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Gieke«er Zeitung
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43. Jahrs
Mittwoch, den 23. Juli 1930
Reichspräsident von
Nummer 58
am Rhein
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Reichspräsident von Hindenburg hat am Freitagabend feine Rust in das befreite Gebiet angetreten. Auf der Fahrt in die befreite Pfalz traf der Reichspräsident am Sonnabendvormittag in Bruchsal ein. Unter dem Jubel einer großen Menschenmage fuhr dann der Zug weiter. Auch in Germersheim wurde ban Reichspräsidenten ein festlicher Empfang zuteil.
Ankunft in Speyer.
Um 9.46 Uhr traf der Reichspräsident auf dem Bahnhof in Eptner ein. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich zur Begrüßung des Reichsobcihauptcs am Bahnhof eingefunden. An- aiieitb waren der bayerische Ministerpräsident Dr. Heldt, der Jniteiiminifter Dr. Stützel, Regierungspräsident Dr. Psiilf, der Oberbürgermeister sowie zahlreiche Vertreter der kehöiden und der umliegenden Gemeinden. Unter den Klängen des bayerischen Defiliermaisches wurde Hindenburg im Zuge tont bayerischen Ministerpräsidenten begrüßt.
Srcufenber Jubel erschallte, als der Reichspräsident vor dem Bahnhof den Kraftwagen bestieg.
Suf dem Wege zur Gedächtniskirche begleiteten fortgesetzt Hoch- rufe und der Gesang des Deutschlandliedes das Staatsoberhaupt.
Den Mittelpunkt der Befreiungsfeier bildete der Festakt im Sitten Sitzungssaale des Stadthauses, an dem etwa 60 führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teilnahmen. Dr. Held lies darauf hin, es fei traditionell geworden, daß der Kampf am den Rhein immer in der Pfalz seinen Schwerpunkt habe.
Darauf übermittelte
Rcichsnuhenminiftcr Dr. Curtius bic lwrüß« und den Dank der Reichsregierung. Er würdigte das Ende der mehr als elfjährigen Besatzungszeit als ein großes Ereignis der deutschen Geschichte. Er gedachte dann seines Vorgängers Dr. Stresemann, der mit weitem Blick und bis zur Er- ifopjung feiner Kräfte für sein Ziel gekämpft habe. Schmerzlich sei es jedoch, daß die Saarpfalz und das ganze Saargebiet ich nicht mit dem Baterlande vereinigt seien. Auch dort stehe lie Bevölkerung zu ihrem Deutschtum und zum Reich, so daß man mit voller Ruhe dem Jahr« 1935 ent gegenfelfen könne.
Das jubelnde Mainz.
Am Samstag und Sonntag war anläßlich des Hindenburg- kiurfjes in Mainz das Stadtbild von Hunderttausenden von fier ieben belebt. Am Sonntag, um 10 Uhr vormittags waren itätiungsweis« 250 000 Menschen aus allen Teilen des besetzt jnvescnen Hessen nach Mainz gekommen. Kurz vor 9 Uhr ver- chß der Reichspräsident das frühere großherzogliche Palais, in km er Wohnung genommen hatte, und fuhr in Begleitung Ion Reichsaußenministcr Dr. Curtius, dem hessischen Staats- päsi deuten Adelung und den übrigen Reichs- und Länderver- fretern zur Christuskirche, in der der Festgottesdienst stattfand, swe-ralsuperintendent Zentgraf hielt die Festpredigt. Dor der Liche war eine vieltausendköpfige Menschenmenge versammelt, Ak, als der Reichspräsident das Gotteshaus verließ, in Hurra- 5tfc ausbrach und das Deutschlandlied sang. Der Reichspräsi- 2m fuhr dann im Auto durch die Straßen der Stadt. Die ntmfabrt dauerte etwa eine Stunde.
Ueberall standen dichte Menschenmengen,
■b bic Abordnungen der Vereine mit Hunderten von Fahnen. Hieberall wurde das Staatsoberhaupt mit lautem Hochrufen sprößt und begeistert empfangen. Auf der Rundfahrt wurde Hin XII Uhr auf dem Schillerplatz das Defreiungsdenkmal ent- tillt. Der hessische Innenminister Leuschner hielt eine kurze Ärsprache und übergab darauf das Denkmal dem Oberbürger- nifter der Stabt Mainz, Dr. Külb. Dann ging die Fahrt wieder uter dem tosenden Jubel der Bevölkerung weiter zur Etadt- Me.
