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Samstag, den 14. November 1931.

Gießener Zeitung"

Nr. 91.

anschließender zwangsläufiger, vermeintlich freiwilliger Art, wie sie das letzte Jahrzehnt geschaffen hat, darf es für die Reichs- regierung, darf es auch für den Wirtschaftsbeirat in diesen Tagen nur eine Aufgabe geben: die Nichtlinien für Den Abbau der Bindungen, für die Wiederherstellung freier Marktwirt­schaft aufzustellen!

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Man hat dem Wirtschaftsbeirat viele Aufgaben seitens der Reichsregierung gestellt. Man hat ihm aber keine klare Stellungnahme zu der Frage abverlangt: freie Marktwirt­schaft oder Beibehaltung (was zwangsläufig dauernder Aus­dehnung gleichzusetzen ist) des staatlichen Einflusses auf Die Wirtschaft. Was hat es für einen Sinn, finanztechnische Rc- gularien für die Verlängerung der Stillhaltung, sozialpolitische Kompromißformulierungen über Tarifrecht und Schlichtungs­wesen auszuarbeiten, wenn diese klare Entscheidung umgangen wird und damit jede Voraussetzung dafür, das heutige unsagbare M^ißtrauen, vie Erstarrung und Versackung des Unternehmer- geistes zu überwinden. Man folge den Vorschlägen des Wirt­schaftsmanifestes der Verbände und sofort wird ein Auf­atmen durch die Wirtschaft gehen, sofort wird Nkut und Unter­nehmungslust, Risikobereitschaft und Arbeitsfreude zurückzu kehren, sofort wird die soziale Not sich mildern, sofort wird im Ausland eine Atmosphäre des Vertrauens entstehen, die das ganze Problem der Umwandlung der kurzfristigen in langfristige Kredite, des Abbaues der Neparationen, der künftigen Welt­wirtschaftspolitik unter ganz neue, anfbaufrendige, aufbaubereite Gesichtspunkte stellen wird. Das ist das, was wir von der ^Le­gierung erwarten. Niemand unter den Politikern in Deutsch­land darf sich darüber im Zweifel sein, daß die Geduld des er­werbstätigen Bürgertums restlos erschöpft ist. Nicht Interessen des Unternehmertums, nicht Interessen der Wirtschaft im enge­ren Sinne die Existenz des Staates und des Volkes schlecht­hin erheischen gebieterisch ein eindeutiges, von Optimismus ge­tragenes Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft und eine Wirt­schaftspolitik, die solchem Bekenntnis entspricht. Wird die letzte Stunde zur Einkehr und zur Neuorientierung versäumt, so wird der Fluch kommender Generationen diejenigen treffen, die heute an falschen Wegen und unzulänglichen Methoden festhalten.

Planmäßige Kommuniftenübersälle.

In Lugau im Erzgebirge haben Mittwochabend mehrere hundert Kommunisten eine Nationalsozialistenoersammlung planmäßig überfallen und einen 22 Jahre alten National­sozialisten aus Neuwiese erstochen. Weiter wurden fünfzehn Nationalsozialisten durch Dolchstiche und Schläge verletzt, fünf darunter sehr schwer.

Auch in Chemnitz haben die Kommunisten am Mittwoch- rrbend eine nationalsozialistische Versammlung im Gasthof Chem­nitz-Bernsdorf, an der 350 Nationalsozialisten teilnahmen, plan­mäßig überfallen. Die Polizei nahm eine energische Säube­rungsaktion mit dem Gummiknüppel vor und sorgte auch spä­ter für den ungehinderten Abmarsch der Nationalsozialisten.

Zusammenstöße in Worms.

Am Dienstagabend veranstalteten die Nationalsozialisten eine Versammlung im Zelt auf der Jahnwiese. Nach Schluß der Versammlung kam es in der Stadt an verschiedenen Stel­len zu Zusammenstößen. Einem Trupp Nationalsozialisten wurde eine mitgeführte SA.-Fahne entrissen. Hierbei wurde am Obermarkt ein Versammlungsbesucher durch einen Schlag mit einer Flasche am Kopf verletzt. In der Nähe des Gasthauses Zur Post" wurde scharf geschossen. Gegen 4 Uhr wurden drei Einwohner von Biblis auf dem Nachhauseweg in der Mainzer Straße von einem größeren Trupp Anhänger der KPD. über­fallen und mißhandelt. Der eine der Mißhandelten hat einen Stich in den Unterleib und eine Verletzung am Kopf erhalten und mußte in das städtische Krankenhaus eingeliefert werden. Eine Abteilung SA.-Leute zog durch die Mähgasse, wo sich das Büro der KPD. befindet. In der Nähe dieses Hauses kam es zwischen dieser Abteilung und Kommunisten zu einer Schlägerei. Die Streitenden wurden durch das Eingreifen der Polizei zer­streut. Die sofort angestellten Ermittlungen der Kriminal­polizeit führten zur Festnahme von mehreren jungen Kom­munisten, die dringend verdächtig sind, den Einwohner aus Biblis zusammengeschlagen zu haben. Bei dem Verletzten be­steht Lebensgefahr.

