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43. Fahey.Samstag, den IS April 1930 Nummer 31

PolittlOe Rundschau.

Am Mittwochvormittag stürzte der bekannte Darmstädter Flieger Johannes Nehring in der Nähe des Forsthauses Knob­lauchsaue nahe Erfelden, an der Stelle, an der der Altrhein in den Rhein mündet, tödlich ab. Sein Begleiter wurde aus der Maschine geschleudert und durch Fallschirm gerettet. Die Maschine ist total zertrümmert.

Der Vorstand der Deutschnationalen Volkspartei ist zum 25. April nach Berlin einberufen worden.

Der polnische Gesandte hat im Auswärtigen Amt gegen die vom Reichstag verabschiedeten neuen Agrargesetze Einspruch er­hoben.

Der spanische Kabinettsrat genehmigte die deutsche Kon­zession für die Luftpostlinie Barcelona Sevilla Gadiz und zu den Canorischen Inseln.

Der vorläufige Handelsvertrag zwischen Grohbritannien und Sowjetrußland ist am Mittwoch unterzeichnet worden.

Der französische Haushalt ist von der französischen Kammer am Mittwoch mit 450 gegen 125 Stimmen endgültig angenom­men worden.

Die Kuomintag-Truppen bereiten einen Angriff auf Han­kau vor. Wegen der geringen Verteidigungsmittel sei der Fall der Stadt warscheinlich.

Die beiden australischen Flieger Smith und Shiers sind von Melbourne aus erneut zu einem Fluge nach England gestartet.

Nachdem die schwierige Arbeit des Abdichtens und Aus­pumpens vollendet worden ist, schwimmt der DampferMün­chen- jetzt wieder und soll in Newyork ins Trockendock gebracht werden.

ReichWanzminlster a. D. Dr. Reinhold für Beamtenabbau.

Dor dem Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie iprach am Mittwochabend Reichsfinanzmimster a. D. Dr. Rein­hold überDie Reichsfinanzen und die deutsche Wirtschaft". Reinhold vertrat die Ansicht, baß vor allem drei Ausgabeposten vorhanden sind, bei denen erheblich gespart werden könnte: Bei der Beamtenbesoldung, bei den Saziallasten und bei den kommunalen Finanzen. Die Beamten sollten keinesfalls schlecher bezahlt werden, nur ihre Zahl müsse verringert werden. In den Kommunen werde das Geld schon seit einem Jahrzehnt hemmungslos ausgegeben. Das Kapitel Soziallasten könne man in der Oeffentlichkeit kaum in diesem Zusammenhang nen­nen, ohne aus sofortigen Widerstand zu stohen. Hier gäbe es beispielsweise auf dem Gebiete des Krankenkassenwesens mancher­lei zu sparen. Zn der Arbeitslosenversicherung dürften die Sai­sonarbeiter auf keinen Fall in der für sie schlechten Jahreshälfte als gleichberechtigte Arbeitslose behandelt werden

Thüringen erhält wieder Relchözuschüffe für seine WM

Nachdem die zwischen dem thüringischen Staatsministerium und dem Reichsministerium des Innern bestehenden Meinungs­verschiedenheiten in schriftlichen und mündlichen Erörterungen eine Klärung gefunden haben, hat der Herr Reichsminister des Innern sich in der Lage gesehen, die bisherige Einstellung der Ueberweisungen des Reichsministeriums des Innern für poli­zeiliche und andere Zwecke aufzuheben.

Die thüringische Regierung hat zugesagt, baß bis zur Ent­scheidung des Reichsgerichts solche Versetzungen in den Warte- Itanb, die ihre Grundlage nur auf § 13 Abs. 1 des Ermächti­gungsgesetzes finden, unterbleiben.

Das Miplinarverfahren gegen Oberbürgermeister Böß vorläufig vertagt.

Der für den 1. Mai dieses Jahres angesetzte Disziplinar- ^^Zeß gegen Oberbürgermeister Böß ist vertagt worden. Die Lertagung ist nötig gewesen, um dem Vertreter der Anklage Gelegenheit zu geben, zu der Verteidigungsschrift des Ober­bürgermeisters Stellung zu nehmen.

Bierpreiserhöhung ab 1. Mai.

