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(Gießener Tageblatt) (Neueste Nachrichten)
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Staatslommissar für Gießen?!
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In einer höchst dramatischen Sitzung verhandelte der Stabt: rat heute mittag über die Anträge der Stadtverwaltung zur Jtattng des Defizits im lausenden Etat. Die Verwaltung plante zum Ausgleich der fehlenden 127 000,— R.-Mark
1. die Gewerbesteuer vom Ertrag von 220 auf 280 R.-Pfg.;
2. die Gewerbesteuer vom Kapital von 55 auf 60 R.-Pfg.;
3. die Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen von 27 auf
33 R.-Pfg.;
4. das Waffergeld von 25 auf 28 R.-Pfg. je Kubikmeter;
5. die gesetzliche Miete um 2 Prozent zu erhöhen.
Und zwar fällten die Steuern und Abgaben 1 bis 3 rück- witlcnb vom 1. April 1930, 4 und 5 vom 1. Januar 1931 erhöht WbCIL
6. Die WasferanfchlußgcbUhr sollte in Fortfall kommen.
In ausführlichen Darlegungen nahmen die einzelnen Frak- liaoen zu diesen Anträgen Stellung. Die Sozialdemokraten waren für die Steuererhöhungen, aber gegen eine Mieterhöhung. Sie Arbeitsgemeinschaft der Mitte fiel auseinander. Zentrum and Demokraten waren für die Vorlage der Stadtverwaltung. Dü Volkspartei dagegen; sie wandte sich vor allem gegen die riidtrirtciibe Erhöhung, im übrigen hatten sie von sich aus Acn- lerungsanträge eingereicht, die sich mit denen der Stadtver- weltung decken, nur daß die Steuererhöhungen erst ab 1. Dezember dieses Jahres gelten und der unbebaute Grundbesitz (einer Grundfteuercrhöhung ausgesetzt werden soll. Der rechte Flügel war gegen beide Vorlagen und lehnte cs ab, dauernde einseitige Steuererhöhungen zu sanktionieren, wenn die Stadt- mwaltung nicht von sich aus auch der Not der Zeit Rechnung tragen würde, und auf der Ausgabenscite energisch spare. Die Notionalsozialisten lehnten wie auch die Kommunisten die Vor-
lehnte der Stadtrat mit großer Mehrheit zunächst die Anträge der Stadtverwaltung gegen die Stimmen des Oberbürgermeisters Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seib, Beigeordneter Dr. Hamm, Justizrat Rosenberg und der Stadtratsmitglicdcr Fischer (D.), Mayer (D.), Frau Dr. Marx (D.) und Eocrz (3.) ab. Die Anträge der Volksportei wurden von rechts und links mit großer Mehrheit abgclchnt.
Nach kurzer Kreditnachbewilligung für die städtische Straßenbahn — 15 000 R -Mark — mit der ' Maßgabe, der Stadtverwaltung freie Hand für Ersparnisanlagen bei der Verwaltung der Straßenbahn zu lassen, schloß kurz nach 2 Uhr Bürgerin erster Dr. Seib für den inzwischen fortgcgangcnen Oberbürgermeister die öffentliche Stadtratssitzung.
Das Stadtparlament hat sich damit selbst nach Hause geschickt. Nachdem es nunmehr nicht mehr möglich ist, die Finanzen der Stabt Gießen auf gewöhnlicher, breitester Basis zu regulieren, wird wohl auch in Gießen ein Staatskommissar ein- zichen, um diktatorisch zu verfügen, was seiner Meinung nach nötig tut.
Irgend einen Vorwurf darf man unserem Stadtparlament für die Ablehnung der Steuererhöhungen nicht machen. Wo heute alles nach Lohn- und Preisabbau ruft, darf die Kommune nicht mehr verlangen. Letzten Endes samt man die Stadtrats- mitgliedcr selbst mir der Drohung vor dem „Hosen Staatskom- missar" nicht zwingen „gegen ihre eigene Ueberzeugung ihr eigenes Grab selbst zu schaufeln.
lagen ab. Damit war deren Geschick vorauszusehen. Nach höchst
ab Mâ ein klimatischer Abstimmung mit regster Ecschäftsordnungsdebatte ji^Ä «w >—-------— ------—
Wie wir aus unterrichteten Kreisen hören, ist als Staatskommissar für die Stabt Gießen, Herr Regierungsrat Dr. M e i - c r - Friedberg vorgesehen. Er findet eine sckMere Aufgabe vor. wir wollen hoffen, daß er sie geschickt und gerecht zu meistern versteht.
