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Erscheint Mittwochs und Samstags.
Bezugspreis 2,40 Jt vierteljährlich frei ins Haus.
Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Nück- sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert
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Politische Rundschau.
Zm Reichstag sind nunmehr auch Anträge der Deutschnatio- nalcn und der Nationalsozialisten auf Einberufung des Reichstags eingcgangcn. Die Anträge werden in der für den 8. April anberaumten Sitzung des Aeltestenrates erledigt werden, in der auch der gleiche Antrag der Kommunisten zur Entscheidung steht.
Der Reichspräsident hat den Botschaftsrat bei der Botschaft in Paris Dr. Rieth zum Gesandten 1. Klasse in Wien ernannt.
Der Konflikt in der Nationalsozialistischen Deutschen Ar-, beiterpartei hat sich am Donnerstag weiter verschärft. Man kann nunmehr von einer offenen Revolte der SA.-Führer Ostdeutschlands sprechen. Nachdem am Mittwoch von Hitler die Absetzung des Osaf (Oberster Sturm-Abteilungs-Führer Ost), Hauptmann Stennes, verfügt worden war und am gleichen Abend von Berliner SA.-Leuten eine außerordentlich scharfe Entschließung gefaßt worden ist, die gegen Hitler die aller- schwersten Vorwürfe enthält, haben Bestrebungen eingesetzt, die Berliner SA.-Front durch Hinzuziehung der SA.-Führer Ostdeutschlands zu verbreitern.
Wie die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei mitteilt, ist der seitherige Gruppenführer Ost der S.-A., Hauptmann a. D. Stennes, mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen worden.
Nach seinem vollzogenen Rücktritt ist Minister Dr. Frick am 1. April nach München gereist.
Im Thüringer Landtag ist ein Antrag der KPD. angenommen worden, der die Haftentlassung des Schriftleiters Gäbler fordert. Gäbler, der als Listennachfolger für einen aus- geschiedenen kommunistischen Abgeordneten in Frage kommt, »erbüßt gegenwärtige eine Freiheitsstrafe wegen Hochverrats.
Der Senat der Freien Stadt Danzig hat das danzig-polnische Abkommen über das Anlcgerecht polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hafen gekündigt, da er auf dem Standpunkt steht, daß Danzig keinerlei Flottenbasis sein darf und überdies der •binger Hafen nunmehr genügend ausgebaut ist, um als Stadions- und Winterhafen für die polnischen Kriegsschiffe zu dienen.
Im Hinblick auf die gespannte Finanzlage des Staates Bremen sind der Senat und die Fraktionen der Negierungsloalition übcreingckommen, die Verminderung der Zahl der Senatoren von 14 auf 10 durchzuführen.
In einer Gastwirtschaft in Kattowitz kam es zwischen Gästen zu Streitigkeiten, weil der Iustizanwärtcr Hupka aus Beuthen Polenfeindliche Bemerkungen gemacht und erklärt haben soll, daß Dberschlesien in kurzer Zeit wieder an Deutschland abgetreten würde. Hupka wurde daraushin verhaftet und nach Kattowitz ibergeführt.
Wie aus Kowno gemeldet wird, hat der Geschäftsträger >er deutschen Gesandtschaft in Kowno bei der litauischen Regierung wegen der Deutschenausweisungen aus dem Mcmel- -ebict einen Schritt unternommen.
Das englische Auswärtige Amt gibt bekannt, daß bei der Kollision zwischen dem Flugzeugträger „Glorious" und dem französischen Auswandererdampfer „Florida" ein Passagier der „Florida" getötet und 23 Passagiere und Mannschaften vermißt werden, die man für ertrunken hält. Zwei Pasiagicre und ein Mann der Besatzung der „Florida" wurden schwer und 13 leicht verletzt.
Nach maßgebenden Schätzungen sind bei der Erdbebenkatastrophe von Managua 1150 Menschen ums Leben gekommen, die Zahl der Verletzten beträgt 3000.
In den deutschen Landkreisen wurden am 28. Februar 1931 342 000 lausend unterstützte Wohlfahrtserwerbslose festgestellt. Gegenüber dem Stande vom 31. Januar 1931 (325 000) bedeutet das eine Steigerung um 5,2 Prozent.
In der Osterwoche vom 8. bis 10. April findet in Bad Harz- lmrg die Vertretertagung des Evangelischen Reichselternbundes iReichsverband evangelischer Eltern- und Volksbünde) statt.
