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Samstag, den 30. Mai 1931
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Sonntagsgedanken.
Don Moskau aus haben sie die Brandfackel nach Spanien «^worfen und Kirchen und Klöster vernichtet. Tausend Jahre ^te Kunstschätze sind ein Raub der Flammen geworden und uMrtooIle Heiligtümer wurden geschändet.
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Europa, du stehst an deines Schicksals Wende!---
Keine Konferenz, kein Völkerbund und kein Genf kann Dir helfen. Die Brandfackel, die diesmal noch in einem großen "Zogen über ein Deutschland und ein Frankenreich von Moskau arsgeschleudert wurde, kann das nächste mal auch bei uns in Deutschland oder anderwärts herunterfallen. Böse Gerster sind D»n Moskau ausgeschickt worden und gehen durch die Länder xr Welt. Für sie gibt es keine Landesgrenzen. Not und Elend der Völker arbeiten ihnen vor, neue Not und Hoffnungslosigkeit gehen ihnen nach. In Spanien bereits rauchen die Trümmer tausendjähriger christlicher Kultur. Die Armee der Gottlosen ist im Anmarsch. Und da streiten sich die Völker in Genf noch herum über Zollunion und Tributzahlungen und «ollen nicht sehen, daß der viel gefährlichere Feind schon vor üren eigenen Toren steht.
Co laut sie es können, sollen es alle Christen hinausrufen, 2atz sie gehört werden: Auf, kämpst gegen diesen gottlosen Feind, oer überall frecher als je sich breit macht; denn er will eure Familien vergiften und eure Existenzen verwüsten, damit ihr len kein Familienglück mehr glauben könnt. Nur der eintönige Tag der Gegenwart soll das Leben ohne Treue zur Heimat und ohne Vaterlandsliebe ausfüllen.
Kämpfet alle, die ihr noch zur Fahne des Christentums haltet, um die heiligen Güter eurer Religion und eures Dater- lmdes, haltet Wacht über eure Kinder und überlaßt sie nicht unbeherrschten Trieben, wie es die neue Lehre haben will. Die Vrandsäulen an der Grenze des Abendlandes sind die weithin leuchtenden Flammenzeichen des höllischen Geistes von Moskau. Möchten doch endlich Staatslenker und Völker und die ganze Christliche Welt die Bedeutung der drohenden Brandfackeln von Rußland im Osten und Spanien im Südwesten erkennen und ich zu kraftvoller Abwehr des verheerenden Feuerbrandes zu- immenscharen. Europa, du stehst an deines Schicksals Wende!
Der Sonntagsschreiber.
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Wiedersehensseicr der ehem. Hess. Leib-Dragoner Nr. 24 und deren Feldsorinationen.
10 Jahre Verein ehem. Hess. Leib-Dragoner im Kreise Gietzen.
An den beiden herrlichen Pfingstfeiertagen fand in Eichen die Wiedersehensfeier der ehem. Hess. Leib-Dragoner und deren jclbformationen, verbunden mit dem 10. Stiftungsfest des Vertins ehem. Hess Leib-Dragoner des Kreises Gietzen statt. Don der Traditions-Schwadron des Reiter-Regiments 16 in Langensalza nahm unter Führung des Rittmeisters Buch eine Abordnung und auch das Trompeterkorps der Traditions-Schwadron teil, wodurch die enge kameradschaftliche Verbundenheit dokumentiert wurde. Der Pfingstsonntag brachte Iubilänms-Futz- ballwettspiele um den Wanderpokal des Vereins ehem. Hess Ilcibbragoner des Kreises Gietzen, die vor einer grohen Zahl von Zuschauern zum Austrag kamen und die zum Ausdruck bringen sollten, datz die alten Leibdragoncr an der sportlichen 'Arbeit der Jugend reges Interesse haben. Den Pokal gewann jum erstenmal die Spielervereinigung 1900 Eiehen. Der Abend vereinigte eine große Anzahl von Kameraden und deren Familienangehörige sowie Vereinsfreunde zu einem Festkommers in der Turnhalle. Der Vorsitzende, Kamerad Emil Eidmann, zab in seiner Begrüßungsansprache einen Ueberblick über das zehnjährige Wirken des Vereins ehem. Hess. Leibdragoner des Kreises Gietzen und sei erwähnt, datz der Verein heute rund
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Erinnerungen an die Vesatzungszeit.