Berlin. Die Bierpreiskommtssion des Schutzverbandes der Brauereien der ehemaligen Brausteuergemeinschaft hat in einer «aus allen Teilen Deutschlands sehr zahlreich besuchten Sitzung «nftrnrmig beschlossen, baß die Brauereien den Bierpreis ab 1. Mai um den im Gesetz vorgeschriebenen Betrag von 3,85 Rmk. je Hektoliter erhöhen. Ferner wurde einstimmig beschlossen, daß 2>ie Brauereien mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ^ahin wirken sollen, baß die Ausschankpreise gemäß der Pfen- THigre^nung festgesetzt werden.

Das Reichsehrenmal

von dem früheren Reichskanzler Dr. Cuno als Vorsitzendem des Vereins ReichsauSschuß für daS Reichsehrenmal e. 8. geht uns ein Aufruf zur Schaffung eines Reichsehreumales sowie ein von namhaften Künstlern hierzu verfaßtes Gutachten zu. Dem Reichsausschuß gehören eine größere Anzahl bekannter Persönlich leiten an: Dr. B. Drews, Exz. StaatSminister a. D., als stellvertretender Vorsitzender. Geheimrat Prof. Bodo Ebhardt-Berlin, Dr. h. c. Freiherr v Biegeleben München, Exz. Gesandter a. D-, Dr. Dieckmann, Landes« Hauptmann der Provinz Westfalen, Münster, Oberprüsident der Rhein- provinz Dr. h. c. Fuchs-Koblenz, Oberpräsident der Provinz Westfalen Gronowski-Münster, Landrat a. D. Dr. Karl Haniel, Gute Hoffnung-- Hütte, Dr. Horion, Landeshauptmann der Rheinprovinz, Düsseldorf, Oberbürgermeister Dr. Külb-Mainz, Oberbürgermeister a D. Paul Mitzlaff-Berlin, Staatsminister l)r. Schweyer-München, Dr. h. c. E. G v Stauß Berlin, Direktor der Deutschen Bank und DiSconto-Gesellschaft, Generaldirektor Dr. h. c. Albert Bögler-Dortmund.

Aufruf

Seit dem Ende des großen Geschehens des Weltkrieges empfindet jederDeutscheesals heiligePflicht, den Toten zum Gedächtnis, den Lebendenzur Erinnerung und den kommenden Ge- fchlechtern zur Mahnung ein Ehrenmal deutschen Ringens um Heimat und Freiheit zu errichten, das aller Welt und aller Zeit Kunde gibt von treuer und tiefempfundener Dankbarkeit gegen alle Brüder, die für uns ihr Leben eingesetzt, und von dem Gelöbnis, uns ihrer Taten beim Wiederaufbau des Vaterlandes würdig zu erweisen.

Als Ehrenmal kann demnach nur ein Denkmal gelten, das der Not der Zeit entsprechend in einfacher, würdiger Form an historischer Stelle, weit hinausragend über die Lande und Zeiten, Vergangenheit und Gegenwart verbindet, wahrhaft künstlerische Gestaltung walten läßt, und von dem ganzen deutschen Volke geschaffen und getragen, an den großen Feiertagen der Nation zum Wallfahrtsort großer Pilgermassen aus allen Teilen des Reiches Raum bietet.

9tach diesen Grundsätzen das deutsche Ehrenmal schaffen zu helfen, haben sich im Verein Reichsausschuß für das Reichs- ehrenmal Männer zusammengefunden und zur Aufgabe gesetzt. Hierfür galt es zunächst, unabhängig von jeden örtlichen Sonder­wünschen den geeigneten Platz durch sachkundige Prüfung von unabhängigen Sachverständigen festzustellen. Das ist in dem nachfolgenden Gutachten von namhaften Künstlern geschehen.

Es wird von dem Reichsausschuß heute der Öffentlichkeit übergeben, nicht so sehr als Beweis der praktischen Arbeit, die bisher geleistet ist, sondern um alle Kreise zur Aufnahme und Erörterung des großen Planes anzuregen, der die Seele in einer Zeit bewegen muß, in der die bevorstehende Befreiung der besetzten Gebiete die Reichsregierung durch ein in der Preffe veröffentlichtes Schreiben des Reichsministers des Inneren vom 10. 12. 29 veranlaßt hat, den Gedanken eine- Reich-ehren- male- auch ihrerseits aufzunehmen.

