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Giekener Rettung

^^^e^**' I w* (Gießener Tageblatt) ^»m^^ (Neueste Nachrichten)

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43. Fahrs.

Mittwoch, den 10. Dezember 1930

Nummer 9S

RslitiWr Rundschau.

Zu Gegenwart des Reichscrnährungsminiftcrs hat der Reichspräsident am Dienstag eine Abordnung des ReichslanL^ bundes empfangen. ,

Das Rcichslabinett hat L:m Reichstag die Begründung des Lcnsicnstürzungsgcjctzcs zur parlamentarischen Erledigung zu­geleitet.

Zn München sprach Dr. Schacht über Wirtschasts- und Fi- nanzsragen. Er unterstrich, daß die Auslandsschulden des Rei­ches nahezu 20 Milliarden betragen und daß wir mit den Tri- tuizahlungen jährlich fünf Milliarden an das Ausland abfüh- «n müssen.

Zm Lohnstrcit in der nicderschlesischcn Metallindustrie fällte Üc Schlichterkammer folgenden Schiedsspruch: Ab 15. Dezember 1930 werden die Lohnsätze für die gelernten und angelernten Arbeiter um 6 Prozent, für ungelernte um 5 Prozent und für Frauen um 6 Prozent gekürzt. Die Akkordbajis wird um 6 Pro­zent gesenkt.

Am Montag begann vor dem Altonaer Schwurgericht der Prozeß gegen die an den Sprcngstosfanschlägcn in Bad Oldes­loe und Neumünster beteiligten Personen. Der Andrang im Zuhörerraum war sehr groß. Die Angeklagten Hellmann, von Willimowitz-Möllcndors, Hambrock, Ammermann und Kröger werden durch die Rechtsanwälte Dr. Luetgebrunc u. Dr. Droege, der Angeklagte Koch durch Rechtsanwalt Dr. Engels vertreten.

Dem Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Bethlen in Berlin wird sich noch in diesem Monat ein Besuch Bethlens in Wien entschließen.

Zu ganz Polen begann am Montag der sogenanntePom- meicllenmonat", das heißt der offiziell organisierte Propaganda- niciiat zur wirtschaftlichen und politischen Stärkung Wcstpolcns im Kampfe gegen die Revisionsbestrebungen. Ueberall werden öffentliche Sammlungen für die nationale Verteidigung, für die Flotte und für den Gdinger Hafen vorgenommen.

Mit Beginn des neuen Zahrcs wird das neue vatikanische (»elb in Umlauf gesetzt werden, das auch in ganz Italien zirku- licten wird, ebenso wie die italienische Lira im Vatikan voll- okliiges Zahlungsmittel sein wird.

Zn Rom hat der erste Botschaftsrat der Botschaft des Rätc- bundcs Selbstmord (?) verübt. Die Beweggründe sind bisher unbekannt.

Zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Arbei­tern in Barcelona ist es heute bei Beginn des angekUndigten neuen Generalstreiks gefonuirtn. Ein Polizist und der Sekretär des Metallarbeiterverbandcs wurden bei den Unruhen getötet. Sie Anzahl der Verletzten ist zur Zeit noch nicht sestzustellen.

Der deutsche 26 0Ü6-TonncnkreuzcrVon der Tann" ist bei -capa Flow gehoben worden und wird zum Abwracken abge­schleppt.

Die Lissaboner Polizei hat auf dem Bahnhof Santa Appo- Icni 400 Bomben mit ZeitzLndung und zahlreiche aus Hccrcs- beftänden stammende Maschinengewehre mit der dazu gehörigen Divnition gefunden.

Ein politisches Attentat wurde am Sonntagnachmittag auf len Pariser Gesandten der Republik Georgien, Ramickoili, ver­übt. Der Gesandte wurde durch zwei Revolverschüsse aus der Stelle getötet. Der Attentäter wurde verhaftet.

Wie dieMorning Post" aus privater russischer Quelle er­fährt, ist der Patriarch Peter, das Haupt der russischen ortho- deren Kirche, in der Verbannung in Sibirien gestorben. Patri­arch Peter hat cs ständig abgelehnt, die Autorität der Sowjet- g tegterung anzuerkennen.

Das Zcntralexckutiokomitee der Sowjetunion beschloß, Vie zum Xobc'ucrurtciltcn Angeklagten Ramsin, Tscharnowski, Kalin- nitew, Laritschew und Fcdotefs zu zehnjähriger Eesängnishast end die zu zehnjähriger Gefangenschaft verurteilten Otschk.n, Sitnin und Kuprijanow zu achtjähriger Eesängnishast zu bc- xnadigen.