1 . Fortsetzung.
Unsere Zelle mündete nämlich mit der Oberlichtseite in den mit Grünanlage bepflanzten Vorhof. Um 7 Uhr früh läutete es, je ein Mann bekam einen Trinkbecher Kaffee, ohne jedoch eine Zugabe Brot. In gleicher Zeit bot sich auch die Gelegenheit irgend einem Bedürfnis Rechnung zu tragen. Heraustreten!!! Wir stellten uns mit je zwei Mann auf und mutzten erstmals die Wahrnehmung machen, daß man in der gleichen Nacht auch die Wache im Mainzer Anzeiger ausgehoben hatte Unsere Abteilung war dadurch auf 100 Mann angewachsen. Unser Marsch führte durch ein Labyrinth von Gängen, verschiedene Treopen hoch und endete vor einem früheren Handwerkssaal ^sn diese Räumlichkeit brachte man uns zunächst unter, und einzeln wurden die Personalien festgestellt. Es mochte unterdes,en 4 Uhr geworden sein, nutzer dem Trinkbecher Kaffee am Morgen hatte man uns noch nichts verabfolgt. Da wir von abends um9 Uhr bis andern Tags 4 Uhr gehungert, machte sich in der Magen- gcaend ein Rumoren bemerkbar, und wir ließen dies bei den Militärs, die unsere Personalien feststellten, auch durchblickcn. Allgemein wurde auch über Schwellungen unter den Armen geklagt, die durch das langanhaltende „Hände hoch", das erst mit der Einlieferung in das Militärgefängnis endete, hervorgerusen wurde. 'Jtacfybem circa die Hälfte der Gefangenen vernommen, beförderte man dieselben in ein unteres Stockwerk Die Ge- fängnisleitung war so liebenswürdig, uns mit einem Napf Pellkartoffeln und Salz zu bewirten. Es sei hier besonders erwähnt, daß die Kartoffeln kalt waren und auf den Mann ungefähr 4 bis 5 stück kamen. Dadurch, daß man uns sämtliche kleinere^Eegen- stände, wie Uhren, Geldbörsen, Feuerzeug und auch das Taschenmesser bei der Personalienfeststellung abgenommen, mußten wir die Kartoffeln mit den Fingernägeln schälen. Man stellte noch Zwei Blechkannen in die Nähe mit dem Hinweis „Wer Durft hat, kann einmal Rotwein trinken". Der ftanzösische Rotwein entpuppte sich aber als Leitungswasser. Im Anschluß an das opulente Essen brachte man uns in den Gefängnishof, wo wir zu Zweit gepaart mit vier Schritt Abstand unseren Kreislauf begannen. Stunden mochten wir wohl so verbracht haben in Diesem Einerlei, ich passierte mit meinem Partner gerade eine -tur, aus der man uns zurief, einzutreten. Unter der Aufsicht eines Sergeanten brachte man uns in ein Vcrnehmungszimmer. wo wir einzeln von einem Kriminalbeamten über unsere Angelegenheit vernommen wurden. In meiner Briefliche, die der Vernehmende aus einem Regal zog, befanden sich aufier einer Mitgliedskarte der Deutschen Turnerschaft noch eine Mitgliedskarte der Volkshochschule und ein Militärbild aus der Zeit der englischen Offensive in Flandern. Nach Gutachten des Kriminest- beamten sollen diese Argumente den Wahrheitsbeweis erbracht haben, daß unsere Versammlung oder Zusammenkunft in der Druckerei der Tageszeitung eine bestimmte politische Richtung verfolgt habe. Gegen diese Auffassung verwahrte ich mich ganz
Gießener Zeitung