Das Versorgungsamt Wiesbaden ist mit dem 31. März d. I. eofgelöst worden. Sein Geschäftsbereich ist dem Versorgungs- omt Mainz zugeteilt worden.
Zur Durchführung der Notverordnung in Kessen.
Darmstadt, 2. 4. Das hessische Eesamtministerium erläßt heute Ausführungsbestimmungen zu der Notverordnung, aus denen folgendes mitgeteilt sei: Die Anmeldung der öffentlichen politischen Versammlungen und der Laftwagenfahrten zu politischen Zwecken, sowie Auszüge unter freiem Himmel haben bei den Polizeiämtern und Polizeioerwaltungen zu erfolgen. In denjenigen Gemeinden, die keine Polizeiverwaltungen haben, 3at die Anmeldung bei den Kreisämtern zu erfolgen. Die Vorlage von Plakaten und Flugblättern politischen Inhaltes hat 24 Stunden vor ihrer Veröffentlichung in gleicher Weise zu erfolgen. Zur Erleichterung ist folgende Bestimmung getroffen Worden: „Sollen Plakate und Flugblätter politischen Inhaltes in einem größeren Bezirk Hessens der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dann können sie auch dem Landeskriminalpoli- «eiamt zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Diese Vorlage
Druck und Verlag von Albin Klein in Eichen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21.
Fernsprecher Nr. 2525 und 2526.
Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.
Samstag, den 4. April 1931
wird durch einen entsprechenden Druckvermerk auf den einzelnen Plakaten oder Flugblättern kenntlich gemacht."
Als politischen Beamten des Staates, die nach der Verordnung gegen Beschimpfung oder böswillige Verächtlichmachung besonders geschützt sind, werden genannt der Staatspräsident, die Minister, die Vorstände der Provinzialdirektion, der Kreisämter, der Polizeiämter des Landeskriminalpolizeiamtes und der Polizeiverwaltungen.
Um das Pädagogische Institut.
Wie wir erfahren, hat das Ministerium für Kultus und Bildungswesen verfügt, daß die Neuaufnahme von Lehrerstudenten für das Sommer-Somester 1931 nur im Pädagogischen Institut Mainz zu erfolgen hat In Darmstadt werden demnach nur Kurse für diejenigen Studenten weitevgeführt, die hier seither schon gewesen sind. Praktisch bedeutet diese Verfügung die langsame Ueberleitung des Institutes von Darmstadt nach Mainz.
Immer wieder kommunistische Zersetzungöarbeit bei der Reichswehr.
Vor einigen Tagen hatten Mannschaften des Reiterregiments Nr. 9 in Fürstenwalde ihrem Vorgesetzten Meldung darüber erstattet, daß eine verstärkte kommunistische Propaganda an Angehörige des Reiterregiments herangetragen werde. Die im Einvernehmen mit der Polizei eingeleiteten Erhebungen haben am Mittwoch zur Verhaftung mehrerer Kommunisten geführt. Gleichzeitig wurden auch sieben Angehörige des Reiterregiments Nr. 9, darunter mehrere Unteroffiziere, festgenommen. Bei der Durchsuchuug in der Kaserne wurden mehrere Exemplare der kommunistischen Zersetzungsschrist „Der Rote Reiter" gefunden.
Regelmäßiger Zeppelinverkehr mit Amerika.
Newyork, 1. 4. Dr. Eckener erklärte kurz vor seiner Abfahrt nach Europa, daß endgültige Maßnahmen zur Einleitung des regelmäßigen Zeppelindienstes zwischen Amerika und Deutschland für den Sommer 1933 getroffen worden seien. Der Preis für die einfache Fahrt werde 900 Dollar betragen. Newyork und Friedrichshafen würden die beiden Endstationen sein. Die Zeppelinluftschiffe sollen unter deutscher Flagge stehen und mit Deutschen bemannt sein. Die Reisedauer werde 2% Tage für die Strecke Friedrichshafen — Newyork und zwei Tage in umgekehrter Richtung betragen.
Bericht über die wirtschaft!. Lage des deutschen Handwerks im Monat März 1931.
