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Samstag, den 4. Juli 1931
„Gießener Zeitung"
Nr. 53
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haftenden Mängel zu beseitigen, der Gewerkschaftsring dem Rcichsjustizministerium in einer Eingabe entsprechende Vorschläge unterbreitet. — Es werden darin u. a. gefordert: Angleichung der Rechtsverhältnisse für sämtliche Arbeitnehmergruppen und Einbeziehung der Provisionsvertreter in den Pfändungsschutz. — Eine etwaige Herabsetzung des pfandfreien Regclbetra- ges dürfe unter gar keinen Umständen cintrcten.
* Reifeprüfung für Nichtschüler. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen gibt bekannt, daß Reifeprüfungen und Prüfungen für den Nachweis der Reife für Ober-Sekunda und Prima für Nichtschüler im Herbst 1931 gegen stempelpflichtige Meldung stattfinden. Meldungen sind bis 10. Juli 1931 bei dem Ministerium einzureichen. Bewerber haben die erforderlichen Papiere beizufügen.
* Nebenbeschäftigung der hessischen Beamten. Das hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen hat in einem Rundschreiben an die höheren Schulen angeordnet, baß auf Grund der Verfügung des Gesamtministeriums betreffend Nebenbeschäftigung der Beamten auch für jeden einzelnen Fall von Privat- und Nachhilfeunterricht die behördliche Genehmigung erforderlich ist. Der Kultusminister behält sich bei Uebernahme von Unterricht an einer Privatschule oder dergleichen in jedem Einzelfall die Entscheidung vor. Für Privatunterricht, der einzelnen Schülern erteilt werden soll, sind die Direktionen der höheren Schulen zuständig. Die Genehmigung zur Erteilung von Privatunterricht durch staatlich angestellte Lehrer, Lehrerinnen und staatlich besoldete Anwärter und Anwärterinnen darf immer nur für ein Jahr erteilt werden und auch nur dann, wenn kein geeigneter unverwendeter Assessor oder Referendar oder kein tüchtiger, auf Stundengeben angewiesener Privatlehrer vorhanden ist.
* Ernennung. Zum Ergänzungsrichter für die Kammer für Handelssachen des Landgerichtes der Provinz Oberhessen wurde der Fabrikant Karl Georgi für die Zeit bis 31. Dezember einschließlich ernannt.
* Dom Stadttheater. Am Dienstag, den 7. Juli findet im Stadttheater ein Gastspiel der Berliner Bühnenkünstler Ernst Ludwig Franken vom Lessingtheater, Lotlina Baart von der Volksbühne und Curt Unser vom Neuen Theater am Zoo statt. Aufgesührl wird eine Lustspielreoue, die aus drei Einaktern besteht. Beginn 20 Uhr, Ende gegen 22 Uhr.
* B. D. A. Einen deutschen Abend veranstaltet heute im Ecrffee Lerb der VDA., zusammen mit dem Deutschen Ostbund. Nach Ansprachen von Pfarrer Pelz, Cassel, und Dr. König wird ein Bühnenstück aus der Ostmark aufgeführt.
• Weibliche Arbeitslrästc gesucht. Allenthalben wird über Ueberfüllung in allen Berufen geklagt, auch in den weiblichen. Die Folge davon ist, daß viele, die einen Beruf ergreifen möchten, nicht wißen, wo sie Beschäftigung finden können. Demgegenüber gibt es einen weiblichen Beruf, in dem zahlreiche junge Mädchen jederzeit eintreten können; den der Kranken-, Kinder- und Fürsorgeschwester. In Hessen gibt es Zwei Anstalten, die evangelische Mädchen mit einfacher und mit höherer Schulbildung zur Ausbildung und anschließenden Verwendung aufnehmen: Das Diakonißcnhaus Elisabethenstift und den Heßischen Diakonieverein, beide in Darmstadt. Vermittlungen übernehmen jederzeit gern die evangelischen Pfarrämter.
