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Samstag, den 5. Dezember 1931.

..Gießener Zeitung"

Nr. 96.

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W, die der „Landes- re für Handel, Hand fer Tage in hessische unter der Ueberschrist rvffentlickten, ohne heb ucren, so wird er Härt, im „.Hess. Handwerks- ten Zenttalorganisaüeii er mit seinen wenigen en des hessischen Hanl>- m Artikel ausgestellten Ser Handwerkskammer Geschäftsführung der inwieweit gegen diesen Verfasser gerichtlich iw im die Anscl'llldigungtll Nohl, und gegen den Anstelle Mainz, Herrn

Sokaleè.

Borweihnachten 1931.

Wohl in keinem Jahre zuvor hat man dem kommenden Minter mit so schwerer Sorge cntgcgengesehen wie in diesem s ^ahrc. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit spukt heute in jedem 1 öause und belastet die Seelen der Menschen, bog sie kaum froh I Berben können, wenn die Weihnachtskerzen auflcuchtcn. Tie 1 liier noch beschäftigt sind, leiden unter dem „Mangel an Geld" I ebenfalls schwer. Dem Festbesoldeten ist das Gehalt stark gc- I ürzt worden. Der Freierwerbendc ob nun Landwirt, Kauf- 1 nenn, Handwerker meint, so könne es nicht weitergehen. I liier die Zeit schiebt sich weiter und weiter vor, und aus Herbst I vird Winter .In solchen geharnisä)len Zeiten wächst die Sehnsucht nach besseren Lebensverhältnissen ins Ungeheuere, ; inö man findet die Zeit der Nöte und Unsicherheiten nachgerade Erträglich! —

Kommt Weihnachten, so empfindet jedes Stiefkind des Glückes wohl die glühendsten Wünsche, ohne jedoch zu willen, Die sie ihm verwirklicht werden könnten. Könnten die Scyau- ensterscheibcn, hinter denen jo viele schöne Dinge liegen, von kn Helgen Blicken der Menschen erzählen, uns würde cs selbst beifo, und der, dessen Mittel es erlauben — so er noch ein Herz ^at wurde eilen, „wohlzutun und mitzuteilen". d. h. das Christentum in die frisch« Tat zu übersetzen.

Helft das Elend lindern! Dies sei Heuer unsere vornehmste Mihnachtsaufgabe. Schützt arme, alte Leute, gequälte Kranke, und schützt and) unsere Kinder!

In den Kinderstuben geht es bereits heimlich zu, und man berät, wie man mit wenigen Pfennigen eine kleine Freude be- teiten könnte. Schon weht uns Harzarom um die Nase, und aus ; )ämmrigem Gewinkel erklingen Weihnachtslieder. Es gibt 'wohl kaum ein Haus, eine Familie, wo nicht einmal eines der alten, schönen A)eihnachtslieder ertönte! Selbst in der klein- iten, ärmlichsten Hütte, in der die Sorge kaum ein Weihnachts­däumchen, kaum eine kleine Gabe gestatten will — unversehens singt doch ein unschuldiger Kindermund: Jj du fröhliche, o du selige!" Wo der Kampf ums Dasein tobt, harte Arbeit ben Menschen keine Ruhe gönnt, einmal tun sich die verbittcr- Iten Herzen doch auf und den sonst fest geschlossenen Lippen ent- rliömt cs: „Stille Nacht, heilige Nacht." Der „Uebermensch", kr sich vielleicht das ganze Jahr nicht um seine christliche Reli­gion kümmert, wird seltsam ergriffen von der tiefen Innigkeit cines Gesanges, in welchen er unwillkürlich einstimmt: „Es ist tin Ros' entsprungen". Wessen Seele Kummer drückt, dem schallt ein Lied tröstender Hoffnung ins Ohr: „Dom Himmel hoch, da komm' ich her, ich bring' euch gute neue Mär'. Fröhliche Stim­men aber singen allerorten: „Morgen. Kinder, wiro's was geben, morgen werden wir uns freun'n!" und „Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all, zur Krippe her kommet in Beth­lehems Stall."

Ja. kommet alle, ihr Menschenkinder, groß und klein! Nie­mand soll meinen, zu schlecht oder zu arm ober zu traurig zu jein, um Weihnnchtssreude empfinden zu können. Wie auch das frost sich für den einzelnen gestalten möge: die höchste, beste Kabc, die Sendung des Erlösers, gilt allen in gleichem Maß«!

