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Mittwoch, den 3. Juni 1931

„Gießener Zeitung"

Nr. 44

Ren). 3. Guth (1900 Gießen). — Vallweitwerfen: 1. Schmidt (MTV. Gießen) 54,32 Meter. 2. Lösch (1900 Gie­ßen). 3. Knorz (VfL. Wetzlar). - 4X50-Meter-S1asfel: 1. MTV. Gießen 29,00 Set. 2. 1900 Gießen 1. Mschft. 30 Sek. 3. VfB. Gießen 32 Sek.

Frauen. Leistungsklasse 1. 100 Meter: 1. Bickelhaupt (MTV. Gießen) 13,2 Sek. 2. H. Kalk (ZG-SpV. Ffm.). 3. Her­mann (JG-SpV. Ffm.). — 800 Meter: 1. Sender (ZG- SpV. Ffm) 2:51,3. 2. Etzelmüller (1900 Gießen) 2:54,8. 3. L. Müller (VfB. Gießen) 3:00. 4X1OO-Me1er-Staffel: 1. MTV. Gießen 54,3 Sek. 2. IG-SpV. Ffm. 57,0 Sek. 3. 1900 Gießen 58,5 Sek. — Weitsprung: 1. Bickelhaupt (MTV. Gießen) 5,08 Meter. 2. Althaus (MTV. Gießen). 3. Amend (MTB. Gießen). — Kugelstoßen: 1 Kalk (JG- SpV. Ffm.) 10,58 Meter. 2. Bickelhaupt (MTV. Gießen) 10,11 Meter. 3. Stühler (VfB. Gießen) 8,90 Meter.

Frauen. Leistungsklasse II. 50 Meter: 1. Kalk (IG-SpV. Ffm.) 7,0 Sek. 2. Braun (IG-SpV. Ffm.). 3. Kuhn (VfL. Wetz­lar). — 100 Meter: 1. Kalk (JG-SpV. Fsm.) 14,4 Sek. 2. Hermann (JG-SpV. Jfm.). 3. Braun (JG-SpV. Ffm.). Diskuswerfen: 1. Abbe (VfL. Wetzlar) 28,65 Meter.

2. Dömeland (JG-SpV. Ffm.). 3. Schwan (MTV. Gie­ßen). — Hochsprung: 1. Röhmig (MTV Gießen) 1,35 M. 2. Abbe (VfL. Wetzlar). 3. Kalk (JG-SpV. Ffm.). - Kugelstoßen: 1. Braun (ZE-SpV. Ffm.) 9,29 Meter. 2. Abb6 (VfL. Wetzlar). 3. Hermann (JG-SpV. Ffm.). — Weitsprung: 1. Kuhn (VfL. Wetzlar) 4,69 Meter. 2. Her­mann (IG-SpV. Ffm.). 3. Schneider (JG-SpV. Ffm.). — 4X5O-Meter-Staffel: 1. JG-SpV. Ffm. 28,2 Sek. 2. 1900 Gießen 1. Mschft. 28,6 Sek. 3. MTV. Gießen 29,5 Sek.

Atheltik-Vierverbandskampf.

Die Auswahlmannfchaften von Berlin, Mittels Süd- und Westdeutschland treffen am 21. Juni in Leipzig zum fünften Male im Leichtathletrk-Vlerverbandskampf zusammen. Bereits jetzt hat als erster der Westdeutsche Spielverband seine Vertretung wie folgt namhaft gemacht:

100 Meter: Jonat-Bochum; 200 Meter: Borchmeyer-Bochum ; 400 Meter: Nöller-Köln; 800 Meter: Lefebre-Düsseldorf; 1500 Meter: Kilp-Düsseldorf; 5000 Meter: Siegers-Eschweiler : vier­mal 100 Meter: Ponath, Borchmeyer, Mölle (Köln), Hendrix (Aachen); Olympische Staffel: Lefebre, Nöller, Borchmeyer, Ich nath' 110 Meter Hürden: Wienecke-Dilisburg ; Weitsprung: Mölle; Hochsprung: Busch-Köln; Stabhochsprung: Born-Bochum; Kugelstotzen: Werring-Gronau; Diskuswerfen: Hoffmeister-Düs­seldorf; Speerwerfen: Schnackertz-Köln.

Unerwartete Hilfe für die deutsche Olympia-Expedition.

