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Poltlifchk r I.

Der Berliner Besuch von Briand und Laval wird nunmehr doch erst im September nach der Genfer Tagung stattfinden.

Die südslawische Regierung hat gestern das amcrilanische Staatsdepartement offiziell davon unterrichtet, daß die südfla- lvische Regierung das Hoovermoratorium ablehne.

Das Reichswirtschaftsministerium hat eine weitere Ergän­zung der Richtlinien für die Devisenbewirtschaftung den Lan- desfinanzämtern zugelcitct.

Die Verhandlungen, die im Reichsarbcitsministerium über die Neufestsetzung der kommunalen Arbeiterlöhne auf Grund der Notverordnung von» 5. Juni 1931 geführt werden, sind noch nicht abgeschlossen.

Wie wir hören, sind Verhandlungen im Gange, die darauf hinzielen, durch Vermittlung der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken im Einvernehmen mit der Deutsche» Giro­zentrale eine langfristige Konsolidierung der kurzfristigen Kom­munalschulden vorzunehmen.

Wie die Telegraphen-Union aus zuverlässiger Quelle er­fährt, beläuft sich die gesamte deutsche turzsristige Verschuldung aus 7 Milliarden Mark.

Im Juni d. I. ist zum ersten Male seit der Markstabiilsie- rung der bis dahin ständig gewachsene Einlagenbestand her deut­schen Sparkassen zurückgcgangen und zwar um 152,2 auf 11 073,6 Millionen Reichsmark.

In der Nacht zum Freitag kam es in Itzehoe zu blutigen Zusammenstößen zwischen Reichsbannerangehörigen und Natio­nalsozialisten.

DieRheinisch-Westfälische Zeitung" ist durch Verfügung des Obcrpräsidentcn der Rheinprovinz für 14 Tage, und zwar vom 12. bis 26. August, wegen eines Volksentscheids-Aufrufes, der im Inseratenteil veröffentlicht wurde, verboten worden.

Der Haushaltsausschuß des Thüringer Landtages stimmte bei Enthaltung der Kommunisten mit allen übrigen Stimmen der Regierungsvorlage sür die Uebernahme einer Bürgschaft für einen den thüringischen Sparkassen und Kommunal-Kredit- ^nVitutcn zu gewährenden Rcichskrcdit von 12 Millionen RM. ZU.

Der für den 2. bis 4. September ds. Is. nach Jena cinbe- rufcne deutsche evangelische Pfarrertag ist wegen der augen­blicklichen schweren Wirtschaftslage soeben abgesagt worden. Er findet in diesem Jahre nicht statt.

Die Christlich-Nationale Volkspartei ist am Donnerstagnach- mittag zu ihrem diesjährigen Parteitag zusammcngetretcn.

Die revolutionäre Bewegung in Kuba greift immer weiter um sich, auch in der bisher nicht erfaßten Provinz Orient.

Andauernde RcgcnftUrme, Wolkenbrüche und Fluten haben sich in China zu einer der schwersten Naturkatastrophen, die das Land je heimgesucht haben, entwickelt und Tausende von Todes­opfern gefordert.

Das Erdbeben in Tibet hat bis nach Nordindicn seine Aus­läufer gesandt. In Turkestan ist die Stadt Iarkand zu zwei Dritteln zerstört, die Zahl der Toten geht über tausend.

Die Zahl der Todesopfer der Einjturzkatastrophc in Lyon hat sich auf 10 erhöht.

Der deutsche Flieger v. Gronau, der am Donnerstag in Reikjavil aufgestiegen war, ist in Scoresbysund glatt gelandet.

Reichskabinett und Banken.

Berlin. Gestern fand eine Ministcrbesprechung statt, in der alle mit den Banken zusammenhängenden Fragen erörtert wur­den. Reichskanzler Dr. Brüning hatt in seiner letzten Rund­funkrede angefünbigt, daß auf diesem Gebiete sowohl sachliche wie personelle Aenderungen bcvorständen. Es handelt sich, wie verlautet, im wesentlichen um Pcrionaländerungen im Vorstand der Dresdner Bank, während die Möglichkeit eines Wechsels in der Leitung der Danatbank weniger wahrscheinlich ist. Es steht zu erwarten, daß sich das Reich durch Entsendung eigener Ver­treter zum mindesten für die Dauer der Intcresscnahme des Reiches an diesen Banken einen ständigen Einfluß auf die Kre­ditpolitik dieser Institute sichert.