* Die Nöte dieser Zeit werden sich zum Feste besonders aus- roirten, und in vielen Familien, in denen Arbeitslosigkeit, Ge­brechlichkeit oder gar Krankheit herrschen, wird von rechter, reiner Weihnachtsfrellde nicht allzu viel zu spüren sein. Diejeni­gen, die noch etwas mehr haben, als sie brauchen oder doch be­deutend besser leben als artbere, sollten gerade zum Feste der Liebe durch kleine Überraschungen etwas Licht und Freude in in die Stübchen alter Leute, in Krankenzimmer und dumpfe Ääume der Allcrärmsten tragen. Auch Spitäler und Wohltätig-

ungebeiträge.

ssanstalt hat für 1932 .hurt a. M. unb Wier-

on sich sagen wird," br mir aber nicht zu W

jhl diese Fomalitäl,' ic im Salon des Haus«, )T das 2ekn darin unn ?au mit harten Gesicht.

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leitsvereine nehmen Gaben aller Art gern entgegen. Trage also jeder, der kann, ein Weniges dazu bei, die Nöte der Zeit und der Menschen zu mildern!

* Aus dem Stadttheater. Am Samstag, den 2. Januar

. 1932, findet eine Vorstellung für Erwerbslose statt.

* Eisenbahn-Bezirks-Netzkarten. Der Verwaltungsrat der : deutschen Reichsbahn hat in seiner Sitzung wom 24. November

Napoleons Einzug in Berlin vor 125 Jahren

Das stolze Preuhenheer, das seit Friedrichs des Großen lagen Sieg und Ruhm an seine Fahnen geheftet hatte, war ge- schlagen! Jener Rückzug begann, von dem Eneisenau später gesagt hat:

„Das waren Greuel, tausendmal lieber sterben, als das noch einmal erleben."

21 de Bande der Ordnung lösten sich. Die Mutlosigkeit, die Ver- Dinung kannte leine Grenzen In wilder Flucht wälzten sich die nirr zusammenflutenden Reste her bei Jena und Auerstädt ge- chlagenen Heere durch die herbstlichen Gefilde Sachsens, zu Tode kischöpft, frierend hungernd, an dem Unentbehrlichsten Not ePend. Verzweiflung und Stumpfsinn hatte die Führer gepackt; bie Mannschaften waren in hoffnungsloser Selbstsucht nur auf ie Rettung des eigenen Lebens bedacht. Jeder Gedanke an Widerstand war aufgegeben. Es war ein entsetzliches Schauspiel bot Verwirrung, der Mutlosigkeit, der Kopflosigkeit, in dem stch vorbildlich der Zusammenbruch der stolzen Monarchie Friedrichs 'cs Großen zeigte Ein einziger Tag hatte über das Schicksal Preußens entschieden Schwachmut und Kopflosigkeit herrschten Nick) in der Hauptstadt Mit entsetzten Gesichtern standen die Bürger in Gruppen beisammen und raunten mit halblauter Stimme einander das furchtbare Ereignis zu. Am Morgen des 17. Oktober erschien an den Mauern und Straßenecken eine amt- W Bekanntmachung des General-Gouverneurs von Berlin, $ rasen von der Schulenbura-Kähnert: _ . „ , „Ter König hat eine Bataille verloren. ^etzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf.“

Kläglicher und jämmerlicher konnte das Volk wohl nicht von I ’inem Ereignis in Kenntnis gesetzt werden, das es in feinem (lichten Innern erschütterte. Anstatt die gesunkenen Hosznungen ^»n neuem zu beleben, den Ausblick auf bessere Zeiten zu er- ârfnen, das Volk zur Aufraffung seiner letzten Kräfte anzufeuern, rird ihm, es fehlt nur noch bie Androhung von Strafe,^.,Ruhe zur ersten Bürgerpflicht" gemacht. In ihrer ieelenloien Sprache md torporalmäßigen Barschheit zeichnet diese Bekanntmachung reffend das Bild des damaligen höheren Beamtentums

