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43. Fahrv.
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Der Haushaltsausschuß des Reichstages erledigte am Freitag, den Nachtragshaushalt des Ministeriums für die besetzten Gebiete. Von der Reichsregierung wurde mitgeteilt, daß die Verringerung der Bcamtenzahl der Reichsvermögensverwaltung und die Unterbringung von rund 450 Beamten in anderen Verwaltungen unmittelbar vor dem Abschluß stehen.
Die Bertreterversammlung des Reichslandbundes faßte am Donnerstag eine Entschließung, in der noch einmal die Forderungen der grünen Front an die Reichsregierung unterstrichen wurden. Das Landvolk stände erneut hinter den Führern und fordere Neubesetzung des Reichsernährungsministeriums.
3m Reichshaushalt sind keine Mittel für die Umwandlung der deutschen Gesandtschaft in Warschau in eine Botschaft vorgesehen.
Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat am Freitag dem Reichskanzler seinen Antrittsbesuch gemacht.
Zwischen der haitischen und der deutschen Regierung ist am 10. März ein Handelsvertrag unterzeichnet worden.
Der Vertrag über das portugiesische Luftfahrtmonopol ist, nach einer Meldung des „B. T." aus Madrid in Lissabon un- lerzetchet worden. Damit ist das Monopol der Landung auf den Azoren und Kap Verdischen Inseln, das für den Transozeanluftverkehr so wichtig ist, für 30 Jahre an eine einzelne Gesellschaft vergeben, die unter französischem Einfluß steht.
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Ser Younsvlan angenommen.
In der Mittwoch-Reichstagssitzung wurde das Gesetz über die Haager Konferenz, das den Poungplan mit den Nebenabkommen umfaßt, in der Schlußabstimnrung mit 265 gegen 192 Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Die Vorlage, in der sämtliche Liquidationsabkommen zusammengefaßt sind, fand mit 256 gegen 194 Stimmen bei acht Enthaltungen Annahme. Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Reichskanzler wurde obgelehnt, der Billigungsantrag der Regierungsparteien zugunsten der Reichsregierung mit 248 gegen 170 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen. Da ein Antrag der Oppositionsparteien auf Aussetzung der Verkündigung der Pounggofetze das für die Aussetzung erforderliche Drittel der Stimmen fand (mit 173 gegen 289 Stimmen abgelehnt), beschlossen die Regierungsparteien anschließend die Dringlichkeit dieser Gesetze.
Der Reichspräsident
Der Reichspräsident von Hindenburg hat das ihm am Donnerstag Dorge logte Haager Vertragswert unterzeichnet, bis auf Teil 10, der das Polenabkommen behandelt. Dieser Teil soll «zunächst noch einmal einer verfassungsmäßigen Prüfung unter- ,zogen werden.
in Gießen.
Die Hauptgemeinschast des deutschen Einzelhandels gegen Steuererhöhungen.
Die Hauptgemeinschast des Deutschen Einzelhandels, die schon NTitte vorigen Monats gegen die geplante Steuererhöhung Einspruch erhoben und Einsparungen der öffentlichen Ausgaben in Höhe von rund einer Milliarde NTark bei Reich, Rändern und Gemeinden gefordert hatte, hat sich jetzt durch die Beschlüsse einzelner Fraktionen im Reichstag erneut veranlaßt gesehen, auf die
Gefahren weiterer Steuererhöhungen hinzuweisen und dies in einem Schreiben an die Reichstagsabgeordneten niedergelegt. 2n dem Schreiben wendet sich die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels mit ganz besonderer Schärfe gegen die geplante Erhöhung der Umsatzsteuer.
Die Rettung der deutschen Wirtschaft und damit auch 0eö deutschen Staates und der TOiederaufstieg sei nur möglich, iPurcb sparsame Haushaltsführung und Senkung der öffent- lkichen Lasten, nicht aber durch Steuererhöbungen.
Kommunistlslbe Zersetzungsarbeit.
Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hatte sich vor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts der Vulkaniseur Franz Szymkowiak aus Breslau zu verantworten. Der Angeklagte hatte im November vergangenen Jahres durch Kinder kommunistische Zersetzungsschriften in Polizeiwachen schaffen Hassen. Vor Gericht verweigerte er die Aussage darüber, ob er Funktionär der KPD. sei. Das Gericht verurteilte ihn wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr und sechs Mo- maten Festungshaft.
erbe, rufe, »etc*
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Italien soll nachgeben.