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Politische Rundschau.
Die vor einiger Zeit angctünbigte Reise des Reichskanzlers «ach den östlichen Provinzen wird vom 6. bis 12. Januar statt- süiden. In der Begleitung des Kanzlers werden sich Reichs- hnanzminister Dietrich und die Leiter der Ofthilsc, Treviranus mb Hirtsicscr, besinden.
Der Kirchcnscnat der evangelischen Kirche der altprcußischen Union hat beschlossen, daß auch die Bezüge der im Dienst der Kirchengemeinden und kirchlichen Verbände stehenden Pfarrer, Warnten und Angestellten entsprechend den Bestimmungen der Ecrotbnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft
giesisch-Euinea, angckommen. Damit ist die letzte afrikanische Etappe erreicht. Das nächste Flugziel ist Port Natal in Bra- fiilicn.
Der amerikanische Nordpolsorschcr Wilkens will im kommenden Jahre mit einem U.-Boot unter dem Eise bis zum Nordpol verstoßen. Das umgebaute U.-Voot ist scrtiggestellt.
Im Tharrawaddy-Bezirk in Oberburma ist eine Eingebo- rencnrevolte ausgebrochen, die bisher noch nicht unterdrückt werden konnte.
Sas 9. Avsksschulvilichljahr.
Die Ektveiterung der Berufsschu.pflichl.
3« den letzten Fahren ist das 9. Volksschulpflichtjahr von den Volksschullebrerkreise» immer iviedcr gefordert worden, ob wohl maßgebende Stellen und Personen auf die finanzielle Jins Wirkung einer derartig weitgehenden Isstaßnahme eindringlichst hingewiesen haben. Inzwischen sind wir nicht reicher, wohl aber wesentlich ärmer geworden. NTan will nun der ArbeitS lofigfett dadurch steuern, daß inan die Jugendlichen ein Iabr länger in der Schule belaßt und berechnet, daß etwa 250 000 Jugendliche so vom 2lrbeifsmarft ferngehalten werden können. Es ist aber nichts darüber zu lesen, wie eine derartige Maßnahme die Elternschaft der Jugendlichen gerade in jetziger Zeit belasten würde, wie der Arbeilsmarkt überhaupt dadurch eine andere und wesentlich günstigere Gestaltung bekommen kann und welche finanziellen Auswirkungen für den Haushalt der Gemeinden als den Trägern der Schulen sich ergeben werden. Doch darüber soll eine Denkschrift des Preußischen Ministeriums für Kultus und Unterricht Aufschluß geben, die zurzeit bearbeitet wird, nachdem bei internationalen Kongressen, in einem umfangreichen Schriftum 11. a. tu. das 9. Schuljahr nach allen iWirkungsricklungcn eingehend behandelt worden ist.
Lluch das deutsche Handwerk hat sich mit der Frage der Erweiterung der Volksschulpflicht befaßt. Es ist der Auf fassung, daß cs besser sei, die Elemcntarfächer etwas intensiver zu treiben und alle Nebendinge, die davon ablenken, zu lassen. Für den Erfolg in der Erziehung des Lchrlingsnachwuchses ist das 2llter von 14 Jahren von entscheidender Bedeutung. Solche Jugendliche fügen sich noch leicht den Anforderungen der Nkei sterlchrc, sie stehen noch unter dem Einfluß der häuslichen Erziehung und der Schule. Zudem besteht bei weitem noch nicht überall das 8. Pflichtschuljabc, das die Neichsvcrfassung vorsieht. Weite Teile der Landbevölkerung der südlichen Teile des Reiches sträuben sich noch sehr gegen die Einführung des 8. Schuljahres. Bei einer derartigen Uncinhcitlichkcit unseres Volköschulivcsens sind allgemeine Reformen nahezu unmöglich, sie würden in imüberwmdliehen i' rbwirriafrifm führen
Nach langer Fehde zwischen dec Volksschule und Berufsschule ist auf der diesjährigen Tagung des Deutschen Lehrer- oereins in Kassel eine Einheitsfront der Kreise beioer Schulgattungen geschaffen worden. Es ist für das Handwerk interessant, die Leitsätze zu kennen, die dem Referat „Volksschule und Berufsschule" angefügt wurden und Annalunc fanden:
Md Finanzen gekürzt werden sollen.