Nach Erlaß dieses kläglichen Schriftstückes hatte siH. der Dürdige Herr empfoylen, ohne sich im geringlten um die ^iche- •ung des Staats-Eigentums und des Kriegsmaterials zu ku>n- nern. Noch jammervoller benahm sich lein >-chw,egerlohn und 'aichsolger der Graf Hatzfeld, der jeden Ausbruch patriotischen Gefühls mit strenger Strafe belegte, alle^ Zujammenlausen, -Äreien, auf den Straßen alles öffentliche,,-r-erlnehmen an den 'erschiedentlich einlaufenden Kriegsber'chten verbot Er erklärte 11 so jedes teilnehmende Gefühl an den Geschicken des Vater- ar-bes, anstatt es zu fördern in Acht und. Baun ..Unsere Aussichten", hieß es in diesem jämmerlichen -chr.ststuâ weiter, dürfen sich nicht über dasjenige entfernen, was ln unseren Bauern vorqehl Dies ist "nie- einziges höheres Steren., mit ^ield/cm wir uns beschäftigen munen Aber noch ern g â ^eres Bravourstück sollte den guten Deplinern zeigen > pinb ihr neuer Gouverneur war ^'"Zigtausend Gewehre und ■ ürfzig Geschütze lagen im Berliner Zeughaus noch m Bereit thust Sie sollten nach Ostpreußen geschant werden aber »erbot aus elender Franzosen-^urcht ihre ^ortichan g.

II Feinde hätten dies „übel vermerken" können. Zuletzt, kam man I roch aus den Gedanken, die Gewehre »orizusâtziffen. sie wurden

V Js den ihm vorliegenden Plan einer Einführung von Netz» und Bezirkszeitkarten genehmigt. Die Einführung der Karten wird zum 1. Januar 1932 erfolgen.

* Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat No­vember 1931 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstärrde kann an der Anschlagitafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf- ^hilipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden auf^KfoTttfert, ih,rte etwaigen Rechte .innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

* Nicht genehmigt. In der letzten stattgefundenen Ver­sammlung der Zwangsinnung der Sattler und Tapezierer war deren Auflösung beantragt. Es stimmten 64 dafür. Satzungs- gemäß sind 74 Stimmen erforderlich. Der anwesende Vertreter des Kreisamtes erklärte infolgedessen den Antrag für ab- gelchnt. *

* Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine. Verbunden mit Filmvorführungen über die Einweihung des deutschen Kriiogerfriedhofs Rotzp-St. Gilles (Nordfrankreich, Sommegebiet) und Darstellung der Haupt-Kampfplätze um Verdun werden am Montag, den 7. Dezember, im Astoria-Licht- spielhaus (Seltersweg) Gefallenengedenkfeiern gehalten. Der Reinertrag der Veranstaltungen wird der Winternothilfe 1931=32 Gießen zugeführt.

* Vogelsberger Höhen-Club (BHCs). Letztvergangenen Sonntag führte der DHC. seine letzte diesjährige Wanderung aus. Das Ziel war vom Bahnhof Wetzlar aus die Honigmühle im Siebenmühlental.

* Frauengruppe des Vereins für das Deutschtum im Aus­land (VDA.). Im Katholischen Vereinshaus wird am Sonn­tag, den 6. Teymber, nachmittags 5 Uhr, ein Krippenspiel auf­geführt.

♦ Das Gasthaus „zur Liebigshöhe" wird morgen, Sonn­tag, den 6. Dezember, wieder eröffnet. Der neue Pächter ist Gastwirt Heinrich Dechert.

* Hessen in Berlin. Der „Verein der Hessen in Berlin", von dessen Gründung wir unferew Lesern s. Zt. Mitteilung mach­ten, feierte am 21. November im Berliner Lehrervereinshaus sein 5. Stiftungsfest. Vor 5 Jahren ließ der Dereinsvorstand u. a. auch durch unser Blatt mitteilen, daß er sich zum Ziele gesetzt habe, für die zahlreichen in Berlin ansässigen Hessen ein verbin­dendes Glied zu schaffen, um den Heimatgedanken in diesem Kreise wachzuhalten und zu pflegen. — Mit Stolz konnte der Vorsitzende, Ministerialrat Prof. Dr. Maurer, feststellen, daß es dem Verein in Verfolg dieses Zieles gelungen ist, sich in der Zeit seines Bestehens die Anerkennung und Beachtung weiterer Kreise zu verschaffen. Das bewiesen die zur Verlesung gelangen­den zahlreichen Glückwunschschreiben und Telegramme von pro­minenten Persönlichkeiten und von befreundeten Berliner und auswärtigen Vereinen. Das reichhaltige Programm, bei dem auch der Gesangschor des Hessenoereins mit einigen Liedern ver­treten war, fand in allen seinen Teilen vollen Beifall und der anschließende Ball hielt die Teilnehmer bis weit in die Morgen­stunden zusammen. - Einem Wunsche des Vercinsvorstandes nachkoinmend, möchten wir unseren Lesern empfehlen, etwaige in Berlin ansässige Verwandte oder Freunde auf das Bestehen des Berliner Hessenvereins aufmerksam zu machen oder deren Adresse dem 1. Schriftführer, Ministerialamtmann Karl Krieg- baum in Berlin-Halensee, Joh.rnn-Georgstraße 12, per Postkarte mitzuteilen.

