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Erscheint Mittwochs und Samstags.

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SolitifAe Rundschau.

Am Mittwoch, den 9. April, hält der Reichskohlenrat im Ingenieurhaus in Berlin eine Sitzung ab, in der die Lage der Kohlenwirtschaft besprochen werden soll.

Um das Reichslichtspielgesetz vom 12. Mai 1920 einer Re­vision zu unterziehen, hat die Reichsregierung eine Novelle vor­gelegt, wonach die Zulassung eines Filmes zu versagen ist, wenn die Prüfung ergibt, daß die Vorführung des Bildstrei­fens geeignet ist, die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu ge­fährden, das religiöse Empfinden zu verletzen, verrohend oder entsittlichend zu wirken, das deutsche Ansehen oder die Bezie­hungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden."

Ein im Thüringer Landtag gegen Frick eingebrachter Miß­trauensantrag ist vom Landtag mit Stimmengleichheit abge­lehnt worden.

Der von den Kommunisten propagierte Schulstreik in dem roten Neukölln ist bereits am Donnerstag zusammengebrochen. In allen Klassen wurde am Donnerstag der Unterricht plan­mäßig durchgeführt, da die Schulen polizeilichen Schutz erhalten hatten. Nur die Kinder rein kommunistischer Eltern beteiligen sich an dem Streik.

General der Infanterie Conrad Freiherr von der Goltz ist am 3. April in seiner Wohnung Berlin-Steglitz, Humboldtstr. 15, gestorben. Er war im Frieden zuletzt Kommandeur der 30. Di­vision und in der Schlacht bei Tannenberg der rühmlichst bekannt gewordene Kommandeur der Landwehrdivision von der Goltz.

Dr. Eckener befindet sich zur Zeit in Lakehurst und hat dort gestern die Vorbereitungen für die Zwischenlandung desGraf Zeppelin" auf seiner bevorstehenden großen Fahrt nach Süd- und Nordamerika beendet.

Der Luftschiffbau Friedrichshafen beabsichtigt, nach der Spa­nienfahrt auch eine etwa zweieinhalbtätige Fahrt nach Afrika mitGraf Zeppelin" auszuführen.

Der Garnisonchef von Reval, General Unt, wurde am Freitagvormittag auf der Straße hinterrücks erschossen. Die Attentäter man sagt Kommunisten sind entkommen.

Die Flamisierung der Universität Gent ist gestern im bel­gischen Senat mit 111 gegen 14 Stimmen beschlossen worden.

Aus China kommen Bestätigungen, daß 6 schwedische Mis­sionare von aufrührerischen Banden verschleppt wurden.

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Mehrheit für das Kabinett Brüning. Die Mißtrauensanträge mit 253 gegen 187 Stimmen abgelehnt.

Berlin, 3. 4. Zn der heutigen Reichstags-Sitzung wur­den die Mißtrauensanträge gegen das Reichskabinett Brüning mit 253 zu 187 Stimmen abgelehnt. Die deutschnationale Frak­tion stimmte geschlossen gegen die Anträge. 15 Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion beteiligten sich nicht an der Ab­stimmung, voran Reichskanzler a. D. Müller, Ministerpräsident Braun und Dr. Hilferding.

Ernennung der deutschen Mitglieder des Verwaltungs­rates der B. I. Z.

Nach der Satzung der Bank für Internationalen Zahlungs­ausgleich (B. I. 3 ) hat der Reichsbankpräsident als deutsche Mitglieder des Verwaltungsrates der Bank einenVertreter der Finanz, der Industrie oder des Handels" und einen weite­renDeutschen, der Industrie oder Handel vertritt", zu ernen­nen. Außerdem ist von Amts wegen Mitglied des Verwal­tungsrates der Reichsbankpräsident selbst. Nachdem die Aus­wahl der deutschen Vertreter mit Rücksicht auf den Wechsel im Amt des Reichsbankpräsidenten bisher ausgesetzt war, hat Reichs­bankpräsident Dr. Luther am Tage seines Amtsantritts Herrn Dr. Karl Melchior in Hamburg und Herrn Kommerzienrat Dr. Paul Reusch in Oberhausen im Rheinland zu Mitgliedern des Verwaltungsrates berufen. Zu feinem Stellvertreter im Verwaltugsrat der B. I. Z. hat der Reichsbankpräsident Herrn Geh. Finanzrat Dr. Vocke, Mitglied des Reichsbankdirekto­riums, ernannt.

