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Donnerstav, den 24. Dezember 1931
Nummer 99
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die weltwirtschaftliche Bedeutung des Problems zu
Berlin.
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Senkung der Postgebühren.
Das Reichskabinett stimmte in seiner gestrigen
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Greßener Bert miß
Weihnachten 1M
Nicht hell und fröhlich werden die Weihnachtsglocken in diesen Tagen klingen, weil die Fäuste, die die Glockenstränge ziehen, nicht fröhlichen Menschen gehören, weil die Menschen drunten in Stadt und Land nicht mehr fröhlich sein können — weil Deutschland eines seiner traurigsten Weihnachten begeht.
Aber was hilft es! Es gilt das Selbstvertrauen nicht zu verlieren! Das Fest der Liebe aber sollte die letzten Hemmungen in uns niederreißen, sollte unsere Leser, sollte uns Deutsche alle in sich finden lassen und uns in unserer Not vereinen. Und dann heiße die Zarole:
„Einer für alle, alle für einen!" ,
Ist das unser Wunsch, so ist unsere Bitte: Laßt diesen Spruch schon vorher in Euch wirten. Helfe ein jeder, so weit er kann, seinen Nächsten eine Freude zu bereiten. Damit macht er nicht nur dem anderen, sondern auch sich selbst die größte Weihnachtsfreude!
Verlag und 6thrihltilung.
PoliMk RunMau.
Der Reichsrat trat am Dienstagmittag nochmals zu einer Vollsitzung zusammen und genehmigte bei Stimmenthaltung Bayerns die Verordnung der vorstädtischen Kleinsiedlung und Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose.
Im Rcichsjustizministerium haben Besprechungen mit Vertretern der deutschen Länder über die Möglichkeit einer Milderung des Kündigungsrechts der Mieter stattgcsunden.
Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat am Montag das am 26. November d. Z. vom Berliner Polizeipräsidenten für drei Monate ausgesprochene Verbot des Nationalsozialistischen Pressedienstes ausgehoben.
Das Reichsgericht hat die Beschwerde des braunschweigischen Innenministers gegen den Reichsinnenminister, der seinerzeit das Verbot des „Braunschweigischen Bolksfreundes" aufgehoben hat, als unbegründet zurückgewiesen.
Die amtliche Ernennung des Baron de Kerokhovc Den- tcrghem zum belgischen Gesandten in Berlin steht unmittelbar bevor.
„Times" zufolge verlautet, daß die britische und die fran- zöfische Regierung sich dahin geeinigt haben, den anderen interessierten Regierungen vorzuschlagen, die Reparationskonserenz der Regierungen nach dem Haag für Mitte Januar einzuberufen.
Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, hat sich am Montag nach London begeben, um mit der englischen Regierung über das Programm der bevorstehenden Abrüstungskonferenz zu verhandeln.
Die Presse berichtet übereinstimmend, daß in Cannes zwischen Henderson und Agnidcs der endgültige Beschluß gesagt worden sei, den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz unter dem Vorsitz Hendersons auf den 2. Februar 1932 festzusctzen.
Die Gerüchte, daß die englische Regierung eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz Vorschlägen wolle, werden von den zuständigen Stellen als völlig unbegründet bezeichnet. Man rechnet in London zurzeit damit, daß die Abrüstungskonferenz planmäßig eröffnet werden wird.
Die englisch-französischen Verhandlungen in Par.s über d e Schulden- und Tributfragen sind unterbrochen worden, eie sollen demnächst wieder ausgenommen werden.
Der Senat hat gestern das Hoover-Moratormm mit 69 gegen 12 Stimmen ratifiziert. Damit erlangt das Moratorium, das nur noch Präsident Hoover zur formellen Unterzeichnung ""^Da^'lommunistffchc von den Sozialdemokraten unterstützte Volksbegehren auf Auflösung des Danziger Dolkstages hat die erforderliche Stimmenanzahl erbracht.