* Lcbensversicherungsaufwertuttg. Nähere Einzelheiten über Lebensoersicherungsaufwertung enthält ein Druckstück, das auf Wunsch gegen Einsendung des doppelten Briefportos kosten- anf Kähne geloben, welche durch die 17 Schleusen des Müllroser Kanals (d. h. schnellstens in 14 Tagen) die Oder erreichen sollten so. der Marwitz, Denkwürdigkeiten I S 185.)

Inzwischen war Napoleon unaufhaltsam wcitcrmarschiert; einen Friedensvorscklag König Friedrich Wilhelms III., den ihm der Flügeladjutant Graf Dönhoff ins Hauptquartier überbrachte, hatte er abgelehnt. Die von ihm errungenen Vorteile wären zu groß, „um sie nicht bis nach Dresden und nach Berlin zu ver­folgen" Am 21 Oktober zog Napoleon in Potsdam ein und nahm im Stadtschloß Quartier. Drei Tage später, am 27. Ok­tober 1806, nachmittags 3 Uhr, hielt Napoleon durch das Bran­denburger Tor unter dem Geläute der Glocken mit großem militärischem Gepränge seinen Einzug in Berlin Auf Anord­nung des Gouverneurs hatten sich die anwesenden Minister und die Spitzen der Behörden in Un"'orm und Amtstracht zum Emp­fange des Kaisers eingefunden Der Magistrat überreichte die Schlüssel der Stabt Umgeben uon seinen Marschällen Davoust, Bcrthier, Augercau, ritt Der Kaiser zwischen seinen Grenadieren und Jägern die Linden entlang. Unter dem Zudrange vieler Neugieriger bewegte sich der Zug nach dem Königlichen Schloise, wo der Kaiser in den nach dem Lustgarten zu gelegenen Zimmern Wohnung nahm. Das Perhalten der Berliner Bevölkerung machte im ganzen einen würdigen Eindruck, sie empfing den Kaiser mit finiterem Schweigen: der ab und zu gehörte Rus: „Vive sempereur“ (Es lebe der Kaiser) rührte von bezahlten Subjekten her Manche Faust ballte sich in stillem Ingrimm, und die an den Fenster erschienenen Frauen führten, wie ein Augen­zeuge erzählt, öfters ihre Taschentücher an die Augen, um die Her'vorquellenden Tränen abzuwischen. Der Kommandant hatte in trauriger Dienstbeflissenheit eine Beleuchtung der Fenster für den Abend angeorbnet. aber sie fiel sehr dürftig aus Im alten Königsschlosie empfing der Kaiser die staatlichen und städtischen Behörden, sprach ergrimmte Worte über die^„kriegshetzenden Frauenzimmer", empfahl den Männern, „ihre Familie beger in Schranken zu halten , bedauerte „das gute Volk von Berlin, das nun ein Opfer des Krieges geworden sei, während die Anstifter desselben in Sicherheit seien", und drohte funkelnden Auges:

„Ich will diesen übermütigen Hofad-l ko klein machen, daß er sein Brot wird erbetteln müßen."

Friedrich von der MarwiN erzählt in seinen Denkwürdigkeiten über die weitere Entwickelung der Verhältniße in. Berlin: Napoleon erwog, daß eine so große und bevölkerte Stadt wie Berlin ihm eine große Garnison kosten trnirbe. Da er nun seine Soldaten gegen die heianziehcnden Rutzen besser gebrauchen konnte, jo ließ er eine National-Earde organisieren, zu Der Jeber Bürger pilid tiq war, um ihr angeblich Die Sicherheit der ctabt anzuvenraucn Tie Stadt war aber vollkommen sicher und be­durfte keinen anderen Schutz als gegen die Erpreßungen des Feinde' Tic National-Garde stand unter dem französischen Kom­mandanten und unter militärischer Disciplin und konnte von ihm zu allem gebraucht werden, wozu er nur immer französische -olbaten innerhalb Der Stabt hätte gebrauchen können Tie Berliner fanden sich hochgeehrt, fühlten sich wichtig in ihrer neuen militärischen Würde, steckten id) in_ Uniformen, besetzten die Wachen standen vor den Franzosen Schildwacht, machten ihnen die Honneurs usw. Aber hierbei blieb es nicht einmal. Tie Schützengildc tat sich freiwillig zusammen und organisierte ein Corp' von freiwilligen jungen Leuten zu Pferd, die sich in eine prächtige hellgrüne Uniform mit Gold steckten, den förmlichen Dienst in den Vorzimmern dieser französischen Generale ver-