Der Reich-ausschuß für daS Reichsehreumal Der Borstand.

©«tagten für ein Reichsehrenmal

Der unterzeichnete Ausschuß erhielt von dem Verein Reichs­ausschuß für das Reichsehrenmal e. B. den Auftrag, die bisher vorliegenden Vorschläge für den Platz eines Reich-ehrenmale- einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.

Es war ihm bekannt, daß die Preußische Staat-regierung seit langer Zeit den Gedanken erwog, durch den Ausbau der neuen Wache in Berlin ein Denkmal zu errichten. Es ist selbst­verständlich, daß auch die Reichshauptstadt ein Mal zur Ehrung

der Gefallenen haben muß. Die Errichtung eine- Reich-ehrenmale- wird aber davon nicht berührt.

Seiner Beurteilung der verschiedenen Plätze legte der engere Kunstausschuß folgende Richtlinien zugrunde:

1. Der Platz muß der deutschen Seele etwas zu sagen haben und einen Zusammenhang schaffen zwischen dem ungeheuren Ringen, dem da- Mal gelten soll, und den folgenden Generationen.

2. Er muß sich landschaftlich auSzeichnen und daS Mal mit einem bedeutenden Stück deutscher Natur in Verbindung bringen können.

3. Er muß verkehrstechnisch günstig liegen und seiner Lage nach die Forderung erfüllen, daß an Feiertagen der Nation große Menschenmaffen dort ihre Ehrfurcht vor den gewaltigen Opfern bezeugen.

Es wurden nach diesen Gesichtspunkten folgende bisher in enger Wahl stehende Plätze einer eingehenden örtlichen Prüfung unterzogen: Berka, Eisenach, Goslar, Rinteln, Rein­hardtswald, Rabenklippen, Grafenwerth, Eisenbolz, Lichterkopf, Lorch, Ehrenbreitstein und Hammerstein.

Es hielten der Gesamtheit der Forderungen nur wenige Plätze stand. Auch Berka, das hier besonders genannt sein soll, weil sich vorläufig die Frontkämpferverbände auf diesen Platz geeinigt haben, steht bei objektiver und fachmännischer Prüfung hinter fast allen anderen Vorschlägen zurück. Es ist eine zwar liebliche, aber vollkommen unheroische Landschaft, der gedachte Platz eine zufällige Abholzung im Walde, wie sie an anderen Stellen im Thüringerwalde, z. B. bei Eisenach, zu erheblich bedeutenderen Wirkungen führen würde, die Zugänglichkeit verhältnismäßig schwierig, Berka erfüllt nicht einmal unsere Vorstellung vom deutschen Wald".

Nach eingehender örtlicher Prüfung kann der Ausschuß ein­stimmig zwei Stellen als besonders geeignete Weihestätten Vor­schlägen:

1. Die Rabenklippen bei Höxter an der Weser

2. Den Ehrenbreitstein über Koblenz.

Die Rabenklippen in urdeutschem Lande, an den Ufern desjenigen Stromes, dessen Quelle und Mündung deutsch sind, stehen wie zwei Wächter am Eingang eines hufeisenförmigen Tal­kessels. Der Platz bietet alle Möglichkeiten für künstlerische Aus­gestaltung und gibt uns auch in der weiteren Umgebung zusammen­gefaßt dendeutschen Wald". Die Verkehrslage ist gut.

Der Ehrenbreitstein ist alte historische Stätte an einem Strom, der in tiefem Zusammenhang mit dem Erleben des Welt­kriege- steht. Der Ort besitzt Anziehungskraft für das gesamte Deutschland. Die Unterbringungsmöglichkeiten sind unbeschränkt. Per Ausstieg führt aus dem Getriebe der Welt zu weihevoller Einsamkeit mit einem Au-blick auf eine unvergleichlich schöne Land­schaft. Der Hochplatz läßt alle Möglichkeiten für die Denkmal-- gestaltung offen. Selbst ein Ehrenhain könnte angepflanzt werden. Den vorhandenen Steinmauern, deren Linien sich in künstlerischer Vollendung dem natürlichen Felsen anpassen, kann ohne große Schwierigkeiten der Charakter militärischer Werke genommen und mit ihrer Hilfe in allmählichem Ausbau eine deutsche Ehren- Akropoli- geschaffen werden.

