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I (Gießener Tageblatt) (Neueste Nachrichten)
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^vte an ^ Erscheint Mittwochs und Samstags
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"eilen und Arbeitskr"' » ^baktionsfchluh früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rück- ^^ter unb bip I enbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert amftert
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Der Wirtschastsbeirat der Rcichsrcgierung trat am Freitag
^ Arbeitslosen: " Angestellte.
I virder unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten zusammen. Man »wartet, daß die allgemeine Aussprache noch bis zum Abend be- indet ist. Unmittelbar im Anschluß daran sollen die drei Aus-
'g verbleiten worben, fc .^ blc arbeitsloses: ™ vollen Gehalt, oft -tslosenversicherung Hern " Eewerkschastsbund k
chiissc gebildet werden, die sich mit dem Lohn- und Preisproblem, kn Kartell- und Zollfragen und dem Problem einer Senkung kt Zinslasten besaßen sollen. Am wichtigsten ist zweifellos der Lohn- und Preisausschuh, auf deßen Arbeiten die Reichsregie-
—rr.|.™4n0 H 'ung den größten Wert legt.
Belastung der Angestellte 1 Die Schlichtungsoerhandlungen über die Neuregelung der r hat dabei daraus hie 'vhne ab 1. November für die Arbeiter in kommunalem Dienst - laben am Freitag im Reichsarbeitsministerium begonnen und
»erben den ganzen Freitag und Sonnabend in Anspruch nehmen. Zn Berliner unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß der
den Erhaltsabbau sov^ emngsabzüge bereits iliße Sonberbelaftunq emutet werden könne h leatsch-französische Wirtschaftsausschuß zwischen dem 10. und 15. >er Beitragseihebung g!- ^"mber jcinc erste Sitzung in Paris abhalten wird.
Renten Ausbau der ' I Am 9. November tritt im Reichsjustizministerium eine Konferenz der Ländervertreter zusammen, um über die Schaffung des
«ach der Notverordnung in Aussicht gestellten sozialen Mietrechts , |u sprechen.
Zn unterrichteten Schweizer Kreisen rechnet man mit der . .. Kündigung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages.
n tu. .gänzlich neu t Der Zcchcnoerband hat wegen der schlechten Wirtschaftslage sie ab 1. Oktober ds. Zs. gültigen Vereinbarungen vom 14. Okto- kr über Gehälter und soziale Zulagen der technischen und tauf: «launischen Bergbauangestellten vom 30. November d. Z. gekün- ligi, b. h. zu dem gleichen Tage, zu dem auch die Löhne der kcrgarbeitcr gekündigt worden sind.
Zum Ausgang der englischen Wahlen wird in Berliner Krei- Itn erklärt, eine Aenderung der allgemeinen Politik Englands lti nicht zu erwarten.
Nach den letzten Zählungen hat sich die Rcgicrungsmehrhett im englischen Parlament auf 555 Abgeordnete erhöht.
Die englische Nationalregierung gedenkt sich unverzüglich an
>tichwörtein und Mrtilt» rt und auf Tafeln. &n» n Frühjahr 1932, BMW lerdienst des Bibliographie neben feiner umfafsecki 1 exilon" ein neues, iches Nachschlagewerk lxM t gültige BorbestellM-, Sand in Ganzleinen, 25? nes nach 1892 erschien»^ der Bandpreis um je m i iomohl inba lUj/M' -’-'■’’
k» wirtschaftliche Reformwerk zu begeben, das sie dem Lande
S^ä^^ 1 ier|prod)cn hat.
fülle recht Dielen Mâr
lenden.
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undere'- ’hri^11, erbänd®
Wie das „Journal" aus Madrid berichtet, hat der Unter- sichungsausschuh seine Untersuchung abgeschlossen. Es ist Anklage »hoben worden gegen 20 Persönlichkeiten, von denen aber nur H wegen politischer Vergehen verfolgt werden sollen. Die An- »age gegen den früheren König Alfons XIII. lautet auf Hochurrat.
