Einzelbild herunterladen
 
  

Samstag, den 10. Januar 1931.

Gießener Zeitung"

Nr. 3.

satzung zurückgeführt werden kann. Aber auch der Hausbesitz und gerade dieser hat besonders Not gelitten. Die vom Reich versprochene Hilfe ist weder direkt noch indirekt erfolgt und wird wohl auch nicht mehr erfolgen können, da die Mittel feh­len Aber die Mittel fehlen auch Staat und Stadt. Daher haben sowohl der Staat als auch die Stadt Steuererhöhungen vor dem Stichtag der Notverordnung (31. 12. 30) beschlossen, wodurch die Not nur noch größer wird. Man zieht den Grund- und Hausbesitz zu immer höheren Lasten heran, ohne sich der Tragweite bewußt zu sein, welch ungeheure weitere Not den Hausbesitz trifft.

Hierzu kommt dann, daß die Mittel, die durch die Sonder­gebäudesteuer aufgebracht werden, zum größten Teil verbraucht werden, statt zu Neubauten Verwendung zu finden. Dr. W.

Reichsbahn und Preisabbau.

Die abgelehnte 5-Pfg.-Nechnung im Personenverkehr

Ein Pfund Jucker kostet 28 und nicht 30 Pfg., em Pfund Salz 6 und nicht 10 Pfg. Für eine Fahrkarte 3. Klasse Perso­nenzug über 6 Kilometer läßt sich die Deutsche Reichsbahn je­doch 30 Pfg. und nicht den eigentlichen Preis von 22 Pfg. (6 X 3,7 = 22,2) bezahlen, d. h. sie rundet die Fahrpreise bis zu 10. RM. auf 10 Pfg., höhere Fahrpreise -auf 20 Pfg. und sogar 1. RM. auf. Dabei hat sie aber schon vorher die Kilo­meterentfernungabgerundet". 5,4 Kilometer wirkliche Ent­fernung ergeben nach ihrer Rechnung 6 Tarif-Kilometer. Was würde man wohl zu einem Kaufmann« sagen, der z. B. den Preis für 5,25 Meter Seidenband, die er für 7 Pfg. pro Meter anbietet, wie folgt berechnen wollte: 5,25 Meter werden abge­rundet auf 6 Meter, 6X7 Pfg. 0,42 RM., abgerundet = 0,50 RM. an Stelle von 0,37 RM.

Die Achtung vor dem Pfennig und die Rückkehr zur Pfen­nigrechnung wird immer wieder als eines der Mittel zur Ge­sundung unserer Wirtschaft empfohlen. Nun wird man aller­dings bei der Fahrpreisberechnung nicht mit Einzelpfennigen arbeiten können. Warum müssen aber die Preise gleich auf 10 Pfg. ausgerundet werden? Würde es nicht vollauf genügen, sie von 5 zu 5 Pfg. zu staffeln? Die Deutsche Reichsbahngesell­schaft bestreitet das. In einer dem Verband reisender Kauf­leute Deutschlands auf einen entsprechenden Antrag erteilten Antwort heißt es, daß die Abrundung der Personenfahrpreise auf 5 Pfg. bei Beträgen bis zu 1. RM. zwar erwogen worden sei, daß man jedoch von einer Aenderung des bestehenden Zu­standes absehen müsse, da hierdurch beträchtliche Einnahmeaus­fälle entstehen würden, die mangels einer entsprechenden Ein- nahmcoermehrung nur durch eine allgemeine Tariferhöhung wettgemacht werden könnten.

Also ultima ratio: Tariferhöhung! Damit schlägt man in reichlich bequemer Weise so ziemlich alle Anregungen und An­träge tot. Und dann spricht die Deutsche Reichsbahn-Gesell- Ichaft von Preisabbau wenn es sie um die Vergebung ihrer Aufträge an die deutsche Industrie handelt. Mit dieser Auf- rechnung nach oben bekommt die Reichsbahn große Summen Geld, ohne etwas dafür geleistet zu haben. Ein Rechenkünstler findet hier eine schöne Aufgabe vor.

