Tag und Nacht arbeitete, um die Not von den Seinen fern zu hatten. An sich hat er nie gedacht. Nun darf er ausruhen unter dem schwarzen Kreuz, das liebe Hände heute schmückten. Dort ist bis Grab einer Mutter. Kleine Kinder haben sich an den Händen gefaßt und umstehen es, so wie sie einst die Mutter umstanden und um Brot sie baten, als sie in der kleinen.Dachkammer tagaus, tagein für die Kleinen arbeitete.
öMe beziehen Äh an und für sich nich, * Mimen dann noch 31
9 Inspektoren und & UZ Beamte des Ith
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^führenden Dienste
Da in der Mitte des weiten Friedhofes steht ein mächtiges Kreuz. Es gehört den Toten des Weltkrieges. Und plötzlich zehen unsere Gedanken weit fort in fremde Lande, nach den Argonnen und nach Arras, nach Flandern und in die weiten steppen Ruhlands und hinaus in den unendlichen Ozean, dorthin, wo Millionen Herzen brachen für das heilige deutsche Vaterland.
Aller Toten wollen wir heute in L.ebe gedenken, die da jchlummern, bis dereinst auch wir zu ihnen kommen. An dem läge des Jahres, an dem uns das göttliche „Bis hier her und nicht weiter" zugerufen wird, sollen wir aber auch der Lebenden gedenken, daß wir alle einmal vor Gottes Thron erscheinen und unseren Brüdern und Schwestern verziehen haben müssen. Der lag der Toten sei auch ein Tag der Versöhnung.
Der Sonntagsschreiber.
in Vorgesetzter!
in Bielefeld, einet Mi Singemeinbung mit 8g« 4o 000 Einwohner stete mit 222 Beamten uns i: ' höheren Beamten bttri: soviel wie in der cheiâ ebenen mittleren Sius.:::
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Das Gelb muß rollen!
Nur ein Teil der Abhebungen von Spareinlagen in den : letzten Monaten ist durch die wirtschaftliche Krisenlage verursacht; beträchtliche Abhebungen sind ohne wirkliches Bedürfnis erfolgt. Die Verminderung der Einzahlungen vor allem ist nicht Folge der Arbeitslosigkeit und Einkommensverminderung, sondern hauptsächlich einer unbegründeten Psychose. Das Ueber- toiegen der Abhebungen über die Einzahlungen ist unerfreulich, weil es die wirtschaftlichen Verhältnisse unnötig kompliziert und erschwert. Hält diese Entwicklung an, so werden die Sparkassen zu einer ausgedehnten Rückziehung der von ihnen gewährten i Kredite gezwungen, wodurch gerade die breiten Schichten des wirtschaftlichen Klein- und Mittelstandes betroffen und Arbeits- 1111b Erwerbslosigkeit vermehrt würden. Die Unterstützung durch ■ He Neichsbank kann naturgemäß nur vorübergehend sein.
Die Sparkassen haben die Zahlungskrise des Juli nicht ver- I schuldet, die Sicherheit ihrer Einlagen ist gewährleistet. Jn- V zwischen sind weitere Maßnahmen getroffen worden, freiwillige, I wie auf Grund der Notverordnungen, die auch psychologisch das Vertrauen zu den Spar taffen zu fördern geeignet sind. Insbesondere ist eine noch schärfere Trennung der Sparkassen und I ihres Vermögens von den öffentlichen Finanzen (der Gemeinden ' etc.) vorgenommen worden, was umso erfreulicher ist, weil da- M durch ein wichtiger Beunruhigungssaktor mancher Sparerkreise »beseitigt worden ist. Gerüchte von einer teilwerfen Beschlag- k nähme von Spareinlagen sind natürlich reiner Unsinn. Noch im- ■ m<r wird auch Unruhe in manche Sparerkreise hineingetragen »durch Inflationsfurcht. Die tatsächlichen Verhältniße beweisen U demgegenüber nicht einen Geldüberfluß, sondern eher einen Geld- j mangel; außerdem ist von den verantwortlichen Stellen in r Politik und Wirtschaft wiederholt klar und energisch jede, auch
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Don Dr. Wolfgang Schmidt -Aschaffenburg.
Hansi ist beim Spielen heut so launisch! Sonst ein verträglicher netter Bursche, ist er heute gereizt, heult ohne Grund und zankt sich. Bei Tisch hat er kaum gegesien, dafür sieht man ihn J oft zum Brunnen laufen, um Ausser zu trinken.
