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Mittwoch, den 14. Oktober 1931.

„Siebener Zeitung"

Nr. 8

Jahren angelegt hat, damit Wiederherstellung ihrer Arbeits­fähigkeit urtb ihrer Möglichkeit, möglichst viele Menschen bei wachsendem Wohlstand zu erhalten urtb zu ernähren. Die Pa­role muß heißen: Nieder mit den sozialen Fassaden um des wahrhaft sozialen Aufstiegs unseres Volkes willen. Diesem Ziel dient die gemeinsame ErNärung wirtschaftlicher Verbände und daran können auch noch so nervöse und demagogische „Antworten" der Gewerkschaften urtb der Sozialdemokratie nichts ändern.

Der östliche Konflikt vor dem Bölkerbunbörat.

Der Völkerbundsrat trat am Dienstag vormittag zu einer öffentlichen Sitzung in Genf zur Behandlung des chinesisch-japa­nischen Streitfalles zusammen, nachdem in der geheimen Sitzung des Fünfer-Ausschusses Briand beauftragt worden war, die ge­heimen Verhandlungen mit den beiden Regierungen zu führen und so schnell wie möglich zu beenden.

Der Vertreter der chinesischen Regierung, Sze, gab in grotzer Erregung eine längere schriftlich festgelegte Erklärung ab, in der er schwere Anklagen gegen die japanische Regierung richtete.

Mit großem Nachdruck betonte der chinesische Regierungsoer­treter, daß die gesamte Bewegung der Abrüstung sowie die Ab- rüstungskonferenz in Frage gestellt sei, wenn der Dölkerbundsrat jetzt versage. Die Folgen eines Versagens des Völkerbundes würden unübersehbar sein, da damit von neuem das Problem der Sicherheit aufgerollt würde und der gesamte bisherige Ausbau der internationalen Zusammenarbeit zusammenbrechen und das System der Aufrechterhaltung des Friedens seinen Sinn ver­lieren würde.

Moles.

Einweihung der orthopädischen Universitätsklinik.

In Gegenwart einer großen Festoersammlung fand am Samstag die feierliche Einweihung der vom Hessischen Fürsorge­verein für Krüppel errichteten orthopädischen Universitätsklinik statt. Der baulertende Architekt Stâbaurat Graw>er1- Gießen gab in einer einleitenden Ansprache einen Ueberblick über die Geschichte dieses neuen Klinikbaues. Der Vorsitzende des hessischen Fürsorgevereins für Krüppel, Oberbürgermeister Mueller-Darmstadt, hieh die zahlreich erschienenen Ver­treter der Behörden, die Vertreter der wissenschaftlichen V«r- einigungen, sowie die zahlreichen anderen Ehrengäste willkom­men und betonte, daß mit dieser Klinik, die in enger Gemein­schaft mit der medizinischen Fakultät der Universität arbeiten werde, sowohl für die Behandlung der Krüppel wie auch für die Forschungs- und wissenschaftliche Arbeit an der Universität ein wertvoller Bau geschaffen sei. Hierauf sprach der Direktor der Klinik und Ordinarius für Orthopädie an der Universität, Pros. Dr. P i tz e n , der den Zweck der Klinik, eine Stätte zur Heilung für die Krüppel und zur Forschung für die Wissenschaft zu bilden, darlegte. Staatspräsident Dr. Adelung über­brachte sodann die Glückwünsche der hessischen Regierung, des Hessischen Landtages und des hessischen Volkes zum Bau dieser Klinik und rechtfertigte die Errichtung dieses neuen Baues zum Wohle der leidenden Menschheit auch in der gegenwärtigen schweren Notzeit. Als Vertreter des Rektors der Universität sprach Universitätsprofessor Brüggemann, der die Glück­wünsche der Gießener Universität übermittelte.

Bom Feuerlöschwesen

Von Prof. Dr. G.