Hohe Zollmauer um Australien.

London, 4. April. Der australische Premierminister Scul­lin hat soeben vor dem australischen Repräsentantenhaus eine sensationelle Erklärung abgegeben, in der er zur Hebung der nationalen Finanzen eine Politik der schärfsten Einfuhrbeschrän­kung ankündigt. Sein Plan enthält folgende Grundzüge:

1. Die Zölle auf die sogenannte Luxuseinfuhr werden um 50 Prozent erhöht. Zu den Waren dieser Klasse gehören, so­weit sich bisher übersehen läßt, in erster Linie Spirituosen, Kunstseideprodukte, Schuhe, Farben, Glaswaren, Parfüm und Loiletteartikel, Juwelen, Grammophone, Motorräder, Pianos, Koffer, Photographenapparate, Papierwaren, Spielwaren und falscher Schmuck.

2. Gewisse Klassen von sogenannter Luxuseinfuhr werden

in Zukunft gänzlich ausgeschlossen. Dazu gehören: Pelze, Fleisch- und Fruchtkonserven, Delikatessen aller Art und Zuckerwaren.

3. Andere Güterklassen sollen rationiert werden, d. h. be­schränkt werden auf einen Bruchteil der bisherigen Einfuhr. In dieser Klasse werden sich rund 50 Gattungen befinden, da­runter landwirtschaftliche Maschinen, Tabak, Lederwaren, Strümpfe und anderes.

Der kommende rranöatlanttt-Zeppeltndienst.

Newyork, 4. April. Ueber den kommenden Transatlantik- Zeppelindienst, der 1932 ausgenommen werden soll, werden nun­mehr Einzelheiten bekannt.

Danach sollen zwei deutsche und zwei amerikanische Luftkreu­zer, die sämtlich in ihren Ausmaßen größer sein sollen als das LuftschiffGraf Zeppelin", vorläufig in den Dienst gestellt wer­den. Der Fahrpreis soll nur das Doppelte des Preises für erste Klasse Schnelldampfer betragen. Die Luftreise von Europa nach Amerika soll drei Tage dauern, die Rückfahrt von Amerika nach Europa dagegen nur 2 Tage. Jedes Luftschiff wird bis zu 80 Fahrgästen befördern können.

Der russische Religionömord.

England und die Christenverfolgungen in Rußland.

London, 3. April. Der Erzbischof von Cunterbury hielt am Mittwoch im Oberhaus eine Rede, in der er sich eingehend mit den Religionsverfolgungen in Rußland beschäftigte. Er er­klärte, daß sich die Sowjets gegen jede Glaubenslehre wenden. Ihm lägen Berichte vor, wonach

im Zähre 1929 395 Kirchen, 78 Klöster, 70 Synagogen und 38 Moscheen geschlossen worden seien. Nach weiteren Angaben sei damit zu rechnen, daß noch mehrere hundert Kirchen geschlossen werden. Aus re­ligiösen Gründen seien 71 Personen erschossen und 112 Perso­nen zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Gandhi will Märtyrer werden.

London, 4. April. Gandhi hat Instruktionen erteilt, daß der passive Widerstand in allen Teilen Indiens am kommenden Sonntag beginnen soll. An diesem Tage beabsichtigt er, das Gesetz über die Salzsteuer in Dschalalpur zu brechen.

Grausame Hinrichtung von Anhängern Habib Ullahs.

Peschawar, 4. April. Gestern wurden in Kabul 11 An­hänger des Usurpators Habib Ullah hingerichtet. Sie wurden vor die Mündung von Geschützen gebunden, die dann abgefeuert wurden.

Hebung des gesunkenen LloyddampfersMünchen".

Newyork. Der LloyddampferMünchen", der am 11. Fe­bruar nach einem verheerenden Brande im Laderaum unter Wasser gesetzt werden mußte, konnte am Mittwoch durch Aus- pumpen 10 Fuß über die Wasierlinie gehoben werden. Man erwartet, daß der Dampfer Freitag oder Samstag nach Brook­lyn ins Trockendock gebracht werden kann.