Am Mittwoch kam es in Neumünster zu schweren Zusam-

General Carl von Clausewitz.

Zu seinem 100. Todestage am 16. November 1931.

Das Jahr 1831 führte den furchtlosen Reichssreiherrn vom Stein von dieser Erde, es fällte den genialen Eneisenau und cs nahm am 16. November noch zuletzt einen der größten militäri­schen Denker aller Zeiten in die Schar seiner Toten auf: den General Karl von Clausewitz.

Freilich, volkstümlich wie Blücher und Eneisenau, wie Stein und Scharnhorst, ist Clausewitz nie geworden! Nur wenige seiner Zeitgenossen haben seine Bedeutung ersannt; er ist der stille Wegbereiter unseres Moltke gewesen, der seine Werke gründlich durchgcarbertet und die Wahrheit seiner Lehren er­kannt hatte.

Wenn ein Sachverständiger" so meint Clausewitz sein halbes Leben darauf verwendet, einen dunklen Gegenstand überall aufzuklären. so wird er wohl weiter kommen als der­jenige, welcher in kurzer Zeit damit vertraut sein will. Daß also nicht jeder von neuem ai^uräumen und sich durchzu - arbeiten brauche, sondern die Sache geordnet und gelichtet finde, dazu ist die Theorie vorhanden. Sie soll den Geist des künftigen Führers im Kriege erziehen, oder vielmehr ihn bei feiner Selbsterziehuny leiten, nicht aber ihn auf das Schlacht­feld begleiten. So wie ein weiser Erzieher die Geistesentwicke- lung eines Jünglings lenkt und leitet, ohne ihn darum das ganze Leben hindurch am Gängelband iu führen "

In diesem Sinne ist Clausewitz der Erzieher Moltkes ge­wesen. Gerade Clausewitz hat uns gelehrt, daß die Tat hoch über dem Gedanken steht, das die eigentliche Schwierigkeit in der Ausführung liegt, und darum kann die Betrachtung, daß Moltke ein Schüler Clausewitz' und der Vollender seiner Lehren war, dem Ruhm Moltkes nicht Abbruch tun!

Clausewitz seinerseits ist wieder ein Jünger Scharnhorsts gewesen. Gneisenau hat in Erkenntnis ter Bedeutung des stillen Clausewitz einst an diesen geschrieben:

Sie waren sein (Scharnhorsts) Johannes, ich nur sein Petrus, doch bin ich ihm nie untreu geworden, wie jener seinem Herrn und Meister."

menstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Auf dem Nachhausewege wurden Mitglieder der SA. und der SS. von Kommunisten überfallen. Dabei wurde ein SS-Mann getötet und sechs SS- bezw. SA-Leutc schwer verletzt. Unter dem dringenden Verdacht, die Schüsse, die den SS-Mann töte­ten, abgegeben zu haben, wurde der kommunistische Führer ver­haftet.

Jeden Tag kommunistische Ueberfälle auf Nationalsoziali­sten. Fast jeden Tag ein oder einige Nationalsozialisten blutig verletzt oder gar zu Tode gemartert. Schon längst hatte man den Eindruck, daß die Kommunisten solche Zusammenstöße ab­sichtlich verursachten, daß so etwas wie ein latenter Bürgerkrieg zwischen Nationalsozialisten und Kommunister besteht. Die Regierungen werden mit größter Wachsamkeit dafür sorgen müssen, daß den Kommunisten ihr verbrecherisches Handwerk gelegt wird, andernfalls wird das Gefühl der Unsicherheit der­art überhand nehmen, daß man sich nicht wundern darf, wenn die Gegner der Kommunisten zur Selbsthilfe schreiten.

Scharfe Absage der NSSW.an das Zentrum.