London, 14. März. Die Krise der Flottenkonferong hat mun ihren Höhepunkt erreicht. Selbst von amtlicher englischer Seite wurde am Donnerstagabend mit ausdrücklicher Genehmigung MacDonalds nur festgestellt, „daß die Konferenz noch micht vollkommen auf dem toten Punkt angelangt ist".
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Samstag, -en 15. März 1930
Zwei Neichswehrossiziere verhaftet.
Berlin, 14. März. Das Reichswehrministerium hat vor einiger Zeit durch Meldungen ms der Truppe erfahren, daß einige junge Offiziere im nationalsozialistischen Sinne zu wirken versuchten. Da diese Versuche rechtzeitig bemerkt und abgestellt worden sind, haben sie sich auf wenige Personen beschränkt und keine Bedeutung gewinnen können. Das Reichswehrministerium hat die Angelegenheit der Reichsanwaltschaft übergeben. Diese hat zwei Leutnants des Staadorts Ulm und einen ehemaligen (?) Offizier in Kassel verhaften lassen.
Die Wische Gewerbe- und Eonbersteuer für IM.
Darmstadt. Das hessische Gesamtm miste riunr hat das Sondergebäudesteuergesetz und das Gowerbesteuergesetz in der Fassung des Vorjahres auf das Rechnungsjahr 1930 erstreckt. Es bleibt also bei den gleichen Fristen und Steuersätzen wie bisher.
Kann die Arbeitslosigkeit durch Kürzung der Arbeitszeit bet gleichbleibendem Lohn behoben werden?
Es dürfte interessieren, wie diese Frage in linksdemokrati- schen Kreisen beurteilt wird. In der Ausgabe des „Berliner Tageblattes" vom 9. März geht Dr. Felix Pinner auf die von einzelnen Kreisen innerhalb der Arbeitnehmerschaft erhobene Forderung, „Kürzung der Arbeitszeit bet gleichbleibendem Lohn", in folgenden Ausführungen ein:
„Die ganze Arbeitslosigkeit kann, so argumentieren jene Kreise, höchst einfach dadurch zum Verschwinden gebracht werden, daß die Arbeit gestreckt und die Arbeitszeit reduziert wird. Man braucht nur statt des achtstündigen Normalarbeitstages den siebenstündigen einzuführen tmd die ganze Arbeitslosigkeit wäre mit einem Schlage aufgesaugt. Manche dieser Arbeitszeit- Arithmetiker befürworten sogar, daß diese Verkürzung der Arbeitszeit ohne jede Verkürzung des Lohnes vor sich gehen soll, daß also für den zukünftigen siebenstündigen Arbeitstag derseloe Lohn zu zahlen sei wie für den bisherigen achtstündigen. Fußend auf der modernen, freilich schon nicht mehr gang modernen Kaufkrasttheorie, glauben sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und — neben der Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Streckung der Arbeit mit der Erhöhung des Lohnvolumens gleichzeitig auch das Absatzvolumen der Wirtschaft in volkswirtschaftlich erwünschter Weise ausweiten zu können. Solche Zau- berkunsfftücke, die mit den Künsten der Inflation eine verzweifelte Ähnlichkeit haben, vermag die moderne Kaufkrafttheorie auf dem Papier zu vollbringen. Wenn sie in der Praxis aber tatsächlich die Wirkung gehabt hätte, die man ihr zuschreibt, so ist es doch recht unverständlich, warum wir nach drei, vier Iah- ten angewandter Kaufkrafttheorie, das heißt in diesem Falle systematischen Ausbaues der Nominallöhne, heute mit 2% Millionen Arbeitslosen dastehen.