Erleichterung des eigenen Schicksals zu erlangen, abwehren können. Durch sich selbst sei das Volk am Rhein seines Schicksals Herr geworden. Der Reichspräsident gedachte dann der Opfer, die der Abwehrkampf und die Selbstbehauptung gefordert hätten
Die Ausführungen des Reichspräsidenten schlossen mit folgenden Worten:
„Meine Damen und Herren! In den vergangenen Jahren der Not hat hier am Rhein in allen Ständen und Parteien ein gemeinschaftlicher Wille geherrscht. Nur dieses Bewußtsein, eine Gemeinschaft zu sein und zu leben in unlösbarer Verbundenheit mit den deutschen Volksgenossen jenseits des Rheins, hat es vermocht, alle Anschläge auf deutschen Boden zuschanden zu machen. Möge in der Zukunft allen Deutschen dieser Geist der Einigkeit gegeben sein! Möge sich zur Freiheit am Rhein im ganzen deutschen Vaterlande endlich auch die Einigkeit gesellen! Dann, aber auch nur dann werden wir die Kraft haben, die uns trotz allem, was noch auf dem deutschen Volk lastet, vorwärts und aufwärts bringt. In dieser Hoffnung lassen Sie uns gemeinsam unsere Liebe und Treue zum Lande unserer Väter bekennen, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, cs lebe hoch!"
Nach dem Hoch des Reichspräsidenten sang die Menge das Deutschlandlied. Nicht endenwollende, minutenlange Beifallsstürme zeigten dem Reichspräsidenten die große Verehrung, die ihm die Mainzer Bevölkerung enligegenbrachte. In Begleitung seines Gefolges verließ Reichspräsident von Hindenburg die
Stadthalle, um
Wiesbaden ren nicht mehr.
die Weitcrsahrt nach Wiesbaden anzutreten.
Hindenburg in Wiesbaden.
bot heute ein Bild, wie wohl seit zwanzig Jah-
Auf den in Fahnen und Blumenschmuck pran-
genden Straßen stauten sich die Menschenmafsen, um Hindenburg zu begrüßen.
Dem Reichspräsidenten, der nur kurze Zeit hier weilte, wurde bei seinem Eintreffen begeistert zugejubelt. Auf preußischem Gebiet in Biebrich wurde er von dem Obeipräsidenten der Provinz Hessen-Nassau, Haas, und dem Regierungspräsidenten Ehrler, sowie dem Oberbürgermeister Krücke, Wiesbaden, be= grüßt. Im Kurhaus fand ein kurzer musikalischer Festakt statt. Das von Tausenden begeistert gesungene Deutschlandlied war ein unverbrüchlicher Treueschwur für Volk und Vaterland.
Von Wiesbaden begab sich der Reichspräsident in Begleitung des Reichskommissars Langwerth von Simmern auf dessen Besitztum in Eltville, wo er die Nacht verblieb.
Bingen, Kreuznach, Hunsrück.
Der Reichspräsident verbrachte die Nacht auf der Besitzung des Reichskommissais Langwerth von Simmern in Eltville und fuhr am Montagoormittag im Auto nach Bingen, Kreuznach und dem Hunsrück. In allen Ortschaften, die er durchfuhr, begrüßten ihn jubelnde Menschen. Kurz nach 10 Uhr traf Hindenburg in Bingen ein, wo er von einer begeisterten Menge empfangen wurde. Der Kreisdirektor von Bingen, Freiherr von Gemmingen, begrüßte Hindenburg bei der Ankunft und geleitete ihn zum Marktplatze, wo er vom Bürgermeister begrüßt wurde. Der Bürgermeister erinnerte in seiner Ansprache an die schwere wirtschaftliche Lage der lange besetzt gewesenen Stadt. Seine Rede klang aus in einem Treugelöbnis zum deutschen Vaterlande. Die Menge fiel brausend in das auf den Reichspräsidenten ausgebrachte Hoch ein. Hierauf überreichte der Bürgermeister Hindenburg einen Pokal edlen Weines.
Der Reichspräsident begrüßte dann die Altveteranen. Er erinnerte daran, daß er bereits während des Feldzuges 1870 als Oberleutnant in Bingen geweilt habe.
Die Autokolonne mit dem Reichspräsidenten fuhr dann
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Feier in der Stadthalle.