Nach der Begnadigung der im Moskauer Ramsin-Prozeß zum Tode Verurteilten wurden alle Angeklagten unter strenger Bewachung der OGUP. aus Moskau wcggcbracht. Sie kommen zunächst nach Nishnij-Nowgorod, wo sic die Eesängnrsstrasc ver­büßen sollen.

Nach einer Mitteilung aus Chabarowsk hat die LEPU. etwa 80 Personen verhastet, die beschuldigt werden, Sabotage in den russischen Fisch-rcitrustcn getrieben zu haben. Der neue Ricjenprozeß wird zu Anjang nächsten Zahrcs in Chaborowit besinnen.

Der amerikanische Marinestaatssekretär Adams unterbreitete nm Montag dem Marineausschuß des Repräsentantenhauzes das neue Flottenbauprogramm, das einen Aufwand von 134 - ' denen Dollar vorsieht.

Die im Oktober vorgcnommcne Volkszählung in ^apan hat ei ne Vevölkerungszahl von 64 447 000 Kopsen ergeben. Die Serölkerung hat in fünf Zahrcn um 4 017 000 zugenommen.

Btnmlenbkfvfhungskürzmkgen im hrsMen Landtag.

Darmstadt. Der Hessische Landtag begann Dienstag mit der Beratung zahlreicher Anträge auf Gewährung von Unterstützun­gen an durch Unwetter, Frost und die Griesheimer Heuschrecken­plage geschädigte Landwirte.

Es folgte dann die Beratung der Regierungsvorlage: Aenderung des Besoldungsgesetzes". Der Staatspräsident bat, sich heute mit einem Ersuchen an die Reichsregierung auf Vor­lage einer neuen Beamtcnbcsoldungsordnung zu begnügen. Er machte darauf aufmerksam, daß die hessische Regierung nicht be­absichtige, über die von Reichs wegen vorgesehene 6proz. Kür­zung dr Gehälter hinauszugehen. Dem Landbund gingen die vorgesehenen Kürzungen nicht weit genug. Dr. Kessler führte aus, daß die DVP. die Vorlage ablehne, da sie es nicht ver­antworten könne, daß die hessische Beamten schlechter als die­jenigen anderer Länder und die des Reiches gestellt würden.

BesörberunMem in Seifen.

Darmstadt. Im Finanzausschuß des Hessischen Landtags brachte man Montag den zweiten Teil des sogen. Sanierungs- Programms, dieSpar"-Maßnahmen, zur Verabschiedung. Die ursprüngliche Regierungsvorlage, die ganz außerordentliche Här­ten für die Bcamtenanwärte: gebracht hätte, hat bei den Re­gierungsparteien soviel Erregung ausgelöst, daß man sich zu einigen Milderungen entschließen mußte, die sich vor allem zugunsten der schlechtbesoldeten Anwärtergruopen auswirken. Der Sprecher der D. V. P. erklärte im Ausschuß, daß die Re­gierung diejenigen Beamten abbauen solle, die ohne die nötige Qualifikation, nur auf Grund ihres Parteibuches in Beamten­stellungen gekommen feien; dann erübrige sich eine Kürzung der Bezüge bei den übrigen Beamten und Anwärtern.

Die verschiedenen Parteien nahmen diese Beratung zum Anlaß, eine neue Besoldungsordnung zu verlangen. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, der besagt:Bis zum 31. März 1932 findet ein Aufrücken von Beamten in eine höhere Besol­dungsgruppe bei Stellung gleicher Art nicht statt." Dieser An­trag bedeutet eine tXjährige Desörderungssperre für die hes­sische Beamtenschaft! Die Opposition wird darauf zu achten haben, daß diese Sperre auch überall durchgesUhrt wird und daß nicht, trotz angekündigter Sperre, Parteibuchbeamte aufrücken.

Stellungnahme der Landtagsfraktion des Hess. Land­bundes zur Frage der Auflösung hessischer Kreise.