Zu der bevorstehenden Landtagswahl in Hessen am Sonntag veröffentlicht die Pressestelle der Reichsleitung der National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei einen Aufruf, aus dem heroorgeht, daß das Schwergewicht des nationalsozialistischen Wahlkampfes in Hessen vor allem sich auch gegen das Zentrum richtet, daß die Nationalsozialisten hoffen, dort erstmals auch in die Zentrumsfront einbrechen zu können. Diese Wahl werde dyarafteriftifd) sein für den Fortschritt in der politischen Kräfte- gruppierung, die überall in Deutschland unter nationalsozialisti­scher Führung zur Entscheidung aufmarschiere. Mit gleicher Schärfe richtet sich deshalb der nationalsozialistische Stoß gegen jede Partei, die den Marxismus stützt, toleriert und ihm nicht offen den Kampf ansagt. An dieser klaren Grundhaltung natio­nalsozialistischer Innenpolitik würden sich nunmehr die Geister scheiden. Mit deutlicher Spitze gegen das Zentrum heißt es dann wörtlich:

Wer sich in diese unsere Kampffront eingliedert, ist als Bundesgenosse willkommen: wer sich ihr versagt, ist unser Feind. Wir messen nicht nach Worten, sondern nach Taten. Wer nicht für uns, ist wider uns. Wer sich auf die Schienen legt, der wird überfahren. Wer nicht im Guten will, der muß im Bösen daran glauben. Nach dieser eindeutigen Formel wer­den wir auch im hessischen Wahlkampf handeln. Das Zentrum hat sich auf die Seite des Marxismus geschlagen und darum wird es mit ihm geschlagen. Das ist unsere Parole!"

Der Artikel schließt mit äußerst scharfen Angriffen gegen das Zentrum, welches sich nicht scheue,sogar das Priesterkleid in seinen politischen Kampf hineinzuzerren", welches es dahin ge­bracht habe, daß einem Manne wie dem Stadtrat G m e i n d e r, einem treuen Sohne der Kirche, das Begräbnis verweigert wurde, weil er Nationalsozialist war, und welches in abgrund­tiefem politischem Haß die nationalsozialistischen Freiheitskämp­fer noch über das Grab hinaus alsöffentliche Sünder" verfolgen lasse. Wenn das Zentrum so wenig Ehrfurcht und Achtung vor dem Gebiet christlich-religiösen Lebens empfinde, daß es die Kirche zum Mittel des politischen Kampfes herabwürdige, wenn es andererseits nicht jenes Mindestmaß von Verantwortungs­gefühl vor der Nation aufzubringen vermöge, um sich endlich aus der verhängnisvollen Gemeinschaft mit dem volkszerstörenden Marxismus zu lösen, dann verdiene es kein anderes Schicksal, als jenes, das die nationalsozialistische Volksbewegung dem Marxismus bereiten werde. Gleiche Brüder, gleiche Kappen!

Aus dem hessischen Wahlkampf.

Darmstadt, 13. Nov. Die große öffentliche Wahlversammlung der Nationalsozialistischen Arbeiter-Partei heute abend hier, war von mehr als 30 000 Personen besucht. Adolf Hitler sprach über dasselbe ThemaVolk ohne Raum", wie er in Mainz und Gießen auch gesprochen hat. Die Versammlung nahm auch hier einen glatten Verlauf.

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Die ausgeschaltete Wirtschaftspartei.

In einer Delegiertenversammlung des Wahlkreises Hessen der Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftsparteis, die in Frankfurt stattfand, wurde Stellung zu den hessischen Landtagswahlen genommen. Dabei wurde, wie mitgeteilt wird,

Scharnhorst hatte den Wert des jungen Clausewitz einst ersannt und sich seiner angenommen. Das Eingreifen Scharn- borsts war für Clausewitz die Schicksalswende. Er hat ihn zum hervorragenden Generalstabs-Offtzier erzogen, er hat seinem Geiste Weg und Ziel gewiesen und ihm die entscheidende Haltung und Richtung gegeben. Es ist ganz wörtlich zu nebmen, wenn Clausewitz seinen großen Lehrer Scharnhorst als denVater und Freund seines Geilte; bezeichnet. (Dgl. LinnebachClause­witz' Persönlichkeit" in Wissen und Weyr. Jhrg. 1930. S. 304.)

Karl o. Clausewitz ist am 1. Juni 1780 zu Burg bei Magde­burg geboren, wo sein Vater, ein im Siebenjährigen Kriege schweroerwundcter preußischer Offizier die bescheidene Stellung eines königlichen Acciseneinnehmers versah. Der Großvater war evangelischer Geistlicher und Professor der Theologie in Halle, der Urgroßvater Pfarrer in einem Dorfe bei Leipzig gewesen