Mit großer Spannung sieht man der Entscheidung des Ka­binetts entgegen, namentlich in der Richtung, ob über diese Kontrolle der beidengenannten Danken hinaus eine allgemeine Aufsicht aller deutschen Kreditinstitute durchgeführt werden wird.

Btfriedlsenbt Steuereingänge.

Infolge der Stockung des Zahlungsverkehrs im Juli waren bei den Finanzämtern ganz wesentliche Mindereinnahmen an Steuern zu beobachten, die sich insgc>amt aus 180 Millionen RM. beliefen. Wie aus Berlin mitgcteilr wird, sind aber bc- reits in den ersten Augusttagen erhebliche -teile d'eier -teuer­rückstände nachgeliefert worden. Im übrigen U . E wei bis jetzt Überblicken läßt, der ^euere.ngang lm August nur normal, sondern cs ist auch ein stärkeres vercun ab Steuern als sonst im August zu beobachten - nrur 1 Ursache für diese Erscheinung die Notverordnung d.e säumig n Steuerzahlern mit empfindlichen Zuschlägen er h. nicht pünktlich ihren Steucrverpflichlungen nachkommen.

Samstag, den 1 > August 1931

Kommunistische Drohbriefe.

Der bei den Unruhen am Bülowplatz verletzte Oberwacht- meistcr Willich, der sich zurzeit im Staatskrankenhaus be­findet, hat, einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers zufolge, einen Drohbrief erhalten, in dem es heißt:

Es hat sich herausgestellt, daß das Kaliber 6,35 für Dich nicht genügt. Wenn Du herauskommst, werden wir Dich mit 9 mm empfangen! Eine Probe anbei."

Dem Briefe war eine 9-mm-Revolvcrpatrone beigefügt. Der Reviervorsteher vom Polizeirevier 62 in der Pappelallee 85, Hauptmann Schmedes, hat ebenfalls von kommunistischer Seite Drohbriefe erhalten. Bei den gestern in Weihensee verhafteten 7 Kommunisten hat man Aufzeichnungen gefunden, die den Plan zur Ermordung des Oberleutnants Böker enthüllen.

Statt deutscher Erzeugnisse - Auslandsware?

Der preußische Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer stellte in einer Rundfunkrede fest, daß Deutschland im vergangenen Jahr für über 500 Millionen Obst und Eartcnerzeugnisie und für über 7 Millionen Eier, Butter und Käse aus dem Ausland eingeführt hat. Der Minister betonte die Notwendigkeit, durch Besiedlung des flachen Landes, insbesondere im Osten, in der Form von Wirtschaftsheimstätten und Kleindauernstellen diese Erzeugnisse im eigenen Land zu gewinnen, um damit Hunderttausenden Er­werbslosen Arbeit und Brot zu geben.

Soll jedoch eine stärkere Ausnutzung des deutschen Innen­marktes erfolgen, müssen die Käufer es sich endlich adgcwöhncn, immer nach der Auslandsware zu schielen. In einer Zeit, da es deutsches Obst in Menge gibt, braucht man nicht nach ausländi­scher Ware zu greifen. Sonst haben die deutschen Obstbauern das Nachsehen.

Die Einfuhr von Wein und Most belief sich in cn ersten vier Monaten dieses Jahres wieder auf 11,1 Millionen Mark trotz der Losung:Deutsche, trittst deutschen Wein!" Dahinter blieb die Einfuhr an Bier mit 1,019 Millionen RM. und an Branutwein und Sprit aller Art

mit und

der

719 000 RM. immerhin etwas zurück. (NachWirtschaft Statistit", 2. Mai-Heft.)

Wie hoch ist unser Geldumlauf?

Die Maßnahmen des Reiches haben ihr Ziel nicht verfehlt: Weg aus dem Engpaß der Zahlungsmittelschwierigkeitcn Ist

gebahnt, der Strom des Geldes ist wieder ins Fließen gebracht. Nun gilt cs, dafür Sorge zu tragen, das Vertrauen in die Zu­kunft unseres Wirtschaftslebens zu stärken und auf die Dauer zu festigen. Vertrauen ist der Wegbereiter jedes wirtschaft­lichen Aufstiegs. Es ist daher von größter Bedeutung, daß Ruhe und Selbstbesinnung im deutschen Volk wiederkehren. Die völlig unbegründete Furcht vor einer Geldentwertung, diese Furcht vor eingebildeten Inflationsgefahren, ist abgeklungen. Was not tut, ist, der Wiederkehr einer solchen Massenangst vorzubeugen.