* Straßensperre. Wegen Vornahme von Gleisarbcitcn wird der Marktplatz zwischen Kirchenplatz und Cchulstraße für Montag, den 6. Juli und Dienstag, den 77. Juli 1931 für Fahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt.
igen technischem Kreisen «i Diditis M Es werden r Iere Wnu^ule in Offene M in Wingen, ^efiifdie hohn« Stäbtifdfe Höhere SffajdjÄ
gen. Zu HMM ■ nd möglichst dir amtlidÄ Postschaltenr unb m ulten wetben, Die S^~ ^W die pinfit ein Vorteil des EmM« ii 1931. Das Verzeichn«- - lenen bezw. abgelicfcrm1 sei im Flur des Polizeia« chen werden: Die 6mpN ihre etwaigen Rechte '»« ) während der Dienststut-V
* Eeschäftsjubiläum. Der Schuhmachermeister Johannes Glitsch, Lindenplcrtz 12, konnte gestern auf ein 30jähriges Bestehen seines Geschäftes zurückblicken.
* Dom Gleibergverein. Es sei nochmals auf das morgen stattfindende Sommerfest des Gleibergoereins auf der Burg Gleiberg hingewiesen. Vorgesehen sind Konzert, Tanz und Volksbelustigungen. Fahrgelegenheit von Gießen aus von 14 * Uhr ab mit Omnibus.
* Walter Flex Abend. Gestern Abend fand im Kaffee Leib ein Gedächtnisabend für den im Weltkrieg gefallenen Dichter Walter Flex statt. Nach einem Vortrag über Flex und seine Werke wurde „Die Bauernführer", eine dramatische Skizze in 4 Akten, aufgeführt. Umrahmt wurde die Veranstaltung von Gedichten und Bauernliedern.
Aus Rab und Fun.
Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 2. Juli 1931 der Gesamtbesuch 16 715 Gäste betrug, darunter 2 765 Ausländer. Anwesend waren am 2. Juli 1931 4 257 Gäste.
Friedberg. Am 1. Juli fanden hier die Astawahlen zur studentischen Kammer für das Wintersemester 1931-32 statt, die folgendes Ergebnis brachten: Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund 12 Sitze (bisher 8), Farbentragende Korporationen 8 Sitze (neu aufgestellt), Finkenschaft 5 Sitze (6).
Friedberg. Eine zweite Flugmaschine für die Fliegergruppe am hiesigen Polytechnikum ist hier eingetroffen. Es handelt sich um einen Sportdoppeldecker, der bisher im Flughafen Mainz—Wiesbaden stand. Man hofft, die Maschine für Lehrzwecke schon in Kürze in Betrieb nehmen zu können.
Schotten. Die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe an 28 Junggesellen fand hier im Beisein von Syndikus Dr. Reif-Friedberg, Baurat Kessel, Schulrat Hasenzahl und Obermeister Zeschky statt.
Mainz. Am Mittwochabend versuchten «in Mainz die Kommunisten und Erwerbslose zu demonstrieren. Der Polizei gelang es, die wohlvorbereitete Aktion zu unterbinden. Verschiedene Trupps wollten in das Geschäftsviertel einbringen und die Lebensmittelgeschäfte plündern. Die Polizei griff jedoch rechtzeitig ein und nahm mehrere Sistierungen vor.
Frankfurt a. M. Die Adlerwerke haben etwa 130 Angestellten voraussichtlich zum 1. August gekündigt. Ferner ist beabsichtigt, die Arbeitszeit durch Ausfall der Samstagsarbeit auf 40 Stunden wöchentlich zu verringern.
Biedenkopf. Hier fand man in einer Sandgrube einen toten Handwerksburschen. Es wurde festgestellt, daß der Mann buchstäblich verhungert war.
Wetter. Die rücksichtslosen Autofahrer, die vor einigen Tagen den Arbeiter Brunnet aus Bernau in der Nähe unseres Ortes überfuhren und tödlich verletzt liegen ließen, konnten auf dem Diehmarkt in Hersfeld ermittelt werden. Es handelt sich um die Führer eines Lastkraftwagens mit Anhänger aus dem Kreise Gießen.
