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Erscheint Mittwochs und Samstags.
Bezugspreis 2,40 Ji vierteljährlich frei ins Haus.
1,6,1 Bodi, Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rück- ftQulfreitt (enbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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^riai)itoii Das Schiedsgericht für die Berliner Metallindustrie C Cn- seinen Spruch gefällt. Er ist einstimmig erfolgt und lautet da- will, hin, daß statt der ursprünglich festgesetzten 6—Sprojentigen
1 Mt bei Lchnhcrabsetzung zunächst nur eine solche von drei Prozent cr= .611 ^b: folgt, während die 6—8prozcntige Verminderung erst am 19. Ia- ’lc|<n nuat 1931 eintritt.
Im Land Oldenburg fanden Konimunalwahlen statt, bei lenen die NSDAP, und die DNVP. Ersolgc zu verzeichnen baten, während alle übrigen Parteien Stimmenverluste erlitten.
Painlevè, der zu den bedeutendsten Führern der sozial-
hat
oären, ban republikan. Fraktion der sranzösijch. Kammer gehört, schreibt in
bit „Erc Mouvclle": an eine Abrüstung Frankreichs sei nicht zu denken.
In industriellen Kreisen verfolgt man die Entwicklung der Preisabbauaktion mit ganz besonderem Interesse. Wie der „Berliner Börsen-Kur." mitzuteilen weiß, ist man auf der Seite bet Industrie entschlossen, die Lebenshaltung des Arbeiters zu erleichtern.
Am Montag wurde der neue deutsche Botschafter am Hose
einheimische con St. Ionics, Baron von Neurath, vom König Georg im al als bi; Bukingham-Palast empfangen.
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6. vA
Der deutsche Gesandte in Rio de Janeiro ist beauftragt werden, die neue brasilianische Regierung im Namen des Deutschen Reiches anzuerkennen.
Die amerikanische Regierung hat die neue brasilianische Regierung, die nach der Revolution gebildet wurde und von E-ctulio Vargas als Präsidenten gesührt wird, anerkannt.
Auch die Schweiz beginnt angesichts der italienisch-sranzö- ssichcn Erenzfortisikationen zu rüsten. Wie die „Neue Berner Zeitung" meldet, wird ein Kredit von 16 Millionen Franken ‘ zur Beschaffung von Kriegsmaterial dienen.
Am Sonntag fand in Anwesenheit der polnischen Minister ' fü» Verkehr, Handel und Arbeit die feierliche Eröffnung der zweiten Teilstrecke der großen polnischen Nord-Südbahn Edingen I Oberschlesien statt.
Nach erfolgtem Rücktritt der liberalen Minister ist das gc- jamic belgische Kabinett zuriickgetrcten.
Wie aus Moskau gemeldet wird, fanden am Vorabend der Acvolutionsfeier sechs Hinrichtungen von durch die O. G. P. U. verurteilten Personen statt. Die Verurteilten waren angeblich an einer Verschwörung gegen die Sowjetrcgicrung beteiligt und sollen versucht haben, die Lebensmittelversorgung zu erschweren.
Der Industriekommissar des Staats New Port, Francis Perking, veröffentlicht eine Erklärung, in der er der „ernsten Besorgnis" über den Rückgang der Zahl der in Industriebetrieben des Staates New York beschäftigten Arbeiter Ausbruch gibt. Die Zvhl der Bcschästigten ist im Oktober um 1,7 Pro- jent gesunken, obwohl der Oktober sonst einen Höchststand aus- zuweisen pflegt.
Ein großer Warenhausblock in Liverpool wurde einge- I »schert. Der Schaden wird aus 10 Millionen Mark geschätzt.
Das Lustschiss „Graf Zeppelin" ist von seiner 150. Fahrt nach Holland wieder glücklich nach Friedrichshafen zurückgckchrt.
RMslabintN berät über Preissenkung.
Berlin. Das Rcichskabinctt tritt am Dienstagabend 21 Uhr ! zu einer Sitzung zusammen, um über die Preisscnkungsaktwn und das Arbeitsbeschaffungsprogramm im Zusammenhang mit der Frage der Arbeitszeit zu beraten. Der Re'chsf'nanzm, nister und das Arbeitsministcrium werden dem Kabinett Vorschläge unterbreiten. Die Einberufung dieser Sitzung auf btc ipaten Abendstunden läßt erwarten, daß die Erörterung am Dienstag noch nicht abgeschlossen werden wird. Eine erhebliche t bei der Prcisfenkungsaklion wird die Frage bilden ob d Reichsbahn für die Bewegung eines Teiles der Ernte, besonn r auch der Kartoffelernte, billige Hilfstarife gewähren kann.