„Sera Sccolo" meldet aus La Valetta auf Malta, eine
ig Sied & Co, WwÄ für alle, die als LeichM , Fußballer, 2Bintef|porik •
i bet ^âE^ m.r Hotabclnvcrsammlung in Malta beschloß einen Aufruf an das ehcn mehr & «„glische Parlament zu richten, für Erweiterung der Selbstver- nÄ r 'âung der Znsel.
. [omml; Nach Meldungen aus Rio de Zaneiro ist es den Regierungs- Soppelion r ^ ^ kuppen gelungen, die im Besitz der Stadt Pernambuco befind- eisarisschrei cn. sichen Aufständischen von allen Seiten einzuschließen. Nach Be-
. ;1 richten des Gouverneurs ist die Lage der Rebellen hoffnungslos, iujern. Unter dieser Die letzte Wochenbilanz der Bank von Frankreich weist aber- der durch ihre" ann^ ee|6 cin Anwachsen des Goldschatzes um 1,7 auf 64 Milliarden ft „Das schvne N^ -ranken aus.
sich Wohnungen >n Der Reichsrat genehmigte am Donnerstag die Ausprägung
N^ö ton insgesamt 120 Millionen RM. neuen Silbermünzen.
-
internationale Finanzkonferenz
tot
29 Milliarden deutsche Auslandsschulden.
Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, ist Freitag vormittag in Berlin eingettoffen. Er wird in den
wachsten beiden Tagen der Reichsregierung über die französische tuiffossung von der Weiterentwicklung der internationalen cinan^ und Wirtschastssragen Bericht erstatten und seinerseits iber die Meinung der Reichsregierung, vor allem über ihren
Lilien, zu dieser grundlegenden Bereinigung des internationalen kchuldenproblems zu gelangen, unterrichtet werden.
Das Reichskabinett wird sich im Laufe der kommenden Loche mit der Reparations- und Sdjulbenfrage befaßen, sobald tlorhcit über (bie Absichten Lavals besteht. Die Sitzung des ^eparationsausschußes der Reichsregierung am Donnerstag ebenb gedieh, über einen grundsätzlichen Gedankenaustausch nicht haus. Darüber scheint jedoch zwischen den maßgebenden Res- btts volle Einmütigkeit zu herrschen, daß der von dem inter- ßicrten Ausland seit Tagen mit steigendem Nachdruck emp- fchlene Weg einer deutschen Initiative in der Richtung des bachverständigenausschusses der BIZ. nicht nur politisch für Deutschland, sondern auch sachlich zur Lösung des Gesamtpro-
llems durchaus unzweckmäßig ist.
Aber was nicht minder wesentlich ist, auch die außerordent- lch umfangreichen privaten Schuldbeziehungen Deutschlands dem Auslande gegenüber können von den Sachverständigen der ^^^. (ac nicht in den Kreis der Erörteruugcn einbezogen werden, int welche Beträge es sich dabei handelt, erfährt man neuer- lings: Die Erhebungen, die die Reichsbank über die Ecsamthohc itr deutschen Auslandsverpflichtungen einschließlich Dawes- und ilounganleihe angestellt hat, haben einen
Kapitalbctrag von rund 29 Milliarden Mark
«geben. Die daraus ruhende Zinsenlast ist aus insgesamt mindc-
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Samstag, den 31. Oktober 1931
stens 2 bis 2,5 Milliarden Mark jährlich zu schätzen, eine Summe, die demnach etwa die Höhe der „normalen" Dawes-Annuität erreicht.
Wenn man die Weltlage vom Kern der allgemeinen Krise, nämlich von Deutschland aus, ernsthaft sanieren will, dann ist cs unmöglich, sich auf einen Ausschnitt aus der Gesamtverschuldung Deutschlands, nämlich auf die politischen Lasten des Reiches, zu beschränken. Infolgedeßen gibt es nur einen Weg, nämlich den, die Dinge vor das Forum einer großen internationalen
Konferenz zu bringen, und zwar noch im Laufe dieses Jahres. Es ist dabei selbstverständlich, daß diese Konferenz nicht lediglich von Finanz- oder Währungstechnikern und Bankiers beschickt werden darf, sondern daß man auf ihr auch die politische Vertrauenskrise behandeln muß, auf die bereits der Layton-Bericht mit großem Nachdruck und Ernst hingewiesen hat.