Brachliesende Goldvorrâte.

Um das Gold hat im vergangenen Jahre ein lebhafter internationaler Meinungsaustausch stattgefunden. Wissenschaft­ler, Politiker, Wirtschaftsführer haben, bei uns und im Aus­lande, in die Debatte eingegriffen ; auch der Völkerbund beschäf­tigt sich mit diesem Thema. Einzelne Forscher glauben sogar, in derGolidoerknappung", dem Mißverhältnis zwischen Gold­produktion und Goldbedarf für Währungszwccke, die eigentliche Wurzel der allgemeinen Wirtschaftsnot erkannt zu haben. Im Anschluß daran ist jedoch neuerdings noch eine andere Frage in den Brennpunkt der Diskussion gerückt worden: die der Gold­verteilung. Es handelt sich dabei um die überaus krassen Unter­schiede in der Goldversorgung der einzelnen Staaten. Jahrelang haben vor allem zwei Länder gleich mächtigen Magneten die

Glatte Rechnung.

Humoreske von Karl-Heinz Görner, München.

Sie waren schon zwei Jahre vier Monate verheiratet. Glück­lich verheiratet sogar! Zwar hatte sie wenig Weibliches an sich. Sie besaß gleich ihm eine tiefe, sonore Stimme, hatte männliche Geschmacksrichtungen, eine derbe Figur, einen eben­solchen Gang und war mit ihrem strohgelben Bubikopf von hinten kaum von einem Manne zu unterscheiden. Trotz dieser wenig weiblichen Erscheinung und ebenso männlichen Wesens­art verstand sich Kurt mit seiner Erna prächtig, wenn sie auch beide den Eindruck erweckten, mehr als Kameraden, denn als Eheleute, verbunden zu sein.

Kurt war mit dem Kosfer zur Bahn; er wollte auf fünf Tage mit dem Nachmittagszuge geschäftlich verreisen. Als er gegangen war, meinte Erna zum Mädchen:Sie waschen ge­rade; ich werde die Semmeln vom Bäcker selbst holen. Ich bin gleich wieder zurück im Falle ich telephonisch angerufen wer­den sollte."

Als Erna etwas erhitzt wieder zurückkehrtc, war ihre erste Frage:Hat jemand angerufen?"

Nein, gnädige Frau."

Erleichtert nach diesem Bescheid begab sich Erna in die Küche und setzte das Kaffccwasser auf.

Mitten in dieser Beschäftigung polterte cs draußen.Zum Teufel, nun habe ich wieder den Zug verpaßt! Das ist gerade, als müßte heute alles quer gehen!"

Acrgerlich trat Kurt herein, warf den Hut auf den Tisch, stellte den Koffer hin und warf sich pustend in einen Sessel. Er nahm dabei sein Taschentuch aus der Tasche und trocknete sich die Stirn, ohne zu bemerken, daß ihm dabei ein zusammen- pefaltctes Papier herausfiel.

Die neugierige Erna hob es vom Teppich auf, faltete es rasch auseinander und las zu ihrem Entsetzen:Tu, das war ein feiner Kuß gestern! Also übermorgen, Bubi?"

Wortlos, aber innerlich aufs höchste erregt, reichte sie ihm das Papierstück.

Eoldströme der Welt <m sich gezogen unb riesige Goldbestände angehäuft: die Vereinigten Staaten und Frankreich.

Die Vereinigten Staaten stehen unbestritten an erster Stelle. Einst, vor dem Kriege, mit knapp 8 Milliarden Reichsmark Gold für Währungszwecke (sogenannte monetäre Goldbestände) ausgestattet, hatten sie bald nach Beendigung der Feindseligkeiten weit über das Doppelte dieses Betrages aufzu­weisen. Im September 1930 verfügten sie über rund 19 Mil­liarden, also über nicht viel weniger als ganz Europa mit etwa 22 Milliarden. Und Frankreich? Seine großen Gold­anhäufungen sind jüngeren Datums als die der Vereinigten Staaten. Bis zum Ende des Jahres 1928 hatte es den Vor­kriegsstand noch nicht wieder erreicht. Dann aber überschritt es ihn in beschleunigtem Tempo und verfügte bereits Ende 1929 über rund 6,9 Milliarden Reichsmark monetäre Goldbestände. Dieser Prozeß hat sich im Jahre 1930 fortgesetzt. Soweit sich das heute bereits übersehen läßt, konnte Frankreich im vergan­genen Jahre weitere 1,9 Milliarden an sich ziehen.