Eine große Alkoholladung beschlagnahmt.

Newyork, 4. April. Einen guten Fang machte ein Küsten­kutter des amerikanischen Küstenschutzes durch Stoppen des bri­tischen MotorschonersAda M. innerhalb der 12-Meilenzone. Der Engländer wurde durch mehrere Schüsse vor den Bug zum Beidrehen gezwungen. An Bord wurde eine Alkoholladung im Werte von über 100 000 englischen Pfund vorgefunden und be­schlagnahmt.

Zwei Flieger ertrunken.

Paris. Der Flieger Prevost, der den Weltrekord in der Schnelligkeit über 100 und 200 Kilometer im Wasserflugzeug hielt, stürzte am Mittwoch mit seinem Mechaniker Hoff bei der Erprobung eines neuen Flugzeuges in der Nähe von Perpignan mit dem Flugzeuge aus einer Höhe von 400 Meter ab. Beide Flieger ertranken.

Schlagwetterkatastrophe in Belgien.

Brüssel, 4. April. Eine schwere Schlagwetterexplosion hat sich in einer Kohlengrube bei Clonges in der Nähe von Mons ereignet. Nach den bisherigen Feststellungen wurden zwölf Bergleute getötet und mehrere andere schwer verletzt.

Schwerer Naub bei einer Gelsenkirchener Kassiererin.

Gelsenkirchen. Ein raffiniert durchgeführter Raubüberfall ereignete sich am Mittwoch abend in einem hiesigen Bergmanns­hause. Eine Tochter des Bergmannes ist Hauptkasiiererrn emes großen Lebensmittelgeschäftes, weshalb in die Wohnung des Bergmannes jeden Abend aus den mehr als hundert Filial­geschäften die Tageskassen gebracht wurden. Plötzlich drangen vier vermummte Räuber in das Zimmer ein, hielten dem Ehe­paar Revolver vor das Gesicht, drehten das L:cht aus und ver­schwanden mit einem Lederkoffer, in dem sich mehr als 25 000 Mark befanden.

Die Erfolge der sozialdemokratischen Gewerkschaften!

Von einem Leser unserer Zeitung, der seit Jahren das Wirtschaftsleben sehr, sehr genau kennt, wird uns folgendes ge­schrieben:

Jahrzehntelang haben die Gewerkschaften gegen die Unter­nehmer und Fabrikanten gehetzt. Ihre Zeitung spieh stets Gift und Galle aus und keine Woche verging, wo sie nicht einmal schrieb:wir müssen aufwiegeln und Hetzen!" Als vor dem Krieg ein Unternehmer den Genossen sagte, daß sein Betrieb die ho­hen Löhne nicht aufbringen könne, wurde ihm geantwortet: dann solle er schließen". Die Hetze der Genossen hat Erfolg gehabt. Auf der ganzen Linie hat die Sozialdemokratie gesiegt, das Volk ist Herr. Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit, war stän­dig gefordert worden.

Dies Ziel ist erreicht. Aber um welchen Preis?

Ein Brotkorb nach dem anderen wird leer, da die Unterneh­mer keine Arbeit mehr haben, und die Arbeitszeit ist so kurz geworden, daß jetzt im April rund 10 000 Lohnarbeiter in Ober- Hessen überhaupt keine Beschäftigung haben und auf Unterstützung der Steuerzahler angewiesen sind. Zeder 6. Mann in Gießen ist arbeitslos und noch nicht 4 000 Eensiten müssen alle Steuern aufbringen. Aus mehreren sozialdemokratisch regierten Dörfern geht überhaupt keine Steuer heraus. Die Sozialdemokraten ha­ben die letzten 10 Jahre die Lokal- und Staatspolitik' gemacht, wenigstens hatten sie überall die Stimmenmehrheit und mach­ten überall ihre Parteivorschläge unter dem Deckmantel des Sozialismus. Die Vorschläge aber, all die großen Staatsbau- ten und Poften kosteten Geld. Das Geld aber zahlten die Steuer­zahler. Diese wurden natürlich immer ärmer, da ja kein Spa­ren mehr möglich war und jetzt ist bald die von der Sozialdemo­kratie ersehnte Zeit gekommen. Es gibt bald keine Kapitali­sten mehr. Ein gewerblicher Betrieb nach dem anderen muß schließen. Das Kapital fehlt und jetzt könnten die gefoppten und betrogenen Lohnarbeiter merken, wohin sie die Gewerkschaft­ler und Sozialdemokraten geführt haben. Das Gespenst der Armut geht um. Die Genossen aber versagen vollständig bei der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, sie kommen immer wieder mit dem Vorschlag: die Stadt und der Staat sollen es machen.

