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Samstag, den 10. Oktober 1931.

„Gießener Zeitung"

Nr. 81.

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Evnntagsgedanken.

Es waren noch die ersten schönen Sommertage. Golden war die Sonne im Osten aufgegangen, kein Wölkchen stand am Himmel, und der junge Morgen hatte sein schönstes Sonntags­kleid angelegt. Aber ehe der Abend kam, zogen schwarze Wol­len im Westen auf und schoben sich vor die Sonne. Und ein »dumpfes Grollen begann in den Wolkenbergen, und ein Blitzen, mb ein Wind kam und hinter ihm her der Sturm. Aengstlich I-tischten die Vögel unter das Blätterdach, Gräser zitterten und Bäume rauschten und der Wald sang ein gar trauriges Sturm­lied. Ein Aechzen, Krachen, ein Heulen und Toben begann unb der Sturm sprang durch das Geäst der Bäume, riß mit seiner derben Hand Schwächlinge von ihnen wie Halme aus

U dem Boden und es war, als führte der Sturm

alle zerstörenden

mit allem,

Clemente aus der Natur zum Kampfe gegen das Leben, war, als wenn der Schlachtruf hieße: Nieder mit allem,

Es was

stärkte die Kräftigen und Gesunden, die anzen.

Auch im Leben der Menschen sind Prüfungen, denen nur der standhalten

vrsch und schwach und krank ist!

Ihr denkt Euch wohl, Ihr Leser, warum ich denn heute Sonntag von diesem Erlebnis erzähle! Weil ich damals

zum dar-

über nachdachte, warum denn das so sein mußte, dieser Kampf des Sturmes gegen alles Ungesunde. Schauen wir nur im Leben umher und wir sehen das gleiche. Im Walde hielten die Baume stand, die gesund waren und sich mit ihren Wurzeln lies im Erdreich fassen konnten und sich nicht nur oberflächlich oben festhielten. An den Starken tobte er vorbei und hatte leine Macht über sie. Der gleiche Sturm, der hier verstörte,

Tiefgründigen und

Stürme die großen kann, der in seiner

Seele gesund ist, die ihm dann Kraft verleiht. Und wie es

mens aus öjicnilichi^ draußen in der Natur, so ist es auch hier: der Sturm wird sich ^"> die Sonne schiebt wieder die Wolken weg, und über die

men nicht"ZhU-' ' Starken wird dann ihr verklärendes Licht leuchten, bchaitskuizungko, ^i 3 | Der Sonntagsschreiber,

igt das Brutto-Linlmm (

Wehrpflicht gegen die Not.

Von Schulrat Heinrich Hassinger-Darmstadt.

!nze, so weiden bit N I rschiesieiiden Bekopi, ■ iben aber wenigsttn;^ ■ - - - --

(ließlid) bet etwa âr. M Ein harter Winter steht bevor; er wird die wirtschaftliche,

Rente von 50 d 5« Astige und seelische Not in unserem Volke steigern; er wird be- der Weise vorgesch' anders hart diejenigen anfatlen, die arbeits- und erwerbslos

er Zehnteln ihrâ So lind. Schon haben Reich, Staat und Gemeinden zu wittschaft-

dèsoMie «Liuv-r cnrossen muß sie bereit sein. Es ist keine Zeit zu verlieren, hnen erzielten Anntr- Vc Vorbereitungen müssen schon heute getroffen werden. Die

tour bil-fe aber darf sich nicht nur erstrecken auf die Nahestehenden

mH van bei ^E j des eigenen Bundes, sie muß Heranreichen auch an die Fernen, ^^Sr ßA'i:: die Scheuen, die Gedrückten und Einsamen. An Wärme und

-tra?bis zu-''-^ 7 ocht der Nester, Heime und Jugendherbergen sollen sie ihren jtslosemmkerMuM" < lej haben, sollen empfinden das Geheimnis der tragenden Kraft

-^ ii unserem Ringe der Hilfe.