Die Mutter, froh, einmal für sich etwas tun zu können, hat sich wenig um Hansi gekümmert. Sie hält sein Verhalten auch ; fit Unart und droht, als Hansi eben wieder heult, mit Schlägen. Kurz darauf erscheint Hansi mit der Klage „mir ist s 0 0 schlecht", ober die Mutter läßt sich auf keine Unterhaltung ein. „Das f lammt von dem unoerünftig vielen Wassertrinken", meint
sie kurz.
v ... Bald muß Hansi Mutter wieder stören, denn er hat nun auch
• • ^ps- und Halsweh, er traut sich gar nicht recht raus, denn
Mutti ist heut so bös. Da würgt es ihn, und unter^ekelhaften MldenZuWU
Etilen entleert er seinen Magen. Mutter ruft: „Marsch ins ^tt“, sie muß Hansi aber mehr tragen als führen, denn ihm Ünd alle Glieder wie abgeschlagen, der kalte Schweiß steht ihm
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. Ulf der Stirn und über den Rücken laufen ihm kalte schauer.
Wie Mutter und Sohn so ins Haus gehen, kommt die alte Hausmeisterin daher. Sie hatte selbst einen Haufen Kinder und . leimt sich daher gleich aus. „Wie sicht denn ihr Hansi aus, gewiß Itontet der was aus; meine haben gerad so angefangen damals, Die sie den Scharlach hatten!" Hansis Mutter ist bestürzt! Freilich, der Scharlach sollte ja in der Stadt sein, da konnte Hang im Ende von der Schule was heimgebracht Laben! Also nur ^nell einen Arzt her!
Der alte Dr. Höfer, seit Jahren Arzt in der Familie, besah Uhden Fall und gab der Hausmeisterin Recht. Ein Blick in den hals Hansis, dazu die Fiebermeßung und der llmftanb baß Mi mit kranken Schulkameraden — allerdings vor ihrem ^mbleiben in der Schule — zusammen war, ergab die "^ung: „beginnender Scharlach". „Merken eie sich,
^r Höfer zu Hansis Mutter, „Kinder — natürlich auch Crwach- me - die etwas „ausbrüten", befinden sich im Anfangsitadium «n ansteckenden Krankheiten. Man kann auch als Arzt i" M immer gleich sagen, was für eine Krankheit kommt, man
die kleinste Inflation abgelehnt worden. Wie stabil die deutsche Mark ist, zeigt übrigens die Tatsache, daß sie seit der Stabilisierung durch alle Krisen hindurch, auch die letzte, fest geblieben ist — im Gegensatz zu wichtigen, früher nie ange,zweifelten ausländischen Währungen.
Zu einem guten Teil hängt das Schicksal der deutschen Wirtschaft von der Einsicht und Vernunft der Sparer selbst ab, davon, ob sie durch unnötige Abhebungen und zurückgehaltene Einzahlungen den gesunden Kreislauf des Geldes in der Wirtschaft stören und so Not und Arbeitslosigkeit für alle, auch für sie selbst, vergrößern wollen, oder ob sie wieder in der alten normalen Weife ihr verfügbares Geld einzahlen und nur bei wirtschaftlichem Bedarf abheben. Angst und Panik sind noch nie gute Lehrmeister gewesen. Steigen die Einzahlungen wieder über die Auszahlungen — in vielen Gegenden ist das erfreulicherweise bereits wieder Normalzustand — jo ist jegliche Gefährdung des Zahluugsverkehrs bei den Geldinstituten ausgeschlossen und der entscheidende Schritt im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit getan.
* Gegen falsche Steuergerüchte. In der hessischen Bevölkerung gingen in den letzten Tagen Gerüchte über die Einführung neuer Steuern um. Eine Verlautbarung über die vorgestrige Kabinettssitzung stellt fest, daß beschlossen wurde, in Heßen weder eine staatliche Schlachtsteuer noch eine Fahrradsteuer ober Nähmaschinensteuer einzuführen.
* Gemeinden und Erwerbslosenfürsorge. Die hessische Regierung hat die Gemeinderechner angewiesen, daß die Auszahlung von Geldern der Erwerbslosenfürsorge aus den Gemeinde- kassen, auch vorlagsweise, nicht gestattet ist, und daß die Ee- meinderechner evtl, persönlich für Verluste der Gemeindekaßen durch Auszahlung von Erwerbslosengeldern haftbar gemacht werden.