Abschiedskonzert Franz Völkers im Südwestfunk.
Es ist wohl nichts selbstverständlicher, als daß der Südwest- deutsche Rundfunk dem Tenor Franz Völker bei seinem Weggänge vom Frankfurter Opernhause an die Wiener Staatsoper Gelegenheit gibt, sich in einem besonderen Konzert von seiner großen Hörcrgcmcinde zu verabschieden. Es darf dabei daran erinnert werden, daß Völkers ungeahnter Aufstieg als Tenor im Südwestdeutschen Rundfunk begann. Beim ersten Preissingen, das der Südwestdeutsche Rundfunk im Jahre 1926 veranstaltete, siegte ein damals völlig unbekannter Bankbeamter Franz Völker-. Die Stimme hatte auch Clemens Krauß, der damalige Leiter der Frankfurter Oper, gehört. Er holte Völker an das Frankfurter Opernhaus. Und nun begann der Aufstieg des Sängers, der sich am 5. Juli in einem Sonderkonzert von der Hörerschaft des Südwestdeutsckzen Rundfunks verabschiedet.
Schmeling Weltmeister!
Nach äußerst hartem Kampf wurde Max Schmeling nach der 15. Runde zum Sieger durch technisches k. o. über Poung Stridb- ling erklärt. Damit eroberte Schmeling zum zweiten Mal den Titel eines Weltmeisters im Boxen für alle Kategorien.
Neue Bücher.
Im Verlag Dr. Selle-Eysler A.-G., Berlin SW. 68, ist wieder ein schmuckes Heft der „Eleganten Welt" gestartet. Was dieser Sommer an modischer Schönheit und interessanter Lebensgestaltung zu bieten vermag, zeigen die prachtvollen Bilder in glänzender Wiedergabe. Die Beiträge mit praktischer und gesellschaftlicher Note werden den Leser und Beschauer in liebenswürdigster Weise fesseln.
Zwei Jahre Tonfilm in einer „Woche". Die „Woche", die große aktuelle illustrierte Zeitschrift, gibt eine Tonfilm-Sondernummer heraus. Kein Filmfreund sollte sich diese Gelegenheit entgehen lassen, einmal so scharf Hinter die Kulissen der neuen Großmacht zu sehen und alle „tonangebenden" Leute zu hören. Jeder sollte dieses Heft besitzen, vor allem, da zwei große Preisausschreiben seinen Wert noch stark erhöhen: 100 000 Mark sind für gute Tonfilm-Ideen ausgesetzt, 1 000 schöne Preise locken bei dem Filmbilder-Rätsel „Wer litbt wen ?". Wer wird da noch zögern, sofort seine Geistesblitze aufzuschreiben, den Ideal-Tonfilm, der ihm schon lange vorschwebt, endlich zu Papier zu bringen? Wer wird nicht — da man doch immer zwei Eisen im Feuer haben muß — außerdem das lustige Bildpreisausschreiben mit- löfen ? — Die Tonfilm-Sondernummer der „Woche" ist für 50 Pfg. überall zu haben.
Die letzten Getreuen des Zaren. Ganz abgeschieden von der Welt leben in einem kleinen französischen Orte rusiische Gmb granten, die einst im kaiserlichen Rußland eine bedeutende Rolle gespielt haben. Hier hat ihnen eine Wohltäterin ein Asyl errichtet und mächtige Generale und Minister des Zarenhofes führen hier ein bescheidenes Dasein bei der Arbeit für Haus und Hof. Die neueste Nummer der Münchener Illustrierten Presse (Nr. 27) bringt viele Bilder von diesem Zufluchtsort. Aus dem Inhalt des Heftes nennen wir noch den Aufsatz über den amerikanischen Präsidenten Hoover, der mit seiner Botschaft über Einstellung aller Kriegsschuldenzahlungen die Lösung der Weltkrise eingeleitet hat.
Verantwortlich: G. B u rgele i t, Gießen.
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Ein Fußball-Roman von Sidney Horler.