*

Feste, zuverlässige Dämme insbesondere di'e Organi­sation der Reichsbank, ihre vollständige Trennung von den Staatsfinanzen, die strengen Vorschriften über die Notenaus­gabe, die scharfen Abwehrmittel der Diskont- und Kreditpolitik der Reichsbank machen eine Ueberschwemmung der deutschen Volkswirtschaft mit Zahlungsmitteln ein für allemal unmög­lich. Der Umlauf an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zeigt heute grundsätzlich das gewohnte Bild. Ja, er ist sogar kleiner als etwa vor ein oder zwei Jahren. Am 31. Juli 1931 belief sich der Umlauf an Rcichsbanknoten auf 4,45 Milliarden Reichsmark, der an Rcntcnbanlscheinen auf 0,42 Milliarden RM. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug er 4,63 bezw. 0,4 4 Milliarden RM., Ende Juli 1929 4,72 bezw. 0,43 Milliarden RM.

In diesem Zusammenhang ist eine Berechnung von aktuel­lem Interesse, die neuerdings vom Institut für Konjuncktur- forschung angestellt worden ist. Es hat den Geldumlauf (No­ten und Münzen) in verschiedenen Ländern der Welt jeweils auf den Kopf der Bevölkerung umgelegt. Das Ziffernbild ent­hüllt bemerkenswerte Unterschiede im Geldumlauf der einzelnen Länder. Im Durchschnitt des Jahres 1929 der Geldumlauf war damals in Deutschland höher als im Durchschnitt dieses Jahres betrug der Umlauf an Noten und Münzen in Deutsch­land 93 RM. je Kopf der Bevölkerung In anderen vergleich­bare^ Ländern war er wesentlich höher. In Frankreich z. B. belief er sich auf 262 RM., in der Schweiz auf 251, in den Nie­derlanden auf 215, in England auf 206, in den Vereinigten Staaten auf 165 RM. Diese Unterschiede sind zum Teil eine Folge der verschiedenen Zahlungsgewohnheiten in den einzel­nen- Ländern. In Deutschland hatte man sich durch jahrelange Uebung an bargeldlosen Verkehr gewöhnt. Nicht unbedingt be­nötige Gelder ließ man auf den Konten bei Banken, Sparkas­sen, Genossenschaften oder auf den Postscheckkonten stehen. Es steht zu hoffen, daß das deutsche Volk zu diesen guten Grund­sätzen im Zahlungsverkehr wieder zurückkehrt. Damit werden nicht nur die letzten Reste der unheilvollen Krise vom Juli 1931 ausgeräumt sein: auch der Wiederkehr der Massenpanik werden unübersteigbare Dämme der Vernunft und der Beson­nenheit entgege^geftent sein.

Nummer 65

Finanz- und Wirtschaftskrise und gewerblicher Mittelstand.

Der Deutsche Handwerks und Gcwcrbekammcrtag und der Acichsverband des deutschen Handwerks haben unterm 24. 3»li ÖS. 33- dem Dleicbsfan^cr nachstehende Eingabe unter breitet:

Die nunmehr zum Ausbruch gekommene Finanz- und Wirtschaftskrise in Deutschland hat eine Neihe von Maß­nahmen der Aeichsregierung erfordert, die sehr erhebliche Ein­griffe in das Wirtschaftsleben bedeuten Wir sind weit davon entfernt, die Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu bestreiten. Wir haben seit Jahren bei den Kundgebungen unserer Körper schäften den Standpunkt vertreten, daß alles darangeseht werden muß, um eine Gesundung der deutschen staatlichen und wirt­schaftlichen Verhältniße unter äußerster Anspannung der eigenen Kräfte des deutschen Volkes zu erreichen Wir waren immer der Ansicht, daß nur auf dieser Grundlage auch eine den Lcbcns- bedürfnißen des deutschen Volkes gerecht werdende Verständi­gung mit dem Ausland zu erreichen sein würde. Dir gestatten uns, als Beleg hierfür auf die Beschlüße zu verweisen, die letzt­malig gelegentlich der ersten Notverordnung durch die Vorstände des Kammertages und Reichsverbandes gefaßt worden sind. Hier heißt es:

Die wirtschaftliche und politische Lage des Volkes er fordert dringend eine endliche grundsätzliche Wandlung der bisherigen Methoden der teutschen Finanz- und Sozialpolitik in ihrer Dickung auf die deutsche Dirtschaft. Durch ent­schloßene und zielbewußte Zusammenfassung aller Kräfte muß die Steigerung der Produktivität der Gesamtwirtschaft er­strebt werden, die zur endgültigen Befreiung des deutschen Volkes durch Arbeit und Leistung unerläßlich ist. Dabei ist der Bedeutung der aus verantwortungsbewußten Persönlich­keiten beruhenden Wirtschaftsführung des gewerblichen Mit­telstandes für die Gesamtwirtschaft und Volksgemeinschaft weit mehr als bisher Rechnung zu tragen."