* Vermißt. Vermißt wird seit Sonntag der Kaufmann Erich Seyd. Der junge Mann war am Sonntag als Schiedsrichter in Goßfelden tätig. Nach dem Spiel begab er sich auf einem Fahrrad nach Marburg, um — wie er sagte — mit einigen Bekannten in Marburg zusammenzutreffen. Das Rad hat er, wie vereinbart, auf der Gepäckabfertigung in Marburg abgegeben. Bis zur Stunde ist der junge Mann bei seinen Eltern nicht eingetroffen.
* 100 Jahre hessisches Forftinstitut. Die Hundertjahrfeier der Eingliederung des Hessischen Forstinstitutes in die Landes- unioersitäl wird am 24. und 25. November festlich begangen. Sie ist als interne akademische Feier gedacht und wird mit einem Fortbildungslehrgang für die akademischen Forstbeamten Hessens verbunden. Den Festvortrag hält Geheimrat Prof. Dr. E n d r e s über das Thema: „Die Forstwissenschaft von heute und ihre Zukunft". Die Feier findet im großen Saal der Aula statt.
* Besichtigung der neuen orthopädischen Klinik und des Krüppclheims. Die Bevölkerung ist zur Besichtigung der neuen orthopädischen Klinik für kommenden Sonntag, vormittags von 11 bis 1 Uhr eingeladen. Bei den Führungen werden Erläuterungen gegeben. Die Klinik wurde bekanntlich vom Hessischen Krüppelfürsorgeverein aus Spendemitteln errichtet. Die Inneneinrichtung stammt zum großen Teil aus Reichsbeständen, die im ehemaligen besetzten Gebiet von dem Krüppelfürsorgeverein vom Reich erworben wurde. Außerdem hat sich die deutsche Industrie und der deutsche Handel an der Ausstattung der Klinik und des Heims beteiligt. Die Klinik wird am kommenden Montag dem Betrieb übergeben. Es sind bereits 32 Patienten angemeldet.
* Luftverkehr Winter 1931 32. Die Einschränkung der Beihilfen für den Luftverkehr hat die Einstellung einer Reihe von Luftstrecken zur Folge. Trotzdem weist der am 1. November 1931 in Kraft tretende Winterflugplan der Deutschen Lufthansa eine Reihe guter Eintagsverbindungen ab Frankfurt am Main nach den größeren innerdeutschen Flughäfen auf.
* Öffentlicher Vortrag. Ueber „Ludendorffs Weg zur Rettung" spricht am Samstag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr, in einem öffentlichen Vortrag der Kampfgruppe Gießen des Tan- nenbergbundes Hans Kurth-München.
* Wahlversammlungen. Am morgigen Sonntag hält nach
muß abwarten, und in dieser Zeit nichts versäumen! Da ist zuerst äußerst wichtig, daß diese „brütenden" Menschen schon in der Lage sind, andere anzustecken, obwohl man ihre Krankheit selbst noch nicht nachweisen kann? Also Absonderung, nicht mehr in die Schule schicken, kein allgemeines Derkechrsmittel mit solchen verdächtigen Kranken benützen. Das Pflegepersonal, bei Ihnen Sie selbst —, soll fleißig gurgeln, denn die meisten Ansteckungen gehen über den Nasenrachenraum. Sind Durchfälle da, daun den Stuhl mit etwas Kalk oder Chlorkalk desinfizieren, ehe man ihn in den allgemeinen Abort schüttet, und am zweckmäßigsten, was Sie ja taten, den Arzt rufen. Er weiß am besten, welch besondere Vorsicht in dem einen ober anderen Fall nötig ist, auch hinsichtlich der polizeilichen Anzeige. Denn viele ansteckende Krankheiten, bei einzelnen sogar schon der Verdacht auf eine solche, sind meldepflichtig. Morgen wird der Ausschlag wohl da sein, obwohl es Fälle von Scharlach ohne Ausschlag nicht zu selten gibt! Wir wollen hoffen, daß alles gut geht!"
Sechs Wochen mußte Hansi zu Haus bleiben, aber unter der Obhut des Arztes und der Pflege der Mutter ging alles gut, so daß er nach Ablauf der Krankheit, wieder luftig und munter zur Schule gehen konnte, wie ehedem.