(yin langgehegter TOunsch der bewährten Friedberger Feuerwehr bat sch erfüllt In ihr Gerätehaus bat dieser Tage die neue RUvtorspritze ihren Einzug aebalten, ein Ntcistcrwcrk deutscher Technik, das der wackeren TOehr in ihrem aufopfern den Kampf gegen das verheerende Element eine ausgezeichnete Hilfe sein wird. Die „Neue" zog als verhätscheltes Nuno des 20. Jahrhunderts ein in eine behaglich erwärmte Kemenate, wie das ihrem Drang und Stand, man könnte vielleicht auch sagen, wie es ihrer Gegenwartsnahe entspricht Denn unter demselben Dach in einem anderen Flügel stehen ein paar ältere Schwestern von ihr traurig im TOinkel, nur mit Jliübe vom Untergang als altes Eisen gerettet Und doch waren auch sie zu ihrer Zeit und an ihrem Ort einst wohl ebenso freudig, wenn nicht noch freudiger begrüßt als Helfer im Kampf der schwachen Men schenhand gegen das verheerende (Element Es haben eben auch die Feuerspritzen ihre Schicksale. Lassen wir uns bei dein statt gefundenen Einzug der stolzen Schwester von den in Ehren (yr grauten etwas erzählen, wie es in früheren Zeiten mit dem Löschwcscn bestellt war.

Im Anschluß an die Einweihungsfeier sand eine Besich­tigung der neuen Klinik statt, die allenthalben hohe Anerken­nung für den neugeschaffenen Klinikbau ergab.

* Keine allgemeine Fristverlängerung für Steucramnestie. In einer offiziösen Mitteilung wird darauf hingewiesen, daß die Gerüchte, wonach die Fristen für die Steueramnestie und Ver­mögenserklärung allgemein bis zum 15. November ds. Is. ver­längert würden, jeder Grundlage entbehren. Es ist nicht beab­sichtigt, die Frist über den 15. Oki. 1931 hinaus zu verlängern.

* Notverordnung über die Wertberechnung auf Feingold­basis. Der Reichspräsident hat am Samstag auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsoerfassung eine Verordnung zur Aenderung der Wertberechnung von Hypotheken und sonstigen Ansprüchen, die auf Feingold (Goldmark) lauten, erlassen. Die Verordnung tritt rückwirkend mit Wirkung vom 21. September 1931 in Kraft.

* Betrüger mit Stoffen. In der vergangenen Woche ver­suchte der stellungslose Handlungsgehilfe Julius Hausner aus Essen minderwertige, auf den ersten Blick aber gut aussehende Anzug- und Mantelstoffe auf folgende Art an den Mann zu bringen: Er sprach in Wohnungen vor und hielt unter dem Vorgeben, an seinem Lieferwagen sei eine Reparatur erforder­lich, um ein Darlehen von 60.— RM. an. Er sei von Esten nach Frankfurt unterwegs und habe nicht soviel Geld, um die Re­paratur bezahlen zu können. Zur Sicherheit für das Darlehen würde er Stoff für einen blauen Anzug und einen Mantel, den er vorzeigt, überlassen. Er erwähnte dann noch, daß der Anzug- stoff einen Wert von 40.— RM. und der Mantelstoff einen solchen von 50.— RM. habe. Hausner erklärt dann weiter, daß er die Stoffe auf der Rückreise wieder einlösen würde, da er in Frank­furt a. M. Geld zu vereinnahmen hätte. Wenn Hausner aber das Darlehen hat, denkt er nie mehr daran, die Stoffe einzu­lösen, da er genügend verdient hat, denn die von ihm auf diese Weise abgesetzten Anzugstoffe kosten ihn nur 10—17 RM. und die Mantelstoffe 12.— RM. Hausner hat sich nun wegen Be­trugsversuchs und, da er keine Gewerbepapiere besitzt, wegen Steuerhinterziehung pp. zu verantworten. In seiner Begleitung befand sich noch ein Kraftwagenführer aus Oberhausen i. Rhld. mit seinem Kraftwagen, und zwei weitere junge Leute aus Essen. Die Stoffe beziehen sie größtenteils von einer Essener Firma, da ihnen aber die Stoffe gestern ausgegangen waren, fausten sie auch am Platze ein.

* Diebstähle. Vor einigen Tagen wurden vor der hiesigen Ortskrankenkasse zwei Fahrräder entwendet, Marke Miele, Fa­briknummer 125772, und Marke Mifa, Fabriknummer unbekannt. Ein in der Ederstraße vor einigen Tagen entwendetes Herren­fahrrad konnte ermittelt und dem Eigentümer wieder zugestellt werden. Als Täter kommt ein j. Mann aus Krofdorf in Frage.

* Eigentümer gesucht: Eine Herrennickeluhr, die einem rei­senden Uhrmacher zur Reparatur übergeben worden war, ist auf dem Polizeiamt sichergelstellt. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden gebeten, sich auf der Kriminal­polizei, Zimmer 24, zu melden.