300 Mitglieder zählt. Er gedachte weiter der gefallenen und verstorbenen Kameraden in der üblichen ehrenden Weise. Die guten Ausführungen schloßen mit einer Strophe des Deutschlandliedes. Zur Verschönerung trugen neben dem Trompeterkorps noch Fräulein Milli Beil und der „Quartettverein" Gießen bei. Der Pfingstmontag wurde eingeleitet durch drei Ständchen des Trompeterkorps, der sich eine Gefallenenehrung und ein Festgottesdienst, letzterem wohnten mehrere tausend Menschen bei, anschlotz. Es folgte eine in der früheren Regiments-Uniform gerittene historische Festquadrille, die Erinnerungen an das alte stolze Heer wachriefen. Ein Fcstzug bewegte sich dann durch die Stadt und ein schönes Bild boten hier die verschiedensten militärischen Formationen. Den Mittelpunkt der Nachmittags- Veranstaltung in der Turnhalle bildete die Festansprache des Bundespräsidenten Kam. Rittmeister a. D. Dr. Ehälons, die ausklang mit einem Hoch auf das deutsche 'Vaterland und dem Absingen des Deutschlandliedes. Eine Anzahl von Vereinen und Organisationen überbrachten Glückwünsche, so für die Krie- gerkameradschaft „Hassia" Kamerad Bezirksvorst eher Prof. Dr. Kraemer-Gießen.
* Vom hessischen Landtag. Aus Darmstadt wird gemeldet: Als Nachfolger des in der letzten Woche verunglückten Land- tagsabgeordneten, Bürgermeister Jost-Bermuthshain, wird nach amtlicher Meldung nunmehr der Landwirt Friedrich Wilhelm Stein in Stumpertenrod in den Landtag eintreten.
* Die Eartenhauseinbrecher. Der Einbrecher Ludwig Bock aus Bergheim a. d. Eder, der hier mit einem Komplizen eine außerordentlich große Zahl von Gartenhauseinbrüchen verübte und schließlich erwischt wurde, während sein Mittäter entkam, gestand der Polizei, daß von der reichen Diebesbeute nichts nach Frankfurt verbracht worden sei, sondern die Sachen im Wald bei Lich vergraben worden waren. Beim Nachsuchen wurden denn auch die Gegenstände, unter ihnen das angeblich nach Frankfurt verschleppte Koffer-Grammophon, aufgefunden. Nach dem zweiten Einbrecher wird noch igefahndet.
* Fundsachen-Versteigerung. Am Mittwoch, dem 3. Juni 1931, 14 Uhr, werden auf dem Polizeiamt, Landgraf-Philipps- Platz 1, beim Polizeiamt abgelieferte und noch nicht abgeholte Funbgegenstände öffentlich gegen Barzahlung versteigert.
* Monatsbahnsteigkarten. Vom 1. Juni ab werden von den Bahnhöfen Erlaubniskarten zum Betreten der Bahnsteige ausgestellt, die für einen Kalendermonat gelten und 5 Mk. kosten. Die Karten laufen auf den Namen einer Person und müssen mit Lichtbild und Unterschrift versehen sein.
* Gefahren des Badens. Die hcrannahende Sommerzeit mit ihrem umfangreichen Freibadebetrieb läßt es angezeigt erscheinen, auf die Gefahren hinzuweisen, die mit dem Baden an unbeaufsichtigten und verbotenen Stellen verknüpft sind. Es muß dringend vor der Benutzung solcher Stellen zum Baden gewarnt werden. Der Mangel an Hilfseinri htungen, plötzliche Tiefen im Flußbett, Versumpfung und Verkrautung des Bodens, Steilheit des Ufers usw. geben häufig Anlaß zu Unglücksfällen, die in den letzten Jahren einen erheblichen Umfang angenommen haben. Aufgestellte Warnunos- und Verbotstafeln, die auf die Gefährlichkeit des Badens an der betreffenden Stelle Hinweisen, müssen durchaus beachtet werden.