«lauvtsenbereit des Rundfunks?
3n Bekanntmachungen von Polizeibehörden und in Ver öffentlichungen der Reichspost und 'er Funkgesellschaften ist vielfach von „Hauptsendezciten des Rundfunks" die Rede. ZfTan behauptet, während dieser Stunden sei *er Betrieb elektrischer Geräte, von denen Rundfunkstörungen ausgehen können, insbe: sondere auch die Benutzung von Elektromotoren, unzulästig und strafbar
Das ist nnriditia. bei den „Sendezeiten" handelt es ich keineswegs um eine amtliche oder allgemein gültige Festsetzung. Sie ist einseitig von den Kreisen des Rundfunks genannt und hat keinerlei verbindliche Kraft. TOeder die Polizeibehörden noch die Postämter sind befugt, die Benutzung elektrischer Geräte zu bestimmten Tagesreiten zu verbieten oder sonst irgendwie zu beschränken Alle derartigen Anordnungen sind unwirksam.
Auch in der Rechtsprechung wird dieser Grundsatz allmäh
mittags um 3 Uhr, die Sozialdemokratische Partei im Cafè Leib eine Versammlung ab, in der u. a. Regierungsrat Ritzel von hier sprechen wirb. — Am Abend, 8.30 Uhr, hält die Radikal- demokratische Partei im „Aquarium" eine Versammlung ab.
* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhesiischen Automobil-Club E. V. (A.v.D.), Gießen. Die Sperrungen auf den Pro- vinzialstraßenstreckcn Rendel Büdesheim vom Abzweig nach Niederdorfelden und Rodheim v. d. H. Petterweil sind ab 1. November bs. Js. ausgehoben.
* Schäfflers Wettervorhersage für November 1931. Wetterlage zu Beginn des Monats veränderlich, leichte Niederschläge, kurze Aufheiterung mit Sonnenschein, wechselnd mit starker Bewölkung. In der zweiten Woâ>e ungünstiger, kälter, windig, Nachtfrost. Um die Mitte des Monats trocken, rauh, rasch wechselnde Bewölkung mit zeitweiliger Aufheiterung, dann wieder örtlich regnerisch. In der 3. Dekade Kaltlufteinbruch, sehr wechselndes vielfach regnerisches Wetter, windig. Schneefall im Flachlande in Regen übergehend. Die ungünstige Wetterlage mit kurzen Aufheiterungen bis Monatsende anhaltend, starker Temperaturrückgang bis zu Frost.
* Auswandererberatung. Die gemeinnützige öffentliche Aus- wanderetberatungsstelle zu Frankfurt a. M. verlegt ihre Büroräume vom 1. November 1931 von Rathenauplatz 3 nach Brau- bachstraße 30/32. Die Beratungsstelle ist für das Publikum geöffnet: täglich norm, von 9 bis 2, sowie Mittwoch nachmittag von 4 bis 6 Uhr. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die Auswandererberatungsstelle in allen Auswanderungs- Angelegenheiten mündlich und schriftlich kostenlos Rat und Auskunft erteilt.
* Jmmerbrand-Herd. In Gießen finden am Mittwoch, den 4. November, und Donnerstag, den 5. November, jedesmal nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr im großen Saale des Cafe Leib, Walltorstr. 36, interessante Vorträge statt, bei welchen der moderne „Jmmerbrand" praktisch vorgeführt wird. Als besonders interessant wird auch das Kochen ohne Wasser und das Braten ohne Fett vorgeführt, wodurch die Vitamine und Nähr- stoffe weitgehendst erhalten bleiben. Ebenso ist völlig neu das Einkochen ohne Apparat, weil 20 und mehr Gläser gleichzeitig und ohne Aufsicht zugekocht werden können. Ein Ottginal-Jm- merbrand-Herd wird unter den Besuchern der Vorträge gratis verlost.
Gesundheitswesen
Schlaflosigkeit macht Falten und schlaffes Aussehen Sie können nachts nicht schlafen. Sie geraten vor Un- rube in ein leichtes Transpirieren' und dieses Unbehagen verscheucht denSchlaf erst recht. Waschen Sie sich vor demSchlafen- gehn mit lauem abgestandenen Wasser, dem Sie ein paar Löffel Essig zu-gesetzt haben. Neiden Sie nicht, sondern drücken Sie einen Schwamm am Nacken aus, so daß das Wasser den Körper herab rieselt' Nicht nur das Transpirieren wird dadurch verhindert, es entsteht auchein angenehmes Gefühl der Kräftigung und Beruhigung.