Während in normalen Zeiten der OTtonat NTärz bereits eine deutliche Aufwärtsentwicklung zu bringen pflegt, hat in diesem Jahr Die winterliche Geschäftsstille noch ziemlich unverändert angehalten. Zugenommen hat die Beschäftigung bei äußerst gedrückten Preisen nur im Maler-, Tapezierer- und Herren- und Damenschneidereihandwerk. Doch blieb die Belebung so gering, daß das Ostergeschäft eine große Enttäuschung für die betroffenen Gewerbe geworden ist. Im Schuhmacher- Handwerk ist die erwartete saisonmäßige Belebung bislang so gut wie völlig auögeblieben. Auch die Betriebe des Schmiede- und Schloster- sowie des Sattlerhandwerks in ländlichen Gegenden, haben bis zum Schluß des NTonats kaum Aufträge für Znstandsetzungsarbeiten für die Frühjahrsbestellung zu verzeichnen, da das Frostwetter das Einsetzen der BcstellungSarbeiten erheblich verzögerte und die Landwirtschaft zur Untätigkeit gezwungen war. Die Tätigkeit des Baugewerbes wurde in den ersten Wochen des Monats ebenfalls durch das Frostwetter nachteilig beeinflußt. Daß dieses Bretter aber nicht die Hauptursache der geschäftlichen Stagnation war, geht daraus hervor, daß Die erwarteten Aufträge auch nach Eintritt Der wärmeren Witterung ausblieben. Die ^Neubautätigkeit ruhte vielmehr bis zum Schluß des Ilkonats nahezu vollkommen: vor allem die private Bautätigkeit hatte unter Den Schwierigkeiten in der Gesamtfinanzierung der Bauten stark zu leiden. Zn den Berufen des Baunebengewerbes, die in der Regel im Ilkärz größere Aufträge für Reparaturen unD ^Instandsetzungen aufzuweisen haben, gestaltete sich die Lage auch nicht viel freundlicher. Wohl hatte das Malerhandwerk vermehrte Aufttäge zu verzeichnen: auch im Töpfer- und Ofensetzerhandwerk fielen durch die Frostperiode sowie durch die beginnende Zeit des Frühjahrsgroßreine- machens in größerem Jlkaße Znstandsetzungsarbeiten an, dagegen berichten das Dachdecker-, Glaser-, Klempner-, Elektroinstallateur-, Bautischler- etc. Handwerk, daß eher von einer Verminderung der Aufträge als von einer Vermehrung gesprochen werden könnre.
Die Vehältnisie auf dem Arbeitsmarkt blieben weiter unverändert angespannt. OTeueinstellungen von Arbeitskräften wurden nur in wenigen Fällen erforderlich. Die Lohnabbaubewegung ging weiter. Zn Den Materialpreisen haben sich, abgesehen von geringfügiger Abschwächung in einigen wenigen Berufen, keine besonderen Abänderungen ergeben. Die Roggen- und Weizenmehlpreise sind auf Grund der vorgenommenen Zollerhöhungen beträchtlich gesteigert.
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Nummer 27
Mehr Zuversicht!
Vertrauen in die wirtschaftliche und politische Entwicklung des deutschen Volkes daran hat es leider vielfach gemangelt, sowohl diesseits wie jenseits unserer Grenzpfählc. Man hat die allgemeine Vertrauenskrisis namentlich im Herbst vorigen Jahres mit in erster Reihe für die Verschärfung unserer Wirtschaftsnot verantwortlich gemacht. Und das mit Recht! Ohne Vertrauen können Handel und Wandel nicht gedeihen, gerät das gesamte volkswirtschaftliche Getriebe mehr und mehr ins Stocken, muß jeder Keim einer Wirtschaftsgesundung verdorren. Besonders lähmend hat sich der Mangel an Vertrauen auf den überaus empfindlichen Geld- und Kapitalverkehr, gleichsam das Nervensystem des Mrtschastsorganismus ausgewirkt. Inlandskapitalien wandetten ins Ausland - ein Vorgang, der als Kapitalflucht aufs schärfste zu verurteilen ist. Das Ausland wiederum scheute vor einer Gewährung langfristigen Kredits an Deutschland zurück. Das Ergebnis: verschärfte Kapitalknappheit mit all ihren verhängnisvollen Rückwirkungen auf Produktion und Arbeitsmarkt.