Die Landtagsfraktion des Hessischen Landbundes hat im Laufe der letzten Jahre bei Erörterung der Sparmaßnahmen im Hessischen Landtag immer den Standpunkt ivertrehen, seine Kreise aujzuhcbcn, weil damit kaum Ersparnisse erzielt werden und weil die allenfalls zu erzielenden geringen Ersparnisse längst durch erhöhte Opfer der Bevölkerung ausgewogen wür­den. Die Fraktion wird sich auch weiterhin der Aufhebung von Kreisen widersetzen und sich bemühen, durch Einsparungen auf anderen Gebieten der Staatsverwaltung (Ministerien, Landes- thcater, Fortbildungsschule, höhere Schulen, Hochschule, innere Finanzausgleiche bezüglich der städtischen Ortspolizei, Beamten­besoldungsneuordnung u. v. a.) zur Verminderung der Staats- ausgaben und damit zur Beseitigung des Staatsdesizits und zur Senkung der Staatssteuern beizutragen

Insbesondere wird die Fraktion der hessischen Regierung unter leinen Umständen eine Ermächtigung geben, eine Neu­ordnung der Kreiseinteilung ohne Mitwirkung des Landtags vorzunchmcn.

Kommunistische Bombenanschläge in der Pfalz. Bisher 24 Personen verhastet.

Am Montag entdeckte die Polizei in Pirmasens bei neuen Erhebungen in der Bombenattentatslkngelegenheit des kommu­nistischen antifaschistischen Bundes ein ganzes Lager von spreng- fertigen Bomben. Etwa ein Dutzend dieser Bamoen war aus alten Militärgranaten, zum Teil größten Kalibers, hergestellt. Dazu wurde noch verschiedenes Material für die Herstellung von weiteren Sprengkörpern, wie Sprengstoff, Zündhütchen, Zünd­schnüre usw. gesunden. Von maßgebender Seite wird dazu er­klärt, daß die Bomben nach eigenen Angaben der Hersteller in einem künftigen Bürgerkriege, insbesondere gegen den Faschis­mus, Verwendung finden sollten. Die Untersuchung nimmt ihren Fortgang. Bisher sind 24 Personen ins Gefängnis eingeliefert worden.

Zum Lechen oder zum Aergern?

In Düsieldois wird ein preußisches Polizeipräsidium ge­baut? Man nimmt amerikanische Zsolierplatten im Werte von 50 000 RM., obwohl deutsche Zsolierplatten bekanntlich doppelt so gut sind wie die amerikanischen! Wenn das schon Amtsstellen tun! Von den deutschen Staatsbürgern nimmt der Staat oie nicfyt zu knappen Steuern und bezahlt damit Auslands­waren!

Arbeitslosigkeit und kein Ende.

Tausende Rezepte und keines brauchbar. Alles dreht sich im Kreise. Der Arbeitsmangel soll durch Arbeitszeitverkürzung behoben werden Die Arbeitszeitverkürzung soll aber nach An­sicht eines großen Teiles der Arbeitnehmer keine Lohnverlür- zung zu Folge haben, weil sonst die Kauskraft der breiten Masse noch mehr sinkt, also der Warenumsatz noch mehr zurückgcht. Geht der Warenumsatz zurück, muß notwendigerweise die Fabri­kation weiter eingeschränkt werden. Der Rückgang des Waren­umsatzes und die Einschränkung der Fabrikation führen zur Existcnzunsähigkcit zahlreicher Unternehmungen. Die Folge davon ist wieder, daß das Arbeitslosenheer noch mehr ver­größert wird. Die für die Arbeitslosenunterstützung aufzuwen denden Tiefen bet rüge bringen die Etats der Länder in Un­ordnung. Neue Steuern müssen gefunden werden, die wieder die Einnahmen aller Bevölkerungsschichten schmälern.

Ganz Schlaue kamen auf die Idee, die jetzt für Erwerbs losewunterstützung avfgcwandten Beträge besser der Industrie zufließen zu lassen, damit diese die durch Arbeitszeitverkürzungen bei gleichbleibendem Lohn entstehenden Mehrausgaben damit zum Teil decken kann und so die unproduktiven Unicrstlltzungs- bcträge in produktive Leistungen umgewandelt werden können.