Die Notlichtbehandlung gegen Hautschäden wird neuerdings vielfach von Aerzten angewandt, z. B. um zu verhüten, daß nach Pocken Narben entstehen usw. Merkwürdigerweise fangen die Bläschen zu eitern an, wenn sie ans Tageslicht kommen, und hinterlassen dann Narben. Verhindert man den Zutritt der Sonnenstrahlen, so wird das arge Übel vermieden — für ein Mädchen besonders hängt also ungeheuer viel von der richtigen Behandlung ab, denn es ist keine Kleinigkeit, ein Leben lang mit narben entstelltem Gesicht herumzulaufen. Sehr interessant sind die Feststellungen des wissenschaftlichen Handbuchs für Kosmetik: schon im 13. Jahrhundert schreibt ein englischer Leibarzt über die Behandlung des pockenkranken Königssohnes: »Ich mache alles um sein Bett rot, und es ist eine gute Knr. Er üversteht die Krankheit ohne Narben zurück zu behalten." Im Archiv zu Lille befin- bet sich ein Aktenstück aus dem Iabre 1509, ausbern hervorgeht, das der damals 9 jährige Karl V„ der an Blattern erkrankt war, ein rotes Nachthemd trug, die Bettdecke war rot, das Bett rot ausgeschlagen. In Rumänien bedeckt man noch heute nach uralter VolkssiUe Gesicht und Hände der Pockenkranken mtt roten Tüchern.
Universal-Reichssleuer-KassebUcher billigst Albin Klein, Giessen, Südanlage 21.
lich anerkannt. In einem rechtskräftigen Urteil vom 10. Februar 1931 stellt sich das Landgericht NTünchen auf den Standpunkt, daß der Betrieb eines Hochfrequenzheilgerätes nicht verboten oder auf bestimmte Tagesstunden beschränkt werden dürfe. Es könne sich höchstens darum handeln, ob ein Störschutzmittel am zubringen sei. Eine derartige Verpflichtung kommt dann niemals in Betracht, wenn die Empfangsanlage des Rundfunk- hörers später in Betrieb genommen wurde als das störende elektrische Gerät. Aber auch im umgekehrten Falle ist es sehr umstritten, ob und unter welchen Voraussetzungen diese Schutzvorrichtungen erzwungen werden können. Eine große Rolle spielt dabei die Frage, ob die verlangten Ditittel auch wirksam, ob sie ungefährlich und nicht zu teuer sind. Gerade in diesen Punkten bestehen noch erhebliche Bedenken.
TOeshalb erklärt sich übrigens die Rundfunkseite nicht bereit, die Kosten der Störbefreiung zu übernehmen? 3n ihrem Interesse sollen Maßnahmen an den bisher von niemand beanstandeten elektrischen Anlagen getroffen werden. Ist es nicht eine Mindestforderung der Gerechtigkeit, daß Derjenige, der einen Vorteil beansprucht und sich einen ungestörten Genuß sickern will, in seine Tasche greift und die dazu erforderlichen Aufwendungen bezahlt?
TOo bleiben außerdem die Reichspost und die Rundfunk- gesellschaften, die allmonatlich Millionenbeträge aus den Rundfunkgebühren einnehmen? Ihre Pflicht wäre es in erster Linie, die Störbefreiung zu finanzieren und sich der Nöte der Runo- funkhörer anzunehmen. Es ist aber nichts davon zu merken, daß hier etwas Entsckeidendes geschieht. Man versucht (fast dessen, Die Lasten auf andere Sckoltern abzuwälzen. Gegen diese Bestrebungen wehrt man sick mit Recht in en Kreisen des mittelständischen Gewerbes, das in Der Hauptsache von dem Vorgehen des Runofunks betroffen wird. Die Verwendung von Elektromotoren und elektrischen Geräten jecer Art ist heute gewiß kein Lurus, sondern gerade für das Gewerbe eine Lebensnotwendigkeit. Andererseits weiß jeder, mit welchen Schwierigkeiten das Handwerk und das mittlere Gewerbe zu fämpfen haben. Jede Aof- bürdung neuer Lasten, für die gesamte Wirtschaft handelt es üch um Beträge von vielen Millionen, rührt an die Grundlagen ihrer Eristenz.