Betrachtet man die Dinge nüchtern und ohne den Zauber- glanz einer in ihrer Verallgemeinerung mißverstandenen, jedenfalls auf deutsche Verhältnisie falsch angewendeten Kaufkrafttheorie, so ergeben sich folgende Konsequenzen forcierter Lohn- aufftockung! die Erhöhung der Lohnausgaben je Produktionseinheit würde entweder den Unternehmergewinn mindern oder aber den Preis des Fabrikates erhöheii. In leierem Falle würde fast durch die ganze Wirtschaft hin eine Senkung des Reallohnes eintreten, die den erwarteten Vorteil aus der nominalen Lohnerhöhung für die Arbeitnehmerschaft wieder zunichte machen müßte: Im ersteren Falle würde die Akkumulationsquole für das Unternehmerkapital zusammenschrumpfen und als Folge davon eine Stockung des laufenden Jnvestitions- prozesses eintreten, die aufs neue Arbeitslosigkeit und umso stärkere Arbeitslosigkeit erzeugen müßte, je kräftiger der Eingriff in die Akkumulation durch die Kaufkrafttheorie gewesen wäre.
Gewiß, man kann sich die fehlende Akkumulation im Auslande borgen. Man hat dies auch bereits einmal getan, und zwar in sehr großzügigem Maße, weil man privatwirtschaftlich den Wirkungen des forcierten Aufbaues der Nominalhöhe durch umso stärkere Rationalisierung und Mechanisierung ausweichen wollte. Die Ausschaltung der menschlichen Arbeitskraft durch die Maschine ist dadurch in weitgehendem Maße erreicht worden. Die erhöhte Produktivität, gekennzeichnet durch eine Senkung der Preise und eine auf gesunde Weise erfolgte Steigerung der Massenkaufkraft, jene erhöhte Produktivität, die eine schnelle Wicdereinschaltung der durch die Rationalisierung zunächst aus- g'^chalteten menschlichen Arbeitskraft in den Produktionsprozeß hätte zuwege bringen können, ist zunächst ausgeblieben, oder doch nur in verhältnismäßig geringem Umfange eingetreten. Zum Teil deswegen, weil die Zins- und Amortisationskosten der geborgten Akkumulation zu hoch, die Fehleitungen der überstürzten Rationalisierung zu groß waren, zum Teil, weil Löhne mrd Preise nach Beendigung der kaufkraft-theoretisch orientierten oder doch verschärften Jnoestionsperiode sich nicht mehr elastisch dem Konjunkturrückgang anpaßten, so daß dieser sich gewaltsam sein Ventil — und ein solches Ventil muß es immer geben — in der organisierten Produktions- und Arbeitseinschränkung, also in der Arbeitslosigkeit, suchen müßte".
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Nummer 21
Schluß«».
Von Oberfinanzrat Dr. Bang, M. d. R.
Die Würfel sind gefallen Ehre und Freiheit sind geopfert. Weil wir uns nicht nur militärisch, sondern auch moralisch entwaffnen ließen, weil wir uns seelisch versklaven ließen, werden wir nunmehr auf drei Generationen Leibeigene unserer Schänder und Erpresser. Von Rechts wegen! Denn jedes Volks ist seines eigenen Glückes Schmied.
Wir stehen am Schlußpunkte einer Politik fortlaufender Selbsterniedrigung und Selbstpreisgabe. Die Meintat, die jetzt die Mehrheit der deutschen Volksvertretung beging, krönt die Geschichte des bisher tiefsten geistigen Niedergangs unseres Volkes und seiner schlimmsten Selbstentwürdigung. Zeitgenossen sind nicht imstande, die ganze Tiefe des Unglücks und feine Folgen zu überschauen. Der deutsche Reichstag hat jetzt in der Geschichte ein entsetzliches Denkmal dafür entrichtet, wie tief ein Volk sinken kann, wenn es die Ehrfurcht vor sich selber verliert. Sind wir doch so tief gesunken, daß viele die Knechtschaft preisen und daß sie Last und Leid der eigenen Kinder und Enkel verhöhnen. Die Karthager weinten, als ihnen endgültig bet Strick um den Hals gelegt wurde — im deutschen Reichstag lacht man und beglückwünscht sich zu dem Erfolge! Das „Vermächtnis Stresemanns" ist erfüllt. Niemals ist ein Volk würdeloser in die Sklaverei gegangen. Niemals hat sich ein Volk befrei lächerlicher gemacht als wir, die wir in „positiver Mitarbeit" selbst erst die Grundlagen zu unserer Versklavung schufen und zuletzt auch noch flehentlich um die seidene Schnur baten.