2Sir brauchen die stärkste Entfaltung der produktiven Kräfte des Volkes und den bewußten Willen zur wirtschaft­lichen Gesundung, und daraus müßen die innerpolitischen Folge­rungen gezogen werden. Die Hemmungen, die einer Entwick­lung der produktiven Kräfte bisher gegenüberstehen, müßen be­seitigt werden. Dir brauchen eine Steuerpolitik, welche die Kapitalbildung fördert und nicht auf Kosten der Substanz und des Unternehmerwillens geht. Dir brauchen eine Sozialpolitik, die die Dirtschaft nicht weiter einengt und belastet. Dir brau­chen eine preis- und Lohnpolitik, in allen Wirtschaftszweigen, die der notwendigen Kapitalbildung gerecht wird und die Stei­gerung der Reallökmc und der Kaufkraft zuläßt. Wir brauchen vor allem in dem Gefühl der Maße, in der öffentlichen Mei­nung des Volkes eine Rehabilitierung des Erwerbsstrebens und der wirtschaftlichen Leistung, eine gerechtere Bewertung der 3n,: tiatiae des persönlich schaffenden Unternehmers, einen Rückstoß gegen übertriebene großwirtschaftliche und gan; oder balbsozia- listische Kräfte und Anschauungen, welche die Produktivität, den Leistungswillen und das Erfolastrebcn hemmen. Der Wille, alle Wege offen tu legen und alle Kräfte zu entwickeln, die zur Ge­sundung und Erstarkung der Wirtschaft führen, muß dem gan zen Volksbewußtscin und seinen politischen Vertretungen ein gehämmert werden.

Wenn wir solchergestalt die Notwendigkeit liner straffen und zielbewußten Führung durch die Reichsregierung anerkennen und wenn wir zugeben, daß eine Ueberwindung der Krise ohne Opfer durch alle Teile des Volkes nicht zu erreichen ist, so halten wir uns doch für verpflichtet, darauf hinzuweiscn, daß die beson­deren Verhältniße des gewerblichen Mittelstandes mehr als bis­her bei den zu treffenden Maßnahmen berücksichtigt werden müßen.

In dem letzten Jahrzehnt «st der gewerbliche Mittelstand in einer Weise geschwächt worden, die vom siaatspolitischen Standpunkt aus außerordentlich zu bedauern ist. Wir sind der NTeimma, daß die Ueberwindung der jetzigen Wirtschaftskrise sehr viel leichter wäre, wenn die breite Schicht des gewerblichen Mittelstandes in seiner früheren Leistungsfähigkeit heute noch vorhanden sein würde und einen großen Teil ihrer Auswirkung auffangen und ausqleichcn könnte Dir halten es aber zum mindesten für unbedingt erforderlich, dafür zu sorgen. daß nicht etwa durch die Maßnahmen zur Ueberwindung der wirtschaft liehen und finanziellen Krise eine weitere Zertrümmerung des Mittelstandes erfolgt Wir haben die Befürchtung, daß bei als den Maßnahmen, die zurzeit erwogen und durchgeführt werden, alltu stark die Rücksichtnahme auf die Großwirtschaft und auf die Arbeitnehmerschaft ausschlaggebend ist und daß hinter diesen Einflüßen die notwendige Schonung des gewerblichen Mittel­standes zurücktritt.

Es kommt hinzu, daß durch die Ausschaltung des Parla­ments. über deren Zweckmäßigkeit und Unzweckmäßigkeit wir unsererseits nicht zu befinden haben, uns die JKöglidifeit genom men ist, für unsere berufssiändischcn Bemühungen parlamenta­rische Hilfe zu gewinnen Die Möglichkeit einer unmittelbaren Einflußnahme auf die Reichsregierung ist uns nicht in dem DTcaße gegeben wie anderen Berufsgruppen des deutschen Volkes. Dir wollen dabei die Einrichtung des Reichskommißars für das