Arnaldo Mussolini, der Bruder des Chefs der,^icnl,chc Srgierung. nt gestorben. ®er »erstorbene war eW'ebatteur des „Popolo d'Italia".
Einigung des Basler Sonderausschusses.
Basel. Der Basler Sonderausschuß erreichte st
um 7 Uhc eine vollständige Einiguirg über den^ Wortlaut de Endberichtes Die Konferenz wurde um 10.1a Uhr a * ber Unterzeichnung des Endberichtes durch die elf Sachoerltan- Mgen Iw abgesehen. ^ ^ "^ trägt nunmehr die Unterschriften von ' ^ranoui-Bel- Snglan». Melchior-Deutschland, «i|t’3ranlrei4 o 1 Sien, Rohara-Zapan, Stemart.Sereinigte otaaten.. -'U : W Jugoslawien, Colijn-Holland, Binllchedler-Schw-.z und Wed
^^xei"«-richt ist, wie oorauszusehen war, feine und?°in° Enthüllung neuer Erlennlniste. Er bringt iatfad)e ,
die in Deutschland fchon seit Monaten zum täglichen Handwerkszeug aller Erörterungen über die Notlage gehören. Die Tatsachen, Zahlen und Ziffern, die der Bericht widergibt, sind in Deutschland besannt; sie werden aber durch den Bericht nun auch der Weltöffentlichkeit vor die Augen gehalten und werden dadurch hoffentlich dazu beitragen, in den Ländern, in denen bisher noch Unklarheiten über die wirtschaftliche Zerstörungsgewalt der Reparationen bestanden haben, eine klarere
Sitzung der Senkung der Postgebühren mit Wirkung vom 1. Sannar 1932 zu. Die Senkung soll sich, um bei der Höhe des zur Verfügung stehenden Betrages von 120 Mill. RM. wirksam zu sein, auf zwei wichtige Verkehrszweige, den Paket- und den Fernsprechverkehr, erstrecken. Bereits am 28. Dezember wird der Arbeitsausschuß des Reichspostverwaltungsrats und am 29. das Plenum des Verwaltungsrats zufammentreten, um die endgültige Entscheidung zu treffen, insbesondere um die Einzelheiten der Gebührensenkung festMsetzen.
Mische Politik.
Der Petitionsausschuß des Hessischen Landtags lehnte in seiner gestrigen Sitzung die Anfechtungsklage der Wirtschaftspartei gegen die Hessenwahl ab. Den sozialdemokratischen Anfechtungsantrag gegen die Wahl der Abg. Lenz, Döring und Hauer (alle NSDAP.) gab man an den hessischen Staatsgerichtshof weiter. Gleichfalls die Angelegenheit des Karl Wilhelm Schäfers aus Offenbach wird an den Staatsgerichtshof geleitet. Der Staatsgerichtsk^f wird also reichlich Arbeit vorfinden, um so mehr als er sich auch mit der Frage zu befassen hat, ob die vom Landtag beschlossene sofortige Abberufung des Innenministers Leuschner rechtlich zulässig ist.
Vertrauen und Zuversicht.
Die Beruhigung des Publikums hat erhebliche Fortschritte gemacht. Die Einzahlungen bei den Sparkassen bewegen sich wieder in aufsteigender Linie, und die Abhebungen haben nachgelassen. Einzahlungsüberschüsse werden immer zahlreicher, und es scheint so, als ob die Hamsterer sich allmählich klar werden über den Unsinn, den sie mit dem Geldhamstern begehen.
Die ständigen einmütigen Betonungen aller amtlichen und Regierungsstellen und der Verbände und Parteien aller Richtungen. daß sie eine Inflation unter allen Umständen ableh- ncn, haben das Vertrauen in die deutsche Währung weiter gestärkt. Ebenso hat auch die Tatsache, daß der Zahlungsverkehr nun schon seit Monaten sich wieder reibungslos vollzieht, die allgemeine Stimmung wesentlich gebepert.
