Samstag, den 19. April 1930.
Gießener Zeitung
Nr. 31.
Die Ergebnisse der Untersuchungen des Enguete-Ausschusses über das Handwerk.
1 300 000 Handwerksbetriebe. — 19 510 Grobhandwerksbetriebe. — 760 000 Handwerkslehrlinge.
7,8 Millionen Deutsche leben vom Handwerk. — Gesamtumsatz des Handwerks 20,6 Milliarden Nmk.
3 Milliarden Rmk. für Löhne.
Infolge des kleinbetrieblichen Aufbaues und der außerordentlichen Mannigfaltigkeit der Handwerkswirtschaft ist das Handwerk bisher als geschloffene Wirtschaftsgruppe wenig durchforscht worden. Die in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts durchgeführten Untersuchungen des Vereins für Sozialpolitik über die Lage des Handwerks in Deutschland haben lediglich die Lage einzelner Handwerkszweige an bestimmten Sorten beleuchten können. Die zunehmende Erkenntnis des Hand Werks selbst über den praktischen Wert handwerkswirtschaftlicher Untersuchungen hat dem Enquete-Ausschuß, der unter dem Vorsitz von Staatspräsident a. D. Professor Dr. Hummel in die Untersuchungen über das Handwerk eintrat, die erfolgreiche Durchführung seiner umfassenden Forschungsarbeiten erleichtert, deren Ergebniffe zu einer grundlegenden Revision früherer Urteile über das Handwerk führten. Die Untersuchungen des Ausschusses bauen auf einer mit erheblichem Zeit- und Arbeitsaufwand verbundenen Zählung des Handwerks auf, eine Statistik, die umso größere Beachtung verdient, als die bisherigen Betriebszählungen von der Annahme ausgingen, daß sich das Handwerk im wesentlichen mit dem Kleingewerbe, d. h. mit Betrieben bis zu 10 beschäftigten Personen, deckte. Das Zahlenmaterial des Ausschusses gibt für das gesamte, nach bi Wirtschaftsgebieten, rund 100 Handwerkszweigen, 8 Betriebsgrößenklassen und 4 Personengruppen gegliederte Handwerk eine erschöpfende Auskunft, wobei die kleineren Handwerkszweige ebenso wie die größeren erfaßt wurden. Diese statistischen Ergebnisse zwingen zu einer anderen Beurteilung des Handwerks als die des Vereins für Sozialpolitik vor mehr als 30 Jahren.
Die Untersuchungen des Enquete-Ausschusses stellen für das Jahr 192.6 i 307 876 Handwerksbetriebe mit i 320 515 Inhabern, 1517 046 Gesellen, 766 666 Lehrlingen und 109 325 Angestellten fest. Von den i 852 737 Betrieben in der Gewerbeabteilung B „Industrie und Handwerk", entfallen rund 70,5 Prozent auf Handwerksbetriebe; von den 12,7 Millionen beschäftigten Personen dieser Gewerbegruppe werden 3,7 Millionen oder 29,3 Prozent in Handwerksbetrieben beschäftigt. Das Handwerk ist nach wie vor die Domäne des selbständigen Unternehmertums und hat als solche für die soziale Klassenbildung besonders in der Nachkriegszeit, in der in Industrie und Handel die Unternehmungskonzentration ständig fortschreitet, eine gesteigerte Bedeutung erhalten. Unter Ausscheidung der Hausgewerbetreibenden wurden in der Gewerbeabteilung B „Industrie u. Handwerk" bei der amtlichen Zählung i 517 001 Betriebsleiter gezählt, davon entfielen i 320 505 oder 87 Prozent auf selbständige Handwerker. In Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung und dem großkapitalistischen Zuge der Zeit, kann nicht nur von einem Stillstand des Rückganges, sondern im Gegenteil von einer relativen Aufwärtsentwicklung des Handwerks gesprochen werden.
