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Kietzener Ieitung

Ethern. 1 (Gießener Tageblatt) (Neueste Nachrichten) M M

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Mittwoch, den ir Dezember 1930

Nummer loo

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* Sei < - Dich, iteube und & " unserer Zeit bliche in Wen * verdient.

Politische Rundschau.

Zwischen den österreichischen Parteien laufen Verhandlungen über die Einsetzung eines Handelspolitischen Ausschusses im Nationalrat, dem die Aufgabe zusallcn soll, die östcrreichisch- diutschcn Wirtschaftsbeziehungen zu studieren und Vorschläge zur Vorbereitung eines engen WirtschaftsbUndnisscs bezw. eine Zoll- amien mit dem Deutschen Reiche zu erstatten.

nähme eines mittelfristigen, ab 1932 in mehreren Jahren abzu­deckenden Kredits, in Höhe des Restes von 31 600 000 Mark durch Uebernahme auf das Rechnungsjahr 1931.

^m lratifchc lautern.

Die

Berliirer Wcstent-Sanatorium verschied der sozialdemo Rcichetagsabgeordncte Iohannes Hoffmann-Kaisers

Gchaltsvcrhandlungcn im Berliner Einzelhandel sind

ebenartig bi( denen sie H

®I06e Wunsch' bieten Sie ben En erschienen!»

gescheitert. Die Arbeitgeber crllären in den Verhandlungen, die Gehälter der Angestellte» um 10 Prozent kürzen zu müssen. Der einzige Vorschlag, der gemocht werden könne, sei der, daß das bestehende Gchaltsabkommc» bis zum 31. Januar verlängert würde und daß dann neue Eehaltsverhandlungen stattfindcn.

51 Nationalsozialisten in Frankfurt a. M. verhaftet.

Trotz des Verbotes des Polizeipräsidenten versuchten die Nationalsozialisten in Frankfurt a. M. am Montagabend, eine angekündigte Versammlung im Zoologischen Garten abzuhalten. Die Polizei schritt ein und verhinderte die Abhaltung der Ver­sammlung. Darauf versuchte ein Teil der Nationalsozialisten, trotz des polizeilichen Verbots, einen Demonstrationszug zu bil­den. Die Polizei griff mit einem starken Aufgebot ein und zer­streute wiederholt die Demonstranten. Bis 22.30 Uhr waren 51 Personen feftgenommen worden. Davon sind 45 in das ! Polizcigefängnis eingeliefert worden. Sechs Personen sind nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen worden. Zwei Verhaftete, die auf der Wache epileptische Anfälle erlitten, muß­ten durch die Rettung-wache ins Krankenhaus gebracht werden. Infolge der Unruhen mußte der Straßenverkehr im Innern der Stadt zum Teil umgclcitet werden.

Seit 50 btr Wfinbern aus 'fsentlicht. Sie vor dem Fest

Nach freundlicher Ausnahme durch die spanische Bevölkerung und die deutsche Kolonie hat KreuzerEmden" Montag Vigo (Spanien) verlassen. Er wird am 23. Dezember in der Suda- Bucht auf der Insel Kreta erwartet.

181 Bankiers unter Anklage.

Paris, 16. Dezember. Das französische Justizministerium veröffentlicht folgende Note: Nach Ankündigung des Justizmi-

In der Bundesversammlung des BundesOberland" in München wurde Fürst Starhcmbcrg, der Bundcsführcr der Ocstcrrcichifchen Hcimatwchren zum Bundesoorsitzenden gewählt.

nisters stehen in Paris zurzeit 181 Bankiers unter Anklage, von befinden sich 35 im Gefängnis.

Da-

Wien und bi, 3- Nr. 50 K allgemeine St

In ganz Polen herrschten am Sonntag und Montag sowie in der Nacht zum Dienstag gewaltige Schnccstürmc. Ueber 40 Züge sind im Schnee stecken geblieben. In manchen Gegenden liegt der Schnee bereits zwei Meter hoch.

Freiwilliger Arbeitsdienst.

Ueber die Einführung einer Arbeitsdienstpflicht wird langem viel geredet und geschrieben, je größer die Zahl

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In der litauischen Gesandtschaft in Berlin wurden die vom Völkerbund vorgesehenen polnisch-litauischen Verhandlungen er- «finet, in denen die Fragen der Grenzzwischensälle grundsätzlich geregelt werden sollen.