* Ausgestellte Ehren- und Wanderpreise. Am 27. Septem­ber haben vier Altschützen und vier Iungschützen der Klein- kaliber-Schietzabteilung des Kriegervereins Gießen am Ver- bandsmeisterfchaftsschießen der Kriegerkameradschaft Hassia zu Dieburg teilgenommen. Bei schärfster Konkurrenz haben die

in der Vergangenheit.

Blecher-Friedberg.

Das Feuer bedeutete in den engen Gästen der mittelalter lieben Städte und Dörfer wo die kleinen Häuser mit ihren Stroh oder Schindeldächern sich ängstlich aneinanderklammer ten. eine viel größere Gefahr als heute. Kam damals ein ^euer wirklich aus, so wurde bei dem Fehlen der Spritzen immer ein ganzes Viertel, wenn nicht alles gefährdet, wenn man nicht durch Einrcißcn das Feuer abriegeln und am Ueberspringen verhindern konnte. Ddir lesen z. B, daß bei dem ersten großen Brand in Friedberg 1383 „uf 900 Bäw" zu Grunde gegangen sind. Zwar waren die Zünfte, vor allem die Zimmerleute, Schmiede und Schornsteinfeger auch damals schon bereit, mit Einsatz ihres Lebens die Gefahr zu bekämpfen, aber es fehlten ihnen wirksame Hilfsmittel Vdohl wurde aus nahen Bächen und Teichen oder aus den mit zu diesem Zweck anaelegten Pfuhlen (TOeeden), die zugleich als Pferdcfchwcmmen dienten, von Hand zu Hand mit Eimern Ivaffer herangebracht oder auch in großen Tonnen herangefahren' aber es konnte nur mit Eimern in die Glut ge­gossen werden, wenn man nicht versuchte, durch Abdecker, mit nassen Segeltüchern das Feuer zu ersticken. TOir begreifen, daß

Altschützen den Verbandswanderpreis für Allschützen zum brüt Male und damit endgültig und die erstmals in den Ansiu getretenen Gießener Iungschützen den Verbandswanderpreis h Iungschützen auch gleich sofort errungen. Außerdem kehrten d selben Hassia-Schützen mit noch mehreren anderen roertoo:;,' Preisen heim. Die Preise sind im Schaufenster der Fun Driesch, Seltersweg, bis kommenden Samstag ausgestellt. Ä' Samstag abend ehrt der Kriegerverein die Sieger gckgentli einer Vereinsfamilienfeier im „Schützenhaus".

* Der Bezirk Gießen der Kriegerkameradschaft Hassia hv kommenden Sonntag nachmittag im Restaurant „Zum Po' keller" seinen zweiten diesjährigen Bezirkstag ab.

* Das zweite Weltschießen auf die Scheibe „Deutschland innerhalb der Kriegerlameradschaft Hastia 'findet kommend Sonntag vormittag auf den Schicßftänden des Schützenoerrn Gießen statt. Der Sieger erhält bis zum nächsten gleich - Schießen ein schönes Danner.

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Hessin greift «aufs“1 i^". £ cs s-liel Lnta R-'bu-g ^WM'1

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* Neues Geld. Im September wurden nach einer Uebel ' Wbsl sicht des Reichsfinanzministeriums wieder Fünfreichsmarkstüll^"^^

Nickelmünzen zu 50 Pfg. und Kupfermünzen zu 1 Pfg. geptäj Alle 6 Münzstätten haben zusammen 4 846 107 Stück zu 5 MaD hergestellt. Deren Vorrat beträgt damit 73,7 Millionen St« Durch 585 862 neue 5v-Pfg.-Stücke wurde der Bestand hicwH auf 140,6 Millionen Stück gebracht. Auch der Pfennig seh! nicht. Ende September waren mit 725 082 neuen Stücken sammen 534,2 Millionen vorhanden. Dabei sind die schon eii gezogenen Münzen berücksichtigt.

