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Erscheint Mittwochs und Samstags

Bezugspreis 2,40 Ji vierteljährlich frei ins Haus, fitdaktionsjchluh früh 8 Uhr Für Aufbewahrung oder Rück- imbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert

44. Jahrs

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Der Reichsrat tritt am Donnerstag, 17 Uhr, zu einer VoU- i|uag im Rcichstagsgebaude zusammen. Auf der Tagesordnung lehen kleinere Vorlagen, u. a. der Entwurf eines Runderlafses des Reichsfinanzministers über die Herabsetzung der Tage- und lUbcrnad)tungsgcltcr der Reichsbcamten sowie Aenderung der Ullsführungsbestimmungen der Reisekostenverordnung. Zuge- gengen ist dem Reichsrat inzwischen auch der Entwurf eines Ee-

jetzes zur Ueberleitung außerordentlicher Vorschriften deutliche Gesetzgebung (Ueberleitungsgesetz).

In diesen Tagen gehen den Landesfiuanzämtern linien zur Durchführung der Devisenverordnung zu.

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den gcheimgehaltcn und werden daher erst in der Praxis durch ihre Anwendung drm Publilum bekannt werden.

Nach den in Berlin vorliegenden privaten Meldungen über die Newyorker Verhandlungen über die Verlängerung der ame­rikanischen Kredite in Deutschland ist cs dort zu einem völlig befriedigenden Abschluß noch nicht gekommen.

Bei der Reichsbank macht sich ein Zufluß von Devisen be- inerkbar. So konnte in der abgelaufenen Woche ein Devisen- iigang von ungefähr 100 Millionen RM. verzeichnet werden.

Seit Sonnabend weilt einer der beiden leitenden Direktoren >tr Deutschen Bank und Discontogesellschaft in Paris, um über die Beteiligung der französischen Banken an der internationalen Stillhalteattion zu verhandeln.

Wie der nationalsozialistische BerlinerAngriff" mitteilt, ist das Blatt bis einschließlich Donnerstag, den 6. August, ver­boten worden.

Vor dem ständigen internationalen Gerichtshof im Haag egte der österreichische Vertreter, Professor Dr. Kaufmann, am Montag vormittag seine Replik in Sachen der Deutsch-öster­reichischen Zollunion fort.

Der Pabst hat den Domkapitular, Prälaten Leicht, den Füh­rt« der Reichstagsfraktion der Bayrischen Volkspartei, zum De­

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des Mctropolitankapitels Bamberg ernannt.

Der berühmte Physiker Geh. Rat Prof. Emil Warburg ist seinem <Sut bei Bayreuth gestorben.

Vor dem Zwickauer Schöffengericht begann am Montag der

Prozeß gegen den Bürgermeister Otto Max Werne, aus Herms­dorf, Bezirk Chemnitz, wegen Anstiftung zum Mord.

Die Tschechoslowakische Nationalbank hat den Diskont mit sofortiger Wirkung von 4 auf 5 Prozent erhöht.

Der Antikriegstag der Kommunisten hat in Polen zu zahl- rtidjen Ausschreitungen geführt.

Aus einer Erklärung des neuen spanischen Eeneralstaats- onwalts geht hervor, daß man in spanischen Regicrungskreiscn

^b mit der Absicht trägt, die Trennung zwischen Kirche und Mlkponoan.'.M Staat durchzuführen und in Zukunft rein bürgerliche Ehen ohne tirchlichc Trauung zuzulassen.

Die spanischen Behörden haben an der spanisch-portugiesi- lhen Grenze grössere Truppcnzusammcnziehungen vorgenommen, ^incr Gruppe von 200 Kommunisten wurde der Uebertritt über >ic Grenze verwehrt.

38 000 Metallarbeiter sind in Barcelona in den Streik ge­treten.

Die Fahrt des vom Pech verfolgten UnterseebootesNau­tilus", mit dem Sir Houbert Wilkins eine Polarexpedition be- -bsichNgt, hat sich durch langwierige Reparaturen an der Ma- schinenanlage weiter verzögert.