Die Reichsregierung sucht das Tempo der Beratungen d Reichsratsausschüsse über den Reichshaushalt und über d Finanzgesetze nach Möglichkeit zu beschleunigen, um Ende d eje Woche spätestens aber bis zum Butztag, eine «are «tellung- nuhme des Reichsrates herbeizuführen. Mit dueser Woche gcht dem Reichsrai das Steuew-remfachungsgejetz )ll. das^ zugleich sehr wesentliche Bestimmungen des alten ^teuc
I ichungsgcsctzentwurfes enthält.
Auswârlioer Ausickuß lottert Denkschrift über RevaraNonslelftungrn.
Wie bekannt wird, hat der Auswärtige Aus chutz des Reichstages in seiner letzten Sitzung außer dem Vejchlutz zur Abrüstungsfrage noch einen weiteren Beschluß gcjaijt. L Abstimmungen wurden zwar sämtliche vorliegenden Antrag , Die sich mit der Revision des Young-Planes, Herbeiführung eine Moratoriums usw. befaßten, abgclehnt.
Druck und Verlag von Albin Klein in Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage Fernsprecher Nr. 2525 und 2526.
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G i e ß e n 21.
M.
Mittwoch, -en 12. November 1930
Nummer 90
Angenommen wurde dagegen der Antrag der Wirlschasts- partei, wonach unverzüglich eine Denkschrift über alle bisher vom Deutschen Reich an die früheren Feindbundstaaten durch- geführten Leistungen fcitiggcstellt und veröffentlicht werden soll. Diese Denkschrift wird als Grundlage zur endgültigen Bereinigung der Tributfrage den Nachweis erbringen, daß das Deutsche Reich schon jetzt weit höhere Opfer für die Liquidierung der Klicgsschäden gebracht hat, als ihm nach der geschichtlich feststehenden Widerlegung der dem Versailler Vertrag zugrunde gelegten Behauptung seiner Allcinschuld am Kriege billigerweise zugemutet werden könne.
Das Ergebnis der vstmetchischen Wahlen.
Wien, 11. 11. Nach der jetzt vorliegenden Uebersicht über die bei den Nationalratswahlen am Sonntag abgegebenen Stimmen erhielten von den Parteien, welche Mandate errungen haben: die Christlich-Sozialen 1 306 121, der Schober-Block 422 141, der Heimat-Block 228 229, die Sozialdemokraten 1 509 755. Die Gesamtzahl der bürgerlichen Stimmen betrug 2 128 737, der marxistischen Stimmen 1 529 434 gegen 2 085 772 bezw. 1 555 754 im Jahre 1927.
In ter SWtcdwNtWflfei verboten!
Vor kurzem ließ der frühere Generalstabschef des russischen Reichsverwesers, Admiral Koltschak, der im Winter 1919 zu 1920 in Sibirien nochmals die Kräfte des alten Rußland zum Widerstand gegen die Bolschewisten zusammenfaßte, Generalleutnant Konstantin W. S a k h a r o w , im Heinrich Wilhelm Hendriock Verlag zu Berlin-Charlottenburg 2 ein Buch „Die tschechischen Legionen in Sibirien" erscheinen. Das Werk erregte überall größtes Aufsehen, weil es die allerschwcrsten Anklagen nicht nur gegen die 50 000 tschechischen Legionäre erhob, denen es durch ihren Verrat an Admiral Koltschak die unmittelbare Schuld am Siege des Bolschewismus zuerteilt, sondern weil auch Masaryk, der Präsident der tschechoslowakischen Republik und Benesch, ihr Außenminister nicht geschont werden. Man durfte also gespannt darauf sein, wie die offizielle Tschechoslowakei auf dieses Buch reagieren würde. Sie hat Wochen dazu gebraucht, aber auch dann nicht den geringsten Versuch gemacht, die schweren Anklagen etwa zu widerlegen, sondern das Buch einfach für die Tschechoslowakei verboten! Ein deutlicheres Eingeständnis der Schuld hätte man allerdings kaum jemals erwarten können!