Wehrpflichtig sind die Vereine der Turner und Sänger, der i^q\\ Sportler und Wanderer, die großen und kleinen Verbände! —

. „ n otio« ■ .

h"!-»d-L«' 9er Mittelstürmer von Hollywood.

r etwa Bändigen 8m> licher Hilfe aufgerufen, schon haben die Wohlfahrtsverbände eseht, daß ihr Eiâ-! oqci Richtungen den Kampf gegen die leibliche Not aufgenom-

i Bettag "so erfolg mcn> nun wollen auch wir, die wir um die geistige und seelische

ihrer Bezüge. ^ol wissen, in die Reihen einspringen und viele auch in dieser

:i einet Pflegezulage v Beziehung darbende Volksgenossen nicht hilflos draußen stehen i von der Anwendung > ^isen. Darum heran alle, die in Bund und Verein, in Gruppe Gemeinschaft geistige und seelische Güter bewahren und

^ RcnteMnM^ Ein Dienstzwang sei für sie alle ausgeschrieben, eine

^ um weife bit (rxAc|j cligcmeine Wehrpflicht gegen die Not!

fr bleiben. - . Als ich im vorigen Jahre den Ruf zu einem „Miteinander"

Hilfe gegen die seelischen Gefahren der Arbeitslosigkeit er- SR* ^'u Hcß’ 1)01 weithin ein edler Wettbewerb der Kamerad- Merordmng üttimM Gastlichkeit eingesetzt. Gemessen an der Größe der heutigen eile des früheren Sntairé Ausgaben, darf das aber nur als Vorbereitung gelten, als erster en Mmch solgcnX Heute gilt es den Angriff auf breitester Front! Wir

inger ein Alldema LyoHen die Pioniere sein, die wetteifern miteinander. Wir wol- bem Ginfommen unter voller Hingabe bereit sein, selbstlos und uneigennützig Vit aber nur ein, io^Bhie Brücken zu schlagen, die das Schlimmste an Not und Eefah- oon 9000 M ^T'^ überbrücken sollen?

nüe aus dem^^^W Wehrpflichtig ist die Jugend aller Bünde und Vereine! — tncm. aus "w^- ^u planvoller Bniderhilfe an ihren arbeitslosen Jugend- Ä«

einen j

'vangelisch g#

,1** ' ett.

nn heff^"' ,-i^ „ve«l euch, jungens, oamir lyr iiiuji umium iuh« "- Ants mit ben -Sill Lennie wettet mit mir, daß da draußen nicht mehr als 6W^-V Utihig Zuschauer sind. Nun gut! Ich bin bereit, mit jedem und aller . ^, ,„ <>uch um ein Pfund zu wetten, daß da braußen mehr als Harburger ^ ' ^- Bt.^igtauicnb Leute warten, um das Wettspiel zu ,ehen! Wer

..... â" ninmt die Wette an?" . „ . ..

„Du bist zwar ein sehr guter Freund von mir. grinite Aron, „aber ich kann als guter Schotte nicht zu geben, dah ein Hund heimatlos herumstreicht. Die Wette >teh^ Kanonier.

„Hier auch! Hier auch!" riefen ein halbes Dutzend andere ‘Wer Wehe dir aber, wenn das ein Scherz ist, dann graben dr dich bei lebendigem Leibe unter einem der -Lore ein!

„Scherz!" spottete der Trainer. „Ihr werdet za sehen.

Und die Hollywood-Spieler sahen, was sie nie zu träumen gevaat hatten': der weite Platz war mit Men,chen vollgepfropft. %pf an Kopf dicht gedrängt, Zehntausende. Es war unglaub- uo, unerhört und doch wahr! . .. -

Co überrascht waren die Spieler, bag |ie an der iluRcnlinic

Ein Fußball-Roman von Sidney Horler.

22. Fortsetzung.

„Red' keinen Blödsinn, Kanonier!" knurrte der Linksinnen, ^at schon jemand gehört, daß zu uns Zuschauer kommen? Ich Mt' mit dir um eine Zigarre, daß nicht mebr als dreißig drau- i*n sind! Au!" stöhnte der Stürmer vor Schmerz, als er seinen ‘^"'u? )rßy anziehen wollte. „Dreißig!" wiederholte er stöhnend und ncuetl^ ^chenL. „Dreißig, sag' ich!" ... ..

mir] Des Trainers ausgesprochen ccrtnincne Gepchtszuge mib »ckaB- Berten sich zu einem herzlichen Grinsen. . .

„Setzt euch. Jungens, damit ihr nicht umsallt. sagte er.