In der festlich geschmückren Stadthalle fand zu Ehren des Äichspräsidenten ein Festakt statt, bei dem nach einleitenden Musikalischen Vorträgen Staatspräsident Dr. Adelung dem 3(icE'spräfibenten den Willkommensgruß des Hessenlandes cnt- ’»t. Anschließend begrüßte Oberbürgermeister Dr. Külb im Innren der Stadt den Reichspräsidenten. Dann sprach Reichs- nie-nminifter Dr. Curtius: . . . Mit großem Opfermut habe die feaälterung des besetzt gewesenen Gebietes alle Leiden der Be- l‘|u ngsieit getragen. Mit standhafter Einmütigkeit habe das toll am Rhein in allen feinen Schichten allen Loslösungsbe- äiclvungen und allen rechtswidrigen Eingriffen einen entschlosie- W Widerstand mit den Waffen des Rechts und des Friedens tntg.egengefetpt.
Reichspräsident von Hindenburg
bangte darauf für die freundlichen Beigrüßungsworte. Er ver- knb damit seinen Dank an die Bewohner und Behörden der statt Mainz und des Hessenlandes, die ihn in so freundlicher mb herzlicher Weise bewillkommnet hatten. Das, was nach tagten Jahren des Leidens erreicht worden fei, sei in erster hie der Bevölkerung des Rheinlandes selbst zu verdanken, èicmder Gewalt, sowie starken Versuchungen preisgegeben, haben Kämner und Frauen dieses Landes in ihrem Deutschtum ausge- tznt. Nur einige Gesch.ossenheit aller Schichten der Beoölke- rrngg habe die Versuche, durch Lostrennung vom Mutterlande
langsam durch die von Menschen umsäumten und festlich schmückten Straßen bis zur Drususbrücke. Dort wurde Reichspräsident von dem Landrat Müscr als Vertreter preußischen Behörden in Empfang genommen und durch
gv- oer der die
Orte Münster, Sarmsheim, Taubenheim nach Bad Kreuznach geleitet, überall von der Bevölkerung stürmisch begrüßt. In Kreuznach wurde der Reichspräsident im Kurpark vom Stadt- oberhaupi empfangen. Der Reichspräsident schritt dann die Front der Altveteranen ab, die aus dem ganzen Kreise Kreuznach erschienen waren. Gleichzeitig begrüßte Hindenburg das Kind einer Arbeiterfrau, dessen Pate er ist. Der Oberbürgermeister kredenzte dem Reichspräsidenten Wein in einem historischen Pokal, aus dem im Jahre 1870 Kaiser Wilhelm und Bismarck getrunken halten. Nach längerem Aufenthalt ging die Fahrt weiter durch das Tal des Gräfenbachs zur Eräfen- bach-Hütte, wo die Gattin des Reichspräsidenten während des Krieges gewohnt hatte, als sich das Hauptquartier in Kreuznach befand. Die Fahrt ging dann weiter durch den Hunsrück nach Stromberg, von wo er über die Hindenburgbrücke wieder nach Eltville zurückkehrte. Ueberall wurde der Reichspräsident von den aus der ganzen Umgegend herbeigeeilten Volksmassen mit jubelnder Begeisterung begrüßt.
Der Reichskanzler weilte bis Dienstag früh weiter als East des Rheinlandkommissars. Es fand ein Empfang der Kriegerund Militärvercine statt. Abends war ein großes Feuerwerk.
Der Festtag am Deutschen Eck.
Die Abfahrt des Reichspräsidenten von Eltville am Dicns- togvormittag gestaltete sich zu einer großen Kundgebung für Hindenburg. Mit dem Dampfer „Mainz" trat der Reichspräsident dann die Fahrt nach Koblenz an. Obwohl das Wetter trübe und der Himmel bedeckt war, lag über dem Rhein Festtagsstimmung. An den Usern, auf den Dampfern, überall haben Menschen sich ausgestellt, die seit Stunden darauf warten, ihren Hindenburg zu sehen. Als das Schiff sich Koblenz näherte, wollten die Hochrufe kein Ende nehmen, und während der Dampfer langsam beidrehte, klang cs über den Rhein: „Deutschland, Deutschland über alles!"
Der Rheindampfer „Mainz" kam um 11.35 Uhr am Deutschen Eck an. Eine unübersehbare Menge begrüßte mit brausendem Jubel den Reichspräsidenten, der von den Spitzen der Behörden empfangen wurde. Ungezählte Scharen von Kindern entboten Hindenburg einen besonderen Willkommcnsgruß. Nachdem ein Schülerchor ein Lied vorgetragcn hatte, schritt Hindenburg die Front der Kinder entlang. Dann bestieg der Reichspräsident das mit Blumen geschmückte Auto, das ihn nach der Stadt brachte, wo um 12.30 Uhr der offiziell« Festakt im Stadthaus stattfand.