Nach einer Meldung aus Buenos Aires ist die dortige Sow- iethandelsvertrctung von der Polizei besetzt worden. 160 An- Sestellte wurden verhaftet, und die Geschäftsbücher, die Chiff- "ercodes und die Korrespondenz beschlagnahmt. Auch die Pri- vatwohnungen der Angestellten wurden untersucht.

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Staatsautülbt über die Banken im Anmarsch.

Die Absicht der Reichsregierung, eine Staatsaufsicht über die Banken einzuführcn, dürfte, wie es jetzt den Anschein hat, .i(bon in den nächsten Tagen verwirklicht werden. Die Be- Iprechungen hierüber sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch «der die personelle Seite scheint ein Ergebnis noch nicht vor- 'vliegen. Die Frage, ob ein besonderer Bankkommissar ein­gesetzt wird, oder ob die Aufsichtstätigkeit der Reichsbant über­tragen wird, steht noch offen.

100 Millionen ^ollarfrcMt verlängert.

Lörrach. Die Derwaltungsratssitzung der BIZ. am Montag dauerte nur 1% Stunden. Der wichtigste Beschluß ist die Ver­längerung des von Frankreich, Amerika, England und BIZ. Deutschland gewährten 100-Millionen-Dollar-Krcdit'cs an die Keichsbank um höchstens drei Monate. Der Kredit würde am 6. August ablaufen.

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher Nr. 2525 und 2526.

Postscheckkonto Nr 69 530 Amt Frankfurt a M

Mittwoch, den 5. Auvuft 1931

Für den Volksentscheid in Preußen. Aufruf der Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands.

Die Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands erlassen folgenden Aufruf zum Volksentscheid:

Der Preußische Landtag ist auszulösen"

In Eurer Hand, preußische Wähler, liegt am 9. August die Entscheidung! Heran an die Wahlurne!

Es gilt abzurcchncn mit der marxistischen Mißwirtschaft!

Ueber Preußen führt der Weg zur Machtergreifung im Reich! Deurschlands Rettung, Deutschlands Schicksal liegt in Eurer Hand!

Laßt Euch nicht beirren durch das Gerede der Gegner des Volksentscheids über die Teilnahme der Kommunisten. Wir haben sie nicht gebeten! Auch sind die Sozialdemokraten nur

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Wegbereiter der Kommunisten.

Auf zum deutschen Freiheitskampf am 9. August!

Jeder tue seine Pflicht und stimme mit Ja!

Dann wird der Sieg unser sein!

Präsidium der Vereinigten Vaterländischen Verbände

Deutschlands, Alldeutscher Verband, Altherrenschaft des Deut­schen Hochschulringcs, Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung, Bismarck-Gesellschaft, Bund der Großdeutschcn, Bund für Nationalwirtschaft und Werksgemeinschaft, Bund Kö­nigin Luise, Deutsch Banner Echwarz-Weiß-Rot, Deutsche Adels­genossenschaft, Deutsche Aufbauhilfe, Deutsch« Vereinigung, Deutscher Befrevungsbund, Deutscher Frauenbund, Deutscher Fraucndienst, Deutscher Herold, Deutscher Hochschulring, Deut­scher Offizierbund, Deutscher Ostmarkenverein, Deutscher Wehr­verein, Deutschorden, Flottenbund deutscher Frauen, Germanen- hort, GesellschaftDeutsche Freiheit", Nationaler Klub, Berlin, Nationalklub von 1919, Hamburg, Nationalverband Deutscher Offiziere, Neulandbewegung, Preußenbund, Reichsbund vater­ländischer Arbeiter- und Werkvereine, Reichsverband Deutscher Klein- und Straßenbahner, Reichsbund Deutscher Angestellten- Berufsverbände, Rcichsoerband Deutscher Haus- und Privat­lehrerinnen, Bund Deutscher Lokomotivführer, Reichsbund ehem. Kadetten, Reichslandarbeiterbund, Reichsoffizierbund, Großdeutscher Baltikumoerband, Ring nationaler Frauen, Ver­band Deutscher Kriegsveteranen."

Auch die Welfen für den Volksentscheid.