^^"â'L Lo nxir v Ei»q

unter ^^.„gelii^^ t vo uverrairyt waren oie ppiews,

m dik ^ Ah sta^' hrcit blieben vor Angst, der Zauber konnte plötzlich wieder ver- |W , (iftober r 'i^Dinbcn, wenn sie sich bewegten. -. ,

iw ^' „azO ivv^ Als der brausende Iubelnif ertönte, berjic von den <=te^ 5tes^ x A Wttkl oüüen und Tribünen empfing, sahen sich die Spieler ve^oundert ,_ lind d>^ ..-^jé- 1 ir Hollywood hatte nicht nur eine ungeheure Gefolgichast aus ^»nfltf^ i^ '^ Nichts herrorgeholt, sondern diese Ges^gichaff hatte ych ’^ °~ indcii ^V" -- - '"^ gleichzeitig ihren Kriegsruf, ihr Feldgeschrei witzgebracht. deN^'^. «s ^.-. . >,Mir scheint, wir sind'doch eine Fußballmanmchaff, riet ,.,ü Glab K^ Sinnet, der rechte Verteidiger, mit seltsam rauher Stimme.

bie ^Lfl^ -Vs Ben laß uns das Leder versuchen'.' ,

fjbet g^ltt Warriner sandte den Ball hoch in die Luft. Wie herum-

^nto^ v tuende Knaben schoßen die anderen Spieler dahinter her.

Sic werden das Werk fortsetzen und ausbauen, das im Vor­jahre begonnen wurde. Ihr Wirken wird über den Verein hinauswachjen, wird Arbeit und Dienst am Volke sein. Der Gedanke an den eigenen arbeitslosen Bundesbruder, an die Not in Millionen deutschen Familien wird allen Veranstaltungen, der Arbeit und den festlich bewegten Stunden bas Zeichen der Würde und der Hilfsbereitschaft aufdrücken

Wehrpflichtig sind alle Träger der Volksbildungsarbeit! — Die Weltanschauungs- und die Berufsgruppen werden ihre ge­selligen und fortbildenden Zusammenkünfte, ihre Freizeiten, Treffen und Kurse unter steter Bezugnahme auf die Erwerbs­losenhilfe einstellen. Eine besondere Aufgabe erwächst den Volkshochschulen und Volksbüchereien. Für alle Arbeiten aber, soweit sie nicht in die Hand von Erwerbslosen selbst gelegt wer­den, bedarf es der Hilfskräfte! Darum Freiwillige vor!

Niemand darf sich seiner Pflicht entziehen. Kraft und Liebe jedes einzelnen müssen vervielfacht werden! Die Front ist breit, die Kampfgruppen sind verschiedenartig genug, um jedem die Möglichkeit des Einsatzes zu geben. Diese Dienst- und Wehrpflicht gilt für Stadt und Land in gleichem Maße und in gleicher Dringlichkeit. Halte ein jeder sich bereit, wenn der Ruf seiner Gruppe an ihn ergeht. Die gemeinsame Nor soll uns gemeinsam im Kampfe finden. Ein Volk, ein Wille und jeder ein Kämpfer! Wenn wir durch den Winter hindurch sind, wird gefragt werden, was getan wurde. Scham dann über jeden, der sich in diesem entscheidenden Kampfe gedrückt hat!

Sevisen anmeiden!

Heute Fristablauf.

Bis zum 10. Oktober ds. Is. müssen alle ausländischen Zahlungsmittel, Forderungen in ausländischer Währung, nach dem 12. Juli 1931 erworbene ausländische und von inländischen Ausstellern ausgogebene, auf fremde Währung laufenden Wert­papiere, außer Kurs gesetzte Goldmünzen, ferner Feingold und legiertes Gold, der örtlich zuständigen Reichsbantanstalt oder einem Kreditinstitut, dem die Reichsbank die Befugnis zuim De- oisenhandel verliehen hat, von jedem angemeldet werden, dessen Bestand an derartigen Werten am 2. Oktober b. I. 200 RM. überstieg. Die Anbietungspflicht besteht auch dann, wenn der Arrzeigepflichtige seine Verpflichtungen aus bc/m 1. und 2. De­visenaufruf erfüllt hat, und zwar auch, wenn die Werte nach § 16 der Devisenoerordnung von der Reichsbank oder einer Devisenbank freigegeben worden sind. Ferner besteht die Ver­pflichtung, alle künftigen Deviseneingänge der genannten Art binnen drei Tagen anzuzcigen.