Erst zwölf Jahre alt trat Clausewitz als Junker bei dem InfanterieregimentPrinz Ferdinand" au Potsdam ein. Bereits im Frühjahr 1793 nahm er an der Belagerung und Eroberung von Mainz teil. Als fünfzehnjähriger Leutnant kehrte Clause­witz in seine neue Garnison Neu-Ruppin zurück. Für den leb­haften militärischen Ehrgeiz des jungen Offiziers war cs ein großes Ereignis, als er im Herbst 1801 nach Ablegung einer Prüfung zum Besuche der Kriegsschule für Offiziere in Berlin einberufen wurde. Die Leitung dieser Schule batte der bis da­hin in hannoverschen Diensten stehende Oberstleutnant Scharn- yorst übernommen. Scharnhorst. erteilte an der von ihm geleiteten Schule den größten Teil des Unterrichts selbst: Strategie, Taktik, Gencralstabsdienst und Artillerie Er nahm sich, wie schon er­zählt, des talentvollen Clausewitz mit besonderer Güte an und war ihm behilflich, die Bildungslücken auszufüllen, durch welche anfänglich die glückliche Durchführung des akademischen Stu­diums gefährdet erschien. Am Schluß des zweijährigen Kursus hat Scharnhorst den jungen Offizier als den besten seiner Schüler bezeichnet und seinerichtige Beurteilung der Dinge, seine be­scheidene und gefällige Darstellung, sowie seine gründlichen Kenntnisse der Mathematik und der Kriegswisienschaft" rühmend hervorgehoben Schon vor Beendigung des Kriegsschul-Kom- mandos wurde Clausewitz dem ihm gleichalterigen Prinzen Au­gust von Preußen als persönlicher Adjutant zugeteilt. Diese neue Stellung führte ihn an den königlichen Hof, gab ihm Gelegenheit,

der Entrüstung Ausdruck gegeben, daß der Wahlvorschlag htr Wirtschaftsparteiohne jeden Rechtsgrund von dem Wahlpni- fungsausschuß zurückgewiefen" worden sei. Es mürbe beschlossen den Parteianchängern zu empfehlen, jene Parteien zu unten stützen, die den Marxismus bekämpfen und sich für die Bildung einer Rechtsregierung einsetzen. Die Anhänger der Partei sollen dringend ersucht werden, der Wahlurne nicht fern zu bleiben.

Dawes zur Tagung des Völkerbundsrats entsandt.

Washington. Da man in Regierungskreisen eine Verschär­fung des mandschurischen Konfliktes und Weiterungen innerhalb der nächsten vierzehn Tage befürchtet, hat Staatssekretär Stim, son den amerikanischen Botschafter in London, Dawes, angewu, sen, sich während der nächsten Tagung des Völkerbundsrates, die am 16. November beginnt, nach Paris zu begeben.

Das kommunistische Volksbegehren in Sachsen zugelassen

Die Kommunistische Partei Sachsens hat mehr als 100) Unterschriften von Stimmberechtigten für ihren Antrag auf Zu­lassung eines Volksbegehrens über die Auflösung des Landtags beigebracht. Damit hat sie die gesetzliche Voraussetzung für die Zulassung des Volksbegehrens erfüllt, so daß dem Antrag statt- gegeben ist. Das Eesamtministerium hat die Zulassung des Volksbegehrens beschlossen und die Eintragungsfrist auf die Zeit vom 2. bis 15. Dezember 1931 festgesetzt.

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Zeichen der Zeit.

Schneidcmühl. In einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum wurden im Kreis Deutsch-Krone insgesamt 8242 Morgen zwangs­versteigert. Das Rittergut Hohenstein, 1680 Morgen groß, mürbe vom Neuen Brandenburgischen Kreditinstitut in Berlin erwor­ben. Der Zwangsversteigerung verfielen ferner das 3000 Mor­gen große Rittergut Petznick und die 2400 Morgen umfassende Güter Marienhof und Tannenhof.

Baucrnnot.

Vom Dache weht die schwarze Fahne.

Stettin. Am Mittwoch sollte bei einem Rittergutsbesitzer in Maulin (Kreis Pyritz) eine Zwangsversteigerung stattfinden. Vom Dache des Wohnhauses wehte die schwarze Fahne. Aus Den umliegenden Dörfern waren die Bauern herbeigeeilt, um dem beliebten Berufskollegen ihre Anteilnahme zu zeigen. Die Ver­steigerung wurde aufgehoben, weil Arbeiter und Bauern eine drohende Haltung einnahmen. Nach Absingen des Deutschland­liedes zerstreute sich die Menge.

Kein Schaufenster wird erleuchtet.