Die These von der Unantastbarkeit des Poungplanes, die die französische Politik offenbar auch nach der Washingtoner Reise Lavals auftechterhalten sehen will, ist bei der Gesamtlage einfach nicht mehr zu retten. Je eher Frankreich das einsieht, umsomehr wird es in seinem unb im europäischen Interesse handeln.
Verbilligte Koble für Erwerbslose.
Eine begrüßenswerte Maßnahme der Kohlensyndikate.
Berlin. Sämtliche Kohlensyndikate haben sich bereiterklärt, für Erwerbslosenempfänger Kohlen zu ermäßigten Preisen abzugeben oder Kohlenmengen in gewisser Höhe gratis zur Verfügung zu stellen, um Preisnachläße für die an Erwerbslose abgegebenen Kohlen zu ermöglichen. Ebenso wird auch der Kohlenhandel seinerseits zur Verbilligung durch Ermäßigung des Handelsrabatts und der Kleinhandelsaufgebder beitragen. Ferner hat sich auch die Reichsbahn durch eine für alle Entfernungen gleich Ermäßigung der Frachten für Erwerbslosen-Kohle (3 Pfg. je Zentner) an der- Verbilligungsattion beteiligt.
Sie Untersuchung des Evrengstoffundeö.
Bei der Prüfung des in der Wohnung des Agitators Ueber- brück in der Siedlung Lindenhof in Tempelhof beschlagnahmten schriftlichen Materials ist man unter anderem auch auf einen Brief aus Moskau gestoßen, den der im Frühjahr dieses Jahres flüchtig gewordene ^wn ftionür Gutsche an Ueberbrück geschrieben hatte. Gutsche war Führer einer Sprengkolonne, deren übrige Mitglieder teils in Berlin, teils in Breslau verhaftet wurden und gegen die jetzt das Hochverratsverfahren beim Reichsgericht schwebt. Schon damals liefen auch die Fäden dieser Sprengstoffaffäre nach Schlesien, von wo Ueberbrück kürzlich
mit zwei Koffern voll Sprengstoff
nach Berlin gekommen war. Der Brief aus Moskau enthält aber auch einen Hinweis auf die Beziehungen zu Schleswig- Holstein, wo zur Zeit ebenfalls Ermittlungen der Polizei im Gange sind. In dem Schreiben erwähnt Gutsche nämlich auch den der KPD. angehörenden Hamburger Bürgerschastsabgeord- neten Presche, der schon einmal in den Verdacht geraten war, daß er zu Sprengkolonnen in Beziehungen stand.
14 Wahlvorschlâge für die Lanvtagstvahl.
Für die Hessische Landtagswahl am 15. November sind folgende 14 Wahloor sch läge eingegangen: 1. Sozialdemokraten, 2. Zentrum, 3. Kommunisten, 4. Kommunistische Opposition, 5. Deutsche Volkspartei, 6. Staatspartei, 7. Radikaldemokraten, 8. Christl. Sog. Volksdienst, 9. Volksrechtpartei, 10. Hessisches Landvolk, 11. Deutschnationale Volkspartei, 12. Sozialistische Arbeiterpartei, 13. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 14. Wirtschaftspartei.
Listenverbindungen haben eingegangen: Kommunistische Opposition und Sozialistische Arbeiterpartei, ferner Deutsche Volkspartei, Volksrechtpartei, Heß. Landvolk uitb Wirtschaftspaket. Die Listen 5 und 9 (Deutsche Volkspartei und Volksrechtpartei) sind enger verbunden.
Auf der Liste der Wirtschaftspartei stehen Rechtsanwalt Ludwig, Ingelheim, und Kaufmann Reibert, Neu-Isenburg als Listenführer.
Der Aahlvorschlag der NSDAP.