Za, warum führen sie selbst denn nicht einmal einen Be­trieb, wie denjenigen von Heyligenstädt, auf ihre Kosten weiter?

Warum machen sie denn keine Vorschläge, wie man auf der Lollarer Hütte die jetzt entlassenen 700 Lohnarbeiter mit Arbeit versorgt?

Den Gießener Metzgern ihr Brot nehmen, indem man eine sozialdemokratische Konsum-Metzgerei baut, die keine Steuern zu zahlen braucht, darin sind die Genossen Meister. Aber auch nur einen ernsten Vorschlag zu machen, wie man die Wirtschaft in Gang bringt, dazu ist die Sozialdemokratie unfähig.

Ausruf!

Was wir haben, sind Parteien, Stände, Schichten, Glaubens­bekenntnisse, Weltanschauungen,' sind Gegensätze. Meinungsver­schiedenheiten, Kämpfe und wieder Parteien, Parteien, Par­teien. Was wir nicht haben ist Einheit, Geschlossenheit, in­nere Verbundenheit jenseits all dieser Parteiungen. Ehe wir aber all das andere sind, sind wir Glieder eines Volkes, Glie­der einer Gemeinschaft, die deshalb doch kein Organismus ist, weil ihr die innere Verbundenheit mit dem fehlt, was das Ent­scheidende ist: das Vollsbewußtsein. Wir können's uns nicht auf­zwingen, es muß wachsen. Es muß aus einer Seele wachsen, die den Keim dieses Bewußtseins in sich tragt. Es wird um­schrieben von dem einen Wort: Heimat. Wir haben Heimat von Haus aus. Niemand ist ohne Familie. Ein jeder kommt von Vater und Mutter her. Jeder hängt mit dem Volk und durch das Volk irgendwie mag er auch ganz Stadtmensch sein mit dem Boden zusammen. Heimat ist da. Und dies Heimatgefühl, diese Heimatwelt ist uns allen gemeinsam. Dies Gefühl aber sollte so stark werden und sollte zu einem so hohen Grad von gemeinsamem Volksbewußsein führen, daß dem gegenüber alle andern Gegensätze verschwinden,' daß sie darin aufgehn als in einem gemeinsamen Feuer, einer gemeinsamen Glut, die die Hemmungen des Volksbewußtseins verzchrt. Also, daß da keine Parteigegensätze mehr sind, sondern nur verschieden geartete, verschieden gedachte Anschauungen und Auffassungen, wie eben eine Sache von 3, 4, von 10 verschiedenen Seiten be­trachtet und beleuchtet werden kann: über allem aber steht das Ganze: Gott, Heimat, Vaterland. Das ist das, was uns fehlt: das Organ dieser Gemeinsamkeit. Dies Organ dieser Gemein- keit. Dies Organ hebt die Meinungsverschiedenheiten zwar nicht auf, biegt sie aber in eine Grundrichtung: Volks- und Heimatwillen. Bei uns Deutschen auf deutsch, bei Schweden, Italienern, Arabern, Feuerländern auf schwedisch, italienisch, arabisch, feuerländisch. So überall. HeberaU ist Heimat das Ureigene. Ueberall ist Bekenntnis zur Heimat Stärke des Volks­tums. Heimat als Wesen und Begriff ist international mehr als sonst irgend etwas, mehr als Kapital und mehr als Prole­tariat, mehr als Kunst, als Handel und Wisienschaft. Aber nicht überall ist sie in der Gedanken- und Gefühlswelt gleich mächtig,