Berlin, den 25. Februar 1980.

6q : Otta Ludwig Dettmann Bodo Ebhardt Hermann Hosaen- Martta Kießling Vilhelm Kret-

Sowjeteinbruch im Vatikan.

Aus Rom kommt das Gerücht, baß es zwei Sowjetagenten gelungen sei, wichtige Dokumente aus dem Vatikan zu entwen­den, die Ausschluß über die Informationsg'uellen des Vatikans über die Verhältnisse in Rußland geben

Zweckmäßige Svarfamkett!

Seil der Reform der üehreröildung in Preußen, die 1926 begonnen wurde, werden die Volksschullehrer auf den Päd­agogischen Akademien ausgebildet. Ihre Zahl war zunächst klein. 1926 entstanden 3, heute haben wir deren 8, und Ostern 1930 werden 15 Akademien bestehen. Für 1931 aber sind im neuen Etatsvoranschlag schon wieder Mittel sür weitere 7 Aka­demien angesordert. Diese überaus schnelle Gründung von Hochschulen ist in der Geschichte des Hochschulwesens ohne Ver­gleich, und sie birgt auch eine ganze Reihe größter Gefahren in sich Abgesehen von der Schwierigkeit, bei dieser Eile einen stets hochwertigen Lehrkörper .wammenrufen zu können, muß vor allem nachdrücklichst darauf hingewiesen werden, daß hier bei Beachtung rationeller Wirtschastsmethoden mit gleichen Mitteln leicht ein weitaus gröberer Nutzen erzielt werden könnte.

Der Staat Preußen ist augenblicklich dabei, eine Unmenge kleiner Akademien mit einer Belegschaft von nur 100 bis 150 Studenten zu gründen. Wäre es nicht sparsamer und zweck- mäßiger, die jetzt vorhandenen Akademien zu grotzen, leistungs­fähigen Instituten auszubauen, als immer neue, leistungs- schwächere und unrationell-teuere Zwerg-Akademien ins Leben zu rufen? Läht sich bei Einrichtung der Büchereien, der Lehr-

und Hörsäle, der Lehrmittel- und Unlerfuchungseinrichtungem der Verwaltung, der Zusammensetzung des Lehrkörpers usw. usw. nicht sehr viel sparen, wenn man die 4000 Studenten nicht auf 40, sondern auf 15 Akademien verteilte. Man brauchte dann nicht 40, sondern nur 15 Büchereien; man brauchte dann nicht 40, sondern eben nur 15 psychologische Laboratorien. Schon 15 Akademien ist des Guten um ein Zwei- bis Dreifaches zu viel.

Und könnte man mit den öffentlichen Geldern nicht noch rationeller wirtschaften, wenn diese Akademien nach Möglich­keit in Universitätsorten errichtet würden! Die vorhandenen Büchereien und sonstigen Einrichtungen der Universitäten könn­ten benutzt werden. Zudem könnten sich beide Hochschularten ergänzen und in ihrer Arbeit bereichern dadurch, daß die Stu­denten die ihnen geeigneten Vorlesungen an beiden Hochschulen besuchen könnten. Es bedeutete das nicht bloß eine wertvolle Vertiefung der Studien an der Pädagogischen Akademie, son­dern bei der bekanntlich immer noch etuxls stiefmütterlich be­handelten Besetzung der Professuren für Erziehungswissenschaf­ten an unseren Universitäten könnte auch für diese selbst wert­volle Belebung und Erweiterung aus solcher Zusammenarbeit erwachsen.

In dieser Form läßt sich beim Ausbau der neuen Lehrer­bildung bedeutsam sparen und zugleich eine gegenseitige Be­reicherung staatlicher Bildungseinrichtungen herbeiführen. Da­rum Schluß mit der teuren und unzweckmäßigen Zersplitterung in der Lehrerbildung. Statt dessen: Planvolle und zweck­mäßige Rationalisierung durch Errichtung großer, leistungs­fähiger Akademien in Universitätsstädten!