Was ist denn der tiefere Sinn dessen, das am 12. März geschah? Politisch geschah am 12. März der Raub der letzten unbesiegbaren Waffe unseres Volkes. Denn von jetzt ab hat die Aufrollung der Kriegsschuldlüge keine materielle Bedeutung mehr! Die „Entgiftung unseres parteipolitischen Lebens" von diesem „Zankapfel" ist nunmehr also erreicht. Aber es geschah mehr. Von jetzt ab gibt es keine auswärtige Politik im Sinne des Begriffs mehr. Wir haben nunmehr nicht nur, wie uns im Haag aus der italienischen Delegation versichert wurde, auf 59 Jahre die Vündnisfähigkeit eingebüßt, wir haben die Legitimation zur Außenpolitik verloren. Als abhängige Arbeitsprovinz des internationalen Bankenstaates haben wir sie auch nicht mehr nötig. Wir machen den Vorschlag, das A. A. nunmehr zu beseitigen. Wir sparen dadurch eine Stange Gold und erleichtern unserm geschundenen Volke die Erfüllung. Mit der Ausschaltung der auswärtigen Politik wird jetzt der Zustand erreicht, den unsere Feinde wollen: die endgültige Abkehr der Blickrichtung unseres Volkes von außen und die einseitige Blickrichtung nach innen mit der Folge steigender Selbstzerfleischung. Es wird sich nunmehr bei uns restlos alles in einem wüsten Ständekampf auflösen. Und die „ständige Libertät" wird dafür sorgen, daß der Feind auch innenpolitisch die Trümpfe in der Hand behält. Denn sie war von jeher, wie Treitfchke sagt, der „geborene Hochverräter". Der Regensburger Reichstag wird in neuer Auflage erscheinen. Dazu ist am 12. März bei uns der soziale Konflikt unheilbar und verewigt worden.
Aber es geschah mehr. Am 12. März ist die Grundlage zum 2. Westfälischen Frieden gelegt worden. Das große Ziel, das der französische Geschichtsschreiber Bainville aufgezeigt, ist am 12. März vom deutschen Reichstag für Frankreich erreicht worden. Wenn es im bisherigen Gleise weiter geht, verlieren wir in absehbarer Zeit Ostpreußen genau so, wie wir einst in Zeiten gleicher Entartung und Schwäche die Niederlande verloren. Wenn es im bisherigen Gleise weiter geht, steht in absehbarer Zeit der Franzose an Rhein und Ruhr. Wenn es so weiter geht, steht das Restreich vor seinem Zersall..
Das ist die Bedeutung des 12. März 1930! Man wird uns beschimpfen, weil wir das aussprechen. Das ist uns gleichgültig. Nicht, um uns hinter ihm zu verkriechen, sondern um des historischen Interesses willen setzen wir hierher, was Walter Rathenau als Erfolg der „Erfüllung" prophezeit hat: „Die deutschen Städte werden . . . stehen als halb erstorbene Blöcke, noch zum Teil bewohnt von kümmerlichen Menschen . . . Rings umher blühen erstarkt alte und neue Länder im Glanz und Leben neuer Technik und Kraft, ernährt vom Blute des verstorbenen Landes, bedient von seinen vertriebenen Söhnen." Erfreulich am Mittwoch ist nur eins: Mittwoch haben sich neudeutscher Parlamentarismus und „Demokratie" erhängt. Wie weiland Judas Jscharioth!
So erhebt sich ernster als je die Frage, ob es für unser Volk überhaupt noch die Möglichkeit einer Rettung gibt. Darauf, daß wir die Rechtsgültigkeit dessen, was jetzt geschieht, verneinen, sei hier nicht eingegangen. Jedenfalls betreten wir mit jener Frage das Gebiet des Irrationalen, der nicht meßbaren und nicht wägbaren Kräfte, also das Gebiet der wahren Staatskunst, von der die Maßgeblichen der letzten zehn Jahre nicht eines Geistes Hauch verspürt haben. Eines ist sicher: aus dem Materiellen, aus der Wirtschaft, läßt sich Deutschland nicht retten. Wer die Dinge des Werdens und Vergehens mit der Wirtschaftsstelle mißt, oder wer gar das Schicksal seines Volkes mit dem parlamentarischen Rechenstift ausrechnen will, — wer nicht an Gott, an den Geist, an die Idee, wer nicht an Seelen glaubt, der muß heute verzweifeln und Deutschland verloren geben.