In Los Angeles, dem Ort der nächsten olympischen Spiele, hat sich unter Vorsitz des Bankiers Socha ein deutsch-amerikani­scher Ausschuß geoildet, der durch großzügige Geldsammlungen an der Finanzierung der deutschen Olympiaerpedition tatkräftig Mitarbeiten will. Dem Ausschuß gehört auch der bekannte Film­magnat Laemmle an. Schon in den nächsten Tagen soll über ganz Amerika ein Aufruf verbreitet werden, der allen deutsch- amerikanischen Verbänden und Logen übermittelt wird und in dem dazu aufgefordert wird, durch geldliche Unterstützung die Entsendung einer starken deutschen Olympiamannschaft möglich zu machen.

Bezeichnend für die Einstellung der deutsch-amerikanischen Kreise ist übrigens, daß sich besonders die Städte mit stark deutsch-amerikanischem Einschlag schon jetzt um Starts der deut­schen Athleten bemühen. Zn Newark beispielsweise ist ein Kon­sortium gebildet worden, das die finanzielle Unterlage für einen doxtigey Stäkt bereits geschaffen hat. Man reißt sich also schon jetzt um die deutschen Sportler!

Lokales.

Carl Wenzel f.

Zn einem Stuttgarter Sanatorium entschlief am Freitag vormittag der Schriftführer des Turngaues Hessen, Herr Carl Wenzel, im 66. Lebensjahre. Carl Wenzel, der kaufmännischer Direktor der Gailschen Tonwerke war, hat ein Menschenalter der deutschen Turnsache treu gedient. Gestern nachmittag fand auf dem neuen Friedhof in Gießen die Bestattung des Heim­gegangenen unter stärkster Anteilnahme der Bevölkerung statt.

* Erledigte Stellen. Im Kreis Lauterbach sind die nach­stehend aufgeführten, mit evangelischen Lehrern zu besetzenden Schulstellen erledigt: Eunzenau, Heblos, Landenhausen, Rad­mühl, Stockhausen. Dienstwohnung ist überall vorhanden. Eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Utphe, Kreis Gießen. Dienstwohnung ist frei.

* Personalnachricht. Ernannt wurde: der Strafanstalts- oberwachlmeister bei dem Landgerichtsgefängnis in Gießen, Milhelm Balser HL, zum Etrafanstaltsoberwachtmeister bei wem Amtsgerichtsgefängnis in Worms mit Wirkung vom 1. Zuni 1931 an.

* Auswüchse des Rcklamcwcscns. Zn letzter Zeit sind wie­derholt Nachahmungen von Reichsbanknoten (sogenannte Blü­ten) zu Reklamezwecken verbreitet worden. Trotz der vorhan­denen Abweichungen zeigen diese Blüten, besonders wenn sie zusammengefaltet sind oder der Reklametext durch Ueberkleben abgedeckt worden ist, eine Ähnlichkeit mit den echten Noten, so daß es in zahlreichen Fällen Betrügern gelungen ist, sie zu Zahlungen zu verwenden. Es erscheint angebracht, das Publi­kum, insbesondere die gewerblichen Kreise, darauf hinzuwei- sen, daß nach § 360, Ziffer 6 SrGB. die Anfertigung und Vcr-

breitung von Warencmpfehlungskarten, Ankündigungen oder anderen Drucksachen oder Abbildungen, welche in der Form oder Verzierung dem Papiergelde ähnlich sind, strafbar ist. Das Reichsbankdirektorium warnt daher vor Anfertigung und Ver­breitung und warnt gleichzeitig auch vor Annahme derartiger Blüten.

* Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie. Die Auszahlung der Gewinne der 2. Klasse nebst Abgabe der Freilose 3 Klasse hat begonnen. Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muß planmäßig spätestens bis Montag, 8. Zuni, bei Verlust des An­rechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme erfolgen. Die Beachtung dieser Frist wird dringend empfohlen, da über die nicht rechtzeitig erneuerten Lose anderweitig verfügt werden muß.

* Straßensperrung. (Mitgeteilt vom Oberhenischen Auto­mobil-Club E. V. fA. D. D.j) Die Provinzialstraße Fried­berg—Dorheim im Zuge der Straße Friedberg — Hungen wird ab 4. Zuni 1931 bis auf weiteres für jeglichen Verkehr ge­sperrt. Umleitung über Schwalheim oder Fauerbach bei Fried­berg.

Schont unsere Waldungen!

Die Forstverwaltung ist bemüht, Schönheit und Frie­den der Natur zu erhalten. Unterstützt sie alle darin.

Die Zahl derer, die an Sonn- und Feiertagen den Wald aufsuchen, weil sie sich seines wohltätigen Einflusses auf Kör­per und Gemüt bewußt sind, wird immer größer. Nicht zuletzt ist dieser Umstand der Wanderbewegung zuzuschreiben, die in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung erfahren hat.