Was geschieht nun mit diesen Goldmengen? Zur Deckung des Zahlungsmittelumlaufs und als Deckungsreserven sind sie nicht notwendig. Sie stellen vielmehr Goldvorräte dar, die in den Kellern der Banken völlig brachliegen und ihrem eigent­lichen Zweck, Handel und Wandel zu befruchten, vorerst ent­zogen sind Man hat diesen Vorgang treffend mit dem Kenn­wort derSterilisierung des Goldes" bezeichnet und ihn als eine der wesentlichen Ursachen für die gegenwärtige langwierige Weltwirtschaftskrise genannt. Der Kern des Problems ist da­mit jedoch noch nicht erfaßt. Denn diese Goldanhäufungen haben ihrerseits wiederum als Folge internationaler Kapitalbewegun- gen zu gelten, und zwar darin liegt das Entscheidende - solcher Kapitalbewegungen, die nicht wirtschaftlicher Natur sind, sondern von politischen Gesichtspunkten beherrscht werden. Frankreich und die Vereinigten Staaten nämlich sind die beiden Hauptgläubiger der politischen Verschuldung, insbesondere, teils unmittelbar, teils mittelbar, die beiden wichtigsten Empfänger der deutschen Reparationszahlungen. In /den Tresors ihrer Banken ruht also in Form von Goldbarren der Ueberfluß an Kapital, ein Ueberfluß, der zum Teil, wie im Falle der deut­schen Reparationen, durch Leistungen kapitalarmer Länder ver­anlaßt wurde. Das System der politischen Schulden und Kriegs­tribute hat also wie dieSterilisierung" gewaltiger Gold- vorräte schlaglichtartig beleuchtet - den harmonischen Ausgleich in der weltwirtschaftlichen Kapitalversorgung nachhaltig gestört.

Mische Politik.

Der Finanzausschuß tritt am Dienstag der kommenden Woche zu einer voraussichtlich dreitägigen Beratung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen zunächst zahlreiche Anträge zum Problem der Arbeitslosigkeit, der finanziellen Notlage der Städte und Gemeinden infolge der steigenden Wohlfahrtsunter- stützungen, und zur Abstellung der Doppelverdiener. Auch der Antrag der Koalitionsparteien zur Wiedergewährung des Kin­dergeldes für Kinder vom 16. bis 21. Lebensjahr steht zur Be­ratung. Punkt 13 ist der sozialdemokratische Antrag auf Vor­lage eines neuen Besoldungsgesetzes. Die übrigen 30 Punkte befassen sich mit Filialsteuer, Riedgesetz und zahlreichen Ein­gaben aus allen Ressorts.

Um das Pädagogische Institut in Hessen.

In dem Meinungsstreit um die Zusammenlegung der Pä­dagogischen Institute Mainz und Darmstadt ist eine Verlaut­barung des Mainzer Lehrervereins sehr interessant, der die Forderung aufstellt, die Ausbildung des Lehrnachwuchses nach Gießen zu verlegen. Dort wirke eine international anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Pädagogik, Prof. Dr. Messer. Der Mainzer Lehrerverein wolle es sich nicht ge­fallen lassen, daß man in der Lehrerausbildung zum alten Seminarsystem zuruckkehre, Gerade aus diesem Grunde müsse er sich gegen eine Zusammenlegung der Institute in Mainz wenden. Es gebe in den Lehrerkreisen wohl kaum jemand, der glaube, daß Männer von wissenschaftlichem Ruf nach Mainz an das Pädagogische Institut gehen. Weil der Mainzer Leh-

Er warf einen kurzen, scharfen Blick darauf, und aus seinen vcrgcisterten Augen schrie es: O Schrecken über Schrecken?