Nach den Erhebungen der Handwerkögruppe entfallen rund 80 Prozent sämtlicher Handwerksbetriebe auf 19 wichtige Handwerkszweige. Die Zahl der beschäftigten Personen ist besonders hoch im Schneiderhandwerk mit 437 893 Personen, Maurerhandwerk mit 421 576 Personen, Tischlerhandwerk mit 296 888 Personen, Bäckerhandwerk mit 243 013 Personen, Schuhmacherhandwerk mit 221 225 Personen, Fleischerhandwerk mit 189 264 Personen und im Malerhandwerk mit 187 802 Personen. Die weitaus meisten Handwerksbetriebe sind Kleinbetriebe. Auf Betriebe bis zu 3 Gesellen entfall^ 94 Prozent, auf Betriebe ohne Gesellen 62,8 Prozent der erfaßten Handwerksbetriebe. Andererseits besteht eine größere Zahl von Großhandwerksbetrieben, als auf Grund der amtlichen Statistiken bisher angenommen wurde. So sind durch die Bestandsaufnahme der Handwerksgruppe nicht weniger als 19 510 Großhandwerksbetriebe gezählt worden.
Auch mit der Frage der Dichte des Handwerks hat sich der Enquete-Ausschuß beschäftigt. Am ausgeprägtesten ist der handwerkliche Charakter der Wirtschaft noch in Süd- und Süd- westdeutschland. So entfallen z. B. in Bauern auf je 1000
Djter-Gedanken.
Don Josef S t 0 l l r e i t e r- Stettin.
Ostern ist wieder da! Das Fest des Frühlings und der keimenden Kraft, das Fest des großen, brausenden Erwachens! Mutter Sonne kommt wieder voll Liebe und Güte zu ihren Menschenkindern. Feierlich rauschen ihre goldenen Flügel über die Felder. Das Samenkorn in der Scholle jauchzt sehnsüchtig nach Entfaltung, und die Menschenkinder schauen auserstehungs- trunken in Gottes Angesicht. Freudig streifen wir den ernsten, schwerblütigen Wintermenschen ab und baden die Seele in Liebe, rhe wir uns strahlend umgürten mit dem Feierkleide des klingenden Frühlings.
Und du vor allem, deutsches Volk, du Herzvolk der Welt! Du brauchst namenlos viel Liebe, namenlos viel Freude und Sonnenschein in dem gewaltigen Ernst deiner unmenschlichen Riesenarbeit für Feindesrechnung und Feindeswillkür!
Ostern ist da! Der Städter wandelt seligen Fußes hinaus in die junge, sprossende Gottesnatur, und aus allen seinen Schritten klingt es wie Jubelgesang, in Oetjen Takte ein jeder Blutstropfen freudig einstimmt: Landvolk, du glückliches,, seliges, gottesodemumrauschtes! So leuchtet es uns entgegen aus allen Dörfern, aus allen Höfen und von allen Feldern. Und wie das deutsche Märchen, das prächtige deutsche Volkslied, die ganze deutsche Volkskraft draußen im flachen, leuchtenden Lande wurzeln, so wächst da draußen auch unsere Zukunft, unser Aufstieg, unser sieghaftes Licht. Weite Wälder schreiten wie ein ungeheures Heer Entzückter hinein in den brennenden, glühenden, wogenden Purpur des Ostermorgenhimmels, der feurig und aufgewühlt errötet, wo seine Brust in endloser Ferne das wonnendurchbrauste Wunderweib Erde berührt
Osterfest heißt Fest des Werdens, Auferstehungsfest der Arbeit in der Sonne, im funkelnden Lichte. Auferstehungsfest der warmen, beseelten Härte, die allen Stürmen, allen Wettern trotzt und den Boden abgibt, aus dem die Wurzeln des Deutsch
Einwohner 32,1 bis 45, *in Württemberg 27,4 bis 36,4 und in Baden 22,3 bis 32,5 Handwerksbetriebe. Außerhalb der Handwerkswirtschaft wurden von dec^Handwerksgruppe für Betriebs- und Fabrikhandwerker 2 466 032 Personen gezählt, während innerhalb der Handwerkswirtschaft einschließlich der Berufszugehörigen 7 871 628 Personen oder 12,6 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ihr Brot finden, erhebt sich unter Einschluß der Betriebs- und Fabrikhandwerker die Zahl der mittelbar oder pnmittelbar mit dem Handwerk verbundenen Bevölkerung auf 12 472 273 Personen oder rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Die Verluste, die das Handwerk als Folge der Industrialisierung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlitten hat, hat es nicht wieder ganz einholen können. Andererseits hat aber gerade die industrielle Entwicklung und die in ihrem Gefolge eingetretene Verdichtung der deutschen Bevölkerung dem Handwerk neue Arbeitsgebiete erschlossen. Im Gegensatz zu der früheren Auffassung vom Handwerk als einem vornehmlich kleinstädtischen und ländlichen Gewerbe, stellt der Enquete-Ausschuß ausdrücklich fest, daß der „moderne" Städter für seine Ansprüche mehr Handwerksarbeit braucht als der einfacher lebende Landbewohner
Der heutige Handwerksbetrieb ist mit dem Handwerksbetrieb zu Ende des 19. Jahrhunderts kaum vergleichbar. Die technische Verfassung des Handwerks wurde grundlegend verändert durch die Einführung des Elektromotors. Nach den Untersuchungen des Enquete-Ausschusses werden im Handwerk 2 Millionen PS. verwandt, ohne daß hierdurch weder eine Ausschaltung noch eine Ersetzung der gelernten Gesellen durch ungelernte Arbeiter in nennenswertem Ausmaße erfolgte.