* Ein Landesverband der hessischen Blinden gegründet. Zur Wahrung der Interessen der Blinden im Freistaat Hessen ist ein Landesverband der hessischen Blinden gegründet und in das Vereinsregister eingetragen worden. Es empfiehlt sich jedem Blinden, diesem Verband beizutreten und sich an der Landesversammlung am Sonntag, dem 7. Juni, im Saale des „Feierabend" in Darmstadt zu beteiligen. Direktor Schmidt von der Blindenanstalt Friedberg wird über Blindenbildung, Blindenausbildung und Blindenfürsorge sprechen.
* Die Deutsche Vereinigung für KrüppelsUrsorge hält ihren diesjährigen Kongreß oom 9. bis 11. Oktober in Gießen ab.
entschieden und erklärte, daß unsere Schutzwache nur den Zweck verfolgt habe, die Auszahlungen der Angestellten und Arbeiter für die lausende Woche sicher zu stellen. Ferner protestierte ich gegen die Haft und bat ihn, mich vor den Untersuchungsrichter zu führen. Mit dem Bemerken, „Sie haben gegen den Befehl der Besatzungsbehörde verstoßen, indem Sie nach 9 Uhr noch eine Versammlung abhielten , wurde ich entlassen und von dem Sergeanten auf Zelle 522 gebracht.. Es dauerte nicht lange, da erhielt ich Gesellschaft, so daß ich mit einem Leidensgefährten für die Zukunft die Zelle teilte. Das Tagesprogramm füllte sich wie folgt aus, 7 Uhr Wecken, Zelle reinigen, 8 Uhr Kaffee ohne Brötchen, 11 Uhr Mittagesien. Das Mittagessen setzte sich aus einem Napf Suppe, einem Stück Bkot und einer kleinen Fleisch- Sortion zusammen. Für den Nachmittag gab es weiter keine bwechselung, bis es um 7 Uhr abends wieder die obligatorische Suppe gab. Das Esien war nicht unübel, aber zu wenig. Außerdem gab man uns kein Besteck, so daß wir gezwungen waren, die Suppe aus dem Napf zu schlürfen, resp, mit den Fingern nachzuhelfen. Waschwasier war da, aber keine Gelegenheit zum Ab trocknen, so daß das Taschentuch hier helfend einspringen mußte. Seife, Kamm und sonstige Toilettengegenstände bestanden für uns nur in der Fantasie. Bei der morgendlichen Entleerung des Bedürfniseimers hatte man Gelegenheit, auch einmal ein Wort unter uns zu sprechen. Allgemein klagte man über Hunger und über Langeweile, sowie das Bedürfnis nach frischer Luft. Wir einigten uns dahin, daß wir bei der Verteilung des Mittagessens, uns bei dem aufsichtführenden Sergeanten beschwerten. Wie weil von der Beschwerde Gebrauch gemacht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis, da das Essen zellenwcise verteilt und immer die Tür wieder abgeschlosien wurde. Nachdem mein Napf gefüllt, erklärte ich dem Sergeanten kurz, daß ich gegen meine Haft protestiere und verlange, vor den Untersuchungsrichter geführt zu werden, ich protestiere ferner gegen die ungenügsame Verpflegung und verlange, daß ich mich täglich mindestens 20 Minuten in freier Luft bewegen dürfe. Als ich geendet, sagte er: „und was willst du noch? Du hier wie in Pension, nichts travaille und bocku menage“. Dabei erhielt ich einen Kinnhaken, daß ich in die Zelle taumelte und mein Eßnapf sich über den Fußboden ergoß. Ehe ich überhaupt wußte, woran ich war, war die Tür wieder verschlosien und ich hatte Zeit und Muße, über das Dorgefallene nachzudenken. Ueber das Vergebliche meines Protestes war ich klar, umso erstaunter war ich jedoch am darauffolgenden Morgen, als wir in den Hof beordert wurden und zu Zweien mit Abstand unseren Morgenspaziergang machen konnten. Von diesem Zwischenfall an hatte man auf mich ein besonders scharfes Auge. So vergingen ungefähr 8 Tage einer wie der andere, von meinen Angehörigen hörte ich so wenig wie diese von mir. Wohl wußten sie, daß cch verhaftet mar 'chohin wir allerdings verbracht wurden, entzog sich ihrer Kenntnis Ausgangs der zweiten Woche besuchte uns ein Delegierter bet Roten Kreyes, fragte nach unserem Ergehen, und ob besondere Wünsche vorliegen würden. Herr Dr. von Hymmen war von einem Dolmeffcher begleitet, der unsere Unterhaltung
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Eine große Anzahl Fachwisjcnschaftler Deutschlands und des Auslands wird zu dieser Tagung hier anwesend sein. In Verbindung mit dem Kongreß soll die von dem Hesiischen Verein für Krüppelfürsorge in Gießen unter der Bauleitung des Stabt« baurats Eraoert errichtete orthopädische Klinik, die in Verbindung mit der Universität Gießen arbeiten wird, eingeweiht werden.
* Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Föderalisten. Heute und morgen findet im Hotel „Hindenburg" die Frühjahrstagung der Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Föderalisten statt. Der geschlossenen Beratung am Samstag folgt am Sonntag eine öffentliche Versammlung, wobei namhafte Persönlichkeiten sprechen werden. Vorträge werden gehalten u. a. von Gch.-Rat Dr. Sommer-Gießen, Prof. Dr. Hans Pfeifer-Emmendingen und Universitätsprofessor Dr. Rudolf Henle-Rostock.
* Gartenbesitzer, laßt eure Sträucher nicht durch den Zaun wachsen? Die oft mit Stacheln und Dornen besetzten vorstehenden Zweige können Augen verletzen, Kleider zerreißen und sind ein Hindernis für Vorübergehende^
* Von der Jagd. In Hessen beginnt nach einer ministcriel- sen Anordnung die Schutzzeit der Rehböcke am 1. Juni; an dem gleichen Tage beginnt die Schonzeit der Fasanenhähne.
* Die Einfuhr an Getränken, in der Hauptsache Wein (weitaus überwiegend), Vier und Drannt'wein, wies nach „Wirtschaft unb Statistik", 2. April-Heft, einen Wert von 45,6 Millionen Mark auf. Das abgelaufene Jahr zeigt gegen die drei vorhergegangenen Jahre einen erfreulichen Rückgang auf. Dennoch ist dieser Betrag noch immer wesentlich über 1926. Im verflossenen Quartal dieses Jahres belief sich die Einfuhr an Wein 8,084 Millionen Mk., an Bier auf 749 000, an Branntwein auf 552 000 Mark. Mit Rücksicht auf die einheimische Industrie und unsere Armut sollte diese Einfuhr ganz unterbunden werden.
Rettigsaft, ein Mittel gegen Gallensteinkolik.
Die Naturheilmethode wendet zur Heilung von Krankheiten, wie schon ihr Name sagt, natürliche Mittel, b. h. wie siie die Natur bietet, an und hac mit Kurpfuscherei nichts zu tun. So empfiehlt sie u, a. zur Beseitigung der Gallensteinkolik den Saft von Rettigen. Geschälte Rettige, schwarze oder weiße, werden mittels Reibeisen ober Reibmaschine fein zerrieben und der erhaltene Brei durch ein sauberes Tuch «gedrückt. In den ersten Tagen trinkt der Kranke täglich eine halbe bis ganze Tasse davon; nach und nach freigt man mit der Menge bis zu zwei Tassen täglich. Diese Menge wird 2 bis 3 Wochen beibehalten, um dann nach und nach wieder herunterzugehen. Die Kur dauert gewöhnlich sechs bis acht Wochen, dabei sind die Urinausscheidungen des Kranken zu betrachten. Wahrscheinlich übt der Rettigsaft auf die Secretion der Galle einen fördernden Einfluß aus und hebt die entzündungswidrige Eigenschaft der Galle auf, so daß die Steine nicht weiter wachsen oder sich umbilden und die Schleimhaut sich nicht entzündet und anschwillt. In Süddeutschland, wo der Rettiggenutz viel größer ist wie im Norden, gibt es weniger Gallensteinkranke. Sch.
Aus Rub und Fern.