Und heute? Vor aller Welt liegt klar zu Tage, daß ein Mißtrauen in die Zukunft des deutschen Volkes sachlich unbegründet gewesen ist und sein wird. Die politische Stabilität Deutschlands steht unbezweifelbar fest. Das haben die letzten Wochen und Monate unzweideutig erwiesen. Wirtschafts- und finanzpolitische Gesundungsmaßnahmen werden erfolgversprechend durchgeführt. In Deutschland regt sich wieder Vertrauen in die eigene Wittschaftskraft; der Glaube an die Zukunft unseres Volkes erstarkt. Und was besonders be- doutungsooll ist: auch im Ausland wendet sich das Blatt; die Vertrauenskrise flaut auch dort ab.
Dafür gibt es untrügliche Zeichen. Besonders schlüssig ist die Kursentwicklung der deutschen Ausländsanleihen, über die soeben das Institut für Konjunkturforschung berichtet hat. Nach dem tiefen Sturz der Kurse deutscher Anleihen an allen großen Auslandsbörsen, wie er im Herbst vorigen Jahres zu verzeichnen war, hat seit Januar 1931 eine beschleunigte Kurserholung eingesetzt. Die Kurse der deutschen Ausländsanleihen sind sogar - und das ist besonders bezeichnend für das Abflauen der Vertrauenskrise - wesentlich stärker gestiegen als die entsprechenden Kurse einheimischer Werte an den einzelnen Auslandsbörsen. An der Newyorker Börse z. B., an der von 121 deutschen Dollaranleihen, die überhaupt an amerikanischen Börsen gehandelt werden, etwa die Hälfte zugelassen sind, hat sich das Kursniveau der deutschen Anleihen von Anfang dieses Jahres bis Mitte März durchschnittlich um 10 bis 15 Prozent gehoben. Einzelne Papiere haben sogar Kursgewinne von 26 Prozent, 28 Prozent und mehr zu verzeichnen. Auch an der Amsterdamer Börse, ebenso wie an den Schweizer Börsen sind die Kurse der deutschen Anleihen gestiegen. Trotz der erheblichen Kurserholungen ist jedoch der Kursstand, den die deutschen Ausländsanleihen vor der Vertrauenskrise innehatten, noch nicht ganz wieder erreicht. Immerhin sind die bisherigen Kurssteigerungen weithin sichtbares Symptom für das wieder- erstarkende Vertrauen auf den ausländischen Kapitalmärkten. Für Deutschland, das, wie die Dinge nun einmal liegen, bei seiner Kapitalknappheit vorerst noch nicht die Krücken ausländischer Kredithilfe entbehren kann, bedeutet diese Entwicklung einen wesentlichen Fortschritt.
Die Kirchenverfolgung in Rußland.
(Verhaftung deutsch-evangel. Pfarrer im Wobgagebiet.)
Nach neuesten zuverlässigen Nachrichten sind im Wolgagebiet von den dortigen deutschen lutherischen Pfarrern in der letzten Zeit weiter acht verhaftet worden. Mit den bereits ffüher aus dem Amte entfernten Pfarrern sind jetzt zehn deutsche Pfarrer des Wolgagebietes ihres Amtes entsetzt.
Vom Auslandsdeutschtum.
Während über das Auslandsdeutschtum ziemlich genaue Zahlen betont sind, herrscht über seine konfessionelle Gliederung und seine kirchliche Versorgung recht verschwommene Vorstellung. Außer den 1500 deutschsprachigen Gemeinden der Schweiz, gibt es in den Vereinigten Staaten 717, in Polen 367, in Siebenbürgen 354, in Elsaß-Lothringen und Kanada je etwa 300, in Brasilien 151, in Rußland 131, in Oesterreich 114 deutsche evangelische Gemeinden. Dazu kommen noch in der übrigen Welt 726, so daß das evangelische Auslandsdeutschtum insgesamt 4660 Gemeinden zählt.
Rußland — sucht Ingenieure!
Die Beschäftigung deutscher Spezialkräfte in der Sowjetunion hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Es ist damit zu rechnen, daß in diesem Jahre die sowjetrussischen Stellen in noch größerem Umfange deutsche Ingenieure und Techniker verpflichten werden, zumal vor kurzem Millionenaufträge an die deutsche Industrie erteilt wurden. Die zur Anforderung kommenden Kräfte dürfen hauptsächlich für die Einrichtung von Fabriken benötigt werden. Da Rußland eine von den übrigen Staaten völlig abweichende Wirtschaftsordnung besitzt, ist es deutschen Spezialisten zu empfehlen, sich vor dem Abschluß eines Anstellungsvertrages eingehend unterrichten zu lassen.