* Achtung! Einlösung alten Geldes. Die Reichsbank er­innert jetzt daran, daß die Frist zur Einlösung und Umwechslung der außer Kurs gesetzten Fünfzig-Renten- und Reichspfennig­stücke aus Aluminiumbronze mit dem 30. November endet.

* Ermäßigung der Steuervorauszahlungen. Ermäßigung und unter Umständen Erlaß der Vorauszahlungen auf die Einkom­men- und Körpevschaftssteuer muß durch das Finanzamt gewährt werden, wenn das Einkommen um mindestens ein Fünftel, aber wenigstens um 1000 RM. geringer ist als im gleichen Abschnitt des Vorjahres. Zum Nachweis ist möglichst eine Zwischenbilanz oorzulcgen. Falls dies nicht möglich ist, begnügt sich das Finanz­amt vielfach auch mit dem Nachweis eines erheblichen Umsatz­rückganges. Gegebenenfalls ist sofort Antrag bei dem Finanzamt einzureichen. Ergibt sich auf Grund der jetzt abgegebenen Ver­mögenssteuererklärung eine Verminderung des Vermögens, so empfehlen wir, sofort einen Antrag auf Stundung eines ent­sprechenden Teilbetrages der Vermögenssteuer-Borauszahlung zu stellen.

* Naturalleistungen in der öffentlichen Wohlfahrtspflege. In den Landgemeinden ist man jetzt in der öffentlichen Wohlfahrts­pflege zu Naturalleistungen übergegangen. Die Unterstützungs­empfänger erhalten etwa ein Drittel ihrer Bezüge in Kartoffeln, Kohlen und anderen Bedarfsgegenständen des täglichen Lebens.

* Verbilligte Glückwunsch-Telegramme. Wie wir erfahren, beabsichtigt die Post, ebenso wie in den letzten Jahren, auch während des diesjährigen Weihnachts- und Neujahrsfestes ver­billigte Glückwunschtelegramme einzuführen. Die Einrichtung wird nach Art und Umfang der vorjährigen gleichen.

* Schluß der Herbstferien. Die zweiwöchigen Herbstferien der öffentlichen Schulen schließen am heutigen Samstag. Der Unterricht beginnt am nächsten Montag, vormittags 8 Uhr.

Als drei Minuten später Hollywood der anerkannt begab­testen Mannschaft im Lande gegenüberstand, fühlte jeder Mann, von Artur Wallis, dem Tormann, bis zu Walter Bell, dem Linksaußen, eine neue Begeisterung. Der unerwartete Anblick der Riesenmassen, die gekommen waren, um sie siegen zu sehen, feuerte ihren Kampfgeist an wie nichts zuvor. Sie gingen in den Kampf mit einer Begeisterung und einer Entschlossenheit sondergleichen.

Zwar sandten die Gäste zuerst ein (es war ein glücklich ge­ratener Eckball), aber von diesem Augenblick an spielte zum Erstaunen unb zur Begeisterung der Menge eigentlich nur eine Elf Fußball, und diese Elf waren nicht die Swifts!

Fußballmannschaften haben genau so wie einzelne Menschen ihre Augenblicke der Größe, ihre Momente, wo sie nicht fchl- gehen können. So war es auch bei Hollywood an diesem Tage. Während die einheimischen Außenläufer die flinken Swiftstürmer wie an Ketten festhielten, tanzte der eigene Sturm, geführt von Marr, wie Schuljungen, die Ferien haben, einher.

Weder Bell noch Tommy Dean konnten gehalten werden. Ihre Läufe elektrisierten die Menge. Als Abschluß eines Vor­stoßes von Dean, wobei dieser seinen Weg zickzack wie ein mensch­licher Korkzieher durch die Verteidigung der Swifts bohrte, kam der Ausgleich, der schon längst in der Lust lag. Ein wunder­barer Flantenball, den Marr mit dem Kopf aus der Luft holte und sicher gegen das Tor köpfte, wurde zwar die Beute des Swift-Tormannes Thomson, aber bedrängt von zu viel roten Feinden, konnte er nichts Desieres tun, als ihn roegfauften.

Ziemlich außerhalb des Gedränges stand der große Dill Len­nie und lauerte. Als der Ball aus dem kämpfenden Menschen­knäuel hcraustam, fiel er gerade vor Lennie zu Boden, der ^un­gehindert schoß Der Ball begann seine Reise an Lennies tfuß und endete im Netz.