Der Festakt in der Stadthalle nahm einen glänzenden und erhebenden Verlauf. Oberpräsident der Rhcinprovinz, Dr. h. c. Fuchs, hielt eine Rede, in der er aussührle, schwerer Druck sei von der Rheinprovinz genommen und dankte der preußischen Regierung und der Rcichsrcgierung für die Hilfe, die sie während der Besatzungszeit der Westmark znkommen ließen und entbot dann dem Reichspräsidenten die ehrerbietigsten Grüße der Provinz. Darnach sprach Oberbürgermeister Dr. Rus.selI, der den Reichspräsidenten als Ehrenbürger de Stadt unter Ueberreichung des Ehrenschildes der Stadt begrüßte und den zur Feier erschienenen österreichischen Gästen, Vertretern aus Tirol, einen besonders herzlichen Willkommensgruß aussprach. Zur Erinnerung an den Tag der Befreiung habe die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, eine Straße nach dem Reichspräsidenten v. Hindenburg und eine andere nach dem verstorbenen Außenminister Dr. Stresemann zu benennen. Nach Dr. Russell gab der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Braun seiner Freude darüber Ausdruck, daß Reichspräsident von Hindenburg die Mühe dieser Reise ins geräumte preußische Gebiet auf sich genommen habe. Durch seine Teilnahme an der Kundgebung werde die Räumung der deutschen Westmark vor der ganzen Welt kundgetan. Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Saarländer bald sich der Rückkehr in ihr Varerland erfreuen möchten. Reichsoerkehrsminister v. ® u é r a r b , der den Dank, die Grüße und Wünsche der deutschen Reichsregierung überbrachte, betonte: Wenn auch die sichtbare Kontrolle durch fremde Soldaten geschwunden und der demütigende Druck der Ordonnanzen von uns genommen sei, so drückten auf dieses Land doch noch lastende Bestimmungen des Versailler Vertrages. „Ist der Rhein außer Gefahr?" so sagte der Minister. „Wer kann diese Frag« bejahen?"
Reichspräsident von Hindenburg erinnerte in seiner Ansprache daran, daß er als ehemaliger Koblenzer Bürger (Hindenburg wohnte als Generalstabschef des 8. Armeekorps vor dem Kriege in Koblenz) mit besonders teilnehmendem Herzen das schwere Schicksal empfunden habe, das die Nachkriegszeit über diese Stadt am Rhein gebracht habe. Er gedachte der vielen Opfer der langen Leidenszeit. Unvergessen würden jene Wochen und Monate sein, da verräterische Elemente versuchten, rheinisches Gebiet vom Vaterland loszulösen und sich in einmütigem, freiem Zusammenschluß alle Schichten der Bevölkerung zusammenfanden, um diesen verbrecherischen Anschlag auf deutsches Land abzuwehren und die Einheit des Reiches zu retten. Der Rhein sei jetzt noch mehr als je zum Wahrzeichen der deutschen staatlichen Einheit und unseres Willens zur Selbstbehaup- tund geworden. Nachdem der Reichspräsident geendet hatte, sang die Versammlung das Deutschlandlied. Hierauf betrat ter Reichspräsident den Platz vor der Stadthalle, auf dem sich während des Festakts eine unübersehbare Menschenmenge angesammelt hatte. Bei seinem Erscheine brachte die Menge dem Reichspräsidenten ehrerbietige Grüße dar.
Katastrophe nach dem Abschlag des Koblenzer Hindenburgtages. 34 Tote und 5 Schwerverletzte.
Nach dem Abschluß der glänzend verlaufenen Beleuchtung des Ehrenbrcitstein und des Deutschen Ecks gestern abend strömten die Massen vom Neuendorfer User zu Tausenden über die schmale Pontonbrücke des Sicherheitshafens in Koblenz-Lützel. Plötzlich brach die Brücke mit etwa 100 Menschen zusammen. Sämtliche Personen fielen ins Wasser und wurden zum Teil durch die niederstürzenden Balken erschlagen, zum Teil von den umkippenden schweren Pontons unter Wasser gedrückt.
Nur wenige in der Nähe des Ufers befindliche Personen konnten sich retten oder herausgesischt werden. Bis Mitternacht waren 34 Tote und 4 Schwerverletzte geborgen. Man befürchtet, daß noch weitere Todesopfer zu beklagen find.