los an Interessenten vom Schutzverband der Lebens- und Feuer- versicherten c. D„ München 13, Neurcutherstr. 13, abgegeben wird.

* Schafslers Wettervorhersage für Dezember 1931. Wenn wir auch in Mitteleuropa keinen zeitigen und anhaltenden Früh­winter zu erwarten haben, so sind im Monat Dezember doch für kurze Zeiten verhältnismäßig tiefe Temperaturen zu erwarten. Der Dezember dürfte gegenüber den Vorjahren überhaupt ein etwas winterlicheres Gepräge haben, aber mit durchschnittlich nur mittleren Temperaturen. Zu Beginn des Monates lebhafte Winde, Regen, Schnee, zeitweise Aufklaren. Um den 8., 9. De­zember stürmisch, kalt, Schneefall. In der 3. Woche winterlich, Frost, Aufheiterung, mit leichten Schwankungen. Weihnachten stürmische westliche Winde, nicht sehr kalt, Schneefall, Tauschnee mit nur teilweiser Auflagerung. Wetterlage anhaltend bis Ende des Monates.

* Wieder verschlafen? Nein, wie kommt das nur? Kommt das von dem späten Zubettgehen, oder, weil der Himmel seine Wolkengardinen vorgezogen hat, damit das bißchen Wintersonne nur ja recht spät und dürftig zum Vorschein kommt? Erschrocken hebt die Frau und Mutter den Kopf aus den Federkissen und wirft einen verdutzten Blick auf den Wecker. Du lieber Himmel! Da ist es bereits nach sieben Uhr — und halb acht muß ihre Aelteste schon an Ort und Stelle sein! „Gretl, Otto, Martel — aufsteh'n! Wenn ich's schon mal verschlafe —: ihr meldet euch gleich gar nicht! Und du, Mann — du sägst wohl noch sechs Klafter Holz? Mit dir ist gleich gar nichts los! Früh knurrst du, abends schimpfst du, und nachts schnarchst du! Da lobe ich mir den Nachbar, der kocht früh den Kaffee, holt Semmeln, wichst die Schuhe und legt das Kleinste trocken! Na, wird's bald? Oder soll ich euch ein Elas Wasser ... Nein, was man mit euch für ’ne Wirtschaft hat!"

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Jagd im Dezember in Hessen, mitgeteilt vom Hess. Jagdklub.

Die Zeit des Rehabschusses ist vorbei, denn am 1. Dezember hat die Schonzeit für männliches unb weibliches Rehwild be­gonnen. Auch für Feldhühner schloß mit dem 30. November die Schußzeit. Sonst hat, mit Ausnahme der Jagd auf Muffelwild und der Waldhühner, alles Wild Schußzeit, die Fasanenhennen nur bis zum 31. Dezember, die Hasen dagegen bis zum 15. Ja­nuar. Die großen Hasentreibjagden sollten jetzt begonnen haben, leider hat sich gezeigt, daß wir durch die andauernd naße Witterung im Sommer, an der die Junghasen zum großen Teil ’u Grunde gingen, ein außerordentlich schlechtes Hasenjahr haben. Es empfiehlt sich deshalb, den Abschuß auf ein Mini­mum zu beschränken, um Satzhasen für die Nachzucht übrig zu behalten. Das Haar-Raubwild trägt jetzt seinen wertvollen Winterbalg und sollte eifrig besagt werden, aber eins sei be­tont: Gift zur Erbeutung von Raubzeug gehört nicht in die Hand des Jägers. Besondere Sorgfalt ist jetzt den Futter- stellen zuznwenden, die reichliche Beschickung benötigen. Er­höhte Aufmerksamkeit bedarf das Revier und gerade die Nähe der Futterstellen zur Sicherheit gegen zwei- und vierbeiniges Raubgesindel. Nicht zu vergessen ist, dem Wilde jetzt genügend Salz zu reichen, das für die Verdauung und Gesunderhaltung dringend notwendig ist.