Erwerbslosen, dosto brennender ist die Angelegenheit gewor­den. Und doch stehen einer Arbeitspflicht außerordentliche, vor allem finanzielle Bedenken ernstester Art entgegen. Jetzt hat die Fraktion des Christlich-sozialen Volksdienstes im Reichstag einen Antrag eingebracht, der von der Reichsregierung ver­langt, daß sie bis zum 1. April 1931 einen Gesetzentwurf über die Einführung eines freiwilligen Arbeitsdienstes fordert.

Der finnische Reichstag hat einen Gefetzcsvorfchlag angc- nemmen, wonach wieder Getränke mit einem Alkoholgehalt von 2,25 Gewichtsprozenten hergestellt und gehandelt werden dürfen.

Das Präsidium des Hauptvollzugsausschusics der Sowjet­union hat beschlossen, sämtliche Znnenkommissariatc der Sowjet- russischen Republik auszulösen.

Zn Madrid herrscht wieder völlige Ruhe. Auch sämtlich« Gewerkschaften haben die Arbeiten wieder ausgenommen. Da aus den Provinzen keine beunruhigenden Nachrichten vorliegen, können die Umsturzversuche als gescheitert betrachtet werden. Der Belagerungszustand wird jedoch noch zunächst ausrecht erhalten.

Ueber ganz Südanatolien tobt ein furchtbares Unwetter mit Sturm und Dauerregen, der besonders auch in den Städten iltana, Mersina und Adalia große Ueberschwemmungen verur­sacht hat. Im Sandschack Kosan stehen weite Strecken unter Was­ser. Ueber das Schicksal von 18 abgeschnittenen Dörfern weiß man zur Stunde noch nichts.

Sie Summe der deutschen Revarativnszahlungen.

Im englischen Unterlaufe wurde erklärt, daß die Eesamt- iumme der als Reparationen und Besatzungskosten von Deutsch­land an die verbündeten Mächte geleisteten Zahlungen sich am 15. Dezember 1930 auf 19 711 Millionen Goldmark beläuft, d. h. 966 Millionen Pfund Sterling, von denen 571 Millionen Pfund Sterling in Sachlieferungen oder für den Zinsendienst bezahlt worden sind.

dal Urteil imKleinen Nombenleger Nrete^

Altona, 16. Dezember. Das hiesige Schwurgericht hat Her^c

im sogenanntenKleinen Bombenleger-ProZeß" folgendes Ur­teil gefällt: Dr. Heilmann wird zu fünf Jahren und einem -Ro- nat, und v. Wilamowitz-Moellendorf zu fünf Jahren Zuchthaus, Hambrock zu einem Jahr Gefängnis (unter Anrechnung von lie­ben Monaten drei Wochen Untersuchungshaft), Kroeger zu 150 RM Geldstrafe (an Stelle von zwei Monaten Gezangnis) and Ammerman» zu 200 RM. Geldstrafe (an Stelle von zwe, Monaten zwei Wochen Gefängnis) verurteilt. Koch erhält we­gen Beihilfe ein Jahr Gefängnis (unter Anrechnung von zwei Monaten zwei Wochen Untersuchungshaft).

71,6 Millionen Defizit der Stadt Berlin.

Berlin, 16. Dezember. Der Haushalts-Ausschuß der ^tubt- o krordnetcn-Versammlung stellte heute den Nachtragsetat für 1S30, wie folgt, fest: In der Einnahme auf einen Mindereitrag o »n 38 500 000 Mark und in der Ausgabe auf einen Mehrbetrag fon 33 100 000 Mark. Der ungedeckte Betrag von 71600 00O Bart wird gedeckt in Höhe von 40 Millionen Mark durch Auz-

Sntcmatienolc btt Gottlosen.