In volkswirtschaftlicher Hinsicht ist das Handwerk auch heute noch das wichtigste NekrutierungSgebiet für die gelernten Kräfte der Wirtschaft. Während die amtlichen Erhebungen nur 544 617 Handwerkslehrlinge ermittelten, hat die Handwerksgruppe für das Jahr 1926 und zur Erhärtung ihrer abweichenden Feststellungen nochmals für Ende 1928 über 760 000 Handwerkslehrlinge festgestellt. — Infolge der verstärkten Inbetriebnahme von Kraft- und Arbeitsmaschinen ist aber gleichzeitig die Produktionskraft des einzelnen Handwerksbetriebes meist gewachsen. Dieses Wachsen der Produktivkräfte bedingte eine verstärkte Investition von Anlagekapitalien und bei der teilweise durch die Jndustriekonkurrenz erzwungenen Notwendigkeit einer Reihen- und Vorratsherstellung auch eine Vermehrung von Betriebskapitalien. Für die Befriedigung des gewerblichen Bedarfs berechnet die Handwerksgruppe die Gesaml- summe der aufgenommenen Kredite auf etwa 2 Milliarden Reichsmark. Das bedeutet, daß etwa ein Zehntel des gesamten Handwerksumsatzes mit fremden Kapitalien getätigt wird.
Die Grundlage der Kalkulation bilden heute vielfach Schemata der Innungen und Verbände, die entweder Richtpreise oder Material-, Unkosten-, Gewinnzuschläge und Meisterlohnsätze enthalten. Kartelle auf vertragsmäßiger Grundlage wurden von der Handwerksgruppe nur in wenigen Handwerkszweigen, wie z. B. bei dem Schmiedehandwerk, festgestellt. Um so stärkere Bedeutung haben dagegen formlose Preisabreden unter den einzelnen Handwerksmeistern, deren Wirkung jedoch stark herab gesetzt wird durch die scharfe Konkurrenz innerhalb des Handwerks. Die Prüfungen des Enquete-Ausschusses paben ergeben, daß Lohn-, Zins- und Steuerkosten, ebenso auch die sozialen Lasten eine beträchtliche Steigerung erfahren haben.
Das Ladengeschäft hat weit über die bereits früher handel treibenden Nahrungsmittelhandwerke Bedeutung gewonnen. Vielfach, so z. B. bei den Uhrmachern, Optikern und Buchbindern hat es sogar den TOerkstattbetrieb in den Hintergrund gedrängt. Etwa 80 Prozent aller Buchbinder unterhalten ein Papier- und Schreibwarengeschäft.
Der Gesamtumsatz des Handwerks wird für das Jahr 1 928/29 mit 20,6 Milliarden Rmk. oder 14 bis 16 Prozent des volkswirtschaftlichen Gesamtumsatzes angenommen. Davon
tums Säfte trinken, daß das letzte Blatt am zerhauenen Stamme, die letzte, schwer verharrschende Wunde wieder Sonne hereinläßt, wieder grünt und alle deutschen Aeste sich recken in das strömende Licht.
Eines brauchen wir Deutschen vor allem: Glauben an 'unsere kommende Auferstehung, den Glauben zu uns selbst!
Deutschland selbst ist Christus, ist von allen Völkern des Erdballs ans Kreuz geschlagen, verhöhnt und verspottet. Keiner ist, der nicht einen Schlag wider den schwerwunden Leib Deutschlands geführt und noch immer nach Gutdünken und Laune zu führen sich vermißt! Das ganze deutsche Volk, mit allen seinen verwirrten Parteien, ist von den Nationen der Erde gekreuzigt, damit aus dem todwunden, in tausend Schmerzen zerrissenen Leibe einmal die echte Freiheit, die echte, unversiegbare Liebe, der wahre Völkerfrühling grüne!