Die Deutsch-Hannoversche Partei erläßt einen Aufruf zum Volksentscheid durch den Vorsitzenden Graf Bernstorff. Darin heißt es u. a.:Beteiligt sich die Deutsch-Hannoversche Partei an der Arbeit des Preußischen Landtages, so muß sie auch Stel­lung nehmen zum Volksentscheid, der seine Auflösung fordert. Die m. E. einzig mögliche Fragestellung bei der gegebenen Lage ist: Gewährleistet die jetzige Zusammensetzung des Landtages eine Regierung und Gesetzgebung, die unseren kulturellen und wirtschaftlichen Forderungen genügt? Daß sie es nicht tut, braucht nicht bewiesen zu werden. Die Folgerung ist demnach einfach: Der Landtag ist aufzulösen!"

Sas Parteibuch entscheidet.

Nach denVolkskonservativen Stimmen" wurden beim Beamtenabbau im Preußischen Statistischen Landesamt in den drei letzten Jahren folgende Gewerkschaftsmitglieder abgebaut:

Im Jahre 1928:

27 Mitglieder der christlich-nationalen Gewerkschaften,

12 Mitglieder der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, Mitglieder des sozialdemokratischen Zentralverbandes

49

12

5

Angestellten;

im Jahre 1929 (April):

Mitglieder der christlich-nationalen Gewerkschaften, Mitglieder der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, Mitglieder des sozialdemokratischen Zentralverbandes Angestellten;

im Jahre 1930: Mitglieder der christlich-nationalen Gewerkschaften, Mitglieder der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, Mitglieder des sozialdemokratischen Zentralverbandes Angestellten.

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Dabei ist zu beachten, daß die sozialdemokratischen Gewerk­schaften noch stärker als die christlich-nationalen Gewerkschaften im Amt vertreten jinK

..Radikaler Mittelstand .

Am 2. August fand eine Tagung der Führer der aus der Wirtschaftspartei ausgetretenen Wahlkreise in Koblenz statt. Es wurde befchlonen. den Namen ..Radikaler Mttekstand" zu führen. Entsprechende organisatorische Beschlüße wurden gefaßt. Ein Parteitag soll die Form der Vereinigung festsctzen.

Svattassen zahlen ab Montag voll aus.

Wie wir hören, haben die Verhandlungen über die Einschal­tung der Sparkasien in den vollen Zahlungsverkehr zum Abschluß geführt. Während bei den Banken die endgültige Aufhebung der Beschränkungen am Mittwoch erfolgt, werden die Sparkasien ab Montag, den 10. August, wieder im Rahmen der satzungsmäßigen Bestimmungen voll auszahlen.

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Nummer 62

Zur gegenwärtigen Krise.

Wir stehen mitten in einer Krise von nie geahnter Schärfe, von bislang ungekonntem Ausmaß. Hemmend und lähmend wirkt sich ihr schwerer Druck auf alle Zweige der Virlschafl aus, auf alle Gruppen und Schichten. Beäng- £^eno lasten die verheerenden Auswirkungen auch auf dem Handwerr. Vie konnte cs nur so weit kommen, daß auf Ge- bciß der Rcichsregicrung Banken und Sparkassen ihre Schal­ter schließen mußten? Vie konnte es nur geschehen, daß dem Virtschaftskörper das notwendige Geld nicht mehr zugeführt werden konnte?

Die gegenwärtige Krise ist eine Krcditkrise. Rück schauend muß fcstgcstellt werden, daß schon der Zusammenbruch der österreichischen Kreditanstalt im Iltai os. Is. das auslän­dische Kapital bewog, aus Sorge vor Sicherheit dem deut­schen Ncarkt den Rücken zu kehren. Das schwindende Ver­trauen zu Deutschland ließ die zurückwandernden Beträge zu reißenden Strömen anschwellen, denen kein Damm mehr ent­gegengesetzt werden konnte. Man hat das ausländische Ka­pital, das in den Jahren 1924 bis 1930 in Deutschland An­lage suchte, mit insgesamt 27 Milliarden RM. angegeben. Unter Berücksichtigung der Beträge, die Deutschland im Aus­land investierte, ergibt sich zu ungunsten der deutschen Wirt­schaft cm Caldo von rund 17 Milliarden RM Deutsch­land ist der Schuldner der ganzen Welt geworden und von den gesamten ausländischen Geldern entfallen etwa 6 Milliarden RJI^ auf kurzfristige Kredite, von welchem Betrag wieder in den letzten Monaten etwa 4 Milliarden RM zurückflossen.