12. Fortsetzung.
„Unsinn! Sie müssen jetzt eine Tasse Tee mit mir trinken? Tantchen, ich hoffe, du hast deinen Tee noch nicht gehabt?" Verwirrt und bemüht, diese Tatsache zu verbergen, bat ba$ Mädchen die ältere Dame so deutlich, als es die Umstände gestatteten, um Hilfe, aber die Aeltere wollte nicht verstehen.
„Ja, Margery, ich habe schon Tee getrunken. Du bist ja so lange fortgcbliehen, aber ich will dir gern Gesellschaft leisten, wenn du willst, während du und dein Freund den Tee nehmt"
Ein flammendes Rot färbte Margerys Wangen, verebbte und machte einer unheimlichen Bläffe Platz.
„Sehr gütig,“ sagte sie scharf. „Ich ersuche dich aber, uns mit Skandalneuigkeiten zu verschonen. Ich möchte mit Mr Marr von Stanley sprechen."
Während sie von der Halle in den Salon traten, wo der Teetisch gedeckt wurde, fand das Mädchen Zeit, ihrem Gast zuzuflüstern: „Bitte, schenken Sie ihr keine Beachtung. Stanley haßt sie, ebenso wie ich."
Der junge Mann, dem dieses verblüffende Familiengeheimnis auf solche Art mitgeteilt wurde, fand sich in vollster Uebereinstimmung mit der darin zuin Ausdruck gebrachten Ansicht Ein einziger Blick auf Margerys Tante hatte ihm deutlich gezeigt, was er von der Witwe zu gewärtigen hatte. Nicht einmal die Erwähnung seiner nahen Beziehungen zu ihrem Neffen brächte auch nur ein Wort des Willkommens über die dünnen Lippen, und ihre Hand, die sie ihrem Besucher entgegengestreckt hatte, fühlte sich an wie ein kalter Fisch.
Besucher - wenigstens männliche Besucher — waren offenbar in diesem Hause nicht willkommen. Dieser Stopford schien jedoch eine Ausnahme ^ujein. Ein neuer, merkwürdig bedrückender Gedanke durchschoß Marr plötzlich und führte ihn zu dem wahrscheinlichen Schluß, daß Mrs. Vorteils Aerger in erster Linie dem Umstand galt, daß Margery nicht zu Hause war, als der einzige Mann, der Gnade in Mrs. Harrells Augen fand^ seinen Besuch machte, und zweitens, daß das junge Mädchen sich einen jungen Mann mitgebracht hatte, von dem zu befürchten stand, daß er die Situation tomolizieren könnte.
Dick mußte trotz allem lächeln. Eine Kette seltsamer Umstände hatte ihn in eine verteufelte Situation gebracht, die aber einer gewißen Pikanterie nicht entbehrte. Seine Lage war wenig beneidenswert, anderseits aber — so sagte er sich zum Trost — war er mit einem Mädchen verbunden, dessen bloßer Anblick genügte, um sein Herz höher schlagen zu lassen.
Als er nachdenklich ein Stückchen Kuchen kaute, überblickte er noch einmal im Geiste die Sachlage und resümierte schließlich, daß die Tante wahrscheinlich die Bewerbungen dieses Stopford um ihre Nichte begünstigte: denn — so sagte er sich — ein Mann wird doch nicht im Verlauf so kurzer Zeit zweimal bei einem jungen Mädchen vorsprechen, wenn diesem Mädchen nicht seine ganze Aufmerksamkeit gilt.
, Merkwürdig, daß der Mann gerade Stopford hieß, wie der mysteriöse reiche Bürger dieser Stadt, in dessen Händen das Schicksal des Hollywood-Klubs ruhte, der Mann, der scheinbar ohne Grund einen Klub finanzierte, welcher Woche für Woche ein immer ärgeres Defizit aufwies.
„Scheinbar ohne Grund?" Plötzlich sah er klar. Wenn Warriner recht hatte und Stopfords Reichtum wirklich so groß war,
I dann würde er wohl kaum das bißchen Geld entbehren, daß er I für einen Fußballklub ausgab, den er selbst niemals hatte spielen sehen; besonders, wenn er mit dieser ihn so wenig drückenden Freigebigkeit einem Ziel, das ihm am Her.zen lag, näher rücken konnte.