Aus der Erkenntnis heraus, daß durch die wirtschaftliche Not, in der sich heute weite Bevölkerungskreise befinden,

der Besuch unserer Waldungen für viele tatsächlich die einzige Erholungsmöglichkeit darstellt,

ist die Forstverwaltung bemüht, bei der Bewirtschaftung der in der Nähe der Städte und Ausflugsorte gelegenen Waldungen, den Interessen der Waldbesucher weitestgehend Rechnung zu tragen. Die Rücksichtnahme geht vielerorts so weit, daß zur Erhaltung der Waldesschönheit Aufwendungen gemacht wer­den, die nicht immer durch die Aussicht auf eine entsprechende höhere Rente gerechtfertigt sind. Hier liegt ein Fall vor, wo bei der Bewirtschaftung des Waldes das sozialökonomische Prinzip dominiert. Bekanntlich erfolgt die Waldbewirtschaf­tung unter Beobachtung dreier Grundsätze: des naturgesetzlichen, der privatwirtschaftlichen und des sozialökonomischen, wobei natürlich heute wegen der ungünstigen Lage der deutschen Forst­wirtschaft es die Regel sein muß, dem privatwirtschaftlichcn Prinzip eine Vorrangstellung einzuräumen. Nur dort, wo die Wohlfahrtswirkungen des Waldes besonders in Erscheinung treten, und das ist in der Nähe größerer Städte und Ausflugs­orte, hat das privatwirtschaftliche Prinzip hinter das sozial- ökonomische zurückzutreten.

Bei den Maßnahmen, die von forstwirtschaftlicher Seite zur Erhaltung der Waldesschönheit ergriffen werden, handelt es sich, um nur die wichtigsten zu nennen, um die Er­haltung alter, schöner Bäume, um die Einbringung von schat­tenspendendem Laubholz in Nadelholz, um den Anbau von sol­chen einheimischen und fremdländischen Holzarten, die sich aus­zeichnen durch besondere Blattfarbe oder durch ihre eigenartigen Blüten und Früchte, und die dadurch das Auge des Wande­rers erfreuen, u. a. mehr. Nicht vergessen soll auch werden die Anlage von Fußpfaden und das Aufstellen von Ruhebänken an besonders schönen Plätzen. Wesentlich unterstützt wird hierin die Forstverwaltung durch die Wandervereine, insbesondere den Odenwaldklub und den Vogelsberger Höhenklub.

Leider muß jedoch immer wieder sestgestellt werden, daß cs bei den Bestrebungen der Forstbehörde auf Er­haltung und Förderung der Waldesschönheit vielfach der nötigen Unterstützung durch das waldbesuchende Publikum fehlt. Auf diese Unterstützung kann nicht verzichtet werden, wenn die ergriffenen Maßnahmen von Erfolg begleitet sein sollen.

Die Klagen der Forstbeamten über das Abreißen von Blü­ten und Zweigen, über das Beschmutzen und Beschädigen von Bänken, Brunnen usw., über das Herumliegenlassen von Papier und sonstigen Abfällen wollen nicht verstummen.

Man sollte sich bewußt sein, daß mit diesen Handlungen den übrilgen Besuchern des Waldes die Freude an der schönen Wal­desnatur getrübt wird. Ein seiner Blüten und Zweige beraub­ter Strauch oder Baum ist gewiß kein erfreulicher Anblick. Durch das Herumliegenlassen von Papier und Abfällen und durch die Beschädigung und Beschmutzung von Bänken wird ein schöner Platz so verunziert, daß der mit dem Aufstellen der Bänke verbundene Zweck vollkommen vereitelt werden kann. Ein wahrer Naturfreund meidet diese Orte.

Um die vielen Gefahren, die dem Wald und seiner eigenartigen Schönheit drohen, abzuwendcn muß jeder einzelne mithelfen.