Mit Rücksicht aus die bevorstehende Tagung des Rates des «öltcrbunbcs zeigt sich in der polnischen Presse eine ausfällige Aimmungsmachc gegen die freie Stadt Danzig.
Der Polizeihauptmann Schüler, der von der thüringischen
Negierung wegen schwerer Verletzung der Amtsverschwiegenheit
fristlos entlassen worden war, ist vom preußischen Jnnenmini- ferium bei der preußischen Schutzpolizei als Polizeihauptmann
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««gestellt worden.
Am 1 Januar 1931 tritt der Präsident des bayerischen Vcr- mltungsgerichshoses, Staatsrat Dr. Ritter von Kahr, in den lauernden Ruhestand.
Das Schulschiff des deutschen Schulschis,-Vereins, „~cut|dj: bird", ist am 23. Dezember wohlbehalten in Porto Rico ange: Immen und wird am 2. Januar nach Pensacola we.terscgeln
^er Präsident des Amerikanischen Gefellschastsverbandes, William Green, erklärte, die Zvhl der Erwerbslosen in den Ver- migten Staaten habe sich seit Anfang D-Z-mber um rund e.ne halbe Million erhöht und betrage augenblicklich 5,3 Millionen.
^er Fürst von Monaco hat die Gesetzgebende Versammlung bk auf1 weiteres aufgehoben, das h-ißt d.e --«^t-n «â«-- dis Volkes nach Hause geschickt. Der hurst
Km Staatsrat, dessen Mitglieder er ernennt allein
Der Parlamentarische Ausschuß in Prag wird d.e Be. itwcrdcn über die Verfälschung der Volkszählung 'n d rchcchcslowakei dem Völkerbünde zulcitcn.
Die parlamentarische Untersuchungslommch.on fur die Oll- filic-Afsäre hat beschlossen, Außenminister Br,and (ur samst. g ^Eiâschwcrer Börsenslanda, ist in Brüssel ausgebrochen El, ' t^felagentcn und ehemalige Mitglieder der ^nto^^ ■laben im Jahre 1928 für die Einführung von Aktien der (ran- : Mischen Automobilfabrik Citroen Prämien von,840 errangp '«Hie erhalten, während die Notierung an der Par'I-r Bor,
mir 1700 Franken betrug.
Das Weihnachtsfest ist in Moskau sowie ,n der ganz kkonojctunion im Zeichen des Kampfes gegen die R°l'g'°n°er- l-u ien Alle Betriebe haben am 25. und 26. Dezember w.e ub- ich, gearbeitet. Trotz der Hetze gegen das We.hnachts,c,t waren -am Abend sämtliche Kirchen in Moskau übersullt.
Das Geschwader der 14 italienischen Wagerflugzeuge rst am ,1. Weihnachtsseiertag in Bolama, der Hauptstadt von Portu-
Neuer polnischer Borstoß
gegen das Deutschtum in Oberschlesien.
Biala. Wie der „Oberschlesische Kurier" meldet, plante das Schulinspektorat von Biala einen Vorstoß gegen die deutsche Volks- und Bürgerschule. Diese sollte in eine polnische Lehranstalt umgewandelt werden. Die bisher, deutschen Klassen sollen dagegen in anderen Gebäuden untergebracht werden. Diese Neuregelung soll mit dem Schulbeginn im neuen Jahre vorgenommen werden. Dieser angctünbigte Vorstoß ist bereits erfolgt. Der Ortsschulrat beschloß, die Schule zu teilen. Diese Verfügung widerspricht einem verbrieften Recht. Das Schulgebäude ist von den Deutschen mit deutschem Gelde errichtet worden, und es ist urkundlich festgelegt, daß bas Gebäude, das der katholisch. Pfarrgemeinde gehört, nur solange zu Schul- und Unterrichtszwecken zur Verfügung gestellt wird, als die Unterrichtssprache die deutsche ist.
Förderung des KlelnwaldbesitzeS.