Nun?" stand sie vor ihm sachlich, ruhig, anscheinend kühl, aber mit der Miene eines Inquisitors.

Nun?" sagte er mit erheuchelter Gleichgültigkeit.

Was ist das!?"

Natürlich ein Scherz."

Wie? Ein Scherz?" Aetzend scharf kam es von ihren Lippen.

Natürlich! Oder denkst du vielleicht, ich würde sonst solche Zettel in der Tasche umherschlcppen?"

Sie lachte hohnvoll auf.Da war das wohl auch ein Scherz, als ich vergangene Woche eine Ansichtskarte aus Prag mit 1000 süßen Busserln" fand?"

Er erbleichte. O Gott---

Na? Findest du nicht wieder eine Ausrede he?!"

Kurt fühlte, daß er sich nur noch retten konnte, wenn er auf gut Glück den Entrüsteten spielte.

Ach so," sagte er,du visitierst meine Taschen? Sehr sehr schön von dir?!"

Quatsch. Die Karte fiel beim Ausklopfen heraus. Natür­lich habe ich sie aufgehoben und gelesen. Mein Freund, du bist erkannt! Erkannt bist du! Du hast Poussaden? Du machst eheliche Seilensprünge!! Rede dich bloß nicht heraus, mein Lieber!"

Jetzt schwoll ihm in seiner Verzweiflung der Kamm

Zum Donnerwetter!!" schrie er.Bin ich denn wie ein Tier in den Käfig gesteckt worden? Ein für allemal will ich mir solche Verhöre wegen dergleichen Lappalien verbitten! Sei froh, daß ich dich geheiratet habe und anständig für dich sorge. Aber es fällt mir gar nicht ein, mich wie einen Papagei im Käfig behandeln zu lassen!"

Den Schnabel hast du dazu."

Diese Sprechweise möchte ich mir ganz energisch verbitten!"

Und ich verbitte mir ganz energisch, daß du zu anderen Frauen gehst, wo du mich hast!"

reroerein die Folgen einer AbseitsbildUng aus Erfahrung kenne, wehre er sich gegen eine Verewigung eines solchen Zustandes. Parteipolitische oder klerikale Einflüsse auf die Gestaltung bet Lehrerbildung lehnt der Mainzer Lehrerverein ab, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Alle Ansprüche in wis­senschaftlicher, pädagogischer, praktischer und technischer Hin­sicht an die Lehrerausbildung könnten am Orte einer Hoch­schule wie Gießen am besten erfüllt werden.

Der Prälat der Sesstslhen Landeskirche D. Dr. Diehl 60 Sahre alt.

Heute, dem 10. Januar, begeht der Prälat der Hess. Errang. Landeskirche seinen 60. Gebuttstag. Prälat Diehl ist in Groß- Gerau als Sohn eines Landwirtes geboren. 1895 wurde er Pfarrassistent in Darmstadt, 1899 Pfarrverwalter in Hirschhorn, 1907 Stadt Pfarrer in Darmstadt, 1913 Professor am Prediger- seminar in Friedberg und 1923 Prälat der Landeskirche Er ge­hörte ferner längere Zeit dem hessischen Landtag als Abge­ordneter an. D. Dr. Diehl ist ein vorzüglicher Kenner hessischer Kirchengeschichte. Der hessischen Kirche wurde in schwerer Zeit ein Mann als Leiter geschenkt, der aus voller Kenntnis des hessischen Dolkscharakters mit Weitblick ueC Umsicht sie über manche Schwierigkeiten zu führen verstand.

WohFahrtsbricfmarten.