Und wie Christus einst auferstand, so wird auch Deutschland einmal auferstehen aus ungeheurer und fürchterlicher Schmerzensnot. Dann aber wird ein deutsches, wonniges Ostern über den Erdball läuten und Glück und Sonne werden über den deutschen Gauen sein.
Ostersonne! leuchte hinein ins weite, deutsche Land, daß es auffunkelt in gleißendem Lichte, aus dessen unendlicher Fülle uns wieder ein starkes, einiges, prächtiges Deutschland wachse!
Der Ostermontag
ist einer von den vier britischen „Bankfeiertagen" des Jahres. Vor etwa 60 Jahren wurde er, sowie der Pfingstmontag, der zweite Weihtag und der erste Montag im August durch ein eigenes Gesetz zu weltlichen Feiertagen („bank Holidays") ge> macht. Hierzu führte die Absicht, den Angestellten aller Kategorien Gelegenheit zu geben, Vergnügungen nachzugehen, die ihnen des Sonntags, wo sie Zeit haben, nicht zugänglich sind, namentlich der Besuch von Theatern, Konzerten, Unterhaltungslokalen, Volkspalästen usw. Natürlich werden auch diese Tage oft durch Regen oder Nebel verdorben, namentlich den Ausflüg-
entfallen auf die Handwerke der Steine und Erden 184 Millionen Rmk., auf die Eisen- und NTetallhandwerke 2824 Millionen Rmk., auf die chemischen Handwerkszweige 7,5 Millio nen Rmk., auf die Textilhandwerke 69 Millionen Rmk., auf die Lederhandwerke 307 Millionen Rmk., auf die Holz- und Schnitzstoffhandwerke 1874 Millionen Rmk., auf die Nahrungsmittelhandwerke 7662 Millionen Rmk., auf die Beklei- dungs- und Reinigungshandwerke 3216 Millionen Rmk. und auf die Bauhandwerke 4094 Millionen Rmk. Der Veredelungswert des Handwerks konnte bei der Vielgestaltigkeit der Güter und Leistungen, bei der N^annigfaltigkeit der Verbindungen mit dem Handel und der außerordentlichen Verschiedenheit der Lohn- und Materialanteile exakt nicht festgestellt werden. Die Handwerkögruppe berechnet auf Grund der Einzelerhebungen bei einer größeren Zahl von typischen Handwerkszweigen, daß etwa 10—12 Milliarden Rmk. von dem Gesamtumsatz auf Werkstoffe und 3 Milliarden Rmk. auf die Löhne entfallen.
Nach dem Bericht des Enquete-Ausschusses sind die Grenzen zwischen Industrie und Handwerk heute flüssiger denn je. Trotzdem ist das Aufkommen derjenigen Betriebsgröße, die man in die neue Gruppe des Großhandwerks einreiht, ein Beweis für die klare Scheidung industrieller und handwerklicher Produktionsweise. Diese läßt mit ihrem verstärkten Uebergang vom Lohn- zum Preiswerk, von produktiver zu leitender kaufmännischer Meistertätigkeit die Modernisierung des Handwerks deutlich erkennen, das auch über die Versorgung des Binnenmarktes hinaus für den deutschen Export wieder eine steigende und bisher kaum gewürdigte Bedeutung gewinnt. Nach Ueberzeugung der Handwerksgruppe kann heute nicht mehr von einer „konstitutionellen Erkrankung" des gesamten Handwerks gesprochen werden. Es hat sich im letzten Menschenalter vielmehr stärker als man erwarten konnte, konsolidiert, allerdings leidet das Handwerk ebenso wie die anderen TCirtschaftsgruppen unter der allgemeinen TOirtschaftskrise, die sich in den einzelnen Handwerkszweigen jedoch infolge der Vielgestaltigkeit der Güter und Leistungen unterschiedlich auswirkt.