Zn erster Linie gilt es natürlich, die Schuljugend für diese Arbeit zu gewinnen, weil man sich davon mit Recht den nach­haltigsten Erfolg versprechen darf. Es ist daher außerorbent lich zu begrüßen und wird dankbar anerkannt, daß die hessischen Schulleitungen sich schon seit Jahren in den Dienst dieser Sache gestellt haben. Im Unterricht und gelegentlich von Spazier gängen wird jede sich bietende Gelegenheit durch die Lehrer­schaft wahrgenommen, die Schüler über die Bestrebungen zum Schutz der Waldesschönheit aufzuklären. Doch um einen vol­len Erfolg sicherzustellen, darf die übrige Bevölkerung nicht beiseite stehen. An alle, die an der Schönheit des Waldes interessiert sind, ergeht deshalb die Bitte, die Bestrebungen zu ihrer Erhaltung und Förderung zu unterstützen. Dies kann schon dadurch geschehen, daß beim Waldesbesuch

folgende Regeln beachtet werden:

1. Laßt den Gewächsen des Waldes ihre Zweige, Blätter und Blüten; sie sind der Schmuck des Waldes, sollen noch viele erfreuen und neues Leben bilden. Abgerissen welken sie rasch, dienen niemand mehr zur Freude, werden meist bald woggeworfen, das beschädigte Gewächs aber verkümmert.

2. Betritt keine jungen Anpflanzungen, locken dich auch die schönsten Beeren und Blumen, denn du siehst die jungen Pflanzen nicht, die zu Bäumen heranwachsen sollen. Die Zerstörung, die dein Fuß dort anrichtet, ist noch nach Zäh­ren kenntlich.

3. Laß Zeitungen, Frühstückspapiere und sonstige Abfälle nicht auf Wegen und Ruheplätzen herumliegen; balle sie zusam« men und wirf sie in Dickungen oder vergrabe sie in Moos oder Laub; zerschlage auch keine ausgetrunkenen Flaschen, , sondern lege sie beiseite in den Wald. Denn was ist häß­licher, als wenn einzelne Stellen im Walde aussehen wie Sammelplätze für Abfälle?

4. Gehe mit Feuer, Zigaretten und Zigarren recht vorsichtig um. Bei trockenem Wetter kann jede brennend weggowor- fene Zigarette und jedes glimmende Streichholz einen Wald- brand verursachen.

5. Störe die Tiere des Waldes nicht; alle fürchten den Men­schen als ihren größten Feind. Die Berührung durch Menschenhand kann die Mutter veranlassen, ihr Junges oder ihre Eier zu verlassen und so dem Verderben zu wei­hen. Nimm deshalb auch deinen Hund an die Leine, wenn du nicht ganz sicher bist, daß er keinerlei Jagdlust hat.

Aus Nah und Fern.

Lauterbach. Ain 20. Zuni wird in unserer Stadt der 27. oberhessische Provinz-Feuerwehrtag der Freiwilligen Feuer­wehren Oberhefsens stattfinden. In Verbindung damit begeht die Freiw. Feuerwehr Lauterbach am 20. und 21. Juni die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Zn der Abgeordnetenver­sammlung des Provinz-Feuevwehrtages stehen in der Haupt­sache laufende geschäftliche Angelegenheiten auf der Tagesord­nung, daneben aber auch Beratungen über das Grundgesetz und die Satzungen der Provinz-Verbände.

Friedberg. Da die Amtszeit von Bürgermeister Dr. Seyd mit Ende des Zahrcs 1931 abläuft, muß in diesem Zähre eine Neuwahl unseres Stadtoberhauptes für die nächsten 12 Jahre erfolgen. Nachdem vor einiger Zeit die Vorstände der verschie­denen Stadtratsfraktionen beschlossen haben, von der Ausschrei­bung der BUrgermeisterstelle abzusehen, ist nun auf heute eine öffentliche Stodtratssitzung anberaumt worden, in welcher die Wahl des Bürgermeisters vorgenommen werden soll. Man rechnet allgemein mit der Wiederwahl von Bürgermeister Dr. Seyd.

Friedberg. Das Fabrikgebäude der Möbelfabrik Joeckel wurde durch einen Brand zerstört. Dem Feuer fiel auch das große Möbellager zum Opfer. Bei der Löscharbeit, die sich über eine Stunde hinzog, fiel ein Feuerwehrmann in ein Glas­dach und 30g sich erhebliche Verletzungen zu.

Rüdesheim. Der Verkehr in den letzten Tagen hat bewie­sen, daß die kürzlich in Dienst gestellte Rheinfähre zwischen Rüdesheim und Dingen den Anforderungen nie gerecht werden kann. Es hat nun dieserhalb eine Besprechung stattgefunden, in der die Vertehrsverhältnisie Rheingau—Rheinhesien noch­mals eingehend beraten wurden.

Fulda. Bei Streitigkeiten in einer Wirtschaft in Oberer- thal griff ein junger Mann nach dem Messer und stieß es sei­nem Gegner in die Brust, so daß dieser tot zusammenbrach. Die Gendarmerie nahm den Messerhelden fest.

Verantwortlich: Z. V.: G. B u r g e l e i t, Gießen

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