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Samstag, den 3. Januar 1931.

(Siebener Zeitung"

Nr. I

Nauborn (Kreis Wetzlar). Das im Zentrum des Dorfes gelegene Geschäftshaus des Metzgers und Kolonialwarenhänd­lers Karl Schmidt wurde ein Raub der Flammen.

Eine beneidenswerte Gemeinde.

Katzenelnbogen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Landgemeinden des Unterlahnkreises ist cs für Katzenelnbogen nicht notwendig, für das laufende Rechnungsjahr die Steuern zu erhöhen bezw. solche neu einzuführen. Zur Freude der Ge­meindevertretung konnte das der Bürgermeister in der letzten Sitzung feststellen.

Marburg, Die N. G. Elwertsche Universitäisbuchhandlung in Marburg konnte am 1. Januar 1931 auf ihr lOOjähriges Ju­biläum zurückblicken.

Gelnhausen. Einer der ältesten Einwohner des Kreises Gelnhausen, Schreinermeister Wilhelm Schäfer (Untersotzbach bei Birstein) wurde am Neujahrslage bei voller Körper- und Geistesfrische 95 Jahre alt.

Frankfurt, a. M. Die Untersuchung gegen den internatio­nalen Fassadenkletterer Albert Hecken aus Assen, der am Mitt­wochvormittag in Berlin verhaftet wurde, nimmt immer größe­ren Umfang an. In Frankfurt wurden sechzehn Personen ver­haftet. Im Besitz des Hecken fand man noch 30 000 Mark in bar und außerdem eine Menge Schmucksachen. Hecken, der von Beruf Metzger ist, wird nach Frankfurt übergeführt. Die Un­tersuchung befindet sich erst in den Anfängen.

Schwindelunternehmen.

Frankfurt a. M. In dem kleinen Taunusort Eisenroth richteten zwei Berliner ein Bureau ein, dem sie den stolzen Na­menWestdeutsches Exporthaus" gaben. Von hier aus über­schwemmten sie unzählige Zeitungen mit Anzeigen, die ein Preisrätsel enthielten. Das Rätsel bestand aus vier Wörtern, aus denen je ein Buchstabe genommen werden mußte, die zu­sammengesetzt das WortMetz" ergaben. Wer das Rätsel löste und sich bei der Firma meldete, konnte an einer großen Ver­losung teilnehmen. Richt weniger als 25 000 Lösungen gingen ein. Run mußten die Interessenten je sieben Mark einschicken, wofür ihnen ein photographischer Apparat übermittelt werden sollte. Die Schwindler haben den Leuten natürlich keinen photographischen Apparat übersandt. Viele tausend Personen, die den Schwindlern das Geld übermittelten, warten heute noch auf Rückzahlung des Geldes. Die Frankfurter Polizei griff jetzt ein und hob das Rest aus.

Dortmund, 2. Jan. In einem Schreibwarengeschäft explo­dierten während der Silvesterfeier, die in einem Zimmer hinter dem Laden stattfand, icn größerer Vorrat an Feuerwerkskör­pern. Sieben Personen wurden verletzt, davon zwei lebensge­fährlich.

Ein Tierbändiger von einer Löwin angefallen.

Dresden. Im Zirkus Schneider, der augenblicklich im Ge­bäude des Zirkus Sarrasani Vorstellungen gibt, wurde ein Tier­wärter am Neujahrstage von einer Löwin angcfallen. Der Wärter erlitt erhebliche Kopf- und Schulterverletzungen und mußte ins Krankenhaus geschafft werden.

Ueber das Mischen der künstlichen Düngemittel.

Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater.

In der Fach- und Tagespresse wird in den letzten Jahren immer mehr auf die Bedeutung einer sachgemäßen Pflanzen­ernährung hingewiesen. Jeder neuzeitliche und vor allen Din­genrechnende" Landwirt weiß heute, daß nur durch ein­wandfreie Feldbestellung, verbunden mit einer sachgemäßen Düngung und nachfolgenden Pflege des Ackerlandes, nicht zu­letzt des Grünlandes, Höchst- und vor allen DingenRein­erträge", auf die es ganz besonders ankommt, geschaffen werden. Auf dem Düngemittelmarkte wird dem Landwirt eine Reihe von Düngemittel angepricsen: Stickftoff, Phosphorsäure, Kali und Kalk. Es sind dies die vier Hauptnährstoffe, deren Vor­handensein im Boden für das Gedeihen der Kulturpflanzen unerläßlich ist.

Viel Tinte und Papier wurde schon verschrieben und dem praktischen Landwirt auch dem Kleingartenbesitzer klar­gelegt, wie, was und wann er zu düngen hat. Nichts ist aber verkehrter als einseitige Düngung, das ist zwar eine bekannte

Tatsache, sie muß dem Landwirt aber immer und immer er­neut eingehämmert werden. Gerade im vergangenen Ernte­jahr konnte man oft Klage hören überLagergetreide", hervor­gerufen durch einseitige oder zu späte Stickstoffsäuredüngung! Die Nährstoffe müssen zu einander in einem harmonischen Ver­hältnis stehen, erst dann können wir befriedigende Erträge erzielen.