Seit einigen Jahren werden von der Reichs post alljährlich Wohlfahrtsbriefmarken ausgegebon, die einen kleinen Aufschlag zu den gewöhnlichen Portofätzcn enthalten. Dieser Aufschlag kommt restlos der Wohlfahttsarbeit an Bedürftigen aller Art zugute. Die Verbreitung der bekannten Wohtfahttsbricfmarken hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Der Absatz des Jahres 1929 gegenüber dem Vorjahr ist erheblich gestiegen; wenn auch das finanzielle Ergebnis infolge der herabgesetzten Wohlfahrts­zuschläge zurückging. Immerhin wurden noch 642 19* Mk. er­zielt. Bedauerlich ist die Tatsache, bäß von der im vorigen Jahre gedruckten Gesamtauflage von 42 800 000 Stück nur ein knappes Drittel abgesetzt werden konnte: Mit anderen Worten, jwei Drittel der gedruckten Marken fanden teil« Käufer. Das bedeutete natürlich, 'tag die entstandenen Mehrkosten von dem Reinertrag abgezogen werden mußten. Beachtlich ist die Tat­sache, daß von allen Wohlfahrtsbriefmarken nur der siebte Teil drrrch die Postanstalten vertrieben wurde; dagegen der Rest durch die der Nothilfe angeschlossenen Verbände.

Es ist wünschenswerr, daß von den Wohlfahrtsbriefmarken auch in diefem Jahr noch mehr Gebrauch gemacht, wird. Na­mentlich zu Glückwunschschreiben und dergleichen sollte man grundsätzlich nur Wohlfahrtsbriesmarken verwenden.

JKBBD SH

Albin Klein Giessen

ÖÖ

3

GTQ v>

I o

Vom einfachen Handzettel bis zu den umfangreichsten Katalogen werden alle Drucksachen in Qualitäts­ausführung schnellstens und preiswert geliefert.

N 2.

n r o n (o

Fernruf N r. 2 5 25 und 2526

Das ist auch was," lachte ec.'n u »schuldiger- Spaß in fröhlicher Stunde Weiter nichts . "

Kennen wir diese Späße!"

Nun erlaube mal, ißt du vielleicht gern Tag für Tag dein Lieblingsgericht, meinetwegen Gänsebraten mit Rotkohl und Klüsen?" meinte er ruhiger.Sehnst du dich nicht mal nach einem Goulasch, damit dir dann der Gänsebraten wieder um so besser mundet?"

Wie? Was?" schrie sie. aufs äusserste erregt, das sagst du mir? Also sozusagen ein Gänsebraten bin ich"

Ach was, das wollte ich damit ja gar ntd>t sagen "

Pfui, du Mann, pfui, pfui, pfui!" Oh, daß ich dich hei­ratete? Es ist entsetzlich!!"

Mit diesen Worten schrie sie zum ersten Male in ihrer Ehe auf wie ein kleines Kind und lief in ihr Zstmmer, wo sie sich weinend auf den Divan w«rf.

Vollständig zerknirscht blieb er zurück

Da klingelte das Telephon. Er ging hin und nahm den Hörer in die Hand.Bitte?"

Nun, Erna, ist dein Gatte fort?"

In Kurt zuckte etwas diabolisch; ein Gedankenblitz fuhr durch seinen Kopf.Ja," schauspielerte er niederträchtig, wobei er seine Sprache kaum zu verstellen brauchte.Mein Mann sitzt längst auf der Bahn und komm: vor fünf Tagen nicht zurück."

Na, gut, da komme ich also auf ein Stündchen, Erna. Du wirst doch deinen Vor-Ehe-Freund nicht ungnädig aufnehmen?"

Gott b-wahre?" heulte Kurt ins Telephon und machte dabei einen Sprung vor Freude.

Das Mädchen hat also heute ab sieben Ausgang, wie du mich gestern wissen ließest?"

Jawoll?"

Nun, da spitze nur wieder mal dein hübsches, rotes Euscherl, Erna, ich komme in der achten Stunde."

Bon," sagte Kurt nur noch und hing den Hörer hin.

Er rieb sich die Hände, tat einen schlauen Pfiff und begab sich schnurstracks in das Zimmer seiner Frau. Die saß schon in sichtbarer Erregung am Fenster und zerbiß sich fast die Lippen.