Landtagsabgeordneter Gußmann Eberftadt t
Landtagsabgeordneter Iohannes Gußmann (Bauernbund) ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Der aus Eberstadt stammende Landlagsabgeordnete starb am Samstag abend an einem Herzschlag. Gußmann, der noch den ganzen Samstag über seiner Arbeit als Landwirt nachgegangen war, wurde abends plötzlich von einem unerklärlichen Unwohlsein befallen, als er gerade in seiner Wohnung war. Schon nach wenigen Minuten hatte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe und zwei noch nicht volljährige Kinder. Ein seltnerer Schlag für die Familie eines kleinen Landwirts.
Schon früh war Landwirt Gußmann, dessen Vater in Eberstadt ein bekannter Landbundführer und Eemcinderat war, mit allen wichtigen Fragen der Politik bekanntgewordcn. Immer mehr lernte er die Nöte der hessischen Landwirtschaft kennen und war schon als junger Mann eifrig bestrebt, mit Hand anzulegen, um seinem Berufsstand seine Kräfte zu leihen. Als Gemeinderatsmitglied von Eberstadt, in den -Fußstapsen seines verstorbenen Vaters stehend, machte er sich bald einen Namen. Im Eemcinderat von Eberstadt nahm er bald auf feiten der Bürgerlichen Vereinigung eine führende Stellung ein. Besonders in Finanz- und Agrarfragen sprach er ein gewichtiges Wort. Und wenn er in der letzten Zeit als er sogar noch Land- tagsabgcordnetcr geworden war, im Eberstädter Gemeinderats- pfenum das Wort ergriff, hatte er stets das Ohr des ganzen Eemeindcrates.
Dem Landtag gehörte Gußmann seit November 1927 an. Auch im Landtag blieb er nicht untätig, besonders in Agrarfragen war er auf Grund seines Berufes gut beschlagen^ _sn der letzten Zeit ergriff er mehrmals im Plenum das Work. Noch in den letzten Wochen hatte er sich sofort nach dem Unwetter an der Bergstraße, im Lauter- und Modautal für tatkräftige Unterstützung der Unwettergeschädigten eingesetzi. Man kann ruhig sagen, daß er draußen auf dem Lande bas, Vertrauen bet Landwirte in weitgehendstem Maße bezaß. Auch die ^and- bundjuqcnd hatte in ihm einen warmen Förderer ihrer Bewe- auna Stets war er als Redner zugegen, wenn es galt, einer Tagung der Landbundjugend durch eine Ansprache eine größere Resonanz zu verleihen.
Der Tod des Abgeordneten Gußmann hat eine fühlbare Lück? im Hessischen Landbund hinterlassen. Sein plötzliches Ableben umb umso überraschender kommen, als er e,n kräftiger, stattlicher Mann war und im besten Mannesaltei stand.
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Wie fleht es um die ilanlsbürgtrlithc Volksbildung?
Diese Frage rührt an die Fundamente unseres Volksstaats. Wenn die deursche Reichsverfassung die Geschicke des Volkes ihm selbst in die Hände gelegt und cs zur Quelle aller Staatsgewalt bestimmt hat, wenn aus der Wahlurne, in regelmäßiger Wiederkehr, die gesetzgebenden und ausführcndcn Gewalten emporwachsen, so ist zweifellos von entscheidender Bedeutung, wie weit sich die Wählerschaft, wie weit sich jeder einzelne Stimmberechtigte von den Lcbensnotwendigkeiten, den Aufgaben und Einrichtungen des Staates ein klares Bild zu machen in der Lage ist. Die Rcichszcntrale für Hcimaldicnst, beten Arbeitsgebiet die objektive politische Aufklärung umfaßt, widmet dieser Frage natürlich ihre besondere Aufmerksamkeit. Sie hat sich neuerdings bemüht, vergleichbares Tatsachenmaterial zu ihrer Klärung herbeizuschaffen. In zwölf Großstädten und drei Mittelstädten hat sie in diesem Jahre männlichen und weiblichen Angestellten — Teilnehmer an Unterrichts- und Fachkursen der Arbeitsämter — sowie Schülern einer Volkshochschule, eines Volkshochschulheims, einer Verwaltungsbeanftcnschule und einer Eisenbahn-fachschule eine Reihe von Fragen staatsbürgerlichen Inhalts zur Beantwortung vorlegen lassen.