Und dieses Ziel? Marr biß sich vor innerer Bewegung die Lippe blutig. Dieses Ziel des geheimnisvollen Fußballmäzens war — die Hand Margery Kirkbys. Alles deutete darauf hin, besonders das Benehmen der Tante.
Noch eine schwache Möglickkeit gab es. Stopford war zwar kein häufiger Name, doch vielleicht gab es Mei Stopfords in Hollywood. Vielleicht — o, du gütiger Zufall! Vielleicht waren sie beide reiche Männer.
Doch der Zufall wollte es, daß das Mädchen selbst Marrs schwache Hoffnnng zerstörte.
„Mr. Stopford mußte ja wissen, daß ich heute beim Wettspiel war," sagte sie trotzig, während sie an einem Stückchen Toast knabberte. „Mr. Stopford ist nämlich der Herr, der das Geld für den Hollywood-Klub hergibt," fügte sie. sich zu Dick wendend, hinzu, der tapfer lächelte, als sie ihm diesen Dolchstich versetzte.
„Ja, ick habe davon gehört. Ben Warriner hat mir erzählt, wie freigebig er den Klub unterstützt," antwortete Marr mechanisch.
„Das erinnert mich gerade, daß Sie mir noch nicht erzählt haben, wie es eigentlich kommt, daß Sie für die Hollywood spielen," sagte Margery. „Ich dachte, Sie wären noch an der Universität.
Von draußen drang das Geräusch eines vorfahrenden Automobils in den Raum.
Mrs. Vorteils Gesicht drückte Spannung aus, und auf ihren dünnen Lippen lag ein Lächeln des Triumphs.
Bevor Margery noch vollenden konnte, hörte man ein leises, diskretes Klopfen an der Tür.
„Mr. Fairfax Stopford!" meldete das Stubenmädchen.
Ein riesengroßer, ziemlich fetter Mann trat ins Zimmer. Trotzdem er peinlich gepflegt aussah und tadellos elegant angezogen war, machte er einen groben, gemeinen Eindruck.
Richard Marr empfand, als er den Mann anblickte, ein lebhaftes Gefühl der Abneigung gegen ihn.
Die kleinen Augen des Besuchers blickten mißtrauisch aus den Fettpolstern seines Gesichts auf Marr, während er mit aus- gestreckter Hand die Damen begrüßte.
„Ah!" sagte Stopford, reichte seinen Automobilmantel dem wartenden Stuben mâbthen und ließ seinen schweren Körper in einen Armstuhl fallen, den ihm Mrs. Horrell zurechtgerückt hatte. „Ich freue mich, baß ich zum Tee noch zurechtgckommcn bin. Darf ich auch um eine Tasse bitten?"
„Gewiß," antwortete die seit der Ankunft des Besuchers wie umgewandelte Witwe eifrig. Sie gab dem Mädchen die notwendigen Anweisungen und wandte sich dann an Stopford.
Margery bedauert es so unendlich, daß sie Sie vorhin nicht anaetrosfen hat, Mr. Stopford," sagte sie, ohne Marr dem anderen vorzustellen. „Wahrscheinlich hat das Wettiprcl heute etwa- länger gedauert als sonst. Aber sie hat, sich so gefreut, daß Sie noch einmal wiederkommen würden,«nicht wahr, mein Liebling?"
Natürlich. Tantchen! Ich wollte nämlich -- was du scheinbar ganz vergessen ^ast — Mr. Marr dem Mr -topsord vorstellen Das ist" — Richard erhob ych wrdcritrebcnd, denn ihm araute davor die fette Hand des anderen zu schütteln — „der beste Freund meines Bruders Stanley. Sie waren Mammen in Oxford."
Stopford streckte Dick, wie dieser befürchtet hatte, die große, fette Hand entgegen.
„Und was bringt Sie in diese Gegend, Mr. — eh — ?"