Die Grundlage jeglicher Düngung bilden die natürlichen Düngemittel: für Ackerland der Stalldung, für das Grünland, also Wiese und Weide, der Kompost In der neuzeitlichen Land­wirtschaft, wo die Führung des Rechenstiftcs ebenso wichtig ist wie die Handhabung eines Ackergerätes oder die Führung des Pfluges, genügen die natürlichen Düngemittel nicht mehr; der Landwirt greift zu den künstlichen Düngemitteln und wird durch deren fachgemäße und richtige Anwendung auch befriedigende Erfolge erzielen. Um Zeit und Arbeit beim Ausstreuen zu sparen, mischt der Landwirt seine künstlichen Dünger und streut sie in einem einzigen Arbeitsgang aus Beim Mischen selbst muß man, um Fehler zu vermeiden, folgende Hauptpunkte be­achten:

1. Kalkdünger, auch Thomasmehl und Kalkstickstoff dürfen nicht mit ammoniakalischen Düngern und solchen vermischt wer­den, welche die Phosphorsäure in wasserlöslicher Form ent­halten, wie z. D. Superphosphat, weil der Kalk den Am- moniakstoff austreibt und die wasserlösliche Phosphorsäure schwerer löslich macht.

2. Thomasmehl und Kainit, bezw. Kali, die sehr häufig gleichzeitig Verwendung finden, dürfen nur kurz vor Dem Ausstreuen gemischt werden, sonst verhärten sie zu einer zementartigen Masse.

Dagegen kann das, besonders zur Körnerbildung notwendige, Superphosphat unbedenklich mit Kainit, Natronsalpeter und schwefelsaurem Ammoniak vermischt werden. In der Anwen- dun.g gewisser Dolldünger, wie z. V. Am-Sup-Ka (Ammoniak- Superphosphat-Kali), die keinesfalls teurer sind als einzcl ge­kaufte und selbst gemischte künstliche Düngemittel, wird es Dem Landwirt heute sehr leicht gemacht, obigem Uebelstande zu be­gegnen. In Zweifelsfällen wende er sich vertrauensvoll an die zustäudige landwirtschaftliche Schule, die ihm mit Rat un- Tat jederzeit kostenlos zur Hand geht.

Der Grund für das Blau- und Grauwerden der Kartoffel.

Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater.

Das Jahr 1930 brachte uns dank der für das Wachstum der Kartoffel günstigen Witterung eine Kartoffelrekordernte, wie wir sie in der Nachkriegszeit noch nicht erlebten. Durch das Uebcrangebot an Kartoffeln sind die Marktpreise für den Er­zeuger z. Zt. sehr gedrückt.

Eine sehr unangenehme Erscheinung ist bezüglich der Halt­barkeit der Kartoffeln in diesem Jahr das Blau- oder Grau­werden derselben. Der Grund dieser für den Verbraucher höchst unangenehmen Erscheinung liegt in erster Linie in der feucht­warmen Witterung während der Vegetationszeit, kann aber noch andere Ursachen haben.

Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß wir nicht immer von der Ueppigkeit des Krautes auf Güte und Menge der im Boden steckenden Knollen schließen können. Einseitige Stickstoffernäh­rung z. B. erzeugt starke Kraut- und Blätterbildung, während der eigentliche Pflanzenertrag sehr zu wünschen übrig läßt. Die Gründe eines schlechten Knollenansatzes bei der Kartoffel kön­nen aber, abgesehen vom Anbau falscher oder abgebauter Sor­ten, noch anderer Art sein. Die Kartoffel gehört wie alle Hackfrüchte zu den sogenannten Kalifressern. Kali dient der Pflanze zur Bildung von Stärke und Zucker. Kalimangel wirkt sich speziell bei den Hackfrüchten auf Qualität und Quantität der Knollen oder Rüben aus. Bei der Kartoffel treten diese Erscheinungen schon rein äußerlich in einem typischen Krank­heitsbilde auf: Die Hauptrippe der Blätter, sowie die Einzel­blättchen nehmen eine nach unten gekrümmte Form an. Dabei treten zwischen den Vlattrippen gelbliche, allmählich ins Braune übergehende Flecken auf und schließlich vertrocknen die Blätter ohne Uebergang in Gelb mit dunkelbrauner Farbe. An den Knollen selbst entstehen kleine oder größere blaue oder graue

Flecken. Diese liegen anfangs direkt unter der Schale, bei starkem Kalimangcl treten sie bann auch im Innern der Knol­len auf, schließlich gehen die kranken Stellen in Fäulnis über. Eigentümlich dabei ist, daß selbst bei stärkstem Befall die Schale selbst unverletzt bleibt. Beim Kochen derblau fleckigen" Kar­toffel bleiben die Färbungen bestehen und die blauen Stellen mehr oder weniger hart. Blau fleckige Kartoffeln sind daher für den Verbrauch ungeeignet und bringen dem Erzeuger und Händler große finanzielle Nachteile.

Die biologische Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem hat darüber seit Jahren Versuche angestellt und bei solchen Krankheitserscheinungen stets gefunden, daß der Kaligehalt der Trockensubstanz von solchen kranken Kartoffel­pflanzen außergewöhnlich niedrig ist. Die Krankheit selbst kann, wenn einmal aufgetreten, nicht mehr geheilt werden. Nur Vorbeugung kann helfen! Solchen Böden gebe man je Hektar mindestens 6 bis 8 Doppelzentner 40er Kalidüngesalz, um Den Kaligehalt der Kartoffel auf normale Höhe zu bringen und da­mit ihr Blauwerden (Schwarzkochen) zu verhüten. Nur solche über das normale Maß Der Düngung hinausgehende Kaligaben können dieser unangenehmen Krankheitserscheinung wirksam entgegentreten.

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