1. Karl Lenz, Schriftsteller, Darmstadt. 2. Prof. Ferdinand Werner, Studienrat, Butzbach. 3. Fritz Kern, Fabrikarbeiter, Eberstadt. 4. Heinrich Ritter, Bürgermeister, Gau-Ode rnheim. 5. Dr. Reinhold Daum, prakt. Arzt, Oppenheim. 6. Wilhelm Schwinn, Gast- und Landwirt, Spreng (Odw.). 7. Edmund Philipp Diehl, Landwirt, Gau-Odernheim. 8. Wilhelm Seipel 2., Landwirt, Fauerbach (Oberh.). 9. Dr. Werner Best, Gerichts- aßcßor, Gonsenheim. 10. Alfred Klostermann, Lehrer, Vockenrod. 11. Heinrich Göckel, Landwirt, Langen. 12. Dr. Karl Schilling, prakt. Tierarzt, Gau-Odernheim. 13. Daniel Hauer, Handlungsgehilfe, Darmstadt. 14. Hans Döring, Spediteur, Darmstadt. 15. Dr. Heinrich Müller, Regierungsrat, Alsfeld. 16. Dr. Wilhelm Schäfer, Syndikus, Offenbach. 17. Karl D'An- gelo, Osthofen. 18. Wilhelm Waßung, Hauptmann a. D., Darmstadt. 19. Friedrich Claß, Steuerinspektor, Darmstadt. 19. Philipp Wilhelm Jung, Rechtsanwalt, Worms. 21. Otto Geiß, Landwirt, Vadenrod. 22. Dr. Otto Ivers, Chemiker, Eberstadt.
23. Dr. Wilhelm Wagner, Landwirt, Boxheimer Hof, Bürstadt.
24. Karl Wahl, Arbeiter, Vadenrod. 25. Josef Buttler, Arbeiter, Eberstadt. 26. Bernhard Graf zu Solms Laubach (Oberhesien).
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Nummer 87
Das Handwerk zum Lohnvroblem.
Der Vorsitzende des Reichsverbandes des Deutschen Hano- wcrks, Fr. Derlien-Hannover, stellte der Schriftlcilung des „8= Ilhr-Abendblattes", Berlin, nachfolgende Ausführungen zur Verfügung:
,,Das deutsche Handwerk hat in den letzten Jahren wiederholt Anlaß nehmen müßen, seine Bedenken gegenüber der Lohnpolitik zum Ausdruck zu bringen. So haben u. a. die Spitzenoerbände des Berufsstandes — der Reichsverbano des Deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gewcrbckammer- tag — noch in einer Entschließung vom 8. November 1930 eine zielbewußte Abkehr von der Zwangsbewirtschaftung der Löhne verlangt. Zu wiederholten Malen hat das Handwerk seiner Auffassung Ausdruck gegeben, daß das seit mehr als einem Jahrzehnt geübte System der „politischen Löhne" mit seinen Schiedssprüchen und Zwanggtarifen in hohem Maße zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise mit ihrer ungeheueren Arbeitslosigkeit beigetragen hat. Nkit Recht hat es eine alsbaldige Beseitigung dieser wirtschaftsfeindlichen Zwangswirtschaft gefordert. Das Handwerk lehnte eben schon immer den durch die restlos durchgeführte Bindung der Arbeitslöhne vorliegenden Schematismus und die damit verbundene Nivellierung ab Es war der Fehler unserer ganzen staatlichen Lohnpolitik, daß sie zudem nur auf die Probleme der Großwirtschaft abgestellt war und eine individuelle Berücksichtigung, eine Kleinwirtschaft und eine Handwerkowirt- schaft überhaupt nicht kannte, obwohl in Industrie und Hand-, werk ganz verschiedene Arbeitsbedingungen vorhanden sind.