„Marr ist mein Name," sagte Dick kurz.
„Nun^ Mr, Marr," wiederholte Stopforb, „was bringt Sie in diese Gegend?"
„Oh, ich habe ganz vergessen, Ihnen zu erzählen?" rief Magery, deren Augen vor froher Erregung blitzten. „Denken Sie sich bloß diesen entzückenden Zufall: Mr. Marr ist hierher- gekommen, um für Hollywood Fußball zu spielen! Heute hat er das erstemal gespielt und war einfach wunderbar? Ihm danken wir es, daß wir die Wanderer geschlagen haben."
„Ein Uebermensch also?" Stopfords Ton klang absichtlich höhnisch. „Wenn Sie so eine Fußballgröße sind, warum spielen Sie dann nicht für die Corinthians oder einen ähnlichen Klub? Ich dachte, das waren die Vereine für wohlhabende Amateure!" Der Mann war offensichtlich durch die Anwesenheit des jungen Fußballers in diesem Hause erbittert unH in einer gefährlichen Stimmung: auch fühlte er sich seiner Position hier sicher genug, um rücksichtslos unhöflich sein zu können. Doch Marr blickte unbeirrt in die kalten, höhnischen Augen des Mannes, von dem er nun wußte, daß er sein erbittertster Feind war. Dann warf er seine Bombe.
„Ich bin zufällig nicht reich," sagte er fest, ohne Zögern. „Ich kann es mit nicht mehr leisten, als Amateur zu spielen: ich spiele jetzt, um meinen Lebensunterhalt damit zu verdienen! Das, Mr. Stopford, da Sie es nun einmal für notwendig gehalten haben, sich um meine Privatangelegenheiten zu kümmern, ist der Grund meiner Anwesenheit in Hollywood!"
„Was, Sie sind wirklich Berufsspieler?" rief Margery Kirkby überrascht und begeistert aus.
„Ich bin noch nickt definitiv bei Hollywood angestellt, aber — ich bin Berufsspieler. Mr. Hollister, der Manager, hat mich auf einen Probemonat engagiert: hoffentlich überlebe ich die Zeit."
„Oh, wie prächtig!" rief das junge Mädchen. „Der Mittel- stürmer war seit zwei Saisons der schwache Punkt der Mannschaft, aber jetzt werden Sie wohl jede Woche spielen, und dann gehts aufwärts. Wie kam es aber, daß ...?" Margery Kirkby errötete plötzlich vor Verwirrung und ließ den Satz unvollendet.
„Ich wollte Ihnen das schon früher erzählen," antwortete Marr: ..und wenn Mr. Stopford mich entschuldigen will, daß ich ihm soviel von meiner unglücklichen Familiengeschichte vorsetze, will ich es jetzt tun. Vorausgesetzt natürlich, daß auch Mrs. Horrell gestattet ...?" Er wandte sich mit einem fragenden, wenn auch etwas ironischen Lächeln an die Witwe.
„Bitte!" schnappte die Witwe zurück.
„Ueber meinen Vater", fuhr der junge Fußballer fort, „brach vor einiger Zeit eine große geschäftliche Katastrophe herein. Sie war so schrecklich, daß sie ihn nicht nur finanziell vollkommen ruinierte, sondern ihn auch tötete.
Natürlich änderte das auch meine Lage. Ich mußte Oxford oerlaüen und einen Beruf ergreifen. Ein alter Internationaler cab mir den Rat, Berufsfußballspieler zu werden. Als ich diesen Entschluß gefaßt hatte, schrieb ich die Namen verschiedener Vereine auf kleine Papierstückchen, tat sie in einen Hut und zog eins heraus. Der Klub, den ich gezogen hatte, war Hollywood. Sie sehen also, daß es ein Zufall war, der mich nack Hollywood gebracht hat. Natürlich", fügte er mit einem Blick auf Margery, welcher Stopford das Blut in den Kopf trieb, hintu, „wußte ich nicht, daß ich hier so gute Freunde finden würde."
Fortsetzung folgt.