Alle Vorschläge sind zur Unfruchtbarkeit verdammt, wenn nickt die Grundübel, die zur Verarmung Deutschlands geführt haben, beseitigt werden:Die handelspolitische Auswirkung bcs Versailler Vertrags, die unerträglichen Reparationslastcn und die aufgeblähten Berwaltungsapparatc des Reiches, der Länder und der Städte." Diese Erundübel zu beseitigen ist zwar eine schwere, aber die wichtigste Aufgabe der Vertreter des deutschen Volkes. Bis diese Aufgabe gelöst ist, müssen aber sämtliche Wirtschaftskreise alles tun, was in ihren Kräften steht, um einer weiteren Verarmung Deutschlands vorzubcugen, die Wirtschaft­lichkeit zu heben und den Wohlstand des deutschen Volkes zu verbessern. Dazu kann jeder beitragen, wenn er sich dessen be­wußt ist, daß er mit dem Erwerb irgend eines Artikels, der im Ausland hergestellt oder vom Ausland bezogen wird, die deutsche Wirtschaft schädigt. Deutschland ist, abgesehen von einigen Rohstofjen, bezüglich der Versorgung seiner Bevölkerung mit Industrie- und Handelswaren, Artikeln des täglichen Bedarfs und Lebensmitteln, gänzlich unabhängig vom Ausland. Wir brauche,, keine amerikanischen Maschinen, keine englische Stoffe, feine sranzösische Parsüms und Weine, keine holländischen Ge­müse, keine tschechischen Biere und dergleichen mehr. Die Tsche­chen propagieren systematisch den Boykott deutscher Waren. Von Gegenmaßnahmen in Deutschland hört man nichts.

Geradezu beschämend ist es, daß deutsche Verleger die Werke deutscher Gelehrter und deutscher Dichter im Ausland drucken lassen, weil die Herstellungspreise für Bücher etwas billiger sind. Jeder Deutsche, der ein deutsches Buch kauft, müßte sich vor dem Kauf davon überzeugen, ob das Buch eine deutsche Druckfirma trägt. Auch die deutsche Industrie und der deutsche Handel, die sich selbst bitter Èatüber beklagen, daß ihre Ab­nehmer wegen kleiner Vorteile vom Ausland laufen, lassen vielfach ihre Kataloge und sonstige größere Drucksachen im Aus­land anfertigen.

Die Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug im Oktober 1929 1 557 146 und im Oktober 1930 3 252 082. Angesichts dieser katastrophalen Zahlen muß jeder Deutsche sein Scherflein dazu beitragen, um diese Arbeitslosigkeit herabzumindern. Das kann jeder, wenn er dem Grundsatz huldigt:Ich kaufe nur deutsche Waren."

ReWhanöwertswoche.

15. bis 22. März 1931.

Die Vorstände Des Reich-verbandes oes deutschen Hand­werks und des Deutschen Handwerks- und ldewerbekammer- tagcs haben in ihrer gemeinschaftlichen Sitzung vom 8. No vember beschlossen, in der Zeit vom 15. bis 22. JTtärj 1931 eine Verbewoche für das Handwerk unter der Bezeichnung Jieicbshandwerkswoche" zu veranstalten.

Die vorbereitenden Arbeiten hierzu hat ein Organisations- ansfd' in Angriff genommen, der sich wie folgt zusammcnsctzt: Friedrich Derlien, Vorsitzender des .Reichsoerbandcs des deut­schen Handwerks, Hannover, Prinzenstr. 20, Dr. Jfscusch, Gencralsckzetär des Deutschen Handwerks- und Gewerbe- kammcrtaaes, geschäfksführendes Vorstandsmitglied des Aeichs- vcrbanoes des deutschen Handwerks, Hannover, Prinzenstr. 20, Dr. .Reiners, Abteilungsleiter des Deutschen Handwerksinsti- luts, Hannover, Am Schiffgraben 9, Dr. -Ing. Lindner, Ge­schäftsführer des Deutschen Bundes Hcimatschutz, Berlin- Schöneberg, Gruncwalostr. 6 7, Dr. Bretzler, Leiter der Pressestelle beim Rcichsverbano des deutschen Handwerks, Han­nover, Prinzenstr. 20.

Den Erfolg der Veranstaltung kann nur eine einheitliche Durchführung im gesamten Reichsgebiet verbürgen. Von zen­traler Stelle erfolgt daher u. a. die Herausgabe der Haupt­richtlinien für die Durchführung, oie Lieferung einheitlicher Vdcrbeplakatc, Sicoelmarkcn, Pressenotizen, Nachrichtenblätter usw.,, sowie insbesondere die Herausgabe einer umfangreichen TVerbeschrift, oie oatu bestimmt ist, die TVirkung der Veran­staltung in jedes Haus r» tragen und sie so nachhaltig wie mög-