Der Erlaß der von allen Seiten so stark bekämpften 2 Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirt­schaft und Finanzen tonnte keine Besserung mehr bringen und als die Reichsregierungm Vormonat erklären mußte, die der­zeitige Lage lasse einen Aufschub der Reparationszahlungen unvermeidlich erscheinen war niemand mehr imstande, den ab« wandernden Riesensummen Einhalt zu gebieten Ob aller­dings dieser Abzug von Auslandskrediten wirtschaftlich geboten war, wagei. wir ernstlich zu bezweifeln Uns will es scheinen, daß hierbei anch politische Ziele einen gewissen Ausschlag gaben. Die hoffnungslose Vage fand auch durch das nach langem Zö­gern angenommene Reparationsfeierjabr keine Aenderung mehr. Zwar beträgt die gesamte Entlastung für den Reichsetat im 2cchre 1931/32 ungefähr 1,7 Milliarden RM., allein der erwartete günstige Einfluß blieb aus. Als nun vollends die Darmstädter- und ZTationalbank am 13. Juli ihre Zahlungen cinstellen maßte, begann der ^Wettlauf aller nach dem Spar­guthaben, um diese in Brieftasche oder Schubladesicherer" anzulegen. Nach der Kapitalflucht das Hamstern der Geld­scheine und damit weitere Verknappung der Zahlungsmittel, weitere Schwierigkeiten im Wirtschaftsleben. Der Betrag dieses thesaurierten Geldes reicht an mehrere hundert Millio­nen RM. heran.

Es folgten nun die bekannten Bankfeiertage hoher und niederer Ordnung. Für eine kümmerliche Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens sorgten Notverordnungen von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde.

Die besprochene Entwicklung gibt denen Recht, die schon immer bei der Aufnahme und der Art der Verwendung von kurzfristigen Auslandskrediten zu größter Vorsicht rieten. Lei­der hat unsere gesamte Wirtschaft sich viel zu sehr auf kurz- friftig gewährte Gelder eingelassen und mit ihnen Anlagen finanziert, deren Erstellung nur durch langfristig gegebene Ka­pitalien bewerkstelligt werden konnte. Man kann mit Drei­monatsakzepten u. lediglich mit der Hoffnung, diese immer wieder prolongiert zu bekommen, keine Fabriken bauen. Kurzfristiger Kredit bildet für eine Volkswirtschaft immer einen besonderen Gefahrenherd, da die ausgeliehenen Summen auch dann auf einmal zurückgezogen werden können, wenn man am wenigsten damit rechnet. Das haben wir in den letzten Wochen erfah­ren müssen und hoffentlich ziehen wir aus all den Vorkomm Nissen für die Zukunft die eine große Lehre, mit der Aufnahme ausländischer Kapitalien, zumal kurzfristiger Gelder, vorsichti­ger zu sein. .

Grundsätzlich darf unsere Wirtschaftspolitik in Zukunft keine Politik mehr gegen die Wirtschaft sein, sondern sie inuß zugunsten der Wirtschaft geführt werden. Wir bedauern auf­richtig, hier wiederholen zu müßen, was der Reichsoerband ves teutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Ge­werbekammertag schon immer betont haben So forderte mit Diccht die Entschließung der beiden Spitzeuverbände vom No­vember v. Zs. eine grundsätzliche Wandlung der bisherigen JIXe tboOen der deutschen Finanz und Sozialpolitik in ihrer Wirkung auf die deutsche Wirtschaft Sie betonte weiter, daß durch ent fchloffene und zielbewußte Zusammenfassung aller Kräfte He Steigerung der Produktivität der Gefamtwictscbaft erstrebt wer den müsse, die zur endgültigen Befreiung des deutschen Volkes durch Arbeit und Leistung unablässig sei Sie unterstrich mit allem Nack^druck, daß dabei der Bedeutung der auf verantwor­tungsbewußten Persönlichkeiten beruhenden Wirtschaftsführung des gewerblichen RTittelstandes für die Gesamtwirtschaft und Volksgemeinschaft weit mehr als bisher Rechnung zu tragen ist.

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