Der erste Eindruck ist der beste. Schöne weiße, mit der herrlich er­frischenden Chlorodont-Zahnpaste behandelte Zähne verleihen jedem Gesicht einen eigenen Reiz. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahniungen, denn für das Wertvollste was Sie besitzen, die Zähne, ist das Beste gerade gut genug. richteten und natürlich durch den zweijährigen täglichen Umgang mit den Franzosen recht gründlich verdorben wurden. Ich nabe selbst den Marichall Victor mit einem Gefolge von zwanzig solcher aufgeputzten Jünglinge umherreiten sehen, die aussahen wie die Narren und, statt sich ihres Dienstes zu schämen, sich damit brüsteten." So der derbe von der Marwitz in seinen Erinne­rungen. in denen er alle Schwächen seiner Zeitgenossen geißelt. Ergänzt wird dieses traurige Bild vaterländischer Würdelosigkeit durch die Tagebuchblätter eines anderen Zeitgenossen. Da lesen wir: „Wie unsäglich erbärmlich benahm sich bei diesem Unglück der ganze vornehme und niedere Pöbel, den Berlin, wie alle großen Städte, in nur zu bedeutender Zahl besitzt. Alle diese gebildeten, geistreich sein wollenden Kreise der Beamten, Schön­geister, Gro'tzkaufleute, Geldmänner Künstler, die trüber so ent= zückt gewesen waren, wenn Prinz Louis Ferdinand oder irgend ein anderes Mitglied des Königlichen Hauses sie mit seiner Gegenwart beehrt hatte waren jetzt plötzlich franzchischer gesinnt als selbst viele französische Offiziere. Der Kaiser Rapolcon, ob­gleich er Deutschland lnechtete und mit Füßen trat, war ihr Held und Heros; die französisme Sprache galt als die einzige, die m den „Salons“ der sogenannten gebildeten Welt geduldet war, und den französischen Offizieren wurden oft Die frechsten Zu­dringlichkeiten gegen Frauen und Mädchen als liebenswürdige, vornehme Manieren ausgelegt In nur zuvielen Berliner ele­ganten Salons waren die französischen Offiziere die willkommen­sten Gäste. Dutzende von jungen Mädchen und selbst verheiratete Frauen aus guten Familien knüpften mit ihnen Liebeshändel an, die oft einen traurigen Ausgang nahmen." Aber schon drei Jahre später, im Jahre 1809, hatte eine andere Gesinnung Platz gegriffen. Der gleich« Tagebuchschreiber erzählt:

„Als ich im April 1809 'n der Hauptstadt anlangte, fand ich diese gegen 1807, wo ich bei meiner heimlichen Reise nach Ostpreußen dort verweilt hatte, ungemein vorteilhaft ver­ändert. Selbst die leichtsinnigen und charatterlosen Mittel­stände in Berlin hatten endlich eingesehcn, weich' ein Druck durch die Gewaltherrschaft >er Franzosen auf Preußen aus­geübt wurde, und von der Verherrlichung des Franzojentums war jetzt dort wenig mehr zu finden. Hatten doch die reichen Modegecken, die 1806 sich gar nicht schnell genug möglichst rcid)= bestickte Uniformen anschaffen konnten, um Damit zu ihrer eigenen Schmach und zum gerechten Aerger aller Patrioten als Ehrenwachen vor den franzönschen Marschällen aufzureiten, solche empfindliche Verluste an ihren Geldbeuteln — ihren verwundbarsten Teilen - erlitten, daß ihnen schon jetzt die Lust zu dergleichen aberwitzigen Torheiten vergangen war. Die schlimmen Jahre von 1806- 1813 waren nötig, um das leicht­sinnige Berlin zu dem wahrhaft patriotischen Eifer zu bringen, den es 1813 zu seinem eigenen Ruhme und zu Deutschlands Nutzen in so großartiger Weise gezeigt hat."

So berichtet uns der Tagebuchschreiber. Der die Freiheitskriege mitgemacht hat und erst im Jahre 1859 gestorben ist. Traurig war diese Zeit vor 125 Jahren! Aber die Hoffnung, daß es bester werden würde, lebte in den Herzen aller Vaterlands- freunbe. Tiefer Hoffnung gab Ernst Moritz Arndt in den Worten Ausdruck:

Es ziehen die Dämonen, Schwanger mit Blut und Schmach; Doch die auf Sternen wohnen. Senden die Rache nach Dr. L. R.