Und das Ergebnis? Es muß leider als recht ungünstig bezeichnet werden. Die Fragebogen wurden 875 Personen — zumeist im Alter von 20 bis 30 Jahren — vorgelegt. 14 221 Fragen standen insgesamt zur Beantwortung, davon wurden 54,3 % richtig, 15,4 % falsch und 30,3 % garnicht beantwortet. Besonders schlecht schnitten die Frauen ab: sie beantworteten nur 33,4 % der gestellten Fragen richtig, die Männer hingegen 62,2%. Die gestellten Fragen waren dabei ausnahmslos einfachster Art. So wurde beispielsweise gefragt: „Wie heißt unser Reichskanzler?", „Welches Amt bekleidet der verstorbene Reichsminister Dr. Stresemann?", „Welche Eigenschaften hat unser Wahlrecht?" u. a. m. Freilich, die Befragten waren zumeist Arbeitslose, bedrückt durch die Ungunst der Zeit: dafür wurde aber bei der Bewertung der Antworten durchaus nicht kleinlich verfahren. „
Ein Teil der falschen Antworten enthüllt wahre Abgrunde von Unwissenheit und Verständnislosigkeit. Dafür nur einige Beispiele. Welch erschreckender Mangel geschichtlicher Kenntnisse offenbart ein Angestellter, der aus die Frage nach der Amtsstellung Bismarcks antwortet: „Er war Kaiser und regierte das Reich". Welche nebelhafte Vorstellung vom politischen Geschehen mögen wohl eine kaufmännische Angestellte zu der Annahme verleitet haben, der Weltkrieg sei durch die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück beendet worden. Was soll man ferner von dem staatsbürgerlichen Wissen eines Angestellten halten, der, nach dem Wahlrecht vor dem Kriege befragt, antwortet: „Kein Wahlrecht, nur im Falle, wenn ein Regent oder Thronfolger aus bestimmten Gründen gewählt werden sollte." Und um schließlich bei der heutigen Reichsverfassung zu bleiben: überraschend groß ist die Zahl derjenigen, die, obgleich selbst Mähler, nicht einmal wissen, von welchem Lebensjahre an der deutsche Staatsbürger wahlberechtigt ist und die auch nicht im entferntesten eine richtige Vorstellung von den Eigenschaften unseres Wahlrechts haben.
Zwar ermöglicht das vorliegende Tatsachenmaterial kein abschließendes Urteil über den genauen Stand der staatsbürgerlichen Volksbildung. Wohl aber vermittelt es wertvolle Anhaltspunkte, wirft grelle Schlaglichter auf einen bedauerlichen — und gefährlichen! — Notstand. Wie kann, wenn es bereits an solchen Elementarkenntnissen mangelt, in breiten Volksschichten wahres Verständnis für die großen politischen und sozialwirtschaftlichen Schicksalsfragen Deutschlands erwartet werden. Auf dem Gebiete staatsbürgerlicher Volksbildung bleibt jedenfalls noch viel, sehr viel zu tun. Im Interesse der Volksgemeinschaft und des Staatsganzen liegt es, alle verfügbaren Kräfte zur Lösung dieser dringlichen Aufgabe anzusetzen.
Die Schule der Gesundheit.
An der Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit ist heute jeder Einzelne nicht weniger interessiert? als der Staat als Ganzes, und die Tatsache, daß Vorbeugen leichter ist als Heilen, hat in weiten Kreisen mehr und mehr einsichtsvolles Verständnis gefunden. Hygienisch leben, hygienisch denken muß aber schon von frühester Jugend an gelernt sein, damit wir die gesundheitlichen Gefahren des Alters bestehen können. Ganz besonders geeignet dafür, Dem Heranwachsenden Kinde auch auf diesem Gebiete die nötigen Kenntnisie zu vermitteln, ist die Schule.
Der Lehrer muß im Stande jein, auch als Gejundhelts- lcfjtct zu wirken, und das Kind soll die, in der Schule erworbenen Kenntnisie nicht nur selbst in die Tat umsetzen, sondern womöglich noch darüber hinaus auch ins Elternhaus verpflanzen. Was auf diesem Gebiete schon erreicht ist und was zu erreichen noch der Zukunft Vorbehalten bleibt, das wird der Gegenstand einer bedeutsamen, am 28. November 1930 in Hannover stattsindendcn Hygiene-Tagung bilden, die der „Preußische Landesausschuß für hygienische Vollsbelehrung" gemeinsam mit bem, sein 25jähriges Jubiläum feiernden „Landesvercin für Dollswohlfahrt in Hannover" veranstalten.