So schwer auch gegenwärtig die wirtschaftliche Not ist, es ist nicht berechtigt, alles nur schwarz in schwarz zu sehen. Manche Gründe lassen es berechtigt erscheinen, daß wir zuversichtlicher in Hie Zukunft sehen können. Z. B. ist im technischen Ausbau um lerer Industrie und im Wohnungsbau eine gewisse Sättigung erreicht, sodaß der von diesen beiden Seiten bisher sich geltend machende Kapitalbedarf nachläßt. Der Außenhandelsüberschuss erleichtert Deutschland die Abtragung der Last seiner Auslandsschulden. Der Geburtenausfall während des Krieges wirkt sich in den nächsten Jahren in einer Entlastung des Arbeitsmark- tes aus.
Die Aussichten sind also nicht so schlecht, wie es vielen scheint Wenn wir Vertrauen haben — und wir dürfen cs haben - und wenn wir wie bisher entschlossen den Weg der Selbsthilfe, wo immer sie möglich ist, gehen, dann werden die Wirtschaftsnöte der Gegenwart. Arbeitslosigkeit und Einkom- mcnrückgang. schneller als viele glauben, überwunden werden.
Der Götze mit der Geißel.
91tir fällt da eine Unterredung ein, die ich vor zwei Jahren hatte. 34) kenne einen Anstreichermeister, der früher als 2(rbciter und als Meister m einer Farbenfabrik gearbeitet Hal Er hat den Ehrgeiz, auf eigenen Füßen zu stehen und stch ohne 3n anspruchnahme von öffentlichen Mitteln in der schweren Zeit über Wasser zu halten. UcbcraU, wo er gearbeitet hat, ist er ge schätzt wegen seiner Tüchtigkeit, seiner Zuverlässigkeit und seiner unermüdlichen 2lrbeitslufl, die keine Müsse scheut. Anspruchslos und sparsam, wie er ist, würde er unter Verhältnissen, wie sie in der Vorkriegszeit herrschten, rasch auf einen grünen Zweig gekommen sein. Diesem 'Manne begegnete ich also vor zwei Jahren. Wir begrüßten uns, und ich erkundigte inich natürlich auch danach, ivic cs ihm geschäftlich ginge. Er steht auf ein großes Haus in der Nähe und erzählte mir, daß er seinen An strich ausgeführt habe. Ich gratulierte ihm zu dieser Leistung und sprach die Hoffnuna aus, daß er dabei auch befriedigend verdient habe.
„Verdient?" rief er erregt aus, „verdient? Ach nee! Verdient haben Die Gesellen, verdient hat auch Der Staat, dem ich die Lohnsteuer abliefern muß. Für mich kommt noch nicht einmal Der Lohn für meinr eigene Arbeit heraus: hätte ich nicht selbst täglich stundenlang über die gesetzliche Arbeits zeit hinaus gearbeitet Dann müßte ich noch Geld zusetzen. Wissen Sie, die Sache ist so: in Deutschland ist doch sein Geld. Namentlich auch die Hausbesitzer sind alle knapp damit. Sie sagen einem: Soundsoviel können wir für den 21 n ft rieb ausgeben; verlangen Sie mehr, dann müssen wir cs uns eben verkneifen. Danach muß sich Dann der Meister einrichten. Im allgemeinen arbeite ich ja allein, aber das ist ja bei einem so großen Hause nicht möglich. Da habe ich mir denn beim Arbeitsnachweis ein paar Gehilfen geholt, in der Hoffnung, daß die hohen Löhne wenigstens durch flotteres Arbeiten wett gemacht würden. Aber daran haben die Leute gar kein In teressc: drängte ich, dann hieß es: „Wenn's dir nicht paßt, können wir ja wieder stempeln." Ich bin also der Dumme gewesen. 2(ber einmal und nicht wieder! Nie wieder werde ich eine Arbeit übernehmen, bei der ich auf fremde Arbeitskräfte angewiesen bin. Soll ich für andere Arbeit suchen, ihnen die Löhne zahlen, für sie Kassenbeiträge und Steuern bezahlen und dazu ich umsonst arbeiten und mich auslachen lassen? Nein, nie wieder! In Deutschland wird der Strebsame und Fleißige bestraft. Glauben Sie mir, an den übertrieben hohen Löhnen, die schließlich keiner mehr bezahlen kann, an "»em starren Tarif und Schlichtungskram und dem Uebermaß von sozialen Lasten werden wir noch zugrunde gehen."