Ueber eine Million Hektar Kleinwaldbesitz in Deutschland sind bisher noch nicht so genutzt wie cs vom Standpunfte rationeller Ausnutzung wünschenswert wäre. Der Landkreistag hat es sich zum Ziele gesetzt unter seiner Führung durch organisatorische Zusammenfassung eine zweckmäßige Ausnutzung von Bauernwald und aufforstungssähigem Oedland herbeizusühren. Aus diese Weise können viele Millionen an Volksvermögen und Volkseinkommen geschaffen werden. Die Organisation ist in bester Entwickelung. In allen Provinzen sind die Waldbauvereinc an der Tätigkeit, um den Klcinwaldbcsitz durch Beratung und geeignete Unterstützung zu größerer Intensität zu bringen, eine Aufgabe, die sich im Rahmen der gesamten Sieblungstätigtert als Teilaufgabe lohnend gestalten wird.
Der HM des Merapi.
Conbon, 26. Dezember. Nach Meldungen aus Batavia läßt sich die genaue Zahl der bei dem Ausbruch des Vulkans Merapi um* Leben gekommenen Personen bei der großen Ausdehnung des verheerten Gebietes noch immer nicht feststellcn. Nachdem die oberen Lavaschichten durch Regen abgekühlt worden (mb sind mehrere Expeditionen zur Rettung der durch den Ausbruch des Vulkans abgeschnittenen Bewohner ausge,andt worden, doch werden die Rettungsarbeiten noch immer durch gift'ge Kämpfe erschwert Insgesamt sind 24 000 Personen aus her Umgebung des Merapi geflüchtet. Die Lava hatte eine Temperatur von 1350 Grad Celsius.
2.
Die heutige, nur historisch begreifbare Trennung von Volksschule und Berufsschule muß innerlich und äußerlich überwunden werden durch den entschiedenen VIillen aer beteiligten Lehrerschaften und Schulverwaltungen, beide Schulgattungen, unbeschadet ihrer Eigenart und relativen Selbständigkeit, als eine Einheit zu sehen und nach einem in sich geschlossenen Bauplan für das gesamte Einheitsschulwesen neu zu durchdenken und zu organisieren. Die bisherige höhere Schule würde als Berufsschule für die intellektuellen Berufe in diesen Bildungsaufbau einzube- ziehen sein und aus dieser Deutung ihrer Wesensart die ihr gemäße Form im Gefüge des Ganzen empfangen.
Bis zur Vollendung dieser künftigen, um den pädagogisch so ergiebigen Berufsgedanken bereicherten Einheitsschule ist die Lösung der folgenden Gegenwartsaufgaben mit
allem OTacbbrucf anzustreben:
klare Herausarbeitung der Eigcnanfgabc 0er Volks-
a)
d)
e)
g.
schule, besonders ihrer oberen Jahrgänge, durch endgültige Preisgabe des Vorbildes der höheren und Hochschule und Ueberwindung der unjugenolichen akademisch- systematisierenden Fächerung; Neuorientierung hinsichtlich der Stoff- und Aufgabenauswahl nach ihrer Ge- genwarts- und Wirklichkeitsbeoeutung und im Sinne der Bcrufsannäherung und -findung;
Erweiterung der Volksschulpflicht auf mindestens 9 Schuljahre als gemeinsame Gestaltungsaufgabe für Volks- und Berufsschule und Aufrechterhaltung der unverkürzten Berufsschulpflicht;
restlose Durchführung der in der .Reichsverfassung vorgesehenen Fortbildungssckulpflicht für alle Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, besonders auch im Hinblick auf eine ausreichende Wochenstundenzahl;
Schaffung vielfältiger Ueberganas- und Aufstiegsmöglichkeiten zur Hochschulreife, auch auf dem Wege über die Volks- und Berufsschule;
konsequente Durchführung und Erweiterung der Kin- derschutz- und Iugendwohlfahrtsbestimmungen;
einheitliche Grundlinien für die Ausbildung der Lehrer aller Schulgattungen, durch die bei der Verschiedenheit der Bildungswege im einzelnen ihre Gleichwertigkeit im ganzen gewährleistet wird;
Zusammenfassung aller Schularten unter eine einheitliche Leitung."
Diefe Bestrebungen nach Vereinheitlichung sind an uno für sich durchaus zu begrüßen. Die Zersplitterung und Vielfältigkeit unseres gesamten Schulwesens von cer Volksschule bis zur höheren Schule hat zu einer Unübersichtlichkeit geführt,