Der große Bill war der Stoiker der Hollywood-Mannichast. Man hatte ihn noch nie begeistert im Siege aber verzweifelt bei einer Niederlage gesehen. Diesmal jedoch, als die dreißigtausend Zuschauer einen brausenden, begeisterten Sang anstimmten, ooll- nibrte Ocnnie bas erstemal in seiner Fußballkarr,ere einen Kriea-;tanz bis in die Feldmitte. Er oollfuhrte diesen begei­sterten Tanz mit drei Stürmern und zwei Läufern, die ihm am Halse hingen, was sowohl von seiner Körperkraft als auch von )einer guten Laune zeugte. Er zchien leinen Hexentchug vergessen zu haben, jedenfalls sprach er nicht davon.

* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberlzessischen Auto­mobil-Club E. D. (AvD.). Die Provinzialstraßc Büches — Büdingen wird ab 13. Oktober ds. Is. für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Orleshausen.

* Militärkonzert. Unter Leitung des Obermusikmeisters Kranße spielt am Sonntag, den 11. Oktober, das gesamte Musikkorps des hiesigen Bataillons in der Volkshalle.

* Vogelsberger Höhcn-Elub. Am morgigen Sonntag Wan­derung Rodheim Dicke Eiche— Naunheim—Niedergirmes—Wetz­lar. Abfahn vormittags 8 20 Uhr mit der Biebertalbahn.

Putativ-Notwehr.

Wer in der Notwehr einen Menschen verletzt, kann bafür bekanntlich nicht bestraft werden. Notwehr ist dabei diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzu wen­den. Aber auch die Ueberschreitung der Notwehr ist nicht straf­bar, wenn der Täter in Bestürzung, Furcht oder Schrecken über die Grenze der Verteidigung hinausgegangen ist. In solchen Fällen spricht man von sogenannter Putativ-Notwehr. Eine solche vermeintliche Notwehr ist keine Notwehr, sondern die irrige Vorstellung des Täters über das Vorhandensein einer Notwehrlage. Dabei ist im Einzelfalle stets zu prüfen, ob der irrige Glaube unverschuldet ist, und ob er — der irrige Glaube - infolgedessen Vorsatz und Fahrlässigkeit ausschließt, oder ob die durch Fahrlässigkeit verschuldete Unkenntnis der Tat­umstände für die Annahme einer fahrlässig begangenen straf­baren Handlung Raum läßt.

Die Jagd im Oktober in Hessen.

(Mitgeteilt vom Hess. Iagdklub, Darmstadt.)

Der Monat Oktober bringt dem Jäger Freuden mancherlei Art. Noch ist die Hirschbrunst im Gange und die Brunft des Damwildes steht nahe bevor. Die Jagd auf männliches Rehwild ist zwar noch auf, aber in den meisten Revieren wird der Iahres- abschuß erfüllt sein und das Weidwerk wird mehr dem Ausgleich der Geschlechter in den Rehbeständen gelten, sodaß jetzt die über­zähligen weiblichen Stücke am besten mit der Büchse auf Birsch und Ansitz zur Strecke kommen. Namentlich das Wegnehmen ge­ringer weiblicher Stücke, besonders geringer Kitze, muß jetzt be­werkstelligt werden, denn im Oktober ist es noch möglich, das Wild beim Austritt auf die Felber genau zu unterscheiden. Von großen Rehschlachten, wo wahllos alles Rehwild mit Schrot ab­geschossen wird, sollte sich ein gerechter Weidmann fern halten. Nicht verstanden darunter sind kleine Drückjagden mit wenigen, aber geübten Schützen, die sich dann auch, wenn die Oertlichkeit den Abschuß mit der Kugel nicht ermöglicht, der Schrofflinte auf kurze Entfernungen bedienen können. Dies ist der Standpunkt der hessischen Staatsforstverwaltung. Die Hühnerjagd wird na­mentlich anfangs Oktober bei schönem Wetter dort wo wirklich Hühn«r sind, noch gute Resultate liefern, und die Oktober- Hühner sind ja ganz besonders geschätzt wegen ihrer Größe.