Dieser Erguß eines schlichten und wackeren Handarbeiters, der sich mir fast wortgetreu eingeprägt hat, zeigt deutlicher als theoretische Erörterungen Die Schädlichkeit des herrschenden So stems, vor allem die der üblichen Lohnpolitik, Die den Lohn als cirf Ding für sich nimmt, losgelöst aus den wirtschaftlichen Zu sammenhängen, in denen er nun einmal steht. (Wir haben hier ein Beispiel für die schädlichen Wirkungen vor Augen, die diese Lohnpolitik gerade auch für Arbeitnehmer hat, denen sie Arbeits gelegenheiten und Aufstiegsmöglichkeiten wegnimmt. Die unbequemen Mahner, die darauf Hinweisen, versucht man herkömmlicherweise damit mundtot zu machen, daß man sie als „Sozial reaktionäre" hinstellt. Nun, dann gehört auch der bekannte sozialdemokratische (Wirtschaftspolitiker Jitar Eohen (Reuß), Mitglied des 'Reichswirtschaflsratcs, zu den „Sozialreaktionären". Denn in einem Vortrag, Den er am 20. November v. I. in Dortmund auf einer Tagung des Reichsverbandes für Herren und Knabenkleidung gehalten hat, führte er unter den Ursachen für die Krise in Deutschland neben der Ueberspannung Der öffentlichen Lasten und der Aufbauschung der Verwaltung auch Die zu hohen Löhne an. Jede Lohnerhöhung, so sagte er nach dem Bericht der „K. Z.", sei auf Kosten der 2(rbeitslofen vorgenom- men worden, und er meinte, den Kreislauf Der Erzeugungskosten, Verbraucherpreise, Absatzmangel und Arbeitslosigkeit hätten nun endlich (!) auch Die Gewerkschaften begriffen.
Hätte sich diese Annahme bcibabrbeitet, dann ständen wir heute ganz anders da und könnten mit größerer Zuversicht in die Zukunft sehen Es sind leider nur vereinzelte Stimmen der 23er nunft, Die aus Dem Gewerkschaftslager ertönen. So, wenn Fritz Naphtali in seiner Broschüre „Wirtschaftskrise und Arbeit? losigkeit" schrieb: „Es hat noch keine Krise gegeben, in Der die Löhne nicht nominal gesunken wären, und ich glaube, man wird sich darüber klar sein müssen, daß auch im Verlaufe dieser Krise Das Ende der Lohnsenkungen noch nicht erreicht ist. Ohne Lohn senkung geht es auch diesmal nicht ab." In Der ^raris der Gewerkschaften bat man aber von einer Bekehrung bisher nichts gemerkt. Ihr hartnäckiger Widerstand gegen eine auch vom Reichskanzler Brüning für notwendig erklärte elastischere Gestaltung des Tarifvertragswesens hat sogar zur Anbahnung einer „Einheitsfront Der Gewerkschaften" geführt, die man neuerdings recht pfiffig durch Angliederung der sonst so heftig bekämpften Nationalsozialisten zu verlängern versucht hat.
(Man braucht nicht lange zu suchen, um auf die zerstörenden Wirkungen der gewerkschaftlichen Lohnpolitik zu stoßen. Vor dem Kriege ;. B. trugen weite Kreise in Deutschland Maß- schuhe, und das Schuhmacherhandwerk war ein blühendes Gewerbe, das strebsamen jungen Kräften ein gutes Fortkommen bot.