Wenn man heute angesichts öer schweren wirtschaftlichen Depression die Fehler der Vergangenheit einsieht, so wäre cs m. E. trotzdem für die gesamte Volkswirtschaft ein schweres Verhängnis, in einen ungehemmten Lohnabbau verfallen zu wollen Damit soll durchaus nicht bestritten werden, daß in manchen Berufszweigen eine weitere Lohnermäßigung noch möglich, ja sogar auch notwendig ist. Allein es wäre verkehrt, hier in den eingangs gerügten Fehler einer schematisierenden Regelung zu geraten. Ein übertriebener Lohnabbau könnte zudem leicht durch den Schwund der Kaufkraft den erhofften Erfolg auf Besterung der Geschäftslage durch Verminderung der Gestehungskosten wieder in Frage stellen und so zu weiterer Stagnie- rung im Wirtschaftsleben beitragen Gerade das Handwerk, das etwa mit einem Drittel an dem Absatzkonsum beteiligt fein dürfte und dem Verbraucher am nächsten steht/ hat kein Intereße an einem die gesamte wirtschaftliche Lage noch verschärfenden Absatzausfall.
Zudem wirb ein etwa loprozentiger Lohnabbau niemals eine loprozentige Preisermäßigung nach sich ziehen können, da sich die Ermäßigung des Lohnes unter Berücksichtigung der übrigen Unkosten wohl schwerlich in ihrem prozentualen Gesamtumfang auf die Preise auswirken wird. Es kann sich immer nur um eine anteilsmäßige Auswirkung bei den Preisen handeln, oa auch noch mit den übrigen Geschäftsunkosten, wie vor allen Dingen Steuern und sozialen Abgaben, gerechnet werden muß. Für das Handwerk steht somit zu befürchten, daß etwaige eigene Einsparungen durch den Lohnabbau die Absatzverluste infolge der verminderten Kaufkraft nicht auszugleichen vermögen. Wenn man allerdings ohne Rücksicht auf den Inlandsabsatz die Bedeutung Deutschlands als exportierender Staat in den Vordergrund stellt, dann würde man wohl zur Hebung der Ausfuhr eine allgemeine Lohnsenkung als unbedingt geboten bezeichnen müßen, zumal fast durchweg die Gestehungskosten im Ausland unter denen der deutschen Wirtschaft liegen.
Ich glaube auch nicht, daß ein Lohnabbau in Deutschland zu einem wesentlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit infolge von Neueinstellungen führen könnte. Die deutsche Volkswirtschaft ist keine isolierte Wirtschaft, sie leidet ebenso unter der augenblicklich herrschenden Weltkrise wie die übrigen Länder. Diese trifft Deutschland um so schwerer, solange es noch mit den ungeheueren Reparationszahlungen belastet ist.
Der Lohn wird seine unterste Grenze immer an dem sogenannten Existenzminimum finden Allerdings ist dieses ein subjektiver Begriff. Vielleicht auch haben sich die Anschauungen über das zum Leben Notwendigste gegenüber der Vorkriegszeit geändert. Jedenfalls kann ein verlorener Krieg mit allen seinen Lasten und Verpflichtungen wohl kaum zu einer Heraufsetzung der Lebensansprüche Anlaß geben. Daß oas Existenzminimum verschiedenartig aufgefaßt wird, beweist u. a. der Umstand, daß z. B. Alleinmeister im Handwerk oorch die Not der Zeit gezwungen sind, zu einem Stundenverdienst zu arbeiten, den der Geselle als unter dem Existenzminimum liegend ablehnen würde bezw. abgelehnt hat. Man wird somit wohl schwerlich behaupten können, eine Erreichung oder gar Unterschreitung des Existenzminimums verbiete einen weiteren Lohnabbau. Wie die Finanzämter bestätigen können, wird von vielen Handwerksmeistern der Verdienst eines vollbezablten Gesellen nicht erreicht.
Der gezahlte Lohn erhält seinen Wert erst durch die Meg- lichkeit, was man sich für den Gesamtbetrag zur Bestreitung Oer täglichen Bedürfnisse kaufen kann Nicht die Lohnhöhe als solche ist von entscheidender Bedeutung, sondern immer die in ihr wohnende Kaufkraft. Man wird für die jüngste Vergangenheit wohl kaum feststellen können, daß die Preise in ihrer Entwicklung mit Den sinkenden Löhnen gleichen Schritt gehalten haben. Daß sie es nicht konnten, erklärt sich zum Teil voraus, daß die übrigen Gestehungskosten keine wesentliche Tendenz zum Fallen