Bad Nauheim. Die Weihe der Dankeskirche vor 25 Jahren wird am 21. Juni d. Jahres gefeiert werden. Das Programm sieht u. a. einen Festgottesdienst und nachmittags eine Gedenkfeier in der Dankeskirche vor, bei bet Prälat D. Dr. Diehl über die kirchliche Vergangenheit von Bad Nauheim sprechen wird.
Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Bad- und Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 28. Mai der Gosamtbefuch 10 002 Gäste betrug, darunter 1410 Ausländer. Anwesend am 28. Mai waren 4004 Gäste.
sehr arffmertsam verfolgte. Meine Beschwerden über unzulängliches Essen, Fehlen von Eßbesteck, Handtuch, sowie die Unmöglichkeit, mit seinen Angehörigen in Verbindung zu treten, versprach er auf dem schnellsten Wege zu regeln. Tags darauf konnten wir uns schon in den Besitz von einem Suppenlöffel und Handtuch setzen, außerdem erhielten wir ein Kuvert und Briefbogen, mit dem Hinweis, daß wir einmal in der Woche unseren Angehörigen schreiben könnten, die Briefe aber offen bleiben müffem ba dieselben durch die Zensur gingen. So war wiederum eine Woche vergangen. So allmählich fügte man sich in sein Schicksal. War ursprünglich die Hoffnung, daß wir mit Ablauf eines jeden Tages wieder aus der Haft entlassen würden, so mußte man bald die Feststellung machen, daß wir ga-nz der Willkür der Franzosen ausgeliefert waren. Unsere Gefangenschaft konnte noch Wochen oder auch Monate dauern.
Im Laufe der dritten Woche erhielten wir durch die Vermittlung des Roten Kreuzes und auf Kosten der Stadt ein Laib Brot, ein kleines Camembertkäschen, ein paar Frankfurter Würstchen und eine Handvoll Rauchmaterial. War das ein Schmausen. Verschiedene hatten am Abend aber auch keinen Krümel mehr von diesen Leckerbissen. Was die besonders starken Esser waren, tranken zu ihrem Laib Brot noch eine Kanne Wasser, so daß sie am folgenden Morgen mit Magenbeschwerden zu kämpfen hatten. Durch die Vermittlung des Roten Kreuzes war es auch unseren Angehörigen möglich, kleine Pakete mit Lebensmittel für uns abzugeben. Fettigkeiten wie Butter, Wurst und Eckmalz wurden allerdings ichon bei der Abgabe von den Franzosen wieder an die Angehörigen zurückgegeben, so daß es meistens mit Brot oder Kuchen, eventuell auch Obst sein Verwenden hatte. Bei unseren täglichen Spaziergängen im Gefängnishof hatten die Franzosen ihr größtes Vergnügen, Leute mit besonders üppigem Haarwuchs ausfindig zu machen Dieselben wurden in die Hände eines Scheinfriseurs gesoielt. der dem Opfer dann den Skalp raubte. Zweimillimetcrschnitt, dazu noch Treppenverschönerung, die Kerls sahen mitunter aus wie die Galeerensträflinge. Lange war ich den Peinigern aus den Augen gegangen, doch eines Tages erschöpfte sich das Refer- Doir, und auch ich kam an die Reihe. Selbstverständlich widersetzte ich mich ihrem Anliegen und gab ihnen zu verstehen, daß ich mir meine Haare in der Stabt schneiden ließ. Diesem Verlangen stand man nicht im Wege, und in sehr liebenswürdiger Weise forderte man mich auf, mit einem Soldaten in die Stabt zu gehen. Durch ein etwas laut gefallenes Wort wurde ich jedoch stutzig und konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie mit mir etwas Besonderes vorhatten. Als ich mit dem Begleiter im Parterre war, wies mir derselbe eine Tür, ich öffnete einen dunklen Raum, ein Stoß in den Rücken, und im gleichen Moment war auch die Tür wieder verschlosien. Das vorher aufgeschnappte Wort (Cachot) hatte seine Bestätigung gefunden. 24 Stunden dauerte der Spezialhaarschnitt und zeichnete sich besonders dadurch aus, daß die Verpflegung völlig ausblieb.