Nachdem die Regenperiode zu Ende ist und überall bie Was­ser zurückgegangen sind, kann nun auch erfolgreicher auf die Wildente gewcidwcrkt werden. Wo immer es angängig ist, sollte man die Erpel, die stets in großer Zahl vorhanden sind, vor allem wegnehmen. Das erhöht den Reiz der Jagd und gibt für die Nachzucht bessere Aussichten. Und was bei den Fasanen möglich ist, muß sich auch bei der Ente durchführen lassen.

Am 15. Oktober endigt die Schonzeit für Hasen und Fasanen. Erstere werden ja vorläufig noch Ruhe haben bis die Witterung kälter geworden ist, zumal man sich bei den Hühnerjagden über­zeugen konnte, daß noch viele geringe Löffelmänner vorhanden sind, die sich in zwei Monaten zur vollen Reife entwickeln wer­den. Bei Fasanen sollten vor allem die Hähne, die stets über­schüssig sind, abgeschossen werden, denn bei den schwankenden Erträgnissen, die die Hühnerjagd liefert, bildet der Fasan dem Jäger einen Ersatz von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Offen ist die Jagd im Oktober weiter für den Dachs, dis Schnepfe, die Bekasiinen und alles übrige Wild, das in Hessen und dessen nächster Umgebung nicht setzt oder nistet. Der Jä­ger wird weiter sein Augenmerk der Erneuerung der Salzlecken und der Herrichtung der Futterstellen für den Winter schenken. Ganz besondere Sorgfalt aber muß jetzt allen ungebetenen Gästen des Reviers gewidmet werden. Die Notwendigkeit des Iagdschutzbeamten wird sich ganz besonders in diesem Winter erweisen.

Es war überhaupt Lennies Wettspiel. Das einzige weitere Tor des Tages in der zweiten Spielhälfte hatte ebenfalls ihn zum Erzeuger. Er, Bell und Marr hatten eine Aktion über­nommen, die von Warriner durch einen langen Paßball zu sei­nem Mittelstürmer vorbereitet und von Marr sofort weiter­geleitel wurde.

Ein hitzköpfigerer oder egoistischerer Stürmer, als es Dick Marr war, hätte den Schuß vielleicht selbst gewagt, er aber schob das Leder zu Lennie hinüber, der noch besser placiert war, und der gigantische Linksinnen schoß, ohne eine Sekunde zu zögern, das entscheidende Tor mit einer Gewalt, die dem Tor­mann alle Finger gekostet hätte, wenn er imstande gewesen wäre, das blitzschnell an ihm voroeisausende Leder auch nur zu parieren.

Verzweifelt strengten die Gäste sich an, um den Ausgleich zu erzielen, aber die weltberühmten Stürmer hatten bereits den Mut verloren. Wrenlock deckte den blutjungen Simmins, den neunzehnjährigen, unter dem Namen „der Knabeninternationale" bekannten Swiftsstürmer, vollständig ab, während am anderen Flügel Nixon mit zäher schottischer Beharrlichkeit Milden, den Wundermann, den Flügelstürmer, der mit dem Fußball jong­lieren konnte wie ein Kartenkünstler mit Spielkarten, in Schach hielt.

So endete das Spiel für die Swifts mit einer größeren Niederlage, als es das Resultat zum Ausdruck brachte. So dachten wenigstens die Masten, denn als der Schlußpiff des Schiedsrichters ertönte, überfluteten sie unter jubelndem Beifall das Feld.

Unzählige klopften die Spieler auf den Rücken, fremde Leute nannten sie mit Kosenamen, von denen sie nichts gewußt hatten — da kam es den Hollywood-Spielern plötzlich zum Be­wußtsein. daß ihnen aus dem großen Nichts eine Anhängerschaft erstanden war, die sie nun ehrte.

In der Klublanzlei saß ein junger Mann mit dicker Horn­brille und schrieb mit zitternden Fingern einige Ziffern nieder.

„Einnahmen 3 680,10,6 Pfund," wiederholte er, während er schrieb. „Nun, Sam, was denken Sie davon?"

Aber Sam Hollister schien in diesem Augenblick gar nichts zu denken. Er saß in seinem Stuhl zurückgelehnt; seine Pfeife zog diesmal ganz gut, und auf seinem sonst so grimmigen Gesicht lag ein glückstrahlendes Lächeln. Er sah aus, als wenn er in seinem ganzen Leben niemals Magenschmerzen gehabt hätte.

Foftsetzung folgt.