* Tagung. Der Hessische Zweckverband für Krüppel-Für sorge hielt am Samstag nachmittag im Stndcntenhaus fein Mitgliederversammlung ab. Dem Geschäftsbericht sei folgend entnommen: Von 1911 bis 1930 wurden 3516 Heilungen v Krüppeln mit einem Kostenaufwand von 225 000 Mark aus führt. Die Gelder entstammen Mitgliederbeiträgen (13 Di Mark), Spenden, Lotterie und Werbeschriften (30000 Mar Insgesamt betrugen die Stiftungen und Geschenke 352 000 Mo 1100 Mitglieder gehören dem Verband an. Die Firma 2ci Wetzlar stiftete Projektionsapparate und dergleichen im We von 15 000 Mark für die Orthopädische Klinik Auf dem neu Institut lasten noch 40 000 Mark Schulden. Die Gesamtei n'r.rh für 1930 betrug 114 390 Mark, Ausgabe 156 174 Mark, da; C samtvermögen besteht aus 160 195 Mark. Der Voranschlag ' 1931 sieht in Einnahme und Ausgabe 218 952 Mark vor.

Hanns Hörbiger t.

In der Nacht vom 11. zum 12. Oktober ist in Mauer bi Wien Hanns Hörbiger gestorben, der Schöpfer der oielumstrilu nen Welteislehre. Er wurde am 29. November 1860 g» boren, entstammte einer alten tirolischen Orgelbauerfamili: Er war ein Selfmademan, arm, aber genial. Als Maschine: bauer hat er begonnen, durch die Erfindung des Lanz-Hörbigei' schen Stahlblechring-Ventils für Gebläse und Kompressoren diese Erfindung wurde in allen Industriestaaten der Welt p: tentiert — wird er weltbekannt. Schon als Zwanzigjährig«: treibt er mit Leidenschaft Astronomie, aus diesen Studien wächst dann das aufregendste und in seiner Tragweite frudw barste Erlebnis dieses ganzen reichen Lebens: bic „glazial kosmogonische Schlüsselentdeckung am Monde". Der gemalt Erkenntnisblitz von der „Eisnatur der Mondoberfläche" wr: zum Ausgangspunkt der Hörbigerschen Welteislehre.

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Ehringshausen Steinbad) - 6 Lollar - karb Leihgestern - Ettingshausen Laubach — Ec Merenberg 1.

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Oberbiel 2. - Donbaden - Metzlar 4. —

da dem Bürger ein Schauder über den Rücken rann, wenn ;: nächtlicher Stunde der Türmer mit seinem mächtigen Spraâ rohr, das das DHufeum bewahrt, den Feuerruf erschallen lief

Unter diesen Umständen konnte die Obrigkeit nur inimt

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wieder mit Androhung strengster Strafen darauf dringen, La jeder, und besonders die Handwerker, mit dem Feuer äußerst >0: sichtig umgingen, und daß auf dem Boden jedes Hauses stäuli ein gefüllter Vasierbottich und Eimer bereit standen. Dame: mußte noch später jeder, der ,,eigenen Rauch halten", d. h. eine Hausstand gründen und sich als Bürger aufnehmcn lasten woit^ einen ledernen Fcuereimer oder das Geld dafür als Bürgers gäbe liefern. In einem alten Ratsprotokoll von 1,546 lesen 0« „Daß ein Jeder TOaster in sein Haus febepff, bey Vermeid^ der Strass Item daß keiner bei der Nacht in seinem Ha« laß Bier brauen, Unschlitt schmelzen (zu Kerzen), Lecd.:! schmieren oder sunst sorglich feuern Es soll auch keinem Knakq gestadt werden, mit einer Schlüsselbüchsen nmbzugehcn. iveltd gefunden wird, soll am Leib gestraft werden. Desgleichen 11 Schlösser (Schließer, Häscher) sollen in der Stadt Feind Schuß tun. Es soll auch keiner mit keinem Licht ohn £erdd (offenem Licht) über die Gasten geben, auch mit keinem Fe»r er Habs dann in einem Haffen (Topf) verwahrt."

Besondere Feuermeister, vom Jia: bestellt, mußten durch Augenschein überzeugen, daß diesen Verordnnnaen Rars auch streng nachgelebt wurde Sie sollen zweimal im umgeben, also alle Häuser revidieren, einmal vor Ostern, ^ mal vor dem Herbst Vdenn sie fertig sind, „mögen sie Ä

Wn qepührt", eine ububrenoe Düröigu die StJampfun

Kann TOeins oder ;ivo zu trinken DIsacbt haben. Solche W rung sollen sie von dem Geld, so zu Stras fällt, bezahlen, I es reicht, und wes daran mangelt, mögen sie einem chrsaM Rar verrechnen." — Damit ist also auch das außcrdienstW/ Löschen historisch begründet für diejenigen, „so damit umtz?

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