Zu einem eigenartigen Protest sieht sich der gewerbliche Mittelstand in Weimar veranlaßt. Einzelhandelsverband, Ee- werbeoerein, Handwerkerbund, Gastwirtsverein und Hotelieroer­band beschweren sich darüber, daß sich die Weimarer Stadtver­waltung nicht zu einer Strompreissenkung für die ge­werblichen Abnehmer verstehen will, obwohl die Produktions­kosten sich erheblich vermindert hätten. Die Verband greisen nun mehr, da alle ihre bisherigen Vorstellungen erfolglos geblieben sind, zur Selbsthilfe. Zwischen dem 15. und 29. November soll in Weimar kein Schaufenster erleuchtet sein, jede Lichtreklame soll während dieser Zeit unterbleiben und an keinem Gasthaus wird man draußen ein Licht anstecken. Es dürfte also während der Abendstunden etwas dunkel in Weimar sein.

Herabsetzung der Lohnpfändungsgrenze.

Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat sich mit einer gemeinsamen Eingabe mit den übrigen Spitzenverbänden Der Wirtschaft an den Reichskanzler gewandt, um eine Herab­setzung der Lohnpfändungsgrenze auf mindestens 150 RM monatlich durch Notverordnung zu fordern. Neben sachlichen Gründen spricht auch der Umstand für eine Neuregelung, oaß die seit Februar 1928 geltende gesetzliche Regelung am 31. De­zember 1931 abläuft. Wenn oemnach die unter den heutigen Wirtschafts- und Lohnverhältnissen völlig unhaltbare, weil überhöhte Lohnpfändungsgrenze nicht noch weiter in Kraft blei­ben soll, wäre eine schleunige gesetzliche Bestimmung notwendig, um rechtzeitig den Schuldnern Gelegenheit zu geben, sich wäh­rend einer angemessenen Frist bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung (am 1. Januar 1932) auf die veränderten Bestim­mungen einzustellen.

alle leitenden und maßgebenden Persönlichkeiten im Staate kennen zu lernen, und übte frühzeitig die Fähigkeit der Menschen Beurteilung, die später einen so hervorragenden Teil seiner Wesens ausmachen sollte Diese Stellung hat ihn auch mit bet vortrefflichen Frau zusammenaesührt die seine Lebensgefährtin werden sollte: mit der Gräfin Marie von Brühl Claujewin hat in seiner Ehe immer das vornehmste Glück seines Lebenr gesehen: feine Frau ist es gewesen, die nach dem Tode ihres Gatten aus seiner genauen Bekanntschaft mit seinem schriftstel­lerischen Lebenswerk die Berechtigung geschöpft hat, es heraus­zugeben. Sie hat ihren Gatten nur um fünf Jahre überlebt Nach dem Tode ihres Mannes wurde sie Erzieherin des am 18. Oktober 1831 geborenen Prinzen Friedrich Wilhelm. Im Mar- mor-Pplais zu Potsdam hat sie 1832 die Vorrede zum Haupt­werk ihres Heimgegangenen Gatten geschrieben und darin am Schluß die Hoffnung ausgesprochen, baß der kleine Prinz der einst das Buch lesen und durch dasselbe zu Taten begeistert wer­den möge, ähnlich der glorreichen Siege der Vergangenheit. Es mutet uns an wie eine Prophezeiung, denn es warunser Fritz", der künftige Führer der Heere im deutschen Einigungskriege, den sie damals auf ihren Armen halten durfte.

Die Braut des jugendlichen Clausewitz gehörte als Hofdame der Königin-Mutter zu dem Lebenskreise, über den die Königin Luise ihren Zauber breitete. Die Prinzessin Wilhelm von Preußen. die Schwägerin König Friedrich Wilhelms I1L, und dir Prinzessin Luise^ spätere Fürstin Radziwill, die Schwester der Prinzen Louis Ferdinand und August waren mit der jungen Gräfin in aufrichtiger Freundschaft verbunden. Auch der Reichs- freiherr vom Stein erfreute sie durch seine Freundschaft, auf bu sie immer besonders stolz war. Die Kriegszeiten und die trauri­gen wirtschaftlichen Verhältnisse nötigten die beiden Liebenden noch fünf Jahre zu warten, ehe sie betraten konnten

Den Feldzug des Jahres 1806 machte Clausewitz an bet Seite des tapferen Prinzen August, der ein Grenadier-Bataillon führte, mit am 28. Oktober geriet er mit dem Prinzen bei dem heldenmütigen Versuch, sich mit dem Bataillon der schmachvollen Kapitulation bei Prenzlau durch einen Durchbruch zu entziehen, in Kriegsgefangenschaft Nach der Rückkehr aus der Gefangen­schaft wurde Clausewitz der Gehilfe Scharnhorsts. Ueber die Ur­sachen der preußischen Niederlage legte er seine Gedanken nieder

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