Am Anfang dieses Jahres hat die bolschewistische Regie­rung in Moskau zur Ausrottung des immer noch im russischen Volke trotz aller Verfolgung sich regenden religiösen Lebens Bataillone der Gottlosen eingerichtet. Diese werden in Kur­sen unter Leitung dazu besonders befähigter Bolschewisten für diese Christenverfolgung ausgebildet. In erster Linie soll diese Christenverfolgung sich auf die rote Armee beschränken. Aber wenn genügend Bataillone der Gottlosen zusammengestellt werden können, soll ihre Tätigkeit insbesondere auch auf die Bauern ausgedehnt werden. Da in Deutschland durch die ver­schiedensten Maßnahmen der Kommunisten wie auch der Frei­denker und Sozialisten in der Agitation für den Kiichenaustritt gegen den christlichen Religionsunterricht in der Schule den Bolschewisten die Ernte auch für Deutschland reif zu sein scheint, haben sie beschlossen, die Zentrale der Internationale der Gott­losen nach Berlin zu verlegen. Der Christlich-soziale Volksdienst hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht:Nach Zeitungsmeldungen aus Moskau will die russische Internatio­nale der Gottlosen ihren Sitz nach Berlin verlegen. Die Sow­jetunion erklärt, bei dieser Internationale eine ständige Ver­tretung unterhalten und sie durch Geldmittel unterstützen zu wollen.

Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um die Freiheit der Religionsgesellschaften zu sichern und so die Ruhe und Sicher­heit des Staates gefährdende Unternehmen zu verhindern?"

Weihnachten

eine Angelegenheit bolschewistischer Agitation?

Im Preußischen Landtag ist eine bezeichnendeKleine An­frage" cingebracht worden, es heißt in ihr:Durch die Presse geht eine Nachricht, wonach in der evangelischen Schule in Bötzow (Krs. Osthavelland) der Hauptlehrer K. mit evange­lischen Schulkindern einlustiges Weihnachtsspiel" einübt, in dem das Weihnachtsfeft zu einem Werkzeug des Klassenkampfes erniedrigt wird.

Dem satten Bürgertum in den Personen des Bankdirektors Hamstersack, des Obcrstudicnrats Schnüffel und des Kommer­zienrats Nasehoch, deren Kindern die Engel elektrische Puppen­herde und neue Autos bringen, wird die Welt der Arbeiter gegenüber gestellt, für die nicht einmal ein Weihnachtsbaum übrig ist. Ja, der Schupo nimmt dem armen Jungen sogar seine bescheidenen Spielsachen und der armen Frau den Kinder­wagen und verfolgt den Knecht Ruprecht mit dem Gummi­knüppel. Ferner erscheint in dem Stück ein katholischer Pfarrer, der einen Engel ohrfeigt, und schließlich wird den Zuschauern erzählt, wie man früher in der Schule Prügel bekam, wenn man die biblischen Geschichten nicht auswendig konnte."

Die Abgeordneten des Christlich-sozialen Volksdienstes fragen nach dieser Schilderung des Vorganges:1. Sind der Staatsregierung diese Vorgänge bekannt? 2. Sind sie in der Presse richtig geschildert? 3. Was gedenkt die Staatsreg, erung zu tun, um solchen Mißbrauch der Schule unmöglich zu machen?

Was jlbenkrn wir zum Wrihnacktsfrsl.

Ji! allen Tageszeitungen nehmen, einem natürlichen Zwang« folgend, Besprechungen der wirtschaftlichen Schwäche Deutsch­lands einen erheblichen Raum ein. Damit wird jedem kritisch eingestellten Beobachter immer wieder mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, im welche verzweifelte Lage zahlreiche Ein- zcluntcrnehmungen, die im Endeffekt und in ihrer Gesamtheit Träger der Volkswirtschaft sein müssen, geraten sind. Mit Sa­nierungen, Rcformbestrebungcn, Ralionalisicrungsmaßnahmen und dergleichen ist aber zu einer grundlegenden Besserung der Verhältnisse nicht zu kommen, wenn nicht das Uebel an der Wurzel gepackt wird. Das wesentlichste Moment, das immer wieder aus allen Schilderungen hcrvorsticht, ist zweifelsohne die ständig zunehmende Ueberfremdung auf allen Wirtschafts­gebieten. Hiergegen können wir uns, wenn wir die Sache von der politischen Seite betrachten, schlecht oder nur unzureichend zur Wehr setzen, denn die Handelsverträge, an die wir.gebunden sind, geben uns nicht die Möglichkeit, unsere Grenzen einer überreichlichen Wareneinfuhr ^u Erschließen. Die Grenzen könnten aber trotzdem mit einem starken Wall umgeben sein, wenn sich jeder einzelne dagegen cinstelltc, ausländische Er­zeugnisse zu verwenden, wo es gleichartige oder ebenbürtige inländische Erzeugnisse gibt. Die heimische Erzeugung kann dem Käufer genau so viel Vorteile bieten, wie ausländische Unter­nehmungen auf ausländische Erzeugnisse. In dieser Hinsicht könnten wir vom Auslande viel lernen. Glaubt etwa jemand im Ernst, daß beispielsweise in Frankreich jemals deutsche Par­fümerien bevorzugt werden könnten, daß der Franzose jemals unser stärkster Weinabnehmer werden könnte?:

daß jemals ein Engländer die erstklassigen Fabrikate unserer deutschen Tuchindustrie taufen wurde?:

daß der Italiener aus Deutschland Produkte beziehen würde, die sein eigenes Land hervorbringt?:

das es der deutschen Automobilindustrie jemals gelingen würde, den amerikanischen Markt mit deutschen Kraftfahrzeugen zu überschwemmen?

Auf alle diese Fragen kann man nur mit einem ehrlichen Nein" anworten.

Wie aber liegen die Verhältnisse in unserem wirtschaftlich schwachen Deutschland? Man braucht die Gedanken gar nicht einmal weit schweifen zu lassen, um festzustellen, daß stets und ständig ein bedenklicher Prozentsatz aller Deutschen ausländische Erzeugnisse bevorzugt. Es kostet kaum Mühe, fest, ^u stellen, was in vielen Haushaltungen und Gewerbebetrieben, ferner in Wirtschaften usw. an ausländischer Ware verkonsumiert wird. Das Ergebnis ist erschreckend.

Müssen cs zum Beispiel ausgerechnet französische Seifen und Parfüms sein, die viele deutsche Frauen bevorzugen?

Müssen sich die Männer mit amerikanischen Rasierappara­ten rasieren?

Müssen wir englische Stosse, Schweizer Uhren, tschechisches Schuhzeug kaufen?

Müssen amerikanische Büromaschinen unsere Berufsarbeit verrichten Helsen?

Müssen ausländische, vor allem amerikanische Autos in den Großstädten das Stiaßenbild beherrschen?

Müssen sich unsere Frauen mit Pariser Moden putzen?

Müssen französische Weine aus belgischen Kristallgläsern getrunken werden?

Können wir es uns überhaupt leisten, ausländischen Luxus zu importieren?

Dürfen wir Jahr für Jahr Milliarden für Genußmittel­zwecke (also wiederum für etwas durchaus Entbehrliches) ins Ausland geben?

Wiederum kann eine ehrliche Antwort nur Nein lauten!

Fehlt uns Deutschen eigentlich jedes Gefühl für Wirtschafts­fragen, daß wir trotz unserer geradezu katastrophalen wirtschaft­lichen Lage einen großen Teil unserer Aufträge dem Auslande zuweisen? Ist es nicht bezeichnend, daß auf etwas Derartiges überhaupt hingewiesen werden muß, zumal schließlich jeder im Berufsleben stehende Deutsche genau wissen müßte, wie stark passiv unsere Handelsbilanz ist? Unter diesen Umständen können wir bestimmt nicht an eine grundlegende Besserung der wirtschaftlichen Lage denken, so lange nicht jeder einzelne unse­res Volkes endlich einsehen lernt, daß wir mehr denn jedes andere Volk der Erde darauf bedacht sein müssen, so wenig wie möglich aus dem Auslande zu beziehen.

Leider Gottes gibt es eine ganze Anzahl von Rohstoffen, die wir aus dem Auslande beziehen müssen. Aber es ist kein Grund vorhanden, ausländische Fertigwaren zu kaufen. Ge­rade zum Weihnachtsfest, wo bekanntlich in Deutschland die größten Einkäufe in vielen Dingen getätigt werden, sollte sich jeder diese Gedanken vor Augen halten und sich sagen, daß jede Bevorzugung ausländischer Waren vor deutschen Erzeugnissen neue Wirtschaftsnot in Deutschland, also neue Arbeitslosigkeit schafft. Und wer könnte es verantworten, speziell durch seine Weihnachtseinkäufe neues Elend über ungezählte Deutsche Her­aufzubeschwören? Wenn jede Familie sich entschließt, unter den deutschen Weihnachtsbaum nur deutsche Erzeugnisse, deutsches Obst und sonstige Leckereien als Geschenk für die anderen Fa­milienangehörigen zu legen, dann wird mancher sorgende Fa-