Ueber diese Untersuchungen des Handwerks hat der Enquete-Ausschuß im Verlage von E. S. Mittler & Sohn, Berlin SWä 68, Kochstr. 68, soeben ein großangelegtes, vierbändiges TVerk über das deutsche Handwerk veröffentlicht. Der i. Band enthält-den vom 3. Unterausschuß des Enquete-Aus- schuffes verabschiedeten Generalbericht, der zusammenfassend das gesamte deutsche Handwerk und die wichtigsten Veränderungen in seiner technischen und betriebswirtschaftlichen Verfassung, sowie in seiner Konkurrenzlage behandelt. Der 2. Band bringt die Ergebnisse der zum erstenmal durchgeführten Handwerksstatistik für rund 100 Handwerkszweige. Im 3. Band werden die Schlußberichte und die systematischen Vernehmungsergeb- nifse über das Bäcker-, Konditor-, Fleischer-, Schneider-, Schuhmacher- und Buchbinder-Handwerk veröffentlicht. Der 4. Band enthält die Schlußberichte und systematisch bearbeiteten Vernehmungsergebnisse für das Sattler-, Schmiede-, Tischler-, Zimmerer-, Elektro-Jnstallations- und Klempner-Handwerk.
Erneuerung des Kohlensyndikats. -___
Essen, 18. 4. Die Zechenbesitzerversammlung hat die Erneuerung des Kohlensyndikats beschlossen. Der Erneuerungsvertrag läuft auft^O Jahre, doch beträgt die Laufzeit praktisch nur ein Jahr, da der Vertrag nach einem Jahr gekündigt urerden kann, wenn bis dahin keine Regelung in der Umlagefrage erzielt ist.
Der englische Staatshaushalt angenommen.
London, 17. April. Die dreitägige Aussprache über den Haushaltplan Snowdens wurde am Mittwochabend im Unterhaus abgeschlossen und der Haushalt angenommen. Der konservative Abgeordnete Bourne brachte einen Antrag ein, die Todesstrafe für Fahnenflucht wieder einzuführen. Der Antrag wurde mit 194 gegen 50 Stimmen abgelehnt.
Handelsvertreter und Umsatzsteuer.
Bei den Schlußabstimmungen im Reichstage über die Steuervorlage ist ein Antrag der Regierungsparteien angenommen worden, der Makler und Handelsvertreter bis zu einem Bruttoeinkommen von 18 000 Rmk. von der Umsatzsteuer befreit. lern. Ob aber das Wetter schön sei oder nicht, der Trubel ist jedesmal ein fabelhafter, insbesondere in London. Von dort aus fahren oder wandern Hunderttausende ins Freie. Aber es kommen auch Hunderttausende aus der Umgebung oder aus entfernteren Städten an, wozu noch die Hunderttausend treten, die in der Stadt bleiben und die Straßen durchziehen, um von Sammlung zu Sammlung oder von Vergnügungsort zu Vergnügungsort zu wandern, oder sich zu Volksmeetings oder nach einem der zahlreichen öffentlichen Parks, Gärten und bergt zu begehen. Alle Geschäfte sind gesperrt, mit Ausnahme der Tabakläden, Speisehäuser, Schänken und Zuckerbäckereien. Und alle Angestellten — selbst die Briefträger — feiern, mit Ausnahme der Eisenbahn-, Omnibus-, Pferdebahn-Gesellschaften, ferner der Mietwagenkutscher, der Kellner usw. Wahrscheinlich werden diese an den^Feiertagen am stärksten beschäftigten und ganz besonders nützlichen Mitglieder der Gesellschaft für den Entgang ihrer Erholungsgelegenheit anderweit entschädigt. Während z. B. der Derbytag, der ja ebenfalls ein nationaler Festtag ist, nur von einer Minderheit mitgemacht werden kann, die ihr Alltagsberuf nicht daran verhindert, können die allermeisten, sofern sie Lust dazu haben, die „Bank Holidays" mitmachen.
Ein kostbares Ostergeschenk.
Im Jahre 1867 brachte Bismarck zu Ostern seinem kaiserlichen Herrn, Wilhelm L, als Geschenk einen Adler, der auf seinem Reste saß. Hob man den Adler ab, so sah man in dem Neste ein Ei liegen mit der Aufschrift ,Das geeinte Deutsche Reich". Kopfschüttelnd meinte der König, als er die Inschrift gelesen hatte: „Das dürfte wohl ein Kuckucksei sein". Aber Bismarck sprach darauf leuchtenden Auges: „Majestät, ein Kuckuck legt seine Eier nicht in ein Adlernest". Und Bismarck sollte Recht behalten. Denn nach der Kaiserproklamarion in Versailles erinnerte sich Wilhelm I. an Bismarcks Geschenk und meinte lächelnd zu ihm: „Es ist also doch kein Kuckucksei gewesen".